Second Unit #145 (Vertigo)

Und weiter geht die Suche nach dem “Besten Film aller Zeiten”! In dieser mit dem neuesten Vertreter auf der Bestenliste der Fachzeitschrift Sight & Sound: Vertigo (Amazon-Link*). 

Zu Beginn bedanken wir uns bei den Jungs von PlayTogether für die Beantwortung der Fragenliste zum LiebsterAward!

Das Getränk in dieser Woche ist die beste Cola aller Zeiten und kommt aus Hamburch!

[YouTube Direktlink]

Alfred Hitchcock ist der Regisseur dieses Klassikers, aber das müssen wir euch ja nicht erzählen. In den Hauptrollen spielen James Stewart als John ‘Scottie’ Ferguson und Kim Novak als Madeleine Elster / Judy Barton.

Wir sind beide keine großen Hitchcock-Fans, suchen aber trotzdem nach den Stärken dieses Filmes. Dabei reden wir über Scotties schwächlichen Charakter, Madeleines geisterhaften Status im Verlauf der Geschichte, Hitchcocks (meisterhafte) Blick-Strukturen und die liebevollen Details in vielen Szenen.

Zum Schluss fragen wir uns, wie zeitlos der beste Film aller Zeiten sein muss.

Nächste Woche begrüßen wir mal wieder einen Gast im Studio. Patrick besucht uns und wir schauen The Shawshank Redemption (Amazon-Link*) zusammen. Laut der IMDb der beste Film aller Zeiten.

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[Download | Länge: 2:02:32 | Größe: 59,1 MB | @2nd_Unit | Facebook.com/SecondUnit | iTunes]

[Teaser-Bild: by Jose Manuel manzintosh]

*Amazon-Partner-Links: Über diese Links gekaufte Artikel werfen einen kleinen Obolus für uns ab. Für euch ändert sich nichts, schon gar nicht der Kaufpreis. Wir bedanken uns im Namen unserer Kaffee-Kasse.

  • HolyMaster

    Für die Folge der nächsten Woche empfehle ich als Vorbereitung ganz dringend die Folge von THE CANON dazu:

    http://thecanon.wolfpop.com/audio/20669/the-shawshank-redemption

    Die Beiden beleuchten sehr ausführlich den HIntergrund des Films und vor allem, warum wie er es aus ihrer Sicht auf den Platz 1 der IMDB geschafft hat. Passt perfekt zum Thema Bester Film aller Zeiten.

    • Ralf

      Jepp, da wird wirklich sehr ausführlich erklärt, wie es zu diesem “Unfall” kommen konnte.

    • SecondUnitTamino

      Super, vielen Dank. Werde ich reinhören.

  • bernie arbuckle

    Ich bin zwar kein ausgewiesener Hardcorefan des Hitchcockschen Ouvres – dafür hab ich zu wenig rezipiert -, jedoch kann ich seine Filme auch nach mehrmaligen Schauen genießen. Was mir spontan einfällt: Cocktail für eine Leiche, Über den Dächern von Nizza, das von euch schon angesprochene North by Northwest, Psycho, Dial M for Murder, Der Mann, der zuviel wusste haben für mich dauerhafte Schau-/Unterhaltungswerte.

    Cocktail für eine Leiche kommt scheinbar ohne Schnitte aus (vgl. Birdman), die vielen ikonischen Szenen, die man mit den einzelnen Filmen verbindet (Maisfeldszene in North by Nortwest, Telefonszene bei Dial M for Murder, das Orchester in Der Mann, der zuviel…, Bates-Motel in Psycho, ), diverse Kamerashots aus der Vogelperspektive, natürlich die wirklich zeitlosen SchauspielerInnen wie Grace Kelly, Cary Grant, James Stewart etc., die Farbpsychologie (man beachte die Auswahl der Kleider und deren Farbe, auch in Vertigo) und schließlich: McGuffin und Suspense, Suspense, Suspense.

    Ich erschaudere noch immer, wenn in der letzten Szene von Psycho Anthony Perkins als überführter schizophrener Mörder Norman Bates, der vollständig in die Person seiner Mutter aufgegangen ist, in die heranzoomende oder näherkommende Kamera starrt. Die tiefschwarzen Augen sind wie ein Abgrund, in dem man hineinzustürzen droht.

    Ich denke, ihr habt das aber gut besprochen, auch wenn ihr Hitchcock nicht liebt, indem ihr festgestellt habt: objektiv ein Klassiker, subjektiv so mittel. Soviel Platz kann in keinem Herzen sein, alles zu lieben, was liebenswert ist. Auch wenn Tamino zwischendurch, ich glaube mittlerweile bereit- und mutwillig, rumtrollt, oder seine Meinung kundgibt. Was selbstverständlich eine Frechheit ist. I’m seriously offended! But message confirmed: You like what you like, und you don’t like what you don’t like. It’s alright, kids.

    • bernie arbuckle

      Noch ein Nachtrag: Ihr erwähnt Seven und den Genuss, den besonders Tamino noch immer empfindet, obwohl doch mit dem Wissen um die Lösung des Falls eine Unterhaltungs-/Spannungskomponente beim zweiten Schauen entfällt, rein formell. Dasselbe Hitchcock-Filmen vorzuwerfen, im Gegensatz zu Seven aber eine Wiederschau eher auszuschließen, ist rein von diesem Argument ausgehend absurd. Es bleibt in vielen Szenen die Suspense erhalten (z.B. die Szene im Wald beim besprochenen Vertigo), auch wenn man das Ende kennt. Genauso wie in Seven.

      • SecondUnitTamino

        Rumtrollen und meine Meinung kundtun gehen bei mir immer Hand in Hand ;-) SEVEN ist für mich persönlich eher weniger ein Mystery Thriller als vielmehr ein philosophischer und impressionistischer Film, daher kann ich den super mehrmals schauen. Sehen aber anscheinend wenige in erster Linie so bei dem Film.

        • bernie arbuckle

          Jetzt musste ich mir erstmal anlesen, was das Impressionistische im Film im Allgemeinen bedeutet, um mir dann einen Eindruck *tusch* bei Seven zu verschaffen, was du meinen könntest. Kurzum: Kann ich nachvollziehen. Aber da bist du bei Hitchcock, vor allem Vertigo, prinzipiell auch gut aufgehoben, was die Analysearbeit angeht. Wie gesagt, allein die getragenen Kleider der Madeleine, die entsprechenden Anlässe, Situationen und resultierenden Handlungen, sind eine nähere Betrachtung wert. Die Möglichkeit, das Johnny sich das später alles nur herbeiassoziiert, hattet ihr angesprochen. Ich denke, da gäbe es noch ein paar Schichten abzutragen und damit Wiederschaupotenzial, abgesehen von Suspense.
          Well, when your heart’s not in it ;-)

  • HolyMaster

    Hallo Tamino, wie ist eigentlich deine Punktewertung zu Vertigo?

    Hier konnte ich noch nichts finden: http://rateyourmusic.com/film_collection/TheDrPepperPower/ss.dd

    • SecondUnitTamino

      6/10, hatte ich wohl vergessen einzutragen.

  • xtc123

    Ich höre ja eigentlich diesen Podcast schon lange nicht mehr…ich hab ihn ihn mal gehört..so ziemlich von Anfang an, aus Überzeugung..bis zu dem Zeitpunkt an dem ich bei fast jeder Folge dachte: haben die Jungs eigentlich den gleichen Film gesehen wie ich?..nicht, daß ich es besser wüßte..nicht, daß ich etwa mehr verstünde von Filmen, wie die beiden..aber ich merkte dann doch, daß da irgend etwas nicht stimmt..daß Christian und Tamino Filme nicht so sehen, wie ich sie sehe..und ich habe aufgehört, zuzuhören, um mich nicht weiter zu ärgern..und da sehe ich dann zufällig auf der der Hörsuppe, daß sich die beiden dann an den – nach Chaplin – Meister aller Klassen heranwagen..und ich dachte so bei mir: ..OOh OOh, daß wird nicht gutgehen..und ich bin mir sicher, daß es nicht gut gegangen ist..ich hab diese Folge nicht gehört und ich will es auch nicht..seid mir nicht böse..aber ich kommentiere hier trotzdem und irgendwie auch für HITCH…..

    LIebe Grüße…

    • SecondUnitTamino

      Ok…

  • cule0809

    Freu mich schon auf den nächsten Podcast. Habe den Film noch geschaut, da war ich sehr jung. Werde ihn nach eurer Diskussion sicherlich wieder gucken und mal sehen wie er dann au mich wirkt.

    Ich würde mich nicht so als Hitchcock-Fan bezeichnen aber ich mag die Filme schon sehr gern und Vertigo gucke ich mir tatsächlich auch schon seit einigen Jahren immer wieder mal an. Finde seine Filme sehr fazinierend, besonders im Bezug zur Person Hitchcock. Habt ihr eigentlich mal das Biopic gesehen? Wie fandet ihr den?

    • SecondUnitTamino

      Meinste den mit Anthony Hopkins? Habe gehört, dass der wohl recht schwach sein soll und ihn daher nicht geschaut.

      • cule0809

        Yo genau den.

        Naja er beleuchtet ein wenig die Hintergründe zu dem Film Psycho und fängt das auch gut ein. Besonders gut gefiel mir da, dass der Film nie Psycho spoilterte und dennoch alles gut erklären konnte und das Spiel von Anthony Hopkins war auch gut. Ansonsten hat er ein paar Längen und wie das wirklich abgelaufen sein soll weis ich leider auch nicht. Aber für Leute die sich dafür interessieren ist der Film ganz ok.

  • http://www.privatsprache.de/ Privatsprache

    Zur Frage, warum der Twist so früh kommt, gibt es von Hitch die berühmte Bomben-Meatpher:

    “And we come to our old analogy of the bomb: you and I sit talking and
    there’s a bomb in the room. We’re having a very innocuous conversation
    about nothing. Boring. Doesn’t mean a thing. Suddenly, boom! the bomb
    goes off and they’re shocked – for fifteen seconds. Now you change it.
    Play the same scene, insert the bomb, show that the bomb is placed
    there, establish that it’s going to go off at one o’clock – it’s now a
    quarter of one, ten of one–show a clock on the wall, back to the same
    scene. Now our conversation becomes very vital, by its sheer nonsense.
    “Look under the table! You fool!” Now they’re working for ten minutes,
    instead of being surprised for fifteen seconds.”
    Schleichwerbung *hüstel*: http://www.spaetfilm.de/episode/podcast/sf20-vertigo/

    Ich sach ma: Er wollte nicht zum M. Night Shyamalan werden ;-)

    • http://www.privatsprache.de/ Privatsprache

      Mit anderen Worten, er will, dass wir mitfiebern, wann Scotty es herausfindet…

    • http://www.privatsprache.de/ Privatsprache

      Oh, die Bombenmetapher bringt ihr ja später selbst … ^^ Vielleicht sollte ich erst zu Ende hören o.O

      • SecondUnitTamino

        Jap, wir machen das hier immer schön zum Mitdenken: erst bewusst “so tun”, als wüsste man es nicht, nur um dann die perfekte Antwort zu präsentieren.

        • http://www.privatsprache.de/ Privatsprache

          Mit-was?

  • http://www.privatsprache.de/ Privatsprache

    Und jetzt noch als großer Hitchcock-Fan: Die Antwort auf die Frage, was den Reiz ausmacht. Ich liebe gerade die nüchterne Perfektion an Hitch. Ich mag es, wie er mit ganz simplen Mitteln es schafft, dich zu manipulieren, wie ihr das mit der POV-Analyse sehr schön herausarbeitet. Ich mag die ganze Suspense-Geschichte: Dass er dir eben immer Infos gibt, sodass du in einer den Protagonisten überlegenen Position bist und gespannt bist, wann sie auf die Lösung kommen. Es gibt bei Hitch eben nie den Deus Ex Machina, sondern du bekommst alle Infos für die Lösung von ihm präsentiert, sodass es am Ende Sinn macht. Das spricht mich einfach an. Ich mag sehr gerne so analytische Filme.

    Und ich muss Tamino Recht geben: The Birds ist schlecht. Das war quasi der “Jurassic Park” seiner Zeit. Aber Jurassic Park funktioniert noch heute, weil Spielberg eben viel emotionaler inszeniert als Hitch und The Birds riecht nur noch nach Mottenkugeln.

  • http://www.privatsprache.de/ Privatsprache

    Einen habe ich noch … Zum Thema, was kommt überhaupt in die Frage, bester Film aller Zeiten zu sein? Da würde ich als ganz wichtiges Kriterium sagen: Ein Film, der das Medium in irgendeiner Art verändert hat. Der die Möglichkeiten erweitert hat, was filmisch darstellbar ist. Und da würde ich schon heute aus den 90ern ganz klar Pulp Fiction mit in die Auswahl nehmen. Ganz einfach weil er die traditionelle Storyline überwunden hat und heute nicht bloß jeder dritte Film das immitiert, sondern auch ein Film wie Memento ohne Pulp Fiction nicht möglich gewesen wäre …

  • http://www.enoughtalk.de jacker

    SO, nun ahtte ich gerade nen langen Text geschrieben, mich dann verklickt, weil durch irgend nen Shortcut Mozilla plötzlich im Vollbildmodus war und alles ist weg. Da tippt man den Scheiß einmal nicht in Evernote vor.. Lovely.

    Kurzform. Ich finde Vertigo großartig, weil: http://jackers2cents.de/?p=6238

    Schön, wie ihr euch in der Diskussion selbst herleitet, warum der Twist so früh kommt und somit nicht wirklich einer ist. Bei mir persönlich führt das dazu, dass ich das Verhalten der zwei Figuren danach ganz anders wahrnehme und auf kleinere Zeichen achte, die die Psychologie irgendwie vertiefen. Und ich glaube das wollte Hitch. Nicht mehr die Erkenntnis, sondern der Prozess des Erkennens ist das spannende. Hat für mich auch bei mehrfachem Schauen nichts eingebüst, im Gegenteil, jetzt wo ich wusste, wie die Eckdaten sind, hat das Verhalten im ersten Filmteil einen ganz anderen Charakter bekommen.

    Erinnere mich gerade nicht mehr so ganz, ob ihr das genau so gesagt habt, aber ich würde die These auf keinen Fall unterschreiben, dass Hitch-Filme nur zum einmal gucken gedacht sind. Da steckt so viel an Details und an Überlegungen drin, die man entdecken kann… Ich kenne zwar auch mittelmäßige Filme von ihm (z.B. TOPAZ), die ich kein zweites Mal schauen möchte, aber eben, weil ich sie generell mittelmäßig finde.

    Zu den ebsten Filmen aller Zeiten: Scheinbar kommen auf dieser Sight & Sound Liste wirklich immer nur Titel vor, denen die zeit schon eine gewisse Zeitlosigkeit attestiert hat. In diesem Fall behandelt der Film ja auch zeitlose Themen (Verlust, Selbsttäuschung, etc.) und ich wüsste nicht, was man heute anders machen sollte, wenn man ihn nun drehen würde. Mal gucken was in 50 Jahren VERTIGO ablöst. Vielleicht ist APOCALYPSE NOW dann alt genug ;)

    • SecondUnitTamino

      Jap, vor allem ich habe das mit dem nur-einmal-ansehen-Können betont. Aber wie gesagt, reines Supsense/Mystery-Kino ist einfach nicht mein Genre. Ich seh einfach nicht wo noch der Reiz ist, wenn man die Auflösung kennt. Oder genauer gesagt reichen mir die kleinen inszinatorischen Details nicht aus, um mich für mehrere Sichtungen bei der Stange zu halten. Ich werde bei Hitchcockfilmen nur durch Neugier gepackt (oder eher: sanft getätschelt). STRANGERS ON A TRAIN war bis jetzt der einizige Film, wo mir überhaupt mal ein Charakter als positiv in Erinnerung geblieben ist und in der Hinsicht am ehesten noch eine Zweitsichtung interessant machen würde. NORTH BY NORTHWEST könnte ich vielleicht nochmal gucken, weil ich den schon fast völlig wieder vergessen habe, aber andererseits könnte ich auch APOCALYPSE NOW schon wieder zur Hälfte gucken…