Second Unit #105 (Aronofsky Double-Feature: Requiem for a Dream & The Fountain)

Ein Regisseur, zwei Filme und drei Meinungen! In dieser Woche beschäftigen wir uns mit Darren Aronofsky und seinen beiden Filmen Requiem for a Dream (Amazon-Link*) und The Fountain (Amazon-Link*). Zur Verstärkung haben wir uns Taminos Kumpel Raphael ins Boot geholt.

Wir teilen unsere Besprechung passenderweise in zwei Hälften und probieren auch zwei Getränke. Wir beginnen mit Requiem for a Dream und einem Honig-Bourbon. Danach machen wir bei The Fountain mit einem esoterisch klingenden Teegetränk weiter. Die beiden Filme spoilern wir außerdem hemmungslos und intensiv.

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In den Hauptrollen sehen wir Ellen Burstyn als Sara Goldfarb, Jared Leto als Harry Goldfarb, Jennifer Connelly als Marion Silver und Marlon Wayans als Tyrone C. Love. Insgesamt also ein ziemlich guter Cast.

Wir sprechen vor allem über die deprimierende Thematik, die beeindruckende Inszenierung und die Frage, ob es sich mehr um einen Drogenfilm oder um einen allgemeinen Kommentar um die Welt zur Jahrtausendwende handelt.

In der zweiten Hälfte versuchen wir The Fountain zu verstehen.

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Hier spielen in den Hauptrollen Hugh Jackman als Tomas / Tommy / Tom Creo, Rachel Weisz als Isabel / Izzi Creo und Ellen Burstyn als Dr. Lillian Guzetti.

Wir haben so unsere Probleme mit diesem Film. Deshalb kommen wir auch fast gar nicht dazu konkret zu werden, sondern kritisieren vor allem die allgemeine Struktur und Thematik des Filmes.

Zum Schluss der ausgiebigen Debatte versuchen wir das Werk Aronofskys besser zu verstehen.

Auf nächste Woche freut sich Tamino ganz besonders. Dann packen wir nämlich mal wieder einen Pacino-Film aus: Carlito’s Way (Amazon-Link*) steht dann auf dem Speiseplan.

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[Teaser-Bild: by Josh Jensen]

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  • Philipp

    Finde den Podcast wirklich unterhaltsam, auch wenn ich die Filme (noch) nicht gesehen habe. Wenn ihr Interesse an “Podcastpatnern” habt könnt ihr euch ja mal bei uns melden ;) http://playpointless.blogspot.de

  • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

    Hell Yeah!

    REQUIEM ist auch einer meiner absoluten Lieblingsfilme! Anfangs (um 2000) als der raus kam, hat er mich auch einfach vollkommen zerstört, umgehauen und seltsam morbid fasziniert. Trotzdem dachte ich auch, ich wolle den Film nie wieder sehen, weil das Erlebnis einfach zu krass war. Hat aber nicht lang gehalten, denn da ich ca. jeden damit zugequatscht hab wie genial der Film ist, haben wir ihn dann doch in relativ kurzem Zeitraum bereits 3-4 Mal aus der Videothek geliehen. Seitdem sind ja ein paar Jahre vergangen in denen ich ihn noch 2-3 Mal geschaut hab. Vor kurzem flatterte mir die BluRay ins Haus und bald steht er mal wieder auf dem Plan!

    Es gab mal so eine Phase (halt um die Jahrtausendwende), da ist in mir, ausgelöst durch eine handvoll sehr besondere Exemplare erstmalig so richtig starke Faszination für Filme aufgeflammt. Genauer waren das MEMENTO, MATRIX, FIGHT CLUB, CLOCKWORK ORANGE, CUBE und eben REQUIEM. Jeder davon hat mir auf seine eigene Art etwas gezeigt bzw. etwas in mir ausgelöst, was vorher durch Filme nie passiert ist. In diesem Fall war es zum einen die durchgestylte, experimentelle Audiovisualität, aber vor allem inhaltlich die brutale Abwärtsspirale die Aronofsky mit einer mir bis dato nicht bekannten Konsequenz zeigt. Am Ende werden eben nicht alle glücklich, wie in den meisten Filmen die ich bis dato kannte. Im Gegenteil: weiter entfernt davon geht gar nicht. Das empfand ich damals irgendwie näher an der Wirklichkeit (vor allem da ich viel im Rave-Umfeld unterwegs war und recht viele Leute erlebt habe, die durch Drogen schon früh steil auf dem Weg nach unten waren).

    Auch das von euch beschriebene quasi-Fehlen eines Plots ist mir da erstmalig aufgefallen. Hab ja hier schon oft geschrieben, dass ich Filme sehr schätze, die einfach einen begrenzten Ausschnitt aus einem Leben zeigen, ohne groß eine “Story” zu erzählen. Wahrscheinlich ist RFAD der Film auf den dieser Hang zurückgeht.

    In eurer Diskussion würde ich euch einfach in jedem Punkt zustimmen! Es ist beachtlich was Aronofsky durch Audiovisualität hervorzurufen vermag. Der Film ist auch so intensiv, weil man halt extrem nah mit den Figuren ist und ihren Absturz irgendwie ganz nah mitfühlt. Dass Aronofsky regelmäßig Videoclip-Ästhetik und massiv Style-over-Substance vorgeworfen wird, kann ich irgendwie nachvollziehen, weil seine Filme einfach unheimlich stylisch sind, wie hier aber keine Substanz vorliegen soll ist mir ein Rätsel.

    Zum Begriff DREAM im Titel noch ein paar Worte: Ich glaube dass beides zutrifft, weil man den Begriff des persönlichen Traumes in dem Kontext hier gar nicht recht vom amerikanischen Traum trennen kann. Der “amerikanische Traum” läuft doch in seinen Zielen ziemlich klar auf den durchschnittlichen persönlichen Traum hinaus: Wohlstand, Sicherheit, Anerkennung und Gerechtigkeit, daraus resultierend auch Selbstverwirklichung. Insofern sind die Ziele der vier ja alle jeweils irgendwie eine Miniaturvariante davon. Ich stufe den Film auch klar als Drogenfilm/-drama ein – er zeigt ja ziemlich forsch, wie der persönliche Traum durch die Droge überschattet, weggedrückt und schlussendlich ersetzt wird.

    Den zweiten Teil des Casts hab ich noch nicht gehört, da ich THE FOUNTAIN nur ein Mal geschaut hab. Will das nochmal auffrischen, weil die erste Sichtung in einem Beinahe-Schlaf war. In dem Zustand hat der Film mich ziemlich eingelullt und harmonierte irgendwie in seinem visuellen Stil mit meinem leichten Abdriften. Fand ihn trotzdem schwächer als alle anderen Aronofskys. Vielleicht komm ich ja am WE dazu den noch mal zu sehen, denn eure Meinung (und auch meine eigene D) interessiert mich schon!

    Bis jetzt ne Top-Episode!!

    • SecondUnitTamino

      Wie üblich danke für die netten und interessanten Worte. Ich finde es übrigens ziemlich bemerkenswert, dass CUBE bei dir als ein so prägendes Werk rübergekommen ist. Allen anderen oben von dir gennanten Werken würde ich 9-10 Punkte geben, aber CUBE ist da für mich jetzt schon was anderes. Ich fand den auch ganz nett, aber mehr als einmal mäßig beeindruckt anschauen ist da für mich z. B. nicht drin. Hab dem glaube ich 6 Punkte gegeben.

      Wenn ich mich richtig erinnere, standen bei dir 9 Punkte für THE FOUNTAIN. Daher hatte ich mich jetzt schon auf eine krasse Verteidigungsrede zum Werk eingestellt. Fände es also cool, wenn du den nochmal beizeiten nachholst und dann deinen Senf dazu hierlässt.

      • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

        Mit CUBE ist das auch so ne Sache ;) ich bin mir bewusst, dass der Film von den Figuren her mehr oder weniger ein 0815-Horror-Genre-Ding ist. Die gängigsten Stereotypen sind drin, das Schema wie die Gruppe langsam dezimiert wird, das alles kennt man aus X Filmen (und es ist auch eigentlich so ein typischer 5-6 Punkte Kandidat).

        Aber der Film hat 1) bei mir über mehrere Sichtungen hinweg eine wirklich kaum in Worte zu fassende Beklemmung ausgelöst. Ich war einfach voll drin, fand diese Situation, plötzlich in so einem tödlichen bunten, fallengespickten Würfel aufzuwachen, sowas von hammerkrank und (achtung, wer CUBE nicht kennt, dezente SPOILERS:) vor allem (was dich wahrscheinlich eher stört) dass es am Ende im Grunde keine Auflösung dafür gibt und der “reinste” der Menschen es schafft, hat mich noch mehr verstört. Ich fand das (jetzt wirst du als Philosoph wahrscheinlich amüsiert sein) irgendwie alles total philosophisch. Diese Prüfung deren Grund man nicht kennt, in der sich aber durch Fügung die Menschen, die sich als “gut” bzw. “rein” erwiesen haben am Ende behaupten. Das hab ich irgendwie als Analogie aufs Leben gesehen (mit meinen 16 damals). Vielleicht ist es auch viel spiritueller, vielleicht auch nur Spinnerei meinerseits, die darauf eingeht, dass dem Regisseur/Autor kein anständiges Ende eingefallen ist?! Das ist auf jeden Fall die emotionale Response, die es so groß gemacht hat – also eine nur begrenzt erklärbare Komponente.

        Und 2) hat mir der Film, gerade weil er so krass gewirkt hat, ganz deutlich klargemacht wie wenig Mittel es nur bedarf um nen großartigen Film zu machen, wenn die Idee mitnimmt und die Umsetzung passt. Es war quasi in Bezug aufs Setting der erste völlig minimalistische Film, den ich gesehen hab – die Kulisse bildet ja tatsächlich nur dieser eine Raum, der halt je nach Ort im Film anders bunt leuchtet. Ansonsten braucht es nur 3-4 Mal ein paar Special-Effects für die Todesszenen und etwas Animation für den “Außenbereich”. Seitdem mag ich irgendwie geradlinige Genre-Filmchen, die nur einen sehr kleinen Ausschnitt einer Welt zeigen. Nicht nur Horror/Psychothriller wie CUBE, sondern auch Cop-Thriller, etc.

        Und zu THE FOUNTAIN: Tatsache, da stehen 9. Das erscheint mir rückwirkend schon ein gutes Stück zu hoch. Die Sichtung ist noch eine Weile vor meiner MP Zeit gewesen und ich weiß jetzt gerade ehrlich nicht recht, was ich mir da zusammen geklickt bzw. gedacht hab. Ich kann mich zwar noch erinnern, dass mich das Konzept der Seele in drei Zeitebenen beeindruckt hat, dass ich den optisch mochte und Jackman stark fand, aber so ganz rund hab ich den eigentlich nicht in Erinnerung. Ich vermute aber, dass es (sollte er mir wirklich immernoch so gut gefallen) ein Film ist, der mir auf die gleiche Art wie THE TREE OF LIFE gefällt (gibts in THE FOUNTAIN nicht auch so nen zentralen Baum?) ;) Wir werden sehen. Ich werde wohl heute eher das Wetter nutzen, aber sollte ich noch nen Film gucken, vielleicht schmeiß ich ja den rein..

  • http://www.florianpriemel.de Florian Priemel

    Vielen Dank für diese unterhaltsamen zwei Stunden. Und beim Thema Requiem muss ich mich tatsächlich auch mal zu Wort melden, da es ebenfalls einer meiner Lieblingsfilme ist. Und ich kann, mich an meine erste Sichtung des Films erinnernd, die Einschätzung teilen: “Das ist ein neuer Lieblingsfilm, aber ich will ihn nie wieder sehen.” Was sich natürlich nicht durchsetzen konnte, aber für mich in ziemlich deutlichen Worten die Wucht klarmacht, mit der dieser Film einen mit sehr einfachen Mitteln überrollt. Vielleicht ein wenig zu kurz gekommen, ist in meiner Wahrnehmung der grandiose Score des Chronos Quartetts, da grade das Theme extrem viel zur Atmosphäre der besonders verstörenden Szenen beiträgt.
    Womit wir auch schon bei meinem eigentlichen Punkt wären: Solltet ihr in Erwägung ziehen, vielleicht zu Noah nochmal einen zweiten Aronofsky in den Podcast zu nehmen, so lasst es Pi sein! Das ist nämlich -wiederrum auch mit wegen des Scores- der Film von ihm, der mich am zweitstärksten beeindruckt hat. Nur so als Anregung ;)

  • Harry-G

    Noah … oh meine Güte. Nach dem ersten Trailer war ich fassunglos wie man überhaupt auf den Gedanken kommt so einen Schwachsinn zu produzieren. Und dann gibt sich auch noch Aronofsky dafür her. Ich will den Film niemals sehen und denke er ist einer der schlechtesten Filme aller Zeiten, auf dem Niveau von Battlefield Earth.

    • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

      Und warum sollte das so sein?
      Dass aronofsky dieses mal religiöse Thematik wählt, hat doch noch gar nichts über den Film zu sagen.
      Immerhin ist es Aronofsky und der hat auch psychologisch gesehen interessante Filme über Drogen, Ballett und Wrestling gemacht. Nun halt was biblisches..

      • Harry-G

        Hat nichts mit religiöser Thematik zu tun. Sieht einfach nach übelstem Trash aus.

        • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

          Ich nehme alles zurück. Niemand ist unfehlbar und meine Hoffnung, dass Aronofsky trotz Abturn-Trailer nen guten Film macht wurde gestern “sintflutartig” weggespült. NOAH ist absoluter Mist. Grotesk-lächerliche Dialoge, 0815-Hollywood Drehbuchentscheidungen, visuell solide, aber weit von Aronofskys Werk entfernt, und Atmosphärisch völlig leer. Sonst bin ich nie enttäuscht, weil ich nichts erwarte, aber hier wird nichts noch unterboten!

          • SecondUnitTamino

            Wow, das hätte ich ja nicht gedacht, dass der so schlecht ankommt. Gucken wir mal, ob wir uns den dann wirklich antun.

          • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

            Jedem anderen würde ich auch noch raten: bloß nicht in 3D, weil es VÖLLIG sinnlos ist (wurde ja für einige Länder nachträglich draufgedrückt). Der Film spielt ewig lang uf Ebenen, hat quasi keine Räumlichkeit und ist überwiegend in Close-Ups gefilmt – wieviel 3D Potential darin schlummert kann man sich aj an einer Hand abzählen.

          • tyler.fincher

            @Harry G.
            Du bewertest Filme nach dem Trailer und betitelst „Noah“
            als einer der schlechtesten Filme aller Zeiten ohne ihn gesehen zu haben?
            Herrje, was Lustigeres hab ich selten gelesen. Klar, jeder hat Trailer die
            einen nicht im Geringsten ansprechen aber den Film sofort abzustempeln (ohne
            ihn gesehen zu haben) ist in meinen Augen kindlich und dumm (sry, wenn‘s etwas
            hart klingt). Trash sieht außerdem ganz anders aus! Nur weil man meint ein Film
            sei schlecht (bitte hier einfügen: persönliche Definition was schlecht ist) ist
            er lange noch kein Trash.

            @Jacker
            Ich fand „Noah“ ganz ok. Mit Sicherheit Aronofskys schwächster
            Film aber hollywood’sche 08/15 Drehbuchentscheidungen und atmosphärisch völlig
            leer? Seh ich nicht so. Der Film leistet sich weder Hollywood Klischees noch
            ist er arm an Atmosphäre. Er überspielt sein Melodrama-Aspekt in der zweiten
            Hälfte vielleicht etwas zu sehr aber sonst konnte ich keine Story-Entscheidungen
            verbunden mit deinen Anschuldigungen entdecken. Gerade die erste Hälfte ist
            atmosphärisch dicht erzählt und wartet mit einer Menge interessanter Ideen
            Aronofskys auf. Das muss nicht jedem gefallen
            aber atmosphärisch arm ist was anderes. Ich will den Film nicht verteidigen
            (empfand ihn als „nur“ ganz ok) aber D.A. hat dem Film hier mehr als nur seinen
            Stempel aufgedrückt. Daher wundert mich auch deine Behauptung „weit von
            Aronofskys Werk entfernt“. Da versteh ich eh nicht so ganz was du damit
            meinst!?

            Eine typische Bibelverfilmung sieht anders aus. Es sind
            genug Ideen drin, die Noahs Geschichte (bisher immer recht simpel erzählt)
            aufwerten sowie die Welt lebendiger gestalten. Ob Bibelfest oder überzeugter
            Atheist: Jedermann/frau bekommt in meinen Augen einen lange nicht perfekten
            aber durchaus diskussionswürdigen Film präsentiert. Dazu gibt’s ordentliche
            & episch inszenierte Schlachtszenen die auf der großen Leinwand recht
            schick aussehen. Wo ich zustimme ist das überflüssige 3D (die Amis werden/wurden
            davon ja verschont), das dem Film in keinster Weiße hilft.

          • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

            In letzter Zeit geht mir das irgendwie häufig so, dass ich Filme viel mieser finde als alle anderen. Ich weiß nicht warum und finde es selber doof. Mit 08/15-Drehbuchentscheidungen meine ich im kleinen sowas wie: Der Junge Noah soll gerade von seinem Vater in Form des Schlangenhaut Ritus die Verantwortung übertragen bekommen, im ALLERletzten Moment (die Fingerspitzen sind Millimeter entfernt) nahen plötzlich die Schergen von Kain. Der Vater sagt: “Versteck dich”, der Junge rennt 3m weiter und steht voll sichtbar hinter einem Stein – die Bösen sehen ihn aber nicht. Und sowas gab es öfter. Vielleicht trifft die Formulierung: 08/15-Hollywood-”Mechanismen” es eher. Im großen meine ich auch die Gesamtdramaturgie.. Bau der Arche, Feinde kommen und belagern, dann der RIESEN-Kampf in dem die Steinfuzzis bis zum aller-aller-ALLERletzten Moment die Stellung halten, gerade so, dass sich noch alle “guten” in die Arche retten können. Usw. Wahrscheinlich komme ichauch einfach nicht damit klar, dass Aronofsky nen Monumental-Knall-Bumm-Weltuntergang-Fantasy-CGI-Tiere-und-noch-mehr-CGI-Steinriesen-Blockbuster gedreht hat. Mir fehlte halt im Vergleich zu den anderen Aronofsky Streifen dieses krasse Abtauchen in das Wesen der Hauptfigur/en. Klar wurde Noah ein wenig als besessen dargestellt, aber ich empfand das als unglaublich flach. Sonst hat Aronofsky den Konflikt der Protagonisten auch nicht voll ausformuliert, aber über szenische und atmosphärische Klasse FÜHLbar gemacht. Das fehlte mir hier. Auch die Kulissen haben mir nichts gegeben. Vielleicht aber auch weil Monumentalfilme mir generell nichts geben? Einzig diese kurzen Traumflashs haben den bekannt düsteren Charme gehabt, das war aber viel zu wenig. Auch [SPOILER] dass Aronofsky seine Figuren sonst konsequent in den Abgrund hat laufen lassen und hier eben Noah im letzten Moment zu seinem Humanismus zurückfinden lässt, also (eben ein typisches 08/15-BB) heile Welt Ende kredenzt unterscheidet sich von seinem restlichen Werk. Mir hat an Noah einfach gar nichts gepasst :/ Vielleicht war das auch ein Teil meine Schuld, ich habe ziemlich viel unangenehmes im Kopf mit mir herumgeschleppt als ich ins Kino bin, habe quasi direkt angefangen mich über das Kack-3D aufzuregen und zwischendurch echt Probleme gehabt überhaupt bei der Sache zu bleiben. Zudem hat es mich extrem geärgert wie das Skript (und da ist es wirklich das Skript) ausser Crowe wirklich alle anderen Schauspieler unheimlich klain hält, oder in Emma Watson’s Fall dreiviertel ihrer Screentime nur hysterisch rumheulen lässt :O Vielleicht hätte ich den in besserer Tagesform ja sogar neutral mit tendenz nach unten gefunden, aber so konnte ich wirklich gar nichts daraus ziehen, ausser Ärger.. Lässt sich nicht ändern!

          • SecondUnitTamino

            Du findest Filme immer mieser als alle anderen? Wer bin ich denn dann, des Teufels “böserer” Zwilling?

          • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

            mein lieber tamino:
            >in letzter Zeit häufigimmer<
            ;)
            Es ging mir dieses Jahr einfach schon mehrfach so, dass Filme die ich aufgrund der vorherigen Werke der Regisseure als sicheren Kracher erahnt hatte mich kaum begeistert haben! 12 YEARS A SLAVE, NYMPHOMANIAC, nun NOAH. Es häuft sich! Dein Einfluss ist nicht gut ;)

          • SecondUnitTamino

            Ich habe die alle als uninteressant markiert, ist das nicht sogar noch böser? :-)

          • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

            was du bei MP alles als uninteressant markiert hast, geht sowieso auf keine Kuhhaut mehr ;)
            Wobei ich es bei NYMMPHO ja verstehen kann.. MELANCHOLIA und so, da war doch was ;)
            Geht es dir denn bei so einer Entscheidung eigentlich primär wirklich darum, was der Inhalt des Films ist? Ich könnte nämlich nie einen Film eines Regisseurs der Meisterwerke gedreht hat (was für mich auf alle drei obigen zutrifft) uninteressant finden, wirklich völlig egal worum es geht!

          • SecondUnitTamino

            Na ja, man muss halt irgendwie filtern. Wenn mich eine bestimmte Geschichte wirklich überhaupt nicht interessiert, dann will ich den Film meist auch nicht sehen. Es kann natürlich trotzdem sein, dass eine wenig interessante Geschichte großartig umgesetzt ist, aber mir persönlich ist dann das Risiko zu groß, dass der Film mir einfach nichts geben wird. Oft hängt das auch mit dem Genre zusammen. Musicals, Coming of Age und gewisse Arten von Comedy-Dramen geben mit einfach nahezu niemals etwas und daher markiere ich die meist als uninteressant. Klar kann es bei einer recht groben Aussortierung immer passieren, dass man so mal eine Perle übersieht, aber ich nehme das gerne in Kauf für die Tatsache, dass ich mir definitiv zig Filme sparen kann, die mir einfach mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht gefallen würden.

            Noah werd ich mir z. B. jetzt auch schenken dank deines Reviews, auch wenn ich Aronofsky Fan bin.

          • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

            Ja so macht das auch Sinn. Ich hab eher dad problem, dass so ziemlich jedes Genre mir was geben kann. Das eine mehr, das andere weniger. Das macht die Bandbreite an Filmen und die fail-Quote um einiges höher. Hab aber in letzter zeit auch angefangen rigoroser zu sieben. Gibt genug fantastische Filme, da kann man es verkraften davon mal den einen oder anderen links liegen zu lassen!

  • Gormenghast

    In der Headline hat sich ein böser Rechtschreibfehler eingeschlichen, Jungs.
    Wenn ihr ihn findet dürft ihr ihn behalten :)

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Peinlich, aber Danke :)

  • Gormenghast

    Mein Aufsatz

    Thema: Warum ich REQUIEM FOR A DREAM liebe

    Ich habe einen Freund namens JK.
    Wir treffen uns gerne um zu spielen, Musik zu hören oder Filme zu schauen, wobei unsere Geschmäcker meistens konform gehen.
    In einer Richtung unterscheiden wir uns allerdings sehr; er mag kritiklos alles mit Drogenbezug, und mir geht seine Haltung auf die Nerven.
    In der Literatur PHILIP K. DICK, im Comic THE FREAK BROTHERS, in der Musik alles von PETE DOHERTY oder OASIS, und im Filmbereich TRAINSPOTTING, ANANAS EXPRESS, SPUN, CHEECH AND CHONG, QUADROPHENIA, HANGOVER und natürlich seinen Lieblingsfilm FEAR AND LOATHING IN LAS VEGAS. Sobald ein paar Leute etwas einwerfen und Scheiße bauen ist sein Humorzentrum getroffen. Bulls Eye sozusagen.
    Natürlich freute er sich wie ein kleines Kind auf REQUIEM als er die Inhaltsangabe las, und begab sich in seine Kicherstellung (Schneidersitz 4 cm vom Bildschirm entfernt), und war eine gute halbe Stunde begeistert.
    Danach rückte er immer mehr vom TV weg um den Rest der Zeit nichts mehr zu sagen.
    Auf Nachfrage meinerseits wie er den Film fand maulte er nach der Sichtung fast beleidigt: “Der war nicht lustig.”
    Seitdem lässt er mich mit seinem Drogenfimmel in Ruhe, und wir können völlig cleanen Musikern wie den BEATLES lauschen oder WETTEN DASS gucken.

    Dafür liebe ich REQUIEM FOR A DREAM sehr, vielen Dank Herr Aronofsky.

    PS: In Noah helfen Steinriesen die Arche bauen, also kann der Film gar nicht so schlecht sein.

  • http://cinecouch.net/ Jan

    Thematisch eine sehr, sehr interessante Folge. Immerhin habt ihr mit Aronofsky den Regisseur ausgesucht, den ich derzeit wahrscheinlich als den besten noch aktiven Filmemacher bewerten würde. In meinen Augen hat er nämlich noch nicht einen schlechten Film gemacht. REQUIEM FOR A DREAM gehört auch ganz klar zu meinen Lieblingsfilmen, den ich mittlerweile schon etliche Male gesichtet habe, der aber von seinen Schock-Momenten nie etwas eingebüßt hat. Solche Filme, die mich emotional enorm mitnehmen, kann ich auch gerne mehrfach gucken, wobei mir das nach der ersten Sichtung noch nicht ganz so klar war und ich die DVD am liebsten vergraben hätte :D

    Zu THE FOUNTAIN bin ich tatsächlich mal anderer Meinung. Als ich den Film zum ersten Mal gesehen habe, empfand ich ihn auch als sehr sperrig und hatte zu sehr die Struktur im Vordergrund gesehen. Wenn man die jedoch in der Betrachtung nicht komplett ausblendet, aber eben doch mal hintenanstellt, ist der Film eine kleine (esoterisch/religiöse) Offenbarung. Mir gefällt die Geschichte um Liebe, Trauer, Verlust und Schmerz wirklich ganz hervorragend, weil sie auf der einen Seite sehr persönlich-intim erzählt wird, gleichzeitig auch so universell ist. Ihr (zumindest und vor allem Christian) sieht die Liebesgeschichte ja sehr im Vordergrund, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Das würde ich aber in dieser Deutlichkeit nicht unterschreiben.
    Vielmehr ist es doch wirklich der Kampf des Menschen gegen das Unerreichbare und Ungewollte: Das Festhalten am Leben selbst. Rachel Weisz’ Figur versteht, dass es nicht der Sinn des Lebens ist, sich an jenem festzuklammern. Die Zeit, die man hat, muss man auskosten – und das ist die Lehre, die Jackmans Rolle am Ende durchläuft.

    Zu den “Zeitebenen” wäre noch zu sagen, dass ich sie gar nicht als zeitlich einordnen oder bezeichnen würde. Die Haupthandlung läuft in der Gegenwart ab, die aber genauso wie die Gedankenwelt in der Blase als pure Imagination gelten kann. Ist am Ende nicht der gesamte Kampf und die Suche nach der Heilung eine alternative Erzählung? Zumindest habe ich das Ende des Films durchaus so in Erinnerung, dass es Aronofsky zumindest offen lässt, was von dem gesamten Film nun “wirklich” passiert ist.

    Eigentlich steht über dem Film nur seine Botschaft, die er visuell und narrativ extrem treffend verpackt – womöglich durch so einige Schnitte aber auch etwas unzugänglich erscheinen lässt.

  • Losrobotos

    Guckt ihr dieses Jahr “TINKER TAILOR SOLDIER SPY”?

    • SecondUnitTamino

      Ist eigentlich nicht geplant. Ich glaube Christian kennt den schon und fand ihn nicht so dolle (wenn ich mich richtig erinnere) und mich interessiert er ehrlich gesagt nicht sonderlich.

      • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

        Ich hab den mal mit einem Kumpel angefangen, hat dann aber nicht zur Abendstimmung gepasst.

  • tyler.fincher

    Schönes Double-Feature zu einem der momentan wohl interessantesten Regisseure in Hollywood. Zu “Requiem for a Dream” kann ich euch soweit nur zustimmen: bitter, widerlich, ein filmgewordener Albtraum den sich wohl die wenigsten nach dem Abspann grad nochmal reinziehen würden. Hab ihn bereits zweimal gesehen und der Film schwirrt an manchen Tagen immer noch in meinem Kopf herum. That’s some heavy shit right there! :D

    Zu “The Fountain” kann ich eure Abneigung & Kritik absolut nachvollziehen aber von meiner Seite aus nicht zustimmen. Ich mag den Film; auch wenn es mich neben mehreren Sichtungen auch etwas Zeit und Abstand gekostet hat. Aronofskys Filme sind thematisch meist so vollgepackt, dass man beim ersten Anschauen etwas überfordert sein kann und gewiss auch darf. “The Wrestler” bildet da vielleicht die einzige Ausnahme weil er der narrativ simpelste Film von ihm ist. Was ihn thematisch natürlich nicht weniger relevant
    erscheinen lässt, sondern nur bedeutend greifbarer in dieser Hinsicht. “The Fountain” ist da der Antipol, der es dem Zuschauer wesentlich schwerer macht das thematisch geschwängerte Dickicht des Films zu durchbrechen (sorry wenn ich dick auftrage,
    der Film tut es auch^^). Aronofsky stellt seine Message (sofern man die entschlüsselt hat) vor seine Charaktere. Diese sind hier nur Mittel zum Zweck und ich glaube, dass dies einer der Gründe ist warum der Film so emotional kalt wirkt. Die Arbeit sowie die Ziele von Hugh Jackmann’s Charakter sind am Ende wichtiger als seine Sehnsüchte (ohne diese abzutun) oder die eigentliche Story an sich. Es
    ist zwar eine persönliche Geschichte, allerdings dreht sie sich um unsere größte und universellste Angst: der Tod. Egal an was man glaubt, die Angst vor dem Tod ist doch bei allen Menschen vorhanden.

    Nichtsdestotrotz liegt immer noch ein schwere Brocken im Weg: die Tatsache, dass der Film seine Gedanken auf einem recht kryptischen Weg mitteilt. Drei Zeitebenen (die Diskussion ob es überhaupt Zeitebenen sind lass ich mal außen vor) mit den gleichen (oder nicht?) Charakteren die alle nach einer Lösung/Heilung gegen/für den Tod suchen kann man ja noch verkraften. Wenn
    dann aber plötzlich Charaktere in anderen Timelines erscheinen, Menschen mit der Erde eins werden und die dritte Ebenen praktisch nur daraus besteht, dass der letzte Mensch mit einem “Raumschiff” (Zitat: Aronofsky) herum fliegt zieht der ein oder andere schon mal gern die Augenbrauen hoch und fragt sich: WTF?. Verständlich! Ging mir genauso und ich denke, dass “The Fountain” durchaus seine
    Bezeichnung als Arthouse verdient hat. Diese Elemente sind aber weder willkürlich rein gestreut, noch sind sie frei von Sinn und Logik. Das Problem ist, dass der Interpretationsfreiraum hier recht groß und die Auslegung individueller Szenen dem Zuschauer überlassen ist. Natürlich nicht so extrem wie z.B. bei David Lynchs Filmen. Aronofosky wirft dem Zuschauer noch genug Futter hin, dass man nicht verhungert. Der Film verliert sich meiner Meinung nach nicht in seiner Message oder philosophischen Herangehensweise. Da darf man aber gern anderer Meinung sein. ;)

    Ich könnte an der Stelle viel nachplappern aber ich verweise mal an Dave Chen’s Video Essay zu “The Fountain”, das recht ausführlich in ca. 14 Minuten versucht den thematischen Inhalt des Films vorzustellen: https://www.youtube.com/watch?v=MdzlCZ69APc

    Bei all dem thematischen Gewusel kann ich wie schon erwähnt absolut nachvollziehen wenn man hier die Hände in Richtung Himmel wirft
    und genervt den Fernseher ausschaltet. Ging mir bei der ersten Sichtung ähnlich. Aber dem Film vorzuwerfen er sei doof und wäre bedeutungsschwangerer Blödsinn…da möchte ich dann doch gerne mit diesem Post gerne wiedersprechen. Sinn und Logik
    sind vorhanden, wenn auch in recht abstrakter Form. Jeden, der sich diese Arbeit (selten traf der Begriff so treffend zu wie bei “The Fountain”) nicht machen möchte, kann ich verstehen.

  • Aoi Miyazaki

    Der beste Film von Aronofsky ist und bleibt natürlich Pi. Mathematik <3