Mini Unit #06 (Chappie)

Wir sind zurück! Die ungewollte Pause korrigieren wir mit dieser Mini Unit. Tamino war neulich im Kino und hat sich Chappie (Amazon-Link*), das neueste Werk von Neil Blomkamp angeschaut. Und er ist nicht begeistert. 

Wir halten die Diskussion zunächst (relativ) spoilerfrei, ab 27:40 geht es aber ans Eingemachte! Ihr seid gewarnt.

[YouTube Direktlink]

Neil Blomkamp hat nicht nur Regie geführt, sondern auch mit Terri Tatchell das Drehbuch geschrieben. In den Hauptrollen spielen Ninja als Ninja und Yo-Landi Visser als Yolandi. In den weiteren Rollen spielen Sharlto Copley als Chappie, Dev Patel als Deon Wilson, Hugh Jackman als Wolverine als Vincent Moore und Sigourney Weaver als Michelle Bradley.

Da ich den Film im Gegensatz zu Tamino nicht kenne, versucht er mir zu erklären, was ihn er im Kino gesehen und was ihn genervt hat. Besonders die Story und die Stimmung des Filmes scheinen dabei große Probleme zu sein.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

[Download | Länge: 49:14 | Größe: 23,9 MB | @2nd_Unit | Facebook.com/SecondUnit | iTunes]

[Teaser-Bild: by Chris Isherwood]

*Amazon-Partner-Links: Über diese Links gekaufte Artikel werfen einen kleinen Obolus für uns ab. Für euch ändert sich nichts, schon gar nicht der Kaufpreis. Wir bedanken uns im Namen unserer Kaffee-Kasse.

  • Deekin

    Also ich würde Neil Blomkamp ja eher mit Michael Bay vergleichen. Charaktere, die derart überzeichnet sind und Dinge machen, die auf der Schwelle zur Offensiveness balancieren. Ein Regiestil, der ständig in Bewegung bleiben möchte und anstatt mich mitzureißen, alles Gesehene nur noch anstrengender und anstrengender werden lässt. Und schließlich Plots, die so grobschlächtig und holzhammermäßig präsentiert werden, dass mehr als ein simples Actionspektakel dadurch nicht getragen werden kann. Bei beiden Regisseuren verlieren die Filme irgendwann völlig die Bodenhaftung und mir fällt es sodann schwer, noch irgendetwas mitzufolgen, was da auf dem Bildschirm geschieht. (Ausnahmen sind hier vielleicht Bays frühere Filme, die in dem Rahmen noch erträglich waren). Der Unterschied zwischen Micheal Bay und Neil Blomkamp ist jedoch, dass ersterer völlig genehm damit ist, einfach nur Over-the-Top-Action-Blockbuster zu inszenieren, während bei letzterem immer wieder versucht wird, eine gewisse thematische Tiefe hineinzulegen.

    Ich fand es schon immer etwas eigenartig, dass Blomkamp hier und da als neue große Hoffnung für den Science-Fiction-Film gesehen wird bzw. als jemand, der Science-Fiction wieder ‘intelligent’ macht. Genau das Gegenteil ist meines Erachtens der Fall: Seine Filme sind praktisch Werke, die ihre Botschaften mit dem dicksten Holzhammer und auf die nur denkbar grobschlächtigste Art und Weise versuchen, in den Zuschauer einzuprügeln. Jegliche Finesse, die das Geschehen irgendwie interessant machen würde, geht auf diese Weise abhanden.

    Wenn “Alien 5″ schließlich erscheint, kann ich mir schon vorstellen, was dabei herauskommt. Die Aliens werden unterdrückt und in Ghettos gesperrt, wo Wissenschaftler furchtbare Experimente an ihnen machen. Unter der Führung von Charlto Copley – der einen digitalen, hibbeligen Xenomorph mit südafrikanischem Akzent spielt – wagen sie dann einen Aufstand, brechen aus und es gibt Ballereien mit Marines, bei denen jede Menge Körper kräftig zerplatzen. Chappie wird einen Androiden spielen und uns zeigen, wie unglaublich böse diese futuristischen Superkonzerne doch sind, weil sie kleine Kinder entführen und von Hochhausdächern oder so werfen. Praktisch alles, was an Themen recht dezent in den alten Filmen eingearbeitet wurde, wird explizit in den Vordergrund geholt und so unglaublich dick aufgetragen, dass auch der letzte Zuschauer genauestens weiß, was ihm da um die Ohren gehauen wird. Zudem wird es dann wohl auch der erste “Alien”-Film sein, der völlig frei von Horror, Suspense und vernünftigem Pacing ist, weil Blomkamp bisher nicht zeigen konnte, dass er davon auch nur das Geringste versteht. Ich würde an dieser Stelle ja weinen, aber glücklicherweise bin ich nicht der Typ, der das alles auf die harte Schulter nimmt; deswegen hasse ich “Chappie” auch nicht, sondern betrachte ihn eigentlich nur als einen Film, der mir – abgesehen von einigen unfreiwillig komischen Momenten, die er definitiv hatte – einfach nur völlig egal gewesen ist; praktisch nur eine willkürliche Aneinanderreihung von Szenen, die zugegebenermaßen nett aussehen und deswegen nicht ganz in die absolut rohe Langeweile abdriften, wie das etwas der Fall bei Filmen wie “Triffids – Pflanzen des Schreckens” oder “In der Gewalt der Riesenameisen” der Fall ist.

    • http://www.enoughtalk.de jacker

      Köstlicher Entwurf für ALIEN V. Wir werden sehen, ich könnte mir vorstellen, dass du ebreits nah dran bist!

  • http://herrvonspeck.de/ Lars

    “Chappie” ist eine große Enttäuschung für mich gewesen. Vor allem das Ende hat mich geärgert. Es scheint ein Muster in Filmen von Neill Blomkamp zu sein, dass am Ende alles auf stupides Geballer und Explosionen hinausläuft, egal was vorher vielleicht an Substanz da gewesen wäre. Den Zack Snyder-Vergleich kann ich – obwohl ich “District 9″ mochte – gut nachvollziehen und ich werde ihn mir bei Gelegenheit borgen.

    Der Grund, weshalb “Die Antwoord” so “deutsch” klingt, ist, dass in Südafrika Afrikaans gesprochen wird. Während Südafrika eine niederländische Kolonie war, haben vor allem die Bauern angefangen das Niederländische stark zu vereinfachen und mit Elementen anderer Sprachen anzureichern. Daraus ist das heutige Afrikaans entstanden, das eine der Amtssprachen von Südafrika ist.

    PS: Werdet ihr über “World of Tomorrow” von Don Hertzfeldt sprechen? (Ihr wolltet ja mal was mit Kurzfilmen machen und der scheint mir der perfekte Kandidat zu sein.)

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Und wie betont man Afrikaans? Soll es denn auch deutsch klingen? Das hat mich am meisten verwirrt :D

      Zu den Kurzfilmen: Das haben wir erstmal noch recht unkonkret im Raum schweben. Wenn wir uns endlich mal daran wagen, dann wahrscheinlich gleich mit mehreren Filmen und ich denke auch, dass wir euch bei der Auswahl irgendwie einbinden werden. Mal schauen :)

      • http://herrvonspeck.de/ Lars

        Ich spreche leider kein Afrikaans, aber es wird wohl sehr nach Niederländisch klingen.

        Das mit “World of Tomorrow” erwähne ich vor allem, weil der mich total umgehauen hat und ich möchte, dass den viele Leute sehen :D Aber auch darüber hinaus: Ich stelle mir vor, dass das Ding für dich ein wahres Schlaraffenland an Interpretationen böte.

  • http://www.enoughtalk.de jacker

    Klingt, als ob zumindest eine Chance besteht, dass CHAPPIE mir irgendetwas geben kann. Scheint irgendwie angenehm trashig zu, was den Over-The-Top Anteil angeht und Filme die wild zwischen Tones hin und her springen, gefallen mir ja ab und an auch (MOS). Ob ich natürlich von Blomkamp einen erst sozialkritischen, dann in brachial-Action endenden ALIEN V sehen will, lasse ich mal offen, bis ich CHAPPIE gesehen hab ;)

    • SecondUnitTamino

      Ich würde in der Tat nicht ausschließen, dass dir Film zumindest ein bisschen was geben kann – auch wenn ich mir schwer vorstellen kann, dass er dich vom Hocker hauen wird, denn dafür sind die Charaktere und das daraus resultierende Drama + rangeklatschte Sci-Fi-Konzepte einfach viel zu schlecht. Aber wenn man diesen Wir-haben-unseren-Roboter-”Sohn”-so-lieb-und-bringen-ihm-Malen-bei-Bullshit ohne extreme Kotzanfälle überstehen kann, was mir leider nicht möglich war, und dann außerdem noch tonales All over the Place zumindest ab und mag, was ich ebenfalls bis auf ganz wenige Ausnahmen überhaupt nicht tue, dann würde ich sagen, dass vielleicht 5-6 Punkte drin sind, jedwede Form von Trashfaktor (vor allem für den Gangster-Villain mit seiner göttlichen Synchro) und Guilty Pleasure miteingerechnet. Jeder der mehr gibt kriegt es mit mir zu tun!

      • http://www.enoughtalk.de jacker

        Ich fand es spannend die kurze Sendung von Schöner Denken dazu zu hören:
        http://schoener-denken.de/blog/chappie/

        Da war für zwei aus der Runde wohl der Trash-Faktor vorhanden und entscheidend, während andere ihn wie du einfach nur schlecht fanden. Polarisiert wohl…

        • SecondUnitTamino

          Ich bin einfach auch jemand, der mit modernem Trash für gemeinhin wenig anfangen kann – besonders im Sci-Fi-Bereich. Ich mag da viel lieber extrem billig produzierte Sachen aus den 80ern ala SPACE MUTINY, den ich neulich mit Deekin entdeckt habe^^ Hier ein keliner Ausschnitt, vor allem das Ende ist sehr dramatisch^^

          https://www.youtube.com/watch?v=tGGQ1YXDd-c

          Die Frage ist eben, ob man CHAPPIE wirklich als Parodie, Sci-Fi-Homage oder sogar als bewussten Trash sehen kann. Die übertriebenen Charaktere, vor allem der Villain (mit seiner herrlichen Synchro), gehen da klar in die Richtung. Dazu passt meiner Meinung nach aber diese ganze melodramatische Scheiße einfach mal gar nicht. Und wie ich in der Sendung schon stark betont habe: das sind nicht nur 10 Minuten im Film. Diesen Aspekt des Films hätte man KOMPLETT streichen müssen, damit ich möglicherweise an dem übertriebenen Spektakel Spaß hätte haben können. So wie der Film ist, habe ich seinen Gag jedenfalls nicht verstanden, wenn denn einer da gewesen sein sollte. Es passiert halt ein Haufen Bullshit, vor allem am Ende als dann der klassischen Sci-Fi der Mittelfinger gezeigt. Aber irgendwie reicht mir das als Gag nicht.

          Damit etwas bewusst Schlechtes nicht einfach nur schlecht ist, muss halt noch etwas “Weiterführendes” geliefert werden. Und das hat der Film einfach nicht getan. So sind für mich Plot Holes einfach Plot Holes und dumme Charaktere sind dumme Charaktere. Ich find halt auch Sharknado nicht lustig, dafür bin ich einfach zu sehr Fan von richtigem Trash. Und so fühlt sich CHAPPIE für mich auch an: Trash für Leute, die nicht wissen, was lustig an echtem Trash ist. Alles läuft 150% und ist dadurch bestenfalls anstrengend und schlimstenfalls offensive.

  • Rafbird

    Wow, Tamino sollte sich unbedingt EX MACHINA angucken. So einer guter AI Film. Das perfekte Gegenbild zu Chappie.