Second Unit #34 (2001: A Space Odyssey)

An 2001: A Space Odyssey (Amazon) scheiden sich mal wieder unsere Geister. Für mich ein Meisterwerk, für Tamino eine Enttäuschung. Trotzdem (oder gerade deswegen) ist es aber mal wieder eine fruchtbare Diskussion geworden. Der Film wurde uns vor einigen Wochen in einem anonymen Filme-Care-Paket zugeschickt, wofür wir uns noch einmal herzlich bedanken! Wir greifen zu Beginn der Sendung noch einmal Cloud Atlas auf, der uns immer noch beschäftigt und bisher ganz gut anzukommen scheint. Das Getränk zum Film ist mit Mountain Dew ein US-Klassiker der Limonaden-Kunst und sieht unglaublich spacig aus.

Die Besetzung ist vielleicht ein wenig nachrangig, sei an dieser Stelle aber trotzdem erwähnt. Keir Dullea als Dave Bowman, Gary Lockwood als Frank Poole und William Sylvester als Heywood Floyd. Viel wichtiger scheinen aber die Menschen hinter der Kamera, nämlich Stanley Kubrick als Regisseur und Arthur C. Clarke als (Co-)Drebuchautor.

Wir versuchen zu Beginn noch konkret über den Film und seine Eigenarten zu sprechen, gehen aber im Laufe der Diskussion immer weiter über zu allgemeinen Themen wie beispielsweise utopische vs. dystopische Science Fiction. Wir erwähnen natürlich auch andere Filme wie Love, Seven, Prometheus, Brazil, Sunshine, Inecption und im Grunde alles von David Lynch.

Nächste Woche gibt es wieder einen Hörervorschlag, nämlich den Gewinner der Abstimmung: The Thing (Amazon). Wir freuen uns auf den Carpenter-Klassiker!

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[Teaser-Bild: cc by Alexande Hamada Possi]

  • Lobster

    Ahoi!

    Wunderbarer Film und eine interessante Diskussion.
    Da ihr alles schon relativ erschöpfend erörtert habt, nur noch mal ein kleiner (wenn auch großer) Aspekt, den ich noch einmal ansprechen möchte.
    Den Vergleich mit einem Kunstwerk fand ich einfach ganz passend. Es gibt schöne Bilder, die mich unterhalten, die ich verstehe und ich finde einen leichen Zugang. Es gibt aber auch Bilder, die man sich eben länger anschauen muss, um bestimmte Ebenen zu erkennen, dreht man sich um und betrachtet es erneut, dann sehen die Ebenen wieder ganz anders aus.
    Und so ähnlich ist es für mich bei 2001 auch. Der Film ist stark reduziert und opulent zugleich. Dadurch, dass er aber in alle Richtungen offen ist, kann man eben auch immer wieder neue Ansätze sehen (ähnlich wie das auch bei Lynch ist).
    Ich tendiere mittlerweile in die Richtung, dass der Film (natürlich) eine Parabel auf die Menschheit ist und der Monolith als Science Fiction Metapher für die Gewalt steht, die in die Welt der Menschheit tritt.
    Allerdings würde ich in dem Punkt widersprechen, dass der Filme keine Handlung hat bzw. keine Geschichte erzählt. Denn er erzählt wahrscheinlich die größte Geschichte aller Zeiten, nämlich die Geschichte der Menschheit.
    Letztendes ist es eben natürlich immer eine ganz subjektive Erfahrung, ob man diese Art von Film oder Kunstwerk mag oder nicht. Wenn man vom Film eine konkrete Richtung vorgegeben bekommen möchte, dann wird man mit 2001 natürlich weniger anfangen können.
    Das ist dann aber wie jemand, der lieber ruhige, statt laute Musik mag. Kein wirkliches Qualitätsmerkmal, sondern viel mehr Geschmacksurteil.
    Ich selbst hab da auch eher ein ambivalentes Verhältnis. Es gibt Bücher, die so abstrakt sind, dass ich am Ende auch einfach aufgebe, statt mich freudig in einen Interpretationsrausch zu versetzen und auf der anderen Seite dann Geschichte wie “The Raw Shark Texts”, die einen komplett umhauen. Ich glaube die Kunst liegt darin den Betrachter/Leser/Zuschauer dazu einzuladen zu reflektieren und verschiedene Konzepte und Deutungsmöglichkeiten durchzuspielen. Das schafft Kubrick meiner Meinung nach mit 2001 sehr gut. Auch wenn der Film so behutsam fortschreitet, dass er einem Raum zum Nachdenken gibt.
    Finde es aber sehr gut, dass ihr am Ende nochmal diesen Bogen bekommen habt und weg vom persöhnlichen Eindruck, hin zu einem filmhistorisch orientierten Blick gekommen seid.
    Cloud Atlas hab ich leider immer noch nicht gesehen und daher den Podcast auch noch nicht gehört. Bin jetzt aber gespannt.
    Das “The Thing” Original ist natürlich klasse und es freut mich, dass der Film als nächstes an der Reihe ist. Bin gespannt, was ihr davon haltet. Ich war damals ziemlich beeindruckt, sowohl von der Spannung, den Effekten, als auch wiederum den Deutungsmöglichkeiten ;)

    Cheerio!

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Also ich verstehe den Monolithen immer mehr als den (außerirdischen) Bringer der (Kultur-)Technik. Und natürlich ist es gleich zu Beginn tragisch, dass der Mensch die Technik als Waffe einsetzt.

      • Lobster

        Wobei die Technik ja schon da ist. Die Faustkeile und Werkzeuge liegen ja schon rum. Ich weiß auch nicht mehr genau, weil es schon eine Weile her ist, ob die Affen die Gerätschaften schon vorher benutzt haben. Aber ab dem Zeitpunkt, wo der Monolith auftaucht, korrumpiert er die Wesen, so dass sie ihre Werkzeuge zu Gewalt einsetzen und auch Hal ist als menschengemachter Computer zum Schluss fehlgeleitet und gewalttätig. Würde der Monolith einfach nur die kulturelle Nutzung von Materielen mitbringen und somit den Menschen von allen anderen Tieren abheben, hätte es für mich mehr Sinn gemacht, wenn Kubrick gezeigt hätte, dass der Affe den Stein zu irgendwelchen banalen Tätigkeiten nutzt und nicht seinen Widersacher damit niederstreckt. Aber ich muss mir den Film eh nochmal ansehen und mich auch endlich mal in die Sekundärliteratur stürzen!
        Dieser Shot ganz zum Schluss mit den Gegenblenden in dem Raum, kam nichtmal von Kubrick. Fand ich auch ziemlich interessant, weil ich eigentlich dachte, dass das ein absolut genial geplantes Puzzel im großen Konstrukt ist. Dass es jetzt eher zufällig in den Film gekommen ist, macht natürlich rückblickend einen ziemlichen nüchternen Eindruck.
        Cheers!

        • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

          Hm, aber eigentlich ist die Entstehungsgeschichte ja auch egal für die Interpretation, die wir anwenden. Oder sollte sie zumindest sein ;-)

          • Lobster

            Klar, bzw. kommt es dann darauf an, welche Hermeneutik man bei der Betrachtung favorisiert. Wobei ich Filme von Genreregisseuren immer auch ganz gern im Kontext ihres Schaffes und der Biographie betrachte.
            Ich fand es zumindest sehr ernüchternd, weil ich davon ausging, wie brilliant die Idee auch im Kontext des Filmes eigentlich ist. Sowas gab es ja vorher noch nie und hat mich bei der ersten Sichtung völlig umgehauen….auch wenn es eigentlich nur ein kleiner Moment ist. Vielleicht wirkt er auch deshalb so groß, weil der Film mit seiner Langgezogheit ja fast schon eine inhaltliche Askese beim Zuschauer hervor ruft…oder och spinne mir nur an meinem Sonntag Nachmittag was zusammen ;)

  • Poddy

    Sagt doch einfach “Das Ding aus einer anderen Welt” – viel einfacher :D

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Naaaa, wo wäre da denn der Spaß bei der Sache? :D

  • Ichundso

    Falls es euch interessiert, ich habe das Buch gelesen und sehe es fast als eine komplette Theorie zur Interpretation des Films. Da ihr das Ende nicht wirklich diskutiert habt, bin ich mir nicht sicher, wieviel ihr schon über die “offizielle” Version wisst, aber der Film erzählt im Grunde genommen den Übertritt der Menschheit zu einer neuen Spezies durch Kontakt mit Außerirdischen. Das ist im Grunde genommen der Plot des Films, “Mann trifft Außerirdische”. Und die bauen für ihn ein Hotelzimmer nach, so wie sie es durch Fernsehbilder übertragen bekommen haben. Er legt sich ins Bett, schläft zum letzten Mal ein und schwebt als eine Art Gott durch die Galaxie. Die letzten Sätze sind “For though he was master of the world, he was not quite sure what to do next. But he would think of something.”
    Ich halte 2001 übrigens für den besten Film, der je gedreht wurde (damit meine ich nicht meinen Lieblingsfilm, ich unterscheide da), aber das war doch jetzt eigentlich einigermaßen objektiv.

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      So habe ich das Ende aber auch verstanden, ja. Ich hätte es nur metaphorischer gedacht, also dass nicht außerirdische tatsächlich einen Raum nachbauen, sondern Dave einfach nur sein Leben an sich vorbeiziehen sieht und im Tode eben Vorstellungen dieser Aart hat.

  • http://www.facebook.com/alexgalax3000 Alex Galax

    haha, ihr seid die besten :D Aber traurig bin ich nicht wegen “Ghost Dog”. Und wenn ihr jetzt sogar schon Lust auf den Film habt ist das ja auch schon was :)

    2001 habe ich nie gesehen. Bzw ich habe den irgendwann mal angefangen, war aber nie in der Gemütslage den Film weiter zu gucken. Würdet ihr sagen, dass ist ein Film den man gesehen haben muss? Vielleicht hole ich das mal nach.

    Und bitte besprecht nie einen David Lynch Film. Was ich so rausgehört habe könnt ihr da nicht so viel mit anfangen. Ich glaube da würdet ihr einige Sympathie-punkte einbüßen ;) Wobei, wäre vielleicht doch ganz interessant, Stoff für eine gute Diskussion.
    Ähnlich wie bei “2001″ gibt es ja auch auch bei “Mulholland Drive” keine klare Geschichte bzw. Auflösung. Was mir aber sehr gut gefällt. Das hat sowas mystisches und rätselhaftes. Vor Dingen, die ich nicht verstehe, habe ich erstmal Respekt. Und wenn es dann noch so gut aussieht, so bizarr und bedeutungsschwanger daherkommt wie bei Lynch, wird anscheinend meine Neugier oder sowas geweckt, es dann verstehen zu wollen. Ich finde das faszinierend. Den Film schaue ich vielleicht so einmal im Jahr, nicht öfter, damit sich der Effekt nicht abnutzt. Ist ja auch immer ein bisschen anstrengend ;)

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Ja, ich bin definitiv der Meinung, dass man diesen Film gesehen haben sollte! Einfach, weil er so bedeutend für die Filmgeschichte, das Genre und in meinen Augen ein verdammt guter Film ist.

      Zu Lynch: Da kommen wir aber nicht drum herum! Außerdem habe ich “Mullholand Drive” noch nicht gesehen und will das definitiv nachholen. Und am liebsten mit anschließender Diskussion ;-)

      • http://www.facebook.com/alexgalax3000 Alex Galax

        Cool, auf die Diskussion bin ich mal gespannt ;)

        • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

          Nagel uns aber nicht drauf fest, vielleicht wird das noch etwas dauern ;-)

  • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

    Mann, Mann, Mann!

    Was für eine Diskussion!
    Ich glaube ich verstehe jetzt Tamino’s Verhältnis zu Filmen die sich nicht auf Anhieb erschließen ein entschiedenes Stück besser :)

    Wenn ich 2001 das nächste mal angesehen habe mache ich mir mal meine Gedanken und sempfe hier noch was rein. Aus dem Gedächtnis kann ich nichts beitragen was ihr nicht schon gesagt hättet (oder jemand in den Kommentaren).

    Die Sendung dürfte übrigens gern öfter so lang sein ;)

    • SecondUnitTamino

      Bei dieser Sendung hier bin ich recht stolz, dass wir es geschafft haben, eine einigermaßen strukturierte Diskussion zusammenzubekommen und dass wir am Ende zumindest einen gewissen Bogen schließen konnten. Vor allem war es echt schön, mal zwei recht gegensätzliche Positionen zu einem Werk aufeinandertreffen zu lassen. Habe ich als eine unserer besten Sendungen in Erinnerung.

      • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

        Sehe ich ähnlich, vor allem weil man bei 2001 auch einfach 10h Diskutieren kann und zu gar nichts gekommen ist :D

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  • Spacedude

    Da heute Abend auf arte 2001 A Space Odyssey kommt, habe ich mir Euren Podcast heute Mittag am See angehört. Ich muss jetzt doch ein paar Sachen loswerden. Für mich auch ein Experiment, weil ich diese Zeilen schreibe bevor ich auf arte den Film anschaue, also aus der Erinnerung an einer früheren Sichtung des Films. Ich bin selber gespannt, wie ich nachher meinen Kommentar finde.

    Worauf Ihr glaube ich gar nicht eingegangen seit, ist das Motiv des Kreises. Die Raumstation ist ein Rad, das Mondshuttle eine Kugel, ebenso der Mond, die Mondkrater, die Sonne, Jupiter. Die Stewardess bewegt sich im Kreis mit kugelförmigen Hut, Boweman (oder Pool) joggen immer Kreis auf der Innenseite einer sich drehenden Kugel, das Habita des Raumschiffs. Seine Shuttle sind ebenfalls Kugeln, zerbrechliche Blasen, die den Menschen vor dem lebensfeindlichen Universum schützen. Dazu Walzer-Musik, denn der Walzer ist ein Tanz, bei dem es wohl darum geht, sich möglichst elegant im Kreis zu drehen. Die Technik wird uns als eleganter Tanz gezeigt. Das symbolisiert auch das, wofür der Film in seiner Zeit steht: Pop-Art. Die Verbindung von Hochkultur (Filmkunst, klassische Musik), mit Ideen aus der Unterhaltungsindustrie (Science-Fiction, damals vor allem Pulp). Man muss bedenken, etwas ähnliches gab es vorher im Kino ja nicht. SF-Filme waren eher dümmliche Unterhaltung, ohne Anspruch ernst genommen werden zu wollen. 2001 ist vielleicht der erste SF-Film, der hohe Filmkunst mit Popkultur verbindet.

    Am Ende schließt sich der Kreis auch für Boweman: Er ist wieder da angekommen, von wo er startete, sowohl zeitlich in seiner Lebensspanne, als auch was den Ort, die Erde anbelangt.

    Typisch für Stanley Kubrick sind diese plötzlichen Wechsel in der Handlung. Das kenne ich aus allen seinen Filmen so. Es kommt ein harter Schnitt und fast schon eine andere Geschichte wird erzählt, fast so als ob man drei Filme hintereinander anschauen würde. Bei Full Metal Jacket zum Beispiel haben wir diesen Schnitt, nachdem sich im Bootcamp der dicke Rekrut auf der Toilette erschossen hatte. In Clockwork Orange erfolgt der harte der Schnitt, als Alec ins Gefängnis kommt.

    Der Monolith: Ich glaube micht zu erinnern, dass der Monolith in dem Roman von Arthur C. Clarke tatsächlich ziemlich aktiv ist. Er bringt den Affen das gezielte Werfen bei. Das muss man sich wohl so vorstellen, wie wenn man auf einem Tablet ein Programm für Vorschulkinder laufen lässt. Ich finde das sehr dumm. Im Film ist es besser. Der Monolith ist für mich ein außerirdisches Artefakt. Er ist aber vor allem für die Affen ein Mysterium. Ein Rätsel. Er muss gar nichts tun, seine bloße Existenz regt die Affen zum Nachdenken an und so zum Verwenden ihres Gehirns. Ein bisschen ist das so, wie mit einem mathematischen Problem, dessen Lösung keine technische Anwendung hat, aber das viele kluge Menschen anregt, viele gute Mathematik zu entwickeln. Das Problem lässt sie einfach nicht los (Beispiel Fermat’sche Vermutung). So sehe ich den Monolithen. Er triggert die Intelligenz der Affen.

    Der Monolith auf dem Mond wurde wohl zur selben Zeit dort vergraben, als auch der Monolith auf der Erde den Affen vorgesetzt wurde. Die Mondexpedition der Menschen gräbt den Monolithen aus. Da auf dem Mond ein kompletter Tag-Nacht-Zyklus etwa 30 Erdtage dauert, steht der Monolith ein paar Tage im Dunkeln. Zufälligerweise geht die Sonne in dem Moment über diese Stelle des Mondes auf, als Dr. Floyd den Monolithen besucht. Das Sonnenlicht aktiviert den Monolithen. Die außeridische Maschine weiß durch das Sonnenlicht, dass die Menschen den nächsten Entwicklungsschritt gemacht haben und sich auf dem Mond befinden. Die Aktivierung hat zur Folge, dass ein weiterer Monolith sich bemerkbar macht. Diesmal bei Jupiter. Die Menschheit hat so wieder ein neues Problem zu lösen, eine echte harte Nuss. Die Mission zum Jupiter ist ein technischer Meilenstein, ein weiterer Schritt in der Entwicklung der Menschheit, der sie aus dem Erde-Mond-System herausholt.

    Bowman und HAL 9000: Bowman ist DER Mensch. Er ist sicherlich der beste Mensch, den wir derzeit auf dem Planeten haben, denn die Menschheit schickt nicht irgendjemanden, sondern einen Astronauten, der wahrscheinlich aus zehntausenden Bewerbern ausgewählt wurde. Dieser Bowman macht den nächsten Schritt, indem er sich von seinem Heimatplanten entfernt. HAL 9000 ist nicht nur der schlaue Navigationscomputer. Er ist auch das Gedächtnis der Menschheit. Er kennt das Lied “Hänschen klein”. Bowman schaltet HAL ab. Er entledigt sich somit der letzten Verbindung zur Menschheit. Was ihn noch Mensch sein lässt, ist sein eigener Körper. Ihn entledigt er sich, indem er ihn in einer für den Menschen bewohnbaren Umgebung natürlich altern lässt. Ohne kulturelles Gedächtnis, ohne Körper und ohne Verbindung zur Erde ist Bowman nun bereit, als neues tansformiertes Wesen wiedergeboren zu werden.

    Übrigens: Ich finde, dass “2010 Das jahr in dem wir Kontakt” aufnehmen ein stark unterschätztes Sequel ist. 2010 ist in seiner Optik ganz anders. Man sieht, dass sich Ridley Scott’s “dreckiger Weltraum” aus Alien durchgesetzt hat. Der Film legt insgesamt ganz andere Schwerpunkte als 2001 und ist für mich daher ein selbstständiges Werk, das durchaus Spaß macht.

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Danke für den schönen Kommentar!

      Das Kreismotiv ist natürlich super wichtig, da hast du Recht. Besonders das Tanzen im Walzer ist eine schöne Beobachtung :)

      Besonders schön finde ich aber deine Beobachtung zu Bowman als den Archetypen des Menschen. Für mich war der Film ja eh schon immer eine wunderschöne Menschheitsgeschichte und ihre Evolution. Jetzt macht das alles auch noch ein bisschen mehr Sinn, Danke :)