Second Unit #38 (The Hobbit: An Unexpected Journey)

Es geht erneut nach Mittelerde! The Hobbit: An Unexpected Journey ist für viele der Film des Jahres schlechthin, so auch für Tamino. Doch das macht den Film noch lange nicht perfekt.

Zunächst muss ich mich aber für den kleinen Schluckauf zu unserer letzten Episode vom Lord-of-the-Rings-Special entschuldigen. Sollte euch iTunes die falsche Folge ausgeliefert haben, so löscht diese Episode einfach und ladet die nun korrekte erneut herunter. Vielen Dank noch mal für die viele Hinweise!

Wir trinken diese Woche erneut einen Saft als Proviant für die Reise nach Mittelerde, nämlich einen in der Geschmacksrichtung Maracuja.

Die wichtigsten Charaktere seien hier nur kurz erwähnt, schließlich können wir den kompletten Cast mit seinen 13 Zwergen und vielen Nebencharakteren nicht komplett an dieser Stelle anführen. Ian McKellen als Gandalf, Martin Freeman als Bilbo, Richard Armitage als Thorin, Sylvester McCoy als Radagast und Bret McKenzie als Lindir sind uns aber positiv aufgefallen.

Obwohl wir mal wieder einen aktuellen Kinofilm schauen, spoilern wir in der Sendung den gesamten Inhalt. Ihr habt den Film schließlich selbst schon gesehen oder bis zu diesem Punkt keine Angst mehr vor Spoilern.

Die Diskussion dreht sich natürlich auch ein wenig um die große Anzahl Charakteren, den Anschluss an die vorherige Trilogie und die generelle Problematik von Prequels. Natürlich erwähnen wir in dem Zuge auch die Star-Wars-Saga. Zum Schluss machen wir auch noch einige Beobachtungen zum Fantasy-Genre allgemein.

Nächste Woche klingen wir das Jahr mit einer besonderen kleinen Episode aus. Wir schauen dann nämlich zur Abwechslung mal keinen Film, sondern werfen einen Blick zurück auf das (Kino-)Jahr 2012 und unsere Erwartungen an die kommenden 12 Monate.

Bis dahin wünschen wir euch allen natürlich frohe und besinnliche Weihnachten mit ganz vielen Filmen unter dem Baum!

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[Teaser-Bild: cc by miss_rogue]

  • http://twitter.com/HerrvonSpeck Lars

    Also, diese Sache mit Saruman hängt ja damit zusammen, dass man den Kampf gegen den Nekromanten aus den Anhängen in den Hobbit eingebaut hat. Das wird im 2. Teil noch wichtiger, wenn sie sich halbwegs an Tolkien halten. Ich hatte befürchtet, dass man die anderen Figuren aus HdR einfach so reinquetscht, aber mit der Story um Dol Guldur kann ich leben. Mit der lässt sich auch die Streckung auf 3 Filme erklären und vertreten. Und das mit Sauron… wird sich klären ;)

  • Haka

    Peter Jackson wird als der Mann in die Geschichte eingehen der das Kino mit seiner 48fps Scheiße kaputt gemacht hat.
    Wenn ich so einen Billiglook sehen will, kann ich mir auch Gute Zeiten Schlechte Zeiten auf RTL angucken!

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Ich kann das leider nicht beurteilen, weil ich noch keine Möglichkeit hatte den Film so zu gucken. Würde ich ja eigentlich mal sehr gerne machen, eben weil ich das Gefühl habe, dass alle jetzt eher grundlos meckern. Kann das ganze nicht einfach nur erstmal ungewöhnlich sein und irgendwann nicht mehr der Rede wert? Ich frage ernsthaft, weil ich keine Erfahrungswerte habe :-)

      • Heisenberg

        Ach ihr habt den Film normal geguckt? Ich habe ihn noch gar nicht gesehen und werde ihn mir auf jeden Fall mit dieser hohen Framerate antun. Ich befürchte das Schlimmste. Ich finde bei so etwas geht einfach jedes Filmfeeling verloren. Aber die meisten “normalen” Leute scheinen den Unterschied leider gar nicht zu bemerken, deswegen wird es sich wohl durchsetzen.

        • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

          Ich finde diese Argumentation so müßig. Zur Stummfilmzeit hat der Ton mit Sicherheit auch das “Filmfeeling” ruiniert. Und die Farbe erst! Und das Breitbildformat erst!

          • Heisenberg

            Na ja, das sind aber schon völlig unterschiedliche Dinge.

            Hier noch ein passender ausführlicher Kommentar zu der Problematik:
            http://www.moviepilot.de/news/der-hobbit-oder-eine-48fps-doku-soap-mit-zwergen-119425

          • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

            Wie gesagt, mir fehlt der Vergleichswert. Aber in Theorie ist das für mich _genau_ das Gleiche. Eine technische Innovation, die neue Sehgewohnheiten hervorrufen könnte.
            Die viel spannendere Frage ist deshalb für mich, warum wir diese Innovation jetzt bekommen (Vermutung: $$$) und ob wir sie hoffentlich auch mal ohne 3D-Zwang begutachten können!

            Denn der erstmal ungewohnte Look wird doch mit Sicherheit in Zukunft noch verfeinert werden können…

  • Teferi

    Ich bin durch Zufall auf euren Podcast gestoßen und habe diese Folge als erste gehört. Wow, das macht Lust auf mehr :-) Ihr habt angenehme Stimmen, einen guten Fluss im Podcast und eine (zwei…) interessante Meinung zum Film. Ich schätze, ihr habt einen neuen Stammhörer, ich lade gerade weitere Folgen und schaue, ob ihr immer so drauf seid :-)

    Ich ging in den Film eher mit einer LotR-Erwartungshaltung rein und empfand im Gegensatz zu euch z.B. den Ork-Anführer gelungen und stimmungsvoll, während mich der Goblin-Häuptling enttäuscht hat. Zu albern, zu schwach. Und so ähnlich ging es mir mit verschiedenen anderen Szenen, die ich anders im Film erlebt habe, aber in vielen Punkten hat mich eure Sicht und eure Diskussion zum Nachdenken angeregt, so dass ich ihn gerne nochmal sehen würde…

    Deine Hörbuch-Fassung war übrigens ziemlich sicher keine abgespeckte Variante, sondern stattdessen hat Jackson den Film mit Tolkien-Geschichten aus anderen seiner Bücher angereichert (meiner Erinnerung nach u.a. aus den Anhängen von LotR und aus “Nachrichten aus Mittelerde”). Daher kommen ein paar Handlungsstränge, die es im eigentlichen Buch nicht gibt.

    • SecondUnitTamino

      Schön, dass dir der Podcast gefallen hat. Wir freuen uns immer über potentielle neue Stammhörer. Deinen letzten Punkt habe ich auch öfter gelesen, aber erst nach der Sendung. Dann hatte ich das Buch wohl doch nicht allzu schlecht in Erinnerung, nur hat mir Jackson vorgekaukelt, es gäbe mehr, an dass ich mich hätte erinnern müssen;-)

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Das freut mich doch zu lesen :-)

  • Heisenberg

    Gerade den Film gesehen und in etwa das Mittelmaß bekommen, das ich vorher erwartet habe. Plus das absolute Technik-Fail mit dem unsäglichen 3D-HFR.
    Jetzt erstmal ein paar Reviews gewälzt, und dem der Fünf Filmfreunde kann ich ziemlich genau zustimmen:

    http://www.fuenf-filmfreunde.de/2012/12/13/der-hobbit-eine-unerwartete-reise-review/

    Aber jetzt bin ich erstmal gespannt was ihr zu dem Film zusagen habt und hör mir die Folge an ;-)

  • Heisenberg

    Insgesamt war der Film für mich eine schlechtere und in vielen Fällen unnötige Variante von “Die Gefährten” (der schwächste Teil der HDR Trilogie, aber immer noch um Welten besser als der Hobbit). Den Vergleich mit dem dritten Teil von HDR fand ich schon ziemlich krass, da liegen für mich riesige Dimensionen dazwischen. Die Rückkehr des Königs ist für mich die absolute Krönung aller erdenklichen Filme und Geschichten über Mittelerde, da kann der Hobbit nicht mal ansatzweise mithalten.

    Nochmal konkret zu Film:

    Den Anfang war inhaltlich noch ganz gut, allerdings waren die Action-Szenen mit dem Drachen in 3D HFR absolut grausam. Keine Ahnung wie das in 2D rüberkam. Der Verweis auf HDR mit Frodo war ganz nett, hätte es aber auch nicht gebraucht. Insgesamt hat der Film viel zu viele Längen und unnötige und teilweise echt dämliche Szenen.

    Trotzdem hat der Film dann auch viele schöne Szenen,
    der gesamte Aufenthalt in Bruchtal, dann gerade die Besprechung zwischen Elrond, Saruman etc.,
    Frodo vs. Gollum, das Auftauchen des Rings, die Szene mit den Bäumen, Feuer und den Adlern. Das war schon teilweise echt episch.

    Dazu dann noch die letzte Szene mit dem Drachen, absolut grandios.

    Deswegen bin ich dann auch etwas euphorischer aus dem Kino als eigentlich gerechtfertigt gewesen wäre, denn während der erste Hälfte hab ich schon angefangen auf die Uhr zu gucken (was ich im Kino normalerweise nie mache) und mir teilweise gewünscht, dass der Film nie gedreht worden wäre.

    Noch kurz zum Erfolg beim Zuschauern, denn ihr glaube ich in der Jahresabschlussfolge angesprochen habt:

    Der Hobbit ist nicht sonderlich erfolgreich im Vergleich zu seinen Vorgängern oder gerade auch im angesprochenen Vergleich zu Skyfall:

    Deutschland: “1,1 Millionen Zuschauer haben “Der Hobbit” am ersten Wochenende gesehen, was nicht an die überragenden Zahlen von “Skyfall” heranreicht, den am ersten Wochenende bereits 1,9 Millionen Zuschauer gesehen hatten. Auch im direkten Vergleich mit dem Genre-Vorgänger “Der Herr der Ringe” zieht “Der Hobbit” den Kürzeren. Die Originaltrilogie startete am ersten Wochenende mit 1,8 (“Die Gefährten”), 2,0 (“Die Zwei Türme”) und 2,7 (“Die Rückkehr des Königs”) Millionen Zuschauern.”

    http://www.filmstarts.de/nachrichten/18476388.html

    • SecondUnitTamino

      Ich kann die Kritik am Film durchaus verstehen, aber ich konnte einfach noch ganz gut über die meisten Probleme hinwegsehen und mich an den starken Szenen erfreuen (wie z.B. auch bei The Dark Knight Rises). Zwar haben mich einige filmische Entscheidungen verwundert oder gestört, aber gelangweilt habe ich mich keine Sekunde, weswegen Der Hobbit als Ganzes für mich schon gelungen ist. Was ich allerdings überhaupt nicht verstehen kann, ist, wie man Die Gefährten als den schwächsten HdR Film empfinden kann. Das geht wirklich nicht in meine Schädel. Ich habe die Trilogie wirklich schon sehr oft gesehen und der erste FIlm ist für mich einfach perfekt, der zweite sehr solide und der Dritte fällt einfach raus. Diese nervigen Szenen, in denen Faramir sich seinem furchtbar anstrengenden Vater beweisen will; diese endlosen Szenen mit Frodo, in denen er völlig fertig in die Kamera guckt; die Schlachtszenen, die im Vergleich zum zweiten Teil oft zu unrealistisch und CGI-haft aussehen; das unendliche Ende; außerdem der relativ gesehen schwächste Teil der Geschichte, da das so großartige Abenteurfeeling, dass im ersten Teil noch so großartig eingefangen wurde und auch im zweiten Teil noch nicht ganz verschwunden war, jetzt einfach größtenteils fehlt. Ich mag den Film trotz all dieser Kritikpunkte meinerseits noch sehr gerne, aber niemals so sehr wie die vorhergehenden. Für mich fühlt sich der Hobbit daher inetwa so an wie Die Rückkehr des Königs: Viele schöne und viele durchwachsene Szenen/Elemente wechseln sich ab, aber am Ende gefällt mir das Gesamtprodukt trotzdem.

      Jetzt würde mich aber wirklich noch interessieren, was in aller Welt du an Die Gefährten denn auszusetzen hast. Für mich klingt das so, als würde man Die Hard 2 über Die Hard stellen:)

  • Rian

    Ich kann Christians Abneigung zum Prolog nachvollziehen bzw. warum er es nicht für elegant hält. Man könnte einen Prolog auch mit “Hallo, hier ist die Motivation des Hauptcharakters!” zusammenfassen. Diese ist daraufhin in Stein gemeißelt, fast schon Fakt. Das konzentriert den Charakter sehr stark – Thorin ist dann halt “Der Typ, der um jeden Preis seine Heimat wiederhaben möchte.” Das weiß man ab Minute eins und wenn er noch eine weitere Aufgabe während des Films bekommt, dann darf sie nie einen so hohen Stellenwert einnehmen, weil, naja, Prolog. Wenn eine andere Aufgabe wichtiger oder gleichwichtig wird, dann müsste sie ja wohl auch einen Prolog bekommen müssen.

    Ich finde es in diesem Fall aber nicht schlecht, weil Thorin nicht der Hauptcharakter ist und auch nicht die größte Zugkraft aufweist. In seiner Dimensionalität ist Bilbo selbstverständlich der Protagonist – er ist neugierig, möchte aber auch zu Hause bleiben. Er ist klein und stellt sich großen Herausforderungen. Er redet viel und auch viel Unsinn, aber in wichtigen Situationen kann er seine Worte bedacht wählen oder schweigen. Thorin ist die Personifizierung der Motivation Bilbos, während der Prolog die Motivation Thorins erzählt. Wir haben hier also noch eine Zwischenstufe, einen Dämpfer, so dass Bilbos Schicksal nicht von vornherein vom Erfolg oder Misserfolg der Mission der Rettung Erebors abhängt, sondern immer noch einen “Wiggle Room” lässt, um eigene Motivationen zu verbauen.

    In diesem Sinne ist der Prolog als Mittel zum Lostreten der Storylawine gut gewählt und gut eingesetzt. Aber wer keine Ahnung hat, wie oder warum ein Prolog zu verwenden ist, der sollte davon die Finger lassen, denn es würde den Film billig darstellen.

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Ich finde, dass ein Prolog als Stilmittel eher mau ist, weil er ja eigentlich keine direkten Konsequenzen für unsere Hauptstory hat. Im Grunde schmeißt man erstmal eine Menge Infos an die Leinwand, die man nicht organisch die Hauptgeschichte einbauen konnte. Und Peter Jackson hat ja sowieso schon immer Probleme mit dem Pacing gehabt…

      • Rianq

        Das ist damit natürlich verwoben, klar. Wer noch konsequenzenfrei Infos verbauen möchte, der kann das im Prolog machen, aber soweit ich mich an Prologe erinnere, stellt dieser immer die Motivation mindestens eines Charakters. Ich denke ja auch, dass sich ein Prolog immer durch etwas Besseres ersetzen lässt, allerdings halte ich den Prolog von Unexpected Journey noch für so gut, wie man ihn in dieser Art und Weise einsetzen kann.

      • SecondUnitTamino

        Ich finde es ehrlich gesagt ziemlich unsinnig, einen Prolog prinzipiell als minderwertig einzustufen. Das ist genauso eine Äußerung wie prinzipiell zu behaupten, dass eine nonlineare Erzählstruktur grundsätzlich schwächer sei als eine linare. Es gibt allerdings gute Gründe, sich für solcherlei Entscheidungen auszusprechen. Durch einen Prolog gewinnt ein Film z.B. die Möglichkeit, Charaktere zu anderen Zeiten ihres Lebens zu zeigen, was oft einfach interessant ist. Außerdem kann damit das Ziel der Geschichte vonvornherein vorgegeben oder wichtige plotrelevante Informationen sofort erläutert werden. In manchen Fällen macht es einfach Sinn, mit einem Prolog zu arbeiten und in manchen nicht. Man kann ein Geschichte auf unglaublich viele gute Weisen erzählen und manchmal ist ein Prolog das beste Mittel, um es zu tun.

        Für mich geht deine Ansicht schon fast in Richtung Dogma-95, und zwar in der Weise, dass ein Film im Hier und Jetzt spielen müsse und man keinerlei Rückblenden o.Ä. einsetzen dürfe. Ich habe bei dir übrigens des Öfteren das Gefühl, dass du eine ganz bestimmte Art, eine Geschichte zu erzählen quasi objektiv als die beste erachtest und alle anderen Möglichkeiten vonvorherein abwertest. Vielleicht hörst du zu viele Podcasts darüber wie man eine Geschichte in ein Drehbuch zu verarbeiten hat und akzeptierst dadurch gewisse alternative Möglichkeiten nicht mehr. Du siehst nur noch “Prolog” und denkst: “Das ist nicht optimal.” Klingt für mich irgendwie engstirnig und so, als würde man immer die gleiche Art Film wollen – nur in anderem Setting. Es gibt einfach keine in Stein gemeißelten Regeln, wie man eine Geschichte zu erzählen hat – nur Faustregeln. Jede einzelne Faustregel muss aber immer hinterfragt werden können und jedes erzählerische Stilmittel muss prinzipiell als gleichwertige Option anerkannt werden. Andere Sichtweisen führen nur dazu, dass alle neu gedrehten Filme sich viel zu sehr annähern und Projekten wie “Cloud Atlas” vonvornherein die Luft zum Atmen genommen wird. Viel zu viele FIlme halten sich zu stark an die sogenannten Regeln der FIlmbranche, was sie meistens recht belanglos macht. Ich bin dafür, sich so langsam mal von diesem Regeldenken zu verabschieden und beim Erzählen einer neuen Geschichte quasi bei Null anzufangen. Ich würde mir wünschen, dass ein jeder schaffender Künstler zu jeder Zeit seine eigene als sinnvol erachtete Lösung für das Erzählen der Geschichte auswählt und sich nicht routiniert am Hollywood-Standard abarbeitet. Außerdem sollte dies nicht nur bei manchen ausgewählten Projekten akzeptiert, sondern generell verlangt werden. Bin jetzt natürlich ein wenig abgeschwiffen, aber für mich klang bei deinem Statement irgendwie zu sehr das letzte Wort in Film-Industrie durch.

        • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

          Ein Prolog ist nicht per se schlecht, aber er ist schlechtes Screen-Writing. Warum? Weil er einfach ist. Ein Polog löst nämlich das Problem, die Motivation der Hauptcharaktere zu vermitteln, auf die denkbar uneleganteste Weise. Indem nämlich einfach ein paar Szenen an die Leinwand geworfen werden, ohne uns einen Kontext zu geben. Stattdessen wird gesagt: Hier, das ist wichtig. Wir wussten nicht wohin damit, deshalb schmeißen wir es dir jetzt ins Gesicht. Du wirst später schon verstehen warum! Gutes Screen-Writing löst aber Probleme im Spannungsaufbau, anstatt ihnen aus dem Weg zu gehen.

          Und ja, das kann durchaus durch Hollywood beeinflusst sein. Aber ich finde schon, dass da was dran ist. Konkret beim Hobbit hätte ich mir zum Beispiel gewünscht, dass erst im Verlauf der Geschichte klar wird, warum die Zwerge so verbissen zurück wollen. Ich hatte den Moment tatsächlich im Kino, als der Prolog anfing dachte ich mir: Nett, aber wozu ist das nun wichtig? Wie betrifft das nun in irgendeiner Weise den Hobbit? Von den Zwergen wusste ich gar erstmal noch gar nix bzw. wie die überhaupt für die Story wichtig sein werden. Why should I care about them?

          Hätte der Film nicht viel besser funktioniert, wenn er mit Bilbo startet, er die Zwerge kennen lernt und dabei für ihn und uns erst das ganze Bild entsteht? Wäre Thorins Einführung in den Film nicht viel gewichtiger, wenn er erst vernarrt nach Hause will, wir aber erst im Laufe der Geschichte erfahren warum? Wäre der Drache nicht eine größere Bedrohung, wenn er erst nach und nach in der Geschichte auftaucht? Und wäre es nicht vielleicht sogar ein kleiner Twist, wenn wir erst am Ende erfahren würden, dass der Drache dafür verantwortlich ist, dass die Zwerge fliehen mussten? Das hätte natürlich nicht mehr viel mit dem Buch zu tun. Aber es wäre in meinen Augen das bessere Drehbuch.

          Oder noch einmal anders, als kleiner Vorblick auf die Episode nächste Woche: Wäre “Spiel mir das Lied vom Tod” nicht weitaus langweiliger, wenn wir in einem Prolog schon die ganzen Hintergründe erführen? Wenn wir wüssten, dass das Land so wertvoll wegen der Eisenbahn ist, dass die Familie deshalb sterben musste, dass Harmonica auf Rache an Frank aus ist? Das würde uns gleich zu Beginn alles wichtige für die Story mitgeben. Aber das macht die Reise dorthin nicht besser.

          • SecondUnitTamino

            Beim letzten Punkt gebe ich dir Recht. Mal macht es Sinn einen Prolog zu verwenden, mal lieber Rückblenden später im Film und mal besser gar nichts in der Richtung. Warum allerdings ein Prolog “schlechtes Screenwriting” und eine Rückblende (die sich von der Sache her überhaupt nicht von einem Prolog unterscheidet) zu einem späteren Zeitpunkt im Film völlig legitim ist, ist beyond me. Man hätte die Szene um den jungen Harmonica und seinen Bruder im Grunde auch als Prolog benutzen können, wenn sie nicht so deutlich dessen Motiv erläutern würde. In ähnlicher Weise wird so eine Art Szene oft völlig einwandfrei benutzt. Es gibt so viele coole Prologe in der Filmgeschichte. Bei “5th Element” z.B. funktioniert er super. Den anschließenden 300 Jahre Sprung in die Zukunft finde ich absolut spitze. Terminator 1 beginnt ebenfalls mit einem Prolog, in dem uns das post-apocalyptische Szenario erläutert wird. Willst du ein solches Vorgehen echt in jedem Film kritisieren? Wieso “muss” ein jeder Film am Anfang alle zentralen Informationen zurückhalten und sie erst im Laufe seiner Geschichte erläutern? Spannung kommt doch nicht nur dadurch zustande. Ganz abgesehen davon, soll es eben auch nicht immer um Spannung gehen, aber dazu ganz unten.

            Ebenfalls verstehe ich einige deiner Punkte vorher auch kaum. Du schreibst zu den Zwergen im Prolog: “Why should I care about them?” Das ist doch genau die Frage, die der Prolog schon mal grundsätzlich beantwortet. Nur weil der Film “Der Hobbit” heißt, interessiert dich im Film erstmal nichts außer einem Hobbit, den du noch nicht gesehen hast, oder was? So wirst du das ja wohl kaum gemeint haben. Die Zwerge und besonders Thorin sind für uns doch gerade deshalb sofort interessant, weil wir ihre Motivation schon kennen und wissen wollen, wie sie ihr Abenteur bestreiten. Das “muss” man sicher nicht durch einen Prolog darstellen, aber es funktiert halt einwandfrei. Für mich klingt deine Kritik fast wie absichtliches Schlechtreden-wollen. Wenn die Zwerge einfach so bei Bilbo auftauchen würden, könnte man auch sagen “Why should I care about them?”. Schließlich kennen wir sie dann überhaupt nicht und wissen nicht, warum wir uns für sie interessieren sollten. Würde ich natürlich so nicht sehen, ist aber die gleiche Art von Argumentation. Warum du einen Prolog mit “ins Gesicht werfen” von Informationen umschreibst, verstehe ich ebenfalls nicht. Da wird einfach eine Geschichte erzählt, deren volle Konsequenzen uns erst im Laufe des Films völlig bewusst werden. Wie kann man sich beim Prolog allen Ernstes fragen, warum das wichtig sein sollte, das finde ich echt bekloppt :-) Der Film beginnt mit der Geschichte der Zwerge, was damit offensichtlicherweise zeigt, dass genau diese Geschichte im Prolog das Zentrum des Films ist. Letztendlich ist Bibos Geschichte ja nur mit dieser verwoben. Es würde für mich noch eher SInn ergeben, wenn du bei den anschließenden Szenen sagen würdest, “warum sollte mich das interessieren”. Man könnte hier eher noch sagen, hey, was interessiert mich der Hobbit, es geht hier um eine Geschichte von Zwergen und wie diese ihr Heimatland zurückfordern. Da der Prolog beim Hobbit deutlich die Kerngeschichte umramt, ist das letzte was ich hier verspüren würde, Desinteresse. Im Grunde kannst du gleich abschalten, wenn dich der Prolog kalt lässt, denn er umramt den Hauptkonflikt und bereitet auf die Klimax der Geschichte vor.

            Für dich funktioniert ein Prolog anscheinend so, “Indem nämlich einfach ein paar Szenen an die Leinwand geworfen werden”. Ich weiß ehrlich gesagt nicht so recht, was du damit sagen willst. Irgendwie scheint dir da irgendetwas als unelegant vorzukommen. Letztendlich wird in jeder Szene nichts anderes gemacht, als ein paar in irgendeiner Weise wichtige Bilder auf die Leinwand zu werfen. Wenn wir schon beim anstehenden Western sind, in dessen Openenig Scene wissen wir auch für 10 Minuten überhaupt nicht, was das alles soll. Da könnte man genauso sagen, dass da einfach irgendwas gezeigt wird ohne Sinn und Zusammenhang, wenn man es denn schlechtreden wollte. Wenn du halt ein wenig wartest, weißt du halt was das soll. Ehrlich gesagt, würde ich diese Openenig Sequenz auch als eine Art Prolog bezeichnen, da sie die Geschichte kein Stück voranbringt und hauptsächlich dazu dient, Stimmung beim Zuschauer zu erzeugen. Ebenfalls eine völlig akzeptable Funktion eines Prologs. Bei dem Hobbit Prolog ist es sogar noch viel “unproblematischer”, weil er halt keine Fragen offenlässt, sondern sie beantwortet und es daher klar ist, warum wir gerade das gesehen haben was wir gesheen haben. Ich verstehe einfach überhaupt nicht, wo das Problem ist, wenn wir zu Beginn des Hobbits die Grundmotivation der Zwerge erläutert bekommen. Wo wäre der Unterschied, wenn uns diese Information 20 Minuten später in einem Gespräch in Bilbos Haus mitgeteilt worden wäre? Man hätte diese Information natürlich auch erst im letzten Drittel des Films mitteilen und es somit “spannender” machen können. Es soll aber einfach nicht die Frage aufgeworfen werden, was die Zwerge eigentlich wollen und was sie antreibt. Man sagt uns dies alles eben sofort, weil es um ihr anschließendes Abenteur und “wie” sie ihr Ziel erreichen geht. Wenn dich das nicht reizt, ist das ein persönliches Präferenzproblem und kein schlechtes Screenwriting. Ich denke wieder an die Episode “The Thing”. Du wirfst dem Film fehlende Charaktere vor obwohl er keine haben will. Ich glaube du lässt vielen Filmen letztendlich zu wenig Freiheit, ihre eigenen Akzente zu setzen, platt gesagt, ihr eigenes Ding zu machen. Wenn ich es ganz stark runterbrechen müsste, dann würde ich sagen, dass es beim Hobbit darum geht, ein Abenteur um einen Hobbit, einen Zauberer und einen Haufen Zwergen zu erzählen. Es geht hier nicht um Plot-Twists, verwobene Handlungsstränge oder darum, dass sich die Motivation der Zwerge erst im Laufe des Films offenbahrt. Solcherlei DInge bieten oft Stoff für eine tolle Geschichte, aber eben für eine vollkommen andere als wir sie beim Hobbit vorfinden. Es soll durch den Prolog einfach die Basis für das anstehende Abenteur geschaffen werden. Du wünschst dir hier teilweise – wie auch schon bei The Thing – einfach eine andere Art Film, der im vorliegenden Fall seine Akzente auf eine ausgereifte Storyentwicklung setzt. Ich weiß schon was du sagen willst, für dich ist sowas eben immer wichtig, aber trotzdem ändert das nichts daran, dass dies kein Makel am Film ist, sondern nur deiner persönlichen Präferenz nicht genügt. So, du siehst, du bist auch im Urlaub nicht vor meinem Geschwafel sicher:)

            PS: Nicht den Mars-Riegel vergessen!

  • Pingback: Second Unit #39 (Second Unit Holiday Special [2012]) | Second Unit

  • Nmare

    so. nun im Getränkemarkt einen Maracujasaft gekauft. Musste aber meiner Frau erklären, wieso ich plötzlich den Laden danach absuche :-)

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Hehe, stark!