Second Unit #215 – Die Truman Show

Volle Packung diese Woche! Tamino ist zurück und es geht höchst philosophisch zur Sache! Kein Wunder: The Truman Show (Amazon-Link*) lädt nicht nur zu Interpretationen ein, sondern fordert förmlich dazu auf!

Natürlich lädt dieser Film zu einer intensiven Auseinandersetzung ein! Deshalb rollen wir unsere Ärmel hoch, spucken in beide Hände und springen direkt rein in die Mediensatire, Glaubensanalogie und Philosophen-Metapher namens The Truman Show.

[YouTube Direktlink]

Peter Weir ist der Regisseur dieser kleinen Perle, Andrew Niccol hat sie geschrieben. In der Hauptrolle spielt der großartige Jim Carrey als Truman Burbank und hat sich direkt in mein Herz gespielt. In den weiteren Rollen spielen Laura Linney als Meryl Burbank / Hannah Gill, Noah Emmerich als Marlon, Natascha McElhone als Lauren / Sylvia, Peter Krause als Lawrence und Ed Harris als Christof.

Wir beziehen uns in unserer Diskussion außerdem auf Daniels tolles Video zu Platons Höhlengleichnis.

[YouTube Direktlink]

Wir diskutieren intensiv über Jim Carrey und landen bei einem ausführlichen Diskurs zum Thema Schauspiel und was Schauspiel eigentlich sein kann. Darüber hinaus geht es aber natürlich auch um die wundervollen Details der Mediensatire, um Beobachtungen zu Glaubenskrisen in diesem Film und zu guter Letzt um die Frage, was Wahrheit eigentlich ist, ausmacht und wer eigentlich in Platons berühmter Höhle sitzt. Truman? Die Zuschauer Trumans im Film? Oder wir, die Zuschauer der Zuschauer Trumans? Fragen über Fragen, aber nur so gelangen wir zu Erkenntnis!

In der nächsten Ausgabe geht es um ein ganz anderes Thema. Dann schnappe ich mir nämlich Michi von der CineCouch und tanze mit ihr durch das La La Land (Amazon-Link*). Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen!

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

[Download | Länge: 02:21:10 | Größe: 68,0 MB | @2nd_Unit | Facebook.com/SecondUnit | iTunes | Unterstützt uns bei Patreon!]

[Teaser-Bild: cc by 2.0 Strawbleu™]

*Amazon-Partner-Links: Über diese Links gekaufte Artikel werfen einen kleinen Obolus für uns ab. Für euch ändert sich nichts, schon gar nicht der Kaufpreis. Wir bedanken uns im Namen unserer Kaffee-Kasse.

  • TheMiddlist

    Ich habe mal irgendwo gehört dass in ‘Der Club der toten Dichter’ die Rollen von gut und böse so klar verteilt sind, dass Star Wars dagegen wie ein differenziertes Familiendrama wirkt. Ich finde, das trifft es ganz gut :)

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Die Deutung kann ich absolut nachvollziehen und taugt ja auch! Natürlich ist Christof eigentlich nur ein falscher Gott, absolut! Danke :)

      • TheMiddlist

        irgendwie spricht es für den Film, dass man ihn sowohl christlich als auch atheistisch oder zumindest skeptisch interpretieren kann

        • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

          Absolut!

  • http://www.privatsprache.de/ Privatsprache

    Vielen, vielen Dank für die Empfehlung. <3

    • SecondUnitTamino

      Oh, wie schön dass dir die Empfehlung gefallen hat! Dieser Daniel hat übrigens auch noch einen Podcast, “Spätfilm” oder so ähnlich heißt der. Vielleicht gefällt dir der auch. Kann ich nur empfehlen…

      • http://www.privatsprache.de/ Privatsprache

        Den Bruchteil einer Sekunde dachte ich: Weiß er wirklich nicht …

      • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

        Heißt der nicht “Abendvorstellung” oder so?

        • SecondUnitTamino

          Ich glaube der heißt “Frühstücksfernsehen”

  • Familienpapa

    Äußerst gelungene Diskussion! Auch zu einem solch charmanten Film. Zwar nicht makellos, aber in Anbetracht eurer wunderbaren Analyse und Euphorie weigere ich mich, abgesehen vom Ende auch nur ein einziges negatives Wort zu diesem Film auszusprechen. Ich bin also eigentlich nur hier, um euch für dieses Podcast-Highlight zu loben.

    Noch ganz kurz zum Ende, das ihr so gelobt habt: Für mich ergibt das Ende wirklich ausschließlich auf metaphorischer Ebene Sinn. Filmintern ist Christofs Verhalten vollkommen widersprüchlich. Schließlich möchte er Truman dazu bewegen, das Leben innerhalb der Kuppel weiter zu leben, nachdem dieser schon weiß, dass alles unecht ist bzw. war (“Dein Leben ist hier besser, als es da draußen jemals sein könnte” – so sinngemäß). Damit widerspricht er nicht nur seinem Eröffnungs-Monolog, nachdem das Besondere die Echtheit von Truman ist, sondern bräche das gesamte Sendungskonzept auch in sich zusammen und die Sendung verlöre sofort ihren Reiz. Was wäre denn geschehen, wenn Truman tatsächlich wieder zurückgegangen wäre? Die Sendung ist doch zu Ende in exakt dem Moment, in dem Truman weiß, dass er gefilmt wird – das ist ja gerade der Sinn von allem! Das müsste eigentlich auch “sein Schöpfer” verstehen und der abschließende Dialog vollkommen anders ausfallen. Das fand ich schon immer recht unpassend, abgesehen davon aber ein wirklich toller Film – besonders die Szene, in der sein bester Freund das “Ich würde dich nie anlügen” aus der Regie nachspricht ist einfach unerträglich zynisch und herzzereißend, weil einem bewusst wird, dass Truman nie wahre Freunde oder Familie hatte. Gerade Letzteres trifft da genau meinen emotionalen Kern.

    • SecondUnitTamino

      Es stimmt natürlich schon, dass die Show nie wieder so sein könnte wie vorher, aber ich habe Christoph den Eröffnungsmonolog eigentlich nie abgekauft. Am Ende kam mir das daher eher so vor, dass er einfach nur alles tun will, um seine Show irgendwie noch am Laufen zu halten, um weiter seinen “heiligen” Status inne haben zu können. Aber da kann man wohl nur spekulieren, da man für eine genaue Interpretation zu wenig von Christophs Innenleben dargestellt bekommt.

      • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

        Was? Natürlich kann man das, natürlich ergibt das alles handlungsemotionalen Sinn!

        Christof wird doch erst durch Truman vervollständigt! Ohne Geschöpftes gibt es keinen Schöpfer. Ohne Darsteller keinen Regisseur. Ohne Truman keinen Christof. Deshalb geht es im Abschlussdialog auch gar nicht darum, den Geist er Erkenntnis wieder einzufangen. Nein, Christof weiß schon, dass er fertig ist. Aber er kann und will es nicht wahrhaben! Deshalb versucht er eben vergeblich, seine Kreation zu retten. Pure Verzweiflung. Und natürlich deutet es sein Ego an, dass er endlich direkten Kontakt zu seiner Schöpfung aufnehmen will.

        Übrigens auch schön: Im Fernsehinterview mit Christof wird gesagt, dass dieser seine Privatsphäre komplett geheim hält und selten im Rampenlicht steht. Ganz im Gegensatz natürlich zu Truman!

        • Familienpapa

          Was meinst du mit “seine Kreation retten”? Inwiefern rettet er etwas, wenn Truman bleibt und vor allem was rettet er? Seine Sendung oder Truman? Wenn man Christof als Charakter so sieht, wie Tamino es gerade beschrieben hat, bleibt als einzig logische Konsequenz, Truman ziehen zu lassen und den Heiligen-Status beizubehalten, indem man die Show mit einer neuen Person startet. Denn wie du schon sagtest, dreht sich das Machtverhältnis in dem Moment um, in dem Truman von der Existenz Christofs erfährt. Der Zug ist also abgefahren.

          • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

            Seine Show. Natürlich rettet er die Show nicht, aber ich sehe es schon so, dass er das in diesem Moment des Untergangs selbst so sieht. So sehen will. Das klassische Beispiel von der klaren Außenperspektive (wir als Zuschauer) und der befangenen Innenperspektive (Christof). Oder, anders:

            Christof wird gerade verlassen und will es nicht wahrhaben. Anstatt der Konsequenz in die Augen zu blicken, verspricht er leere Versprechungen. “Nein, Schatz, geh nicht! Ich kann mich ändern! Ich mache alles was du willst, alles was du sagst! Aber ich liebe dich doch, verstehst du?! ICH LIEBE DICH DOCH!” So in der Art ;-)

            Kurzum: Emotionen haben nichts mit Logik zu tun. Und logische Filmfiguren sind langweilig!

          • Familienpapa

            Irgendwie hast du recht. Zumindest verstehe ich voll und ganz, was du meinst! Ich glaube, ich konsumiere Filme auf sehr langweilige Art :D

  • Sultan- of- Swing

    Wenn schon alle Theologisch werden:

    Mann kann Parallelen mit der “Vertreibung aus dem Paradies” in der Bibel ziehen.

    Truman hat vom Baum der Erkenntnis gegessen (Er merkt irgenetwas stimmt nicht). Damit wird er wie sein Schöpfer (Christof). Nachdem er nun Erkenntnis erlangt hat,besteht keine Möglichkeit mehr im Paradies zu verweilen und muss damit auch die Schmerzen in dieser Welt ertragen.

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Sehr schön, ja!

      Es gab auch irgendwie eine Verbindung zu einem Psalm in dem Film: am Anfang hängt auf dem Boot, mit dem Truman zu Beginn verreisen will, die Zahl 139 und Christofs Monolog am Ende zitiert diesen Psalm wohl sinngemäß: https://de.wikipedia.org/wiki/Psalm_139

      • Sultan- of- Swing

        Der Inhalt des Psalms passt auch gut auf die Beziehung von Christof zu Trumann:
        Allein der Anfang: Herr (Christof in diesem Fall) du erforschst mich und kennst all meine Gedanken.

        Wäre auch eine gute Deutung darüber, wie Christof sich selbst sieht

  • http://roempke.me/ Niklas

    Volle Zustimmg, Tamino. Master and Commander ist wirklich großartig. Gerade weil er so “realistisch” ist, denn wenn man auf dem offenen Meer rumsegelt, passiert halt auch nicht immer so viel. Echt toll.