Second Unit #233 – Wonder Woman (Gäste: Michi von der CineCouch & Patrick vom Batcast)

Drei Meinungen, drei Stunden lang, ein Film. In dieser Ausgabe brechen wir mit Michi von der CineCouch und Patrick vom Batcast alle Rekorde. Und Wonder Woman (Amazon-Link*) ist auch dabei. 

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Die wohl größte Überraschung und der heimliche Star des Films ist die Regisseurin Patty Jenkins. Nicht etwa, weil sie eine Frau ist, sondern weil sie mit diesem Film ein Feingefühl für das Genre, seine Tradition und Tropes besitzt. Ein großer Anteil dürfte aber auf das Konto von Allan Heinberg Drehbuchautor gehen. Zack Snyder hatte wohl ebenfalls Input geliefert. Zum Glück merkt man nicht viel davon! Der eigentliche Star des Filmes ist aber Gal Gadot als Diana bzw. Wonder Woman. Wunderbar gespielt, gut besetzt. Ebenso Chris Pine als Steve Trevor. Connie Nielsen als Hippolyta und Robin Wright als Antiope fallen ebenfalls positiv auf. Und Danny Huston als Ludendorff ist kein Unbekannter als Bösewicht im Superheldengenre.

Wir diskutieren (ausführlich!) über die Besetzung, das Schauspiel und die Chemie zwischen den Hauptfiguren. Darüber hinaus analysieren wir auch die Inszenierung, verorten den Film sowohl im Genre als auch im eigenen Film-Universum und fragen uns schlussendlich, was eigentlich Superheldinnen dem Blockbusterkino beibringen können.

Nächste Woche übernimmt wieder drüben die Superhero Unit mit Spawn (Amazon-Link*), die Woche drauf geht es hier dann mit einem weiteren Schmankerl weiter. Zum Kinostart von Immigration Game (Amazon-Link*) schnappe ich mir Krystof Zlatnik, den Regisseur des Filmes & Co-Kopf der Genrenale, sowie seinen Podcast-Co-Host und ebenfalls Filmemacher Félix Koch, um mit beiden über den Film und das Filmemachen zu sprechen.

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[Download | Länge: 03:02:41 | Größe: 87,9 MB | @2nd_Unit | Facebook.com/SecondUnit | iTunes | Unterstützt uns bei Patreon!]

[Teaser-Bild: cc by 2.0 JD Hancock]

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  • http://cinecouch.net/ Jan

    Eine seeeeehr lange, aber auch sehr interessante Folge zu einem Film, von dem ich nie dachte, dass ich ihn sehen würde, der mich am Ende aber nicht überraschen konnte.

    Kurze Anmerkungen zu eurer Diskussion:
    - Ihr habt sehr schön herausgearbeitet, wie der Film die ProtagonistIN präsentiert, sie filmisch wie narrativ einfängt und mit ihr umgeht – und auch, welchen Einfluss (höchst wahrscheinlich) eine Regisseurin auf diese Präsentation hat.

    - Warum der Film so wichtig ist, finde ich trotz einiger Punkte von euch, etwas zu kurz gekommen: Der Film ist für den Stand von Regisseurinnen in Hollywood ein Meilenstein (http://www.boxofficemojo.com/news/?id=4298&p=.htm), weil noch nie ein Film einer Regisseurin mit über 100 Mio Dollar am Box-Office in den USA gestartet ist. Patty Jenkins beweist, dass Frauen ebenso wie Männer in der Lage sind, große Kassenerfolge im Hochbudget-Bereich zu erzielen. Klingt banal, drang aber bislang nie wirklich durch bei den Studiobossen. Ich denke, dass dieser Film eine Signalwirkung haben wird und natürlich nicht von heute auf morgen die Filmwelt verändert, aber die Tür weit aufgestoßen hat, für eine gleichberechtigte(re) Filmpolitik im Blockbusterkino.

    - Zum Ersten Weltkrieg als Setting: Der Film nutzt das Setting (wie CAPTAIN AMERICA oder auch ein INDIANA JONES), um dem Zuschauer die Welt schnell zu erklären. Auch wenn WWI ein selten gewähltes Setting ist, so weiß doch zumindest jeder, wer gegen wen gekämpft hat und damit sind die Rollen schnell verteilt. Im Falle von WONDER WOMAN fand ich den Einsatz dennoch leicht fragwürdig, weil ich es als sehr seltsame “Geschichtsstunde” erachte, wenn Superhelden in die Weltkriege (dazu noch direkt an der Front) Einfluss nehmen. Ich glaube nicht, dass irgendein Zuschauer denken würde, Wonder Woman hat den Krieg (mit)entschieden, aber dennoch bleibt ein fader Beigeschmack.

    - Daran anschließend, der große Schritt zur Heldwerdung von Diana: Wenn ihr euch mit dem WWI etwas auseinandersetzt, dann braucht man bei den Grabenkämpfen an der Front nicht die bildliche Darstellung von hunderten Soldaten, die ausgeschaltet werden müssen, um die große Tat von Diana zu unterstreichen. Die Grabenkämpfe haben keinerlei Verschiebung der Front gebracht oder gar Gebietsgewinne. In der sogenannten “Dead Zone” sind Millionen von Soldaten umgekommen, weil es weder ein Vor noch Zurück kam. Da braucht es meiner Meinung nach nicht die teils bei euch vermissten Bilder mit zig Komparsen, weil die Tat von Diana qua Wissen um WWI schon als übermenschlich genug reicht.

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Dich hätte ich hier in den Kommentaren auch gar nicht erwartet. Überraschend und erfreuend :D

      Zu deinem ersten Punkt: Da haste natürlich recht, aber ich persönlich bin es soooooooooo müde über Hollywood als Business zu diskutieren. In einem Podcast. Aus Deutschland. Weil wir es einfach nicht können.

      Mich nervt das auch generell im Netz und in der Filmkultur. News werden unendlich zerfleddert, wiedergekäuft und “analysiert”, anstatt sich über das zu unterhalten, was zählt: Filme. Case in point: Die aktuelle Diskussion um den Han Solo Film, bei dem jetzt alle Schreibtisch- und Kinderzimmer-Produzenten mit einem Twitter-Account meinen zu wissen, was da los ist, wer warum gefeuert wurde und warum das nun irgendwie relevant sein soll. Mir alles egal, es geht um den Film. Der gerade gedreht wird. Und dann ins Kino kommt. DANN können wir uns gerne über alles mögliche unterhalten, was man auf der Leinwand sieht. Aber bitte auch nur dadrüber, und nicht, was man alles vorher an Gerüchten und Gemunkel gehört hat.

      Sorry für den kleinen Rant, aber das musste mal raus :D

      • http://cinecouch.net/ Jan

        Nun ja, ich sehe schon einen Unterschied zwischen hitzigen Internet-Bashings zu Filmnews, Trailern und sonstigem und einer kultur-ökonomischen Diskussion. Aber ist vollkommen legitim sich das nicht so groß zum Thema zu machen (die Länge der Folge muss man ja auch nicht ins unendliche treiben ;) ), aber für mich ist das Thema bei WONDER WOMAN tatsächlich gerechtfertigt, ähnlich wie der technologische Einfluss eines AVATAR auf das Blockbusterkino, obwohl der Film inhaltlich mau war.

        • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

          Du hast ja vollkommen Recht. Ich hatte auch nur das Gefühl, dass sich andere schon ganz gut um das Thema kümmern und wir eigentlich noch gar nicht so viel dazu sagen werden. Erst im Rückblick lässt sich ja feststellen, wie groß der Einfluss wirklich sein wird. Aber klar, für den Moment ist das alles schon ein wichtiger Meilenstein. Ich bin ja erstmal nur ganz froh, dass sich jemand mal wieder meinem Heldenmodell gewidmet hat :D

  • Khorosho

    Wonder Woman war für mich einer der besten Superheld(inn)en-Filme der letzten Jahre und endlich der erste wirklich gelungene Beitrag zum DCEU (obwohl ich abgesehen von seinem allzu ausartenden Action-Showdown dem ambitionierten Man of Steel auch eine ganze Menge abgewinnen konnte). Schönes World-Building, nachvollziehbare Figurenentwicklungen, gute Performances auf fast allen Seiten, grandios inszenierte Action a la Snyder (Slo-Mo sah selten so gut aus:) und ein wirklich phänomenaler Score von Rupert Gregson-Williams. Abgesehen von den wie so oft vergessenswerten Antagonisten, zu vielen belanglosen Nebenfiguren (insbes. die Crew um Gadot und Pine) und der etwas zu lang geratenen Laufzeit (betrifft vor allem den obligatorischen CGI-Overkill-Showdown) gab es da nicht viel zu motzen. Patty Jenkins hat hier einwandfreies Popcorn-Kino mit Bums und Gefühl hingelegt – und vielleicht die perfekte Kombination aus den besten Elementen aus Thor 1 (Fish out of Water) und Captain America 1(Weltkriegs-Szenario).

    Habe hier über Wonder Woman und manches mehr palavert: https://soundcloud.com/kinokost

  • TheMiddlist

    Toller Film & toller podcast.
    Ich finde der Film ist bis auf ein paar Dinge am Ende praktisch perfekt. Er fühlt sich unglaublich frisch an, dabei passiert im Grunde das was in jeder origin story passiert und ich glaube nicht dass es daran allein liegt, dass es um eine Heldin geht statt eines Helden. Der Film ist ganz anders als die anderen DC Filme (zum Glück) aber er ist auch ganz deutlich kein Marvelfilm sondern auf eine sehr gut gemachte Weise ernster aber nicht düster (zumindest nicht mehr als angesichts des Settings notwendig)

    Ihr habt ja ein wenig kritisiert dass oft muskelbepackte Typen als Bösewichter gecastet werden aber grade beim Gott des Krieges hätte ich irgendeinen 300-Verschnitt tatsächlich ganz passend gefunden und David Thewlis hat mich da eher rausgerissen. Ich hätte ehrlichgesagt erwartet dass sie für den Kampf noch jemand anderes casten und das hätte für mich auch besser funktioniert.
    Ich fand generell die Bösewichter zwar funktional aber nicht sehr viel mehr als das. Sowohl Ludendorff als auch Maru sind eher klischeehaft, beide. Das wären aber auch meine einzigen richtigen Kritikpunkte, alles andere sind mehr oder weniger nitpicks.

    Ansonsten habe ich natürlich auch keine WWI-doku erwaretet aber man fragt sich ein bisschen wie angesichts der Tatsache wer in diesem Film so alles stirb, die deutsche Geschichte weitergehen soll.
    Was mir gut gefallen hat ist dass in einigen Einstellungen britische Kolonialtruppen zu sehen waren (z.B. indische Truppen) und dass das osmanische Reich vorkam (aber die Franzosen haben mal wieder gar keine Armee außer einen Typen, das tut mir so langsam leid für die denn das ist immer so während die Deutschen immerhin noch böse sein dürfen). Der Erste Weltkrieg, vor allem die Westfront, ist für den Film irgendwie auch das ideale Setting da der Krieg sich ziemlich sinnlos anfühlt, es kein besonders klares Ziel und keinen klaren Bösewicht gab und sich relativ schnell gar nichts mehr tat – das wird im Film auch ganz gut eingefangen und macht die erfolgreichen Offensiven von Diana umso cooler.
    Es hat mich etwas gewundert dass es am Ende des Filmes kein Ereignis gibt dass dazu führt, dass sie 100 Jahre nicht mehr auftaucht (also dass sie aus irgendwelchen Gründen nach Themyskira zurückkehrt o.ä.) andererseits frage ich mich auch ob sich DC zwingend daran halten muss dass sie 100 Jahre gar nicht eingegriffen hat. In diesem Film ist es durchaus plausibel dass nicht allzu viele Leute von ihr wissen/es Legenden gibt aber eben auch nur Legenden – wer sagt dass das im Zweiten Weltkrieg/Kalten Krieg nicht auch so war? Andererseits muss ich das auch gar nicht unbedingt sehen. Naja, ich bin auf jeden Fall sehr gespannt auf die Fortsetzung und darauf was Diana in der Justice League macht.

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Das Problem ist ja, dass sie aus Man Of Steel den Nullpunkt des Universums gemacht haben (aka bei dem Film noch gar nicht wussten, dass es ein ganzes Universum werden soll). Man of Steel behandelt das Auftauchen Supermans ja als DAS Ereignis schlechthin. Wenn sich jetzt aber rausstellt, dass es in der Filmwelt schon seit 100 Jahren eine aktive Wonder Woman und einen Batman in Rente gibt, dann funktioniert das alles ja irgendwie nicht mehr.

      Was ich sagen will: das DCEU braucht eine Special Edition für Man of Steel, bei der per CGI die komplette Justice League in jeden Establishing Shot eingefügt wird… ;-P

      • TheMiddlist

        Ich glaube nicht dass das den Film besser macht xD (wobei ich Man of Steel noch gar nicht mal sooooooo schlecht finde)