Tamino ist zurück! Und mit drei Brettern von Filmen! Wir beschäftigen uns in dieser Ausgabe nicht nur mit einem, sondern mit allen drei Filmen der Godfather-Trilogie (Amazon-Link*). Funktioniert die Trilogie als Einheit? Fällt der dritte Teil ab? Wir klären auf.
Anders als in vielen anderen Sendungen, tauchen wir ziemlich direkt in die Materie ein. Kein Wunder, schließlich versuchen wir fast zehn Stunden Film zu besprechen. Gar nicht so leicht.
Die Pate-Trilogie dürfte so ziemlich das größte Werk von Francis Ford Coppola sein, obwohl ich zurecht Einwände von Tamino aus dem entfernten Kiel beim Schreiben dieser Zeilen vernehme. Mario Puzzo hat für die ersten beiden Teile die direkte Buchvorlage geschrieben und bei allen dreien zusammen mit Coppola am Drehbuch gearbeitet. Die Hauptrollen teilen sich Marlon Brando als Don Vito Corleone, Robert De Niro als junger Vito Corleone und Al Pacino als Michael Corleone, dessen Sohn. Außerdem sind James Caan als Sonny Corleone, John Cazale als Fredo und Robert Duvall als Tom Hagen wichtiger Teil der Familie. Diane Keaton spielt als Kay Adams die spätere Frau von Michael. Andy Garcia als Vincent Mancini und Sofia Coppola als Mary Corleone stoßen im dritten Teil hinzu.
Unsere Diskussion geht ein wenig der Frage nach, ob diese Trilogie überhaupt als eine Geschichte in drei Akten funktioniert. Dabei fragen wir auch, wessen Geschichte im Paten eigentlich erzählt wird. Ist es die Geschichte des Michael Corleone? Ist es die Geschichte des Don Vito Corleone? Oder gar beide? Dabei nehmen wir natürlich auch die Familien-Thematik auf und fragen uns, warum der dritte Film so stark herausfällt.
[Teaser-Bild: „Forza D’Agrò“ by Miguel Virkkunen Carvalho is licensed under CC BY 2.0]
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Ich finde, dass der erste Pate mit Abstand der beste Teil der Reihe ist. Und ich würde mich tatsächlich dagegen sträuben, die drei Filme als klassische Trilogie zu bezeichnen. Der erste Film ist erzählerisch ein weitgehend abgeschlossenes Werk und müsste eigentlich gar nicht fortgeführt werden, mit ihm ist im Grunde alles Wesentliche gesagt.
Vor allem ist Der Pate die Geschichte von Michael Corleone: vom Außenseiter der Familie und vermeintlich „Guten“ zum neuen Don. Eigentlich eine klassische Tragödie: Derjenige, der nie so werden wollte wie seine Familie, wird am Ende genau zu dem, was er ablehnt und schließlich sogar zu einem noch fanatischeren und skrupelloseren Familienoberhaupt als sein Vater. Die letzte Szene, in der Michael im schwarzen Anzug auf dem Stuhl sitzt und seine Macht etabliert, bringt diese Metamorphose perfekt auf den Punkt.
Deshalb sehe ich auch Vito eher in einer Mentorrolle. Michael ist die eigentliche Hauptfigur: Er wird gleich zu Beginn eingeführt, hat die zentrale Liebesgeschichte mit Kay, erlebt in Sizilien mit Apollonia einen entscheidenden Wendepunkt und hat zahlreiche Schlüsselszenen mit seinem Vater. Gleichzeitig ist Vito im Film ja gar nicht so präsent, im zweiten Drittel liegt er lange im Krankenhaus, später ist er zunehmend gebrechlich. Mit dem letzten Akt ist Michaels Entwicklung dann abgeschlossen.
Genau deshalb finde ich Der Pate II erzählerisch nicht ganz so überzeugend. Er elaboriert für mich vor allem das, was der erste Teil bereits erzählt hat: Michael als Don, der immer weiter in Gewalt und Machtpolitik abrutscht und dadurch seine Familie zerstört. Großartige Szenen, Dialoge, Darsteller und eine fantastische Inszenierung hat der Film natürlich trotzdem. Aber erzählerisch empfinde ich ihn nicht als den großen Wurf und Weiterentwicklung vom ersten Teil.
Interessanter finde ich deshalb auf dieser Ebene sogar Der Pate III. Der Film versucht tatsächlich, noch etwas Neues zu erzählen: einen alternden Michael, der sich mit seiner eigenen Familiengeschichte auseinandersetzt, mit seinen erwachsenen Kindern und seinem Erbe. Auch die Spiegelung zum ersten Teil finde ich spannend: Während dort Vito und seine Kinder im Zentrum stehen, ist Michael nun selbst das Familienoberhaupt und steht seinen eigenen Kindern und seinem potentiellen Erben gegenüber.
Natürlich ist Der Pate II der rundere und besser inszenierte Film, während Teil III deutliche narrative Schwächen hat. Aber konzeptionell finde ich den dritten Teil tatsächlich interessanter als den zweiten, weil er noch einmal eine neue Perspektive auf Michaels Geschichte eröffnet.