Second Unit Special #03 (Spider-Man 3)

Wir beenden unsere Spider-Man-Trilogie mit dem eher enttäuschenden Spider-Man 3. Leider schließt die Filmtrilogie nicht mit einem Kracher, sondern fällt durch  die vielen Charaktere und Handlungsstränge wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

Auch unsere Getränk, die Red Bull Cola nämlich, schafft es nicht den hohen Erwartungen gerecht zu werden.

Wir versuchen zu Beginn auf die neuen Schauspieler einzugehen, können uns in unserem ausgebildeten Expertenwissen aber an keinen einzigen Namen erinnern. Dafür liefern wir diese nun hier nach: Topher Grace spielt Eddie Brook bzw. Venom, Thomas Haden Church verkörpert den Sandman in seiner menschlichen Form und Bryce Dallas Howard ist Gwen Stacy.

Uns hat die Story in diesem Teil besonders auf den Magen geschlagen. Zum einen, dass an den genauen Umständen von Uncle Ben’s Tod aus dem ersten Teil geschraubt wurde (Stichwort: Retconing), zum anderen die viel zu alberne Darstellung vom “bösen” Peter Parker. Da hat selbst Superman 3 eine bessere Figur abgegeben, und dieser Film schafft es eigentlich in keinem Vergleich zu irgendwas gut dazustehen.

Es gibt auch eine Spoiler-Warnung: Zwischen 42:20 und 43:00 könnten wir für manche vielleicht Fight Club ruinieren. Ihr seid gewarnt! Und aufgefordert den Film zu gucken! Schnell!

Zum Schluss versuchen wie die Trilogie als Ganzes einzuordnen und stellen fest, dass der Abschluss in dieser Form eher daneben geht und vielleicht der zweite und dritte Teil inhaltlich vertauscht sein müssten. Wir versuchen aber auch allgemein auf die Probleme von dreiteiligen Geschichten einzugehen und ziehen dazu Star Wars, Back To The Future, The Matrix und X-Men heran. Außerdem vergleichen wir die Fortsetzungs-Problematik auch mit den Ghostbusters-Filmen und verweisen auf Herr der Ringe, bei dem die ganze Trilogie (sofern sie überhaupt so genannt werden kann) als eine einzige lange Geschichte verstanden werden muss. Zum Schluss wünscht sich Tamino eine Verfilmung von Batman of The Future. Good Luck with that!

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[Download | Länge: 1:18:51| Größe: 36,2 MB| @2nd_Unit | Facebook.com/SecondUnit | iTunes]

[Teaser-Bild: cc by ludoviς]

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  • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

    Uiuiuiui, Oh Mann, Oh Mann, Oh Mann.
    Ich wär ja bei dieser Episode wirklich am liebsten in meine Kopfhörer gesprungen um mit zu diskutieren. Weil ich teilweise zwar verstehen kann wo die Probleme liegen (einige sind nicht von der Hand zu weisen) aber wirklich bei jedem Problem, bei jeder Szene, etc. der Meinung bin, dass es einen Grund für das gezeigte gibt und es im Gesamtkontext (!) völlig Sinn macht. Alles (auch die Unzulänglichkeiten) fügt sich mit den weiteren Puzzlestücken soweit zusammen, dass sie wunderbar in ‘Symbiose’ gehen.

    Das Verhältnis von MJ/Peter stellt für mich eine perfekte Fortführung ihrer beider Historie dar! Die Entwicklung in Teil1 & 2 ist ja bekannt, am Ende gibt sie ihm sogar (durch den von euch zitierten Satz ‘Go, get’em Tiger!’) die Legitimation seine Mission als Spiderman mit aller Konsequenz fortzuführen. Und das hat den Effekt, dass sie ab diesem Punkt immer nur die zweite Geige spielt. Deshalb hat sich das Verhältnis der beiden zwischen dem Vorgänger und diesem dritten Teil völlig entfremdet.
    Da aber Peter Parker im Gegenzug von allen Seiten nur noch Zustimmung erfährt, der Held der Stadt ist, hochgejubelt wird, von Kids mit Spidey T-Shirts gefeiert, fällt ihm das überhaupt nicht mehr auf. Sein Riecher für andere Menschen ist nur noch für das ‘retten’ von in Not geratenen vorhanden.
    Das ist doch der Kernplot von SPIDERMAN 3: Dem vormals so unsicheren und selbstlosen Peter Parker steigt sein Ruhm zu Kopf, er wird arrogant, Ich-bezogen, sein Ego wächst. Und deshalb bemerkt er die Probleme seiner Freundin nicht mal mehr. Egal worüber sie klagt, er dreht es in ein Spiderman-Gegenbeispiel, egal was SIE bewegt, er dreht es in ICH. Das geht so weit, dass er ihr den Antrag machen will, ohne überhaupt zu bemerken, dass sie in ihrer Welt und den Umständen ihrer Beziehung todunglücklich ist! Dass sie sich nicht mal mehr traut ihm anzuvertrauen, dass sie nach dem ersten Abend bereits aus der Show gefeuert wurde. Dass sie, ohne es wirklich zu wollen, nur in der Hoffnung wieder wahrgenommen zu werden (!), zu einem Ex-geliebten fährt und droht die Kontrolle zu verlieren.

    Und diese Wandlung von Peter Parker bildet den perfekten Anknüpfungspunkt für beide Villains in SPIDERMAN 3. Keine Frage, der Sandman wird ziemlich unspektakulär eingeführt, die Anknüpfung an den (eigentlich längst geklärten und ad acta gelegten) Tod von Uncle Ben tut in ihrer Plumpheit (und Verdrehung der etablierten Fakten) fast weh. Das ist jedoch zu verschmerzen, da die viel interessantere Komponente des Sandmans die Wirkung welche er auf Parker/Spidey ausübt ist. Er macht ihn wütend, rasend, lässt einen ungekannten Hass in Parker aufsteigen, den Drang nach Rache und Brutalität aufkommen. Das sind Seiten, die Parker in sich als abgelegt geglaubt hatte und die aufgrund seiner bewussten Wandlung zu ‘großer Verantwortung’ hin nicht mehr existierten.
    Die zweite Wandlung, die Parker zu negativerem Wesen hin durchläuft.

    Und da kommt die außerirdische Lebensform, der Symbiont ins Spiel und erhält quasi instantan seine Daseinsberechtigung: Was wir sehen, deckt sich mit Dr. Connors Beschreibung der außerirdischen Lebensform – sie verstärkt negative Gefühle in ihrem Wirt und einmal verbunden wird es schwer sie wieder abzulegen. Alles was Parker an Wandel erfährt wird durch den Symbionten verstärt und noch wichtiger: seine Selbstwahrnehmung des wütenden, aggressiven, von Hass gesteuerten Peter Parkers wird ins positive verschoben.

    Ein Parker, der sich selbst als den größten ansieht.
    Ein Feind, der diesen arroganten Parker agressiv und wütend macht.
    Ein Parasit, der dieses ‘Böse’ ins unermessliche steigert.

    Besser geht es doch gar nicht! Und da ich felsenfest davon überzeugt bin, dass SPIDERMAN 3 sich noch mehr als die vorhergehenden Episoden mit Parkers Psyche befasst, ist es kein Problem, dass diese Villains mehr oder weniger gesichtslos besetzt sind (verglichen mit Dafoe / Molina). Weil die Wirkung auf Parker ihre Funktion darstellt.

    Dann ist da die oftmals thematisierte und zweifellos vorhandene Überladenheit, ein wahres Chaos der Charaktere. Da ist MJ als Peter’s Freundin, Gwen Stacy als verlockende andere Frau, Harry der zwischen mordlüsternem Racheengel und bestem Freund hin und her schwankt, der Sandman, der Symbiont der später zu Venom wird, der gute Parker, der böse Parker, der alte Spiderman, der dunkle Spiderman. Es hört nicht auf.

    Was viele stört, weil auch in 150 Minuten nicht alle dieser Figuren genug Beachtung finden können (!), finde ich aber sowohl für den Abschluss der Trilogie, als auch für die Entwicklung von Parker’s Person ziemlich passend. Die Dinge steigen ihm über den Kopf. Seine (und Spiderman’s) Probleme lassen sich nicht mehr alleine lösen, Spiderman droht zu scheitern, weil zu viel auf einmal zu sehr ineinander greift um noch zu bewältigen zu sein. Auch hier nochmal: Das wichtige dabei ist nicht der Charakter der einzelnen Gegner, sondern dass sie zusammen agieren!

    Ich könnte noch weiter schwadronieren, warum das eine oder andere, offensichtlich vielleicht zunächst als Drehbuchschwäche erkennbare, doch gar nicht so schlecht ist und im Kontext wieder Sinn macht, aber es tut einfach noch Not ein wenig auf Raimi, seine Autoren und seine Inszenierung einzugehen.

    Denn am meisten begeistert mich in SPIDERMAN 3 die Atmosphäre!
    In Teil 1 war sie sehr comichaft und leicht. Das hat einfach Spaß gemacht. In Teil 2 wurde es etwas nachdenklicher und inhaltsschwangerer. Und hier liegt nun beides in wundervoller Balance vor. Wenn Spidey mit seiner dunklen Seite kämpft und in Rage gerät, wirkt das ganze bedrohlich und düster. Auf der anderen Seite sind da Momente in denen peter Parker maßlos (!!!) überzeichnet über den Broadway flowt und seinen neu erlangten ‘verruchten Charme’ tänzerisch auskostet. Eine grandiose Metapher auf ‘The bad guy gets the chicks’ und in der Darstellung die Spitze der Comichaftigkeit. Standbild, Kasten drum, schwarze Outlines um die Figuren und es könnte 1:1 aus einem Print-Comic entstammen. Und nicht nur das, auch die ständigen, trashig an die Vergangenheit Raimi’s erinnernden ‘Blitz und Donner bei Nacht’ Shots, die Kulisse insgesamt, usw. das alles lässt ebenfalls keine Zweifel an der Vorlage aufkommen.

    Was soll ich sagen? Mir macht SPIDERMAN 3 (wie man vielleicht merkt) trotz objektiver Holprigkeiten einen Riesen-Spaß! Wild vernetzte Geschichte, interessante Atmosphärenwechsel, Humor, knallende Action. Ich überlege fast ob es für mich das Highlight der Reihe ist!

    My 200 cents ;)

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Spannendes Plädoyer von dir. Ich hab den Film nicht mehr ganz so in Erinnerung wie du, aber das macht durchaus Sinn, was du schreibst. Ich frage mich nur, ob das der Film selbst auch hergibt oder nicht auch ein bisschen “wishful thinking” bei dir mitschwingt ;-P

      • http://weltamdraht.blogsport.de/ jacker

        Das kann ich natürlich nicht sagen, ich weiß nur, dass ich den Film sowohl damals wie auch gestern rund (und als logische Fortführung) empfand! Es ist natürlich immer so eine Sache, wie sehr man Fragen die zwangsweise aufkommen beantworten kann und will.

        Ein paar Beispiele aus dem Podcast:
        ‘Warum redet harry nicht einfach normal mit Peter wegen der Vater-Sache?’
        Man kann sagen es ist Unsinn, man kann aber auch argumentieren, dass Harry zwischen Part 1 und 2 ganze zwei jahre lang den hass in sich rein gefressen hat. Und dieser immer größer und zu einem, ihn marionettenartig steuernden Wunsch nach Rache geworden ist. Und dass Hass eben kraftvoll Menschen lenken kann und Harry deswegen einfach völlig irrational handelt (und Peter’s Argumente ‘Ich war es nicht’ als heuchlerischen Selbstschutz abtut), anstatt sich besonnen mit der Frage ‘was ist da passier?’ auseinander zu setzen.

        ‘Warum kisst Spiderman bei der Feier Gwen Stacy obwohl er weiß, dass M.J. im Publikum ist?’
        Man kann sagen das würde doch niemand tun, ich finde aber dass vorher schon sehr gut vermittelt wurde wie sehr Peter’s Ego gewachsen ist (in unangenehme Dimensionen der Selbstwahrnehmung) und wie sehr damit die realistische Einschätzung seiner Selbst und seines Handelns gesunken ist. Also befriedigt es mich völlig zu sagen: ‘Er dachte gar nichts, er fühlte sich als Spidey der Held und ein Held kann alles tun ohne Konsequenzen zu fürchten’ Für ihn ein Gag, dessen Wirkung er sich aufgrund der verschrobenen Eigenwahrnehmung nicht mehr vorstellen konnte.

        Etc. Etc.

        Und ich glaube Autoren stellen sich diese Fragen auch (denn wer ganze Drehbücher schreibt, kann nicht dumm / realitätsfern sein) und bekommen eben diese Antworten. Antworten die ausreichen können, wenn man es zulässt ;)