Second Unit #43 (Django Unchained)

Diese Woche haben wir eine spontane Überraschung am Start: Wir sind mal wieder zu dritt! Rian vom Daily D-Pad leistet uns in unserer Diskussion zu Django Unchained (Amazon) Gesellschaft. 

Wir bedanken uns zu Beginn der Sendung bei @HerrvonSpeck für sein Review bei iTunes. Außerdem diskutieren wir ein wenig über den Begriff des Protagonisten, zu dem uns Rian in der letzten Episode einen Kommentar schrieb.

Das Getränk in dieser Woche ist mal wieder ein Malzbier. Dieses Mal aus dem Hause Vitamalz.

Auch diese Sendung teilen wir wieder in spoilerfrei und spoilervoll. Zu Beginn sprechen wir natürlich über die Besetzung. Tarantinos Gehirn entstammt bekanntermaßen der Film, Christoph Waltz, Jamie Foxx, Leonardo DiCaprio und Samuel L. Jackson gehen alle in ihren Rollen auf und haben sichtlich Spaß bei der Arbeit. Rian hat auch der Rest sehr gut gefallen, Tamino und ich sind hingegen schwer bis mittelmäßig enttäuscht. Unsere allgemeine Diskussion ziehen wir deshalb auch ein wenig nach vorne. Es bietet sich nämlich an, über den “modernen” Western und Tarantinos Interpretation des klassischen Genres zu sprechen. Erst ab 45:50 beginnt unsere konkrete Besprechung, gespickt mit Spoilern.

Wir erwähnen natürlich auch wieder einige Western. Zu Beginn durch die zuerst von mir vermutete Verbindung zur der Django-Reihe. Aber auch neuere Vertreter wie 3:10 To Yuma, No Country for Old Men und True Grit. Aber auch Nicht-Western wie Carnage, Brazil und The Man with the Iron Fists. Ja sogar eine TV-Serie in Form von Breaking Bad erwähnen wir! Rian klärt uns außerdem über das Blaxploitation-Genre auf und gibt Beispiele in Form von Shaft und Black Dynamite.

Nächste Woche widmen wir uns dann wieder einem Hörervorschlag. Ihr habt uns Horror-Filme vorgeschlagen und euch für Hellraiser [dt. Version] (Amazon) entschieden. Wir sind gespannt, ob der Film auch in der geschnittenen Version funktioniert.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

[Download | Länge: 1:26:53 | Größe: 39,9 MB| @2nd_Unit | Facebook.com/SecondUnit | iTunes]

[Teaser-Bild: cc by aeneastudio]

  • Lobster

    Uijuijui, da muss ich doch zur Rettung des Filmes kommen!

    Für mich gibt es seit den 70ern eigentlich keine klassischen Western mehr. Alles was dieser Tage produziert wird, sind maximal Neowestern, die sich in dem Setting bewegen, aber das Gefühl nicht mehr vermitteln können und ehrlich gesagt fände ich es auch sehr langweilig, wenn man einfach nur die alten Schinken kopieren würde. Daher finde ich es umso spannender, dass Tarantino das wohl ausgelutschteste Genre aufgreift und mit so wahnsinnig viele moderne Elemente kombiniert.
    Und für mich sind Kategorien, wie die Anzahl von Lagerfeuern oder Minuten, die man einsam durch die Wüste reitet, meilenweit davon entfernt den Grad an Westernhaftigkeit festzustellen. Aber für mich ist “ist halt nicht so wie Pulp Fiction” auch kein Qualitätsmerkmal ;)

    Zu Waltz muss ich sagen, dass ich es wirklich genial finde, dass er seine eine Rolle in so vielen verschiedenen Facetten darstellen kann. Daher fällt es mir auch schwer zuzustimmen, wenn gesagt wird, er sei ein “one hit wonder”. Es unterscheidet die Charaktere meiner Meinung nach auch mehr, als eine Eigenschaft. Der Humanismus und die Ablehnung von Unterdrückung von Schultz steht z.B. im Mittelpunkt. Außerdem unterscheiden die beiden auch, dass Schultz ein viel emotionsgeleiteter Charakter ist, der in seiner letzten Szene seine analystische Schläue über Board wirft und seinen Emotionen folgt.

    Vielleicht darf man auch nicht mit den Erwartungen an Django Unchained gehen, dass man jetzt eine 1zu1 Kopie von Pulp Fiction oder Inglourious Basterds sieht. Die Dialoge in Django funktionieren anders, weil die Figurenkonstellation eine ganz andere ist. Eben diese Mentorenkonstellation und die Entwicklung des Charakters Django. Und grade dieses neue, unverbrauchte Sujet mit viel Sozialkritik, das aber trotzdem wesentliche komische Elemente enthält, bringt frischen Wind in den sich leider auch viel zu oft wiederholenden Tarantino. Vielleicht gefällt mir Django auch deshalb besser als Inglourious Basterds, weil ich die Nazithematik für unendlich ausgelutscht halte (und Tarantino daran auch nichts ändern konnte) und über Sklaven plus die Gräuel, die ihnen zugefügt wurden, im Kontext so eines Films noch nie gesehen habe und es wirklich großartig, und vor allem mit Fingerspitzengefühl (Stichwort Liminalität zwischen Betroffenheit und Humor), umgesetzt wurde.

    Ansonsten noch mehr positive Aspekte in der Besprechung ;)
    http://zombiebunker.blogspot.de/2013/01/django-unchained-2013.html

    • farmer Fred

      Hallo,
      finde auch, das Herr Waltz kein One-Hit-Wonder ist. Wenn man sich seine Produktionen und Rollen vor seinem Hollywood-Engagement ansieht, erkennt man was der Mann eigentlich wirklich drauf hat. Als Referenzen seien da mal die “Roy Black-Story” und “Tag der Abrechnung” genannt. Solltet ihr euch mal ansehen, auch wenn euch die Thematik nicht unbedingt interessiert. In seinen US-Engagements ist er bisher eher flach und eindimensional geblieben, wenn man von Der Gott des Gemetzels mal absieht. Da hatte er ein starkes Ensemble und ein gutes Drehbuch und durfte nicht nur den durchgeknallten stereotypen Deutschen darstellen, wie Tarantino das so aus seínen B-Movie-VHS-Cassetten kennt. Nichts gegen Tarantino, aber irgendwie halte ich den Mann auch für ein bisserl überschätzt. Er ist halt ein B-Movie-Fan und das sieht man seinen Filmen deutlich an. Seine Hauptprotagonisten handeln eigentlich immer überdreht und wirken daher comichaft.. Seine Botschaften,die er in seinen Filmen unterbringen will, verschwinden hinter dem aufgesetzen Retrolook und der endlosen Zitaten- und Refenzliste nach dem Motto “Guckt mal, den Film hab ich auch gesehen und ich liebe ihn”.
      Kleine Trivia noch am Rande.Eigentlichwar Herr Waltz nur die 2. Wahl für die Rolle des Landa. Ursprünglich wollte Tarantino den deuschen Schauspieler Ulriich Tukur für die Rolle. Der war auch beim Casting, hatte dann aber keine Zeit und wohl auch kein Lust auf den Part. Weil er eben genau nicht den Part des typisch deutschen Klischeenazis spielen wollte, der in Inglorious Basterds zur unwirklichen Farce verkommt. Ein großartiger Mime wie Tukur läßt sich von Tarantino bestimmt nciht sagen: Spiel mal den Nazi so wie ich das aus meinen schrottigen US-Billo-Filmen aus den 60ernso kenne. Aber eines muß man Herrn Tarantino doch zugute halten. seine Soundtracks sind wirklich klasse.

      Meine Tarantino Hitlist noch schnell:
      1. Pulp Fiction
      2. Jackie Brown
      3. Reservoir Dogs

      ..alles danach brauche ich nicht wirklich und ist auch hinter seinem Anspruch zurückgeblieben.
      Den Django kenn ich nocht nicht, werde ich mir aber ansehn, nur dann kann ich ihn ja beurteilen. Eine Kinokartge wär`s mir aber nicht wert gewesen.

      Grüße und freue mich auf weiter Folgen

      Farmer Fred

      • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

        Danke für den Kommentar. Eine interessante Sichtweise auf Tarantino ;-)

      • Lobster

        Stimmt, das macht durchaus Sinn. Ich kann zum Beispiel sehr wenig mit Mainstreamfilmen anfangen und liebe B-Movies. Vielleicht gefallen mir auch genau deshalb die letzten 3 Tarantinos so gut, weil sie im Gegensatz zu den Frühwerken noch stärker Zitieren und sich viel deutlicher an B-Movie orientieren.
        Grade Death Proof in Verbindung mit Planet Terror ist ein brillantes Filmerlebnis, das so herrlich unkonventionell ist. Sehr mutig von Tarantino so ein Projekt zu starten, obwohl der Mainstreamfan mit dieser Art von Film und Filmrevival nicht klarkommt. Dass hat sich ja auch an der Kinokasse gezeigt. Die Leute waren ja schon mit dem Konzept des Doublefeatures überfordert. In Deutschland hat man das Konzept direkt fallen gelassen.
        Aber dazu gehört schon viel Mut, ein Purist zu sein und mit allen Erwartungshaltungen der eigenen Fans zu brechen.
        Für mich vereint Death Proof z.B. all das, was ein reißerischer b-movie-esker Actionfilm braucht, mixt es mit schönen Frauen, Tarantinodialogen und eine grandiosen Optik.
        Nur vom drüber schreiben bekomme ich schon wieder Riesenbock auf den Streifen! Ha :)

  • http://twitter.com/rianvoss Rian Voß

    Grit, nicht Grid. :)

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Danke :-)

  • Heisenberg

    Yeah, endlich mal eine Erwähnung von Breaking Bad!

    Wobei ich das anders sehe als euer Gast. Walter ist für mich die absolute Identifikationsfigur Nummer Eins. Letzendlich ist nur er mir wichtig. Wenn es um alles geht, sind für mich alle anderen Figuren entbehrlich, auch Jessi. Bin gespannt wie sich das am Ende der 5.Staffel auflösen wird.

    Zum Film:
    Tarantino hat geliefert!
    Nicht so ein Meisterwerk wie Kill Bill oder Inglorious Basterds,
    aber trotzdem richtig richtig gut! So insgesamt etwa eine 85 von 100.

    Mit den Westernaspekten habt ihr zwar Recht, aber das hat für mich absolut nichts damit zu tun wie ich den Film beurteile. Es ist mir schlicht weg völlig egal. Hauptsache der Film ist gut. Und das ist er ohne Zweifel.

    Insgesamt hat er ein paar Längen, gerade in den Szenen im Haus. so 10-15 Minuten hätte man noch rausnehmen kann.

    Das Thema Sklaverei fand ich unglaublich stark! Sehr gut wie Tarantino damit umging und es Stück für Stück zerlegt hat. Ähnlich wie ja die Nazis in Inglorious Basterds. Das hat einfach gut getan.

    Unvergessliche Momente hatte er für mich auf jeden Fall.
    z.B.

    *SPOILER*
    - Eröffnungssequenz
    – Szene im ersten Dorf
    – Szene mit Don Johnson und den Brittle Brüdern (grandios)
    – Ku Klux Klan (das ganze Kino lag vor Lachen auf dem Boden, Bombe!!)
    – Der erste Auftritt von Samuel L. Jackson
    – Das Handschlag-Rededuell
    – Django auf dem weißen Pferd ohne Sattel mit Gewehr (episch)

    Meine Tarantino Liste

    1.Kill Bill
    2.Inglourius Basterds
    3.Pulp Fiction
    4.Jackie Brown
    5.Django
    6.Death Proof
    7.Reservoir Dogs

    Interessantes interview mit Tarantino
    http://www.spiegel.de/kultur/kino/interview-mit-django-unchained-regisseur-quentin-tarantino-a-878318.html

    • SecondUnitTamino

      Wenn es um Listen geht, kann ich mich nicht zurückhalten, also hier auch meine Tarantino-Liste (mit Ratig x/10 dahnter):

      1. Inglourious Basterds (10)
      2. Pulp Fiction (10)
      3. Reservoir Dogs (9)
      4. Kill Bill 1+2 (8)
      5. Jackie Brown (7)
      6. Django (6)
      7. Death Proof (4)

      Ich habe alle Filme bis auf die letzten beiden mindestens zweimal gesehen und bin mir was die Bewertung angeht auch ziemlich sicher. Bis auf Reservoir Dogs sind wir uns da ja anscheinend auch recht einig. (Kill Bill nach ganz oben zu packen ist natürlich auch ein wenig wahnsinnig, aber dafür sind wir ja Menschen mit Geschmacksurteilen:) ) Tarantinos Debut ist für mich ein großartiger Film, kein Plan, was du an dem auszusetzen hast. Und was Django angeht, muss ich wirklich sagen, dass auch jetzt, wo der Film ein wenig gesackt ist und ich noch einige Kritiken durchstöbert habe, er mir eher noch mittelmäßiger vorkommt als direkt nach dem Kinobesuch. Ich verspüre ehrlich gesagt nicht einmal den Drang, den Film überhaupt noch einmal zu schauen. Die Szenen, die du als unvergesslich beschreibst, fand ich allesamt gut, aber die auch nur in die Nähe von Pulp Fiction’s ikonischen Momenten oder Inglourious Basterds’ spannungsüberladenen Dialogen zu stellen ist für mich persönlich nicht nachvollziehbar. Die Ku Klux Klan Szene Szene scheint bei sehr vielen Leuten übrigens überhaupt nicht funktioniert zu haben und mir hat sie auch nicht viel mehr als ein müdes Lächeln entlockt. Insgesamt wirkte mir fast jedes Element in Django zu konstruiert. Kaum ein Charakter oder Dialog ist glaubwürdig, auch wenn sie dennoch grotesk und unterhaltsam sind. In Pulp Fiction ist vieles überzogen, wirkt aber nie konstruiert oder unglaubwürdig. Bei Django kam jeder Witz mit Ansage und wurde mit dem Presslufthammer durchgedrückt. Andere Tarantinos funktionieren viel flüssiger und natürlicher in ihrer Absurdität.

      Allgemein bin ich wirklich verwundert, dass Django fast überall so unglaublich gut ankommt. Inglourious Basterds, der ca. eine Million Mal stäker ist, wurde von Beginn an von vielen Seiten her stark kritisiert und im Laufe der Zeit immer mehr zerrissen. Django ist mir in jeder Hinsicht – und gerade in Tarantino-Hinsicht – viel zu gewöhnlich von seinem Inhalt und durchschnittlich in der Umsetzung. Vor allem Christoph Waltz’ Charakter stört mich bei weiterem Nachdenken immer mehr. Ich empfinde es als unglaublich unangenehm, einen Charakter aus einem vorherigen Film zu kopieren und nahezu unverändert in einen neuen Film zu transferieren. Dass Lobster leugnet, dass Waltz bei Hans Landa und Dr. Schulz zu 95% die gleiche Performance liefert ist absolut beyond me. Wozu soll ich da noch argumentieren, man sieht es doch in so ziemlich jeder seiner Gesticken und Lines. Da von anderen Facetten zu sprechen, klingt für mich wie Schönredenwollen – ich sehe Hans Landa mit Bart und Wetsern-Outfit. Man nehme hier z.B. Samuel L. Jackson in Django und Pulp Fiction zum Vergleich. So kann man einen Schauspieler erneut verweden: Beide Male mit Klasse, aber beide Male auch in einer völlig anderen Rolle.

      • Heisenberg

        Ich habe eigentlich an keinem der Tarantino Filme etwas Nennenswertes auszusetzen, Reservoir Dogs ist mir nur einfach am wenigsten im Gedächtnis geblieben. Bei Death Proof ist es ähnlich. Aber insgesamt ist da nichts unter 8/10 dabei.

      • Lobster

        Meine Reihenfolge:

        1. Death Proof/Django
        2. Inglorious Basterds
        3. Pulp Fiction
        4. Kill Bill 1
        5. Kill Bill 2
        6. Reservoir Dogs
        7. Jackie Brown

        Für mich sind 2 Charaktere, die grundverschiedene Motivationen haben, natürlich unterschiedlich. Ein cleverer Nazi wirkt nicht wie ein cleverer Huminast, selbst wenn beide clever sind.
        Natürlich vereinen beide Charaktere auch Gemeinsamkeiten, das habe ich auch nie bestritten. Bestritten habe ich dagegen, dass es lediglich ein Attribut gibt, in dem die Charaktere tatsächlich differieren.
        Die Ähnlichkeiten der Charaktere liegen übrigens gar nicht an Tarantino, sondern an Waltz selbst.
        Der spielt nämlich in Green Hornet einen Charakter, der noch viel stärker an Hans Landa erinnert. Und bei Gott des Gemetzels hat er ja auch gewisse Charakterzüge.
        Aber was ja das Coole daran ist: er hat eine Rolle, die mich als Zuschauer überzeugt und die funktioniert. Da sie aber nie zu 100% oder 95% kopiert wird, kann ich auch sehr gut damit leben, wenn bestimmte Dinge, die funktionieren, auch in anderen Filmen Anwendung finden.

        Und nochmal, für mich sind das komplett grundverschiedene Charaktere, allein aus ihrer Motivation heraus und ihren Moralvorstellungen.

        Hans Landa hat kein Gewissen, er benimmt sich amoralisch und denkt nur an sich. Er biedert sich dem System an und mordet wahllos.
        King Schultz hat einen ganz klaren moralischen Kompass, er handelt nach diesen Vorstellungen. Er behandelt Django wie einen gleichwertigen Menschen und zeigt damit ein aufgeklärtes Weltbild. Auch sein Bountyhuntergeschäft verfolgt er nach diesen Vorstellungen. Sein Kodex geht sogar soweit, dass er, im krassen Kontrast zu der Hans Landa Figur, gegen sein analytisches Denken und damit emotional moralgeleitet handelt.

        Auch, dass King Schultz in seiner Mentorenfunktion auftritt und damit eine Verantwortung gegenüber Django wahrnimmt, ist für mich ein gewaltiger Unterschied.

        Wenn das Schönredenwollen sein soll, ich weiß ja nicht. Für mich gibt es außer den lustigen Sprüchen und der Schläue keinerlei Überschneidungen in den fundamentalen Charaktereigenschaften der Figuren.

        • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

          Das ist ja gerade der Punkt. Die beiden Charaktere sind zwar unterschiedlich geschrieben, aber gleich gespielt.

          • Lobster

            Hm, teilweise. Aber das ist für mich auch eher ein Qualitätsmerkmal, das für Waltz Talent spricht.
            Ryan Gosling guckt in jedem Film gleich, selbst Johnny Depp hat eine ganz bestimmte Art und Weisen Charaktere zu spielen. Trotzdem sind die unterschiedlichen Rollen für mich getrennt. Auch bei Jim Carrey oder Eddie Murphy geht mir das nicht so.
            Bei der KKK Szene hat zumindest in der Premiere der gesamte Kinosaal schallend gelacht. Derzeit rankt Django sogar bei der IMDB über IB. Von daher fällt es mir auch sehr schwer nachzuvollziehen, was an den Charakteren unglaubwürdig sein soll…zumal verglichen mit den anderen Tarantinos

          • SecondUnitTamino

            Wieso sollte es ein Qualitätsmerkmal eines Schauspielers sein, verschiedene Charaktere gleich zu spielen? Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Das ist ja wohl das Mieseste, was ein Schauspieler als Performance abliefern kann. (Da denke ich an GZSZ-Darsteller, die über 10 Jahre einen Charakter spielen und ansonsten anscheinend nichts können.) Es geht doch bei gelungenem Schauspiel darum, jedem einzelnen Charakter eine völlig andere und immer wieder an das Material der Geschichte angepasste Note zu geben. Wirklich herausragende Schauspieler müssen verschiedene Rollen auch völlig anders, aber gleichzeitig ähnlich überzeugend spielen können. Ich möchte in dem Zusammenhang auf Hollywoodgrößen wie Al Pacino, Edward Norton oder Christian Bale verweisen. Teilweise sind diese Schauspieler in ihren Charakteren kaum wiederzuerkennen. Man vergisst, dass man einen Schauspieler vor sich hat, weil er jeweils eine so unterschiedliche Performance abliefert. Allein was Edward Norton in Primal Fear und American History X jeweils für grundverschiedene aber gleichsam großartige Performances liefert. Einmal als der schwache Jüngling und ein anderes Mal als der brutale Verbrecher. Ich kenne fast alle Filme von ihm und er hat noch zig andere völlig verschiedene Rollen drauf, z.B. in Fight Club, Death to Smoochy oder The Score um nur einige wenige zu nennen.

            Zu Landa/Schulz: Ich gebe dir Recht, dass beide grundverschiedene Motivationen haben. Für mich macht das allerdings nicht wie für dich den größten Teil ihres Charakters aus, sondern nur einen relativ kleinen. Die Performance die wir sehen, mit all der Gestik und den gewitzen Dialogen ist das, was hauptsächlich präsent und bei beiden Charakteren nahezu identisch ist. Ihre Moral und Motivation stehen dabei nur implizit hinter ihnen und kommen hauptsächlich in gewissen Schlüsselmomenten zum Vorschein, was man natürlich nicht vernachlässigen kann, aber dennoch kaum ihre Wirkung und die Art und Weise, wie sich die Charaktere in den meisten Situationen verhalten, beeinflusst. Oder einfacher ausgedrückt: Das, was hauptsächlich auf der Leinwand zu sehen ist, sind das Auftreten, das Verhalten und die Dialoge eines Charakters. Und da sich all diese Elemente bei Landa und Schulz so sehr ähneln, reicht es für mich bei weitem nicht aus, das der eine gut und der andere böse ist (natürlich vereinfacht gesagt). Sie “fühlen” sich fast gleich an, auch wenn ihre Charaktere ganz andere Persönlichkeiten haben. Oder nochmal anders formuliert: Wenn ich mit beiden auf einer Party wäre, könnte ich sie vermutlich nicht auseinanderhalten. Beide würden witzige Geschichten erzählen, eloquent und höflich auftreten und ein niveauvolles Charisma haben. Wenn man beide allerdings näher kennen würde, würden sich im Laufe der Zeit immer Unterschiede ihrer Moral und generellen Einstellung zum Leben offenbaren. So ein tiefes Kennenlernen eines Charakters findet in einem Film allerdings kaumt statt und daher ist der Eindruck, den ein Charakter durch sein Verhalten, seine Gestik und seine Redeweise hinterlässt, weitaus einprägsamer und präsenter als seine Moral. Das soll natürlich nicht heißen, dass der innere Horizont einer Figur daher belanglos wäre. Natürlich überhaupt nicht, nur störte es mich permanent bei Dr. Schulz, dass ich das Gefühl hatte, diesen Charakter schon in einem anderen Film gesehen zu haben und erst nach und nach entschlüsseln zu müssen, was genau an ihm jetzt gleich und was verschieden im Vergleich zu Landa ist. Hätte Waltz Schulz einfach eine von Grund auf neue Note vergeben (vergeben dürfen?), so hätte sich der Charakter eigenständig und weitaus bedeutsamer angefühlt (So wie der von Samuel L. Jackson, der vollkommen eigenständig ist). Allerdings habe ich mir so von Beginn des Films an gewünscht, Schulz wäre von einem anderen Schauspieler gespielt worden, der der Figur einen eigenen Anstrich hätte verleihen dürfen. Für mich fühlt sich Schulz trotz Unterschiede in der Persönlichkeit wie Landa 2.0 an und hat mich daher im Film insgesamt mehr gestört als überzeugt.

    • farmer Fred

      Hallo Heisenberg,
      die wichtigsten Charaktere in Breaking Bad sind Walter, Jessie und Walters Schwager Hank. Alles was die drei tun beeinflußt sämtliche anderen Akteure der Serie. Um die drei geht es letzendlich. Ist zumindest meine Meinung.

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  • jacker

    Interessante und hörenswerte Episode.

    Witzig fand ich eure Suche nach den ‘Western-Merkmalen’: Anzahl Lagerfeuer = Punkt auf der Western-Skala :D
    Aber ich sehe das ähnlich, ich fand ihn auch weder im klassischen, noch im Italo-Sinne sehr Western-artig. Einzig das Setting war zwischenzeitlich sehr in die Richtung erkennbar.

    Bei mir kam DJANGO UNCHAINED auch wesentlich schwächer an, als die restlichen Tarantino-Filme. Vieles wirkt wie auf Teufel komm raus mit dem Dampfhammer inszeniert: Um jeden Preis ausufernde Gewaltexzesse, um jeden Preis skurrile Situationen, um jeden Preis ewige Gespräche..
    In früheren Tarantinos hat sich das aber ‘natürlicher’ zusammen gefügt!

    Besonders in dem (von euch ja auch angesprochenen) wesentlich realeren Kontext (Sklaverei und die damit einhergehende Brutalität) fand ich die späteren exzessiven Blutfontänen, etc. total deplatziert. Die Humor / Realismus Waage war nicht recht austariert..

    Könnte mir sogar vorstellen, dass der Film bei späteren Durchgängen eher verliert als gewinnt!

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Danke. Geht mir auch so, dass ich den Film nicht noch einmal schauen möchte. Aus Angst, dann noch mehr Schwächen und Probleme zu sehen.

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