Second Unit #116 (Boyhood)

12 Jahre in der Mache und nun endlich im Kino. Boyhood (Amazon-Link*) erzählt eine mehr als gewöhnliche Geschichte in äußerst ungewöhnlicher Art und Weise. 

Zu Beginn bedanken wir uns mal wieder für eure fleißigen Spenden und erinnern an die gewünschten Audio-Kommentare! Her mit euren Meinungen zu Star Wars und den 80er Jahren als Filmjahrzehnt!

Wir trinken in dieser Ausgabe mal wieder Capri-Sonne, passend zu meiner eigenen Kindheit.

Eine kleine Spoilerwarnung für ganz sensible Gemüter. Nur bis 15:17 bleiben wir komplett Spoilerfrei, erst danach erwähnen wir auch konkrete Momente und Plot-Points in der Besprechung.

[YouTube Direktlink]

Wer bei der Prämisse an die Before-Filme von Richard Linklater denken muss, ist goldrichtig. Der Texaner hat auch bei diesem Film das Drehbuch geschrieben und Regie geführt. In der Hauptrolle spielt Ellar Coltrane als Mason. Die beiden Eltern werden von Patricia Arquette und Ethan Hawke gespielt. Lorelei Linklater spielt als Samantha das vierte Familienmitglied.

Der große Reiz des Filmes besteht natürlich in dem ganz eigenen Umgang mit der Zeit. Wir gehen intensiv auf diese Komponente ein. Hat der Film genug Zeit für seine wichtigsten Momente und Figuren? Funktioniert die Prämisse? Und wie sieht es generell mit Zeitabschnitten im Medium Film aus?

Nächste Woche beginnt unsere Reise in die 80er. Mit – na klar! – Arnie. Tamino bringt uns Commando (Amazon-Link*) und jede Menge Filmzitate mit.

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[Download | Länge: 1:39:58 | Größe: 48,1 MB | @2nd_Unit | Facebook.com/SecondUnit | iTunes]

[Teaser-Bild: by austinistdotcom]

*Amazon-Partner-Links: Über diese Links gekaufte Artikel werfen einen kleinen Obolus für uns ab. Für euch ändert sich nichts, schon gar nicht der Kaufpreis. Wir bedanken uns im Namen unserer Kaffee-Kasse.

  • RiSiNGxSuN

    Oha Tamino 6.0 auf Moviepilot? was ist da passiert. =D

  • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

    Ich freue mich, dass ihr beide den Film mochtet, den für mich ist er bis jetzt das Kino-Highlight 2014 gewesen. Rein vom Empfinden auf einer Stufe mit HER, allerdings aufgrund der Machart noch mit nem kleinen Bonus versehen und damit an der Spitze.

    Hab es ja tatsächlich geschafft drei Wochen vor der Kinopremiere das erste Mal was davon zu hören. Taub und blind nennt man das wohl :D Mag aber auch daran liegen, dass ich mich mehr mit Filmen befasse die schon draußen sind. Diese ganze Promo zu den kommenden Filmen nervt mich nämlich – wobei die hier ja sehr in Maßen war. Indie Film halt..

    Interessant ist mal wieder, wie der Film auf uns gewirkt hat – nämlich sehr verschieden – bzw. was wir mochten. Habe fast den Eindruck bekommen, dass euer größter Kritikpunkt (nämlich die sehr fragmentarische, viel weg lassende Erzählweise) für mich die größte Qualität war. Den Film zu schauen hat sich für mich angefühlt wie früher, als ich einige Freunde immer nur im Urlaub in den Sommerferien getroffen habe. Man hat sie einmal im Jahr gesehen, hat dabei gemerkt, wie sie sich verändert haben, aber alles was “dazwischen” passiert ist, kannte man nicht. Das hat mir an BOYHOOD ganz besonders gefallen. Ich hatte dabei gar nicht das Gefühl, dass Maßgebliches fehlt. Ihr kritisiert ja mehrfach, dass man sich die Ereignisse, die in der ausgelassenen Zeit Off-Screen passierten, nur denken kann, aber ich habe in vielen Situationen gemerkt, dass Linklater es nahezu perfekt hinbekommt diese Dinge ganz beiläufig indirekt zu erzählen.
    Mal ein Beispiel was ihr aufgegriffen habt:

    Nach einem Break, ist aus dem Kennenlernen der Mum und ihres Dozenten schon eine kleine Familie geworden und ihr habt euch gewundert, dass die Adoptivkinder sie schon “Mum” nennen und hättet euch gewünscht zu erfahren wie dieser Prozess abgelaufen ist. In vielen gemeinsamen Szenen mit Vater, ihr und den Kindern wird aber immer wieder thematisiert, dass er ziemlich hart und kalt “erzieht”, sie hingegen im Umgang mit allen Kindern viel feinfühliger, zarter, lockerer und fairer ist. Also alles was Kindern erleichtert schnell und eng eine Bindung aufzubauen. Das hat für mich total organisch zusammengefügt und nie ist die Frage aufgekommen, warum die Kids so schnell bonden. Solche Momente, wie z.B. der Frust über das nicht geschenkte Auto, reihen sich da ein. Was es dem Jungen bedeutet hat, wird doch in der gezeigten Szene klar, da muss ich nicht extra das Versprechen des Dads auf Band haben – weil ihr auch so viel verglichen habt und die Filme für mich eigentlich sehr gleich agieren, hier mal der Vgl. zu BEFORE SUNSET: Dass es mit seiner Frau in den USA nicht läuft, merkt man doch daran, WIE er es erzählt (so wie an Mason’s Gecknicktheit über das nicht bekommene Auto), da muss Linklater nicht noch ne Szene einstreuen, wo Jesse zuhause mit seiner Frau streitet, oder sich entfremdet mit ihr anschweigt. Deswegen finde ich sogar, dass die Auslassung von Momenten in beiden Filmen (also BEFORE als einen Film gesehen) ziemlich gleich funktioniert. Klar in BEFORE XY wird mehr geredet, aber ansonsten..

    Ich weiß ja, dass ihr das alles immer sehr aus Drehbuch-Sicht angeht und Dinge, die plötzlich so sind wie sie sind, in die Ecke “Wo ist das Fundament dafür im Drehbuch?” schiebt, aber ich kann nur nochmals betonen: Linklater ist für mich der absolute Meister des passiven (und subtilen) Erzählens und schafft es diese Fragen nach dem Ursprung eines Zustandes gar nicht aufkommen zu lassen. Weil das Gezeigte und die Texte zwischen den Zeilen schon ein vollkommen rundes Ganzes formen.

    Es geht ja hier z.B. nicht nur um das Erwachsenwerden des Sohnes, sondern genauso auch um das des (nie erwachsen werden wollenden) Vaters. Und um die Probleme in zerbrochenen Familien, in Patchwork-Familien, als alleinerziehende Mutter, usw. usw. Neben den persönlichen Momenten ist da immer auch ne gesellschaftliche (teils universelle) Komponente drin – aber nie mit dem Holzhammer, sondern immer eher als mitschwingender Ton.

    BOYHOOD ist auf jeden Fall alles andere als herkömmlich erzählt und da er sich vielen gängigen Mustern komplett entzieht, laufen in meinen Augen auch manche Forderungen ins Leere. Z.B. den Jungen ganz am Anfang näher kennenzulernen. Klar, nach normalen “Filmregeln” führt man den Protagonisten umfassend ein und charakterisiert ihn – aber das ist nun Mal eine Momentaufnahme eines sechsjährigen Jungen, dessen Identitätsfindung noch nicht im Ansatz stattgefunden hat. Wen soll man da (nach realistischen Maßstäben) schon kennenlernen. Da folgt der Punkt: ihn dabei zu begleiten, das ist der Film. Dabei finde ich es richtig schön, dass Linklater bewusst die cheesigen Events, die jeder C.o.Age Film mitnimmt (erstes Mal, erster Kuss, erste Trennung, blabla) auslässt und nur Ausschnitte zeigt, die quasi von Dramaturgie befreit sind.

    Für mich ein totaler Ausnahmefilm und in Bezug auf Coming-of-Age das Beste was ich bis jetzt gesehen hab (weil ihr ja so schön viel ratet in der Episode: 10/10). Ausführliches Loblied hier: http://weltamdraht.blogsport.de/2014/06/04/boyhood-2002-2014 (Shameless self-plugging)

    Und nächste Woche wird der HAMMERRR! Mein Lieblings-Arnie!
    “Don’t disturb my friend, he’s dead tired!”
    Muahahahahaha, ich feiere jetzt schon, dieser Film macht mir so unglaublich viel Freude!

    • RiSiNGxSuN

      Ich werde ihn auch noch schauen, leider erst wenn er irgendwo im verleih steht…also ist warten angesagt.
      Ausnahmsweise verzichte ich mal auf einen Podcast der irgendwas Spoilern könnte…auch dein schönen Text jacker werde ich wohl noch nicht lesen dürfen. ^^

      Ich habe dich in ein Textdokument abgespeichert FÜHLE DICH GEEHRT MUAHAH !!!!

      • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

        Ich verneige mich!

  • http://studierzimmer-podcast.de Jonas Schönfelder

    Zu Beginn dachte ich ja, die Episode könnte wieder so ein Ding wie die zu Gravity werden, da ich sehr begeistert von Boyhood war, als ich aus dem Kino kam; anders als ihr. Im Verlauf eures Gesprächs ist mir aber auch aufgefallen, dass ich nicht wirklich Elemente des Films benennen kann, die dazu geführt haben, dass der Film mir so gut gefällt. Wo ich aber absolut zustimme ist, dass der Film als Projektionsfläche der eigenen Jugend funktionieren kann und dies bei mir glaube ich auch in Teilen getan hat. Ich bin 20, also nicht sehr weit von den 18 Jahren Masons entfernt, die er am Ende des Films alt ist und vielleicht liegt es daran.

    Insgesamt bin ich vermutlich aber auch einfacher mit einer schönen Story zufriedenzustellen, als es bei euch der Fall ist. Eure Gedanken zum Film habe ich gerne gehört.

    Gruß
    Jonas

  • Gormenghast

    Jawollo,

    ich gehe mit Jacker, denn auch ich will wissen “was die Welt im innersten zusammenhält”, darum plaudert ruhig auch in eurem Film-Poddie ein wenig aus dem Nähkästchen von eurem Wissen über philosophische Dinge.

    (By the way: ich verstand Aoi Miyazakis Kommentar in dem Japan-Festival Podcast keineswegs als Kritik und Taminos Reaktion ein wenig…unverständlich in ihrer Heftigkeit :’(

    BOYHOOD selber habe ich noch nicht gesehen, aber ihr sprecht eine Sache an, die mich schon ewig beschäftigt, nämlich: wie reagieren Regisseure wenn ihren Darstellern etwas passiert, sie zuviel Cash fordern, oder keine Lust mehr haben?

    Diese Gefahr finde ich besonders bei langjährigen Serien, wobei zu unterscheiden ist zwischen Drehbüchern, die von TV-Schreibern Monat zu Monat geschrieben werden und solchen, die sich auf literarischen Vorlagen berufen.

    Meine erste heftige Erfahrung war bei der TV-Serie DALLAS als der Charakter “Miss Ellie” aufgrund des Todes der Schauspielerin von einer Folge zur anderen von einer komplett anders aussehenden Person ersetzt wurde; das alles ohne Erklärung, nach dem Motto Friß oder Stirb, Zuschauer!

    Gestorben ist dann die Serie,u. a. weil die Fans die Neue nicht akzeptierten; aber wie sieht es aus bei meiner momentanen Lieblingsserie GAME OF THRONES? Kann man eine Persönlichkeit wie z.B. Peter Dinklage als den kleinwüchsigen Tyrion Lannister ersetzen, oder wird er dann rausgeschrieben, zumal es ja Buchvorlagen gibt, in denen er (hoffentlich) noch lange mitmacht?

    Gibt es in den Verträgen, die Seriendarsteller unterzeichnen, Verbote für Bungeejumpings, Tiefseetauchen oder Speedcar Rennen?

    Im Spielfilmbereich wurden diese Tragödien recht gut bei HARRY POTTER aufgefangen, als Richard Harris durch Michael Gambon als Dumbledore ersetzt werden konnte; fetter Bart kaschiert so einiges.

    Der Pechvogel Terry Gilliam musste Heath Ledger in THE IMAGINERIUM OF DOCTOR PARNASSUS ersetzen, und das Ganze mit einem cleveren Trick, wie ich finde.

    Brandon Lee in THE CROW wurde durch ein Körperdouble ersetzt, und der Meister himself, Mr. Ed Wood, versteckte seinen Vampirersatzmimen hinter einem gruseligen Cape, nachdem Bela Lugosi von uns gegangen war.

    Wenn sich jemand mit diesen Fragen auskennt, bitte kommentieren…

    Insofern ist BOYHOOD für mich ein spannendes Experiment, das ich so noch nicht gehört, bzw. gesehen habe, und wie mein kluger Kunstlehrer einst sagte ( und ich jetzt zum zweitenmal poste) : “Der erste Mensch der eine Rose malte war ein Genie. Der Zweite ein Idiot.

    PS: ist COMMANDO nicht auf dem Index? Zumindest in der Uncut-Version?

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Interessanter Gedanke. Mir fällt dazu spontan der nächste “Fast & Furious” ein, bei dem der verstorbene Paul Walker wohl teilweise durch seinen Bruder ersetzt werden soll. Ich kann mir gut vorstellen, dass entsprechende Klauseln in Verträgen stehen bzw. auch die Versicherungen der Schauspieler ein Wörtchen mitreden. Irgendwer wird in solchen Fällen auf jeden Fall Geld in die Hand nehmen müssen und ich Hollywood dürfte ALLES vertraglich geregelt sein :D

    • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

      Seit der Neuprüfung vor 3-4 Jahren runter und als uncut sauber fsk 18 :)

    • SecondUnitTamino

      Was das Philosophiethema angeht, freut es mich natürlich, dass uns anscheinend auch gerne in der Hinsicht zugehört wird. Den Kommentar beim Japan-Special fand ich allerdings einfach nur unverständlich. Wenn ich lese: “Ich dachte immer, dass ihr Philosophiestudenten seid, sei nur ein Witz, da mit euer Podcast nie sonderlich philosophisch vorkam und übrigens kenne ich mich nicht mit Philosophie aus” halte ich das nach wie vor für eine beknackte Aussage, deren Sinn sich mir nicht erschließt. Was will der Autor mir hier sagen? Keine Ahnung, ich für meinen Teil muss mir nur seinen Kommentar durchlesen und das einzige was mir dazu einfällt ist: hä?

  • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

    Je länger ich über den Film nachdenke, desto mehr habe ich den Eindruck, dass Linklaters Versuch einfach nicht als Film, sondern TV-Serie Sinn macht. Mir fällt dazu die Serie “Boy meets World” (dt: Das Leben & Ich) ein. Da erleben wir im Grunde genau die gleiche “Geschichte” über mehrere Staffeln und Jahre mit. Ich hab die Serie auch erst später, aber zu einem perfekten Zeitpunkt geguckt und war total verliebt in die Charaktere. Genau das Erlebnis fehlt mir irgendwie bei “Boyhood”. Hm.

    • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

      Ich würde sagen, dass es sogar einige Serien gibt, in denen man irgendwie die jüngeren Protagonisten beim Aufwachsen erlebt. In das Raster fallen ja schon diverse Sitcoms, die halt über Jahr egedreht wurden. Das hat alles nicht die Ernsthaftigkeit dieses Films, aber agiert relativ ähnlich. ABER: Das sind eben Serien. Und ich denke Linklater wollte das eben nicht in 6-10 Staffeln à 22 Folgen stopfen, sondern in unter drei Stunden. Insofern muss man BOYHOOD einfach auch als reines Experiment sehen, was glaube ich besser oder schlechter funktioniert, je mehr (wie von euch ja auch mehrfach gesagt) die Projektionsfläche da ist. Ich hatte irgendwie alle Figuren total ins Herz geschlossen. Auch Mason. Weil seine Figur für mich igrendwie ziemlich stimmig wirkte.

      • SecondUnitTamino

        Wie kann man nur Masons Figur als “stimmig” empfinden? Er hat doch nahezu keine Eigenschaften, wie sollte man da so ein Urteil abgeben können? Er ist halt einfach nur ein Strichmännchen. Als ich deine 10/10 bei Moviepilot gesehen habe, ging mir mal wieder sofort ein Gedanke durch den Kopf: Jacker, du bist einfach viel zu leicht zufriedenzustellen. BOYHOOD 10 Punkte zu geben ist einfach nur wahnsinnig. Manchmal habe ich bei dir das Gefühl, dass man nur ein bisschen auf die Tränendrüse drücken, bzw. ein wenig auf deep und lebensphilosophisch machen muss und schon hast du einen neuen Lieblingsfilm. Ich kann ja sehen, dass einige interessante Aspekte dem Film zugrunde liegen und gewisse Szenen haben im Vakuum ja auch ein wenig zu bieten, aber wie kann man denn bitte diesen Film gucken und am Ende denken: “Ja, das war perfekt. Genau so muss es sein und alles ergibt Sinn.” Von einem Film sollte man doch wohl etwas mehr erwarten, als einen Haufen zusammenhangloser Ereignisse/Aspekte, auch wenn sie an sich interessant oder mit netten Darstellern präsentiert sind.

        • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

          Aha.
          Ich würde sagen er ist ein ziemlich introvertierter Typ, der in vielen Situationen das menschliche Verhalten als unbehaglich und seltsam empfindet, daraus resultiert über weite Strecken seiner Jugend eine oft präsente Unsicherheit. Auch weil es im weit schwerer fällt mit Menschen zu agieren, als mit sich selbst, oder seiner “leblosen” Umgebung. Mit Autoritäten und Disziplin kommt er schlecht klar, hat wenig Ziele im Leben und schiebt Pflichten und Zwänge von sich, obwohl im klar ist, dass es nur Aufschub sein kann. Auf Kritik reagiert er meist blockend und still, anstatt aufbrausend, oder offensiv zu kontern, weil seine gesamte Art einfach zu zurückhaltend ist UND er Authoritäten und “normale” Fassade weit mehr als gleichaltrige in Frage stellt. Auch macht sich Gedanken über Sinn und Unsinn seines und des Verhaltens seiner Mitmenschen, ist also durch seine überdurchschnittliche Reflektiertheit etwas welt-entfremdet. Trotzdem hält er zu seiner Mutter und zeigt gelegentlich auch Verständnis und eine “warme Seite”. Usw. usw.
          Er hat also nahezu keinerlei Eigenschaften?
          Und diese Nicht-Eigenschaften lassen sich auch keineswegs auf die familiäre Situation beim Aufwachsen, bzw. auf die Eigenschaften seiner Eltern zurückführen?
          Aber du wirst wahrscheinlich eh wieder sagen, dass ich mir das ja alles nur ausgedacht habe, weil ja im beschissenen Drehbuch keine Anhaltspunkte dafür sind und wenn ein Autor nicht schreibt: “SO ist es”, dann ist es ja schließlich nicht da..

          Meiner Meinung nach wurde hier außerdem weder auf die Tränendrüse gedrückt, noch auf Pseudo-Philosophisch gemacht, sondern einfach nur ein außergewöhnliches Projekt außergewöhnlich gut umgesetzt! Und das ist meiner Meinung nach weit mehr Punkte wert, als jegliche solide Umsetzung nach altbackenem Muster. Wenn man natürlich seine üblich starren Qualitäts-Raster auf den Film anwendet, kommt halt nicht SEVEN dabei raus.

          Ich würde dir nichtmal widersprechen, dass ich oft leicht zufriden bin, aber das hat mit einer generellen Einstellung zu tun: Ich habe das Gefühl heute ist es gängig sich an Schwächen, anstatt Stärken einer Sache abzuarbeiten. Ich bin für vieles offen (egal ob Genres, macharten, Inhalte, Formalien…) und sehe und erkenne (in meinen Augen) besondere Qualitäten an. Deshalb bin ich oft von dem gesehenen begeistert. Du stellst das hier allerdings dar, als ob ich durch die Bank alles abfeiern würde. Wenn ich mir mein Filmtagebuch angucke (www.moviepilot.de/liste/film-logbuch-2014-jacker), erscheinen da allerdings von 1-10 Punkten in diesem jahr bereits alles.

          Bei dir kann ich außerdem nur kontern, dass ich das genau gegenteilige Gefühl habe: Es ist unmöglich dich zufrieden zu stellen! Manchmal fragt man sich, ob dir außer deiner handvoll Lieblingsfilme überhaupt ein Film Freude bereiten kann… Nicht böse gemeint, aber man fragt es sich wirklich, weil es immer nur wie eine Suche nach den Schwächen aussieht (bzw. sich anhört), die sich (in meinen Augen) oft viel zu sehr an szenischen Kleinigkeiten aufhält und dabei überhaupt keinen Blick für “das Ganze” mehr zulässt?!

          • SecondUnitTamino

            Also das interessiert mich jetzt mal echt: Wo zum Teufel hast du denn eine “warme Seite” an Mason gesehen?? Wie kann man diesen Film gucken und ihn nicht als kalten, weltfremden Einzelgänger empfinden?? Das hat mich ja gerade so gestört. Er interessiert sich doch für niemanden. Das vermute ich zumindest, da ich es natürlich nicht wissen kann, denn der Film thematisiert nie sein Verhältnis zu irgendwem. Ich weiß nur, dass er selten mit Menschen spricht bzw. nicht ein einziges Mal im Film etwas FÜR IRGENDJEMANDEN tut. Entweder beschwert er sich bei seinem Vater über sein nicht erhaltenes Auto oder er schauspielert den Normalo in für ihn unangenehmen Situationen. Und ganz ehrlich, mir fällt absolut nicht ein, was Masons Persönlichkeit mit der Art seines Aufwachsen zu tun haben sollte. Wie gesagt, man kann sich das immer irgendwie zusammenpuzzlen, aber ich sehe da einfach keinerlei notwendige Zusammenhänge. “Mit Disziplin und Autoritäten kommt er nicht klar”. Sehe ich ebenfalls nicht. Er kommt nicht mit trinkenden Stiefvätern klar, logischerweise nicht, aber ansonsten, wo siehst du diesen Aspekt? Vielleicht könnte man da noch diese Fotographie-Szene anführen, aber da ging es mir jetzt eher um sein Bedürfnis nach Kreativität. Auch schön übrigens, dass wir ihn NIE, NIE, NIE dabei sehen, wie er kreativ ist.

            Was ich z. B. auch nicht verstanden habe ist, wieso wir Mason nie wirklich mit Gleichaltrigen sehen. Es gab da son paar – ich nenne es mal – “Szenenfragmente”, wo wir ihn mit anderen Gleichaltrigen SEHEN, aber ich es wurde nie eine seiner Freundschaften näher beleuchtet. Wieso sollte man darauf in einem Film über das Aufwachsen verzichten?

            Im Allgemeinen bin ich ganz klar nicht leicht zufriedenzustellen. Dafür gefallen mir gewisse Filme dafür auch umso mehr. Das beides möglich ist, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Ich glaube nicht, dass man durch die Bank weg unglaublich viele Filme wirklich begeistert mögen kann, also relativ betrachtet. Es muss doch immer ein Spektrum im eigenen Geschmack geben. Wenn jetzt in Ratings gesprochen, 80% aller bekannten Filme 8+ Punkte haben, dann glaube ich kaum, dass so jemand genau so viel Freude an einer 10 hat wie ich.

            Das mit dem “starren Schema” ist immer so eine Sache. Es macht halt einfach Sinn, sich an die meisten filmischen Regeln zu halten. Ich kritisiere das doch nicht per se, wenn ein Film Regeln vernachlässigt. Ich verstehe da ehrlich gesagt auch nie, warum man sich dabei nicht einig wird. Wenn sich ein Filmemacher dazu entscheidet, seinen Hauptcharakter vollkommen blass darzustellen, dann hat das seine unumstößlichen Folgen. Wenn ich das kritisiere, dann dann nicht, weil es “formal falsch” oder was auch immer ist, sondern weil mir der Typ dann halt einfach scheißegal ist. Wie könnte das denn auch anders sein? Wenn ich jemanden nicht kennenlerne, wieso sollte ich mich dann für ihn interessieren? Wie willst du denn z. B. leugnen, dass ich als Zuschauer keine Ahnung von der Beziehung von ihm und seiner Freundin habe? Und wie im Podcast gesagt, wieso sollte ich dann emotional involviert sein, wenn meine einzige Information ist: sie passten wohl nicht zusammen. Ich verstehe das einfach nicht. Sitzt du jetzt hier bei der Szene auf der Bank, wo die beiden sich zum letzten Mal unterhalten, quasi mit feuchten Augen davor und bist traurig, dass sie sich nicht mehr haben?

            Was soll ich denn sagen? Der Film ist so avant-garde, dass er uns Charaktere nicht mehr näherbringen will und das ist ganz großartig oder was? Ich bleibe da bei Christians Metapher des Familienalbums. Ich könnte mir nichts belangloseres vorstellen, als das Familienalbum fremder Leute durchzublättern. Wenn der Film das sein will, dann läuft er einfach völlig an mir vorbei. Dafür mochte ihn allerdings ja sogar noch ziemlich. Ich werde ihn sicher nie wieder schauen, da hier offensichtlich nicht mehr drinsteckt als nach einer Sichtung zu erkennen ist, aber dennoch war ich im Kino gut unterhalten.

          • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

            Zu deinem ersten Absatz: Der Unterschied ist einfach mal wieder, dass ich kleine Zeichen und winzige Momente, als das deute, was ich beschrieben habe. Schauspielerische Momente, nicht Plot-Momente. Z.B. im Zusammenspiel mit seiner Mutter gibt es mehrfach kleinere Regungen, die sowohl zeigen dass sie ihm keineswegs egal ist, als auch dass er sich um sie und ihre Entscheidungen und Entwicklung sorgt. Warme Momente. Nicht in-your-face inszeniert, aber trotzdem da. Ich deute da subtile Gefühlsregungen, Mimik, etc. über das, was sie zu mir nun mal transportieren (weswegen ich übrigens finde dass Coltrane nen absolut genialen Job macht, weil er es eben schafft diese subtilen Zeichen zu setzen). Du suchst scheinbar im “Plot” nach Charakterentwicklung. Da es faktisch keinen gibt wird das schwer! Warum der Film so toll ist, beschreiben die Jungs von Nerdtalk übrigens in Folge 348 ziemlich gut (nur nebenbei mal erwähnt).

            Dass du nicht leicht zufrieden zu stellen bist, sollte ja klar sein und ich muss wohl jetzt einmal klar ausdrücken warum es vielleicht scheint, als ob ich immer gegen Filmregeln wettern würde. Weil wir uns ja immer wieder um diesen einen Punkt drehen: Anscheinend funktioniert Filmrezeption bei verschiedenen Personen elementar anders. Mal breiter ausgelegt, mal in einem definierteren Rahmen. Und wir scheinen zwei Exemplare der Gattung Filmfreund zu sein, die da vollkommen andere Vorstellungen, bzw. Toleranzen haben. Ich kritisiere, oder verurteile nicht dass du von Filmen einforderst “normal” (bewusst in Häkchen, aber mir fällt kein anderer Ausdruck ein) zu sein. Mir fällt es nur oft schwer, zu verstehen wie man an Filme, die mich EMOTIONAL völlig umhauen, so “verkopft” (wieder nicht das richtige Wort) herangehen kann. Einfach weil ich auch in einem Film der “nach filmischen Regeln” nicht funktioniert, wie schon oft beschrieben, endlos viele andere Qualitäten entdecken KANN. Nicht muss. Weil ich es eben so empfinde, dass z.B. ein Defizit in der Charakterisierung einer Hauptfigur nicht zwingend ein Problem sein muss. Ich muss nicht jeden protagonisten bis in seine kleinste Entscheidung hinein verstehen, nicht seine komplette Psychologie greifen können, oder alles was er tut mega-stimmig finden. Weil eben in Filmen mehr geht als Plot und Skript und (und das ist der WICHTIGE punkt) weil Filme über viel mehr Kanäle als den Handlungs-Inhalt etwas transportieren können. Beispiel BOYHOOD: Mason wird nicht von vorn bis hinten durch Taten durchcharakterisiert. Aber auf eine andere Art und Weise eben schon. Darüber wie er interagiert, oft nur über Mimik, über das Umfeld in das er eingebettet ist, die Art wie er mit diesem Umfeld klar kommt, oder eben nicht. Usw. Und in Summe formt das alles in meinen Augen sehr wohl einen stimmigen Charakter. Und für den interessiere ich mich auch ohne dass er vorher komplex charakterisiert wurde. Gegenfrage: Ich sehe einen Jungen der seit frühster Kindheit in zerrütelten, verstörenden Verhältnissen aufwächst, Probleme hat Bindungen zu knüpfen, unter alkoholisierten Stiefvätern leidet, etc. Wie kann der mir – in meinem Dasein als Empathie-fähigem Menschen – denn egal sein, nur weil ich nocht nicht 100% verstehe wie er tickt? Das ist wie bei (absurder Vergleich, aber passt) MARTYRS. Als ich gelesen habe, dass du da die meinung vertrittst “ich kenne die doch nicht, ich weiß nichts über die, wie soll es mich da interessieren, dass die gefangengehalten und täglich brutal gefoltert werden”, dachte ich einfach nur in dicken Lettern “WTF?!?!”. Die Leute die sonstwo in der Welt um ihre vestorbenen Verwandten bei einem Bomebnattentat weinen und trauern gehen mir soch auch nah, ohne dass ich sie persönlich kenne! Abschließend: Es ist schwierig das ohne Phrasendrescherei zu beschreiben, aber ich versuche es mal. Dieser Film ist in meinen Augen ein Paradebeispiel für ein Werk, was eben nicht nicht klassischen “Regeln” agiert udn dennoch perfekt funktioniert. Der Fokus liegt nicht auf einer Geschichte, sondern auf einem dynamischen Prozess, es geht nicht um Plot, sondern einfach um Ausschnitte aus dem Leben (Quote Jim Jarmusch: Das Leben hat nun mal keinen Plot. Also warum sollten Filme immer einen haben?). Und über die bewusste Entscheidung sämtliche Stationen die quasi sowas wie einen dünnen “Plot” bilden könnten (Vertiefung einer Beziehung zu Gleichaltrigen oder eben der Freundin), bekommen die gezeigten Momente einen diffusen Charakter, der bei mir (und nach dem was ich so lese bei einer ganzen Menge anderer Filmfreunde) extrem mit den Erinnerungen an mein Aufwachsen resoniert. Und das sind eben NICHT konkrete Plotpoints des Aufwachsens, sondern es ist das Gefühl und die Stimmung an die man sich erinnert. Ich weiß nicht mehr wann ich meine rstes Bier getrunken habe. Aber an das Gefühl 16 zu sein kann ich mich sehr wohl erinnern. Und das triggert dieser Film (für mich) meisterhaft, auch ohne Mason zu einer komplexen FILMfigur zu machen!

          • SecondUnitTamino

            Jo, das klingt doch nice ;-) Generell stimme ich dir übrigens auch zu was Charakterentwicklung und andere filmische Regeln angeht: natürlich müssen die nicht immer erfüllt sein. Es gibt ja zig Filme, die ich sehr mag – wie z. B. auch THEY LIVE – in denen es wenig Charakterisierung des Protagonisten gibt. Oft liegt das einfach daran, dass ein Film einen anderen Fokus setzt als auf seine Charaktere und das kann natürlich auch total gut funktionieren. Aber jetzt kommt der Knackpunkt für mich: es stellt meiner Meinung nach in einem DRAMA ein enormes Problem da, den Hauptcharakter wenig bis gar nicht zu kennen. Das hat für mich gewaltige Konsequenzen bei der Rezeption, die es so in einem Actionfilm oder was auch immer natürlich nicht gäbe. Im Drama muss ich doch in die beteiligten Personen eindringen können, um mit ihnen MITfühlen zu können. Damit mehr aus ihnen wird als Mensch xy. Deinen Nachrichtenvergleich würde ich hier übrigens für MEINE Position anführen wollen. Wenn ich irgendjemanden in den Nachrichten weinen sehe, dann berührt mich das doch nicht wirklich. Klar ist es immer bitter, wenn irgendjemandem etwas Schreckliches passiert, aber für mich zumindest ist es so, dass ein menschliches Schicksal mich nur signifikant berührt, wenn es sich um jemanden handelt, den ich gut kenne und der mir in irgendeiner Weise nahe steht. Wenn das nicht so wäre, würde man doch bei jeder Tagesschau in Depressionen verfallen. Man ist doch als Mensch mit seiner persönlichen Lebenswelt verknüpft. Eine gute Dokumentation sollte es z. B. schaffen, den Zuschauer zum Teil einer anderen Lebenswelt zu machen. Deswegen sieht man doch für gewöhnlich nicht nur Bilder von Menschen, die bspw. in Armut leben, sondern man bekommt Interviews, damit man sich in diese Menschen hineinversetzen kann. Sonst wäre die einzige Info ja nur: diesen Menschen geht es schlecht. Aber man will als Zuschauer ja mehr. Man will die Hintergründe, die Geschichte der Beteiligten und die jeweiligen Gründe für ihr Elend. Erst dann kommen Emotionen in mir auf. Zumindest ist das bei mir so. Ich bin allerdings auch nicht sonderlich sentimental :-)

            Der Unterschied in Bezug auf den vorliegenden Film ist aber wohl auch, dass du noch viel mehr aus kleineren Gesten etc. herausziehen kannst als ich. Ich will da wirklich Situationen und Gespräche haben, an denen sich Masons Charakter zeigt. Etwas Handfestes und nicht und nur vage Andeutungen in Form von Blicken. Jarmusch’s Zitat ist interessant, aber wie du dir denken kannst sehe ich das nicht wirklich so. Ich würde antworten: Filme sind nicht das Leben und deswegen sollen sie auch anders funktionieren. Oft sind sie ein bestimmter Ausschnitt eines bestimmten Lebens, aber dann brauche ich eben einen Filter, der mir das jeweils Relevante darstellt. Der Film soll mir das zeigen, was ich als Zuschauer in Bezug auf die gezeigte Geschichte wissen will, wissen MUSS. Und ich wollte bei BOYHOOD einfach viel mehr über Mason erfahren und der Film hat mir diese Informationen schlichtweg nicht gegeben. Das hat mich dann letztendlich ziemlich frustriert, genauso wie das fast völlige Fehlen von Konflikten mir den Film oft als ziemlich belanglos vorkommen lies. Mich stört es daher hier ziemlich, dass man den Film prinzipiell an jeder Stelle hätte enden lassen können. Wenn es eher um Momente geht, dann geht dafür der Zusammenhang verloren. Das ist für mich ein ziemlich mieser Handel.

            Ich will eigentlich das von einem Drama: ein tiefes Eindringen in die beteiligten Personen, zumeist ein Verschwimmen von “Gut und Böse” (keine klar abgesteckten Fronten von lieben Menschen und völligen Arschlöchern, denn das ist ziemlich unproduktiv für eine Auseinandersetzung mit menschlichen Beziehungen), ein starker inhaltlicher Zusammenhang der einzelnen Momente (also eine sinnvoll eingegrenzte und fokussierte Geschichte) und eine Entwicklung der Figuren in irgendeiner Form. Wenn solche Elemente bei manchen Filmen fehlen, muss das – wie gesagt – wirklich überhaupt kein Problem sein, ABER bei einem DRAMA bekomme ich persönlich damit eigentlich immer welche, denn das Vorhandensein diese Elemente definiert für mich quasi ein gelungenes Drama. Ein Drama, das hier zu wenig tut, verkommt sehr schnell zur Oberflächlichkeit oder Plakativität und diese Dinge kann ich wirklich bei einem Drama absolut nicht leiden.

    • http://studierzimmer-podcast.de Jonas Schönfelder

      Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass das Konzept von Boyhood in einer Serie, die über Jahre ausgestrahlt wird, funktioniert. Boyhood ist für mich gerade so faszinierend, weil man die gesamte Jugend Masons in unter drei Stunden zu sehen bekommt und somit gewisse Veränderungen viel deutlicher auffallen. So, wenn man Bekannte/Freunde nach längerer Zeit wiedersieht. Bei Ausstrahlung in Echtzeit kann man sich auch einfach einen Bekannten/Verwandten etc. suchen und beobachten.

      Generell finde ich Serien durchaus ein sehr tolles Medium, um Geschichten langsam in ihrer Gesamtheit zu präsentieren, aber ich mag es eben auch, wenn Filme bestimmte Geschichten auf eine recht kurze Konsumzeit zusammendampfen.

      • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

        Deinen ersten Absatz würde ich voll unterstreichen. Gerade das Filmformat bildet ja hier den Unterschied!

  • OBlack

    Hallo Tamino,
    ich habe auf Moviepilot gesehen, dass du nicht nicht für UNDER THE SKIN interessierst.
    Das ist doch ziemlich überraschend, kannst du etwas zu dieser Entscheidung sagen?

    • SecondUnitTamino

      Die Prämisse erscheint mir einfach als zu abgedreht, um mich zu interessieren. Kann natürlich trotzdem ein guter Film sein, aber man kann ja schließlich nicht alles gucken, was irgendwie ungewöhnlich ist. Ich filtere inzwischen recht stark, was meine Watchlist angeht und selten schaffen es neuere Filme, die mich nicht wirklich zu 100% interessieren in meine engere Auswahl. Die meisten neueren Sachen schaue ich inzwischen echt für den Podcast. Ich schaue dann meist lieber wichtigere ältere Filme, die ich in meinem Leben zumindest einmal gesehen haben möchte.

  • Kim Hamburg

    Mich erinnert die Idee an die François Truffaut Filme mit Jean Pierre Leaud. Der erste ist “Sie küssten und sie schlugen ihn”. Die Idee ist also vielleicht nicht ganz so einzigartig ;). Ich hab Boyhood (noch) nicht gesehen, aber die Truffaut-Filme fand ich sehr faszinierend

  • Christopher Meyden

    So, bin jetzt gerade frisch aus dem Film und habe im Anschluss direkt den Podcast gehört.
    Auch ich finde ihn wie Jacker sehr gut, ich kann aber auch eure Kritikpunkte verstehen.
    Solche Filme “über das Leben” sprechen mich einfach schon von sich aus an. Es ist die filmische Version von sich ins Cafè setzen und Leute gucken, wer das vielleicht kennt. Man sieht sich die Menschen an und überlegt was sie für eine Leben haben könnten.
    Schon Linklaters Slacker und Clerks von Kevin Smith fande ich super, wobei der letztere vom ersteren iinspiriert wurde und auch mein All-Time-Favorite ist. (Ich würde sehr gerne eure Meinung zu Slacker wissen)

    Zu der Gesamtaussage des Filmes, die euch ja ein wenig gefehlt hat, mein kurzer Interpretationsansatz:
    In der letzten Szene sagt Mason sinngemäß: “We don`t seize the moment, the moment seizes us. It´s constant” Was ich so verstehe, dass das Leben im Grunde ein konstanter Moment, oder eine konstanter Strom von Momenten ist, der uns formt. So ist dieser Film auch eine Aneinanderreihung von Momenten, die Mason formten. Sie hatten keine direkte Auswirkung in seinem späteren Leben, aber sie haben ihn zu dem gemacht was er ist. Am Ende seiner “Boyhood” ist er das Produkt all dieser Momente, so wie der Film ein Produkt seiner Szenen ist ohne einen offensichtlichen Plot zu haben. Tamino meinte, er wolle mehr der wichtigen Momente sehen, aber was sind denn die wichtigen Momente eines Lebens? Kann man das überhaupt für sein eigenes Leben feststellen? Die Graduation von Mason könnte man Objektiv als wichtigen Punkt im Leben eines Menschen sehen, doch war sie für Mason nur Nebensache und sogar störend. Linklater nimmt Szenen aus dem Leben dieses Jungen ohne sie zu gewichten. Der Zuschauer, so vermute ich, soll die Zwischenräume mit seinen eigene Gedanken und Emotionen füllen.
    Weiter finde ich zum Beispiel die Bully-Szene eine extrem gute Repräsentation von Bullying. Sie sagt aus: Du wurdest vielleicht in der Schule gemobbt und denkst das ist alles ganz schlimm und dein Leben ist in diesem Moment auch echt schlimm, aber es geht auch vorbei und in der Gesamtheit ist dass nur eine “Szene” deines Lebens, die schnell vorbei ist und du siehts die Bullys danach auch nie wieder. Das Leben bzw. die Kindheit haben nicht unbedingt einen Plot, es passiert einfach und kann Auswirkungen haben, aber meistens geht es einfach weiter.

    Ich hätte es weitaus schlimmer gefunden, wenn der Film einen offensichtlichen Plot gehabt hätte, weil das wäre nicht authentisch gewesen. Der Kern dieses Films ist das Ringen um die Frage: “Was willst du mit deinem Leben eigentlich machen?” und wie diese die Kindheit bestimmt. Der Zuschauer wird aktiv in diesen Film miteinbezogen und es werden entscheidende Ereignisse nur angesprochen, damit er diese mit seinen eigenen Erfahrungen füllen kann. Dadurch hat jeder sein eigenes Erlebniss mit diesem Film.

    Trotz allem war es ein schöner Podcast und ich ich habe euch gerne zugehört. Danke dafür!