Second Unit #232 – Die Eiskönigin (Gast: Anne-Katrin Kiewitt)

Disneys Frozen aka Die Eiskönigin – Völlig unverfroren (Amazon-Link*) stand schon länger auf der Liste. Mit dem Serienjunkie Anne-Katrin Kiewitt hat es der Film in dieser Woche endlich auch in die Sendung geschafft! 

Der Grund für unsere ausführliche Auseinandersetzung mit dem Film und den Disney-Prinzessinnen sind übrigens die Cinematic Smash Bros. Drüben beim Henning haben Anne und ich nämlich schon ein wenig über den Film diskutiert, ohne über den Film zu diskutieren. Das war im Kontext von der Episode 5 und weiblichen Rollenvorbildern. Dürft ihr gerne reinhören!

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Der Film stammt aus den Köpfen und Federn von Chris Buck und Jennifer Lee. In den Hauptrollen sprechen außerdem Kristen Bell als Anna, Idina Menzel als Elsa, Jonathan Groff als Kristoff und Josh Gad als Olaf.

Wir diskutieren uns durch eine Vielzahl an Themen. Zu Beginn geht es um Disney Animations und die Disney-Formel, später aber auch um die Motive des Filmes, warum es sich hier auch um eine Coming Out/Of Age Geschichte handelt und was das alles mit Disney-Prinzessinnen zu tun hat!

In der nächsten Ausgabe geht es gleich weiter mit wichtigen Frauen! Dann schnappe ich mir nämlich Michi von der CineCouch, klemme mir Patrick Suite unter die Arme und wir sprechen über Wonder Woman (Amazon-Link*).

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[Teaser-Bild: cc by 2.0 Amy]

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  • TheMiddlist

    Ok, man soll ja immer mit etwas Positivem anfangen, deshalb tue ich das mal. Die eigentliche Filmdiskussion hat mir wie beinahe immer super gefallen und ich würde mich auch über weitere Disneyfilme total freuen. Ich fand vor allem eure Diskussion um die Bedeutung von “Let it go” super und finde auch wie Christian, dass man das sehr weit interpretieren kann. Elsa mit einer Frau als love interest wäre super, aber Let it Go passt wirklich für jeden. Außerdem fand ich die Diskussion um die Gesellschaft in Frozen spannend, weil ihr finde ich sehr schön gezeigt habt, dass Anna und Elsa da unterschiedliche Haltungen vertreten und dass Elsa ja am Ende auch zu ihrem Königreich und der Gesellschaft zurückkehrt (aber sowohl sie und die Gesellschaft sich verändert haben). Aber dann hat Christian gesagt, dass Disney der Bösewicht ist und da fange ich mal meinen rant mit an:
    Ich finde die ganze Diskussion durch den ganzen podcast krankt sehr daran, dass das was ihr über “den Disneyfilm” oder “die Disneyformel” sagt maximal unterkomplex ist und zum Teil vor allem Anne die Fakten sehr stark dem Modell anpasst und nur am Schluss kurz erwähnt, dass das nicht so ganz passt und es durchaus Frauenfiguren gibt, die aus ihrem behaupteten Disneyprinzessinenschema herausfallen.
    Ich dachte ja erst man muss euch darauf hinweisen, dass Mulan existiert (Annes gesamtes Narrativ über die passive Disneyprinzessin die sich nur verliebt fällt mit Mulan allein schon völlig zusammen) aber anscheinend wusstet ihr das beide und trotzdem wurden die ganze Zeit Dinge behauptet die einfach nicht zu den Fakten passen was mich leider wirklich extrem genervt hat, vor allem weil es sich durch die ganze Diskussion gezogen hat. Ich greife mal einfach ein paar Dinge auf

    1) Starke Frauenrollen bei Pixar vor Disney? Das ist meiner Ansicht nach kompletter Unsinn. Wen meint ihr denn da? Die tote Mutter von Nemo oder das kleine Mädchen bei Monster-AG oder das pinke Auto bei cars? Da war Disney mit eben Mulan, Pocahontas, Belle, Arielle, Tiana und Rapunzel z.T. deutlich früher und meiner Meinung nach deutlich besser. Pixar ist sehr jungsorientiert, da hatte Disney allein durch die Tatsache das es die Prinzessinen sind um die es geht schon besser und das quasi seit immer. Es ist kein Problem, einen Film über einen Prinzen oder Jungen zu machen, aber bei Disney stehen nun mal die Prinzessinen im Vordergrund (selbst bei einem Film wie Aladdin ist Jasmin sehr stark) und das allein ist doch schon bemerkenswert und ein Riesenunterschied zu Pixar. Brave und Alles steht Kopf sind von 2012 und 2015, Tangled/Rapunzel war von 2010, Princess and the Frog von 2009 und Arielle von 1989 (und Schneewittchen von 1933). Da war Disney definitiv früher und schon Arielle war durchaus aktiv und interessant (wenn auch noch nicht Anna und Elsa aber dazu später mehr). Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht was das Problem mit Tiana aus “Princess and the Frog sein soll. Sie wird als sehr hart arbeitend und zielgerichtet eingeführt und sie verliebt sich eben auch, aber sie ist im Grunde überhaupt nicht an einer Beziehung interessiert (zumindest zunächst) und das ist sogar der Punkt eines Songs. Also keine Ahnung was daran so schlimm sein soll oder ein “Geschmäckle” hat.

    2) Zur Interpretation von Arielle und Belle. Aus was für Gründen auch immer ist Arielle bei Feministinnen unbeliebt und Belle beliebt (außer bei denen die mit dem Stockholm-Syndrom kommen). Ich habe keine Ahnung woran das liegt denn im Text sind beiden eigentlich recht ähnlich. Arielle sehnt sich nach einer anderen Welt und wird in der Welt der Fische eingeengt. Songzeile im Original “Bright young women sick of swimming, ready to stand” – Sie will raus aus einer Welt, in der sie im Strom schwimmt und nicht aufstehen darf (und in der ihr Vater ihre Neugierde und ihr Interesse an anderen Welten und einem anderen Leben unterdrückt und zerstört.) Prinz Eric ist da mehr eine Auslöserfigur, keineswegs der einzige Grund warum sie sich entscheidet in die Menschenwelt zu gehen (und ihre Stimme dafür aufzugeben, was ja oft sehr kritisiert wird, was aber aus einer ganz bestimmten Situation heraus geschieht). Ich würde mich tatsächlich sehr freuen wenn ihr Arielle nochmal sehen würdet, weil mich diese meiner Meinung nach doch sehr pauschale Kritik an Arielle, die ich als sehr neugierig, aktiv und rebellisch empfinde schon immer iritiert hat. (Das ist aber nicht nur bei Anne so, Kritik an Arielle ist ja wie gesagt aus was für Gründen auch immer feministischer Konsens). Ich kann schon verstehen, dass man einen Film einfach nicht mag (Hallo Lalaland) weil einen eine bestimmte Sache total iritiert z.B. bei Arielle das “die Stimme aufgeben” aber so einfach dass der Film komplett antifeministisch ist, ist es meiner Ansicht nach nicht, für alle Disneyfilme nicht, vor allem für die so genannten “Renaissancefilme”. Ich finde es auch etwas seltsam einfach zu sagen “Belle ist eine Trophäe”. Es ist ja nun wirklich nicht so als ob das Biest sich nur mit ihr abgibt, weil sie gut aussieht à la Melania Trump sondern es wird gezeigt, wie sich die beiden kennenlernen, Belle sich durchsetzt, sie gemeinsame Interessen haben… Wo ist da Belle jetzt eine Trophäe?

    3) Mulan muss sich als Mann verkleidet – ja und? Das ist halt die Gesellschaft in der sie lebt. Elsa muss sich auf den Berg flüchtet – das ist eben die Gesellschaft in der sie lebt. Trotzdem leistet Mulan was sie im Film leistet (und sie leistet alles!) als Frau und am Ende erkennt die Gesellschaft das auch an. Die Liebesgeschichte spielt eine sehr sehr untergeordnete Rolle. Ich finde wenn man Mulan miteinbezieht macht das ganze Narrativ das Anne aufspannt gar keinen Sinn und am Ende wird dieser Film etwas beiseite gewischt mit “Aber sie muss das als Mann machen”. Disney hatte bereits 1998 eine aktive Heldin die sich nur so nebenbei verliebt hat und am Ende kommt der Typ kurz vorbei und von Hochzeit ist keine Rede. Ich hatte ehrlichgesagt den Eindruck vor allem im Einstieg ihr habt Disney und die Disneyprinzessinen auf ein Klischee reduziert damit Frozen da mehr heraussticht dabei gab es alles mögliche vorher schon. z.B. in Mulan aber auch in anderen Filmen. Pocahontas und John Smith kommen nicht zusammen. Belle und Biest verlieben sich überhaupt nicht auf den ersten Blick. Geheiratet wird bei Weitem nicht in allem Filmen und eigentlich nie sofort, in Mulan sind die Dinge sehr offensichtlich noch im Kennenlernstadium und geküsst wird gar nicht. Naveen und Tiana und die Schöne und das Biest und Eugene und Rapunzel lernen sich lange kennen.
    Es gibt jede Menge aktive Frauen:
    Nala macht sich auf die Suche nach Simba und bringt ihn dazu sich seiner Aufgabe zu stellen. Belle rettet das Biest. Rapunzel rettet Eugene. Aladdin und Jasmin heiratet aber wer der Sultan wird wird soweit ich weiß nicht weiter besprochen. Vielleicht ist Aladdin nur Prinzgemahl – wer weiß? Eugene sieht jetzt auch eher nicht so aus, als würde er der König nach Rapunzels Vater. Tiana will keine Familie und einen Mann sondern ihren Job und ihr Restaurant und verliebt sich dann halt doch und sie und ihr Prinz kaufen und eröffnen gemeinsam! Tianas Restaurant. Der Glöckner von Notre-Dame hat eine Hauptfigur, die entstellt ist. Egal, was ihr angesprochen habt, passive Frauen, wahre Liebe auf den ersten Blick, Schönheitsnormen – es gibt für fast alles gute Gegenbeispiele, manchmal nicht so viele z.B. bei Schönheitsnormen, aber sogar da gibt es einen Film mit einem etwas anderen Protagonisten. Rapunzel und Vanellope haben Sommersprossen, btw just to rub it in.
    Ich finde Frozen super und ich finde durchaus dass der Film noch einen Schritt weiter geht indem die Liebe zwischen Schwestern die Erlösung bringt und Elsa gar kein love interest hat, aber das war vorbeitet und kam nicht komplett aus dem nichts. Der Film geht weiter und das ist toll, aber deswegen kann man das was davor kam trotzdem fair behandeln. In eurer Diskussion klingt das lange wie “Vorher war alles supersexistisch und scheiße und problematisch und dann kam Frozen” und selbst als ihr auf Mulan kommt, wird das kaum relativiert dabei ist Mulan ein ziemlich gutes Gegenbeispiel auf sehr vielen Ebenen und zeigt, dass das Disney von vorher eben so simpel nicht war. Anne sagt irgendwie “Ja Disney hatte irgendwie auch vorher toughe Frauen” aber anscheinend zählen die nicht, warum auch immer. Ich finde da macht es sich grade Anne viel zu leicht mit ihrer Kritik und klingt oft als hätte sie die Filme ewig nicht oder gar nicht gesehen. Wreck-it Ralph ist ein Disney-Film, Der Glöckner von Notre-Dame ist ein Disney-Film (beide vor Frozen) – Disneyfilme sind viel komplizierter als “passive Frau wird von Prinz gerettet und nach einem Tag geheiratet”.

    4) Bösewichte vor Hans waren alle total einfach und hatten keine Gründe. Ehrlich?
    Scar sagt, dass er der Thronfolger war bis Simba geboren wurde und man merkt deutlich dass er auf den Thron gehofft hatte. Ursula sagt, dass sie von Triton verbannt wurde und Rache will. Und Judge Frollo – ein erzkatholischer unverheirateter evtl. jungfräulicher (im Original ein Priester) Mann der sich nach Sex mit einer dunkelhäutigen Frau sehnt, die er eigentlich für minderwertig hält und der eigentlich ohne Lust leben will und sie deshalb lieber auf den Scheiterhaufen bringen würde als zu erleben, dass sie ihn ablehnt? Das ist doch superspannend? Zumindest für mich. Mutter Gothel, die Rapunzel einredet, die Welt wäre zu gefährlich und sie armes kleines Ding könnte es da nicht aushalten und ständig mit verbalen Spitzen Rapunzels Selbstwertgefühl untergräbt ist schwarz-weiß-Zeichnung? Die Engländer in Pocahontas sind einfach an sich gute Menschen, die aber aus Unwissenheit rassistische Ansichten haben, die von einem goldgierigen Manipulator angestachelt und benutzt werden? Das ist doch schon interessant, finde ich.
    Sogar ein meiner Meinung nach tatsächlich recht einfacher Bösewicht wie Shan-Yu aus Mulan bekommt einen Satz dazu warum er tut, was er tut (Die chinesische Mauer hat ihn eingeladen, weil sie unüberwindbar ist) und funktioniert innerhalb des Films ausgesprochen gut, wenn wir auch wenig darüber erfahren, wie er sonst als Person so ist. Tatsächlich wollen viele Disneybösewichte einfach Macht oder den Thron oder so aber das halte ich jetzt an sich nicht für ein Problem. Hans will im Grunde auch nichts anderes und seine Wandlung vom prince charming zum supermanipulativen superskrupelosen Bösewicht ist schon etwas out of the blue. Das ist die berühmte Bombe bei Hitchcock von dem der Zuschauer nichts weiß. Meiner Meinung nach ist das einer der wenigen Schwächen des Films und er hätte ohne Bösewicht (und Anna merkt einfach dass Hans doch nicht so toll ist) auch gut funktioniert. Gaston ist ein weiteres Beispiel für einen Bösewicht der gut aussieht. Auch das gab es schon vor Frozen. Es gab fast alles schon vor Frozen.

    So und zum Abschluss noch eine Antwort auf eine Frage. Soweit ich weiß hat Gamergate kein Problem mit Frozen, aber natürlich die fundementalistischen Christen der USA, denn homosexuelle Propaganda in Disneyfilmen geht ja mal gar nicht. Die hatten auch eine Problem mit Rapunzel (ein Mädchen wagt es sich gegen eine missbrauchende Eltern-Autorität aufzulehnen) – geht natürlich auch gar nicht. Wer außerdem ein Problem mit Frozen hatte, waren manche Antirassisten, da Kristoff ein Lappe ist und sie fanden, er wäre “white washing”- Soweit ich weiß, fanden die Lappen das jetzt nicht so schlimm und fanden es gut mal in einem Film vorzukommen.

    Ich hoffe das war zivilisiert, ansonsten kann ich gerne auch editieren, wenn ich zu “rantig” wurde. :)

    • Noir020

      Dem stimme ich so zu. ;)

      Zum Film selbst: Ich mag „Die Eiskönigin/Frozen“, hab ihn dreimal im Kino gesehen und kann sämtliches Lob verstehen, allerdings, gerade im Vergleich zu den zwei neusten Beiträge des Studios, ist er dramaturgisch nicht immer rund. Ich empfinde das Aufeinandertreffen mit den Trollen inkl. dessen Song einfach nur furchtbar deplatziert. Nicht desto trotz ein toller Film, das habt ihr auch hervorragend herausgearbeitet.

      Ich störe mich allerdings auch ein wenig an den etwas undifferenzierten Blick auf die vorhergehende Filmographie des Studios, verwundert hat mich z.B. der Vergleich mit Pixar. Die hatten bis „Merida/Brave“ überhaupt keinen weiblichen Protagonisten und auch keine wirklich relevanten weiblichen Nebencharaktere (Vielleicht noch in “Die Unglaublichen”) in Angesicht der Gleichstellungsdebatte. Merida war natürlich auch ein hervorragender emanzipierter Charakter, aber viel interessanter war das mit Brenda Chapman die erste weibliche Regisseurin bei Disney tätig war, sie war übrigens auch einige Jahre zuvor mit den Dreamworks Film „Der Prinz von Ägypten“ die erste Frau, die in einen amerikanischen Langanimationsspielfilm inszenieren durfte. Auch wenn es während der zum Bruch mit Pixar kam und Mark Andrews, noch einiges um arrangierte, blieb ihre Handschrift erkennbar. Aber darüber hinaus kam nichts bedeutendes zu dieser Sache aus dem Hause Pixar .

      Klar kann man die Disney Filme auf den kleinsten Nenner runter brechen, aber gerade wenn man sich die verschiedenen Schaffensperioden anschaut, sieht man doch erhebliche Unterschiede. Ich unterteile sie gerne wie folgt, nur auf die Meisterwerke Reihe bezogen: Das Goldene Zeitalter „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ bis „Bambi“, die Package Filme von „Saludos Amigos bis „Die Abenteuer von Ichabod und Taddäus Kröte“ das Silberne Zeitalter von „Cinderella” bis „Dornröschen“, gefolgt von der Wolfgang Reitherman bzw. Xerox Ära von „101 Dalmatiner“ bis „Oliver und Co.“, die prägende Disney-Renaissance von „Arielle, die Meerjungfrau“ bis Tarzan, der Untergang des klassischen Animationsfilm (Oder wie ich liebevoll zu sagen pflege: „Filme für die die Welt nicht bereit war“) von „Fantasia 2000“ bis „Die Kühe sind los“, es folgten die ersten drei Gehversuche mit CGI und spätestens ab „Küss den Frosch“ startet für mich die zweite Disney-Renaissance.

      Ich würde auf keinen Fall widersprechen das Disney ein traditionelles, konservatives Weltbild vertritt, aber gerade in den 90ern sind nicht wenige starke Frauenfiguren dabei, sowie andere progressive Elemente. Die Filme mit Tieren habt ihr ja schon ausgeklammert und Nala als Beispiel genannt, das würde ich sogar noch ausbauen. Sie ist in meinen Augen ein sehr starker Charakter, sie ist Simba auch körperlich überlegen, hat ihm im Laufe des Films dreimal zu Boden befördert. Während Simba nach Mufasas Tod nur reagiert, agiert Nala. Sie ist es die ihm aus der Passivität gegenüber seiner Vergangenheit zurück holt.

      Megara aus „Hercules“ ist auch ein sehr starker weiblicher Charakter, die nichts von Männern wissen will. Klar sie verliebt sich letztendlich auch in Hercules, aber das macht sie ja nicht zu einer schwachen Frau, zumal sie es ist die Hercules unter Einsatz ihres Lebens rettet. Pocahontas wäre ein weiteres Beispiel für einer aktiven weiblichen Charakter, das den Mann rettet und nicht umgekehrt. Und man mag von den Fortsetzung zu den Meisterwerken der Disney Toon Studios halten was man will, aber in „Pochahontas 2“ entscheidet sie sich gegen Smith und somit gegen ihre erste große Liebe. Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal unter sämtlichen Disney Filmen, egal ob Pixar, Walt Disney Animation Studios oder Disney Toon Studios.

      Zu „Mulan“ wurde bereits viel gesagt, darum schwenke ich mal zu meinen kleinen Juwel „Atlantis – Das Geheimnis der verlorenen Stadt“. Mal abgesehen davon das es einer der unterschätztensten Filme aller Zeiten ist, hat er gleich mehrere starke Frauenfiguren zu bieten. Das wäre neben den eher Comic-Relief Charakteren wie der Mechanikerin oder der Mrs. Packard natürlich zum einen die Prinzessin Kida, die ihr Volk mit aller Kraft vor den Untergang bewahren will. Und zum anderen Helga Sinclair. Klasse Antagonistin, neben ihren Intellekt und einen gewissen Sexappeal, ist sie es die beim Finale den entscheiden Schlag gegen Commander Rourke ausführt.

      Bei “Lio & Stich”haben wir zwei starke Frauenfiguren, es geht nicht um romantische Liebe und das Schwestern-Liebe-Motiv aus “Frozen” wird hier, wenn auch in anderer Form, bereits aufgegriffen. Eine weitere Frauenfigur ist hier zudem Führerin einer fortschrittlichen intergalaktischen Union.

      Und noch zu den “Bösewichten die einfach nur Böse sind” und der Schwarz-Weiß-Zeichnung, ich bin davon überzeugt das letzteres ersteres bedingt. Wir haben schon eine Menge Antagonisten mit durchaus glaubwürdiger Psychologie, aber die Guten werden immer so makellos charakterisiert. Mit „Frozen“, „Baymax/Big Hero 6“, „Zoomania/Zootopia“ und zuletzt „Vaiana/Moana“ geht man definitiv neue Wege, die Bösewichte interessanter zu integrieren und nachvollziehbarer handeln zu lassen.

      Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich starke, weibliche Persönlichkeiten liebe und bevorzuge, aber Stärke definiert sich für mich nicht ausschließlich durch Emanzipation und zwanghaften Wegrücken von klassischen Rollenbildern. Rassismus und Sexismus Diskurse sind wichtig und richtig, viele werden aber auch so kleinlich geführt, das die Menschen irgendwann abstumpfen. Siehe etwa die Pixi-Buch-Debatte in Hamburg…. Wenn man ständig gegen solchen Käse an argumentieren muss, wegen solcher Belanglosigkeiten als Sexist in die Ecke gestellt wird, vergeht ein irgendwann die Lust. Teilweise werden Sachverhalte in Dinge projiziert und Unterstellungen ausgesprochen, an die der Betroffene nicht mal dran gedacht hat.

      • TheMiddlist

        Danke für deine weiteren Beispiele :) Es gäbe noch so viel was man anführen kann, aber mein Kommentar war sowieso schon viel zu lang. Mir sind ständig noch mehr Gegenbeispiele eingefallen. Atlantis kam tatsächlich auch ziemlich viel darin vor, der Film wird leider tatsächlich oft vergessen (auch von mir :/) dabei ist er überhaupt nicht schlecht, nur irgendwie untergegangen (no pun intended).
        Ich finde in Frozen ist der gesamte Teil zwischen “Elsa trifft Anna mit dem Eis im Herzen” und “Anna opfert sich für Elsa” irgendwie nur holprig und seltsam. Die Trolle funktionieren für mich auch überhaupt nicht, der Hans-reveal kommt aus dem Nichts, dass der “Kuss der wahren Liebe” nicht so funktioniert gab es auch schon vorher und Hans’ Plan ist dann auch ziemlich dämlich und unterminiert ihn als effektiven Bösewicht für mich sofort- zum Glück kriegt der Film dann noch die Kurve und das Ende ist dann wieder super und die Auflösung was die wahre Liebe dann wirklich ist, ist tatsächlich sehr neu und wunderschön.
        Ich glaube meine größte Kritik an Sexismusdebatten (neben der generellen Überspanntheit die du beschreibst) ist dass für mich oft unglaublich formelhaft daran gegangen wird, als ginge es nur darum irgendwelche Boxen abzuhaken oder irgendeinen extrem oberflächlichen Algorithmus zu bedienen, der binär nach “sexistisch-nicht sexistisch” klassifiziert. Das sieht man z.B. ganz gut an der “Schöne und das Biest”-Stockholmsyndrom-debatte. Ja, in “Die Schöne und das Biest” kommt eine Frau mit jemand zusammen, der sie zuvor eingesperrt hat, aber der Film präsentiert das überhaupt nicht so, dass der Gedanke an Stockholmsyndrom aufkommen kann, trotzdem wird es immer wieder gerne behauptet und war natürlich Teil der Debatte um den EmmaWatson-Film. Da könnte ich jetzt auch wieder tonnenweise Beispiele bringen… Die Pixi-Debatte war mir noch gar nicht bekannt. Das was ich grade ergoogelt habe klang jedenfalls wie Realsatire.

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Danke für das ausführliche und kritische Feedback! Ich halte unsere Kommentare (und sowieso das Internet) nicht für den besten Ort für ausführliche Diskussionen, das geht einfach nur persönlich. Aber nur als Ergänzung: Ich glaube du hast uns da etwas falsch verstanden (maybe) oder wir uns da schief ausgedrückt (ganz bestimmt), aber uns ging es nicht darum zu behaupten, dass vor Frozen ALLES schlimm und furchtbar war. Natürlich gab es Tendenzen und Beispiele und Momente. Mein persönlicher Eindruck ist aber, dass bei Frozen erstmals ALLES, was vorher nur in Tendenzen und Beispielen und Momenten vorkam, zusammengeführt und abgerundet wird. Aber das nur als Ergänzung.

      • TheMiddlist

        Persönliche Diskussionen sind auf jeden Fall besser, aber dieser Podcast brauchten einfach eine laaaaaange Fußnote xD

  • http://www.privatsprache.de/ Privatsprache

    Habta gut gemacht, die Besprechung. ;) Ich mag an Frozen sehr, wie geschickt er mit klassischen Tropes spielt und dir Fallen stellt (wie es Anne schön nannte). Ich habe den Film mit meiner Tochter im Kino gesehen, bevor der Hype anfing und hatte zuvor ein paar negative Rezensionen gelesen. Entsprechend saß ich im Saal mit verschränkten Armen und schlechter Laune, dass ich jetzt diesen sexistischen Prinzessinenscheiß angucken muss. Und dass Frozen mir dann genau diese Einstellung im fünf-Minuten-Takt um die Ohren gehauen hat, macht ihn in meinen Augen zu einem absoluten Meisterwerk. ;)

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Hast du da nicht was vergessen? ;-P
      https://www.youtube.com/watch?v=K1sIlyp83Uw

      • http://www.privatsprache.de/ Privatsprache

        Wenn sich dieses Video jetzt schon ohne mein Zutun als Meme verbreitet, kann ich ja in Rente gehen.