Second Unit Special #21 Live! (Kung Fury)

Willkommen zu einer ganz besonderen Second-Unit-Sondersendung. Live (on Tape), vor Publikum und mit dem Bahnhofskino geht es heute zu. Wir besprechen Kung Fury (Amazon-Link*) und warum der Trash-Begriff ganz schwierig zu benutzen ist. 

Mit großer Freude haben Patrick, Daniel und ich die Einladung vom Podcasting Meetup und dem KiezFM zu einer Live-Sendung angenommen. Das Meetup ist besonders für Podcast-Freunde in und um Berlin eine super Empfehlung. Dort treffen sich einmal im Monat podcastmachende und -hörende Menschen, um sich persönlich auszutauschen und einer Live-Sendung zu lauschen. Dieses Mal waren wir als Vertreter der Filmpodcasts dort und haben einmal gezeigt, wie so eine typische Sendung von uns aussieht. Das ganze geschieht in den Studioräumen des KiezFM, einem kleinen Radio-Verein hier in Berlin, der mittlerweile auch für die Podcast-Szene eine gute Anlaufstelle ist.

Deshalb haben wir uns für Kung Fury entschieden, dem Sommerhit auf YouTube. Diesen und weitere Kurzfilme verschiedenster Arten findet ihr übrigens auf dem Portal shortfil.ms. Mit den Kölner Jungs wollten wir eh immer mal eine Kurzfilmaktion starten, deshalb ist das hier die erste von hoffentlich vielen gemeinsamen Aktionen!

[YouTube Direktlink]

Unsere Crossover-Besprechung eröffnet mit der Inhaltsangabe des Filmes aus der OFDB und konzentriert sich zu Beginn ein wenig um den Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller David Sandberg.

Im Laufe der Diskussion besprechen wir die beeindruckenden technischen Aspekte des Filmes, die für uns inhaltslosen Referenzen, die subtilen Anspielungen und warum das alles für uns weniger gut funktioniert. Danach öffnen wir die Diskussion für das Publikum und lassen uns die eher positiven Aspekte des Kurzfilms erklären. Zum Schluss versuchen wir uns an einer Definition des Begriffes “Trashfilm” und erklären, warum der für uns problematisch und leer ist.

An dieser Stelle nochmals ein großes Dankeschön an Felix Betzin für das Möglichmachen dieser Sendung, an Jonas Schönfelder für die technische Unterstützung und an alle Gäste, die mit uns so fruchtbar diskutiert haben! Danke!

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

[Download | Länge: 01:36:25 | Größe: 46,5 MB | @2nd_Unit | Facebook.com/SecondUnit | iTunes]

[Teaser-Bild: by @nitramred]

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  • SecondUnitTamino

    “Mach es noch schlechter als du’s eh nicht kannst!” Den Spruch merk ich mir, Christian^^ Ich fand die Folge insgesamt sehr unterhaltsam. Am Anfang hatte ich noch ziemlichen Rededrang, aber da ihr schließlich so ziemlich alles angesprochen habt, was mich auch gestört hat, legte sich das dann im Laufe der Sendung etwas. Ich bin letztendlich auch ziemlich verwirrt vom Film gewesen. Viele kleine Momente fand ich nett, aber 80% des Films sind entweder inkonsistent, da sie mit den 80ern nicht wirklich was zu tun haben, zu dämlich oder vom Humor her sogar ziemlich schmerzhaft.

    Die Trash-Diskussion interessiert mich natürlich brennend, da ich mich in den letzten Jahren zu einem großen Trash-Fan entwickelt habe und regelmäßig neue Untiefen dieses “Genres” erkunde und jede neue Folge von RLMs BEST OF THE WORST verschlinge. Die anfängliche Beschreibung als “fließender Begriff” gefällt mir sehr gut, denn die persönlichen Definitionen unterscheiden sich stellenweise anscheinend recht stark. ich denke allerdings nicht, dass man einem Film die Existenzberechtigung absprechen möchte, wenn man ihn als Trash bezeichnet. Der Begriff Trash ist mMn keinesfalls meiste despektierlich gemeint, sondern beschreibt eher die Haltung des Zuschauers, wie er den Film rezipiert. Nimmt er ihn ernst oder lacht er über ihn. Ich kann dem Bahnhofskino hier ehrlich gesagt nicht so ganz folgen. An einer Stele wurde gefragt, warum es schlecht sein sollte, wenn ich mit ein paar Freunden und einem Ufo an einem Bindfaden einen Sci-Fi Film drehe. Hö? Wie sollte man das denn bitte nicht als schlecht bezeichnen, wenn man den Begriff überhaupt noch benutzen möchte. Wenn ich eine Seifenkiste baue und sie mit einem Sportwagen vergleiche ist sie natürlich Schrott. Das heißt aber eben nicht, dass sie nicht trotzdem charmant sein könnte und ich gerne mi ihr fahre. Aber die Qualität ist doch trotzdem eine völlig andere. Daher finde ich den Vergleich mit einem ungeschliffenen Rohdiamanten sehr wenig nachvollziehbar.

    Es gibt für mich einige verschiedene Trash-Spielarten, die für gemeinhin alle mehr oder weniger mit dem Begriff in Verbindung gebracht werden.

    Kategorie 1 sind die Filme, die auf ganzer Linie scheitern. Da gibt es eben die bekannten Beispiele wie THE ROOM, SAMURAI COP oder BIRDEMIC oder obskure Werke wie SPACE MUTNY oder R.O.T.O.R. und das sind im Grunde meistens auch die Werke, die das beste Potenzial für ein großes Amusement haben und nach denen man aktiv sucht.

    Kategorie 2 sind Filme, die bewusst auf schlecht getrimmt sind, wie z. B. die Asylum Werke. KUNG FURY fällt sicherlich auch da rein, auch wenn er als Parodie gedacht ist, was hier oft ein zumindest partieller Aspekt ist. Auch billige cash-grabs fallen da manchmal in gewisser Weise rein.

    Dann gibt es noch Kategorie 3, was Filme sind, die sich ihrer Beklopptheit bewusst sind, aber dennoch nicht völlig abdrehen. Das kann man sehr weit fassen. Takashi Miike könnte man nennen, genau so wie Filme wie DER CALAMARI WRESTLER oder einfach COMMANDO. Man erkennt hier für meinen Geschmack, dass man sie als Trash bezeichnen kann, daran, das man ihnen kaum Plot-Holes oder dergleichen vorwerfen würde und vielmehr Spaß an ihrer Abstrusität oder Lockerheit hat.

    Und Kategorie 4 können sogar Filme sein, die man nur persönlich als so lächerlich empfindet, dass man einfach über sie lachen muss. Für mich sind das z. B. die meisten von John Woos Filmen, da ich sie aufgrund ihres absurd überzogenen Pathos nicht im mindesten Ernst nehmen kann, aber gleichzeitig total amüsiert werde. Ich würde aber eben nicht sagen, dass sie so richtig in dem was sie versuchen scheitern,

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Hab ich das gesagt? In welchem Zusammenhang denn? Ich sollte mir beim Reden echt besser zuhören :D

      Du hast in der Episode echt gefehlt, weil ich das ja voll und ganz dein Thema ist. Ich hoffe aber, dass ich dich ein wenig vertreten konnte ;-D

      • SecondUnitTamino

        Ging glaub ich irgendwie um diese Trash mit Ansage Geschichte. So als Anweisung an die Schauspieler oder so, genau weiß ich’s auch nicht mehr, hat aber sehr schön gepasst in dem Zusammenhang^^

    • Patrick Lohmeier

      Ist ja gruselig. Tut mir leid, dass ich das so gerade heraus sagen muss, aber diese Art des Schubladendenkens ist genau der Grund, warum ich den Begriff ‘Trashfilm’ so problematisch finde. Er ist eindeutig negativ wertend und nur dazu gut, deine Obrigkeit in Sachen Filmgeschmack gegenüber anderen zu unterstreichen. Ich zumindest wäre beleidigt, wenn du einige der von dir genannten Streifen in meinem Beisein als ‘Trash’ bezeichnen würdest. Einen angesehenen Filmemacher zu benennen und sein Werk als ‘Semi-Trash’ zu bezeichnen, weil es nicht deinen persönlichen Filmgeschmack bedient, ist anmaßend. Deine Begründung (“so lächerlich, dass man einfach über sie lachen muss”) hält keiner kritischen Betrachtung stand sondern besagt lediglich, dass es nicht your cup of tea ist. Würde ich das gleiche tun und etwas als lächerlich und ‘trashig’ abtun, nur weil mir der kulturelle Zugang zu etwas fehlt oder ich die Spezialeffekte einer TV-Serie der 60er Jahre als “sau mies”(sic!) bewerte, könnte ich auch gleich ganz aufhören, mich mit anderen Menschen über Film und Fernsehen auszutauschen. Es ist respektlos. Und es erstickt jedweden kritischen Austausch im Keim. Geschmäcker sind verschieden und auch ich habe schon hart geurteilt über Filme, die die Mehrheit der Kinogänger und Kritiker liebt oder z.T. gar als Klassiker gehandelt werden. Aber in die ‘Trash’- i.e. Müll-Schublade würde ich sie niemals stecken. Das ist einfach zu billig. Kurzum: während ich deine ersten beiden ‘Trash’-Kategorien noch irgendwie nachvollziehbar finde – auch ich kann TURKISH STAR WARS oder BIRDEMIC nicht ohne ein gesundes Maß Schadenfreude genießen – offenbarst du dich doch letztendlich mit deiner erratischen Auflistung in den letzten beiden Absätzen als Mensch, der subversives und/oder unkonventionelles Kino nur herablassend aus ironischer Distanz betrachten und nur dann genießen kann, wenn es lächerlich charmant (wohl die zwei meistbenutzten Adjektive deines Kommentars) ist. Und wenn du jetzt immer noch der festen Überzeugung bist, dass ‘Trash’ “keinesfalls meist(sic!) despektierlich” klingt, dann erzähle doch bitte bei nächster Gelegenheit einem Star Trek-, John Carpenter- oder John Woo-Fan in deinem Bekanntenkreis, dass du ihr Werk schätzt, da du ein “großer Trash-Fan” bist. Ihre Reaktion würde mich interessieren.

      Ich könnte einen weiteren Absatz über den Begriff ‘Trash-Fan’ schreiben, aber ich spare mir die Zeit und Nerven und klettere nun von meiner Palme herab. Nix für ungut. Ich höre euren Podcast gerne. Aber mein Kino ist offensichtlich nicht dein Kino und vice versa.

      • SecondUnitTamino

        Wow, du klingst ja richtig beleidigt, obwohl ich dich überhaupt nicht angegriffen habe, und redest enorm von oben herab, wobei du MIR ironischerweise gerade vorwirfst, mich respektlos gegenüber Filmen bzw. Filmemachern und -rezipienten zu verhalten. Da mir sowas persönlich wenig ausmacht und ich das Thema an sich sehr spannend finde, antworte ich mal einfach ganz normal darauf.

        Bist du prinzipiell auch jemand, der keinen Film einem Genre zuordnen würde, weil es “Schubladendenken” ist? Was ist denn per se schlecht an einem solchen? Man kann sich bei DRIVE z. B. gut darüber streiten, ob der Film in erster Linie eher ein Actioner oder eine Liebesgeschichte ist. Manche würden eher das erste, andere eher das zweite behaupten und den Film dann jeweils auch so rezipieren. So what? Ist die Genre-Behauptung des einen respektlos gegenüber dem Film/dem Anderen? Kategorisiert nicht jeder für sich persönlich seine Filmpräferenzen und sortiert seine Filme in seinem Herzen oder Kopf irgendwie für sich? Darum geht es doch gerade in Filmdiskussionen: diese Unterschiede herauszuarbeiten. Wenn du mir z. B. beschreiben kannst, wie du John Woo Filme ernst nimmst, dann interessiert mich das, weil ich es mir nicht im mindesten vorstellen kann.

        Sind für dich Filme wie BIRDEMIC und “unkonventionelles Kino” kein Unterschied oder wie soll ich das verstehen? Ich begreife in dem Zusammenhang vor allem nicht, inwiefern ich unproduktiv über Filme diskutieren würde. Als ob gerade ICH der Typ wäre, der sich nur konventionelle Filme anschaut und alles andere kategorial ablehnt.^^ Du scheinst mir in der Hinsicht einen enorm relativistischen Standpunkt zu vertreten, den ich eben genau als unproduktiv bezeichnen würde. Darf ich keinen Film mehr “schlecht” nennen, weil es jemandem beleidigen könnte, der den Film mag? Wo ist der Unterschied, ob ich einen Film “mies” oder “Trash” nenne? Darf ich keine Werturteile in einer Filmdiskussion äußern, weil es respektlos den Machern/ Rezipienten gegenüber ist? So wirst du das ja wohl kaum meinen. Ich weiß nicht, ob du “Best of the Worst” oder “Mystery Science Theatre 3000″ kennst, aber der Kern dieser Formate ist in erster Linie, sich über scheiternde Filme lustig zu machen. Das ist genau so eine Form von Viewing Pleasure wie einen Film ernst zu nehmen. Wenn du das als respektlos empfindest, ist das dein Problem. THE ROOM wurde im Grunde ausschließlich so rezipiert, und Tommy Wiseau war letztendlich sogar froh darüber, weil auf diese Weise der Film immerhin geschaut wurde. Er geht ja sogar auf Conventions und beantwortet Fragen zum Film, die halt nur darauf abzielen, sich über ihn und den Film lustig zu machen. Er könnte sich auch weinend in die Ecke stellen, weil niemand seinen offensichtlich vollkommen stümperhaften Film als ergreifendes Drama rezipiert. Die Zuschauer könnten sich entweder sagen, “tja, der Film ist mies, also schauen wir ihn nicht” oder sie genießen ihn für seine Trash-Qualitäten und lieben ihn auch noch beim 20. Durchlauf. Ich find’s jetzt nicht schwierig, meine Präferenz zu finden.

        Wo zum Teufel ist denn hier überhaupt ein Problem? Manche Filme eignen sich für ein ernstes Anschauen, manche – wenn überhaupt – für belustigendes. Warum sollte ich einen Film respektieren, der billig inszeniert, stümperhaft gespielt und vielleicht sogar noch als billiger Cash-Grab auf den Markt kam wie ein Asylum-Film z. B.? Respektierst du jeden Film gleichermaßen? Einen Film wie AVATAR z. B. würde ich niemals in der gleichen Weise respektieren wie MELANCHOLIA, obwohl ich beide ähnlich ungerne nochmal schauen würde. Da gibt es doch zig Faktoren zu berücksichtigen, die den jeweiligen Respekt des einzelnen ausmachen. Manchmal ist man gnädig eingestellt, weil man die Ambitionen des Filmes zu schätzen weiß und manchmal ist man sogar noch jenseits des Films auf ihn und die Macher sauer, weil er als ein verwerflicher Gagen-Betrug gedacht ist wie z. B. JACK AND GILL.

        Du schreibst, der Trashbegriff sei “nur dazu gut, deine Obrigkeit in Sachen Filmgeschmack gegenüber anderen zu unterstreichen” An dieser Stelle werde ich jetzt auch einmal etwas unfreundlicher formulieren: Was für ein absolut bescheuerter Unsinn. Nenne mir mal irgendeinen Kritikpunkt in Bezug auf irgendeinen Film, bei dem ich nicht genau das gleiche behaupten könnte. “Die Story ist aber ziemlich schwach in diesem Film” Antwort: “Das sagst du nur, um deine Obrigkeit in Sachen Filmgeschmack gegenüber mir zu unterstreichen” Was soll denn das überhaupt bedeuten? Wenn ich einen Film nicht mag bzw. anders schaue als du, heißt das dann IMMER, dass ich mich als dir überlegen betrachte oder was? Es ist meine Meinung zu einem Film, ja, und daher äußere ich sie, wenn wir uns über Filme unterhalten oder sie klassifizieren wollen. Es gibt sicherlich Leute, die am Ende von BULLET IN THE HEAD zu Tränen gerührt sind. Na und? Was hat das mit MEINER Meinung zum Film zu tun? Ich finde den Film total absurd und lustig in seinem Pathos. Er scheitert für mich auf ganzer Linie in emotionaler Hinsicht und daher nenne ich ihn “Semi-Trash”. In gewisser Hinsicht kann man das abwertend nennen, ja, weil der Film vermutlich nicht in der Weise auf mich wirkt, wie er es soll. Aber dennoch mag ich den Film sicherlich deutlich lieber schauen als 90 % derer die ihn gesehen haben. Wenn du z. B. sagst, CLOUD ATLAS sei ein ambitioniert scheiternder Film, wieso ist das nicht exakt das gleiche wie “deine Obrigkeit in Sachen Filmgeschmack gegenüber anderen zu unterstreichen”. Wie sollte ich mich denn jemals über Filme unterhalten, wenn ich absolut jeden Film in der gleichen Weise respektierte? Das wäre vermutlich so ein ganz vorsichtiges herumreden um alles und nichts. Wieso sagt nicht jeder einfach seine Meinung und dann redet man darüber. Wenn jemand behauptet, BLADE RUNNER habe ein total mieses Skript, schlechte Darsteller und kein Pacing und das vernünftig begründet, dann diskutiere ich doch gerne darüber. Ich könnte mich auch hinstellen und das als “respektlos” abtun. Ist das produktiver? Ich kann mir wiederum nicht vorstellen, das du dir so eine Filmdiskussion vorstellst, aber ich kann dir ehrlich sagen, dass ich wirklich nicht verstehe, wie du es tust. Für dich scheint das Wort “Trash” ja fast schon ein Tabu zu sein. Also wenn ich irgendwo lese, dass ein Film der größte Mist sei, den jemand je gesehen habe, dann klingt das für mich um einiges abwertender als das Wort Trash, da oft eher die Konnotation von “charmant”, “knuffig” oder “enorm naiv” hat. Äußerungen wie die erstere, ließt man unter vermutlich jedem einzelnen Film den es gibt, den Trash-Begriff nur äußerst selten – meistens bei in spezieller Weise lustigen Filme.

        Nochmal zur alten Star Trek Serie. Willst du mir allen Ersntes erzählen, das du nicht verstehen kann, wie man auf die Idee kommen könnte, die Effekte in dieser Serie als “sau mies” zu bezeichnen? Das ist doch quasi deskriptiv. Hast du mal den Kampf von Kirk mit dem Gorm gesehen? Ich finde das ungeheuer charmant, aber es ist nicht im mindesten ernst zu nehmen. Ich würde die Serie als trashig bezeichnen, weil sie a) enorm naiv ist und b) die Effekte in der Weise scheitern, dass sie den Zuschauer in ein glaubwürdiges Szenario transferieren würden. Du scheinst mir Qualität AUSSCHLIEßLICH in Bezug auf die Mittel oder den kulturellen oder historischen Kontext zu betrachten, wenn du mir hier nicht zustimmst. Aber warum sollte das die einzig mögliche Betrachtungsweise sein? Natürlich kann ich die Serie in gewisser Hinsicht nicht dafür “kritisieren”, dass sie keine besseren Effekte hat, weil es solche eben noch nicht gab oder die Mittel fehlten, ABER warum heißt das damit, dass ICH nicht HEUTE darauf schauen kann und mich eher amüsiere als begeistert in den philosophischen Themen zu stöbern, wenn ich SPOCK’S BRAIN oder DAS SPUKSCHLOSS IM WELTRAUM schaue. Ich verstehe das einfach nicht. Im Grunde kann man selbst das Wort “charmant” als respektlos auslegen, wenn man den will, nach dem Motto: “Du findest du die Serie nur charmant aber respektierst sie nicht richtig”.

        Wie begründest du denn für dich, dass Filme wie TROLL 2 in kollektiven Kinobesuchen als amüsanter Unsinn abgefeiert werden und Filme wie BLADE RUNNER – wenn überhaupt kritisiert – als schlecht und langweilig bezeichnet werden? Warum kann man über den einen Film lachen, wenn man ihn nicht mag, und findet den anderen einfach nur belanglos? Weil der eine Trash ist und der andere nicht. Das meint man z. B. mit dieser Bezeichnung. Wenn jetzt jemand daherkommt und behauptet, er empfinde TROLL 2 als einen gruseligen Horror-Streifen, darf dann niemand mehr den Begriff Trash benutzen, weil es respektlos ihm gegenüber wäre? Wenn ich sage, TITANIC hat doch nichts mit einem Liebesdrama zu tun, muss dann “Drama” als Tag aus der IMDb gestrichen werden? Natürlich ist die Bezeichnung “Trash” nicht im herkömmlichen Sinne ein Genre, aber sie erfüllt einen sehr ähnlichen Zweck bei der Klassifizierung. Ich habe übrigens des öfteren gelesen, dass BLUE VELVET von einigen als Black Comedy empfunden wird. Bei meiner Sichtung damals habe ich das wirklich nicht im mindesten so empfunden (und bin daher auch echt gespannt auf die Zweitsichtung), aber selbst wenn ich den Film als mehr als durchschnittlich empfunden hätte, würde mir doch nicht im Traum einfallen, anderen vorzuwerfen, sie würden den Film, Lynch oder mich respektlos behandeln, weil sie über ihn lachen, während er mich verstört. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wegen sowas beleidigt zu sein. Man redet doch über Kunst (oder bei manchen Filmen: so mehr oder weniger Kunst), da gehört persöhnlich beleidigt sein einfach nicht hin.

        Zusammenfassend: Es geht bei der Klassifizierung eines Films als Trash nicht darum, “[s]eine Obrigkeit in Sachen Filmgeschmack gegenüber anderen zu unterstreichen”, sondern es geht in erster Linie um den MODUS der Rezeption beim Schauen. Filmen beim Scheitern zuzuschauen macht bei gewissen Werken einfach Spaß. Wenn Fans des Films damit ein Problem haben, dann ist es ihres und nicht das des Trash-Freunds. Du sagst, dass du dir bei BIRDEMIC eine gewisse Schadenfreude nicht verkneifen kannst. Das ist halt mal die Untertreibung des Jahrtausends. Du musst für Filme absolut anders sensibilisiert sein als ich oder hast es hier bewust überspitzt vorsichtig formuliert. Der Film ist doch ein absolut stümperhaftes Machwerk bei dem nicht mal die Audiospuren vernünftig abgemischt wurden. Gif-Vögel werden mit Kleiderbügeln bekämpft, explodierende Vögel sprengen Tankstellen usw. Und diesem Film soll ich den gleichen Respekt entgegenbringen wie APOCALYPSE NOW? What? Was bedeutet Respekt überhaupt für dich? Es ist doch völlig irrelevant für MEINE Filmrezeption, ob man in Hong Kong THE KILLER vielleicht als total ergreifendes Drama empfindet. Wieso sollte ich eine Verpflichtung haben, den Film im Kontext einer anderen Kultur betrachten zu müssen? Natürlich kann man das versuchen (und bei vielen Filmen hilft das sicher auch dabei, sie zu mögen bzw. verstehen), aber man kann ihn auch genauso als maßlos naiven, übertrieben melodramatischen und dabei sehr charmanten Actioner gucken. Und wenn ich einen Film aufgrund solcher Empfindungen als Trash bezeichne, ist das nicht mehr oder weniger respektlos als wenn ich sagte, “die ollen Schwarzenegger-Streifen finde ich total belanglos”. Das sind einfach nur persönliche Geschmacksurteile. Ich meißle dass doch nicht irgendwo in Stein oder schreibe es auf das Cover. Es muss mir erlaubt sein, diese meine Meinung zu äußern, denn sonst kann es niemals eine produktive Diskussion geben. Das einzige, was einer solchen konträr läuft ist ein persönliches Beleidigtsein der Rezipienten, wenn “ihre” Filme angegriffen werden. Ich finde das kindisch. Solange mir jemand Argumente liefert, höre ich mir jede Kritik an.

        Ich verstehe insgesamt jedenfalls einfach dein Problem nicht. Ich habe mit keiner “richtigen” Comedy jemals so viel Spaß gehabt wie mit einem Film wie THE ROOM, SAMURAI COP, STORY OF RICKY oder MIAMI CONNECTION. Ich liebe diese Filme weil sie bravurös scheitern oder einfach nur bescheuert sind und dabei unglaublich unterhalten. Diese Filme “Trash” zu nennen ist quasi Common Sense in Filmkreisen. Niemand ist dabei beleidigt, jeder weiß was gemeint ist und wie er diese Filme genießen kann. Ich glaube, du empfindest den Trash-Begriff einfach als viel beleidigender als ihn Trash-Fans benutzen. Man lacht über diese Filme meistens so, als wenn einem guten Freund das Frühstücks-Brötchen von einer Möwe geklaut wird. Es ist nicht beleidigend gemeint, sondern man lacht einfach frei heraus, (idealerweise) zusammen darüber ;-) Und manchmal lachen sogar die Filmemacher mit über das, was sie da erschaffen haben, wie eben z. B. Tommy Wiseau. Obwohl ich mir bei ihm nicht so sicher bin, was so in seinem Kopf vorgeht…

        Ich würde mich über einige klärende Worte von dir freuen, (vielleicht in einem etwas sachlicheren Ton als oben und gerne ausführlich).

        PS: Jedem Star Trek Fan ist der riesige Unterschied zwischen TOS und TNG klar. Wenn jemand die alte Serie als Trash bezeichnet, weiß man sicherlich als Fan, woher das kommt, und ist nicht einfach beleidigt. Wenn man das allerdings über TNG sagen würde, wäre man verwundert und müsste Argumente dafür hören. Auch dir muss einfach der Unterschied klar sein. Außerdem: Viele John Carpenter Fans empfinden genau wie ich manche seiner Filme wie GHOSTS OF MARS oder ESCAPE FROM L. A. als großen Schund (letzterer macht leider nicht mal Spaß). Ich habe nie behauptet, dass all seine Filme Trash seien. Ich liebe ESCAPE FROM N. Y., der nichts mit Trash zu tun, sondern einfach ein tolles B-Movie ist. Bei anderen Filmen wie THEY LIVE erkennt man aber ganz klar eine gewisse Naivität, die da auch etwas Nettes an sich hat. Aber darum geht es doch gerade: man muss DIFFERENZIEREN, sowohl was Genres bzw. den Trash-Begriff angeht als auch in Bezug auf Respekt gegenüber einem Werk oder Autor. Natürlich wird man sich hierbei selten genau einig sein, aber genau deswegen diskutiert man ja über Filme: man will sich über Uneinigkeiten austauschen.

        • Patrick Lohmeier

          Auch, wenn ich das meiste davon bereits so oder so ähnlich im Podcast formuliert habe, wiederhole ich es gerne.

          zum Schubladendenken: ‘Trash’ ist kein Genre. Science Fiction, Romanze oder Actionfilm sind Genres. Genres oder Subgenres kann man nach eindeutig definierbaren Merkmalen bestimmen. Natürlich gibt es auch Genre-Mischlinge (oder wie auch immer man das nennen mag). Sonst wäre Kino ja auch langweilig. ‘Trash’ ist eine persönlich wertende Schublade, die in einem ernsthaften Diskurs über Kino IMO nichts verloren hat. Insbesondere dann, wenn ‘Trashfilm’ in deinen Augen so breit gefasst ist, dass alles von KUNG FURY über STAR TREK bis zu aufwendig produzierten Actionfilmen und das Werk eines der prägendsten Regisseure der 80er und frühen 90er Jahre als ‘Trash’ oder “Semi-Trash” bezeichnet werden können. Ich verstehe das als: alles, was ich nicht mag oder nur deswegen unterhaltsam finde, weil es lächerlich/saumies/charmant-naiv, ist ‘Trash’. Ich kann dem einfach nicht zustimmen.

          ‘Trash’ ist auch kein differenziertes Werturteil. ‘Trash’ ist eine absolutistische Abwatsche – zumindest in meiner Wahrnehmung. Wenn du mir gegenüber sagen würdest, du fändest BULLET IN THE HEAD mies aufgrund seines Pathos, würde ich wahrscheinlich mit “ach ja? Lass uns doch mal darüber sprechen” reagieren. Wenn du aber mit Worten wie “lächerlich” und ‘Trash’ in dessen Kontext um dich wirfst und sagst, du könntest den Film nur aus einer ironischen Haltung heraus genießen bzw. dich darüber lustig machen, würde ich lieber darauf verzichten. Diese Begriffe entsprechen nicht meinem Verständnis einer respektvollen Behandlung des Themas Kino oder Kunst im allgemeinen, da du die Intention der Macher aufgrund persönlicher Werturteile platt machst, indem du deren künstlerische Absicht rhetorisch ins Gegenteil verkehrst. (Kriegsfilm = funny ha ha?) Mir ist es völlig gleich, ob jemand THE ROOM für langweiligen Mist oder eine Offenbarung hält; oder BLUE VELVET ein Horrorfilm, schwarze Komödie, Drama, alles oder gar nichts davon ist; oder du mit dem unverhohlenen Pathos von THE KILLER viel oder nichts anfangen kannst. Aber BLUE VELVET ist genau so wenig ‘Trash’ i.e. ‘Müll’ wie BRAINDEAD, THE KILLER, THE ROOM oder TITANIC, da die Filmemacher mit besten Absichten und mutmaßlich viel persönlicher Leidenschaft an diesen Werken gearbeitet haben und allein dafür ein Mindestmaß an Respekt verdienen.

          Ich denke, wir sind uns in vielen Punkten einig und hier geht es zum Teil nur um gefühlte Wahrheiten, die mit der eigenen filmischen Sozialisation zu tun haben. Mein TV-, Video- und Kinofutter in den 80ern und frühen 90er Jahren – also meiner Kindheit und Jugend – bestand zum überwiegenden Teil aus Raumschiff Enterprise, Katastrophenfilmen, später Martial Arts-, Barbaren- und Horrorfilmen. Einiges altert gut, anderes nicht. Während KNIGHT RIDER heute – IMO zu Recht – weitgehend als hoffnungsloser Camp abgetan wird, sind die Geschichten aus Star Trek weiterhin zeitlos beliebt und täuschen über eventuelle technische Defizite hinweg. Letztere sind der Tatsache geschuldet, mit einem recht geringen (in der dritten Staffel verschwindend kleinen) Budget wöchentlich eine kleine Weltraum-Oper zu schaffen. Eine Handvoll Momente zu benennen, die man nach konventionellen Maßstäben als misslungen bezeichnen kann, wird dem Einfluss der Serie IMO nicht gerecht. Und wären Filme wie BRAINDEAD, SIE LEBEN oder COMMANDO einfach nur lächerlich naiver ‘Trash’, würden sie heute nicht von so vielen Menschen gemocht. Zumindest von Jackson und Carpenter ist eindeutig bekannt, dass sie sehr genau wussten, was sie da tun.

          Etwas Versöhnliches zum Schluss: Ich habe nach deinem ersten Kommentar keine Lust, dir zu beschreiben, was ich an John Woo liebe. Du findest offenbar keinen Zugang zu seinem Werk. Macht auch nichts. Ehrlich gesagt mag ich SIE LEBEN nicht besonders und BIRDEMIC finde ich nicht einmal als filmisches Fiasko in irgendeiner Weise unterhaltsam. To each his own. Deinen Ausführungen über Genres und filmische Qualitäten pflichte ich an vielen Stellen bei. Aber bei der Trash-Begrifflichkeit finden wir offensichtlich nicht zusammen. Für mich ist es eine einhundertprozentig negativ gefärbte Müllkategorie, in die kaum ein Kunstwerk gehört. In deinen Augen kann man innerhalb des Begriffs beinahe unendlich differenzieren. Ich hoffe, ich konnte nachvollziehbar darlegen, warum ich nicht daran glaube. Wenn du mir mit sowas wie “ich kann mit Film XY absolut nichts anfangen” oder dem mittlerweile oft zitierten “Film XY ist ambitioniert gescheitert” begegnest, rennst du bei mir offene Türen ein. Das macht Lust auf ein differenziertes Filmgespräch; Lust auf auf einen gemeinsame Suche nach der Antwort auf das WARUM. Aber ‘Trash’…

          Vielleicht sollten wir demnächst mal podcasten. Christian kann ja ggf. zwischen uns schlichten :D

          • SecondUnitTamino

            Danke für die Antwort. Ich denke der Hauptunterschied zwischen uns liegt wirklich darin, dass du das Wort Trash als eine enorme Beleidigung gegenüber einem Film empfindest, während es für mich nicht beledigender oder respektloser ist, als einfach einen Film als schlecht oder als Fehlschlag zu bezeichnen. Das vernichtendste Urteil über einen Film wäre für mich übrigens, ihn als generisch zu bezeichnen. Ich vermute mal, das viele Künstler das ähnlich sehen würden und ihr Werk lieber gelobt oder zerrissen sehen würden als einmal geschaut und dann vergessen. Aber das ist nur eine Vermutung.

            Ich habe ja auch geschrieben, dass Trash nicht so richtig ein Genre-Begriff ist, da er natürlich noch viel subjektiver ist, aber dennoch erfüllt er eben einen ähnlichen Zweck bei der Suche nach neuen Filmen oder in Hinsicht auf den Modus des Rezipierens. Auf Moviepilot gibt es z. B. Leute (mich eingeschlossen), die Filmlisten in dieser Hinsicht erstellen, einfach um mehr Filme zu finden, über die man lachen kann. Würdest du das denn auch schon als respektlos bezeichnen, wenn man den Trash-Begriff da jetzt mal außen vor ließe? THE ROOM wurde sicherlich mit lobenswerten Ambitionen von Tommy Wiseau geschrieben und inszeniert, aber ich für meinen Teil würde es eher so sehen, dass sobald das Kunstwerk seine Hände verlassen hat, es jedem offen steht, damit zu machen, was er will. Wenn sich jemand zu seiner eigenen Belustigung über den Film kaputtlacht, schadet das doch niemandem. Und ich finde dieses Szenario immer noch schöner, als wenn der Film einfach überhaupt nicht beachtet würde oder in einer vernichtenden Weise von mir kritisiert würde, wie ich es z. B. mit DISTRICT 9 tun würde. Genauso kann man natürlich versuchen, den Film eher in Hinsicht auf seine vermutliche Intention zu schauen, aber das geht eben manchmal einfach nicht, wenn der Film auf ganzer Linie scheitert. THE ROOM als ernstzunehmendes Drama zu schauen scheint mir schlichtweg ein Ding der Unmöglichkeit zu sein.

            Beim einem Podcast wäre ich gerne dabei. Das John Woo Thema würde mich da auch wirklich reizen. Mir ist in der Hinsicht auch klar, dass es da ebenfalls einen großen Unterschied zu einem Film wie HOBGOBLINS gibt. Ich bezeichne diese Filme ja auch nicht als richtigen Trash (wenn es dich beruhigt: sie sind auch nicht auf meiner Trash-Liste^^), nur bin ich bei ihrem Genuss eher im Modus einer Comedy als in dem eines Dramas. Jetzt auch nicht bei jedem, A BETTER TOMORROW funktioniert für mich als Drama noch am besten, aber die Werke der nächsten Jahre gehören für mich gleichsam zu meinen Lieblingsfilmen wie auch zu Werken, die ich einfach nicht ernst nehmen kann. Der Pathos und die Tragik der Geschichten wirkt auf mich einfach so übertrieben, das es mich auf einer emotionalen Ebene nicht erreichen kann. In der Hinsicht verstehe ich das Argument der anderen Kultur auch nicht so wirklich, denn es ist für mich als westlich geprägten Zuschauer doch erstmal völlig irrelevant, ob man in Asien für Emotionalität anders gepolt ist. Es geht doch um meine persönliche Rezeption. Bei einem Film wie OLDBOY kann ich beim Drama-Aspekt z. B. voll mitgehen, aber THE KILLER wird es mir zu übertrieben und absurd. Irgendwie kann ich mir auch nicht so wirklich vorstellen, das du das als Woo-Fan so gar nicht verstehst. Dir muss doch auch klar sein, wie für westliche Augen enorm übertrieben diese Filme operieren. Ich könnte natürlich versuchen, mich mehr mit asiatischer Kultur zu befassen oder die Filme ohne die bescheurte Synchro zu gucken, aber da das für mich eben genau den Reiz dieser Werke ausmacht, habe ich gar keine Motivation dazu. Ich will ja nicht filmwissenschaftlich ergründen, wie diese Filme eigentlich funktionieren sollen, sondern ich will einfach Spaß mit einem charmanten Actioner haben. Vielleicht diskutieren wir das ja mal etwas ausführlicher in Bezug auf ein Woo-Werk.

          • Patrick Lohmeier

            Gerne.

          • http://www.enoughtalk.de jacker

            Hier geht es ja rund :)

            Ich lasse die Kernthemen eurer Diskussion mal außen vor und gehe nur auf Woo ein, weil wir die Diskussion ja schon mal hatten. Ich glaube tatsächlich, dass diese Debatte im Kern eher an Synchro VS OmU scheitert, als am konkreten Inhalt der Woo-Filme. Alles was ich von Dir über die Synchros höre klingt für mich, der die Filme nur im Oton kennt, wirklich haarsträubend. Die sind stilistisch und emotional dick aufgetragen, keine Frage, aber was du an anderer Stelle so zitiert hast, klingt für mich nach Bud-Spencer-Niveau. Und ich weiß nicht, ob es zielgerichtet wäre, zum Bsp. über knallernste Italo-Western mit Bud Spencer, die in der Synchro zu Rainer Brandt-Klamauk umgeändert wurden, mit jemandem zu diskutieren, der sich auf die andere Sprachfassung bezieht?

          • Patrick Lohmeier

            Ist durchaus möglich. Ich habe nie einen Woo in synchronisierter Fassung gesehen. Letztendlich geht es hier auch nicht um persönliche Geschmäcker oder ‘heilige Kühe’ (i.e. Filmemacher), die man nicht nicht schlachten darf. Ich hätte genau so reagiert, wenn Tamino in dieser Form über einen Filmemacher abledern würde, den ich nicht mag oder der mich nicht interessiert. Ich wünsche mir einfach eine respektvollere Herangehensweise an das Thema. Dass man B-Movies oder im weitesten Sinne unkommerzielles Kino anders rezipiert und rezensiert als beispielsweise die neueste 300 Millionen Dollar-Hollywoodproduktion, ist klar. Aber alles von THE ROOM über BRAINDEAD bis Woo in die Trash-Tonne kippen, weil man es “lächerlich” findet— *seufz!*

            Aber ich will hier nicht noch einmal ein Fass aufmachen. Wir haben uns ja einigermaßen versöhnt ;)

          • SecondUnitTamino

            Jo, das verfremdet sicher nochmal einiges. Aber bevor ich mir einen Actionfilm mit Untertiteln anschaue, lese ich lieber das Buch zum Film ;-)

          • http://www.enoughtalk.de jacker

            Du bist was das betrifft einfach viel zu extrem. Ich kann echt nicht verstehen, wie man sich so konsequent verschließt und lieber eine verkasperte Version eines Films ansieht, die ganz offensichtlich das Werk völlig verfälscht, als den Minimalaufwand von Untertiteln in Kauf zu nehmen..

          • SecondUnitTamino

            Du bist ja wohl bei Omu nicht weniger extrem in die andere Richtung ;-)

            Wie ich es schon mal andeutete: Ich bin nicht der Meinung, dass Untertitel auch nur das Geringste mit Unverfälschtheit eines Films zu tun hätten. Das einzige, was sie bewirken, ist, dass sich Filmschauen dann wie Arbeit für mich anfühlt. Die Schauspieler unverständliche Laute vor sich hin brabbeln zu hören, finde ich einfach ziemlich absurd und sinnlos. Da könnte ich den Ton genauso gut abschalten. Zu behaupten, dass man das Schauspiel im O-Ton einer unverständlichen Sprache dann besser wahrnehmen könnte, halte ich für vollkommen absurd. Ich begreife in der Hinsicht auch nicht, wie enorm stark du von deiner Ansicht überzeugt bist. Du musst doch einfach erkennen, das Untertitel ein massiver Eingriff in das Seherlebnis sind. Es wird quasi mit Edding etwas ins Bild gekritzelt, das ich lesen soll, während ich gleichzeitig die Bilder, die das wichtigste im Film sind, auf mich wirken lassen soll. Vielleicht kann man das trotzdem gegenüber einer schlechten Synchro als das geringere Übel empfinden, aber das als weniger verfälschend zu bezeichnen, kann ich nicht im mindesten nachvollziehen.

            Die einzige Möglichkeit, einen Film unverfälscht zu schauen, ist, seine Sprache zu beherrschen. Alles andere ergibt in der Hinsicht keinen Sinn. Und wenn ich da quantitative Abstufungen machen würde, dann würde ich absolut sagen, dass eine gute Synchro die mit Abstand beste Lösung ist. Wirklich gute Synchros gibt’s aber selten. Bei THE BOONDOCK SAINTS z. B. finde ich die deutsche Tonspur sogar fast besser als die englische. Das Schauspiel lässt sich in sowohl bei Omu als auch bei Synchro nicht im geringsten angemessen bewerten.

            Untertitel zerstören für mich mindestens 50% des Viewing Pleasures. Ich habe mit ihnen meistens sogar kaum noch das Gefühl, überhaupt einen Film zu schauen. Die einzige Ausnahme, die mir momentan einfällt, ist APOCALYPTO, bei dem ich immerhin das Gefühl hatte, der Film bekommt durch die Untertitel eine gewisse Tribal-Atmosphäre. Synchro wäre mir trotzdem lieber gewesen, da ich die starken Bilder dann besser verinnerlichen könnte.

            Bei Woo-Filmen ist die Synchro allerdings sicherlich noch verfälschender als sonst, da sie anscheinend mehr humoristische Elemente beinhaltet, als der Film beabsichtigt. Da ich diese Filme aber deutlich schlechter finden würde, wenn ich nicht über sie lachen könnte, lässt die Synchro sie in meiner Gunst steigen und ich sehe keinen Grund, das ändern zu wollen. Ich könnte sie auch “im Original” schauen und dann schlechter finden. Ist das wünschenswert? Mal abgesehen davon, dass ich sie höchstens “originaler” rezipieren würde, aber nicht ansatzweise so, als wenn ich chinesisch könnte.

            Ich mag deine krasse Einstellung in Bezug auf Omu ehrlich gesagt überhaupt nicht. Was ist denn überhaupt der Wert eines Originals an sich? Bei Filmen geht es doch in erster Linie um ein angenehmes Sehrerlebnis, zumindest für mich. Wenn O-Ton dazu beiträgt, wie es das im Englischen tut, wähle ich ihn fast immer. Ich wähle ihn dann, weil ich Schauspiel und Dialoge mehr wertschätzen können möchte. In einer fremden Sprache geht das aber schlichtweg nicht. Ich seh auch nicht mal, wie man hier groß diskutieren könnte. Wenn da wirklich Leute mit Tonfall oder Ähnlichem argumentieren, dann fange ich halt echt an zu lachen. Ich weiß nicht mal, welches Wort, von denen ich sowieso keines verstehe, da gerade betont wird, aber gleichzeitig bilde ich mir ein, hier gerade Schauspiel zu genießen. What?^^ Ich sehe einfach den Mehrwert gegenüber einer Synchro nicht. Wenn ein Film durch Omu zum Arbeiten wird, weil ich die Bilder nicht mehr vernünftig verinnerlichen kann, da ich permanent hoch und runterschauen muss und vor allem die auditive Ebene des Werks kaum noch relevant wird, dann gefällt mir das insgesamt einfach nicht. Wie das für dich nur eine Kleinigkeit sein kann, checke ich überhaupt nicht. Da sind TEXTE INS BILD GEKRITZELT. Und das verfälscht den Film nicht sonderlich oder was? Und außerdem HÖRE ich Dialoge nicht mehr. Das ist ebenfalls keine Verfälschung? Ich kann da einfach nicht auf dich zukommen.

            Ich denke bei dieser Diskussion immer daran, wie Kunstsammler aberwitzige Summen für Originale von Bildern bezahlen. Wenn man sich ein Original in die Wohnung hängt, kann man damit das Bild wirklich mehr wertschätzen als bei einem Druck? Für mich ergibt das keinen Sinn. Bei einem Bild geht es doch nicht um das physische Objekt des Kunstwerks, sondern um das Motiv, um seinen Inhalt und essen optische Darstellung. Hierbei geht es für mich daher nur um absurde Besitz-Ansprüche, da Menschen dann meinen, sie könnten die Kunst dann auch wirklich selbst “besitzen”, was völliger Unsinn ist.

            Bei Filmen ist das natürlich noch etwas anderes, aber ich finde es trotzdem ähnlich absurd zu meinen, man könnte mit Omu plötzlich in die originale Ebene des Kunstwerks vordringen. Zwei Fragen sind dabei immer wichtig: 1. MUSS es wirklich bei jedem Werk in gleicher Weise versucht werden, es im Original zu erfahren? Ich würde das niemals behaupten. Originalität ist doch kein Wert an sich. Es ist doch nur eine mögliche Weise, sich mit einem Film auseinanderzusetzen. Es gibt Filme, die schaue ich primär als Unterhaltung, und andere viel mehr als eine intellektuelle Erfahrung. Und selbst bei letzteren kann man noch unterscheiden, ob es beim Werk hauptsächlich um den Inhalt geht oder auch stark um das Schauspiel der einzelnen Figuren. Bei Star Trek TNG z. B. habe ich keinerlei Probleme damit, die Serie auf deutsch zu schauen, da ich die Synchro mag und der Kern der Serie auf jeden Fall erhalten bleibt. In schauspielerischer Hinsicht braucht man sich da mMn nicht viel vorzumachen: das ist routiniertes Serienschauspiel. Ich unterscheide bei diesen Dingen für mich jeweils immer ganz klar. Filme haben so viele verschiedene Daseinsformen, warum sollte es bei jedem Film nur EINE EINZIGE richtige Rezeptionsweise geben? Wenn ich einen Film nicht im Original erfahren kann, warum sollte ich mir dann nicht bei jedem Einzelfall das geringste Übel aussuchen? Untertitel würde ich für persönlich jedenfalls nur wählen, wenn die Synchro so schlecht ist, dass sie mich mehr ablenkt, als ins Bild gemalte Texttafeln. Und das kommt quasi nie vor. Zwischen O-Ton und Synchro wähle ich da schon öfter, auch wenn ich bestimmt 90+% aller englischen Werke im O-Ton schaue. Aber bei Trashfilmen und Comedies z. B. interessiert es mich selten, diese Werke auch wirklich im Original zu erleben. Ich schaue sie primär, um zu lachen. Wenn das auf deutsch besser geht, dann ist die Sache für mich erledigt.

            Manhcmal habe ich das Gefühl, dass du Filme als etwas – in Ermangelung eines besseren Wortes – “heiliger” als ich empfindest. Du sagst z. B. ja auch, dass du Filme niemals nebenbei schauen würdest. So eine Aussage finde ich persönlich genau so wenig nachvollziehbar. Manchmal gibt es einen Film, der interessiert mich nur periphär, weil er z. B. einen anderen Film beeinflusst hat, wie z. B. der originale INGLOURIOUS BASTERDS oder neulich VANISHING POINT. Warum soll ich mir dann einen Film, der mich an sich eher weniger interessiert, nicht nebenbei schauen? Die Alternative wäre halt, ihn gar nicht zu schauen. Ich will halt nur ungefähr wissen, was das für ein Film ist und was für Motive sich in ihm finden lasen. Oft merke ich so etwas auch erst nach einem Drittel des Films. Bei VANISHING POINT habe ich ungefähr dann gemerkt, dass mir der Film nicht all zu viel geben wird. Klar ist das unfair dem Film gegenüber, aber wäre die Alternative – Abschalten – denn besser in der Hinsicht? Immerhin kennt man den Film am Ende dann, auch wenn man ihn vielleicht nicht “richtig” erfahren hat. Bei Filmen, die mir wichtig sind, mache ich das natürlich nicht, aber schaust du denn AUSSCHLIEßLICH Filme, von denn du das sagen würdest?

            Bei mir ist das eher mit Kinobesuchen so. Da würde ich mir selten irgendwas anschauen, was mich nicht wirklich total reizt. Da spielt das Geld natürlich auch eine Rolle, aber wie man z. B. in eine Sneak Preview gehen kann, ist mir ein völliges Rätsel. Mindestens 50% der Filme wird man vermutlich einfach scheiße finden und die anderen sind vielleicht bestenfalls ganz nett. Selbst wenn man so ziemlich alles geil findet, was heutzutage so rauskommt – was schlichtweg unmöglich ist – wird man doch einfach dauernd irgendwas dabei haben, was einen einfach nicht interessiert. Was ist der Sinn davon? Sowas müsste man doch zumindest irgendwie grob nach Genres filtern, damit es überhaupt infrage käme.

          • http://www.enoughtalk.de jacker

            Argh, ich hätte oben noch nen Smiley hinsetzen sollen, irgendwie klang mein Text way more aggro als er sollte :O

            Egal, ich steig nochmal kurz ein. Allein die Beschreibung “unverständliche Laute brabbeln” für SCHAUSPIEL zu benutzen ist mir wieder maximal unverständlich. Gehört verbale Artikulation für dich eigentlich zum Schauspiel dazu? Es geht doch nicht nur um den Informationsgehalt dessen was gesagt wird. Sonst kann ich doch genauso gut sagen, dass ich halt das Buch zum Film lesen ;)

            Dass man Stimmung und Ausdruck einer Sprache nur empfinden kann, wenn man sie beherrscht, will mir schon wieder gar nicht in den Kopf. Vielleicht resultiert das aus deiner (mir auch in KEINSTER Weise verständlichen) Einstellung, dass Emotion irgendwie aus dem Inhalt entspringt. Für mich entspringt die aus dem Ausdruck. Und der ist nun mal gefühlt eine Million mal krasser, wenn ich einem Schauspieler bei seiner Kunst zu sehe, anstatt einen unmotivierten deutschen Sprecher vor sich hin blubbern zu hören. WIe an anderer Stelle gesagt: am krassesten ist das halt wirklich bei hochkinetischem asiatischen Schauspiel (in Europa oft fälschlicherweise als “Overacting” verschrien). Die Energie kann neimals nachträglich im Studio simuliert werden.

            Ich glaube wirklich das bringt alles nix. Da zum einen Lesen an sich für dich eine unheimliche Hürde zus ein scheint und wir zum anderen beide mal wieder die Position des anderen vollkommen absurd finden, ist es glaube ich besser das ad acta zu legen. Da warten ergiebige Themen auf uns. Zuletzt finde ich aber einen Satz noch spannend: “Untertitel würde ich für persönlich jedenfalls nur wählen, wenn die Synchro so schlecht ist, dass sie mich mehr ablenkt, als ins Bild gemalte Texttafeln.” SO! Da hast du meine Beweggründe wundervoll dargestellt. Die einzigen Synchros die guckbar sind, findet man bei hoch budgetierten Hollywood-Filmen und bekannten TV-Serien. Ich habe noch NIE einen asiatischen Film mit erträglicher Synchro gesehen, ich habe noch NIE einen kleinen B-Movie mit erträglicher Synchro gesehen, etc. Auf mich wirkt deutsche Sprache in Studio-Quali bei einem rotzigen HK-Thriller derart befremdlich, dass ich den Film lieber nach 10 min aus mache, als ihn in der Form weiter zu schauen!

            Bezüglich der “richtigen” Rezeption: Die gibt es nicht. Natürlich nicht. Ich will doch dich überhaupt nicht von deinen tollen Klamauk-Synchros wegbringen, ich finde nur, wie bereits gesagt, deine Argumente gegen die “Erfahrbarkeit” der emotionalen Komponente einer nicht beherrschten Sprache nicht nachvollziehbar. Deswegen diskutieren wir schon wieder seitenweise.

            Nun zum nebenbei schauen: 1) Ich kann keine zwei Dinge gleichzeitig tun. Also entweder bekomme ich vom Film nichts mit (was bringt mir dann die Filmsichtung?), oder ich bleibe bei dem was ich “nebenbei” tue einfach auf der STelle stehen und gucke doch zu 100% den Film. 2) Ich will in jeden Film voll eintauchen, weil mir die Erfahrung gezeigt hat, dass es sich weit mehr lohnt, als irgendwas nebenbei flimmern zu lassen. Die Wirkung von Filmen ist für mich halt größtenteils in Immersion begründet und die 90 Minuten eines FIlms will ich in seiner Welt mit den Figuren unterwegs sein. Wenn ich also im Sekundentakt zwischen Filmwelt und meiner hin- und herwechsele, wirkt sich das zwingend negativ aus. Ich gehe tatsächlich an jeden Film mit der Einstellung ran, dass es der absolute Wahnsinn werden könnte. Oft ist es das nicht, ebenso oft, wird die Achtsamkeit belohnt.

            Zum Sinn von Sneaks: Davon abgesehen, dass jede Woche mindesten ein (oft bis zu drei) Film(e) anläuft, die mich interessieren, ist der Sinn des ganzen halt AUCH mal über den Tellerrand zu schauen. ich habe in Sneaks ganz grob 1/3 Filme gesehen, auf die ich eh mega Bock hatte, 1/3 Sachen die ich sonst nie gesehen hätte, die aber super waren und 1/3 totale Scheiße. Finde diese Quote eigentlich ganz gut udn außerdem ist auch das Gucken von Schrottfilmen für den persönlichen Qualitätskompass imme rmal ganz angenehm. Da Sneaks weniger kosten ist das verkraftbar ;)

          • SecondUnitTamino

            Wir müssen das wirklich mal in persona diskutieren :-)

            Natürlich gehört verbale Artikulation zum Schauspiel dazu, aber wie in aller Welt soll das denn in einer fremden Sprache funktionieren? Das ist einfach der Punkt, den ich nicht begreife. Ja, man erkennt simple Aspekte wie Wut, Trauer, Verzweiflung etc, aber sobald es ein wenig komplexer als eine grobe emotionale Richtung ist, kommt da doch gar nichts mehr rüber. Das spannende an gutem Schauspiel sind doch meist die Nuancen in bestimmten Sätzen oder Wörtern oder nicht? Ob ein Charakter gerade wütend ist, erkenne ich auch bei einer mäßigen Synchro und meist sogar ohne Ton. Daher verstehe ich den Wert der Erfahrung der originalen Tonspur hier nicht, wenn ich einfach nur die simple Information einer groben Emotion bekomme, aber keinen inhaltlichen Kontext habe. Wenn ich z. B. Al Pacino bewundere, wenn er wütend ist, dann ist das doch nicht einfach sein aufgebrachtes Geschrei, das ich mag, sondern das Geschrei IM KONTEXT seiner Lines. Wenn ich diese aber nicht verstehen würde, hätte ich nur einen Typen, der gerade rumschreit. Was soll das emotional bei mir auslösen außer dass ich merke, dass er gerade wütend ist? Wenn ich jetzt gleichzeitig einen Text lesen muss und dadurch dann ungefähr weiß, an welchem Punkt seiner Wut er gerade was sagt, ist das dann wirklich besser als eine Synchro zu haben, in der ein schwächer Schauspieler zumindest beides auf einmal liefert? Ich muss halt bei Omu im Nachhinein die Sprache aus zwei einzelnen Teilen wieder zusammenpuzzlen. Das läuft für mich einer FilmERFAHRUNG sehr entgegen. Dir von dir so hochgeschätzte Immersion kann dann für mich eben gerade schwerer stattfinden.

            Ist das echt so schwer nachzuvollziehen? Es fällt mir leider echt schwer das zu verstehen, denn auf mich wirkt das geradezu selbstevident. Wie gesagt, ich behaupte ja nicht, das die Synchro-Lösung extrem geil ist, aber deine Aussagen klingen für mich immer so, als sei Omu nur ein winziger Unterschied Im Vergleich zum Beherrschen der Originalsprache und Synchro sei ein extremer Frevel und ein krankhaftes Verfälschen des Originals. Vom Verfälschungsgrad sehe ich da einfach keinen wirklichen Unterschied. Ich präferiere die Synchro, da sie sich für mich eher nach einem gewöhnlichen Filmeschauen anfühlt, wo ich sowohl mit meinen Augen als auch meinen Ohren Informationen und Emotionen bekomme bzw. empfinde. Ein Texte Lesen am unteren Bildrand wirft mich mehr aus der Immersion als eine miese Synchro. Wenn du da jetzt persönlich lieber das andere Übel wählst, könnte ich das ja auch noch halbwegs verstehen, aber wie du so stark FÜR Untertitel plädieren kannst (und nicht nur GEGEN Synchro), checke ich nicht. Für einen ansatzweise “orignalen” Filmgenuss ist doch beides ABSOLUT ungeeignet. Das ist im Grunde mein Hauptpunkt. Findest du denn echt alle meine Argumente dafür so absurd?

            “Ich kann keine zwei Dinge gleichzeitig tun.” Das ist schade für dich :-) Ich kann vier Bälle jonglieren, während ich einen Ball auf meinem Kopf springen lasse. Vielleicht hilft das, he he. Ich find’ deine Aussage aber gerade bemerkenswert, da für mich gleichzeitiges Untertitel Lesen anstrengender ist, als nebenbei z. B. mit einem Auge nach neuen Filmen zu recherchieren oder etwas in der Art. Ich bin es vermutlich auch vom Hörspiele Hören gewohnt, immer nebenbei Dart zu spielen oder ein entspanntes PC-Spiel ala Heroes of Might and Magic oder Anno 1602 zu zocken. Aber klar ist das bei Filmen noch was anderes, da man eben sowohl Augen als auch Ohren benötigt. Wenn du wirklich an jeden Film mit so hohen Hoffnungen herangehst, dann macht deine Einstellung natürlich auch Sinn (und ich würde es dann wohl auch so machen wie du), aber ich persönlich unterscheide da für mich einfach ganz klar zwischen “kaltem” Interesse an gewissen Werken und wirklicher Lust auf andere. Letztere sind natürlich auch die absolute Mehrheit bei mir, aber hin und wieder lasse ich auch mal was nebenbei laufen, wenn ich einfach nur sehen will, was das ist. Und man kann so eine Sichtung ja ansonsten immer noch später mit größerer Aufmerksamkeit wiederholen, wenn der Film auch wirklich was taugt. Vielleicht liegt das auch einfach darin, dass du viel mehr Filmen etwas abgewinnen kannst als ich. Die allermeisten Filme die ich so sichte gefallen mir einfach nicht sonderlich, daher hat sich da wohl bei mir ein gewisser Fatalismus entwickelt. Einen Film wie TURKISH STAR WARS findet man eben nicht jeden Tag :-)