Second Unit #167 (Oh Boy)

Die zweite Phase Second Unit geht in die Vollen! In dieser Woche ist erstmals Arne von Enough Talk! in der Sendung. Und dann geht es auch noch um Oh Boy (Amazon-Link*), einen deutschen Film! 

Zu Beginn gibt es aber noch einen sachdienlichen Hinweis in eigener Sache. Ich war die Tage nämlich auch drüben, bei Enough Talk! und hab mit Arne und dem Spätfilm-Daniel in epischer Breite über Superhelden geredet.

Außerdem könnt ihr euch Ob Boy abends in der ARD-Mediathek anschauen. Gänzlich kostenlos, aber dank Jugendschutz nur ab 20:00. Wir sind ja schließlich in Deutschland!

[YouTube Direktlink]

Es ist kein großer Spoiler, aber wie beiden lieben diesen Film! Das liegt an ganz vielen Faktoren, aber ganz besonders am Personal. Jan Ole Gerster hat diese kleine Perle geschrieben und inszeniert. Tom Schilling spielt als Niko Fischer herrzlich zerbrechlich. Marc Hosemann ist Matze, Nikos Kumpel aus der Nachbarschaft. Friederike Kempter spielt als Julika Hoffmann, eine zufällige Bekanntschaft aus alten Zeiten. Ulrich Noethen ist Nikos Vater, Walter Fischer. Michael Gwisdek ist der alte Mann in der Kneipe.

Unsere Diskussion deckt zwar viele Themen wie das wunderbare Schauspiel, die subtile, aber gelungenen Charakterisierungen der Figuren sowie die Beobachtungen auf das Leben ab, versäumen aber trotzdem noch viele wundervolle Details wie die Jazz-Musik oder Berlin als stillen Protagonisten.

Arne wirft einen schönen Vergleich zum Dude aus The Big Lebowski in die Runde, an dem ich mich ein wenig abarbeite. Außerdem erwähnt er am Ende, wenn wir allgemeiner über den Deutschen Film sprechen, die Bewegung des German Mumblecore in den Raum. Dabei empfiehlt er diesen Artikel der CineCouch.

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[Download | Länge: 02:03:34 | Größe: 59,6 MB | @2nd_Unit | Facebook.com/SecondUnit | iTunes]

[Teaser-Bild: by Jeremy Keith]

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  • Familienpapa

    Das Problem, dem deutschen Film besonders kritisch gegenüber zustehen, hatte ich irgendwie nie. Ich denke, das ist ein Phänomen, das entsteht, wenn man sich zu viel mit synchronisierten Großproduktionen auseinandersetzt und das dann fälschlicherweise für den Standard hält – wie das vermutlich der Großteil der Filmkonsumenten tut. Filme sehen normalerweise nicht so schön farblich gesättigt aus wie ein ‘Fury Road’ oder ein ‘Only God Forgives’, haben nicht so schön klare Stimmen wie in der hochwertigen, deutschen Synchro und auch die Effekte sind nur bei einem äußerst geringen Prozentsatz wirklich toll. Wer bei ausländischen Filmen hingegen mal über die jährlichen Gewinner aus Cannes hinweg noch ein paar weitere Filme sichtet, wird gar nicht die Chance haben, auf eine snychronisierte Fassung zurückzugreifen und auch bald feststellen, dass die optisch gesetzten Maßstäbe aus Hollywood im Prinzip nicht einhaltbar sind für kleinere Filmnationen. Und ich denke, wer das einmal erkannt hat, wird auch schnell feststellen, dass Deutschland sich in keiner Weise zu verstecken braucht.
    Den Einen mag das stören, der Andere wird damit sogar einen gewissen Charme verbinden (wie z.B. bei S/W-Filmen) aber letztlich ist es doch eine reine Gewohnheitssache. Ich mag es gar nicht mehr missen und habe inzwischen umgekehrte Probleme, wie z.B., dass in Hollywood Filmen fast ausschließlich reiche Models als Schauspieler arbeiten, die ich schon per se als Menschen total uninteressant finde, da sie auch irgendwie so einen dekadenten und oberflächlichen Kapitalismus im Endstadium symbolisieren, der mit Filmen schon gar nichts mehr zu tun hat. Das bleibt einem bei Oh Boy erspart und der Tom Schilling ist auch echt ne zarte und nette Seele, die einem schon völlig ohne Film ans Herz wächst.
    Abgesehen davon, kann ich sowieso nicht nachvollziehen, wie man einem Film seine Limitierungen vorwerfen kann. Dann hat es halt nicht für Brad Pitt, die teure Kamera und die neuen Setbeleuchtungen gelangt. Macht es den Film schlechter, nicht hochwertig auszusehen? Vielleicht aus irgendeinem objektiven Kriterium heraus, aber wer Filme rein analytisch guckt, hat paradoxerweise ohnehin kein Problem mit “ausländischen” Filmen (was immer das sein soll). Gerade dann wirkt es doch authentischer, familiärer, greifbarer – näher am Zuschauer.

    Steile These: Ich denke mal, dass der Großteil der “Deutschland kann nix”-Defätisten einfach noch nicht reif genug ist, starke Charakterdramen und Heimatfilme zu würdigen. Soll kein Vorwurf sein, nur kann man mit 18-20 (so schätze ich zumindest das Durchschnittsalter auf einschlägigen Filmforen ein) a priori halt noch keine Heimat-Trilogie von Reitz schauen oder den Schmerz eines Elmar Weppers in Kirschblüten-Hanami verstehen, der weit über den Verlust seiner Frau hinausgeht.

    Einen Satz von Christian möchte ich hier diesbezüglich doppelt unterstreichen, da er mir sehr gut gefallen hat: Ich möchte keinen guten Film aus Deutschland, ich möchte einen guten Film über Deutschland. So oder so ähnlich zumindest (lol). Ich meine damit jedenfalls, dass ich gar nicht möchte, dass es in Deutschland einen großen Umschwung gibt, riesen Budgets für Filme da sind und hier ein zweites Hollywood heranwächst. Wir haben doch schon eins. Ich will mehr Filme, die deutsche Seele atmen. Die das Lebensgefühl hier auf Zelluloid bringen. Denn zumindest ich bin sehr an kulturellen Vielfalten interessiert, an Themen, die eine Nation bewewegen und auszeichnen. Neugierig darauf, wie man in anderen Kulturkreisen mit Problemen umgeht oder wie diese unterschiedlichen Ansichten und Denkweisen aufeinandertreffen (Fatih Akin hat dazu früher ausgesprochen schöne Filme gedreht).

    Ansonsten eine schöne und runde Diskussion zu einem Film, den ich bisher eher im Mittelfeld angesiedelt habe. Das “Diese Situationen kennt man doch”-Gefühl hatte bei mir irgendwie nicht genug ausgelöst beim ersten Mal, aber ich bin nun überzeugt, dass das mit etwas Willenskraft schon geht ;)
    Und auch nochmal ein Lob, wie gelassen ihr die deutsche Filmkultur diskutiert habt. In dieser Hinsicht scheinen viele ja gar nicht oft genug betonen zu können, dass ihnen ‘Fack Ju Göhte’ nicht gefallen hat… und Untergang des Abendlandes und sowieso… Ich bin da ganz bei Arne, Deutschland ist im Kommen.

    • http://www.enoughtalk.de jacker

      Danke für diesen langen und differenzierten Kommentar, den ich eigentlich in allen Punkten nur unterstreichen kann. Ich hab es auch einmal in der Sendung gesagt: keinem ist geholfen, wenn Deutschland versucht Hollywood nachzuahmen. Man muss was eigenes entwickeln. Schade ist, dass Hollywood-Kino zwar real nur einen kleinen, weitgehend so teueren wie uninteressanten TEIL davon darstellt, aber (leider) für die meisten mit Film als GANZEM gleichgesetzt wird und was davon (vor allem optisch) abweicht, ist dann eben schlecht. Dabei geht weltweit so viel mehr als Hollywood-Raubbau, denn überall wo Filmemacher einen eigenen Weg finden, wird es doch erst spannend – so z.B. in OH BOY geschehen, so z.B. in WHO AM I nicht geschehen. Die Leute wollen aber in Summe eher das was genau wie aus den USA aussieht.

      Dieses von dir angesprochene Problem des schmalen filmischen Horizontes ist leider wirklich ein großes. Aufgrund der hiesigen Prägung (90% Hollywood, 10% Schweiger- und Bully-Komödien) darf es nichts anderes als der glatt gewalzte US-Plastik Bombast, oder Produktionen, die sich optisch daran anlehnen sein. Liegt neben der filmischen Sozialisation und der immensen Zubombung mit Werbung für die großen Filme aber auch maßgeblich an der fehlenden Bereitschaft in Deutschland untertitelte Filme zu sehen. Wie du sagst: Hier guckt man das, was eine Synchro spendiert bekommt (und historisch ist ein recht beschränktes Bild in der Kinolandschaft entstanden). Auch wenn sich mittlerweile eingebürgert, dass viele die US-Filme und -Serien in OV gucken, frage ich mich oft aus welchen Gründen sie es tun? Tatsächlich um das pure Schauspiel und ein unverändertes Kunstwerk zu genießen? Oder “weil man das so macht?”. Wieso ist es in anderen Ländern gängig Untertitel drunter zu knallen und hier schier undenkbar? Ich raffs nedd…

      • SecondUnitTamino

        Kurz zum deutschen Film: Leute wie ich mögen einfach nicht so gerne kleine Filme. Klar ist es noch schlimmer, wenn man ohne ausreichendes Budget Hollywood kopieren will, aber ich ziehe für gemeinhin eine aufwendige Produktion (damit meine ich per se jetzt nicht Blockbuster) einem deutschen Indie-Film vor, obwohl prinzipiell natürlich beides gut sein kann. Als Beispiel könnte man vielleicht sagen, dass man einen Si-Fi Film wie EX MACHINA auch ohne aufwendiges CGI als deutsche Produktion hätte verwirklichen können, ohne das die Essenz des Films verloren ginge, auf der anderen Seite aber Filme wie STAR WARS oder BLADE RUNNER einfach ohne Budget nicht zu verwirklichen sind, da man kein episches World-Building betreiben kann. MEMENTO z. B. könnte man auch gut als Indie-Werk drehen, denn der lebt viel mehr von der Idee, dem Skript und den Darstellern als von einem großen Budget. Das Problem bei vielen deutschen Filmen ist aber einfach genau das gleiche wie in Hollywood: sie sind einfach scheiße^^. Das hat selten etwas mit Budget zu tun, sondern liegt einfach an den üblichen Filmkriterien. Ob hier zu Lande prozentual jetzt mehr Scheiße fabriziert wird, wage ich zu bezweifeln, das Interesse ist einfach nur geringer.

        Noch zur Synchro: Wenn man Untertitel gucken MUSS, gewöhnen viele sich sicherlich daran bzw. haben schlichtweg keine Alternative, wenn sie noch Filme schauen wollen. Wenn man allerdings eine Synchro bekommt und damit Filme noch als ein entspannendes Erlebnis und nicht in erster Linie als Arbeit empfindet, guckt man sie eben lieber so. Ich z. B. bin Filmfan. Ich habe einen Filmpodcast und ich unterhalte mich stundenlang mit Leuten über das Medium. Damit bedeuten mir Filme sicherlich mehr als 99% der Menschheit. Wenn es aus irgendeinem fantastischen Grund jetzt unmöglich wäre, Englisch zu verstehen und es gleichzeitig keine Synchro gäbe, ich also auf Untertitel angewiesen wäre, dann kann ich dir sagen, dass sich mein Filmkonsum um mindestens 80% reduzieren würde. Zunächst einmal könnte man nie mehr eine Comedy oder einen Trashfilm gucken, da diese absolut nicht untertitelbar sind, aber vor allem würden mir Filme einfach nicht mehr genug Spaß machen. Ich würde dann bei jedem einzelnen Film sorgfältig überlegen, ob ich mir das wirklich antun möchte und vermutlich wie in meiner Jugend fast nur die Filme gucken, die ich schon kenne und deren Dialoge ich größtenteils auswendig kenne, um zumindest nicht permanent lesen zu müssen. Mit Untertiteln als Hilfe bei einem englischen Film komme ich gut klar (wenn genuschelt wird, die Audio schlecht ist etc. kann man ab und zu mal kurz nachschauen), aber wenn ich meine Informationen ausschließlich über die Untertitel bekomme, geht mir der Großteil des Viewing Pleasures verloren. Filme sind passive Erfahrungen. Ich öffne meine Augen und meine Ohren und lasse mich treiben. Mit Untertiteln geht das nicht. Dann klebe ich am Schirm und muss permanent hoch und runter gucken. Unmöglich für jedweden atmosphärischen Film.

        Ich sehe das sicherlich härter als viele andere, denn für mich ist das ein ähnlicher Unterschied wie beim selber Lesen vs. Hörbuch. Wenn ich ein Buch lese, ist das für mich IMMER Arbeit. Ich mache das eigentlich ausschließlich für die Uni oder wenn ich durch ein Buch etwas lernen will. Ich lese auch nie ohne Stift zum markieren. Jedwede Unterhaltungslektüre höre ich mir an, während ich z. B im Zug sitze, im Internet surfe oder ein entspanntes Computerspiel ohne Sound spiele. Lesen (an sich) macht mir persönlich keinen Spaß und ist ein notwendiges Übel, um an den Inhalt eines Buches zu kommen.

        Diese Geschichte ist aber etwas, was ich wirklich gerne mit dir in persona (nicht der Film^^) besprechen möchte, denn nach wie vor bin ich der Meinung, dass ein O-Ton den Film nicht “originaler” macht als eine Synchro. Das Original bleibt dir in beiden Fällen schlichtweg verschlossen und eine Synchro ist das weitaus kleinere Übel beim Konsumieren. Bei Englisch im O-Ton gucken? Klar, wenn man das Schauspiel genießen will (gucke ich Bay oder Bloomkamp ist’s völlig egal). Im Japanischen im O-Ton mit Untertiteln? Niemals lieber als Synchro, weil man das Schauspiel sowieso nicht erkennen kann, ohne die gesprochenen Wörter zu verstehen – außer die Synchro ist so dermaßen schlecht, dass man den Film nicht mehr ernst nehmen kann. Bei Arnold ist es hier allerdings sogar andersherum: Ich konnte TERMINATOR 2 im Deutschen früher definitiv ernster nehmen als im O-Ton. Dass ein Film jedenfalls ohne Synchro “originaler” sei, kann man sich mMn nur einreden, denn es ergibt auf einer näher betrachteten Ebene absolut keinen Sinn. Um einen japanischen Film im Original sehen zu können, muss man sehr gut Japanisch können. Nichts anderes hilft dafür. Aber wie gesagt, das müssen wir im November besprechen. Mach mal ne Liste ;-)

        • http://www.enoughtalk.de jacker

          Puh, hier prallen echt Welten aufeinander. Deine Einstellung zu Lesen ist ganz schön hart ^^

          • SecondUnitTamino

            Und nur einer hat recht ;-)

  • SecondUnitTamino

    Schon ist man ein paar Wochen nicht mehr voll am Start und sofort wird bei Enough Talk über Superhelden und bei Second Unit über OH BOY diskutiert. Schlimme Zustände sind das! Ich verkünde hiermit den Untergang der Abend-Podcasts.

  • cule0809

    Endlich mal deutsches Kino. Unsere Diskussion steht noch aus Christian ;)

    Oh Boy ist super, muss den noch einmal gucken^^ Jacker ist eh ne coole Socke, kann an der Stelle auch seinen podcast empfehlen^^

    • http://www.enoughtalk.de jacker

      Thanks cule! Freut mich, dass du bei uns auch gern lauschst!

      • cule0809

        Klar, wer bei MP solche Texte und Ansichten schreibt, der wird auch was in Audioform zu erzählen haben.
        Christian sprach an, dass er einen deutschen Film sucht der die Geschichte als Setting nimmt und nicht als Geschichte selbst. Mir fällt da “Als wir Träumten” direkt ein, der dieses Jahr erschienen ist. Ist eine Verfilmung von meinen Lieblingsbuch und es geht um ein paar Jungs aus Ostleipzig Vor-, während- und nach der Wende. Auch hier geht es nicht um die deutsche Geschichte selbst, denn die passiert eigentlich nur am Rande, sondern um das Leben während der Zeit und wie diese Typen mit diesen Situationen klar kommen bzw. nicht klar kommen. Kann ich euch beiden nur empfehlen :)

  • http://nein.com Akmo Schmako

    Den wollte ich nachholen und danke für den Link zur Mediathek. Solche Fime sind auch immer Zeitdokumente. Könnte man sich heute noch eine Zwei-Zimmer Wohnung leisten in der Innenstadt (ich vermute mal das die Wohnung da ist)? Ein Berlinfilm heute hätte wohl jemanden der zugezogen ist als Protagonist, so wie Viktoria.
    Die Themenauswahl hängt natürlich auch von der Filmförderung ab. Die geben wohl eher Geld für historische Stoffe. Das verkauft sich ja auch besser ins Ausland. Außerdem soll es ja noch das Prädikat “Besonders Wertvoll” geben. Sehr schön habt ihr aufgearbeitet, das diese Filme genau die wichtigen Ereignisse chronlogisch genau abarbeiten. Erinnert sich noch jemand an den Luther Film aus dem Jahr 2003? Damals wurden ja die Schulklassen regelrecht hingekarrt um sich den anzuschauen. Die Kinderchen sollen ja was lernen.

    • SecondUnitTamino

      Ich wurde ebenfalls gezwungen, den zu schauen. Kann mich auch nicht mehr an den Film erinnern, aber sehr wohl noch an den Zwang.

    • http://www.enoughtalk.de jacker

      Da bin ich glücklicherweise nicht mehr zur Schule gegangen ^^

      • SecondUnitTamino

        alter Sack, du!

  • UdoV

    Was ist eigentlich mit Tamino los? Ich verfolge sein Moviepilot-Profil und mache mir langsam Sorgen. Seit dem Weggang von Christian scheint er in ein tiefes Trash-Loch gefallen zu sein.

    • SecondUnitTamino

      Ich war heute im Kino und habe THE MARTIAN gesehen. Jetzt, wenige Stunden nach der Sichtung, denke ich auch, dass ich langsam wirklich mal aus dem Trash-Loch herauskriechen sollte, denn das Ding war nicht mal mehr lustig, sondern nur noch zum Fremdschämen.

      • UdoV

        Ok, jetzt bin ich schockiert. Ich war völlig begeistert von dem Film. Was führt zu diesem harschen Urteil?

        • SecondUnitTamino

          Wir waren gestern zu viert im Kino und während das Publikum gelacht hat, haben wir uns allesamt fremdgeschämt. Aus meiner Gruppe hat mir der Film sogar noch am besten gefallen. Wenn man mit sowas zufrieden ist, hat man wohl keine hohen Erwartungen an einen Sci-Fi-Film? Im Grunde besteht das ganze Ding doch zum Großteil aus Hollywood-Klischees und extrem schmerzhaften “Witzen” bzw. dummen Sprüchen. Die Figuren und Dialoge sind so unendlich gewöhnlich. Und ich könnte ungelogen vermutlich eine halbe Stunde damit verbringen, alle dämlichen Momente des Films aufzuzählen. Allein wie dieser eine Physiker der gesamten Chefetage der NASA anhand eines Tackers und kindischen Fluggeräuschen die Flugbahn einer Rakete erklärt. Da habe ich fast Gänsehaut bekommen vor Scham. Oder man sieht ein Gespräch bei der chinesischen Raumfahrtbehörde und der Chef derselben stellt einer Untergeordneten die Frage “Warum hat die NASA bei uns nicht um Hilfe gebeten (wegen der chinesischen Rakete)?” und die Frau antwortet “weil unser Raumfahrtprogramm geheim ist”. Wer schreibt solchen Müll? Der Chef der Raumfahrtbehörde weiß nicht, dass ihr Raumfahrtprogramm geheim ist, DEM ER VORSITZT? Weiterhin: Sean Bean spielt mit und daher machen wir machen jetzt LotR Witze? What the fuck? “Projekt Elrond”. Hahahahahaha… ich lach mich tot. Dann fliegt Whatney seine Druckschleuse um die Ohren UND ER DECKT SIE MIT EINER ABDECKPLANE ZU?! Am Anfang des Films wird eine stehende Rakete von einem Sandsturm fast umgeworfen und danach reicht eine mit Tape befestigte Plane um das Labor luftdicht zu versiegeln? What?? Ich könnte noch Ewigkeiten so weitermachen, mir reicht’s jetzt aber.

          Und am Ende ist der Film halt einfach nur nochmal GRAVITY. Leere Figuren erleben hanebüchenden Unsinn – nur dass hier noch der “Humor” dazu kommt. Durch die permanenten unendlich dämlichen Witze ist der gesamte Film einfach nur Müll. Meine 4/10 ist für meinen Geschmack sogar noch ziemlich gnädig, da ich viele einzelne Szenen auf dem Mars an sich betrachtet ganz gerne mochte und so den Film insgesamt gerade noch ertragen konnte. Irgendwo in diesem Clusterfuck habe ich den Film erkennen können, den ich gerne gesehen hätte, aber das Endprodukt ist der gleiche halbgare Versuch eines innovativen Sci-Fi-Films wie Prometheus. Statt auf atmosphärisch setzt Scott hier auf witzig. Prinzipiell ist das vielleicht irgendwie in einem Sci-Fi-Drama möglich, aber so stumpf wie hier sicherlich nicht. Wenn einem sich bei dem Humor nicht jedes mal die Nackenhaare aufstellen und einem glaubwürdige Action vollkommen egal ist (man also nur lächerlich übertriebenen Quatsch ala Feuerlöscher bei GRAVITY will), dann kann ich mir schon vorstellen, dass man THE MARTIAN irgendwas um die 6-7 geben kann, aber woher hier Begeisterung kommen soll, erschließt sich mir echt gar nicht. Die Story ist CAST AWAY bzw. Robinson Crusoe auf dem Mars, was ich an sich auch für eine coole Idee halte, aber jetzt bei weitem kein Neuland in Sachen Story wie CLOUD ATLAS z. B. ist. Aber die naive, mies geschriebene und letztendlich in vielen Momenten wirklich dümmliche Umsetzung ist es, die mich stört, auf keinen Fall die Idee dahinter.

          Ich weiß im Grunde einfach nicht, was an diesem Film sonderlich toll gewesen sein soll. Ich habe mich gestern Abend aber auch nur mit meiner Freundin und zwei Freunden unterhalten, die den Film alle noch mehr verabscheut haben als ich, daher müsstest du mir da jetzt ein wenig auf die Sprünge helfen, woher deine Begeisterung rührt. Ich für meinen Teil bin jetzt echt durch mit Scott. Nur weil er vor 35 Jahren zwei großartige Filme gemacht hat, werde ich nicht seine gesamten anderen mittelmäßigen bis miesen Filme mögen können.

          • UdoV

            Ich war begeistert. Ich saß zweieinhalb Stunden lang gefesselt im Kinosessel und war mitgerissen von dieser Liebeserklärung an die Raumfahrt, Wissenschaft und Menschheit.

            Der Film war fesselnd, obwohl ich die Geschichte schon aus dem Buch kannte und wahrscheinlich auch so klar war, dass alles gut ausgeht.

            Der Film war lustig. Bei der von dir angesprochenen Fremdschämszene mit Danny Glover saß ich mit einem fetten, wohligen Grinsen im Kinosessel.

            Der Film war inspirierend.Nach dem Film hatte ich Lust sofort in die nächste Rakete zu steigen um zu irgendeinem Planeten zu fliegen, egal was das auch für Nachteile haben mag. In der Hinsicht ein perfekter Propagandafilm für die Nasa. Ich habe die Hoffnung das eine ganze Generation von Kids/Jugendlichen durch den Film angetrieben wird und für die Raumfahrt begeistert wird. Neben mir im Kino saß ein kleiner Junge mit seinem Vater, der ihn auch ständig irgendwas gefragt hat und sichtlich begeistert war.

            Und scheisse, sogar Matt Damon, von dem ich jetzt nicht der größte Fan bin, war fucking grandios.

            Und für Ridley Scott scheint es nach seinen letzten desaströsen Filmen (Prometheus etc.) doch noch Hoffnung zu geben!

            Für mich nach BIRDMAN aktuell auf Platz 2 meiner Bestenliste aus diesem Jahr.

            Zu den Fakten, und der von dir angesprochenen Plane:

            Die Plane wäre in der Realität kein Problem, da auf dem Mars kein sehr hoher Druck herrscht. Die Intensität des Sturms am Anfang hingegen war dramatisiert, in der Realität kann ein Sturm auf dem Mars nicht diese Auswirkungen haben.

            Ich weiß nicht ob Christian oder Arne den Film auch gucken, falls ja, solltest du mit einem von Beidem einen Cast dazu machen :D

          • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

            Also ich werde mir den Film irgendwann schon mal geben, aber vorerst nicht im Kino. Ich komme ja so schon kaum hinterher :D

          • http://www.enoughtalk.de jacker

            Watt? Du bist doch jetzt in Berlin und da läuft doch IMMER einfach ALLES zu JEDER TAGESZEIT in GUCKBAREN VERSIONEN ;) Ziehen sie bitte im Kino ein Herr Steiner!

          • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

            Ja, aber leider saugt Berlin momentan auch gewaltig an mir und meiner Energie. Wird aber hoffentlich bald alles besser ;-)

          • http://www.enoughtalk.de jacker

            Öfter mal nen Kaffee trinken ;)

          • SecondUnitTamino

            Christian sollte seinen Kaffeekonsum mal lieber etwas runterfahren, wenn er seinen 30. Geburtstag noch erleben will.

          • SecondUnitTamino

            Ich könnte dir jetzt auch weder eine Empfehlung noch ein “FINGER WEG!” aussprechen. Generell scheint der Film ja ziemlich gut anzukommen, aber Hannes, Hanna, Raphael und mir hat der Humor und die völlig übertriebene “GRAVITY”-Physik den gesamten Film versaut. Ansonsten wäre der Film vermutlich eine 6 für mich gewesen, so eine 3-4.

          • Amal

            Das Glück von Ridley Scott war hier dass er zur Abwechslung mal ein gutes Skript bekommen hat. Da konnte er dann nicht mehr so viel falsch machen! Denke der Oscar für das beste adaptierte Drehbuch ist da nicht unrealistisch.

  • CharlieTo

    OMFG. Habt ihr den neuen Starwars Trailer gesehen? HOLY MOTHERFUCKER sag ich da nur.
    THE HYPE IS REAL.

    • http://www.enoughtalk.de jacker

      Hmmm.. Der davor hat (in meinen Augen) weit mehr Atmosphäre vermittelt..

    • SecondUnitTamino

      Ich denke der zweite Trailer hat mir auch am besten gefallen. Aber inzwischen kann ich mir auch kaum vorstellen, dass der Film nicht zumindest solide sein wird – so wenig ich auch mit Abrams auch bei Star Trek anfangen konnte.

      • http://www.enoughtalk.de jacker

        Sehe ich ganz genau so. Selbst wenn der inhaltlich eher mau wird, kommt audiovisuell anscheinend einiges an Qualität zusammen. Ist halt ultimativ State-Of-The-Art und atmet definitiv STAR WARS Geist. Schlimmer als die Prequels geht eh nicht. Ich finde es nur (mal wieder) etwas überzogen, dass alle abgehen als würden sie auf drei Ecstasy-Pillen zu euphorisierenden Beats Liebe machen… Ich denke aber, das ist wohl auch zu großen Teilen wieder MEIN Problem, denn Promo zu großen Filmen kotzt mich mittlerweile einfach durchweg so extrem an, dass ich kaum noch dazu in der Lage bin überhaupt für IRGENDETWAS Vorfreude zu entwickeln. Das Red Letter Media “Reaction Video” zum trailer sagt alles, was es zu Hype und derart dümmlichen Auswüchsen davon zu sagen gibt :D

        • SecondUnitTamino

          He he, schaust du also inzwischen doch mal bei denen vorbei?

          • http://www.enoughtalk.de jacker

            Das hab ich gesehen, weil Christian es auf Twitter geteilt hat. Und da schon das von Mr. Plinkett zum ersten teaser großartig war, bin ich gespannt gewesen, was dieses Mal kommen mag ^^