Second Unit #103 (Night of the Living Dead [1968])

Wir machen munter weiter mit den Klassikern! Diese Woche besprechen wir den vielleicht wichtigsten Vertreter im Zombie-Genre: Night of the Living Dead (Amazon-Link*) aus dem Jahre 1968. Das machen wir nicht allein, sondern mit tatkräftiger Unterstützung von Hannes. 

Auch in dieser Woche geht wieder ein Dank und jede Menge digitale Liebe an unsere Flattr-Unterstützerinnen und -Unterstützer!

Hannes hat nicht nur jede Menge Wissen über Zombiefilme, sondern auch das passende Getränk mitgebracht. Wir probieren uns durch eine Reihe Monster Energy-Drinks.

[YouTube Direktlink]

Das Drehbuch stammt aus den Federn von John A. Russo und George A. Romero, der wiederum auch Regie bei diesem Klassiker führte.

Tamino konnte sich mit diesem Film nur wenig anfreunden. Hannes und ich versuchen deshalb die Kritik-Punkte aus ihm herauszukitzeln. Neben den Low-Budget-Problemen hat er bereits grundsätzlich Probleme mit dem Zombie-Genre. Deshalb versuchen wir zum Schluss den ultimativen Zombie-Film herbeizufantasieren. Und irgendwie hängen wir uns zwischendurch bei der Frage nach Gesellschaftskritik in (Zombie-)Filmen und ob Filme nur im eigenen oder auch politischen Kontext gesehen werden können/dürfen/müssen.

Nächste Woche schnappen wir uns mal wieder eine DVD-Einsendung von euch. Wir haben absolut kein Vorwissen zu The Big Blue (Amazon-Link*), sind aber umso mehr gespannt auf den Film.

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[Download | Länge: 2:04:53 | Größe: 57,2 MB | @2nd_Unit | Facebook.com/SecondUnit | iTunes]

[Teaser-Bild: by Gianluca Ramalho Misiti]

[Zombie-Sound: Mike König]

*Amazon-Partner-Links: Über diese Links gekaufte Artikel werfen einen kleinen Obolus für uns ab. Für euch ändert sich nichts, schon gar nicht der Kaufpreis. Wir bedanken uns im Namen unserer Kaffee-Kasse.

  • Gormenghast

    Moment, Moment, höre ich das richtig?

    Die gleichen Jungs, die vor einer Woche über die CGI-Version von Star Wars gelästert haben, schauen nun den Klassiker aller Zombie Filme, der sogar ins Museum of Modern Art aufgenommen wurde, der in der National Film Registry als erhaltenswertes Kulturgut geführt wird, der seine brilliante Strahlkraft durch sein Schwarz-Weiß erhält….in einer colorierten, wahrscheinlich von Romero nicht gewollten Version, die obendrein noch “wackelt”?

    Was kommt als nächstes?

    SIN CITY in Farbe?

    HERKULES IN NEW YORK in 3D?

    SHARKNADO als Daumenkino?

    Ein sehr an Zombies interessierter (aber höchst verwirrter) Gormenghast musste euren Podcast erstmalig vorher abschalten, einen Film mit derartiger kultureller Bedeutung sollte man unbedingt in der Originalfassung schauen. Wenn sich der erste Ärger gelegt hat bringe ich vielleicht noch ein paar Funfacts ins Spiel ;)

    • SecondUnitTamino

      Wir hatten den Film leider nur in Farbe da und wussten vorher auch nicht, dass er eigentlich in Schwarz-Weiß gedreht wurde bis Hannes uns das erzählt hat. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass sich meine Filmrezeption in der Schwarz-Weiß Urspungsvariante radikal verändert hätte. Klar war das jetzt etwas blöd, kann aber einfach mal passieren bei einem Film, den weder Christian noch ich vorher je gesehen hatten. Du solltest vielleicht auch weniger eine professionelle Zombiegenre-Diskussion erwarten, was wohl eher leidenschaftliche Fans des Genres leisten könnten, sondern besonders von meiner Seite eher einen Versuch zu verstehen, was man überhaupt an der Materie finden kann.

      Ich verstehe es nicht wirklich, den Podcast vorher abzubrechen, nur weil wir die falsche Version geschaut haben. Alle Aspekte, die mit der Handlung oder dem generellen Inhalt des Films zu tun haben, kann man ja dennoch dem Ursprungsfilm absolut fair gegenüber besprechen, auch wenn man seine Audiovisualität nicht original erfahren durfte. Ehrlich gesagt fand ich den Film inhaltlich schon so leer, dass ich mir ziemlich sicher bin, ihn auch in Schwarz-Weiß nicht lieber gemocht zu haben. Vielleicht wäre etwas mehr Atmosphäre aufgekommen, aber was da sonst noch so viel besser gewesen sein sollte, kann ich mir nicht vorstellen.

      Du scheinst ja anscheinend Fan des Films und der Zombiematerie zu sein und daher würde ich mich freuen, wenn du dir zumindest die zweite Hälfte des Podcasts anhörst, wo wir über allgemeinere Themen sprechen. Ich verstehe nämlich beim besten Willen nicht, was man an solchen Filmen mögen sollte. Um ehrlich zu sein, habe ich mich bei diesem Film wie schon lange nicht mehr gelangweilt und mich permanent gefragt, was hier irgendjemanden interessieren sollte. Hannes und Christian waren dem Film zwar deutlich positiver eingestellt, aber die beiden konnten mir dennoch nicht so richtig vermitteln, was NIGHT OF THE LIVING DEAD zu einem beeindruckenden Filmerlebnis machen sollte. Für mich fühlte er sich eher wie ein alter Schinken an, den ich ohne Podcast wahrscheinlich nach 20 Minuten abgebrochen hätte. Durch Romero’s “KAUFHAUS-FILM” musste ich mich auch ziemlich durchquälen, aber der vorliegende Film war einfach nur eine einzige Torur. Ich fand das Setting und die Charaktere ermüdend simplistisch, die Story viel zu banal, das Make-Up unbeeindruckend und habe daher insgesamt im Grunde rein gar nichts aus dem Film ziehen können.

      Ich werde wohl nie ein Fan von Romero’s Filmen werden, aber ich würde schon gerne zumindest grob verstehen, was an ihnen für so viele reizvoll ist. Bitte kläre mich auf!

      • Gormenghast

        Hey Tamino,

        vielleicht sollte ich meine Witzchen in Zukunft deutlicher kennzeichnen. Natürlich habe ich den Podcast komplett genossen, dazu mag ich Horrorfilme und Diskussionen darüber viel zu gerne.

        Wie wird man nun zum Zombie-Fan?

        Ich kann für mich sagen: es war Liebe auf den ersten Blick. Seit dem KAUFHAUS-FILM bin ich fasziniert, und wenn auf irgendeiner DVD Zombie oder Apokalypse steht bin ich dabei. Völlig egal ob es die 30er Jahre Voodoo Zombies, die 70er Jahre Italo-Trash “ZOMBI”s, die WALKING DEAD oder Komödien sind. Wenn ein geschminkter Statist durchs Bild torkelt bin ich schon glücklich :)

        Was macht NIGHT OF THE LIVING DEAD nun zu dem Klassiker, der er geworden ist?

        Das hatte Hannes schon gesagt: Der Film war der Beginn, oder wie mein kluger Kunstlehrer einst sagte: “Der erste Mensch, der eine Rose malte war ein Genie, der zweite Mensch, der eine Rose malte ein Idiot.”

        Man muss sich das mal vorstellen: da ist der junge Romero mit einer brandneuen Vision und Feuer im Hintern, kaum Budget aber fest entschlossen seinen Film zu machen, an Wochenenden und mit Freunden als Schauspielern (wie Jahre später Peter Jackson mit BAD TASTE).

        Es ist schon klar, der Streifen schreit geradezu “keine Kohle”, aber man sieht auch das Herzblut, und das ist mir viel lieber als eine 100 Millionen teure seelenlose CGI Show wie TRANSFORMERS und Konsorten.

        Oder wie wärs mit einem Musikvergleich: KRAFTWERKs AUTOBAHN ist bestimmt nicht das beste Elektrostück aller Zeiten, aber sie malten als erste die Rose, und öffneten Türen. So etwas verdient in meiner Welt immer meinen allerhöchsten Respekt, ganz egal ob ich das Ergebnis / Produkt subjektiv mag oder nicht.

        Romeros ersten zwei Zombiefilme lieferten die Blaupause für nahezu alle weiteren Movies, egal ob die Untoten später schneller wurden etc. , das Regelwerk war abgesteckt, sauber erklärt und für gut befunden. Sowas nenne ich eine Meisterleistung.

        Natürlich muss man den Film im Rahmen der Zeit bewerten, in der er entstand. Rassenunruhen, Vietnamkrieg und ( ich glaube ) auch Angst vor Strahlungen ( Atom oder so was ). Ich glaube auch keine Sekunde, dass die Entscheidung Romeros die Hauptrolle einem Afro-Amerikaner zu geben eine zufällige war, der Fuchs versteckte immer auch ein politisches Statement in seiner Zombiereihe, von zunehmender Militarisierung bis zur Errichtung von “gated communities” für die Wohlhabenden in seinen neuen Werken.

        Es ist leider das Problem, das die Kids heutzutage mit ganz anderen filmtechnischen Geschwindigkeiten aufwachsen, und Zombies schon zum Alltag gehören, sei es durch TV-Serien oder Computerspiele, so dass der Schauwert von NIGHT OF THE LIVING DEAD für die jüngere Generation ein überschaubarer ist. Auch ich wundere mich immer wieder bei Sichtung von 70er Jahre Filmen über die Erzählgeschwindigkeit, Mann hatten die Zeit damals…Ein morbides Meisterwerk wie WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN ist heute nicht mehr denkbar.

        Ich hoffe ich habe deutlich gemacht, warum der Film in meinen Augen ein Meilenstein ist, und schließe mit der Anmerkung, dass selbstverständlich die Simpsons Zombie Referenzen aufgenommen haben.

        In einer Halloween Folge bedrohen die Untoten Homer auf der Suche nach Gehirn zum fressen, wenden sich dann aber enttäuscht von ihm ab, murmelnd “No brain, no brain.”

        Zum großen Zombie-Fan habe ich dich leider nicht machen können, vielleicht müsste jemand ein völlig neues Monster erschaffen, einen Film drehen der dir gefällt, 1000 Leute Rip-Offs drehen und du in 20 Jahren deinen Kindern das Original zeigen, woraufhin der freche Nachwuchs kopfschüttelnd das Zimmer verlässt. Dann wirst du verstehen ;)

        • Hannes

          Hi Gormenghast,

          nur zwei kleine Anmerkungen zu deinem tollen Kommentar.
          Erstens: Die Auswahl des farbigen Protagonisten. Soweit ich mich recht erinnere, sagte Romero in einem Interview, dass er sich für Duane Jones in der Rolle des Ben entschieden hat, da es sich bei ihm um den besten Schauspieler handelte und die Farbe keine Rolle spielt. Natürlich kann man an dieser Stelle sagen, dass Romero hier nur bescheiden ist; doch als ich den Film das letzte Mal gesehen habe, fiel mir auf, dass die schwarze Hautfarbe des Filmhelden in keiner einzigen Dialogzeile von Belang ist, noch weist irgendetwas anderes, etwa Gesten, darauf hin. Die Rolle des Ben hätte ohne Änderung von Dialogzeilen locker auch von einem weißen Schauspieler gespielt werden können. Soviel gesagt, ich gebe dir zumindest recht, dass die bloße Wahl eines Afroamerikaners für die Zeit recht unüblich ist und, wie ich es bereits im Podcast versucht habe, deutlich zu machen, unweigerlich eine Signalwirkung hervorruft und im zeitgenössischen Zuschauer sicherlich gewisse tagespolitische Themen wachruft. Ich selbst würde halt nur nicht zuviel Behandlung von Rassenkonflikten, Vietnamkrieg etc. in den Film hineindeuten, da ich in diesem Fall schon wissen möchte, an welchen Szenen der Film das denn bitteschön festmacht und wie es innerhalb der Erzählung Sinn ergibt. Ich weiß lediglich aus der Dokumentation “American Nightmare”, dass die Bilder im Abspann des Films, wo Ben mit den Haken aufgespießt wird, eine Reminiszenz an Fotos aus dem Vietnamkrieg ist, auf denen tote vietnamesische Soldaten ebenfalls so zu sehen waren. Aber auch dies ist für mich kaum mehr als ein kurzer Wink des Film, der mir die Zeit seiner Entstehung vor Augen führt (und höchstens für einen kurzen Moment zu denken gibt), da die Bürgerwehr hier eigentlich ich die guten Leute sind, welche die Zombieplage ausrotten.

          Die zweite Namerkung betrifft die Simpsons-Referenz: Beschämenderweise muss ich gestehen, dass ich mich an die Szene mit den Zombies, die hinter Homers Hirn her sind, überhaupt nicht erinnern kann. Allerdings weiß ich, dass die Hirne fressenden Zombies eigentlich das Markenzeichen von “Return of the Living Dead” sind, den ich ziemlich gut finde. Allerdings fiel mir im Nachhinein ein, dass es eine Epsiode gibt, in der Homer die Eingangstüren eines Kaufhauses vor einer anstürmenden Horde seniler Rentner verstärkt, was natürlich klar eine Anspielung auf den Kaufhauszombiefilm ist ;-)

          Ansonsten wünsche ich dir natürlich noch viel Spaß mit deinen schlurfenden Filmfreunden ;-)

          • Gormenghast

            Hey Hannes,

            es ist ein bisschen schwierig für uns sich in das damalige Amerika hineinzuversetzen, aber Afro-Amerikaner in Hauptrollen gab es so gut wie gar nicht. Mir fällt lediglich Sidney Poitier ein, der auch 1964 einen Oscar bekam, und auch darüber hinaus Filme machen konnte, die das Thema Rassismus behandelten.

            Unvergessen für mich das Ku Klux Klan Drama “IN DER HITZE DER NACHT”.

            Später in den 70ern kamen dann solche Dinger wie SHAFT, Blaxploitation Kino, wobei mir einfällt dass ich unbedingt mal Blacula gucken muss, haha.

            Ich glaube felsenfest daran. Romero wusste genau was er tat als er Mr Jones als Protagonisten aussuchte.

            Beweisen kann ichs leider nicht, aber in einer Zeit der Rassenunruhen, der Ermordung von Martin Luther King und Malcolm X, in einer Zeit in der die Star Trek Episode, in der Kirk Uhura küsst, in den Southern States of the USA verboten wurde, nicht zu wissen was man tut, wenn man einen Schwarzen den “Helden” spielen lässt…das glaube ich nicht.

            Die Bürgerwehr hälst du für “gute Leute”?

            Für mich sind gerade diese Jungs der Inbegriff des schießwütigen, überheblichen und arroganten Amerikas.

            Wie sie die Jagd zelebrieren ist doch herrlich, wie ein Volksfest, mit O-Tönen wie “Die (Zombies) sind viel zu langsam, die haben nix drauf”, “In einer Woche haben wir die erledigt!”

            Waren das nicht ähnliche Gedanken wie beim Vietnameinmarsch?

            Das ist aber auch das Schöne bei Romero, read between the lines, vielleicht findet man ja eine andere kunstvoll eingewebte Ebene…ich schaue nochmal TRANSFORMERS, vielleicht habe ich ja was übersehen :D

          • Hannes

            Hey Gormenghast,

            zum ersten Punkt; ja, du hast recht, einen Afroamerikaner zu dieser Zeit den Protagonisten mimen zu lassen, ist nicht nur unüblich, wie ich das bescheiden ausgedrückt habe, sondern sehr selten gewesen und in manchen Teilen des Landes geradezu provokativ. Auch bin ich mir bewusst, wie problematisch zu dieser Zeit die Rassenthematik im Süden Amerikas gewesen ist. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass dennoch nichts im Drehbuch und in den Szenen selbst etwas auf diese Thematik hinweist, sondern dass alles lediglich über die Wahl der Schauspieler geschieht.

            Was den zweiten Punkt angeht, so liegt gerade hier mein Problem mit dem so gelobten Kommentar des Films. Die Bürgerwehr wird dargestellt als eine Bande schießwütiger Menschen. Romero taucht ihre Erscheinung in ein düsteres Licht und gerade die Tatsache, dass sie Ben schließlich erschießen, soll uns ein Unbehagen vor diesen Menschen vermitteln. Wie dem auch sei, das ändert nichts daran, dass sie aktiv gegen die Zombie-Plage vorgehen, wo es niemand anderes tut. Aus irgendeinem Grund sind Armee und Polizeikräfte anderweitig beschäftigt. Sie säubern die Umgebung von einer monströsen Bedrohung und sorgen somit, dass die Menschen endlich wieder ihre Häuser verlassen können. Der Film hat jedoch mehr Interesse daran, zu zeigen, wie sie Zombies erschießen, aber nicht, wie sie Menschen retten. Was ich damit sagen möchte ist, dass die “guten” Seiten, die in den Taten der Bürgerwehr impliziert sind, gar nicht erst gezeigt werden. Ähnlich wie bei der Figur von Harry geht “Night of the Living Dead” in seiner Charakterisierung hier extrem einseitig vor, und dies bis zu einem Grad, der mir dann kontra-intuitiv erscheint. Und als Kommentar wäre mir das zu polemisch, als dass ich viel Wert daraus ziehen könnte. Der Film projeziert schlicht die unsympathischen amerikanischen Stereotype in diese Gruppe hinein. Es macht nach wie vor für ein düsteres, pessimistisches Ende, welches dem Zuschauer verdeutlichen möchte: Traue niemanden, nicht einmal deinem Helfer. Aber aufgrund der Tatsache, dass es sich bei dem Feind um Zombies handelt, bleibt diesen Leuten kaum etwas anderes übrig, als diese abzuknallen. Dieses Handeln ist hier schlicht notwendig und kann mit hirnlosen, kannibalistischen Untoten nicht verhandelt werden. Würden sie auf Aufständische, Protestierende, Studenten oder möglicherweise sogar feindliche Soldaten schießen, sähe die Sache wohl anders aus.

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Hehe, Ironie ist ja immer schlecht über das Netz zu vermitteln ;-)

      Wenn ich die Wahl gehabt hätte, dann hätten wir den Film auch auf jeden Fall in schwarz-weiß gesehen! Aber wir haben die DVD-Box geschenkt bekommen, den Film ohne irgendein (!) Vorwissen rausgegriffen und dann angeguckt. So wie damals bei “Infernal Affairs”, bei dem wir erst während der Sichtung merkten, dass er die Vorlage für “The Departed” war :D

  • DocBrown

    Ich finde den Film heutzutage auch eher langweilig, aber es ist schon interessant dass Night of the Living Dead als allererster Zombiefilm (im heutigen Sinne) schon alle Aspekte beinhaltet, die Genrevertreter bis heute verwenden. Irgendwie hat der Film schon fast alles gesagt und getan, was es in diesem Genre zu sagen und zu tun gibt.

    Was ihr meiner Meinung auch nicht genug gewürdigt habt, ist die mutige Darstellung von Gewalt. Wenn man daran denkt, welche Reaktionen die aus heutiger Sicht lächerliche Duschszene in Psycho acht Jahre vorher ausgelöst hat…

    Da Christian sagte, er würde gerne mal die Originalfassung sehen, empfehle ich den Audiokommentar von James “Angry Video Game Nerd” Rolfe, der wahrscheinlich DER Experte auf dem Gebiet Horrorfilm ist und auch die langatmigen Momente unterhaltsam gestaltet.

    -> http://cinemassacre.com/2013/10/31/night-of-the-living-dead-1968-full-commentary/

    • Gormenghast

      Hey DocBrown,

      guter Hinweis,
      meines Wissens war NIGHT OF THE LIVING DEAD der erste Film der Gedärmverspeisung gezeigt hat…auch das ein klarer Schritt in Richtung Tabubruch.

      Ich meine mich aber zu erinnern dass nicht die Gewalt das Hauptproblem bei der Duschszene in PSYCHO war, sondern die Tatsache dass Hitchcock (Spoileralarm) seinen Star Janet Leigh schon nach einer halben Stunde “entsorgte”.
      Den Mut hat heute auch keiner mehr, haha.

  • Lukas

    Hui, da wird ja schon wieder heftig diskutiert. Sehe es aber ähnlich und bin der Überzeugung, dass in den Film im nachhinein wesentlich mehr reininterpretiert wird als letztendlich vorgesehen/geplant war. Sicherlich war “young George” eine Art liberaler kleinstädtischer kreativer Hippie, aber kaum das Regie- und Autorengenie für das er gerne gehalten wird. Dürfen indizierte Filme tatsächlich nicht offen ausgesprochen werden? Das würde mich doch sehr wundern, ihr bewerbt ihn ja nicht aus kaufmännischer Sicht sichtbar für andere. Das hat mich beim hören doch etwas verwirrt, aber lasse mich gerne eines besseren belehren. Im übrigen würde ich auch sehr eine “Dawn of The Dead (1978)” Folge begrüßen. Der in meinen Augen beste Streifen aus der alten Trilogie. (Ist ja schon fast wie bei Star Wars…)

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Offen aussprechen darf man indizierte Filme schon. Du darfst sie ja auch kaufen. Das Problem ist eben nur die Definition von “Werbung”. Und da ich mich ungern mit Juristen über deren Auffassung von “Werbung” auseinandersetzen möchte, bin ich da lieber vorsichtig ;-)

      • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

        Ist auch besser. Wobei andere Casts da wesentlich freier mit umgehen, aber man weiß ja nie was Anzugträger so reitet!

  • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

    Puh, also ich bin mit dem Cast noch nicht mal durch und muss jetzt vorab schon mal direkt was zum besten geben!!

    Filmischer Kontext hin oder her, in einem Film aus dem jahr 1968 (!!!), also dem Jahr in dem M.L.King erschossen wurde, die Bürgerrechtsbewegung der schwarzen Amerikaner so richtig in Fahrt war, drei Jahre vorher die Rassenunruhen in Watts vom weißen System blutig niedergeschlagen wurde, etc. etc. zu behaupten eine Szene, in der ein schwarzer Amerikaner, der es gerade geschafft hat sich alleinig gegen eine Bedrohung zu behaupten (die seine weißen Mitstreiter allesamt das Leben gekostet hat, ihn also streng genommen als fähiger/mächtiger aussehen lässt), von einer komplett weißen Bürgerwehr, deren Ziel es ist DIE GESELLSCHAFTLICHE ORDNUNG WIEDERHERZUSTELLEN auf “Verdacht” erschossen wird, zu sagen diese Szene hätte keine Bedeutung, weil im vorherigen Verlauf des Films nicht offensichtlich Rassenkonflikte thematisiert wurden.. Also, das geht mir ja nicht in die Birne wie man dann auch noch behaupten kann, das könne man sehr wohl wegdiskutieren!!!
    Diese Thematik war nie brisanter als zu der Zeit, und so eine Szene ist so unfassbar stark symbolisch aufgeladen, dass der filmische Kontext niemals unwichtiger gewesen sein könnte! Vor allem der Vergleich zu THE THING ist (sorry dafür) der größte Unsinn den ich jemals gehört habe! Erstens hat die Szene in THING keinerlei Doppeldeutigkeit (die Männer wissen, dass der Hund das Alien ist und wollen es killen), Zweitens haben Tiere nicht 1985 aktiv für ihre Rechte gekämpft und wurden von Teilen der weißen Gesellschaft als “Bedrohung” angesehen, drittens handelt NOTLD komplett davon, dass eine seltsame Bedrohung wie aus dem Nichts das bestehende System (= die Gesellschaftsordnung) bedroht. Auch wenn er nicht nötig wäre ist hier also sehr wohl ein filmischer Kontext. Wir sehen zwar nur die Situation der kleinen Gruppe, aber durch die
    Ausschnitte wird doch klar, dass quasi ganz USA am Abgrund steht. Das wende doch einfach mal auf die damaligen REELLEN Verhältnisse an und schon hast du da 1A die Analogie zu der brodelnden Rassenthematik. Die schwarzen hatten langsam begonnen mit Nachdruck ihre Menschenrechte einzufordern und große Teile der weißen Bevölkerung hätten alles getan um das zu verhindern. Dass die “weiße Macht” mit Waffengewalt durch “Zufall” am Ende den schwarzen ausschaltet, der sich im vergleich zu den anderen Weißen gegen die Untoten behauptet hat, ist ein glasklares Statement. Quote Christian: Das KANN man NICHT wegdiskutieren.

    Christian sagt ja auch ganz klar: einen schwarzen für die Hauptrolle zu nehmen war damals völlig untypisch. Warum sollte Romero das sonst getan haben, wenn nicht um der letzten Szene Brisanz und Doppeldeutigkeit zu verleihen. Und nun erzähl mir nicht, der Film / die Szene wäre für dich mit einem weißen Darsteller exakt gleich.
    Nein! So ist es nämlich nicht!

    Das musste raus!

    • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

      So, Cast fertig gehört und wieder beruhigt ;)

      War natürlich wieder ne sehr facettenreiche Diskussion, weil hier einfach Welten aufeinander geprallt sind. Hannes soll mal öfter kommen, das war eine interessante dritte Meinung!

      Ich glaube ein bißchen zu wissen warum du, Tamino, damit überhaupt nichts anfangen kannst und es wohl auch nie werden wirst – ein paar schöne Gründe werden ja ab ca min. 46 von dir selbst geliefert:

      Erstes wichtiges Zitat: “Es fällt mir ja immer schwer mich in andere Leute hinein zu versetzen”
      Das ist aber bei Horrorfilmen essentiell und zwar nicht auf einer Ebene, auf der man systematisch ergründet, wie man sich in der entsprechenden Situation verhalten würde, sondern viel assoziativer auf einer Ebene die es zulässt die Angst und Panik, die die Filmfiguren durch die vorhandene Bedrohung empfinden auf einem rein emotionalen Level nachzuempfinden. Mit ihnen da drin zu stecken. So funktioniert z.B. auch der angesprochene BLAIR WITCH, oder auch PARANORMAL ACTIVITY, die beide als Voll-Crap oder Meisterwerk angesehen werden.

      Das Problem bestätigt sich auch in der zweiten Aussage, du sprichst die ganze Zeit davon dir: “zu überlegen was ich in der jeweiligen Situation machen würde”. Horror ist aber 100% Emotionskino und (für jedes andere Genre wäre die folgende Aussage ein Armutszeugnis) zu viel aktiv zu überlegen und zu denken, wirft einen in 99% der Fälle einfach raus. Kein Horrorfilm hält einer tiefergehenden betrachtung nach generellen filmischen Maßstäben stand, weil das meist einfach alles zu flach ist. Die Filme müssen dem aber auch nicht standhalten, weil sie halt anders funktionieren und ein wenig Raum lassen, in dem sich der Zuschauer positionieren kann.

      Ein ganz wichtiger Punkt bei der Horror-Rezeption ist auch eine generelle Empathie. Da hab ich schon in früheren Diskussionen und speziell wieder in diesem Cast gemerkt, dass das Thema scheinbar bei dir auch ganz anders funktioniert. Man hat den Eindruck, Filmfiguren müssen sich, durch ein gewisses Maß an Komplexität, Coolness, oder einfach Qualität, erst deine Empathie verdienen. Zitat hier zu THE THING: “Die Figuren haben doch keine Eigenschaften, es interessiert mich also nicht wenn die alle sterben”. That’s the problem, denn dann kannst du A) nicht mit ihnen mitfiebern und b) auch nicht in die flimmernde Panik-Atmosphäre eingesogen werden. Reicht das denn nicht, dass da Menschen (!) einer ihnen feindlich gesonnenen, unbekannten Bedrohung gegenüber stehen? Also mal ein Beispiel, wenn ich an nem Verkehrsunfall vorbei fahre und nen zerquetschten Menschen im Wrack sehe, dann berührt mich das doch nicht nur negativ, wenn ich die Person auch kenne. Aber vielleicht funktionieren “Gefühle” bei dir auch anders.

      Ich glaube (korrigier mich falls falsch) mittlerweile, das du Filme einfach wirklich zu 100% mit dem Kopf guckst. Kein Vorwurf, nur eine Feststellung/Vermutung. Sollte das der Fall sein, wird Horror, egal ob Zombie, Haunted-House, Backwood, Monster, Slasher, sinnloser Torture-Porn, etc. dich einfach nie komplett packen können. Ich z.B. würde genau das Gegenteil behaupten, dass ich mich ziemlich gut in andere hinein versetzen kann – das hat den Effekt, dass ich Horror nur in gesunden Dosen konsumiere, weil mich das einfach oft zu sehr durchnimmt. Ich leide da selbst bei harmlosen Dingen schon voll mit und das macht es oft intensiv und anstrengend ;)

      Sehr schön übrigens: 2nd Unit goes Drehbuchautor. Wann wird der ideal Zombie-Horror verfilmt?

      • SecondUnitTamino

        Auch ich besitze Gefühle! Irgendwo da hinten links im Hirn oder so :-) Weißt du, das Ding ist bei mir, dass es mir zu wenig ist, einfach nur irgendwelche Typen in nem Horrorfilm zu sehen. Klar sind das auch Menschen, aber wenn einer dieser Typen stirbt, dann ist das für mich in etwa so als wenn eine Geschichte aus folgender Aussage bestünde: “Ein Mensch stirbt”. Zwar ist das kein frohes Ereignis, aber damit mich das in einem Film beindruckt, muss da schon noch etwas mehr kommen – sei es eben der spezielle Charakter oder zumindest die Art und Weise des Todes. Ich will da in der Hinsicht einfach mehr von einem Film geliefert bekommen – in jedem Genre. Sowas wie hier beeindruckt mich nicht. Wenn mir ein Film allerdings einen einprägsamen / charismatischen / sympathischen etc. Charakter liefert dann zieht mich das in die Story. Wieso sollte man das nicht immer erwarten?

        Ein Film erzählt ja schließlich eine in irgendeiner Weise besondere Geschichte, sonst müsste man sie ja gar nicht erst erzählen. Genau wie ich nicht sehen will, dass ein total interessanter Charakter 2 Stunden lang in einem Film Zeitung liest, will ich auch nicht, dass eine interessante Geschichte (die für mich hier auch nicht wirklich vorliegt) von total belanglosen und austauschbaren Charakteren erlebt wird. Ich seh da auch nicht wirklich etwas, was dagegen spricht. Es fallen mir zig Filme aus zig Genres ein, die ihre Geschichte mit einprägsamen Charakteren beleben können – z. B. NAKED GUN, THEY LIVE, der oft genannte SHAUN OF THE DEAD etc. Ich bin nicht der Meinung, dass diese Filme auch nur annähernd genau so gut wären, wenn man die Haupt- und Nebenrollen dieser Werke einfach mit irgendwelchen Typen besetzt hätte, die gerade nen Kaffee zum Set gebracht haben. Ich schäme mich nicht dafür, dass ich auch an einen Horrorfilm solcherlei Erwartungen habe.

        • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

          Na dann ist ja gut. Ganz gezweifelt hatte ich auch noch nicht ;)
          Musst du dich auch nicht für schämen, ich glaube ich habe hier irgendwann sogar schon selber geschrieben, dass man anstatt Genrespezikationen und daran gekoppelte Mindestanforderungen auch ein universelles Qualitätsmaß anlegen kann, oder besser sogar sollte. Das war damals glaube ich beim Thema “Für DAS WAS ER IST, ist der Film okay” ;)

          Ich fand aber euren Gedanken im Cast ganz spannend, dass zu detailierte Ausformulierung der Charaktereigenschaften, vielleicht einen Teil der Projektionsfläche für den Zuschauer aushebelt. Hab daraufhin mal etwas in meinen Synapsen gegraben, was ich eigentlich bei Horrorfilmen empfinde und warum.

          Aber ich prangere selber oft Genre-Stereotypen an, von daher ist das völlig nachvollziehbar was du schreibst.
          Um mit 0815 Figuren mitzufühlen muss zumindest ein passabler Film drumrum geschustert sein!

          • SecondUnitTamino

            Einigkeit?! Does not compute…

    • Hannes

      Hey Jacker,

      bei deinen letzten beiden Sätzen fühlte ich mich
      irgendwie angesprochen. Daher noch einmal: Ich bestreite überhaupt
      nicht, dass die Wahl eines farbigen Protagonisten eine Wirkung auf den
      Film hat. Ich habe nur gesagt, dass Ben auch von einem weißen
      Schauspieler hätte gespielt werden können, weil im Drehbuch selbst, also
      in Bezug auf Dialoge, seine Farbe nicht einmal thematisiert wird. Man
      hätte ihn mit einem jungen weißen Mann besetzen können und erzählerisch
      ergäben sich keine Widersprüche. Dadurch aber, dass er von Duane Jones
      gespielt wird, und hier gebe ich Christian recht, besitzen manche Szenen
      eine politisch aufgeladene Wirkung, etwa wenn er Barbra schlägt, Harry,
      der wie der Vater einer traditionellen Familie gezeichnet wird,
      letztendlich erschießt, und natürlich zum Ende hin. Ich habe ja im
      Podcast selbst gesagt, dass dies das Klima der Zeit widerspiegelt und
      die zeitgenössischen Zuschauer an das erinnert, was praktisch vor ihrer
      Haustür stattfindet.

      Jedoch habe ich Schwierigkeiten mit einem
      anderen Punkt, nämlich Zombies als eine Analogie zu den Unruhen im Land
      zu sehen. Denn würde ich den Gedanken weiterverfolgen, käme mir diese
      Repräsentation schlicht wie der Albtraum eines reaktionären Befüworters
      des ‘alten Amerika’ vor. Wenn im Zuge dieser Analogie Aufständische
      (Bürgerrechtler, Black Muslims, Antikriegsdemonstranten – also alle
      Gruppen, welche die Stabilität der zeitgenössischen Gesellschaft ins
      Wanken brachten) mit menschenfressenden, untoten Monstern verglichen
      werden, deren Ideale letzendlich darin bestehen, alles zu verspeisen,
      eine Schneise der Verwüstung anzurichten und welche nicht zwischen
      “Linken” und “Rechten” in bezug auf ihren Speiseplan unterscheiden, dann
      fängt die Aussagekraft des Films für mich an, deutlich zu hinken.
      Zombies kommunizieren nicht, sie fordern keinen Dialog oder irgendwelche
      Rechte ein. Somit beschränkt sich der Aussagewert des Films für mich
      auf das, was ich bereits im Podcast gesagt habe: Bilder, welche das
      Klima der Zeit reflektieren, sind vorhanden und der Film nutzt diese
      Bilder, um im Zuschauer ein Gefühl des Unbehagens hervorzurufen. Aber im
      Film von einem strukturierten Kommentar zu sprechen, der zudem mit der
      Erzählung zusammenstimmt und Sinn ergibt, das sehe ich in “Night of the
      Living Dead” nicht.

      Um auch das noch einmal zu verdeutlichen:
      Mein Problem ist nicht, dass Menschen versuchen, gesellschaftspolitische
      Bezüge in diesen Filmen zu finden. Das habe ich nie bestritten. Aber
      ich bin skeptischer eingestellt, sobald Leute versuchen, diesen Film
      aufgrund seines politischen Aussagegehalts als eine Art subtiles,
      intelligentes Meisterwerk zu betrachten. Gesellschaftspolitische Bezüge
      finden sich in allen möglichen Filmen des heutigen Mainstream-Kinos:
      “Cloverfield” nutzt 9/11 Bezüge, um seine Wirkung zu verstärken. Sowohl
      “Aliens” als auch “Predator” nutzen so manche Referenzen an den
      Vietnamkrieg auf eine sehr geschickte Art und Weise. Mein Gott, selbst
      “The Fast and the Furious 5″ figuriert manche seiner Actionszenen auf
      eine Weise, dass sie Bilder vom Irakkrieg oder zumindest Filmen über
      diesen hervorrufen. Warum werden diese Filme bitteschön nicht für ihr
      Aufgreifen wichtiger Ereignisse gelobt? Wo bleiben die großen Statements
      hier?
      Ich persönlich lese einen Film erst dann als einen Kommentar,
      wenn dieser als überwiegend stimmige Analogie gelesen werden kann; d.h.
      wenn sich ein Thema manifestiert, welches im Film immer wieder auftaucht
      oder angesprochen wird. Das sind natürlich sehr hohe Maßstäbe, die ich
      hier ansetze, aber ich verlange von einem Film ja nicht, dass er mich
      belehrt oder von etwas überzeugen möchte, was das reale Leben betrifft.
      “Night
      of the Living Dead” funktioniert als Kommentar ersteinmal nicht, weil
      die Zombies als Massenphänomen für mich unmöglich als Vergleich zu den
      Massenbewegungen im Land herhalten, es sei denn, es handelt sich um die
      albtraumhafte Vision eines Ultrarechten im politischen Spektrum. Und
      andererseits ist mir der Konflikt zwischen Ben und Harry im Film
      überraus reißerisch gezeichnet. Er hätte ein exellentes Vehikel für die
      Thematisierung von Rassenkonflikten sein können, aber durch die für mich
      eher ärgerliche Schwarz-Weiß-Malerei (no pun intended!), welche der
      Film diesem “Duell” zwischen den beiden aufzwingt, gelingt es mir nicht,
      sonderlich viel Wert daraus zu ziehen als lediglich ein Statement, das
      heißen könnte: “Ja, weiße Konservative sind halt feige, böse Menschen”.
      Ärgerlich finde ich hier vor allem, dass dadurch eine Menge Potential
      verloren geht, das mittlere Drittel irgendwie dynamisch zu gestalten, da
      die Figur des Harry für mich deutlich schon von vornherein verurteilt
      wird.
      Und dasselbe gilt halt auch für das Ende: Die Erschießung Bens
      ruft gerade durch seinen realen Kontext eine schockierende Wirkung
      hervor, das bestreite ich ja nicht. Doch im Rahmen der Erzählung sehe
      ich keinen Grund, warum diese Bürgerwehr nicht durch das Land ziehen und
      die Zombies erschießen sollte. Hier eine Analogie zu sehen zwischen dem
      Niederknüppeln von oder dem Feuern auf Aufständische macht innerhalb
      der Handlung ersteinmal keinen Sinn, da es keinen Grund gibt, nicht
      gegen die Zombies vorzugehen und sie endgültig zu töten. Und Ben’s Tod
      kommt innerhalb des Films eben ersteinmal nur durch eine Verwechslung
      zustande. Dass Romero diese Szene mit zeitgenössischen realen Kontexten
      auflädt, macht seine Wirkung besonders effektiv und bereitet ein
      gewisses Unbehagen. Dafür lobe ich das Ende: Seine effektive
      Inszenierung. Aber das ändert nichts daran, dass rein von der Handlung
      her, unabhängig aller zeitgenössischen Befindlichkeiten, die Ereignisse
      einfach anders ablaufen, und beide Ebenen, Handlungsebene und
      metaphorische Ebene, nicht so ganz zusammenstimmen.

      So, das war
      jetzt ein extrem langer Textbeitrag von mir, aber ich hoffe ich konnte
      einigermaßen erklären, warum ich Probleme mit dem Kommentar des Films
      habe. Andere Leute mögen das in “Night of the Living Dead” gezeigte
      besser hinnehmen, doch für meine Ansprüche reicht mir das Gezeigte
      leider nicht. Und es tut mir leid, dass ich das gerade so umfangreich
      erklärte auf eine Antwort an dich abwalze, Jacker. Nimm’ es also bitte
      nicht zu persönlich.

      • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

        Erstmal danke für die ausführliche Antwort (ich bin sehr empfänglich für ewig lange texte, daher freu ich mich drüber).
        Jetzt muss ich aber noch ein bißchen was klarstellen – habe nämlich meinen obigen Comment vorhin auf die schnelle eingehackt und damit eigentlich konkret Tamino angesprochen. Ich bin selber niemand, der tiefgründige Bedeutung in TNOTLD hineininterpretiert. ich sehe ihn einfach als den grundstein des modernen zombie-Horrors an und dafür bekommt er von mir entsprechenden Credit. Die obige Aussage war wirklich vollständig darauf bezogen, wie Tamino die Symbolik der finalen Erschießung im Podcast quasi abstreitet. Was ich geschrieben habe, sollte nur dazu dienen das damalige Drumherum zu skizzieren, um zu verdeutlichen, dass im politischen Klima der späten sechziger jahre eine solche Szene einfach unmöglich als neutral rezipiert (und mit sehr hoher wahrscheinlichkeit auch nicht intendiert) sein konnte.
        Auch die Aussage über Watts war nur dazu da, nochmal zu verdeutlichen welche Einstellung (aufgrund von unittelbarer Erfahrung) die damaligen zuschauer zur Erschießung eines Schwarzen durch ein weißes Commando (egal welcher Art) gehabt haben müssen.
        Die Zombies mit den sich freikämpfenden Afroamerikanern gleichzusetzen halte ich für exakt den ultra-reaktionären Wahnsinn, den du beschreibst (hatte sogar ähnliche Formulierungen im Kopf). wenn man interpretieren will, dann macht es überhaupt nur andersherum Sinn: Der schwarze Mann ist in der Unterzahl und kämpft sich nach und nach frei, zum Ende hin kommt der weiße Mann und sieht, da der schwarze es geschafft hat “die Ketten zu sprengen” als letzte Möglichkeit ihn ohne Achtung des Gesetzes (daher die Bürgerwehr) eiskalt auszuschalten, um die eigene Machtposition zu bewahren.
        Aber wie gesagt, ich halte (trotz genereller Interpretationsfreude) nichts davon da so viel tieferen Sinn reinzudenken, es ging mir nur um die konkrete Szene.
        Dass im Skript nichts in der Form thematisiert wird, würde ich so erstmal unterschreiben, habe weiter unten jetzt auch dein Zitat von Romero gelesen (bzgl. bester verfügbarer Actor, Hautfarbe war kein Kriterium), allerdings muss man sich schon fragen – vor allem da Romero ja sämtlichen Auteur-Kriterien voll entspricht – inwiefern nach dem abgeschlossenen Casting noch gesagt wurde: “Jetzt arbeiten wir auch damit” und gegen Ende dieses “Statement” eingebaut wurde. Ich kann mir wirklich nicht voirstellen, dass sich Romero der Brisanz der Erschießung nicht bewusst war.
        Das kann nicht sein.

        • SecondUnitTamino

          Ich glaube für mich ist diese ganze Geschichte mit dem Social Commentary in etwa so wie bei Lynch :-) Nur weil möglicherweise ein Gedanke dahinterstand, ist das für mich noch keine Aussage in irgendeiner Form. Kunst besteht aus einer Intention UND einem Konzept ihrer Umsetzung. “Guck mal, der Hauptcharakter ist schwarz” ist für mich kein Social Commentary, auch wenn Romero das vielleicht wollte. Wie gesagt, ich bin nicht mal auf die Idee gekommen, dass es hier thematisiert werden könnte. IN THE HEAT OF THE NIGHT beschäftigt sich mit diesem Thema, NIGHT OF THE LIVING DEAD hat ein paar AUSSCHLIEßLICH VISUELLE Fingerzeige dadrauf.

          Wenn du sagst, dass mein THE THING Vergleich in der Hinsicht “das dümmste ist, was du je gehört hast” dann könnte ich dadrauf ja mal schön erwidern, dass es das dümmste sei, was ich je gelesen habe, dass man anfängt, in einen Zombiefilm irgendwelchen Rassen- oder Gesellschaftsbotschaften reinzulesen, nur weil es am Ende einen kurzen Moment gibt, der rein visuell an den Vietnamkrieg erinnert oder eben der Hauptcharakter schwarz ist, OHNE DASS ES JEMALS IN NUR EINEM SCHEIß DIALOG – GESCHWEIGE DENN: WORT – IM FILM THEMATISIERT WÜRDE. Hab nur leider schon ne Menge dümmere Sachen gelesen ;-) Selbst wenn Romero das intendiert haben sollte, in welcher Weise ist das denn für den Zuschauer interessant, wenn es kein Thema im FIlm ist? Ich begreife das einfach nicht. Oh, der Typ ist schwarz. Oh, Uhura hat Spock geküsst. Ich kann weder die Leute verstehen, die sich über sowas aufregen (damals) oder die, die sowas heutzutage in irgendeiner Weise interessant oder tiefgründig oder was auch immer finden (heute). Wenn man aus NIGHT OF THE LIVING DEAD irgendwelche zum Nachdenken anregenden Gedanken herausziehen kann (die jetzt mal über die bloße Survival-Situation hinausgehen), dann bin ich wohl als Philosophiestudent, nein, Mensch mit durchschnittlichem IQ wohl überqualifiziert. Das erinnert mich an BATTLE ROYALE, der ausschließlich daraus besteht, dass sich Teenager auf einer Insel auf alle erdenklichen Weisen gegenseitig umbringen und als Excuse für das Gemetzel wird dann irgendeine Gesellschaftssatire, -grotesque oder -dystopie angeführt. Der Film bleibt aber dennoch ein stumpfes Gemetzel. Es ist was er ist, nicht was er sein soll.

          Stell dir vor ich drehe einen Heimatfilm mit Hansi Hinterseer und an einer Stelle liest dieser Zeitung und auf dem Titelblatt ist Edathy abgebildet. Habe ich jetzt in meinem Film Kinderpornographie behandelt? Natürlich kann man sich darüber unterhalten – wenn man sowas warum auch immer interessant findet – warum ich meinen Charakter genau diese Zeitung habe lesen lassen. Aber wenn man anhand des restlichen Films sofort sehen kann, dass das Thema ein keinster Weise behandelt wurde, warum sollte ich mich somit nicht einfach anderen, ergiebigeren Diskussionspunkten widmen? Meinetwegen hat Romero versucht, hier irgendein Statement zu machen. Es ist halt nur nicht im Film drin. Wer des Königs neue Kleider bewundern will, soll es tun, ich find sowas öde.

          • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

            Erstmal ein kleines “sorry”, für meinen Rage Modus vorhin. Ersetz mal “dümmste” durch “unpassendste”, ich wollte ja hier nicht rumflamen ;)
            Ich hab es eben Hannes schon geantwortet und sag es nochmal: Mir geht es nicht um die Gesamtaussage des Films – da sehe ich selber quasi keine – sondern spezifisch um diese Erschießung und auch nicht darum, ob da eine tiefere Message/Kommentar drin steckt, sondern lediglich >das man ihr die gesellschaftspolitische BRISANZ nicht absprechen kann<
            Zu sagen: "Oh, der Typ ist schwarz. Oh, Uhura hat Spock geküsst. Ich kann weder die Leute verstehen, die sich über sowas aufregen (damals) oder die, die sowas heutzutage in irgendeiner Weise interessant oder tiefgründig oder was auch immer finden (heute)." ist in meinen Augen einfach nicht weit genug gedacht. Ganz unabhängig vom Film, ignorierst du doch damit einfach ein gesellschaftspolitische Gesamtsituation in der Zeit. Ich kann auch nicht nachvollziehen warum die Leute damals so gedacht haben, anstatt tolerant nebeneinander her zu leben – es war aber trotzdem so. Es nicht nachvollziehen zu können, macht es doch nicht weniger existent und deshalb ändert auch die heutige/selbstverständliche Sicht daran nichts, dass der Spock/Uhura Kuss, oder die Szene hier ganz sicher Wellen geschlagen haben.
            Rassentrennung und der afro-amerikanische Freiheitskampf sind doch um unzählige Größenordnungen relevanter und gewichtiger als eine Edathy-Affäre, das zu vergleichen funktioniert imo auch nicht.

            Also ich stimme dir zu, dass die Meinungen zu dem Film sicher ziemlich überinterpretiert sind. Trotzdem hat die Szene für sich eine vom Rest völlig entkoppelte Wucht..

          • Gormenghast

            Der arme Spock ist völlig unschuldig.

            Kirk war der Bösewicht (aber fremdgelenkt durch Gedankenkontrolle…also Freispruch, hohes Gericht !!!)

            http://www.youtube.com/watch?v=FynuBw_VsBE

          • SecondUnitTamino

            Huch, das sollte als Trekkie eigentlich nicht passieren. Ich kann dir aber genau sagen, worher mein Denkfehler kam: VON DIESER BEKLOPPTEN SPOCK-UHUARA LIEBESGESCHICHTE IN INTO DARKNESS!!!

          • SecondUnitTamino

            Soo, “Brisanz” ist doch ein schönes Wort. Damit kann ich auch problemlos leben und die würde ich dem Film dann auch im historischen Kontext nicht absprechen wollen.

        • Hannes

          Hey Jacker,

          deinen letzten Absatz würde ich so auch unterschreiben. Und der Rest klingt ja so, dass wir uns mehr oder weniger einig sind. Die Idee mit dem sich freikämpfenden, schwarzen Mann klingt im Übrigen interessant; darüber muss ich wohl noch einmal nachdenken.

          liebe Grüße,

          Hannes

          • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

            Ich hatte noch was vergessen: Du erwähnst aj moviepilot im Cast. Anhand der Nähe zu Tamino und den aktuellen Bewertungen auf dem Profil, nehme ich an, dass du dort “Deekin” bist (den ich vor kurzen geaddet hab)? Falls nicht: Verrätst du mir deinen Nick?

          • Hannes

            Richtig geraten ;)