Second Unit #196 – Akira & Ghost In The Shell (Anime Double Feature)

Tamino ist zurück! Und er hat gleich zwei Filme im Gepäck. In dieser Ausgabe widmen wir uns mit Akira (Amazon-Link*) und Ghost In The Shell (Amazon-Link*) zwei großen, wichtigen Anime-Klassikern. 

Wer nicht genug vom Anime-Thema und/oder Tamino bekommen kann, klickt sich drüben bei Enough Talk! rein und hört ihm beim Gespräch mit Arne zu. Die beiden arbeiten sich durch Hayao Miyazaki und den Werken von Studio Ghibli. Die vier Stunden und vierzig Minuten habt ihr doch locker über!

Darüber hinaus gibt es auch hier bzw. drüben bei Bandcamp weiteren Tamino-Content! Wir haben unsere gesamten Mittelerde-Podcasts zusammengebündelt und abschließend einen Rückblick auf Peter Jackson, die Hobbit-Reihe und ihre Konsequenzen gewagt. Herausgekommen ist ein volles Paket von sechs Podcasts zum Herrn der Ringe und Hobbit, die ihr mit dem exklusiven Rückblick für einen schlanken Preis kaufen und runterladen könnt.

Alternativ gibt es das Paket auch drüben bei Patreon. Wer dort mindestens 5 Dollar monatlich in die Kaffeekasse wirft, bekommt dieses, alle vergangenen und zukünftigen Pakete sowie weitere Bonus-Formate für seine Spende. Perfekt also, wenn ihr uns und der Sendung was zurückgeben wollt oder Bock auf exklusive Podcasts habt. Da wird im Laufe der nächsten Wochen und Monate noch einiges passieren, das Abo lohnt sich also immer mehr!

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Akira wurde inszeniert und geschrieben von Katsuhiro Ôtomo. Izô Hashimoto hat ebenfalls am Drehbuch mitgearbeitet. Ghost In The Shell wurde von Mamoru Oshii inszeniert, die Autoren sind Kazunori Itô und Masamune Shirow.

Wir besprechen natürlich auch die starken Momenten und Bilder innerhalb der Filme, landen aber sehr schnell bei den Themen und Motiven. Bei Akira sind es Stichworte wie Macht, Verantwortung und der drohende Weltuntergang durch die Fehlbarkeit des Menschen. Durch Ghost In The Shell kommen wir natürlich schnell in noch tiefere philosophische Themen. Es geht um Identität, Geschlechterrollen, Menschenbilder und Evolution.

Zum Abschluss versuchen wir uns ein einigen allgemeineren Beobachtungen zu Animes und welche Richtungen uns besonders interessieren.

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[Download | Länge: 2:16:50 | Größe: 65,9 MB | @2nd_Unit | Facebook.com/SecondUnit | iTunes | Unterstützt uns bei Patreon!]

[Teaser-Bild: cc by 2.0 Shinji]

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  • http://cinecouch.net/ Niels | CineCouch

    Was bin ich froh, bei Twitter einfach die Ironie nicht gerafft zu haben ^^
    Ich bin Riesen Akira-Fan und warte schon sehnlichst darauf, den auch mal zu besprechen. Ich hab bei mir auch die Telefonbuch-dicke Manga-Variante stehen, die weitaus tiefer ist als der Film. Der erste Akt des Films behandelt glaub ich nur den ersten von sechs Bänden. Tetsuo, Akira, die alte Frau und der Militär-Typ bekommen deutlich mehr Raum, es gibt politische Revoluzzer etc. Sei allen ans Herz gelegt!
    Anime ist darüber hinaus nicht immer groß aufgetragen: Exemplarisch sei hier der wunderschön gezeichnete 5cm per second empfohlen und ich meine, dass das auch auf den von mir noch nicht gesehenen Wolf children zutrifft. Empfehlen kann ich alles von Satoshi Kon, der extrem ausgefeilte Gedanken in seinen filmen verpackt und z.B. mit Perfect blue Aronofsky für Black swan inspirierte und mit paprika nolans inception vorweg nahm.

    • SecondUnitTamino

      Ich habe neulich meinen ersten Satoshi Kon gesehen – PAPRIKA – und konnte leider eher wenig damit anfangen. Der Zeichenstil und die Musik waren Hammer, aber inhaltlich war das überhaupt nicht mein Ding. Traum und Wirklichkeit verschmelzen: everything goes ape shit. Sowas mag ich eher selten. Habe trotzdem Lust, die anderen Filme von ihm zu sehen. Habe noch TOKYO GODFATHERS hier rumstehen und ich hoffe, dass der mich mehr abholen kann.

      • http://nein.com Akmo Schmako

        TOKYO GODFATHERS ist null phantastisch. Sehr schöner Weihnachtsfilm, ohne kitschig zu werden.

  • Deekin

    Ich bin erst zur Hälfte durch mit eurer Episode, werde aber brav weiter hören. Über “Ghost in the Shell” kann ich leider nicht soviel sagen, da ich ihn wirklich ewig nicht mehr gesehen habe. (Ich fand ihn damals aber großartig und bei einer weiteren Sichtung wird er vermutlich einer meiner Lieblingsfilme bleiben).

    In Bezug auf “Akira”, den ich mit Tamino vor kurzem noch einmal gesichtet habe, ist mir bei meiner letzten Sichtung überraschend deutlich aufgefallen, wie sehr der Film Themen wie Kindheitstrauma und gesellschaftlichen Verfall durch eine außer Kontrolle geratene Jugend über die Laufzeit durchgehend thematisiert. In gewisser Hinsicht ist das zwar offensichtlich, da es sich bei den Hauptfiguren schließlich um Mitglieder einer Motorradgang handelt. Doch finden sich im Film immer wieder Symbole und Andeutungen, die sich als Visualisierung von Kindheitsproblemen und Traumata lesen lassen. Das traf einerseits auf die Rückblenden zu, in denen Tetsuos und Kanedas schwierige Kindheit im Waisenhaus angerissen wird, als auch die sehr abgefahrene Sequenz mit den monströsen Spielzeugen. Selbst die Tatsache, dass sie die Überreste von dem Körper Akiras in einer Untergrundeinrichtung fortsperren, um jeglichen Einfluss dieses Wesens zu unterbinden, kann man als Symbol für Verdrängung lesen. Insofern wäre auch Tetsou als destruktives Überwesen das Produkt einer Welt, welche weite Teile einer gewalttätigen Jugend aufgegeben hat bzw. ignoriert und welche sich nun wieder mit umso verheerenderer Kraft an die Oberfläche kämpfen. Auf diese Weise fand ich das Geschehen auch jenseits des etwas fahrig und sprunghaft verlaufenden Plots überraschend stimmig, wenn man sich vorstellt, dass die versteckten Geschwüre, sowohl jene der Gesellschaft als auch von Tetsous Figur, wieder hervorbrechen. Das ist sicherlich etwas, dass ich bei meiner nächsten Sichtung noch einmal deutlicher unter die Lupe nehmen möchte (oder wenn ich mir beizeiten mal die Manga-Vorlage vornehme); ich hatte definitiv den Eindruck, dass dies weite Teile des Films motiviert hat.

    • Deekin

      So, bin so gut wie am Ende angelangt:

      Christian, wenn du Interesse an mehr bodenständigen Animes hast, kann ich dir neben Jin-Roh auch noch “Wie der Wind sich hebt” von Miyazaki oder “Die letzten Glühwürmchen” oder “Only Yesterday” Isao Takahata empfehlen. “Only Yesterday” hat mir persönlich zwar nicht sonderlich gefallen, aber dir als Fan von Indie-Filmen wäre es vielleicht einen Blick wert, da sich dieser Film in seiner schlichten, lebensnahen Reduziertheit ein wenig wie aus diesem Genre anfühlt.

  • Familienpapa

    Wow, sehr tolle Episode! Da habt ihr euch wirklich nochmal selbst übertroffen und ordentlich Substanz “vom Impliziten ins Explizite gewandelt”! :) Mit eurem jahrelang angelernten Philosophieverständnis kann hier natürlich keiner mithalten. Insofern möchte ich da jetzt nichts verwässern.

    Ich bin aber etwas darüber verwundert, dass ihr nicht über ‘Die Szene’ in GitS gesprochen habt. Das Mittelstück, das Herzstück! Eine Szene, oder vielleicht eher Montage, die es so eigentlich kein zweites Mal gibt. Wie eine Art kleine Werbepause mitten im Film, die abrupt und collageartig kleine Impressionen der Filmwelt gibt. Vielleicht sogar meine Lieblingsszene überhaupt (und dabei zähle ich GitS nicht mal zu meinen Lieblingsfilmen). Sie hat einfach alles, was man auch nur irgendwie von Filmen verlangen kann: Sie ist optisch ansprechend, kreativ, interessant, spannend, melancholisch, akkustisch stilvoll, mysteriös und lässt sich auch sehr vielseitig interpretieren (wozu mir aber gerade die Zeit fehlt). Jedes Mal, wenn ich sie sehe, bin ich wieder hin und weg. Das ist es auch vermutlich, was GitS für mich besser macht als Akira, ich mag dieses “sphärische” und “schwebende/gleitende/treibende”, was dieser Film hat. Ach ja, und die Tatsache, dass GitS neben meiner (vermutlichen) Lieblingsszene auch meinen (vermutlichen) Lieblingsshot überhaupt hat:
    http://static1.squarespace.com/static/50f61489e4b082eee89fbfc6/t/5195c85ee4b07f61fcf39a5d/1368770655050/Part+5+Header.jpg

    Das Einzige, was ich in GitS immer etwas vermisst habe, was ich (natürlich dann in gänzlich anderem Kontext) bei anderen Filmen bekommen habe, ist die Frage nach den Auswirkungen auf die eigene Persönlichkeit durch die Cyber-Identität. Die Auswirkungen auf das eigene Denken und Handeln und wie es von der Tatsache gelenkt und bestimmt wird, dass man nicht mehr länger an einen fleischlichen oder sogar physischen Körper gebunden ist. Die Sci-Fi-Kybernetik wirft diesbezüglich ja einen Haufen interessanter Fragestellungen auf: Wie entwickeln sich Moralvorstellungen, wenn Identität nur noch eine Nummer in einem System ist?
    Wenn man sich hinter einer Maske versteckt, heimlich beobachten oder eventuell sogar ungesühnt irgendwelchen Trieben nachgehen kann, entfalten sich doch erst Charakterzüge, die man vorher selbst nicht kannte und für manche wird die Maske zum eigentlichen Gesicht. Schließlich nehmen wir unsere Umwelt größtenteils mit den Augen wahr und wenn das Gesagte und Getane nicht mehr mit etwas Optischem und Unaustauschbarem wie unseren Körpern in Verbindung gebracht werden kann, schwindet sicherlich auch das entsprechende Verantwortungsbewusstsein und die Integrität.
    Wenn sich irgendwann alles nur noch um Erinnerungen dreht (kann sich mein Bewusstsein an die Tat erinnern?), reduzieren sich doch sämtliche Hemmschwellen auf ein Minimum. Ich finde es schon interessant, darüber nachzudenken. Das Thema Anonymität im Internet lässt diesbezüglich ja auch nur erahnen, was da alles noch kommen könnte.
    Das Fehlen hier in GitS ist vermutlich auch einfach darin begründet, dass man wegen der kurzen Laufzeit nach dem Ausschlussverfahren nur die Interessantesten Themen für den Film gewählt hat.

    Ich habe da gerade ein wirklich interessantes Buch gelesen (The Face of Another – drüben bei EnoughTalk schon erwähnt), in dem ein Chemiker bei einem Arbeitsunfall sein Gesicht verliert und beschließt, die durch die Explosion entstandenen Keloidnarben, die sein Gesicht überziehen und verunstalten, durch eine Maske zu verdecken. Diese Maske wählt er aber sehr sorgfältig und anhand eines großen und durchdachten Kriterienkataloges. Während dieses langwierigen Prozesses stellt er dabei immer mehr fest, wie wichtig das Gesicht eines Menschen ist, wie es die Grundlage für die zwischenmenschlichen Beziehungen darstellt und er, als er dann seit Monaten mit einem Verband durch die Massen streift, sich immer weiter entfremdet und gar nicht mehr als Mensch fühlt. Viel mehr wie ein außenstehender Beobachter, dessen Brücke (Gesicht) zu anderen Menschen bei dem Arbeitsunfall zerstört worden ist. Als er dann seine Maske fertiggestellt hat, ergreift sie immer mehr Besitz von ihm und entwickelt eine eigene Identität, die seiner alten kaum gleicht. Später dann verführt er sogar als Maskierter seine Frau, um zu sehen, ob sie ihn betrügen würde wegen seines Gesichtes, schläft mit ihr und wird anschließend eifersüchtig auf den neuen Mann hinter der Maske und somit auf sich selbst, was ihn in eine Spirale aus Selbsthass und Verzweiflung wirft. Ein wirklich interessantes und höchst absurd-morbides Gedankenspiel, was man aus dem Kontext der 60er in Japan ja leicht in eine dystopische Zukunft projizieren könnte. Ach, wäre GitS doch nur ein wenig länger, verworrener und dafür weniger politisch (das mit den interferierenden Polizei-Sektionen könnte vielleicht raus)…

    Und bevor ich es vergesse: Großes Lob an Christian. Ich kann wirklich nicht verstehen, wie man so leidenschaftlich über Filme reden kann, die man eigentlich gar nicht mal so toll findet. Bei mir geht das nicht. Nur halt, wenn der Film wirklich scheiße war. Aber über eine solide 5/10 so brennend und intensiv diskutieren, das leuchtet mir nicht ein! ;)

    Was die Empfehlungen betrifft, so habe ich Tamino ja schon drüben bei EnoughTalk welche ausgesprochen und für Christian: Keine Ahnung. Ich verstehe deinen Geschmack so überhaupt gar nicht, dass ich nicht mal ansatzweise erahnen könnte, was dir gefallen würde. Um aber einfach mal irgendetwas gesagt zu haben, nenne ich mal “The King of the Pigs”, einen südkoreanischen Anime, einfach weil es dich ja mit unter interessieren könnte, mal einen Anime mit anderer kultureller Prägung zu sehen. Die typischen Elemente, die ihr hier angesprochen habt, sind dort nämlich kaum bis gar nicht zu finden.

    PS: Weil ihr kein Wort darüber verloren habt, gehe ich mal aus, ihr habt die Serie ‘Stand Alone Complex’ nicht gesehen?

    • SecondUnitTamino

      Im Vergleich zu Arne, bei dem ich NIE vorher sagen kann, ob er einen Film mag oder nicht, ist Christians Geschmack sehr einfach zu verstehen. Er mag alles was mit Superhelden zu tun hat, ein kitschig-melancholisches Indie-Feeling versprüht oder irgendwie Internet/Social Media/Apple-Themen verarbeitet. Alles andere findet er langweilig, kann sich aber trotzdem stundenlang darüber unterhalten. Ich warte noch auf den Film, der das alles in sich vereinigt. Vielleicht wäre das so etwas wie “Before Super-Jobs-hood-rise”, der davon handelt, wie ein introvertierter Junge namens Steve Zuckerberg, ausgestattet mit vielerlei Superkräften, im ländlichen Amerika aufwächst, sich in ein extrovertiertes Mädchen verliebt und dann durch die Erfindung von Facebook und Apple und den permanenten Kampf gegen das Verbrechen vielerlei Dinge über Beziehungen und das Leben im Allgemeinen lernt.

      Passenderweise musste ich bei deinem Buchbeispiel irgendwie an den ersten Raimi-Spiderman denken, in dem die Maske des Goblins ja auch Willem Dafoes Figur kontrolliert.

      Die GitS-Serie kenne ich nicht, habe aber sogar überlegt, mir sie mal anzuschauen. Ich habe allerdings gehört, dass die wohl deutlich weniger philosophisch sei und es eher um Mystery/Crime-Themen ginge. Stimmt das?

      Und was die von dir erwähnte Szene angeht, muss ich gerade leider gestehen, dass ich nicht weiß, welche du meinst. Gibt’s die auf Youtube? Ich kann dir allerdings jetzt schon sagen, dass meine Lieblingsszene ganz klar die Ballerei mit dem Panzer am Ende ist.

      Und zum Thema Lieblingsshot. Das ist gar nicht mal so einfach. Kanditaten die mir da einfallen sind:

      http://oneperfectshotdb.com/wp-content/uploads/2015/07/apocalyopsenow.jpg

      https://www.dramafever.com/st/news/images/oldboy.jpg

      Wobei OLDBOY da so einige Dinger zu bieten hat. Aber der Sieger ist vermutlich:

      https://i.ytimg.com/vi/WC9J1RNQPWk/maxresdefault.jpg

      • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

        Yipp. Wenn der Film dann auch nur noch von Nolan gemacht und mit Musik von Renzor unterlegt ist haben wir sofort eine 11/10!

      • Familienpapa

        Uff, dann wird es für mich tatsächlich unmöglich, etwas zu empfehlen. Also introvertierte Teenager gibt es im Animebereich ja zuhauf (eigentlich schon fast nichts anderes mehr), aber die Social-Media-Thematik wird eigentlich, wenn überhaupt vorhanden, zu reinem Cyber-Mobbing runtergedampft, was dann wieder zu introvertierten Teenagern führt. Alles ganz furchtbar infantil, weinerlich und nervtötend. Gibt da einen Haufen unfassbar beliebter Serien (NGE, Elfenlied, etc.), die für mich durch die Bank solide 0/10er sind. Das kann ich also nicht guten Gewissens weiterempfehlen.

        Ja, die GitS-Serie ist vollkommen anders. Fast schon belanglose Mecha-Action. Im Vergleich zum Film sogar peinlich platt. Auch wird das mit den Polizei-Sektionen noch mehr aufgeblasen und sinnlos kompliziert gemacht.
        Und nochmal ja, die Szene, die ich meine, gibt es tatsächlich auf Youtube:
        https://www.youtube.com/watch?v=m5pbmt9VSTM

  • Noir020

    Hi, bin aufgrund der „Ghost in the Shell“ Thematik über euren Podcast gestolpert, der echt großartig war, selten solch eine gute Abhandlung über den Film gehört.

    Als Animationsfilmliebhaber folge ich den Aufruf und möchte ich ein paar Tipps da lassen. Einige sind die üblichen Verdächtigen, einige sind doch eher “Geheimtipps”. Ich fange direkt mit der Filmographie von Mamoru Oshii an und greife da die Patlabor Filme, die in eurer Runde bereits angesprochen wurden, als auch die 7 teilige OVA Reihe (1-5 Mamoru Oshii, 6-7.) Die ersten beiden „Patlabor“ Filme (Der dritte Film entstand unter der Regie von Fumihiko Takayama und Takuji Endo) sind „Ghost in the Shell“ am nächsten und dem westlichen Zuschauer eher zugänglich als sein Spätwerk (Innocence, The Sky Crawlers, Avalon, Garm Wars etc.) Was die „Patlabor“ Reihe so besonders macht, ist die Art und Weise wie sie sich vom üblichen Mecha Genre löst. Es sind keine agilen, bunten Wundermaschinen, die ständig mächtiger werden und gegen andere Roboter oder Monster antreten müssen, sondern einfache Werkzeuge etwa für den Hochhausbau. Demnächst erscheint in Deutschland übrigens auch die Realverfilmung „Patlabor The Next Generation“, ebenfalls von Mamoru Oshii inszeniert.

    Eher unbekannt ist die 4 teilige OVA „Dallos“, wovon Oshii die ersten drei inszenierte. „Dallos“ ist faktisch eine Verfilmung von „The Moon is a Harsch Mistress“ von Robert A. Heinlein, der der Allgemeinheit durch die Verfilmung seines Romans Starship Troopers bekannt sein wird. Sie ist die erste offizielle OVA, was für Original Video Animation steht. Also Direct to Video Produktionen, die in der Regel ein höheres Budget zu Verfügung zu Teil wurde als einer TV Produktion und diese in der technischer Qualität meist übertraf. In den 80ern folgte ein regelrechter Boom von OVAs, oft an ein erwachsenes Publikum gerichtet. Hier seien zwei interessante Titel genannt. Zum einen „Bubblegum Crisis“ und zum anderen „Megazone 23“. „Bubblegum Crisis“ ist Cyberpunk bis in die Spitzen. Es handelt von von vier Frauen, die Knight Sabers, die in Exo Suite als Vigilanten und Söldner gegen Boomer genannte Androiden vorgehen, dabei geraten sie oft in die Machenschaften der weltumspannenden Firma Genom. Ein wichtiges Element in „Bubblegum Crises“ ist die Musik, die für den Anime seiner Zeit als bahnbrechend galt, geprägt von Synthesizer Klängen und Rock Elementen. „Bubblegum Crises“ ist nicht durchgängig von hoher Qualität, aber wenn man dem Cyberpunk nicht abgeneigt ist, durchaus eine Sichtung wert, dasselbe gilt für einige der zahlreichen Spin Offs, Sequels und Remakes die die OVA nach sich zog.

    „Megazone 23“ von Noboru Ishiguro, Ichiro Itano, Kenichi Yatagai and Shinji Aramaki. find ich jetzt eher mau, ist inhaltlich aber sehr interessant, weil er „The Matrix“ inhaltlich viel vor wegnimmt. Hier lebt die Bevölkerung einer Millionen Metropole in einer Endlosschleife, die der Bordcomputer eines Raumschiffes vorspielt, damit sie von den Krieg um sich herum nichts mitbekommen. Die Wahl fällt wie bei Matrix auf das Ende des 20. Jahrhunderts, weil es die stabilste Zivilisation darstellt, das Geheimnis der Maschine wird auch von Männern in schwarzen Anzügen und Sonnenbrillen verteidigt. Die Waschowskis negierten allerdings den Einfluss von „Megazone 23“ auf „Matrix“. Nicht des so trotz hat „The Matrix“ deutlich mehr Ähnlichkeiten zu „Megazone 23“ als zu „Ghost in the Shell“, wo die Einflüsse eher visueller als inhaltlicher oder thematischer Natur sind.

    Ich schwenke nochmal zurück zu Oshii und stelle noch zwei Titel vor die eher unbekannt sind. Zum einen „Angels Egg“, ein sehr spezieller Film mit minimalistischen Dialog und sehr symbolisch. Die Handlung dreht sich um ein junges Mädchen das ein Ei hütet und durch eine dystopische Welt wandert, dabei trifft sie auf einen Söldner mit den sie sich zusammentut. Mit „Angels Egg“ verarbeitete Oshii seine Abwendung von der Religion, speziell den Katholizismus, stellt gewissermaßen sowohl eine Anti-These als auch gedankliche Weiterverarbeitung zu seinen Erstlingswerk „The Red Spectacles“ dar, eine außergewöhnliche Ambivalenz. Die fehlende Narrative und das Brechen der Konventionen erschweren natürlich den Zugang zu „Angels Egg“, was man auch auf sein Gesamtwerk übertragen könnte, aber schon alleine die visuelle Umsetzung ist äußerst bizzar und sehenswert, zudem ist es sicherlich sein persönlichster Film.

    Der zweite Titel ist die aus zwei Kurzfilmen bestehende OVA „Twillight Q“, ebenso wie die Patlabor Reihe von der Künstlergruppe Headgear produziert. Aufbau und Content orientieren sich auf die amerikanische Mystery Serie „Twillight Zone“. Der erste Kurzfilm wurde von Tomomi Mochizuki inszeniert und von Kazunori Ito geschrieben, Oshiis langjähriger Weggefährte und Drehbuch Autor von u.a. „Ghost in the Shell“ „Patlabor“ und „Avalon“. Die zweite Episode wurde von Oshii selbst geschrieben und inszeniert. Etwas schade das nicht noch mehr Kurzfilme dieser Art produziert wurden, denn sie waren wunderbar in Szene gesetzt. Der Soundtrack von Haus- und Hofkomponisten Kenji Kawaii tat das übrige.

    Nun möchte ich mich aber etwas von Oshii absentieren und andere Filmemacher vorstellen. Da greife ich gleich mal „Blood – The Last Vampire“ auf, der ähnlich wie „Jin-Roh“ auf die Oshii Schule aufbaut. Es ist das erste relevante Werk mit Beteiligung von Kenji Kamiyama, der hier das Drehbuch verfasste. „Blood“ dreht sich um das mysteriöses Mädchen Saya, das mit Hilfe einer namenlosen Organisation auf der Jagd nach humanoiden Wesen, Chiroptera genannt, befindet. Ihre Ermittlungen führen sie auf der Yokota Air Base der U.S. Luftwaffe, wo gerade eine Haloween Party stattfindet, kurz vor dem Ausbruch des Vietnam Krieges. „Blood“ ist einer der herausragenden Beispiele der audiovisuellen Möglichkeiten des Animationsfilms, er hat eine dichte bedrohliche Atmosphäre und trotz seiner kurzen Laufzeit hat man nicht das Gefühl das gehetzt erzählt wurde. An dieser Stelle sei noch einmal auf Mamoru Oshii verwiesen, der einen Roman zu „Blood – The Last Vampire“ schrieb, aus der Perspektive eines Links Aktivisten im Milieu der Studentenbewegungen der 60er Jahre in Japan. Sehr lesenswert, neben „Patlabor 2“ und „Ghost in the Shell“ ist ihn hier die Vermischung von Thriller und philosopischer Abhandlung mit am besten gelungen.

    Aber zurück zu Kenji Kamiyama, dieser schuf im Anschluss die Serie „Ghost in the Shell – Stand Alone Complex“ in zwei Staffeln und den abschließenden TV Film „Ghost in the Shell – Solid State Society“. Es ist richtig, das die Serie deutlich Action und Politk lastiger als der Oshiis Interpretation, aber der philosphische Aspekt ist weiterhin vorhanden, wenn auch nicht so prominent vertreten und mit anderen Schwerpunkten. Tonall ist die Serie zwischen den Original Manga und der 1995er Oshii Film zu verorten, hatte ich am Anfang ein wenig Probleme mit den Tachikomas bzw. deren übertriebenen Hang zu Menschlichkeit, zu hart war mir der Kontrast zu ernsten Serie und deren realistsch gezeichneten Welt. Im höheren Alter und mit Verlauf der Serie fand ich das Konzept weit weniger unpassend, auf der Metaebene und zum Finale hin sogar schlichtweg genial.

    Kenji Kamiyama hat hauptsächlich (kurze) Serien geschaffen die allesamt herausragend sind, da ich mich aber auf hauptsächlich Filme konzentrieren wollte, würde ich hiervon einfach mal ohne viel weitere Worte „Gurdian of the Spirit“ empfehlen und dann zu seinen vorerst letzten Film „009-RE: Cyborg“ kommen. Er basiert auf die Cyborg 009 Reihe von Shotaro Ishinomori, ein bekannter Mangaka der das sogenannte Sentai Genre begründet. In diesen finden sich kleine Gruppen zusammen, die mit ihren individuellen und außergewöhnlichen Fähigkeiten gegen Bedrohungen vorgehen. So auch bei Cyborg 009, wo sich 9 Cyborgs unter der Führung von Professor Gillmore zusammentun. „009 – RE: Cyborg“ ist ein Soft-Reboot. Es erzählt eine eigenständige Geschichte, Vorkenntnisse sind nicht zwingend notwendig, aber hilfreich da auf die Origin der Charaktere nicht eingegangen wird. Der Film macht besonders Spaß, wenn man einen Überblick auf das Werk von Kamiyama und Oshii hat, weil er hier ungewöhnlich oft Oshii und sich selbst zitiert. Optisch ist der Film beeindruckend, auch wenn der CGI und 2D Hybrid nicht jeden gefallen wird.

    Ein Name der bereits gefallen ist, wäre Satoshi Kon. In fast allen seinen Filmen geht es um die Wahrnehmung der Realität. Kon variiert das Thema immer wieder, vielleicht kann ich Tamino insofern beruhigen das Paprika, mit Ausnahme seiner einzigen Serien Produktion “Paranoia Agent” , der abgedrehteste Beitrag von ihm ist. Sein Erstling „Perfect Blue“ ist ziemlich geerdet und mein Favorit „Millennium Actress“ verwendet er den Match Cut gar erzählerisch. „Tokyo Godfathers“ fällt da ein wenig aus der Reihe. Satoshi Kon hat übrigens auch mal mit Mamoru Oshii zusammen gearbeitet, Kon setzte den Manga „Seraphim: 266613336 Wings“ zeichnerisch um Oshii schrieb die Geschichte. Leider wurde der Manga nie beendet. Wenn man Satoshi Kons Stil mag, darf man auch gerne ein Blick auf seine Mangas werfen. Letzt ist erst „Opus“ auf deutsch erschienen. Satoshi Kon begann seine Karriere übrigens als Assistent von Katsuhiro Otomo.

    Der nächste im Bunde wäre Makoto Shinkai, der wohl mit die fotorealistischen Animationsfilme überhaupt geschaffen hat. Obwohl er auch Si-Fi und Fantasy Elemente in seinen Filmen verarbeitet sind sie im Kern Slice of Life und Coming of Age Filme. So handeln seine ersten drei Filme über Beziehungen von Jugendlichen die auf unterschiedlichsten Arten sich auseinander leben. So in seinen ersten Film „Voices of a Distant Star“ die Protoganistin Mitglied einer UN-Raumschiffflotte die immer weiter in den Weltraum vordringt. Sie kommuniziert mit ihren daheimgebliebenden Freund via SMS, die immer längere Zeiträume brauchen um an ihren Bestimmungsort zu gelangen. Aus Minuten werden Tage, Monate und letztendlich Jahre. Sein nächster Film spielt vor der Kulisse einer fiktiven Nord-Süd Spaltung Japans und in „5 Zentimeter pro Sekunde“ ist es nur noch ein Umzug der die Protagonisten auseinander reißt. „Children who chase Voices from deep below“ (auch bekannt als „Reise nach Agahrta“) ist sehr stark von Miyazaki geprägt und unterscheidet sich stärker von seinen Filmen. Böse Zungen behaupten das er Miyazaki nur schlecht kopiert, aber in meinen Augen findet man genug von seinen poetischen Erzählstil. Der Film ist eine Ehrerbietung an das große Vorbild, kein Plagiat. Mit „The Garden of Words“ kommt Shinkai wieder zu seinen Wurzeln und erzählt die Liebesbeziehung eines Schülers und einer Lehrerin.

    Es gibt noch so einige erwähnenswerte Regisseure wie etwa Hideaki Anno oder Mamoru Hosoda. Oder aber auch einige nicht japanische Animationsfilme die sich an Erwachsene richten näher vorstellen. Leider läuft mir gerade die Zeit weg, bei Bedarf würde ich mich aber gerne nochmal zu Wort melden.

  • Eric

    Danke für diese tolle Folge. Ich kannte beide Filme bisher nicht und habe sie mir erst in Vorbereitung auf diese Episode angeschaut. Mir hat Akira tatsächlich ein Stück besser gefallen. Mich konnte die melancholische Stimmung bei “Ghost in the Shell” nicht immer packen. Auf jeden Fall habe ich jetzt Lust auf weitere Anime-Filme und natürlich weitere diesbezügliche Besprechungen von Euch.

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Danke! Das freut mich aber, dass du durch uns auf neue Filme gestoßen bist :)

      Wir haben vorerst gar nicht so viel konkretes mit Anime vor, aber ein bisschen was dazu im Archiv. Zum Beispiel zu Chihiros Reise ins Zauberland (yay!): http://secondunit-podcast.de/?p=913

      Oder auch zu Mind Game (neeeeeee!): http://secondunit-podcast.de/?p=2464

      Vielleicht ist da ja schon was für dich dabei :)