Second Unit #147 (Die sieben Samurai)

Die Suche nach dem “Besten Film aller Zeiten” führt uns in dieser Woche nach Japan und in das Jahr 1954. Wir widmen uns Die sieben Samurai (Amazon-Link*) in der deutschen Fassung. Außerdem: Was heißt es, Filme ernst zu nehmen? 

Tamino hat uns in dieser Woche mit einem Pfirsich-Saft vitaminreich versorgt.

[YouTube Direktlink]

Der Film stammt aus der Feder und dem Kopf von Akira Kurosawa, der das Drehbuch schrob und die Regie übernahm. In den wichtigsten Rollen sind außerdem Toshirô Mifune als Kikuchiyo und Takashi Shimura als Kambei Shimada zu sehen.

In unserer Diskussion versuchen wir uns dem Film über die verfilmten Themen und die für uns besten Momente zu nähern. Dabei holen wir aber gewaltig aus und diskutieren Taminos “Ernstnehmen” von Filmen und warum das hier zum Beispiel weniger gut klappt. Zum Schluss landen wir natürlich wieder bei der Frage nach dem “Besten Film aller Zeiten”. Wie darf der von historischen und technischen Faktoren abhängig sein? Muss der aus Hollywood kommen? Wie gehen wir mit kulturellen Unterschieden und unseren Sehgewohnheiten dabei um? Fragen über Fragen, zu denen wir ma wieder kaum Antworten finden können.

In der nächsten Woche widmen wir uns eurem Hörervorschlag zum “Besten Film aller Zeiten” (oder zumindest unserer Auswahl aus diesen Vorschlägen): L.A. Confidential (Amazon-Link*).

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[Teaser-Bild: by Pascal]

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  • http://www.wiederauffuehrung.de MMeXX

    Ahoi! Was fehlt lässt sich einigermaßen bei schnittberichte.com nachvollziehen. Und Yoda ist ja tatsächlich von der Figur des Kambei Shimada inspiriert. Ich stelle mir die Sichtung echt komisch vor: Auf Deutsch und extrem gekürzt. Obwohl, mag ich mir eigentlich besser doch nicht vorstellen. :) Der scheinbar in der Vergangenheit angesiedelte Konflikt (Zerfall der Samurai, Aufstieg der Bauerngesellschaft, Verdrängen der Banditen) stellt (als eine Deutungsmöglichkeit) den Wandel Japans nach dem 2. Weltkrieg dar. Deswegen ja auch die enorme Tragweite, Tragik und Wucht in dem Schlusssatz (in etwa: “Wir haben verloren. Sie haben gewonnen.”). Geil, wie dieser riesige Komplex hier so auf den Punkt gebracht wird.Das Wechselspiel zwischen Western und speziell den Sieben Samurai ist ja enorm. Also nicht nur, dass Kurosawa davon beeinflusst worden ist, sondern er ja auch immer wieder die (US-)Regisseure inspiriert hat, die Beispiele habt ihr ja genannt.

    Für mich ist der Film immer wieder ein ungeheures Erlebnis. Das beginnt bei der grandiosen Musik und die intensiven Bilder – die Silhouette der ankommenden Banditen auf dem Hügelkamm kommt mir wieder und wieder ins Gedächtnis – gepaart mit den grandiosen Figuren. Auch die Zeit, die sich der Film nimmt (nachwachsende Haare bei Kambei), macht ihn zu einem Epos. Sicher ist es kein Film, zum ständigen Gucken. Aber ich genieße es, ihn in regelmäßigen Abständen einzulegen und mich einfach nur mitreißen. Ich hoffe, eure mangelnde Begeisterung lag hauptsächlich daran, dass ihr den auf Deutsch und gekürzt geschaut habt.

    BTW, “Possession” kommt demnächst in die Kinos. ;)

    Grüße quer über die Ostsee

  • Feliks

    Zu eurer Diskussion am Ende ist mir beim Hören eine kleine Theorie eingefallen. Nämlich, dass es vielleicht Komödien, Romanzen und ähnliche Filme sind, die bei einem lokalen Publikum gut funktionieren, gerade weil Humor, Beziehungen und Familiengeschichten mit ihren jeweiligen Besonderheiten in der Kultur verankert sind. Das würde die erfolgreichsten deutschen Filme erklären, Schuh des Manitou und Konsorten, bei denen glaube ich, ein Faktor der Bekanntheitsgrad von Bully und Konsorten ist, aber auch, dass – wie ihr bei Good Bye Lenin meintet – die Anspielungen auf die Geschichte und Politik bei einem Publikum, das damit aufgewachsen ist, besser funktionieren. Das deckt sich mit meinen Beobachtungen in Malaysia, Thailand, Philippinen, wo die Hollywood-Blockbuster neben den jeweiligen lokalen Sommerkomödien und Liebesgeschichten in den Kinos waren und ähnliche Besucherzahlen aufweisen dürften. Die Theorie ist also, dass je mehr ein Film solche Elemente aufgreift, bei denen kulturelles Vorwissen von Nöten ist, desto mehr funktioniert er vor Ort, und weniger international. Hollywood ganz allgemein ist vielleicht einfach sehr gut darin, Filme für jedermensch zu machen. Ich denke da an den Wandel von Disney in den 90ern, als bspw. mit Pocahontas und Mulan zumindest ein paar Klischees à la white protestant damsel in distress über Bord geworfen wurden.

    Und, dass Superhelden-, Katastrophen- und Actionfilme oft sehr viel weniger auf solche Vorkenntnisse zurückgreifen. Pipi-Kacka-Komödien à la Adam Sandler wohl auch. Viele dieser Filme haben so allgemeine Themes und Aussagen, dass jeder über fünf damit etwas anfangen kann. Und das muss ja nicht per se etwas Schlechtes sein. Ich schließe mich dir, Christian, an, wenn du sagst, dass es eher eine weltweite Erziehung hin zur Hollywood-Erzählweise durch eine Präsens dieser Filme gibt, als andersherum.

    Wenn ich so drüber nachdenke, weiß ich zu wenig über Bollywood und Nollywood um über diese Regionen eine Aussage zu treffen. Somit ist die Theorie ziemlich lückenhaft, aber vielleicht ist das beschriebene Phänomen, also ein möglichst geringer Rückgriff auf kulturell verankerte Thematiken bei erfolgreichen Filmen, auch ein Faktor bei den ‘besten Filmen aller Zeiten’. Also ein Film nur dann das Potential hat, irgendeine Liste anzuführen, wenn er Themen selbst etabliert und möglichst wenig Vorkenntnisse erfordert (oder wir diese Vorkenntnisse eben durch stetige Wiederholung bereits haben).

    Ansonsten bleibt mir nur, euch für – wie eigentlich immer – gelungene 1:53h Diskussion zu danken.

    • SecondUnitTamino

      Danke auch für deinen Post. Ich denke du hast hier unsere Diskussion abschließend sehr treffend auf den Punkt gebracht und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass da auch einiges dran ist.

  • Familienpapa

    Eine spannende Diskussion. Ich habe in etwa dasselbe wie ihr durchgemacht und mir nach dem Film völlig fassungslos zu erklären versucht, warum er in so vieler Munde ausschließlich Lob und auf sämtlichen Foren hohe Wertungen genießt. Ich denke aber auch, dass diese Wertungen oft nicht das widerspiegeln, was der Rezipient in dem Werk gesehen hat. Eigentlich nicht mal seine Meinung. Ich bin fest davon überzeugt, dass ein großer Teil auch einfach infantiler (oder weniger böse: jugendlicher) Eifer dabei ist. Man möchte natürlich mitreden und sich in Filmforen als großer Filmkenner geben. Am einfachsten ist das natürlich, indem man das gut findet, was andere gut finden und sich deren Meinung anschließt. In der Psychologie nennt man das – glaube ich – Ankerheuristik. Allgemein sind Jugendliche noch sehr überschwänglich und werfen mit Adjektiven wie “meisterlich” oder “genial” nur so um sich, ohne sich dessen einzigartiger Bedeutung wirklich im Klaren zu sein. Was ist denn schon meisterlich und wer kann das überhaupt beurteilen? Ich lese viele Kommentare, in denen Drehbücher gelobt werden – von 15 Jährigen. Ich möchte natürlich nicht polemisch werden, zweifle doch aber stark an der Tatsache, dass so viele Filmliebhaber tatsächlich Drehbuchschreiben beurteilen können bzw. die meisten, die es tun das Drehbuch nicht mal gelesen haben. Kommentare zur Space Odyssey bestehen fast nur aus Einzeilern wie “Meisterwerk, muss man gesehen haben.” ohne jegliche Begründung für eine Wertung abzugeben. Natürlich muss man seine Meinung nicht ständig begründen aber bei den vermeintlich besten Filmen aller Zeiten häufen sich diese Erscheinungen sehr stark. Auf IMDB lassen sich die Wertungen nach Geschlecht und Alter sortieren und tatsächlich finden unter 18 Jährige im Schnitt, dass Die Sieben Samurai 8.8/10 Punkten wert sind, also absurd hoch. Das kann ich einfach nicht glauben und bin, wie gesagt, fest davon überzeugt, dass es eine Art Gruppenzwang ist. Des Kaisers neue Kleider halt. Es muss einfach so sein. Eine Lieblingsfilmliste, in der neben 2001 direkt “Leg dich nicht mit Zohan an” gelistet wird, ist doch ein Oxymoron. Man sollte öffentlich gevotete Listen also meiner Meinung nach nicht allzu ernst nehmen – und schon gar nicht die Ratings der IMDB.
    Zum eigentlichen Film der heutigen Diskussion kann ich leider nicht viel sagen. Ich beschäftige mich sehr viel mit Japan und bin an traditionellen Filmen (landsunabhängig) immer sehr interessiert. Die Voraussetzungen waren also optimal. Der Film hätte mich aber nicht weniger kalt lassen können. Der herumhampelnde und Grimassen schneidende Mifune ging mir ordentlich auf den Keks und die Geschichte war einfach zu banal, um auf gefühlt 2 Jahre Laufzeit ausgedehnt zu werden. Ich habe mich eigentlich fast nur gelangweilt und war am Ende froh, einen weiteren “Klassiker” abhaken zu können. Ich denke, euch ging es da ähnlich.

    China betreffend hat Christian übrigens recht, aber ich würde es noch nicht als “Trend” bezeichnen. Die chinesische Regierung hat ein Limit festgelegt an ausländischen Filmen, die pro Jahr in die Chinesischen Kinos kommen dürfen. Irgendeine Klausel, die dafür sorgen soll, den Chinesischen Film nicht völlig aus den Lichtspielhäusern zu verbannen. Das wiederum sorgt natürlich dafür, dass die wenigen Filme aus den USA umso stärker besucht werden und wirkliche “Highlights” sind. Die Zensur hat dort nämlich so stark die Finger im Spiel, dass kein Chinese mehr Lust auf chinesische Filme hat. Da hat es sich gleich richtig komisch angefühlt, als auf der Berlinale letztes Jahr ein sehr zynischer Film aus China über die Leinwände flimmerte (Gewinner des goldenen Bären) und bis jetzt ist er noch nicht verboten! Die Rigidität der Regierung wird es wahrscheinlich sehr stark hinauszögern, bis sich daran etwas ändert.

    • SecondUnitTamino

      Danke für diesen ausführlichen und interessanten Post. Die Mechanik, die du in Bezug auf Jugendliche beschreibst, findet sich allerdings sicherlich auch in anderen Atersschichten wieder, vielleicht weniger stark. Ich habe auch schon oft über solcherlei “Ratingverhaltensweisen” nachgedacht und das Gefährliche bei solchen Überlegungen ist natürlich immer, dass sie nur sehr, sehr schwer empirisch nachprüfbar sind. Genau wie du sehe ich auch oft sehr abstruse Lieblingsfilmmischungen, wo man das Gefühl hat, dass einfach jemand nach Lust und Laune einen Haufen Klassiker mit völlig merkwürdigen Filmen gemischt hat – nur kann das natürlich immer auch der wirkliche Geschmack dieser Person sein (bei mir sind z. B. auch zig Trashfilme neben Klassikern enorm hoch bewertet, was für viele sicherlich auch absurd aussehen würde).

      Generell gebe ich dir aber schon bis zu einem gewissen Grad Recht. Ich habe das Gefühl, dass viele Menschen – vielleicht auch eher Jugendliche – gewisse Filme einfach lieber mögen WOLLEN als andere. Ich habe z. B. den Eindruck, dass es gewissermaßen Pflicht ist, einen Film wie FEAR AND LOATHING IN LAS VEGAS zu mögen, ja zu vergöttern, wobei das meiner Meinung nach ein ziemlicher Nischenfilm ist, mit dem nur ein recht spezielles Publikum viel anfangen können sollte (und ich ehrlich gesagt gar nichts). Es geht mir jetzt auch nicht um diesen Film direkt, nur kann ich es mir bei dem genauso wie auch bei SEVEN SAMURAI irgendwie schwer vorstellen, dass quasi JEDER den schaut, SOFORT als Lieblingsfilm empfindet und ab dann 1-2 mal pro Jahr in den Player legt und dann wieder JEDES Mal von vorne bis hinten begeistert ist. Und selbst wenn man den Film oberflächlich betrachtet gerne schaut, könnte zumindest ein wenig gewollter Stolz auf sich selbst mit hineinspielen. Frei nach dem Motto: “wie cool, dass ich, ICH, so einen Film so gerne mag, ICH habe einen echt guten Geschmack”. Vielleicht tröstet einen das dann auch mal über die ein oder andere langweilige Minute im Film hinweg. Das Bild des eigenen Selbst als großer Filmkenner und -versteher geistert dann vor dem inneren Auge umher und bläht das Ego dabei auf.

      In entgegen gesetzter Richtung kann ich ein ähnliches Verhalten bei mir selbst feststellen, und zwar, dass ich emotional negativer gegenüber Filmen eingestellt bin, die deutlich positiver in der allgemeinen Meinung rezipiert werden als ich sie empfinde. Filme wie PANS LABIRYNTH, BOYHOOD oder GRAVITY, die ich alle nicht sonderlich mochte, aber jetzt auch nicht super schlecht fand, “fühlen” sich für mich eher so an, als würde ich sie überhaupt nicht abkönnen, da ich permanent nur kompromisslose Lobeshymnen auf sie lese und daher immer das Gefül habe, dieser Meinung paroli bieten zu müssen. Da ich aber nicht zu jedem Film eine weitreichende Diskussion führen kann und will, verlagert sich der Wunsch nach einem Streitgespräch dann in Richtung Ressentiment.

      Ich möchte aber abschließend noch einmal energisch betonen, dass das, was ich hier schreibe, wirklich höchst spekulativ ist und ich es bis auf wenige, im Grunde völlig unzureichende persönliche Eindrucke bei mir und bei anderen nicht belegen kann. Dennoch sollte man auch über sowas mal nachdenken und nicht immer gleich jede Meinung als ein vollkommen von Herzen kommendes, unberührbares Geschmacksurteil betrachten. Die allermeisten Meinungen zu Filmen sind das sicherlich schon in erster Linie, aber gerade wenn es um sogenannte Meisterwerke oder Klassiker geht, traue ich dem menschlichen Beurteilungsvermögen weitaus weniger als sonst. Unerfüllte bzw. übertroffene Erwartungen, also Enttäuschungen und Überraschungen, können genauso wie “hypsterhaftes” (also im Sinne eines krampfhaft anders sein Wollens) oder übertrieben linientreues Verhalten die eigene Filmmeinung deutlich verfälschen und dadurch vielleicht sogar in größerem Rahmen gewisse Filme in ein anderes Rezeptionsspektrum verlagern.

      • Familienpapa

        Ja, empirisch möchte ich das natürlich auch gar nicht belegen. Wahrscheinlich sind sachlich gut ausgearbeitete und in die Tiefe gehende Kommentare auch oft deshalb so selten, weil die Schreiber sich bewusst sind, dass es im Prinzip Perlen vor die Säue sind auf diesen Foren und der Mühe schlicht nicht wert, wenn dann TheJoker97 (frei erfunden) nur ein “lol” darunter gibt.
        Das mit dem “mögen wollen” geht genau in die Richtung, die ich meinte. Meiner Ansicht nach ein Problem, mit dem eher jüngere Menschen konfrontiert sind. Je älter man wird, desto mehr festigt sich der Charakter. Man ist nicht mehr so jung und biegsam und kennt sich selbst. Vielleicht geht das auch nur mir so, aber über die Jahre haben sich wirklich Thematiken herauskristallisiert, die ich eigentlich grundästzlich ablehne (aus Erfahrung, nicht Ignoranz wohlgemerkt) und umgekehrt. Ich denke auch, dass man mit jedem gesehenen Film weniger tolerant und schwerer zu beeindrucken wird. “Hat man in XX aber schon besser hinbekommen” – “Kennt man ja schon aus etlichen anderen Filmen” …

        Das mit dem Stolz stimmt natürlich. Und ich muss auch zugeben, selbst davon betroffen zu sein. Zumindest mag ich Filme generell und kann mich immer darüber freuen, einen neuen, guten entdeckt zu haben. “Alte” Filme muss man sich meistens schön reden und ich zumindest bin immer enorm froh, wenn der Film selbst ein bisschen Arbeit übernimmt und es mir leichter macht, ihn zu mögen, soll heißen: Eine schöne Kameraeinstellung da, ein toller Dialog hier und es macht mich glücklicher, als die gleichen Elemente in einem neuen Film – dort würde ich sie wahrscheinlich für selbstverständlich halten. Citizen Kane ist da wohl ein gutes Beispiel.

        Noch zu dem, was Christian meinte: Ich habe ja auch von Filmfreunden gesprochen. Aber trotzdem denke ich nicht, dass das eine allzu große Rolle spielt – solange Geltungsdrang und das Wissen um den Status des Films vorhanden sind. Es gibt einfach Thematiken, die einen unter 18 Jährigen schlicht nicht interessieren bzw. emotional ansprechen können. Ein Westler, der in den 90ern geboren ist, kann doch nicht aufrichtig um eine zerfallende “Samurai-Kaste” trauern. Das ist natürlich nicht wertend gemeint. Jeder hat seine Präferenzen, ein “Like Father like Son” schaut sich als Vater in den 30ern anders als mit 15 und das muss auch so sein. Hesse hat das mal in einem Vorwort zu seinem Steppenwolf geschrieben. Ich habe die neue Version jedoch gegen die schöne 1974er Suhrkamp Edition eingetauscht und kann den Originalwortlaut jetzt leider nicht mehr zitieren. Das Buch erlebte jedenfalls eine Hochzeit in den 70ern und wurde von vielen jungen (vor allem Studenten) als Kultbuch gefeiert. Hesse äußerte sich nur dahingehend, dass das Buch von einem 50 Jährigen Mann geschrieben sei und auch von den Problemen eines 50 Jährigen Mannes handelt und er sich fragt, ob der Beifall auch wirklich auf Verständnis fußt.
        Wenn man also die Thematik ausschließen kann, dann bleibt nur noch der technische Aspekt. Aber der Mensch, der mit 18 schon ein abgeschlossenes Filmwissenschaftsstudium und praktische Erfahrung im Filmdrehen gesammelt hat, muss erst noch geboren werden. Nene, ich glaub das ‘denen’ einfach nicht!

      • http://www.privatsprache.de/ Privatsprache

        Was magst du an Pans Labyrinth nicht? =(

        • SecondUnitTamino

          So einiges :-) Am meisten hat mich die bitterböse Darstellung dieses Armeegenerals gestört. Das war halt wieder der englische König in BRAVEHEART. Ausnahmslos jedes Wort und jede Handlung das er äußert bzw. die er vollzieht waren erzböse. Furchtbar platt und stumpfsinnig. Und an einer Stelle fragt die Tocher die Mutter, warum diese jenen denn geheiratet habe und sie sagt nur: “because I was lonely” Da musste ich ziemlich lachen, das weiß ich noch genau. Ich fand die Fantasy-Szenen teilweise sehr schön gemacht, aber der letztendliche Punkt des Films war irgendwie ziemlich mau und sofort klar. Kind erlebt schreckliche Dinge und schafft sich daher eine Fantasy-Welt. Oooooooooder war es vielleicht doch real? Ohoho, wer weiß, wer weiß. -_- Dazu kommen noch einige sehr persönliche Probleme wie die Tatsache, dass der Film die ganze Zeit in dieser öden Hütte spielt und ich einfach keine Filme abkann, in denen Kinder die Hauptrolle spielen. Hassen tu ich den Film jetzt nicht gerade, aber ich fand ihn ziemlich mau und er hat mich nicht die Bohne berührt. Insgesamt schien mir das ganze auch sehr stark in Richtung LA VITA E BELLA zu gehen, der mir ebenfalls recht wenig gegeben hat. Ich find dieses ganze Thema der Erschaffung einer künstlichen Realität von/für Kinder/n insgesamt nicht sonderlich interessant.

          Hab PAN’S LABYRYNTH übrigens 4/10 gegeben, was ihn damit zum meinem Favoriten von Del Torro macht. Kann mit dem Typen einfach nichts anfangen, hab bis jetzt keinen seiner Filme gemocht. Seine ersten drei Horrorfilme kenne ich nicht, aber BLADE 2 besteht quasi nur aus Fortsetzungsklischees und verärgert mich als Fan des ersten Teils damit recht stark, HELLBOY war ziemlich mies mit dem langweiligsten, unbesiegbaren Monster ever, HELLBOY 2 einfach nur absolut schmerzhaft und bei PACIFIC RIM bin ich quasi eingeschlafen und hab’s nicht über die ersten 20 Minuten hinaus geschaft aufgrund diesen platten, seelenlosen, unendlich stumpfen CGI-Feuerwerks. Dann doch lieber TRANSFORMERS, ganz ehrlich, da kann ich wenigsten über die Dummheit lachen. Ich finde seine Filme nicht sonderlich phantasievoll und kann insgesamt kaum was mit ihnen anfangen. Ich hab kein Problem damit, wenn man seine stumpfen Actionorgien unterhaltsam findet (PAN’S LABYRINTH mal ausgeklammert), aber genau wie ich mir nicht GUARDIANS OF THE GALAXY anschauen will, gibt mir dieser moderne Stuss einfach nichts. Wenn ich leichte Action-Unterhaltung will, dann schaue ich Jackie Chan Filme oder John Woo/Ringo Lam Heroic Bloodshed Klassiker. Das sind Filme, wo mMn noch Handwerk und Seele drinsteckt und das seh ich heutzutage einfach so gut wie nicht mehr, aber die Diskussion hatten wir schon ;-)

          Bis du denn ein großer Fan von PANS LABYRINTH? Und wenn ja, warum?

          • http://www.privatsprache.de/ Privatsprache

            Ich halte Del Torro auch nicht für einen guten Regisseur und bin immer etwas sauer, weil ich durchaus Potential sehe (übrigens genau wie bei allem von Ridley Scott nach Blade Runner). Und dieses Potential hat er m. E. eben in Pans Labyrinth voll ausgeschöpft. Ich gebe dir recht, dass der General ein Archetyp ist, aber er ist eben ein Symbol für den Faschismus und wenn du an Männer wie Franco, Mussolini oder Hitler denkst, dann ist das für mich durchaus glaubwürdig und vor allem in seiner hyperrealistischen Brutalität immer wieder erschütternd. Der Unterschied zu Braveheart ist übrigens, dass wir mit der Uhr seines Vaters von Del Torro ein kleines aber sehr effektives Symbol präsentiert bekommen, dass uns gerade genug Backstory liefert, um den Charakter zu verstehen: Er entstammt einer Tradition aus Offizieren und hat Minderwertigkeitskomplexe weil er glaubt nicht an die Ehre seines Vaters heranzureichen und daher lebt er seinen Sadismus gnadenlos aus, weil er hofft, so postum den Respekt seines Vaters zu verdienen. Ferner ist er seinen Verbündeten gegenüber immer loyal und behandelt Ofelias Mutter sogar liebevoll. Der König bei Braveheart hingegen hatte mich spätestens in dem Moment verloren, als er die Bogenschützen auf seine eigenen Männer schießen ließ…

          • SecondUnitTamino

            Als Symbol funktioniert der General sicherlich besser als als Charakter, nur brauche ich in einem Drama eher letzteres. Ich sagte ja auch, dass ich den Film nicht total schlecht finde, nur kam bei mir von seinem Inhalt recht wenig an. Ist nicht so ganz meinen Wellenlänge. Das mit dem Potenzial kann ich auch durchaus verstehen. Bei Ridley Scott ist das echt bitter. GLADIATOR wollte ich auch immer viel mehr mögen als ich es tue, aber der hat einfach so viele merkwürdige Entscheidungen, das es nicht geht. Und PROMETHEUS ist halt auch ein ziemlicher Trainwreck. Geht mir bei Neil Blomkamp auch so, deswegen bin ich vermutlich immer so sauer/enttäuscht bei seinen Filmen. Hatte mich sowohl auf DISTRICT 9 als auch auf ELYSIUM ziemlich gefreut, aber bis auf die Audiovisualität war da beide Male nicht viel. Bin mal gespannt wie dieser CHAPPIE wird. Ich will mir den definitiv mit nem Kumpel angucken, um mich über depressive Roboter totzulachen. Aber wer weiß, vielleicht wird’s ja ein Meisterwerk…

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Aber auch hier muss man wieder fragen, wer diese Leute sind, die mit <18 dem Film so hohe Wertungen geben. Das muss ja kein Querschnitt durch die Bevölkerung sein, sondern scheint ja eher "Filmnerds" zu betreffen.
      Das ist ja generell so ein problem bei Ratings. Ich glaub nicht alle machen das so gewissenhaft wie Tamino und werten _alles_, was sie sehen, sondern tendenziell nur die Meisterwerke oder Gurken. Das verfälscht das Ergebnis ja aber aber wieder enorm.

  • LaLiLuLeLo

    Wenn ihr eine Moderne Variante von die Sieben Samurai sehen wollt die nahezu alle Kritikpunkte von euch nicht aufweist möchte ich euch 13 Assassins von Takashi Miike empfehlen, es ist eher eine Neuinterpretation statt Remake.

    https://www.youtube.com/watch?v=zLtlahx8zek

  • Gormenghast

    Auf diese Filmforen-Ratings kann man doch wirklich nix geben.

    Wenn User SCHLUPPSI-WUPPSI69 dem Mistkram PRETTY WOMAN die Höchstpunktzahl spendiert, womöglich noch mit der Begründung “sooooo romantisch”, sind doch alle weiteren Bewertungen dieser Person obsolet. Sollte diese Person APOCALYPSE NOW ebenfalls 10 Punkte geben…who cares???

    Dem Massengeschmack ist nicht zu trauen, frei nach Jan Delay: “Ihr mit dem Sonnenbank-Funk und hannoveranischem Rock’n'Roll, ihr wählt doch auch sonst immer das Falsche wenn ihr die Wahl habt, darum möchte ich nicht dass ihr meine Lieder singt.”

    Was ist zu halten von den Millionen fleißiger Votern, die gleichzeitig HELENE FISCHER hören, HERA LIND lesen und in KEINOHRHASEN latschen?

    Meine Lösung guten Stoff zu finden war, ist und bleibt der einzelne Kritiker, bei dem ich möglichst viele geschmackliche Übereinstimmungen finden kann – so jemandem kann man auch mal “blind” folgen und Perlen finden, immer mit dem Bewußtsein dass es die 100% Trefferquote wohl nicht geben kann, bzw. der eine Sprache spricht, der ich folgen kann.

    Wenn Tamino COMMANDO oder SINBAD OF THE SEVEN SEAS die volle Gönnung gibt, weiß ich was mich erwartet, weil ich in Gedanken in den Trash-Modus geswitcht habe.

    Wenn jacker HELGE SCHNEIDER-Filme abfeiert ebenfalls, weil auf der anderen Seite auch die “guten” Filme abgefeiert werden, und beide Personen auch nicht so inflationär mit Superlativen und Höchstwertungen um sich schmeißen.

    Nur Christian traue ich nicht mehr über den Weg nachdem er BRAZIL in Grund und Boden verrissen hat – es gibt eben ein paar Schlüsselwerke (z.B. DER PATE 1+2; THE GOOD, THE BAD AND THE UGLY; BRAINDEAD; DIE STAATSAFFÄRE) und wer die angreift hat die Berechtigung als mein persönlicher Guide through the Moviegalaxy verloren ;)

    • Gormenghast

      So…now I’m hungry…gotta eat !!

    • SecondUnitTamino

      Diesem Christian habe ich auch noch nie über den Weg getraut.

  • http://www.privatsprache.de/ Privatsprache

    @SecondUnitTamino:disqus Kannst du in deiner Definition eine Komödie ernstnehmen? Und wenn ja, welche würde dir da einfallen? Oder kommen für dich immer nur Dramen in Frage, wenn es ums ernstnehmen geht? Und da dannn halt der Unterschied zwischen Filmen, die es schaffen, dich reinzuziehen und ander die es nicht schaffen?

    @SecondUnit:disqus Dein Argument gegen Tamino, dass das Wissen um die Produktionsbedingungen eigentlich “geschummelt” ist, wenn es um die Beurteilung des besten Films aller Zeiten geht, ist ja eine sehr alte in der Ästhetik – die Frage nach dem unschuldigen Blick oder unschuldigen Auge. Ich finde sie aber vollkommen unangebracht, einfach weil du IMMER Vorwissen hast und dich nicht von allem freimachen kannst. Das fängt ja schon damit an, dass du wenigstens eine gewisse Anzahl von dir bekannten Tropes brauchst, damit du einen Film verstehen oder zumindest schätzen kannst und damit manche Filme aus fremden Kulturkreisen, die dir fremd sind, dir schlecht erscheinen, einfach weil du die Bildsprache nicht “sprichst”.

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Ich meine mit Produktionsbedingungen ausdrücklich nicht die Ästhetik! Sondern die “Behind The Scenes”-Erzählungen von Filmdrehs: Dass George Lucas beim ersten Star Wars fast im Krankenhaus landete, weil er sich übernommen hat nichts mit der Qualität des Filmes zu tun. Oder dass Coppola für Apocalypse Now ebenfalls fast zu Grunde ging sagt auch nichts über den Film selbst aus. Die Liste ist beliebig erweiterbar.
      Das Problem bei solchen Sachen ist nämlich, dass wir sie als Rezipient nicht überprüfen können. Hat Harrison Ford wirklich die “I Know”-Line in Star Wars spontan erfunden? War sie doch in Zusammenarbeit mit dem Regisseur abgestimmt? Who cares!

      • http://www.privatsprache.de/ Privatsprache

        Das habe ich durchaus verstanden, aber du kannst Vorwissen eben nicht ausblenden und es wird immer deine Beurteilung eines Films beeinflussen, warum also künstlich versuchen? Und vor allem: Wo hörst du auf? Wenn du einen dir bekannten Schauspieler in einem neuen Film siehst und merkst, dass er hier außerordentlich gut spielt, wirst du den Film wahrscheinlich besser einstufen, als wenn du noch nie irgendetwas von diesem Schauspieler gesehen hast und denkst, der ist halt immer so drauf.

        Ein anderes Beispiel, wo mangelndes Vorwissen sich sogar negativ auf dein Filmerlebnis auswirkt, ist Inglorious Basterds. Wenn du noch nie irgendwas über Tarantinos Stil gehört hast und nur die Synopsis von IB durchliest, dann wirst du wahrscheinlich sehr enttäuscht, weil du kein “ernstes” 2.WK-Drama zu sehen bekommst.

        Und damit haben wir noch nicht einmal die persönliche Dimension aufgemacht, was du mitbringst, wenn du einen Film guckst. 7Samurai hätte wahrscheinlich ganz anders auf euch gewirkt, wenn ihr ihn schon mal als Kind gesehen hättet.

        Ich bin der Meinung: Alles was du über einen Film weist, bereichert deine Seherfahrung und sollte daher mit in die Bewertung einfließen, sogar die Legenden und das Marketing…

        • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

          Du hast ja Recht und wir reden hier ein bisschen aneinander vorbei: Vorwissen ist gut! Im all for that! Schauspieler, Regisseure, egal welcher Kontext!

          Das Ding ist einfach: Das kann ich im Film sehen! Das Marketing nicht! Und die Legenden auch nicht! Und die Buchvorlage erst recht nicht! Es geht mir einfach dadrum, dass man der Film ausreichen muss, um ihn zu bewerten.

          Ein für mich passendes Beispiel dazu ist Cloverfield. ich war damals voll drin im Marketing, habe Trailer analysiert und Theorien in Foren verfolgt, was denn nun das Monster sein könnte. Das war alles sehr geil und hat mir damals auch eine ziemlich gute Seherfahrung (Tamino würde es eher “Viewing Pleasure” nennen) beschert. Das hat aber dann nur noch wenig mit dem Film selbst zu tun.

          Als ich den Film dann irgendwann mal Tamino gezeigt hat, waren wir uns beide einig: Netter Streifen, nix besonderes. Und genau das ist das Problem: Hätte ich über das Marketing argumentiert, wäre er besser. Aber das funktioniert einfach nicht mehr, wenn es weg ist. Das gibt der Film selbst einfach nicht her!

          Und wir leben leider in einer Zeit, in der man sich viel zu sehr von solchen Geschichten beeinflussen lässt. Genau das ist ja auch ein bisschen einer der Erkenntnisse aus dieser Aktion hier: Der “Beste Film aller Zeiten” muss zuallererst als Film überzeugen. Dann können wir solche Fragen stellen. Nicht anders herum!

    • SecondUnitTamino

      Das mit dem Ernstnehmen ist wirklich, wirklich schwierig auf den Punkt zu bringen. Zunächst einmal ist das eine quantitative Frage. Völlig oder gar nicht Ernstnehmen eines Filmes sind da eher die Ausnahme, kommen aber vor. Die meisten Komödien fallen für mich sicherlich raus, also vor allem solche, die sehr abgedreht sind, so ala NAKED GUN, THE BIG LEBOWSKI und Konsorten. Das sollte klar sein. Oft sind solche Filme ja auch weniger als glaubwürdige oder gehaltvolle Geschichten konzipiert und eher darauf ausgelegt, beim Zuschauer durch absurde Momente Lacher zu erzeugen. Bei Mischformen sieht das aber anders aus. Ich kann gewisse Arten von Komödien durchaus ernstnehmen, z. B. Jamurschs BROKEN FLOWERS oder Wes Andersons MOONRISE KINGDOM, aber das sind dann meistens Filme, bei denen Komödie nur eines der Genres ist.

      Das blöde am Begriff des Ernstnehmens ist eben, dass “ernst” drinsteckt und das zumindest bis zu einem gewissen Grade falsche Assoziationen weckt. Filme die ich ernstnehmen kann, müssen nicht toternst sein. Glaubwürdigkeit, Suspension of Disbelief und ein gewisser Grad von Gehalt sind oft die Kriterien (wobei letzteres im Grunde nicht zwingend erforderlich ist).

      Ein schönes Beispiel ist mir nach der Sendung noch eingefallen und zwar KICKASS. Ich hoffe den kennst du. Der Film ist auch ganz klar eine Komodie. In der ersten Hälfte geht es darum, dass in unserer Welt ein Junge wie du und ich ein Superheld sein will und sich dementsprechend verkleidet und loszieht, das Verbrechen auf seine eigene, recht stümperhafte Weise zu bekämpfen. Das ist jetzt sicherlich keine Prämisse, die man zu 100% ernstnehmen kann, aber zumindest bis zu einem gewissen Grad. Ich war im Film drin und es war angenehm lustig aber nicht völlig übertrieben inszeniert, zumindest im meiner Erinnerung (ist ne Weile her). In der zweiten Hälfte geht’s dann aber plötzlich in eine völlig andere Richtung. Es werden auf einmal ein Mädchen und ihr Vater etabliert, die wirklich Superkräfte haben und auf völlig lächerliche, 300-artige Weise Ganoven vermöbeln. Dadurch hat der Film sein eigenes Universum der ersten Hälfte völlig über den Haufen geworfen und sein ganzes Szenario ad absurdum geführt. Jegliche Form von Glaubwürdigkeit und Suspension of Disbelief meinerseits verpuffte sofort und der Film verkam zu einem belanglosen nichts.

      Das ist auch der Grund, warum MAN OF STEEL überhaupt nicht funktioniert. Einerseits völlig übertriebene Actionorgien und dann gewollt “deepe” Momente mit seinem Vadder oder in der Kirche. Das eine ODER das andere. Es muss eine gewisse Stimmigkeit oder quasi “würdevolle” Umsetzung des Inhalts da sein, sonst kann er keine Emotionen bei mir erzeugen. Die alte Star Wars Trilogie kann ich zum Beispiel bis auf einige schlecht gealterte Momente recht stark ernstnhemen, obwohl da ein riesiger “Todesstern” durchs All segelt. Aber durch die ganze Liebe zum Detail und die gefühlte Echtheit der Charaktere können wirklich tolle, ergreifende Momente geschaffen werden wie der Blick von Luke über Tatooine zu Beginn von Episode IV oder am Ende im Todessterngraben, als er den Zielcomputer abschaltet. Kann ich die Prequels ernstnehmen? “NOOOOOOOOOOOOOOOOOOHHHHHHHHHHHHH!!!” (Ich bin übrigens immer noch absolut entsetzt, dass Paula die Stelle cool fand, wtf, WTF!?)

      Ich kann mir auch gut vorstellen, dass bei mir die Hemmschwelle fürs Ernstnehmen deutlich höher ist als bei anderen. Ich habe z. B. mal mit meinem Kumpel Hannes (gelegentlicher Gast bei uns) über John Carpenters ersten Film DARK STAR diskutiert. Er meinte, dass er das Ende dort total schön und emotional findet. Darauf erwiderte ich, dass ich diesen Film nicht die Bohne ernstnehmen könne und er trotzdem vielleicht Spaß machen könnte, ich aber niemals irgendwelche tieferen Gefühle aus ihm ziehen könne. Falls du den Film nicht kennst: der ist total billig produziert und im Grunde nicht viel mehr als ein ambitioniertes Studentenprojekt. An einer Stelle wird ein Alien ungelogen durch einen Gummiball mit angeklebten Füßen dargestellt.

      siehst du hier so ab Minute 2:40 https://www.youtube.com/watch?v=T5YTXnnQjC4

      Man kann sowas ja durchaus charmant finden, aber wie in aller Welt sollte ich in so einem Film etwas für die Charaktere empfinden oder mich in diese Welt versetzen lassen können? Der Todesstern mag zwar auch etwas albern sein, aber innerhalb des Star Universums wirkt er zumindest glaubwürdig genug, um sich in die Filmwelt fallen lassen zu können. Ich hoffe du verstehst jetzt ungefähr was ich meine und wenn ja, dann würde mich sehr interessieren, wie du das ganze bei deinen Filmsichtungen empfindest.

      • http://www.privatsprache.de/ Privatsprache

        Sehr geile Gummiballattacke! Deine Frage beantworte ich später, ich muss zur Arbeit …

      • http://www.privatsprache.de/ Privatsprache

        Ahalsoso! Ich habe da gestern lange drüber nachgedacht und dein “ernstnehmen” ist bei mir eher “faszinieren”. Ein Film, der mich reinzieht, muss irgendetwas haben, das mich fasziniert. Das sind meistens erst einmal die Bilder, aber nicht nur. Das krasseste Gegenbeispiel war da 300. Da habe ich die ersten Bilder gesehen und dachte mir: Oh, das könnte gut werden. Dann hat der erste Protagonist den Mund aufgemacht und es war aus.

        Ich glaube, ich will, dass ein Film MICH ernst nimmt. Wenn ich Shaun of the Dead sehe und sehe wie clever der mit den beiden Trackingshots am Anfang die Zombiapokalypse etabliert, dann fühle ich mich ernst genommen. Genauso bei einem ganz alten Schinken wie Buster Keatons The General. Da gibt es eine Verfolgungsjagd von zwei Eisenbahnen. Und wenn ich sehe, wie clever das gemacht ist und welche krassen Stunts Keaton da machte, dann fasziniert mich das obwohl es sowohl albern als auch von der Filmtechnik total überholt ist.

        Und andererseits fühle ich mich nicht ernst genommen, wenn bei Metropolis die total geile Filmwelt mit einer denkbar flachen Story kombiniert wird. Und das gilt dann auch für zeitgenössisches Kino: Wenn bei Babel alle Konflikte nur dadurch entstehen, dass dumme Protagonisten dumme Entscheidungen treffen, dann fühle ich mich nicht ernstgenommen, dann ist meine Faszination futsch und ich habe keine Lust mit dem Film mitzufiebern …

        • SecondUnitTamino

          Bei BABEL gebe ich dir vollkommen Recht (der hatte allerdings noch mehr Probleme), bei 300 weniger – obwohl ich dich da inetwa verstehen kann – und bei METROPOLIS gar nicht :-)

          Ich seh jetzt auf Anhieb aber nicht so richtig, wo der radikale Unterschied zwischen 300 und GUARDIANS ist, außer dass 300 immerhin einen eigenen visuellen Stil hat und letzterer eher 0815 CGI (und mich daher nicht interessiert). Dass 300 in inhaltlicher Hinsicht und vor allem bei den Dialogen ziemlich trashig ist, ist natürlich gar keine Frage, aber kannst du denn daher auch gar keine Chan/Schwarzenegger/Stallone/Van Damme Filme gucken? Das sind jetzt alles Filme, die ich natürlich nicht die Bohne ernstnehmen kann, es aber auch gar nicht muss, um sie genießen zu können. Von Faszination würde ich hier jetzt auch nicht gerade sprechen, aber eher noch als von Ernstnehmen.

          Deine enorme Abneigung gegen METROPOLIS konnte ich wirklich noch nie verstehen und in Bezug auf diese Diskussion erst recht nicht. Nur in Sachen Faszination betrachtet wäre das vielleicht sogar ein Top 10 Film für mich (insgesamt reicht es dafür aber bei weitem nicht). Dass der heutzutage nicht jedermanns Ding sein kann, versteht sich von selbst, aber wie kannst du denn im Vergleich Buster Keaton als Positivbeispiel für Faszination nennen? Ihn hätte ich jetzt mit oberflächlicher Unterhaltung in Verbindung gebracht. Wieso sollte man ihn oder Chaplin ernsternehmen bzw. sollten sie einen mehr faszinieren können als ein Film wie METROPOLIS? Das will jetzt gerade nicht so richtig in meinen Kopf rein. Das eine ist Slapstick-Comedy und die fasziniert dich, das andere ist eine ernste Auseinandersetzung mit einem ernsten Thema und die funktioniert in der Hinsicht weniger? Selbst wenn du die Story von METROPOLIS flach findest, sind die Modelle und Themen des Films nicht mal ein wenig faszinierender als (mMn stumpfer und unlustiger) Slap-Stick? Ich fürchte hier besteht noch einiges an Klärungsbedarf.

          • http://www.privatsprache.de/ Privatsprache

            Ich fand Guardians gut, aber nicht faszinierend und ich hätte ihn wahrscheinlich schon längst wieder vergessen, wenn ich mich nicht ständig vor dir rechtfertigen müsste, dass ich einen Film mag, der bei Rotten Tomatoes immerhin ein 91% fresh Rating hat!!! ;-)

            Was 300 angeht, so hat der für mich eines der dumm-dreistesten Drehbücher, die ich kenne und überhaupt nicht zu vergleichen mit Meisterwerken wie Comando oder Rocky IV! Wenn du eine dreiviertel Stunde geballten Hass zu 300 hören willst, dann hier: http://www.spaetfilm.de/episode/podcast/sf7-300/

            Aber das ganze lässt sich auch auf eine Szene zusammenschrumpfen: Weißt du noch wie der böse Senator als Veräter überführt wird? Queen Gorgo ersticht ihn vor dem Senat, dabei durchtrennt sie seinen Goldbeutel und die persischen Münzen fallen auf den Boden. Alle Senatoren und 15 Jährigen wissen daher: Okay, das ist ein Verräter. Denn Verräter tragen immer den Beweis ihrer Schuld mit sich herum! Besonders in Sparta, wo man mit Gold nichts kaufen kann, da der Staat Eisenmünzen hat!!!!!

            Das ist so armselig und ganz typisch für Zack Snyder! Die Bilder sind schön, aber meiner Meinung nach sollte man ihm Drehverbot erteilen und ich verstehe nicht, warum er immer wieder ein Studio findet um seinen Rotz in die Welt zu blasen. Soll er doch ins CGI-Department wechseln und für gute Regisseure schöne Bilder machen, aber bitte, BITTE lasst ihn keine Geschichten mehr erzählen, denn dafür ist er einfach zu dumm.

            Wenn ich jetzt noch einmal Guardians beschwören muss, obwohl der NUR ganz nett war: Da bekomme ich unseren Helden Starlord präsentiert indem der weiße, muskulöse und von Testosteron überquellende Dude in eine Szene stapft, die übrigens ganz offensichtlich eine Raiders of the Lost Ark Referenz ist. Und was macht er? Er schaltet seinen Walkman ein und fängt an zu tanzen! Das ist intelligent, da wusste jemand, dass er zwar auch nur einen belanglosen Actionflick macht, aber den zumindest mit guten Einfällen anreichert und sich selbst nicht ernst nimmt. Das ist zum Beispiel etwas, das Zacky-Baby nie könnte: Der denkt – glaube ich – immer, er macht große Kunst.

            Nun zu Metropolis, Keaton und Chaplin: Ich sehe und schätze Metropolis sehr für die großartigen Bilder und den Einfluss, den er auf das Productiondesign der Sience Fiction hatte. Aber ich kann eben nicht verstehen, wie man einen 4-Stunden-Epos schreiben kann, dessen Plott ich in fünf Sätzen zusammenfassen kann. Gerade das Geschichtenerzählen war ja im Gegensatz zu den visuellen Effekten nicht gerade erst erfunden worden, sondern schon 5000 verfickte Jahre alt! Auch Sience Fiction war ja schon ein alter Hut: So Sachen wie die Zeitmaschine oder Krieg der Welten waren schon erschienen und man hätte einfach all das Geld in einen Film pumpen können, der nicht nur schön aussieht, sondern auch eine geile Geschichte erzählt. Aber wahrscheinlich hat Zack Snyders Opa das Drehbuch geschrieben …

            Nun zu Keaton und Chaplin. Das ist auch lustig, dass ich mich “rechtfertigen muss”, dass ich diese beiden anerkannten Titanen, gut finde. ^^ Spaß beiseite, es geht ja um ernsten Slapstick: Ich glaube da ist ein Unterschied zwischen uns. Ich brauche nicht einen ernsten Stoff, um fasziniert zu sein. Sondern beziehe in meine Wertung immer auch mit ein, was ein Film will, obwohl The General eine komplexere Story als Metropolis hat. ;-) Aber in erster Linie macht der das gleiche, wie Jackie Chan: Nämlich Szenen perfekt durchzuchoreographieren und so den Witz erst zu erzeugen und das ist dann einfach gutes Kino, weil es “show don’t tell” auf Humor anwendet.

          • http://www.enoughtalk.de jacker

            Grätsche von der Seite: 300 ist wirklich nicht der Bringer, aber WATCHMEN (!!), SUCKER PUNCH und natürlich auch MAN OF STEEL sind ganz großes Kino *wegduck*

          • http://www.privatsprache.de/ Privatsprache

            Watchmen ist auch so ne Sache. Ich kann nicht nachvollziehen, warum der so gehypet wird. Ich glaube, ich habe den sogar zwei Mal gesehen, weil ich ihn wirklich mögen wollte und weil ich die Thematik super finde und mir auch vorstellen kann, dass das Comic echt gut ist. Aber der Film ist doch letzten Endes wieder nur Zack-Snyder-Dreck. Wenn mir da allerdings jemand erklären könnte, was den gut machen soll, außer den nicht erfüllten Ambitionen, dann wäre ich echt dankbar.

            Zu Sucker Punch habe ich dich doch schon mal auf deinem Blog beschimpft, weil deine euphorische Rezension mich dazu verleitet hat, den zu gucken, obwohl ich mir geschworen hatte, nie wieder oo-Snyder-Filme zu gucken. Obwohl der sicher noch der beste Snyder-Müll war. Halt nur Papiermüll und kein stinkender Biomüll wie seine anderen Filme!

            Und bei Man of Steel halte ich mich an meinen Vorsatz und werde mir den nur ansehen, wenn ihr mich in diesen Stuhl aus Clockwork Orange einspannt …

          • SecondUnitTamino

            Schöne Abneigung zu MOS, das mag man. Was WATCHMEN angeht gefällt mir der enorm gut, weil er ENDLICH (das kann ich nicht groß genug schreiben) etwas Interessantes mit der Superheldenmaterie macht. Er zeigt diese teilweise als zerbrechliche und teilweise als kompromisslose und daher allesamt sehr ergiebige Figuren, die in der STory sehr schön interagieren und sich kontrastieren. Ich mag außerdem die Verbindung vom Comic mit Noir sehr gerne, weil auch das mal eine willkommene Abwechslung zu quasi JEDEM (bis auf Nolan vielleicht) quitschi-schrilli-bunti Superheldenfilm von heute ist. Ich steh außerdem auf historische “Was wäre wenn”-Geschichten, die es mMn viel zu selten gibt. Die Figuren des Dr. Manhatten und des Ozymandias (dem superschlauen Kopf) in Verbindung auf das Ende sind außerdem philosophisch sehr interessant. Das Ganze dann verknüpft mit einem visuell prägnanten Stil ergiebt eine runde Filmerfahrung, die für mich NICHTS, ich Wiederhole NIIIIICHTS mit SUCKER PUNCH oder MAN OF STEEL zu tun hat. Hier ist Snyder eben auch zu 0% für den Inhalt verantwortlich gewesen und dann kann da auch was draus werden.

            Mich persönlich stört leider einzig die Musik ziemlich stark, weil ich diese Songs an sich einfach echt nicht abkann. Hatte auch nicht das Gefühl, dass sie sonderlich gut passten, was mich bei Filmen wie APOCALYPSE NOW oder DONNIE DARKO solche Stücke sogar mögen lässt, obwohl ich sie mir NIEMALS so anhören würde. Dafür schlägt mein Herz zu sehr für Metal. Aber ansonsten finde ich WATCHMEN einfach super. Hab dem 8,5 oder 9 gegeben, was für meine Verhätnisse eine ziemliche Hausnummer ist und gerade im Vergleich zu meinen ganzen 2 und 3 Punkten für den meisten Marvel-Schrott ziemlich nach oben raussticht.

          • http://www.enoughtalk.de jacker

            Was an WATCHMEN inhaltlich toll ist, beschreibt Herr T. über mir sehr gut. Das geht aber aus Alan Moore zurück, denn der Film überträgt 1:1 die Graphic Novel (hab ich gelesen, sind ohne Abstriche 10/10). Der Knackpunkt ist wohl, dass ich Snyder’s Inszenierung und audiovisuellen Stil im Gegensatz zu dir nicht als “Dreck” sondern als “Gold” bezeichnen würde. Nirgendwo sind CGI-Orgien a) so großartig in Szene gesetzt und b) so perfekt in den Gesamt-Stil eingearbeitet.. Kann SUPES vs BAT gar nicht erwarten ;)

          • SecondUnitTamino

            bei WATCHMEN sind wir uns einig, aber bei dem anderen Palaber deinerseits muss ich mal ganz fix meine schnellste links-rechts-Combo rausholen, damit du dich beim nächsten Mal nicht mehr wegducken kannst!

          • http://www.enoughtalk.de jacker

            Dir ist aber klar, dass du MOS dann noch mal gucken musst? Gegen dein Gedächtnis, in dem du dir den Film immer noch und noch und noch schlechter gebogen hast, kämpfe ich nicht ;) Ich gucke den dann genüsslich zum 4., 5. oder 10. Mal und knie vor Snyder nieder, hrhr!

          • SecondUnitTamino

            Die erwähnte Szene aus 300 habe ich noch all zu gut im Kopf, da ich die ziemlich lustig finde, eben weil sie offensichtlich überhaupt keinen Sinn ergibt. Das fühlt sich für mich halt wie ein Arnie-Streifen an, der natürlich inhaltlicher Murks ist, aber dabei trotzdem unterhaltsam ist. Eine solche Szene wäre natürlich das Todesurteil für jeden Film, den ich auch nur halbwegs ersntnehmen will, aber hier ist es voll ok. So mega geil finde ich 300 jetzt auch nicht, aber er hat für mich genug, um aus der Masse an belanglosem CGI-Schrott herauszustechen, wie z. B. auch DREDD. 300 ist dumm, klar, aber er ist nicht belanglos wie so gut wie jeder Marvel-Film. Ich brauch keine “cleveren” Indiana Jones Referenzen, mir reicht ein herzensfrohes “THIS IS SPAAAAARTA!!!” 300 ist halt kein Play-it-safe, sondern der pathetische und stilisierte Action-Overdrive. Das unterhält mich. Bäume und Waschbären find ich da im Vergleich ziemlich öde.

            Zu Keaton und Chaplin. Ich habe nie irgendwas von “gut” oder “schlecht” finden gesagt. Keine Ahnung, wieso du jetzt damit anfängst. Es ging mir um deine Vokabel der Faszination, denn die bedeutet für mich anscheinend etwas total anderes als für dich. Ich würde halt neimals sagen, dass ich NAKED GUN in irgendeiner Weise faszinierend finde, auch wenn es meine Lieblings-Comedy ist. Faszination empfinde ich in einem Film, wenn er neue Welten erschafft, eine unvergleichliche Atmosphäre hat oder beeindruckende Charaktermomente zeigt. Wenn ein Film in Hinsicht auf das was er will funktioniert, nenne ich das doch nicht faszinierend. Eine solche Benutzung des Wortes fände ich enorm verwirrend, das wäre ja schon fast so inflationär wie bei Spock^^. Oh, ein Löffel mit dem man Suppe vom Teller zum Mund führen kann: faszinierend. Ne, da verstehe ich was anderes drunter. Das was du hier beschreibst würde ich eher “zweckmäßig” oder “effektiv” nennen. Faszination kann sich doch nur einstellen, wenn etwas über seine Grenzen hianus eine besondere Wirkung auf dich erzeugt und da ist Slapstick wohl das allerletzte auf der Welt, was ich damit in Verbindung bringen würde (und wie gesagt: völlig unabhängig von der Bewertung desselben).

          • http://www.privatsprache.de/ Privatsprache

            Ich find das in Metropolis halt alles so abgeschmackt und pathetisch. Du hast Recht, dass sich der Plott in anderen Filmen auch leicht zusammenfassen lässt. Der Unterschied für mich war, dass ich den Plott von Metropolis schon vorhersagen konnte weil der meines Erachtens eben nur aus Klischees besteht, während ich zum Beispiel bei Alien nicht den geringsten Schimmer hatte, was mich erwartet. Und Blade Runner und 2001 haben eben mehrere Schichten, die ich interpretieren kann. Was finde ich da bei Metropolis? Pustekuchen. Aber ich will dich auch gar nicht davon überzeugen, dass das ein schlechter Film ist, der passt schon. Ich habe halt nur persönliche Probleme mit dem. Ich habe den im Studium hoch und runter durchgekaut und halt einfach nie verstanden, was außer der wegweisenden Optik da jetzt so toll dran ist. Ist halt kein Film für mich.

            Der direkte Vergleich von Commando und 300 war jetzt vielleicht nicht das stärkste Argument, das ich je gebracht habe, das sehe ich ein. ^^ Ich glaube, da spielt einfach zuviel Nostalgie und Smypathie hinein, als dass ich da ein objektives Urteil fällen kann.

            Und 300 *tiefer existentieller Seufzer* … Ne, ne, ne. Wie schon gesagt: Die Bilder sind Spitze, auch die Action, das ist alles nicht mein Problem. Aber ansonsten beleidigt mich der FIlm einfach auf so vielen Ebenen als intelligenten Menschen, dass ich ihn einfach nicht als flachen Actioner genießen kann. Außerdem: Ich bin wirklich kein so großer Marvel-Fan!!!! Versprochen!!!!!! ^^

            Und Chaplin oder Keaton liegen für mich einfach auf einer ganz anderen Ebene als etwa die Nackte Kanone. Und ich wollte dir auch nicht unterstellen, dass du die schlecht findest. Ach, ich weiß auch nicht, wie ich das erläutern kann. Wenn wir nicht schon 200 Filme im Voraus ausgebucht hätten, würde ich sagen, ich nerde mich da mal mit einer Folge Spätfilm rein, damit ich erklären kann, was mich an denen fasziniert.

            Und um mich hier jetzt abschließend noch einmal komplett zu diskreditieren, fordere ich dich und Arne noch einmal komplet ohne jeden Kontsxt auf auf, Frozen zu gucken. Denn der ist wirklich gut! Ernsthaft!! ^^

            https://www.youtube.com/watch?v=L0MK7qz13bU

          • SecondUnitTamino

            Du darfst mir sehr gerne unterstellen, dass ich Chaplin oder Keaton nicht mag, denn das stimmt total :-) Ich find’s echt super knuffig, dass du immer wieder FROZEN so lobst, denn für mich wär der sicherlich die reinste Folter.^^ Hab dir zu Liebe jetzt zum ersten Mal diesen Song angehört, aber ich sag dir lieber nicht, was ich dem Song für ein Rating geben würde. Ist sicherlich netter, wenn die Kids sowas singen statt Justin Bieber, aber ich bin dann doch leider keine 5 mehr… Die Tante sieht irgendwie ein bisschen aus wie meine Freundin, aber wenn sie das hört, dreht sie mir garantiert den Hals um. Ich muss mich übrigens leider auch in der Weise outen, dass ich anscheinend fast nie weiblichen Gesang mag. Nicht falsch verstehen, Frauen sind top und so und ich schau auch gerne Damenturnen, aber in Sachen Gesang treffen diese Wesen leider selten meinen Nerv. Aber irgendwie glaube ich auch nicht so ganz, dass man einerseits die FROZEN Songs singen möchte und gleichzeitig Meshuggah als Lieblingsband haben kann. Tja, die musst du dir dann wohl jetzt auch wenigstens einmal anhören – “zur Strafe”. Dieser Song ist einer meiner liebsten überhaupt. Hat in der ersten Hälfte eines der massivsten und eingängigsten Riffs die ich kenne – wie üblich mit leicht arythmisch angepassten Drums – und geht in der zweiten Hälfte in eine ruhigere und grenzenlos schöne Melodie über. Das ist quasi die Krone des Metal. Sowas würde deine Prinzessin ziemlich aus den Socken hauen!

            https://www.youtube.com/watch?v=LmVzqjycA-o

          • Gormenghast

            Je komplizierter, desto besser?

            Ist ein 15/33 Takt besser als ein 4/4?

            Muss man bei Math-Metal mitzählen?

            Versteh mich nicht falsch, jeder Mensch der nicht Charts Grütze hört ist wertvoll!!

            Das hier ist Mindfuck…Headcheese…whatever

            Die Jungs können ALLES an ihren Instrumenten, schon klar…aber wo wollen sie hin???

            Sture Taktklopperei

            Sie könnens, sie machens

            Würde mich mal interessieren was du von CAPTAIN BEEFHEART hältst

            besonders von TROUT MASK REPLICA

            ähnlich unzugänglich für ungeübte Ohren

            aber auch ähnlich schwierige Rhythmen

          • http://www.privatsprache.de/ Privatsprache

            Ich mag das Ende von dem Song …

            Ich höre mir durchaus gerne mal Metal an, wenn auch eher melodiösere Spielrichtungen als so sehr technische. Am liebsten allerdings den pompösen 80er-Metal^^. Aber mein Lieblingsstück im Metal ist allerdings:

            https://www.youtube.com/watch?v=WAbI7nds1qo

          • http://www.enoughtalk.de jacker

            SOAD sind ein ganz großer Spaß!

          • http://www.enoughtalk.de jacker

            Puh, Daniel. Das war ja jetzt ein Start in den Tag… Der Song bringt perfekt auf den Punkt, wieso ich bei Musicals zu viel bekomme. Dieses aufgesetzt expressive mit Anlauf, das dominante Geklimper im Instrumental und die fast ausschließlich auf Inhalts-Vermittlung hin geschriebenen Texte. Da will ich nur weg laufen und mir die Ohren zu halten :(

            Und ob der Ausschnitt nun wirklich mit dem üblichen DISNEY Prinzessinnen Ding bricht, bezweifle ich ja – klar singt die davon, diesen ganzen Kram nicht mehr mitmachen zu wollen, aber die Konsequenz ist doch lediglich, dass sie eine Transformation von der blonden Barbie im Stoff-Kleid zur blonden Barbie im Eis-Kleid durchmacht.. Das sagt Kindern doch nur: du darfst gern dein Ding machen, aber blond, schlank und elegant bleibst du bitte dabei. Sind natürlich nur Mutmaßungen, ich kenne den ganzen Film ja nicht.

            Höre jetzt erstmal PAGAN POETRY von Björk ;)

          • http://www.privatsprache.de/ Privatsprache

            Gnihihi! Ich kann schon verstehen, dass man das nicht so toll finden kann, ich bin da durch meine Tochter (7) halt gebrainwashed worden.^^

            Und was du über die Optik sagst, war genau mein Gedanke, als ich im Kinosaal saß. Ich dachte auch: Na super, die nächsten Disneyprinzessinen mit Modellmaßen, die sich verlieben und am Ende heiraten dürfen. Aber das ist ein Trick, den diesmal verarscht dich Disney total!

            Schau dir mal die Confused Mathew Kritik an oder lies ein paar Artikel bei Badass Digest zu dem Film. Es geht nämlch allen so, dass sie erst denken: Okay, wieder so ein Genre-Gewäsch von Disney, bis dir dann irgendwann klar wird: Moment, hier läuft etwas anders als sonst.

            Aber natürlich muss man sich auch auf das Genre einlassen können und wenn du von dem Lied schon genervt bist, dann werden dich die anderen 33 Quadrillionen Songs in dem Film erst recht ankotzen^^

          • http://www.enoughtalk.de jacker

            Ich finde das auch total knuffig, wie du mich/uns nun schon zum erneuten Mal zu dem Film überreden willst, aber egal wer noch alles sonstwie gut drüber spricht, so lange ich keine 7 jährige Tochter habe, die mich da in Zugzwang bringt, gucke ich den nicht ;) Wobei.. Das gucken von solchem Kram mit der Tochter disponiere ich dann an meine Freundin. Ich guck dann wenn sie 10 ist mit ihr ALIEN, muahahahahahaha!

          • http://www.privatsprache.de/ Privatsprache

            Und von Björk bitte “It’s oh so quiet”:
            https://www.youtube.com/watch?v=BF9TjbdJyUE

          • SecondUnitTamino

            Also wenn ich sowas hören muss, dann hole ich meine Kettensäge raus und lauf Amok. Dann doch lieber FROZEN auf Dauerschleife.

          • http://www.enoughtalk.de jacker

            Nee, eben nicht. Das ist A) viel zu Musical-mäßig (haha) und B) noch aus der frühen Björk-Zeit. Damals war ihre Musik zwar schon gut, aber noch (relativ) konventionell. Seit vielleicht schon HOMOGENIC, aber eher VERSPERTINE ist die Kombi aus verfrickelter Electronica und traumhaftem Gesang endgültig nicht mehr in Worte zu fassen. VERSPERTINE ist so unglaublich. AN ECHO A STAIN, PAGAN POETRY, HIDDEN PLACE, etc. etc. Nur unglaubliche Songs drauf! Und auf den letzten zwei Alben ist eh Ende – Sich Produzenten wie Arca, Current Value und 16Bit gefügig zu machen spricht für sich ;)

          • http://www.enoughtalk.de jacker

            “Don’t break Radio silence until all hell breaks loose”

  • http://www.enoughtalk.de jacker

    So, die SIEBEN SAMURAI habe ich nicht gesehen, die Sendung habe ich mir aber trotzdem mal angehört. Ich kenne von dem Herren Kurosawa bis jetzt nur RASHOMON und DAS SCHLOß IM SPINNWEBWALD (letzeren nur halb) und war von beiden nicht wirklich begeistert. Allerdings teile ich die von euch geäußerte Vermutung, dass Kurosawa immer wichtige Themen in seinen Filmen verpackt. RASHOMON z.b. behandelt die subjektive Wahrnehmung des Menschen und daraus resultierend den Wahrheitsbegriff sehr intensiv. Diese Betrachtungen sind gelungen, der Film hat mich aber inszenatorisch einfach nicht gepackt und mir daher trotzdem nicht gefallen – kam vom Viewing-Pleasure nicht über 4/10 hinaus.

    Die Aussage, dass Schwarz/Weiss ja primär erstmal ein Makel ist, war natürlich überhöht, das ist mir klar, allerdings empfinde ich es ganz im Gegenteil zum Vergleich Ton- & Stummfilm eher als Stilmittel, ähnlich wie Fincher seine Filme Orange- oder Blaustichig inszeniert. Man kann das ja bewusst nutzen, um einen Fokus zu lenken, oder eine Ästhetik zu erzeugen, deswegen werden es auch heute und in Zukunft immernoch Leute nutzen (genau wie immer in 2D gedreht werden wird, egal wie sehr sich 3D (hoffentlich nicht) durchsetzt). Ich gehe so weit zu mutmaßen, dass S/W auch genutzt werden würde, wenn von Anfang an Farbfilm möglich gewesen wäre.

    Am liebsten mitdiskutiert hätte ich bei der Frage des “Ernst nehmen von Filmen”. Ich glaube nämlich, dass ich relativ genau verstehe, was Tamino meint(e). Ich mache diese Unterscheidung nämlich in gewisser Weise genauso (wenn auch sicher nach anderen Kriterien). Für mich gibt es Filme, die reine Unterhaltung sind, deren Primärziel beim Schauen Spaß/Thrill ist und deren Wirkung mich nicht dazu veranlasst, mehr in ihnen zu sehen, als diese 1,5 bis 2,5h mir AKUT beim Schauen gegeben haben. Im Endeffekt können sich diese Filme viel mehr Mist/Unsinn/Ungereimtheiten raus nehmen, die ich ihnen wohlwollender verzeihe, weil cih sie eben weniger “ernst nehme”, unterm Strich kann aber auch kein Meisterwerk raus kommen. Filme die ich “ernst nehme” vermitteln mir, dass sie an mehr als der Erzeugung einer ganz netten Zeit interessiert sind. Ich habe dann direkt das Gefühl, es stecke mehr in ihnen, was ich erkennen oder suchen soll. Das kann vieles sein: Übermäßiges Herzblut der Macher, tiefgreifende Themen, die ich reflektieren soll, etc. Die richtigen Worte finde aber auch ich hier nicht. Ich glaube in Summe muss ich das Gefühl haben, dass die Macher mit tatsächlich etwas erzählen wollen und deshalb alles versucht haben ihr Werk so stringent und wasserdicht wie möglich zu gestalten. Der Unterschied zwischen ernstem Film und einem Film, der ernst genommen werden will ist aber enorm, denn das hat beides nichts miteinander zu tun.

    Nun ein wenig zu den internationalen Filmen: Ob die größte Baseline weltweit tatsächlich flächendeckend Hollywood ist, stelle ich mal in Frage. Ich bin zum Beispiel mal mit einem indophilen Kinofreak zu dem Thema aneinander geraten, weil ich eine Musical-Passage in nem Tarsem Singh Film als “Bollywood” gebasht habe, woraus aber eine gute DIskussion entstanden ist, in der er mir unheimlich viel über die filmische “Parallelgesellschaft” dort erzählt hat. Ein paar Auszüge (der anfangs wütende Ton war situationsbedingt):

    “Nicht nur, dass du mal wieder dem generell verklärten Tenor folgend Indien mit Bollywood gleichsetzt, obwohl es doch noch 11 andere Filmindustrien nebst einer blühenden Independentfilmszene in diesem Land gibt, sondern im Subtext indischen Filmemachern generell unterstellst, nur Musicals zu inszenieren, obwohl es genügend Regisseure gibt, vor allem im Land selbst und weltweit, die dies eben nicht tun.”

    “Die Bezeichnung Bollywood ist sicherlich richtig, wenn man sich auf die Filme bezieht, die auf RTL2 liefen, denn es ist die anfangs westlich geprägte, heute eher allgemeingültige Bezeichnung des Hindi Cinema, der hindisprachigen Filmindustrie in Nordindien. Beim Reinschnuppern sollte man aber auch das Ganze hinterfragen, ob das Gesehene nun auch wirklich das gesamte Bild einer Filmnation widerspiegelt. Und das tun die Filme, die auf RTL2 liefen und nur einen Trend widerspiegeln, der um die Jahrtausendwende aktuell war, sicherlich bei Weitem nicht, zumal Indien auch noch den größten Filmoutput und die komplizierteste inländische Filmindustriestruktur der Welt hat!
    Irgendwie scheint auch ganz schnell meine Aussage hier wieder vergessen zu sein, dass eben nicht nur Musicals im indischen Mainstream gedreht werden und es zudem auch noch das Parallel Cinema, das Independentkino, gibt, das generell auf die Mechanismen des von den 12 Filmindustrien hergestellten massentauglichen Masalafilme zu verzichten versucht. Um sich eine fundierte Meinung über das indische Kino bilden zu können, gehört also etwas mehr, als ein paar Klischee-Filme auf RTL2 (nur auszugsweise) zu sehen. Nach deinem Wissensstand zu urteilen, hast du scheinbar auch nicht die erst kürzlich hier bei MP erschienene, erstmals fundierte Artikelserie zum Indian Cinema verfolgt, die ich dir hier noch mal gerne ans Herz legen würde, um von diesem ganzen dumpfen Falschwissen wegzukommen und ein wirkliches Reinschnuppern zu beginnen. Teil 1: bit.ly/XsbIRx Teil 2: bit.ly/U8nwZM Teil 3: bit.ly/11Ym00K Teil 4: bit.ly/XvVwOo”

    Dann kochte das etwas hoch, es ging genau um die Frage des Sichtwinkels bei der Rezeption und jemand anderes bekam noch die Antwort: “Sicherlich ist ein fehlerhaftes Rezeptionsverhalten Fakt und nicht Fiktion, wenn man sich bei der Aufarbeitung eines durch und durch von einer fremdländischen Kultur durchzogenen bzw. diese massiv widerspiegelnden Filmwerks nur von westlichem Denken leiten lässt. Dies trifft ganz besonders auf die südasiatische/indische Filmwelt zu, die einzige Bastion, die Hollywood und der damit einhergehende westliche Kulturimperialismus/die Art und Weise des westlichen Filmemachens bisher nicht nehmen konnten. Somit ist es auch völlig blödsinnig, indische Filme oder deren Stilelemente gleich einem Hollywoodfilm zu rezipieren. [...] Und damit zum falschen Rezeptionsverhalten: Dass Subjektivität in die Wahrnehmung eines Films einfließt, will ich doch überhaupt gar nicht in Abrede stellen, denn das ist bei mir genauso. Doch sie muss und sollte erst sekundär in die Beurteilung einfließen. Eine Interpretation der Lyrik oder Prosa eines Goethe oder Schiller kann doch auch nicht einfach mal so stattfinden, ohne dass man um die gesellschaftlichen, historischen und persönlichen Hintergründe weiß, die in das Niedergeschriebene einfließen, genauso wenig wie die Analyse eines historischen Textes. Ich versuche es mal an einem völlig abstrakten Off-Topic-Beispiel zu erläutern. Wenn ich in einem ganz normalen Wohnviertel mit ganz normalen Einfamilienhäusern aufgewachsen bin, (theoretisch-abstrakt) bisher nichts anderes kennengelernt habe und diese aus meiner Erfahrung heraus als ansehnlich und normal empfinde, nun aber aufgefordert werde, meine Eindrücke von einer Windmühle wiederzugeben, einer völlig anderen Gebäudeform, die ich so zuvor noch nie gesehen habe, kann ich doch auch nicht einfach per se behaupten, dass das ein scheiß Gebäude ist. Erst einmal muss ich mich damit auseinandersetzen, warum dieses Gebäude denn so anders aussieht als das elterliche Einfamilienhaus, was die Flügel da zu suchen haben, welche Funktionalitäten hinter dem Äußeren und Inneren einer Windmühle stecken. Erst wenn ich dann auch noch andere Windmühlen gesichtet habe, kann die Subjektivität folgen und ich Vergleiche ziehen, dass die eine Windmühle vielleicht einen viel schickeren Baustil als die andere hat und nicht so verfallen, sondern gepflegt wirkt, etc. … Indische Filme beurteile ich ebenso subjektiv und bin dabei nach meiner Auffassung noch recht streng im Gegensatz zu anderen, die das indische Kino abfeiern, doch meiner subjektiven Beurteilung der Qualität des Films geht das Wissen um die Bedeutung der sehr eigenwilligen, kulturell bedingten Stilelemente und deren erzählerischer, verbaler wie nonverbaler Sinn voraus, die so in kaum einer anderen, vom westlichen Inszenierungsstil mehr vereinnahmten Filmnation anzutreffen sind, und gerade deshalb der besonderen Aufmerksamkeit bedürfen. Und genau so müsste es laufen.”

    Mittlerweile glaube ich auch, dass Prägung einen riesigen Einfluss hat und dass der durchschnittliche Filmschauer so seine Startprobleme hat. Ich habe aber bei mir gemerkt, dass solche Konditionierung glücklicherweise nicht irreversibel ist. Ich habe eine Weile geübt und möchte mittlerweile das asiatische Kino am wenigsten von allen missen, wohingegen mich Hollywood zwar nicht ankotzt, aber ob seiner Gleichförmigkeit kaum noch in wirkliche Verzückung versetzt. War von euch übrigens eine ertragreiche Diskussion dazu! Als konkreten Bezug zu SEVEN SAMURAI fällt mir bereits etwas zum kulturellen Hintergrundwissen ein: Was einem vielelicht als Westler schon entgeht, ist die Brisanz des Verhältnisses von Bauern und Samurai. Eine ganze Weile haben im 15. und 16. Jhd. die Samurai nämlich eher eine Art Gewalt-Diktatur auf den japanischen Inseln geführt. Das Bauernvolk hatte im Vergleich keine Rechte und Samurai stand es frei nach belieben derartige “Untermenschen” zu töten – zum Beispiel um die Schärfe ihrer Klinge zu prüfen (kein Witz). Aus der Angst vor den Samurai hat sich dann als tödliche Selbstverteidigung im stillen Kämmerlein Karate entwickelt, um schlecht gelaunte Samurai effektiv ohne Waffen (die Bauern nicht haben durften) zu töten, bevor man selbst getötet wurde. Vielleicht ist das hier ja auch ein Punkt in dem Miteinander der Dorfgemeinde und der Ronin?

    • SecondUnitTamino

      Dass mit dem Scharz/Weiß-Thema sehe ich echt nicht so wie du. Ich kann da natürlich auch nur mutmaßen, aber mir scheint die Idee ehrlich gesagt enorm abwegig, wenn es keine Notwendigkeit gewesen wäre. Für mich geht das so in die Richtung, einen Film mit invertierten Farben zu zeigen. Vielleicht würde das einmal jemand in zwanzig Jahren machen, so quasi als Filmexperiment, oder vielleicht mal in einer Szene, wie in 2001, aber an sich macht es für meinen Geschmack einfach keinen Sinn, gesamte Filme so “zu verunstalten”. Ich empfinde neue Schwarz/Weiß-Filme heutzutage als 99% historisch begründet und mir würde da nur ein artsy Experimentalismus als Ausnahme einfallen, der auf die Idee gekommen wäre, einen Film ohne Farben zu drehen – oder auf dem Kopf; mit einem dicken Fleck in der Mitte des Bildes etc.

      • http://www.enoughtalk.de jacker

        Ich wollte mich mal kurz und knapp ausdrücken. Aber wie du merkst, liegt mir das nicht ;) Zu meiner Verteidigung kann ich natürlich anführen, dass die Hälfte der Antwort ja nur zitiert ist…

        Was du schreibst, sagt doch aber irgendwie aus, dass jegliche Veränderung/Verfremdung der Farben im Film nicht notwendig ist (und daher eigentlich nicht passieren dürfte). Es gibt doch mittlerweile wirklich ALLES an Farbspielereien im Film. Märchen wie das ALICE Remake oder OZ THE GREAT AND POWERFUL reißen die Farbsättigung so hoch, dass jede Farbe blendet, manche Filme versuchen Farben “realistisch” abzubilden, die nächsten haben so prägnantes Colorgrading, dass die Verfremdung ganz klar überwiegt (Fincher, Tony Scott, etc.). Das ist natürlich alles ein Spiel MIT der Farbe, aber genau dies gibt eben auch in der unteren Hälfte der Skala in Richtung totaler Entsättigung. Filme wie EDEN LOG, 36 – TÖDLICHE RIVALEN oder MUTANT CHRONICLES sind bewusst so stark entsättigt, dass kaum noch Farbe übrig bleibt – bis S/W ist es da nicht mehr weit. Außerdem ist (vereinfacht gesagt) Schwarze Linie auf weißem Untergrund auch ein elementares Mittel in der Zeichenkunst, Malerei, Grafitti, etc. Auch ohn die frühere Notwendigkeit von S/W im Film bin ich sicher irgendwann hätte jemand diese Ausdrucksform als Stilmittel gefunden und dafür aus gewissen Reihen Zuspruch bekommen. Ganz sicher werden moderne S/W Filme zu Teilen auch aus Nostalgie so gedreht, aber eben nicht nur. Es kann eben auch eine REIN ästhetische Entscheidung sein (behaupte ich, da ich S/W als sehr ästhetisch empfinde!).