Second Unit #243 – Drive (Gast: Tamino Muth)

Wir fahren! Und reden. Eine ganze Menge nämlich. Kein Wunder, denn bei Drive (Amazon-Link*) kommen wir sofort ins Schwärmen, Rätseln und Diskutieren. 

[YouTube Direktlink]

Der Film sprüht nur so vor Style, eine Menge davon dürfte durch die Inszenierung von Nicolas Winding Refn stammen. Das Drehbuch nämlich nicht, das hat Hossein Amini nach einem Roman von James Sallis geschrieben.
Der Cast kann begeistern: Ryan Gosling als schweigsamer Driver, Carey Mulligan als femme-fatalige Irene, Bryan Cranston als väterlicher Shannon, Albert Brooks als zwielichtiger Bernie Rose, Oscar Isaac als gefährlicher Standard, Christina Hendricks als überforderte Blanche und Ron Perlman als großspuriger Nino.

Wir diskutieren ausführlich über die Inszenierung; das Blocking, Framing und Lighting; und versuchen den Film durch mehrere Genres zu ordnen. Film Noir? Action? Romanze? Was denn nun? Zum Schluss nähern wir uns dem Schauspieler Ryan Gosling. Was ihn ausmacht und wie er spielt.

Im Laufe der Diskussion beziehen wir uns auf diese beiden Videos:

Nächste Woche wird es mal wieder persönlicher. Christian feiert seinen 30. Geburtstag, am Tag der Deutschen Einheit. Da liegt es doch nahe, dass er sich den Herrn Hader schnappt und die beiden ausführlich über das Dreißigwerden, die Deutsche Einheit und Herr Lehmann (Amazon-Link*) sprechen.

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[Download | Länge: 02:01:05 | Größe: 58,4 MB | @2nd_Unit | Facebook.com/SecondUnit | iTunes | Unterstützt uns bei Patreon!]

[Teaser-Bild: cc by 2.0 Yuya Tamai]

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  • http://www.privatsprache.de/ Privatsprache

    Zu eurer Genre-Diskussion: Als großer Western-Fan war Drive für mich immer ganz eindeutig ein Western:
    https://boxd.it/540NP
    Er nimmt alle Elemente eines „Small Town Westerns“ und packt sie in ein neues Setting.

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Schöner Gedanke!

  • http://cinecouch.net/ Niels | CineCouch

    Um Tony Zhou muss man sich keine Sorgen machen, der macht jetzt Video Essays für Criterion und Filmstruck, soweit ich weiß.

    Eigentlich benennt ihr schon genau, was Drive so großartig macht. Die wahnsinnig starke Atmosphäre durch Bilder, Farben, Soundtrack und Ton. Das Spannungsverhältnis zwischen dem Bedienen und Brechen von Konventionen. Die Reduktion in Sachen Action, Dialoge, Schauspiel, Plot: Genau das verleiht jedem Detail erst eine solche Bedeutung. Der Plot ist nicht herausragend, aber funktional und ermöglicht dadurch das meisterhafte “show don’t tell”. Das war bei Hitchcock nicht anders: Hochkomplexe Börsen-Deals kannst du nicht durch eine Kamerafahrt erzählen, altbekannte Genre-Versatzstücke dagegen schon. Ich empfinde es auch als große Stärke, dass sich eben kein eindeutiges Genre benennen lässt, obwohl ganz viele Genre-Elemente drin sind. Und dass Krimi-Plot, Liebesgeschichte, Milieu-Studie, Charakterdrama alle Hand in Hand gehen, ohne dass man eins davon als Hauptplot festlegen muss. Außerdem toll: Die schweigsame Coolness von Ryan Gosling, die einfühlsame Liebesgeschichte, die vielen eigentlich grob gezeichneten aber trotzdem erstaunlich dreidimensional und ausformuliert wirkenden Figuren, die filmischen Verweise. Die Action, wenn die denn da ist. Und der Soundtrack! Meisterwerk!

  • http://nein.com Akmo Schmako

    Hab ihn mir nochmal angesehen und fand den Film überhaupt nicht langsam, was wohl an der Musik liegt. Sehr schön wie in der Partyszene Under your Spell läuft und zwischen dem Driver und Irene hin und hergeschnitten wird.
    In der Szene danach wo Driver dann angesprochen wird: das war kein “Fan” wie im Cast behauptet. Die reden über einen “Job”, so wie einen am Anfang des Films. Ist wohl eher so dass Driver nicht mit so einem “Kollegen” gesehen werden will.
    Es ist mir auch nicht vorher aufgefallen dass Driver vor Wut zittert als er diesen Typen in der Umkleide angreift.
    Die Gewaltausbrüche folgen auch nach dem er sich emotional angegriffen fühlt. Vor der Fahrstuhlszene fragt er Irene auch ob er mit ihr weggehen will. Er weiß wohl selber dass das eigentlich Unsinn ist. Will sie wirklich vor der Mafia wegrennen?
    Was ihr nicht erwähnt habt ist diese komische Sequenz wo der Driver diese Gummimaske anzieht und dann sich diese Party anschaut. Wer macht schon eine Party in einem Pizzaladen? Und was soll diese Musik? Wieso behält er die Maske an als er Nino ertränkt? Hat das Licht des Leuchtturms was zu bedeuten? Wohl nicht, sieht aber geil aus.
    Die Fahrsstuhlszene ist der Höhepunkt für mich und der emotionale Höhepunkt des Filmes. Die Szenen danach holen mich nicht so ab. Das mit der Maske, der Dialog mit der Schildkröte kommt aus dem nichts und die Restaurantszene ist seltsam geschnitten. Ich verstehe die Intention da nicht.
    Und vergiss God only forgives, so eine Enttäuschung. Die Leute die ihn mögen sagen nur so was wie: Die Masse versteht das nicht.
    Bei dem Film gibt es nichts zu verstehen, es wird alles überdeutlich klar. Er ist auch unsinnig brutal, Gosling spricht wirklich nur ein paar Wörter… So schönes (und durchdachtes!) Framing wie in Driver gibt es da nicht.