Second Unit #50 (Fight Club)

Man soll zwar nicht über den Fight Club (Amazon-Link*) reden, wir tun es aber trotzdem! Endlich widmen wir uns dem Klassiker, dem Geheimtipp, dem Kult-Film.

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Das Getränk in dieser Woche stammt mal wieder aus Schottland, nämlich das National-Getränk namens Irn Bru.

Vorsicht, wir spoilern in der Diskussion den Film. Aber seihen wir ehrlich, Fight Club gehört zur Allgemeinbildung. Wir nutzen die Gelegenheit, um mal wieder über David Fincher zu sprechen. Episoden zu Alien 3, Zodiac und Se7en liegen in unserem Archiv. Natürlich verlieren wir auch ein paar Worte zur Besetzung. Edward Norton als Erzähler, Brad Pitt als Tyler Durden und Helena Bonham Carter als Marla Singer sind durch die Bank gut besetzt.

Wir greifen in der Diskussion einige Themen und Momente des Filmes auf. Stichworte wie die Rolle des Mannes bzw. Männlichkeit, das Leben in der modernen Gesellschaft und Freiheit sind natürlich dabei. Doch ich Frage mich, ob der Film überhaupt eine Botschaft hat. Positioniert sich der Film eigentlich zwischen den beiden extremen Lebensentwürfen von Gesellschaft und Rebellion? Oder zeigt er nur beide Enden des Spektrums auf und sagt im Grunde nur, dass beide Lebensentwürfe falsch sind? Wir kriegen uns über den Punkt ein wenig in die Haare und verweisen hier auf die Kommentare und auf euch, liebes Publikum. Was meint ihr?

Zum Ende der Sendung diskutieren wir ein wenig über das Erzähl-Element “Twist-Ending”. Damit führen wir ein wenig die Diskussion aus der letzten Woche zu High Tension (dt.) fort. Warum funktioniert die überraschende Wendung in Fight Club besser?

Nächste Woche erweitern wir mal wieder unser Filmverständnis. Wir stürzen uns nämlich mit The Notebook (Amazon-Link*) in eine klischeebeladene Romanze. Ein Genre, um das wir normalerweise einen großen Bogen machen.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

[Download | Länge: 01:17:58 | Größe: 35,8 MB| @2nd_Unit | Facebook.com/SecondUnit | iTunes]

[Teaser-Bild: cc by VSELLIS]

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  • Heisenberg

    Eine wirklich gelungene Filmauswahl für das Jubiläum! Dazu auch meine Glückwünsche – wirklich beeindruckend wie ihr hier so regelmäßig hochwertigen und mit Leidenschaft gefüllten Content produziert.

    • SecondUnitTamino

      Danke für das Lob. Es freut uns immer zu hören, dass wir gefallen. Es ist nur ein wenig schade, dass sich in den Kommentaren hier in letzter Zeit so wenig tut. Ich hätte gerne noch ein wenig mehr über den Film geplaudert.

      • Heisenberg

        Kann ich gut verstehen, hätte auch noch gerne etwas zu Fight Club beigetragen, aber irgendwie fehlt grad die Motivation. Wird bestimmt wieder besser, vielleicht findet sich ja noch der ein oder andere Kommentator der etwas Kontroverses zu diesem Meisterwerk hinterlassen kann.

  • macpr0n

    meines erachtens positioniert sich die story nicht _zwischen_ den beiden extremen “gesellschaft” und “rebellion”, sondern genau _an_ diesen beiden extremen. als denkanstoß, damit sich der zuschauer seine eigene position zwischen den beiden suchen kann. weil er sich seine position suchen muss. um nicht bescheuert zu werden. sehr schön ist ja meiner meinung nach die hernahme des ikea-katalogs als sinnbild einer sklavischen volleingliederung in “die gesellschaft” und damit einhergehend der totalen abgabe der eigenen meinung und individuellen note des individuums.

    genauer: these 1: gesellschaft ist ein konstrukt. these 2: als individuum wird man in dieses konstrukt “hineinerzogen”. folge: ist das individuum nicht mit “der gesellschaft” zufrieden, wird es entweder dissozuiativ-identitätsgestört (narrator/durden) oder es sucht sich einen ausweg aus der anerzogenen gesellschaftsstruktur (rein gedanklich, kein physisches ausscheiden aus der struktur à la utopie: zustand des narrators am ende der erzählten zeit, nämlich am beginn des weges heraus aus seiner alten position, mit der er ganz offensichtlich nicht weiterleben kann/konnte, aber keine flucht auf die sprichwörtliche einsame insel). der ausweg ist aber mit schwierigkeiten behaftet, da sich das individuum zunächst über seine verhaftetheit bewusst werden muss. das außerhalb der gesellschaft ist aber nicht einfach als standort einzunehmen (systemtheorie: blinder fleck, externer beobachter). es geht aber, indem das individuum radikale brüche vornimmt (pr0n-sequenzen in kinofilme einfügen und ähnliche subversive akte durdens sind die harmlose variante, gebäude als symbolische vertreter der verhassten gesellschaft sprengen oder sich selbst eine kugel in den kopf jagen nicht mehr so. in letzterem fall ist aber die katharsis des narrators bereits erfolgt, es wirkt also befreiend/gesund, nicht mehr destruktiv und letztlich zielfrei wie bei durden. zumindes für die psyche des narrators, that is). so ist kurzfristig die position des externen beobachters möglich, um dem individuum die suche seiner neuen position in/zur gesellschaft zu ermöglichen. einmal kurz raus aus dem system, von oben drauf schauen, beantworten der fragen: wo war ich vorher in dem system? wo möchte ich ab jetzt dort drin sein?, einnehmen der neuen gewählten position. der narrator sieht also, dass der weg der gewalt gegen die gesellschaft nicht der richtige ist, wohl aber derjenige der gewalt gegen sich und sein selbst. er muss sich aus der gesellschaft herausnehmen, um sich neu zu ihr positionieren zu können. das kann er dann auch erstmals gemeinsam mit marla tun.

    so betrachtet kann die “moral” der erzählung durchaus lauten: nimm deine umgebung als konstrukt wahr, das du umkonstruieren kannst. und wenn konstruktion zunächst mit destruktion beginnt – was solls. hauptsache, du machst etwas. scheitern am status quo ist keine option.

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Super Kommentar! Besonders der Punkt, dass der Film sich an den beiden Extrempunkten positioniert, finde ich einleuchtend. Dein Fazit haben wir auch in der aktuellen Sendung (The Notebook) erwähnt.

    • jacker

      Äußerst treffend analysiert und formuliert :)
      Hut ab!

  • Pingback: Second Unit #51 (The Notebook) | Second Unit

  • jacker

    Ich zitiere zunächst mal Tamino:

    ‘Ich habe dich in allen 50 Sendungen noch nie so wenig wie jetzt verstanden’

    Geht mir ähnlich (obwohl ich nicht alle 50 gehört habe) :D
    Ich finde in FIGHT CLUB könnte die Message klarer nicht sein!

    Meine Auffassung von der Message:

    ‘Reflektiere aktiv dein Leben. Wenn du unzufrieden bist und dich in einem Käfig gefangen fühlst, suche DEIN Ziel und DEINEN Weg aus diesem Käfig hinaus, auch wenn er mühsam, schmerzhaft und anstrengend wird.’

    anders formuliert:

    ‘Verliere dein Ziel nicht aus den Augen, auch wenn der Weg dahin steinig wird.’

    usw.

    Man kann das hundertfach formulieren, aber im Kern steckt immer die selbe Aussage drin. Durden ist ja eine Projektion des Erzählers, die alles verkörpert was er GLAUBT nicht sein zu können. Dass sich in dem (phänomenalen) Twist herausstellt, dass er Durden IST, steht für mich als direktes Symbol dafür, dass das was man sein kann immer in einem nicht ignorierbaren Zusammenhang mit dem was man glaubt sein zu können steht. Das soll kein ‘American-Dream’ Gewäsch sein, denn ‘jeder kann alles schaffen’ ist ziemliche Blenderei. Man muss das mehr auf das einzelne Individuum beziehen und als oben genannte Message verstehen. Man kann ETWAS (sicher nicht alles) ändern, sofern man die Mühe nicht scheut.

    Wie ihr treffend analysiert habt flüchtet unser Erzähler natürlich nur von einer definierten Struktur in eine andere. Das entscheidende ist hier aber in meinen Augen, dass er die neue Struktur selbst geschaffen hat und sie seinen Wünschen und seinem Instinkt entspricht. Der neue Mikrokosmos funktioniert also mehr nach den Regeln und Gesetzen in denen sich der Erzähler gern bewegt. Womit wir wieder bei der Message wären. Es geht nicht darum, dass die Gesellschaft in ihren Grundfesten gekippt werden soll, sondern dass jeder für sich reflektieren soll (und muss) wo sein persönlicher ‘Mikrokosmos’ im bestehenden System besteht.

    Gerade gegen Ende des Films muss man FIGHT CLUB (wie viele andere Filme auch) glaube ich viel symbolischer verstehen. Nachdem er sich ‘die Kugel gibt’ beginnt der letzte Akt seiner Läuterung, der Prozess der Veränderung geht in die finale Phase: Er hat die ‘Traumfigur’ Durden abgestoßen, die er bis dahin brauchte, weil er vorher zu schwach war um selber die Schritte aus seinem alten Leben hinaus zu machen (er wollte ja, aber der Mut und die Kraft fehlten ihm) und ist nun auf dem Pfad zu einer neuen Persönlichkeit. Die einstürzenden Hochhäuser stellen hier für mich das Fallen des allerletzten Widerstandes seiner alten Psyche dar. Der finale Befreiungsschlag gegen sein Gefängnis und auch gegen Durden (seinen Traum) der drohte ihn zu überrollen.

    Daraus könnte man (in Bezug auf die Figur und die Macht von Durden) noch eine zweite Message ableiten:

    ‘Verlier dich nicht zu sehr in deinen Traumwelten, irgendwann überrollen sie dich’

    Das wär aber schon eine sehr vage Deutung.

    Meine 2 Cents dazu, über FIGHT CLUB könnte man ewig schreiben und diskutieren :)

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Ja zum letzten Satz und deshalb vielen Dank für deinen Kommentar. Durch die vielen schönen Beiträge hier kann ich den Film nun euch besser einordnen als zuvor. Ich neige eben dazu, Filme sehr wortwörtlich zu deuten und weniger abstrakt zu interpretieren. Deshalb musste ich erst mit der Nase auf deine Beschreibung gestoßen werden. Natürlich geht es um das Finden eines individuellen Weges und nicht einfach nur um das Nacheifern der destruktiven Strukturen der Geschichte!

      • jacker

        Aber du hast das im Podcast ja sogar selber schon angesprochen (fast tot nach dem Schuss und bis zur Endszene mit Marla, den Bomben und den Pixies geht es dann steil bergauf). Ehrlich gesagt ist mir die rein optische Genesung nach dem Schuss noch nie aufgefallen, ich hab aber durch den Podcast extrem Lust auf eine neue Runde im FIGHT CLUB und werde da mal drauf achten!

        ‘Ich neige eben dazu, Filme sehr wortwörtlich zu deuten und weniger abstrakt zu interpretieren’

        War bei mir auch lange Zeit so, ich glaube ich habe dann durch Lynch-Filme erstmalig Interesse daran gefunden in abstrahierten Welten nach dem Sinn und der Aussage zu suchen. Die (speziell LOST HIGHWAY und MULHOLLAND DRIVE) eigneten sich dafür aber äußerst gut. Ein Lernprozess wie ein Sprung ins kalte Wasser. Denn ich empfinde es immer so: Je realistischer und glaubhafter ein Stoff umgesetzt ist, desto schwerer ist es über diesen Realismus hinaus nach alternativen Deutungen zu suchen. Es funktioniert ja schon in der gezeigten Form, nur eben vielleicht noch nicht in einem Maß an Tiefe, wie man es sich durch alternative Deutungen suchen könnte! Im Gegenzug bleibt einem bei unlogischem / mystischem Stoff ja gar keine andere Wahl, da keine klare Lösung auf der Hand liegt. Um einen Sinn zu finden, muss man vielleicht auch mal um die Ecke denken.

        Würdest du denn bezüglich der ‘Message’ zustimmen, oder entspricht das nicht deiner Auffassung einer Message?

        • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

          Ja, insofern hätte ich wohl in der Sendung eher sagen müssen, dass ich keine Message in dem Film nach der Sichtung gefunden habe. Es ist aber schon eine da, keine Frage. Lynch ist ja auch so ein Thema für sich. Bin bis heute nicht mit ihm klargekommen. Aber irgendwann™ müssen wir auch mal einen Film von ihm in der Sendung haben ;-)

          • jacker

            Eine ellenlange Lynch-Diskussion habe ich auf moviepilot schon mal mit Tamino geführt (falls es dich interessiert, da war das: http://www.moviepilot.de/movies/mulholland-drive-strae-der-finsternis/comments/617479). Speziell an den neueren Filmen scheiden sich ja die Geister. Da kommt man aber irgendwann an eine generelle Weiche und kann es auf die essentiellsten Bestandteile eines Films herunterbrechen. Was muss ein Film erfüllen um mir etwas zu geben? Ist mir eine Geschichte wichtig? Kann es auch reine Kunst sein? Ist eine Mischung von beidem am besten? Ist Logik essentiell? Oder darf man sie, gerade weil man sich im Bereich der Fiktion befindet umgehen? Und je nachdem wie diese Antworten ausfallen, kann es sein, dass aufgrund der eigenen Grundhaltung absolut keine Chance besteht da je mit warm zu werden.
            Nichtsdestotrotz: Auch (oder gerade) wenn ihr mit Lynch beide nichts anfangen könnt, fände ich eine Sendung über einen seiner Filme sicher sehr unterhaltsam (auch wenn ich dann sicher ständig in meinen mp3player springen wollen werde um mitzumischen ^^). In der Kommentarsektion könnt ihr dann mit mir rechnen ;)

            Interessant finde ich (um den Bogen zu FC zurück zu schlagen) wie sich die Aufnahme von Filmen mit der Zeit wandelt. Früher (als der raus kam und ich 16-17 war) fand ich FC visuell beeindruckend und war der Meinung es dreht sich explizit um Schizophrenie. Mittlerweile (über die Jahre sicher fünf Mal gesehen) habe ich immer mehr oben genannte Eigenschaften ‘entdeckt’. Deswegen brenne ich jetzt auch irgendwie drauf den noch mal zu sehen. Wer weiß wie ich das jetzt alles aufnehme (das letzte Mal ist bestimmt 4-5 Jahre her).

          • SecondUnitTamino

            Hab mir gerade nochmal unsere alte Diskussion (oder quasi unser erstes Moviepilot-Date, hehe) durchgelesen und die war wirklich interessant und produktiv. Ich stehe zwar immer noch zu dem was ich geschrieben habe, aber ich könnte mir vorstellen, dass ich bei einer neuen Lynch Sichtung vielleicht doch etwas mehr mit ihm anfangen könnte, da du und Uli so schön auf meine Probleme eingegangen seid. Ich hätte halt wirklich gerne einen Lynch Fan für die irgendwann anstehende “Mulholland Dr.” Diskussion dabei, hoffentlich lässt sich das irgendwie machen.

          • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

            Ich habe gestern auch endlich mal eure 2001-Episode gehört. Da wurde es noch viel deutlicher warum du das alles so siehst wie du es siehst!
            Ich überlege auch gerade welcher Lynch vielleicht am besten sein könnte. Wahrscheinlich THE STRAIGHT STORY :D Der ist nämlich exakt das was sein Titel sagt. Straight. Keine Mindgames, keine Interpretation, gar nix. Ich glaube Lynch hat den nach LOST HIGHWAY und MULHOLLAND DRIVE als Witz gedreht..
            Mich würde ja schon freuen, wenn einer dieser Zwei Filme es bei dir auch zu dem Status ‘Ist nicht mein Ding, aber ich respektiere den Film für das was er ist / sein will’ schaffen würde (wie 2001). Kennst du eigentlich LOST HIGHWAY (im Podcast hast du den nicht aufgezählt)? Ich habe den jetzt drei Mal gesehen (und erst nach dem dritten Mal aus Interesse ‘Sekundärliteratur’ hinzugezogen) und beim ersten Mal war es tatsächlich nur ein fasziniertes ‘WTF?!’ Aber wenn man sich drauf einlassen will, dann kann man da (sogar ohne viel zu lesen) wirklich abgefahrenen Sinn drin finden! Weil Lynch keineswegs wahllos Szenen setzt (wie ihr das ja mit der tanzenden Frau beschrieben habt.), nur manchmal erschließt sich das nicht auf Anhieb :)

            Verdammt ich komm schon wieder in den Redfluss.. Vielleicht muss ich beim Lynch-Podcast als Skype-Gast vorbei kommen, haha!

          • SecondUnitTamino

            “Lost Highway” werde ich mir bald mal “privat” anschauen, der steht schon ewig auf der Watchlist, aber ich war logischerweise nicht all zu sehr hinter dem her aufgrund meiner bisherigen Lynch Erfahrungen. Ich glaube aber das ich so langsam mal wieder reif bin für einen Lynch ;-)

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