Second Unit #125 (The Social Network)

Heute sharen und liken wir uns durch den “Facebook-Film”. Ihr habt uns The Social Network (Amazon-Link*) per DVD zukommen lassen und wir tauchen ein die Welt von Jesse Zuckerberg. Dabei reduzieren wir die flachen Facebook-Witze auf ein absolutes Minimum. Ehrlich! 

Zu Beginn gibt es aber einen kleinen Werbeblock. Ich bin nämlich am 27.09. auf dem FederKiel Festival anzutreffen und werde dort über Podcasts und besonders meine eigenen Erfahrungen sprechen. Wer also in der Nähe von Kiel ist und schon immer selbst podcasten wollte, kommt vorbei!

Checkt außerdem eure Flattr-Inboxen! Ich hab neulich noch einmal den Download-Link zu unserer exklusiven Flattr-Episode verteilt.

[YouTube DirektTrailer]

Die Debatte geht bereits hitzig los, weshalb wir ungewohnt lange brauchen, um die Besetzung durchzugehen. An erster Stelle ist aber David Fincher zu nennen, der Regie führte. Dabei verfilmte er das Drehbuch von Aaron Sorkin, der wiederum das Buch von Ben Mezrich umschrieb. Um die Musik kümmern sich meine persönlichen Götter Trent Reznor und Atticus Ross. Den Soundtrack habe ich wirklich gefressen. Beide wurden für ihre Arbeit mit einem Oscar ausgezeichnet, ebenso wie Kirk Baxter und Angus Wall für den Schnitt.

In der Hauptrolle spielt Jesse Eisenberg als Mark Zuckerberg. Die bezaubernde Rooney Mara spielt als Erica Albright Zuckerbergs Ex-Freundin. Andrew Garfield spielt als Eduardo Saverin Zuckerbergs Ex-Besten-Freund. Justin Timberlake ist als Sean Parker in meinen Augen perfekt gecastet. Armie Hammer spielt als Winklevoss-Zwillinge eine Doppelrolle.

Selten waren die Meinungen in dieser Sendung so unterschiedlich. Und selten waren wir so irritiert, dass die Meinungen so weit auseinander liegen. Trotzdem bemühen wir uns, die Differenzen herauszuarbeiten. Dabei vermisst Tamino den Bezug zu den Charakteren, während ich die kalte Distanz abfeiere. Im Grunde zeigen wir auf die gleichen Dinge und bewerten sie höchst unterschiedlich. Mir gefällt im Grunde alles, was Tamino missfällt.

Nächste Woche machen wir ein kleines Remake-Double-Feature. Wir widmen uns (für viele endlich!) Oldboy (Amazon-Link*). Und gleich danach Oldboy (Amazon-Link*). Was kann schon schiefgehen?

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

[Download | Länge: 1:50:52 | Größe: 53,5 MB | @2nd_Unit | Facebook.com/SecondUnit | iTunes]

[Teaser-Bild: by thierry ehrmann]

*Amazon-Partner-Links: Über diese Links gekaufte Artikel werfen einen kleinen Obolus für uns ab. Für euch ändert sich nichts, schon gar nicht der Kaufpreis. Wir bedanken uns im Namen unserer Kaffee-Kasse.

  • Rabus

    Bitte unbedingt Verblendung aka. The Girl with the Dragon Tattoo nachholen. Guter Film!
    Und natürlich House of Cards .. ach nee ist ja ne Serie :-/

    • StePHan

      Verblendung sollte man schon sehen und sich da nicht vom Original ablenken lassen! Das Fincher-Werk ist definitiv besser!
      Ich war damals auch echt abgeschreckt, aber der Film an sich hat mich dann halt einfach überzeugt.
      Gleiches Problem ja bei THE DEPARTED, den dürfte Tamino ja eigentlich auch nicht gucken und müsste ihn verfluchen.

  • Indra

    Kann sich Tamino das nächste Mal vielleicht etwas weniger aufregen? o_O
    Zu facebook: krass! dachte nicht das es noch Leute in unserem Alter gibt die nicht auf facebook sind. Wie funktioniert das normale Leben da überhaupt?

    • SecondUnitTamino

      Ich weiß auch nicht, wie ich durchs Leben komme, ohne mir jeden Tag die Bilder vom Mittagessen anderer Leute anzuschauen. Bin wohl einfach ein Lebenskünstler. Außerdem werde ich mich auch zukünftig aufregen, wenn der Film es verdient – aber das wird natürlich nächste Woche zumindest in der ersten Hälfte der Episode nicht passieren :-)

      • Fabi

        Ja ich bin dann wohl auch ein Survivalexperte der es Überlebt hat, nicht auf Facebook zu sein… Und ich bin noch Jünger als Tamino, also noch mehr in der: “Ich-muss-Facebook-gehen”, Altersklasse oder?

    • Aoi Miyazaki

      Das funktioniert sehr gut. Ich würde sogar sagen besser!

  • http://www.florianpriemel.de Florian Priemel

    Ich hätte nicht mit einer derart starken Kontroverse gerechnet, da ich den Film tatsächlich einfach nur als relativ durchschnittlich in Erinnerung habe. Woran ich mich allerdings deutlich erinnere ist die Tatsache, dass ich ihn beim ersten Mal sehen deutlich besser fand, als beim zweiten und letzten Mal. Für mich hat der Film bei ersten Mal durch die sehr schnelle und überdramatische Erzählweise am Anfang einen unheimlichen Flow entwickelt, der mich gut durch den gesamten Film getragen hat. Da passten für mich Bildsprache und Thema des Films sehr gut zusammen.
    Bei der zweiten Sichtung hat sich dieses Gefühl gar nicht mehr eingestellt. Vielleicht ist das auch das Problem, was Tamino hat: Er schafft es nicht, sich von dieser Machart des Films mitnehmen zu lassen, die das eigentlich belanglose Sujet irgendwie stark auflädt. Und nur so hat der Film für mich funktioniert. Wie das wohl beim dritten mal sein wird…

  • stanleyhitchock

    Hey Tamino und Christian,

    eine spannende Episode, weil ich ein großer Liebhaber der Werke von David Fincher bin, selbst bei seinen schwacheren Werken (imo: „Alien 3“, „Panic Room“ und „Benjamin Button“) seine Arbeit spannend finde und für mein Filmschaffen immer noch was dazu nehme. Die Arbeit was Licht, Kamera Farbnuancen und auch Kamerabewegung in Kombination Schnitt angeht, ist einfach wahnsinnig gut ausgearbeitet und macht mir Spaß anzusehen. Besonders spannend finde ich auch die Schauspieler, die spielen in allen Fincherfilmen sehr differziert und das Spile ist authenthisch, weil auf Bewegungsabläufe viel mehr geachtet wird. Ein kleines Beispiel, bei „Zodiac“ gibt es eine Szene, wo Robert Downey Jr. eine Jacke vom Hacken nimmt bzw. draufsetzt. Und es fühlt sich nicht so perfekt an, sondern irgendwie unkontrolliert. Passte einfach gut zum Charakter und fühlt sich organisch an.

    Den Satz, den ich Christian bei der „Wish I Was Here“ Premiere gesagt hatte, findet sich als erster Satz im aktuellen Filmmagazin „Empire“ und lautet:” „I want to make a date movie that results at leat in 15 millon divorces.“ David Fincher grins.“

    Ich fand das Remake von „Verblendung“ ganz gut, aber die Geschichte an sich total langweilig, da vorhersehbar. Mir gefällt aber das Schauspiel wesentlich besser von Lisbeth als bei skandinavischen Filmen, das war mir damals zu gewollt ikonenhaft. Seine Motivation den Film zu drehen, war übrigens, dass Sony auf ihn zugekommen ist, dass sie ein Franchise für Erwachsene aufbauen wollten mit der Trilogie. Ihn hat diese Idee gereizt. Das ganze kann man auf der Blu-Ray hören.

    In dem aktuellen Empiure Artikel hat Fincher auch seine ungewohnte Stoffwahl erklärt, sinngemäß sagte er: „Ich möchte Filme machen, die ich früher gerne gesehen habe und die heute nicht mehr gedreht werden. Deswegen scheinen meine Stoffe recht unpassend, aber bei jeder Verfilmung hab ich das Gefühl, dass ich genau diesen Film gerne heutzutage im Kino sehen würde.“.

    Mark Zuckerberg leidet vermutlich am Asperger-Syndrom, ist nicht bestätigt von ihm. Aber wer würde das schon bei so einem großen Unternehmen?

    Ich finde Taminos Kritikpunkte interessant, weil ich bisher keine Person gefunden habe, die den Film so mies fand. Mich hat die Machart, die ausführlich von Christian erläutert wurde. Ich gehe sogar soweit und kann mir vorstellen, dass „Social Network“ in 30, 40 Jahren DER Film für die Internet Start-Up Kultur stehen wird, gerade weil die Inszenierung den Zeitgeist und die Thematik so gut transportiert.

    Kurze Anmerkung zu Steve Jobs Filmen: Ein wirkliches tolles Biopic ist „Die Silicon Valley Story“ (Englischer Titel: “Pirates of Silicon Valley“), sogar der Steve jobs Darsteller Noah Wyle durfte bei einer Keynote zu Beginn eine Steve Jobs Parodie vorführen (Hier zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=TIClAanU7Os ). Allerdings muss ich eine Lanze für Ashton Kutcher brechen, der Film ist grottenschlecht ,vorallem weil viele Facts umgedichtet wurden. Aber er spielt Steve Jobs großartig. Er hat genau die gleiche Gangart wie Steve Jobs, Formulierungen sind so auf den Punkt von Atmung, Schnelligkeit und Betonung (Ich hab es im Original gesehen). Christin, was ist Dir denn da so übel aufgestoßen.

  • Aoi Miyazaki

    Oh ja, ich weiß noch, wie ich da vor 4 Jahren im Kino war. 3 mal eingeschlafen und 4 mal auf dem Klo.

  • cule0809

    Ein interessanter Podcast zu einem interessanten Film wie ich finde. Tamino sollte gerade die Vatergeschichte nicht ausser Acht lassen. Das ist nicht nur eine Line, sonder zieht sich durch den ganzen Film. Zwar ist es natürlich nicht das Hauptthema, aber man spielt immer wieder drauf an. Später gibt es sogar eine Szene wo Eduardo sagt: “Wenn du wüsstest was das meinen Vater bedeutet” woraufhin Mark ganz kalt und völlig beiläufig erwähnt “ich weiß”, man aber erkennt wie egal es ihm eigentlich ist. Mir ist in diesem Podcast aufgefallen, dass Tamino tatsächlich einige Punkte einfach ignoriert oder tatsächlich das Desinteresse zu groß war. Auch die Bootszene fand ich nicht so unwichtig. Immerhin war das noch einmal der letzte Strohhalm, an dem sich die Brüder klammern konnten. Nun war der auch weg und wurden zudem etwas gedemütigt auf der Feier nach dem Turnier.

    Im übrigen ist die Person, der Mark eine Freundschaftsanfrage schickt am Ende, diese Frau in dem Büro, nicht seine Ex. Die im übrigen auch einen wichtigen Satz sagt. “Sie sind kein Arschloch, Sie bemühen sich nur eins zu sein”. Etwas was vielleicht auch mal Eduardo dachte. Denn dies wäre wirklich der einzige Kritikpunkt im Film (für mich). Dass tatsächlich kaum drauf eingegangen wird, warum beide sich so gut verstehen. Bei Mark kann man es sich so erklären, dass er seine Mitmenschen für sich ausnutzt egal ob er sie mag oder nicht. Umgedreht kann man sich aber recht wenig erklären, warum Eduardo wirklich eine Freundschaft mit Mark führen sollte.

    Sry, alles mit dem Handy geschrieben :D

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Nope. Das ist seine Ex: https://www.youtube.com/watch?v=8UhONY3-1os

      (Ich werde doch wohl noch Rooney Mara und Rashida Jones auseinanderhalten können! ;-P)

      • cule0809

        WTF? Ich habe den Film jetzt 3 mal gesehen und habe das Ende und besonders das Gesicht auf dem Profilbild völlig anders in Erinnerung. Dann ist dieses Ding mit der Ex scheinbar doch größer als ich vermutet habe. Aber hey: “Mir ist in diesem Podcast aufgefallen, dass Tamino tatsächlich einige Punkte einfach ignoriert oder tatsächlich das Desinteresse zu groß war.” Der Satz kommt jetzt natürlich richtig gut. :D

  • http://www.kinofilme.com/podcast tyler.fincher

    Ist wieder etwas länger geworden. Bevor ich anfange sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich ein großer David Fincher-Fan bin und ihn für einen der momentan besten Regisseure halte die in Hollywood unterwegs sind. Just fyi^^

    Ich liebe The Social Network. Ein wunderbares Beispiel für Pitch Perfect Filmmaking. Als ich ihn damals im Kino gesehen habe, kam ich noch nicht mal dazu mein Getränk zu trinken. Konnte die fast volle Flasche wieder aus dem Saal mitnehmen weil der Film ein ungehöriges Tempo sowie gleichzeitig einen bewundernswerten Fokus besitzt. Das Script ist für mich nicht nur wegen den grandiosen Dialogen (zugegeben, und wie Christian schon erwähnte, sind es keine Dialoge die im RL geführt werden^^) so fantastisch sondern vor allen weil es fast mühelos drei Zeitebenen balanciert, es nie verwirrend wirkt (auch wenn ihr es erwähnt, empfand ich es selbst bei der Erstsichtung nicht so) sowie dem Zuschauer keine Szene zu viel auftischt. Jede Sequenz läuft wunderbar in die nächste über und der brillante Schnitt & Score sind da nur die Kirsche auf der Torte. Da versteh ich dich auch nicht ganz, Tamino. Es sind lange nicht nur die letzten gesagten Sätze jeder Szene welche den Film verbinden. Ich glaube du unterschätzt da etwas das simple aber gleichzeitig auf den Punkt genaue Schneiden. Gerade diese Schnitte machen die Kamerafahrten nochmal um ein vielfaches flüssiger. Auch, dass dir die Musik zu unpassend eingesetzt ist, kann ich nur schwer nachvollziehen. Gerade diese Entscheidungen (welche viele nicht getroffen hätten) machen den Film so gut. Ihr erwähnt es ja selbst: „Jede Geschichte kann erzählt werden“. Und diese Geschichte, diese simple Geschichte um die Entstehung von Facebook über welche das halbe Internet gelacht hat weil man sich nicht vorstellen konnte, dass auch nur ein halbwegs interessanter Film dabei heraus springt, wird hier mit allen Mitteln der Kunst auf die Leinwand geworfen. Durch die Musik und der ungewohnte Stil bekommt die Geschichte nochmal Mehrwert ( https://www.youtube.com/watch?v=A6f-6l0W-0o ) anstatt nur loses Beiwerk zu sein. Sry, aber ich glaube ohne den angewandten Stil wäre der Film nur halb so gut. Fincher nutzt das volle Programm und zeigt wie wichtig die technische Seite des Filmemachens ist, bei einer Geschichte die manch einer eher konventionell gefilmt hätte. Ich versuche gerne jede geäußerte Meinung nachzuvollziehen aber hier fällt es mir schon recht schwer. All in good fun versteht sich ;)

    Dass Zuckerberg (Eisenberg ist hier perfekt besetzt) nicht der sympathischste Hauptcharakter aller Zeiten ist, kann ich nachvollziehen und unterschreiben. Soll er aber auch nicht sein. Irritierend trifft es vielleicht eher. Eduardo agiert hier eher als Sympathieträger aber ich glaube, dass die Charaktere hier der erzählten Story den Vorrang lassen müssen. Diese halte ich auch für wesentlich interessanter
    als die in ihr agierenden Charaktere. Es sind eher ihre Entscheidungen die sie treffen/nicht treffen. Fincher ist selbst der Meinung, dass es ein Film ist der sich um „semi-import things“ dreht. Dazu findet der Film grandiose Momente welche meiner Meinung nach in wenigen Sätzen Elemente unserer heutigen (Nerd, Internet)-Kultur sehr treffend zusammenfassen. Bestes Beispiel: „You write your snide bullshit from a dark room because that’s what the angry do nowadays. I was nice to you, don’t torture me for it“.

    Deine Vergleiche zu “Requiem for a Dream” kann ich zwar auch nicht ganz nachvollziehen aber nun gut.^^ Ich finde deine Kommentare etwas irritierend bezüglich welchen Fokus der Film hätte haben sollen: mehr Elemente von Facebook, Eduardos Vater etc. Glaube ehrlich gesagt nicht, dass es dem Script gut getan hätte. Ich weiß man sagt ja immer „show, dont tell!“. Wenn man es allerdings so gut erzählt wie hier, dann hab ich auch nichts gegen Exposition sowie Motivationen die man verbal erzählt bekommt. Dazu muss man nicht an Facebook interessiert sein um diesen Film gut/spannend zu finden. Es ist meiner Meinung nach egal ob dort angemeldet oder nicht. Der Film könnte von der Erfindung des Rasenmähers handeln; es geht nicht wirklich um Facebook.

    Ich habe zwar noch den Drang weiter zu schreiben aber ich bin selbst kein Fan von überlangen Posts und daher belasse ich es mal dabei. Vielleicht findest du ja bei einem erneuten Rewatch, Zugang zu dem Film oder Christian erklärt es dir nochmal bei einem Abend in der Kneipe! :D

    Zum Schluss ein paar (kurze) Gedanken zu Fincher: Wie oben schon erwähnt bin ich sehr großer Fan von ihm. Finde die Bezeichnung Fanboy nicht so schön aber wenn es bei mir irgendwo zutrifft, dann bei David Fincher. Viel mehr als nur ein Fan seiner Filme, bin ich ein Fan vom ihm. Es gibt wenige Menschen denen ich stundenlang so faszinierend zuhören kann, wie wenn der gute David über Filme oder das Filme machen plaudert. An der Stelle kann ich jedem auch nur halbwegs interessierten Cineasten (ich weiß, klingt überheblich^^) zwei Dinge ans Herz legen: Finchers Audio-Kommentare (!!!) sowie seine rar gesäten Interviews. Informativer und mit mehr schwarzen Humor gespickt, wird man nicht über das Filmbusiness/Filme machen aufgeklärt. Dazu ist er brutal ehrlich und nimmt kein Blatt vor den Mund. Habe mal ein sehr gutes Interview (6 Parts) mit ihm weiter unten angehangen.

    Bzgl. seiner ‚merkwürdigen‘ Drehbuchentscheidungen. Fincher macht das worauf er Lust hat. Klar, das machen wahrscheinlich viele Regisseure sofern es ihnen möglich ist. Aber er versucht nicht immer hoch intelligentes Kino zu machen oder die grauen Zellen der Zuschauer zum Rauchen zu bringen. Fincher ist ein ebenso großer Anhänger von Genre-Movies, Thriller und effektiv erzählten
    Geschichten. Deswegen hat er auch damals Panic Room gemacht. Er wollte einen spannenden Freitag-Abend Thriller machen, nicht mehr, nicht weniger. Kein Film über Ideologien, das Übel der Menschheit etc. Klar, darf jeder die halbe Welt hinein interpretieren aber am Ende des Tages ist es nicht mehr als das. Und das ist auch gut so. Denn als fieser Thriller funktioniert Panic Room auf ganzer Linie. Das Problem fängt dann an wenn man nach Sieben & Fight Club etwas Größeres oder Anderes erwartet. Habe schon unzählige Diskussionen mit Leuten geführt die eben jene Sache anführen. Das ist dann aber in meinen Augen nicht Finchers Problem oder die Schuld seiner Filme sondern vielmehr die Erwartungshaltung sowie Engstirnigkeit der Zuschauer.

    Fincher Rating:

    Sieben – 10/10
    Fight Club – 10/10
    The Social Network – 10/10
    Zodiac – 9,5/10
    The Game – 9/10
    Panic Room – 9/10
    The Girl with the Dragon Tatoo – 8,5/10
    Alien³ (Directors Cut) – 8/10 (8,5/10)
    The Curious Case of Benjamin Button – 6/10

    https://www.youtube.com/watch?v=zqU4lEkNokk

    • SecondUnitTamino

      Hab das hier erst jetzt gesehen, daher sorry für die späte Antwort. Erstmal noch ganz allgemein und “all in good fun” wie du schön sagst: mir geht es einfach genau andersherum wie dir. Ich verstehe beim besten Willen nicht, wie einen dieser Film in irgendeiner Weise packen soll. Ich liebe Filme und es gibt hunderte Werke, die mich mitreißen, packen und emotional berühren. Aber THE SOCIAL NETWORK ist für mich wirklich der ödeste Scheiß den ich in meinem ganzen Leben gesehen habe, ganz ehrlich und ohne WItz. Ich bin ja auch jemand, der den Satz “jede Geschichte kann interessant sein” normalerweise teilt, aber hier ist für mich dann auch mal Schluss. Ich finde die Geschichte wirklich inetwa so interessant, wie Oma Müller von Nebenan beim Einkaufen ihres neuen Tee-Services zu beobachten – na gut, einen kleinenTick mehr vielleicht doch^^

      Was die Schnitte angeht, habe ich ja in der Episode schon angedeutet, dass ich da noch genauer drauf achten müsste (wozu ich keine Lust habe^^) um das richtig einschätzen zu können. Vermutlich sind sie schon besser als ich es empfunden habe, weil Fincher natürlich sein Handwerk versteht oder vielleicht sogar der fleißigste “Handwerker” überhaupt ist.

      Folgendes verstehe ich allerdings überhaupt nicht: du betonst, es ginge im Film nicht (in erster Linie?) um Facebook; du sagst auch, es ginge nicht wirklich um die Charaktere und außerdem sagst du, der Film würde toll erzählen (steht alles oben in deinem Post, ich habs mehrfach nachgelesen^^). Meine Frage ist daher jetzt: was erzählt er denn dann überhaupt? Eine Geschichte über die Gründung von Facebook anscheinend nicht, denn es könne ja im Grunde um alles gehen, aber anscheinend auch keine Geschichte über das Verhältnis von Charakteren, denn diese würden ja zugunsten der Story zurücktreten. Das macht für mich keinen Sinn. Für mich ist der Film erhlich gesagt ziemlich eindeutig eine Abfolge von Ereignissen der Gründung von Facebook, die zwar handwerklich aufwendig inszeniert ist, in Sachen Charakteren aber vollkommen belanglos ist. Ich weiß auch nicht was ich darauf noch sagen soll. Schau DIE HARD, da geht’s um Terroristen, die Geiseln nehmen und einen Typen, der sie befreien will. Schau THE SOCIAL NETWORK, da geht’s um die Entstehung von Facebook. Sag es mir, wo ist mein Fehler? Wenn es in dieser Geschichte auf Freundschaft oder irgendwas in der Richtung ankäme, dann könnte ich dich ja verstehen, wenn du sagst, dass es hier auch um die Gründung einer Rasenmäherfirma hätte gehen könne, da der eigentliche Inhalt nicht bei den Ereignissen selbst liegt, aber ich sehe nicht so richtig wie man dagegen argumentieren möchte, dass es hier
      einfach um Facebook geht. Bei PANIC ROOM sagst du ja auch, dass man da reininterpretieren kann was man will, es aber einfach ein schlichter Actionthriller bleibt. Warum ist es hier anders?

      Eine Bewertung zu Finchers Filmen sieht bei mir etwas merkwürdig aus:

      SEVEN 10 – Ich liebe den Film bis in letzte Detail und auch nach endlosen Sichtungen genau so doll wie eh und je, hab ich vielleicht mal erwähnt.^^
      FIGHT CLUB 9,5 – Ebenfalls absolut großartig, trifft allerdings dennoch nicht zu 100% meinen Geschmack (nur zu 95^^). Ich würde dem Film nichts vorwerfen, aber ich mag viele andere Weke einfach noch einen Tick lieber.
      GONE GIRL 9,0 – Jetzt schon die Überraschung des Jahres. Endlich wieder Handwerk + Inhalt und nicht nur ersteres.
      GIRL WITH THE DRAGON TATOO – habe ich nicht gesehen, würde mir aber bestimmt gefallen, da ich das Original gerne mochte. Ich bin mir dennoch nicht sicher, ob ich den Film jemals schauen werde, da ich Daniel Craig nicht sonderlich mag und ich am Original nichts auszusetzen habe. Ich denke es wird einfach immer andere Filme geben, die ich lieber schaue als ein in meinen Augen unnötiges Remake. Da müsste es schon einen konkreten Anlass geben, damit ich das Ding mal einlege.

      tja, und alles andere fand ich extrem scheiße und zwar immer aus den gleichen Gründen. Handwerklich top, inhaltlich flop:

      THE GAME 2,0 – finde ich einfach nur dumm. Dumm, dumm und nochmals dumm. Das Skript hat meiner Meinung nach ein Dreijähriger geschrieben. Es soll die ganz dolle lebensbejaende Botschaft rüberkommen, während alle Vorkommnisse halt einfach nur random sind. Es passieren 90 Minuten lang irgendwelche zusammenhanglosen Sachen und dann kommt das Ende, was bereits durch den Titel und die Diskussion nach 5 Minuten im Film absolut klar ist. Echt erbärmlich, kann ich nicht anders sagen.
      ZODIAC 2,0 – haben wir hier mal besprochen, ist mit THE SOCIAL NETWORK im stetigen Kampf um den belanglosesten langweiligsten Film, den ich je gesehen habe. Ohne WItz, ich empfinde das echt so. Bei über 1000 Filmen die ich gesehen habe, kann ich mich an kaum langweiligere erinnern, vieliecht noch JOHN CARTER oder sowas, aber die beiden Dinger sind auf jeden Fall in meiner Top 10 in Sachen Langweile.
      ALIEN3 3,0 – haben wir auch besprochen und ich sehe da nichts anderes drin, als ein mieses und absolut unnötiges Sequel zu einem zeitlos meisterhaften (ALIEN) und einem großartigen (ALIENS) Vorgänger, die zusammen bereits alles gemacht haben, was man mit der Alien-Materie hätte machen können.
      PANIC ROOM 3,0 – vollkommen aus dem Gedächtnis verschwunden. Damals im Kino gesehen, total belanglos und schlecht gefunden und sofort vergessen.
      BENJAMIN BUTTON 3,0 – trieft nur so vor Kitsch und hat mich nullkommanullnullnix berührt.

      Und wie gesgat, all in good fun und halte ich dich jetzt nicht für blöd, weil du alle Finchers magst, ich kann diese Zuneigung persönlich nur einfach nicht teilen, weil ich von einem guten Film einfach mehr erwarte als “nur” intellgentente Schnitte und kreative Kamerapositionierungen. In den ganzen schlechten Finchers gibt es so unendlich blasse Charaktere, die so unendlich blasse Geschichten, dass mir echt schlecht wird. Und Blässe ist vermutlich so ziemlich das letzte, das ich einem Film haben will.

  • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

    Wieso soll sich Tamino nicht “so aufregen”? Das nennt man Diskussion! Von mir aus kann er sich gerne immer “so aufregen”! War nämlich tierisch unterhaltsam zu hören. Also so wie der Film, der ist nämlich auch tierisch mitreißend!

    Ich hab in dieser Diskussion die ein oder andere Argumentationskette wiedererkannt, die ich in der Vergangenheit mit Tamino geführt habe ^^ Christian ist vom Film einfach begeistert und versucht irgendwie zu beschreiben, wieso der Film für ihn funktioniert und so viel in ihm auslöst, obwohl die Gründe dafür nicht offensichtlich sind. Wieso der Film so viele Facetten hat, ohne dabei alles auszusprechen. Typisches Beispiel von “nur die Hälfte gesagt, aber doppelt so viel transportiert”. Wie der Film (oder viele andere) das machen? Keine Ahnung, das ist eben Movie-making magic, die über Drehbuch und Plot hinaus geht und auch oft schwer in Worte zu fassen ist. Da formt eine Kombination aller Aspekte des Films einen Zustand, der es unnötig macht alles detailiert auszuformulieren, weil es auch ohne funktioniert – und dieses ALLES ist bei SOCIAL NETWORK sehr ausgeprägt! Ich hab damals nämlich auch gedacht: “Wow, ein Film über die Facebook-Gründung – much exciting”. Hab ihn dann (leider erst) auf DVD mitgenommen und war so dermaßen mitgerissen. Kann Christian also voll verstehen! Und wie unten schon beschrieben wurde: Man muss (imo) sich nicht ein Bißchen für Facebook interessieren, hier könnte es auch um zig andere Firmengründungen gehen. Es geht halt um die Figur und obwohl die ein absolutes Arschloch ist, kann die Interaktion mit anderen Menschen hier eine absolute Dynamik in den Film bringen.

    Muss ich mal wieder gucken :)
    Schöner Podcast!

  • Gormenghast

    A SOCIAL NETWORK habe ich vor ein paar Jahren gesehen, ich weiß das genau…aber habe KEINE Erinnerung mehr; scheint mich nicht geflasht zu haben, und besondere Lust den nochmal zu schauen…sorry, Christian….habe ich nicht.

    Aber ein kleines Schmankerl für euch Nine Inch Nails Fans:

    http://www.youtube.com/watch?v=MeSXE5np_Tk

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      But it’s awesome ;-)

  • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

    Cooles Viseo zu Finchers Stil: https://www.youtube.com/watch?v=QPAloq5MCUA

    • http://www.kinofilme.com/podcast tyler.fincher

      Signed! Tony Zhou’s Vimeo Channel such ich mit Sicherheit jede zweite Woche auf. Großartige Videos und schön auf den Punkt gebracht. Seine “Spielberg Oners” sowie “What is Bayhem?” find ich hervorragend und darf man jedem ans Herz legen.

      • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

        Ahh, what is bayhem hab ich letztens auch gesehen. Top!

    • SecondUnitTamino

      Der Typ ist echt beeindruckend. Hab mir alles von ihm angeschaut und freue mich auf jedes neue Video.

  • http://www.privatsprache.de/ Privatsprache

    Ich habe mir Panic Room angeguckt, weil Tamino so über die Kamerafahrt durch den Henkel der Kaffeekanne gelästert hat. Und was soll ich sagen: Der shot ist FUCKING AWESOME!!! ;-) Ich weiß, du magst kein CGI, aber das ist doch CGI at its best: Diese fantastische Kamerafahrt währe ja nicht möglich mit konventionellen Mitteln…

    • SecondUnitTamino

      Der Shot an sich ist ja nicht schlecht, nur kann der den fehlenden Inhalt der Story nicht ersetzen, das wollte ich sagen (wenn ich mich recht erinnere^^). Ich kann mich aber echt überhaupt nicht mehr an den Film erinnern. Ich hab den damals im Kino gesehen und fand ihn total belanglos und hab inzwischen so gut wie nichts mehr vom Plot im Kopf außer der ganz groben Prämisse. Hat der Film denn vielleicht doch irgendwas zu bieten oder liege ich da mit meiner Erinnerung richtig?

      • http://www.privatsprache.de/ Privatsprache

        Das schöne an dem Longshot ist ja, dass er uns in einer einzigen (okay: virtuellen) Kamerafahrt, die komplette Location präsentiert, sodass wir uns in der Folge immer orientieren können.

        Zum Plott: Das ist im Grunde nur Die Hard in einem Reihenhaus. Das schöne an Fincher ist allerdings, dass er das weiß und daher Die Hard direkt zitiert, indem die Diebe das gleiche stehlen wollen: Aktienpapiere. Und diese Aktien am Ende das gleiche Schicksal wie bei Die Hard teilen und vom Wind verweht werden.

        Schwach ist noch, dass er dann einen “lieber Räuber vs. unmenschlicher Räuber”-Klischee-Konflikt einbaut, wo du ziemlich schnell weißt, wie der enden wird. Gut ist da aber wieder, dass der liebe Räuber für seine gute Tat keinen Payoff bekommt sondern trotzdem am Ende von der Polizei geschnappt wird.

        Alles in allem keine große Kunst, aber viiiel besser als das meißte, was sonst produziert wird…