Second Unit #181 (The Martian)

Im Jahresrückblick haben wir noch drüber gesprochen, jetzt setzen wir es in die Tat um. Der Timo von PlayTogether bespricht mit mir The Martian (Amazon-Link*), seinen Film des Jahres 2015. Außerdem: Wissenschaft, Oscars und die NASA. 

Timo ist leidenschaftlicher Videospieler, Podcaster und Geophysiker. Der PlayTogether Podcast dürfte euch ja bekannt sein, über die Jahre hatte ich dort mehrere Gastspiele, die Jungs haben uns im Sommer vertreten und es gab auch schon ein großes Crossover zum Thema Games und Filmen.

Zu Beginn der Sendung bedanke ich mal wieder bei euren großzügigen Flattr-Spenden und den neuen Patronen! Wie immer: Danke!

[YouTube Direktlink]

Ich muss zugeben, dass mich der Name Ridley Scott nach Prometheus in Sachen Science-Fiction eher abgeschreckt hat. Ich bin aber froh und erleichtert, dass er hier endlich wieder zur alten Form zurückkehrt! Dabei hat er aber natürlich auch tatkräftige Unterstützung von Andy Weir, der die Buchvorlage geschrieben hat und durch das Drehbuch von Drew Goddard.

Darüber hinaus ist der Cast unfassbar großartig! Matt Damon spielt als Mark Watney die Hauptrolle. Jessica Chastain als Melissa Lewis, Michael Peña als Rick Martinez, Sebastian Stan als Chris Beck und Kate Mara als Beth Johanssen sind Teil seiner Mars-Crew. Auf der Erde bangen Kristen Wiig als Annie Montrose, Jeff Daniels als Teddy Sanders, Sean Bean als Mitch Henderson und Donald Glover als Rich Purnell um die Rettung des einsamen Astronauten.

Wir beginnen unsere Diskussion mit den unterschiedlichen Erwartungen an den Film, Timo kannte zum Beispiel vorher schon das gleichnamige Buch (Amazon-Link*). Außerdem geht es um die gelungene Leichtfüßigkeit des Filmes, der Darstellung von Wissenschaft und schlussendlich auch (ein bisschen) um die nahende Oscar-Verleihung. Timo erwähnt dabei auch diese Episode vom Raumzeit-Podcast.

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[Download | Länge: 01:45:40 | Größe: 51,0 MB | @2nd_Unit | Facebook.com/SecondUnit | iTunes | Unterstützt uns bei Patreon!]

[Teaser-Bild: cc by 2.0 European Space Agency]

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  • Murat Özkowsky

    Hallo Christian, ich bins – der Hauswart.
    Würdest Du bitte unten immer zu machen
    es kommen sonst Fremde rein.

    (Der Karton mit Schweden Filme hab ich vor den Dachboden gestellt)

    M.

  • SecondUnitTamino

    “Ich bin aber froh und erleichtert, dass er hier endlich wieder zur alten Form zurückkehrt!” – Wenn ALIEN und BLADE RUNNER Scotts “alte Form” sind, dann fühle ich mich jetzt zwar herausgefordert, dem so stark wie es mir nur irgend möglich ist zu widersprechen, aber ich glaube, ich habe einfach keine Lust mehr, mich noch weiter mit diesem Müll von Film zu befassen. Hab schon mit Jacker auf MP drüber geredet und ich versteh einfach nicht, wie man diesem Ding was abgewinnen kann. Kurzform: Humor: 0/10, letzte halbe Stunde (Actiongedöns): 0/10, Figuren: bis auf Whatney vollkommen austauschbar, Plot: na ja, Audiovisualität: hübsch. Mir hängen diese Sci-Fi-Schnick-Schnack-Filme einfach zum Hals raus. Ich habe auf den “Gravity-Realismus” einfach keine Lust mehr. Bitte, Hollywood, keine Menschen im Raumanzügen mehr, die mit dessen Luftdruck bzw. mit Feuerlöschern durchs Weltall manövrieren. Genug mit dem Kindergarten, wo gibt es die Filme für Erwachsene? Und dann werden diese Film auch noch für ihren Realismus gelobt. “Hallo Raumschiff, ich schweb mal kurz rüber” So läuft das schließlich im Weltraum…

    Ich muss mal gucken, ob ich Lust habe, mir 90 Minuten Lob über diesen Film anzuhören. Ich find’s ja für gemeinhin sehr interessant, über starke filmische Differenzen zu diskutieren, aber THE MARTIAN ist einfach so stumpf und belanglos, dass ich recht wenig Sinn darin sehe, mich noch weiter mit ihm zu befassen. Die Dialoge, der Humor, boa, die Erinnerungen daran tun schon weh. Ich glaube ich ertrag da keine Sendung drüber. Guck mal lieber THE REVENANT, Christian, der taugt wenigstens was.

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Ich musste auch an dich denken, als ich den Film gesehen hab und weiß ganz genau, was deine Probleme damit sind. Mein größtes Argument ist aber (und mit dem kannste garantiert nix anfangen): der Film feiert den Menschen, was ich schon lange nicht mehr so in einem großen SciFi-Film gesehen hab. Entweder alles ist düster und deprimierend (Alien, Blade Runner, Prometheus) oder die Zukunft wird für uns alle ein großes Problem sein, weil uns die ach so böse Technik alle versklaven wird (Matrix). Aber einen locker-leichten SciFi-Film über total unrealistische, aber glaubwürdige Archetypen, mit denen ich Spaß haben kann, hat mir…nunja…Spaß gemacht :D

      • SecondUnitTamino

        Das hätte ich prinzipiell auch schön gefunden (wir haben ja auch schon hin und wieder das immer seltenere Auftauchen von Utopien beklagt), aber für mich kommt das hier insgesamt einfach nicht rüber, weil jedweder potenziell ergiebiger Inhalt durch dumme Sprüche/Dialoge, blasse Figuren und Zauber-Physik ad absurdum geführt wird. Daher empfinde ich hier weder ein hoffnungsvolles Gefühl für die Wissenschaft, da Wissenschaft in diesem Film in den wichtigsten Momenten leider nur aus Bullshit besteht, und kann auch mit der Figur von Whatney nicht allzu viel anfangen, da sie nie wirklich in Gefahr ist und einfach viel zu übertrieben lässig auf alles reagiert. Suddlety findet man hier leider ganz und gar nicht. So wie PROMETHEUS bleibt bei mir am Ende nur das Gefühl zurück, dass ich die Ansätze und die Themen prinzipiell interessant finde, aber das Gesamtpaket nur sehr platt und durchwachsen ist.

        • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

          Verstehe ich schon alles und kann ich auch sehen, war bei mir aber einfach anders. Der Film musste für mich zum Beispiel auch nicht spannend sein, mir war völlig klar wie es ausgehen MUSSTE. Aber das ist auch okay, nicht jeder Film muss auf erbitterte Spannung und Tiefe ausgelegt sein. Das Ding hier ist für mich auch eher ein Abenteuer-Film ala Indiana Jones als eine tiefsinnige Auseinandersetzung mit der Zukunft, dem Weltraum oder dem Mars.

          Aber wie gesagt: Ich verstehe deine Kritik auch voll und ganz und wüsste auch nicht, wie ich sie aushebeln sollte. Trotzdem sehe ich den Film anders ;-)

    • Weltraumhirsch

      Mensch, ich fand den Film mindestens genauso schlimm, wie du! Dabei hätte ich jetzt gedacht, dass du ihn total abfeierst. Sind unsere Geschmäcker plötzlich nicht mehr diametral entgegengesetzt?

      Aber hey, dann hab ich RLM gesehen und die sind ja dein filmischer Kompass und mir wird alles klar :)
      Cheers!

      • SecondUnitTamino

        Na guck an! Bei PROMETHEUS waren wir uns ja auch einig, also zumindest in Sachen Ridley Scott sind wir voll auf einer Wellenlänge ;-)

        • Weltraumhirsch

          Im Hass vereint <3

    • Familienpapa

      Na dann solltest du dir doch mal den neuen Space Cop anschauen!

      • SecondUnitTamino

        Da quasi alle den scheiße finden, habe ich keine Lust mehr drauf. Hatte mich ziemlich auf das Ding gefreut, aber die Resonanz ist einfach so vernichtend, dass ich mir die Kohlen dafür dann doch lieber erstmal spare.

  • Deekin

    1:22:00 Minute

    Ist es nicht eher umgekehrt so, dass für gewöhnlich die Filmemacher entweder an die NASA oder das Militär herantreten und fragen, ob diese die Filmproduktion unterstützen? So habe ich das bisher immer verstanden. Denn auf diese Weise können gerade die Filmemacher entweder sichergehen, dass die dargestellte Wissenschaft im Film auch möglichst korrekt rüberkommt, oder, im Falle des US-Militärs, Kosten sparen, wenn diese Equipment und Soldaten als Statisten bereitstellen. Im letzteren Fall achten die PR-Agenten des Militärs allerdings auch darauf, dass dieses nicht in einen schlechten Ruf gerät. So sollte es etwa in dem Film WINDTALKERS eine Szene geben, in welcher ein Offizier der US Army Goldzähne aus der Leiche eines japanischen Soldaten knackt; diese Szene musste gestrichen werden, weil laut der Army Offiziere in einem Krieg so etwas nicht machen würden, obwohl besagte Szene auf wahren Begebenheiten beruht. BLACK HAWK DOWN war auch ein Film, in dem die US Army zunächst ihre Unterstützung verweigert hat und die entsprechenden Repräsentanten haben erst eingewilligt, als sie feststellten, wie unakkurat die Black Hawks aussahen, die im Film zur Anwendung kommen sollten. Da die US Army eine Staatsinstitution ist, kann ich schon nachvollziehen, dass sie ihre Unterstützung keinem Film zusagen, der diese in einem schlechten Licht darstellt. Umgekehrterweise ergibt sich für Filmemacher dadurch natürlich das Problem, dass diese eventuell von vornherein den Inhalt ihres Filmes ‘armee konformer’ gestalten, um die Produktionskosten u.U. senken zu können.

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Wollte auch nicht das Gegenteil behaupten. Aber es ist schon krass, wie verzahnt das mittlerweile ist. Besonders im Marketing. Siehe: https://www.youtube.com/watch?v=j8JS3kqUTqM

      • Deekin

        Ja, tatsächlich recht interessant. Das mit ‘verzahnt’ war übrigens ein tolles Wortspiel!

  • http://www.24yardspersecond.de/ phyXius

    Ich mag “The Martian” auch sehr. Endlich mal wieder ein Film, in dem es nicht in erster Linie andauernd um Leben und (den extraterrestrischen) Tod geht, sondern auch mal eine Portion Leichtigkeit erlaubt wird. Mit dem Buch kann der Film erwartungsgemäß nicht ganz mithalten, sowohl was Geschichte als auch Humor angeht. Gerade hinsichtlich der Handlung wurde mir da im hinteren Teil ein wenig zu sehr gestrafft, weshalb Mark zu problemlos auf dem Mars rumcruisen konnte. Auch beim etwas übertriebenen Ende kann ich euch nur zustimmen, das war aus dramaturgischen Gründen zu extrem. Aber insgesamt sehr guckbar und tolle Unterhaltung.

    Worüber ich gerade gestolpert bin: Eine kommende Webdoku über das privatwirtschaftliche Rennen zum Mond, produziert von J.J. Abrams (und dezent unterstützt von Google): http://www.wired.com/2016/03/j-j-abrams-moon-shot-google-lunar-x-prize-documentary-series/?mbid=social_fb

    • tinkengil

      Allerdings, der Film verwendet sehr viel Zeit dafür, seine Glaubwürdigkeit aufzubauen und aufzuzeigen, welche Möglichkeiten und Limitierungen z.B. Mark Watney auf dem Mars hat und was eben nicht geht. So hat man als Zuschauer ein gutes Gefühl dafür, was z.B. in dem größeren Zeitsprung (abgemagerter Watney vorm Spiegel) alles passiert sein könnte und wie er sich derweil beschäftigt haben mag. Am Ende hin bricht das Konstrukt aber leider etwas zusammen – das ist aber auch im Buch so, und das finde ich dort schon problematisch. Die Drehbuchschreiber haben wahrscheinlich die Iron Man-Idee mit Kusshand aufgenommen, für mich ist und bleibt das die problematischste Szene des Films. Mark Watneys Fahrt zum MAV kommt im Film auch reichlich unspektakulär und leichtfüßig rüber, da hast du recht. Vielleicht wird das in der Extended-Version noch aufgegriffen. Immerhin legt er knapp 3200km (?) zurück.