Studios Plus Originals – Following

Artist: Second Unit Studios
Album: Second Unit
Year: 2026
URL: http://secondunit-podcast.de/

Chapters

0:00 Intro
0:21 Begrüßung
1:44 Danksagung
2:07 Vorverständnis
8:44 Plot
12:49 Cast
15:02 Film
57:05 Nolan Begins
1:12:55 Abmoderation
1:14:29 Outro

Transcript

Christian:
[0:21] Herzlich willkommen zu dieser sehr, sehr besonderen Ausgabe an dieser Stelle. Mein Name ist Christian Steiner und ich habe bei mir den wunderbaren Patrick Sweet. Hi!

Patrick:
[0:33] Hi! Freut mich, zu dieser besonderen Ausgabe dabei zu sein.

Christian:
[0:37] Besonders, besonders, besonders. Warum ist es besonders? Nun, es ist besonders, weil das hier ein Plus-Podcast ist, der im Plus-Feed veröffentlicht wird. Und weil wir, ich habe es schon im Vorgespräch gesagt, vielleicht Christopher Nolan dabei beobachten, bei seiner Stunde Null, wie er zu dem wird, den wir heute auf den größten aller Leinwände mit den größten aller Budgets bewundern dürfen. Wir besprechen Following.

Christian:
[1:09] Es ist je nach Zählweise der 0. Nolan oder der 1. Nolan. Es ist auf jeden Fall, naja, es ist halt nicht direkt als, also können wir gleich auch nochmal, werden wir auch noch drüber sprechen, wie der entstanden und wie der veröffentlicht wurde. Der hatte ja eine sehr, sehr eingeschränkte Auswertung und eigentlich gilt ja Memento als sein Debütfilm. Aber es gab noch etwas davor und das ist Following. Über den wollen wir jetzt ein bisschen sprechen, über den wollen wir uns ein bisschen austauschen und natürlich auch dabei über Christopher Nolan.

Danksagung

Christian:
[1:42] Ich freue mich da sehr drauf. Bevor wir da reinspringen, natürlich auch an dieser Stelle, also das ist ja ein Plus-Podcast, ihr wisst alle, was Second Unit Studios Plus ist, aber ich habe ja die ehrenvolle Aufgabe, mich auch bei den Leuten zu bedanken, die das hier schon unterstützen. Das sind Anne Sebastian, Christian Rüdiger, Thomas und Markus. Vielen Dank an dieser Stelle, dass ihr auch diesen Podcast hier möglich macht.

Vorverständnis

Christian:
[2:06] So, dann lass mal reingehen, würde ich sagen. Wie stehst du denn zu diesem Film? Wie bist du zu diesem Film gekommen? Woher kennst du den? Wie hast du den schon mal gesehen?

Patrick:
[2:19] Also ich finde, Debütfilme sind ja immer so Rohdiamanten. Du erkennst irgendwie schon so einen Stil ganz grob und die wirklich großen, talentierten Filmemacherinnen, die auch das Glück haben, größer arbeiten zu können. Manchmal gibt es ja auch Filmemacherinnen, die wirklich großartig sind, aber dann vielleicht nicht genug Budget bekommen. Aber hier bei Nolan ist es natürlich was sehr Besonderes, weil wir hier einerseits den Film sehen, wo er in den eigenen vier Wänden dreht, wo er halt sehr klein dreht, aber schon sehr groß inhaltlich denkt, obwohl er kaum Budget hat. Und man merkt auch so ein bisschen diese Verkopftheit, vielleicht so aus einem englischen Literaturstudium noch und es gibt auch viele Punkte, die wir noch besprechen werden, wo ich denke, wow, da sind viele Stärken und einige Schwächen dabei, die ich auch heute bei Nolan erkenne und mein persönlicher Bezug ist dazu eigentlich einer.

Patrick:
[3:26] Der wirklich persönlich ist und zwar, Aber ich habe im Laufe meines Studiums, ich habe Kommunikation mit Fachrichtung Foto und Film studiert und es ist halt so gewesen, dass ich ergründet habe, in der Zeit meines Studiums auch, was waren denn eigentlich so die Büffürme, was machen sie aus, wie haben diese wundervoll kreativen Menschen, die jetzt größere Filmemacherinnen sind, haben es geschafft mit wenig finanziellen Mitteln. Und vielleicht auch wenigen technischen Hilfsmitteln, ihre Vision, ihre Geschichte zu erzählen.

Christian:
[4:05] Ja, das ist hier auch...

Patrick:
[4:09] Und sorry, dass ich unterbrechen muss, aber ich muss direkt weitererzählen. Und zwar, ich weiß noch, dass ich den zum ersten Mal, glaube ich, 2014 gesehen habe. Und auf so eine DVD-Kopie aus der Uni-Bibliothek. Und ich muss sagen, die Qualität war hundmiserabel. Und ich habe damals schon gesagt, boah, der muss besser aussehen. Und ich hatte jetzt das Glück, bei einem Streaming-Dienst sogar im Abo den neuen 4K-Remaster mir anschauen zu können. Oder 2K-Remaster. Auf jeden Fall war das Bild wundervoll. Man hat die Bildkörnung gefühlt und das war ein Sackplus-Erlebnis, jetzt nochmal in der bestmöglichen digitalen Qualität die analoge Qualität zu begutachten.

Christian:
[4:59] Ja, ich weiß gar nicht, wie es bei mir war. Ich bin, glaube ich, auch... Ich bin, ich bin, also ich hatte schon Berührung mit dem Film. Ich glaube damals, als wir auch Memento in der Second Unit besprochen hatten, also ich erinnere mich, ich weiß nicht, ob ich Following auch schon im Zuge des Mittermino geguckt habe. Ich glaube, ich habe den damals mal Mittermino geguckt. Ich bin mir aber ziemlich, also ich weiß noch, ich kenne auch, glaube ich, noch ein, zwei Kurzfilme von Nolan. Da gab es ja auch mal, ich glaube, irgendwo so auch ein Bonusmaterial. Ich glaube auch irgendwie hier bei Following oder so. Also ich kann mich auch an Kurzfilme von Nolan erinnern aus dieser Studienzeit, wo er auch eben, wie du sagst, mit sehr wenig Mitteln sehr fokussiert schon seine Ideen, sehr unkonventionelle Ideen irgendwie hatte. Und da irgendwie in diesem Kontext hatte ich auch dann das erste Mal Following gesehen. Das ist, ja guck mal, bei dir ist es auch über zehn Jahre her, bei mir wahrscheinlich auch. Das ist jetzt auch kein Film, den ich irgendwie ständig irgendwie einlegen würde, wie jetzt vielleicht andere Nolan-Filme. Ich glaube, dann Kirk, den kann ich gefühlt jede dritte Woche gucken, weil ich den in der Inszenierung und der Musik halt auch so stark finde.

Patrick:
[6:13] Das ist interessant, da muss ich kurz einhaken. Das ist der einzige Nolan, den ich, glaube ich, nicht nochmal gucken möchte, außer ich muss sozusagen. Aber das ist ein anderes Thema. Ich finde interessant, dass du den gerade erwähnst, auch wenn ich die technische Bewunderung mit dir teile. Aber ich finde gerade, dass Following eine Stärke hat und zwar in 80 Minuten auf dem Punkt eine Geschichte erzählt. Und deswegen glaube ich, dass ich den Film noch ein-, zweimal gucken werde.

Christian:
[6:42] Also ich will den auf jeden Fall auch nochmal in dieser, was du gesagt hast, also in der 2K, 4K-Forschung.

Christian:
[6:49] Und dieser Remastered-Geschichte, da gab es ja irgendwie, ja auch glaube ich vor 10, 12, 13, 14 Jahren halt so einen Remaster, der irgendwie glaube ich auch von Nolan mit begleitet wurde. Ich weiß gar nicht, ob das dann irgendwie nach dem Erfolg von Memento irgendwie war, aber als Nolan denn so langsam seine Karriere, die er relativ schnell auch abhob, als das so losging, da haben sie dann irgendwie nochmal sich an Following herangetastet. Da ist er, glaube ich, dann auch irgendwie in der Criterion Collection erschienen oder so. Ich weiß gar nicht mehr genau, wann das war oder ob das auch nach Dark Knight erst war. Es gibt auf jeden Fall, wie du sagst, diese restaurierte Fassung.

Christian:
[7:23] Die eben auch ein Blu-ray-Release mittlerweile bekommen hat. Also da gibt es auf jeden Fall auch noch quasi die beste Variante. Ich meine, es ist halt auch sehr kurios, nur so als Anekdote noch, bevor wir richtig reingehen, da musste ich halt auch schmunzeln, weil ich habe die Credits mir halt auch angeguckt. Dann hast du natürlich Christopher Nolan so eine Personalunion in allen möglichen Departments, aber ganz am Ende steht auch Copyright Christopher Nolan. Und wer geübt ist, Filmcredits irgendwie sich anzuschauen, Abspann anzuschauen, es wird ja für jeden Film eine eigene Corporation gegründet, also im Hollywood-Kontext. Und dann hat halt das Copyright diese extra dafür geschaffene Firma, die dann irgendwie so für den Film, für jeden einzelnen Film. Aber es war also ungewohnt, einen konkreten menschlichen Namen als Copyright-Inhaber, von so einem Spielfilm zu lesen und dass es dann eben natürlich auch Christopher Nolan war, fand ich sehr amüsant.

Christian:
[8:21] Aber ja, lass uns doch vielleicht mal ein bisschen reingehen. Du hast gesagt, du kannst den Film kurz und knapp so zusammenfassen, dass vielleicht auch Leute, die überhaupt jetzt zum ersten Mal von diesem Film hören und dachten, vor Memento war nicht viel, dass wir die vielleicht auch noch abholen, bevor wir mit Spoilern anfangen, bevor wir den Film wirklich komplett auseinander nehmen. Worum geht's bei Following?

Plot

Patrick:
[8:44] Sehr gerne. Es geht um Cobb. Cobb hat sehr viel Zeit, weil er arbeitslos ist. Er ist aber sehr kreativ, weil er Stiftsteller ist. Und er schaut sich nach Menschen um, nach Inspirationen um. Und nach und nach, wie am Anfang des Films erwähnt, findet er in der Menge interessante Menschen und verfolgt sie, beobachtet sie.

Patrick:
[9:07] Und es gibt dann diesen Einfall, dass er jemanden beobachtet, folgt und die Person ihn damit konfrontiert. Und von da an beginnt ein interessantes Spiel, was von sozusagen geboren aus der Langeweile von Cobb vor allem darum geht, andere Wohnungen auf sehr besondere Weise zu bestehlen und nach und nach entblättert sich noch mehr. Es ist ein sehr typischer Nolan-Film, also ich glaube, wenn man gewisse Sachen mag, wie auch das am Ende nochmal eine neue Perspektive dazu kommt, wird man auf jeden Fall sehr erfreut sein. Man wird auch noch mal motiviert, immer wieder mitzudenken bei der Film, ohne dass ich jetzt verrate, was jede Viertelstunde eigentlich einen kleinen Twist hat, wo es immer wieder neue Ebenen gibt, neue Überraschungen und nach und nach entglättert sich eigentlich, was Christopher Nolan mit seinem Debüt uns wirklich zeigen wollte und ob das Following wir sind oder vielleicht ein gewisses Verbrechen.

Christian:
[10:17] Ja. Und irgendwie ist das auch so eine, Du hast im Vorfeld von einem Rohdiamanten gesprochen. Es ist ein Rohdiamant, es ist ein sehr hoher Christopher Nolan. Ich glaube, dieser Film hilft auch als, Schlüssel ist zu viel gesagt, aber als Hilfsmittel, um auch, ich glaube, Nolan bis heute besser zu verstehen. Und auch, also wer Following gesehen hat, kriegt vielleicht auch nochmal so ein kleines Hilfsmittel an die Hand, um Nolan, um den Größeren, den Blockbuster Nolan auch nochmal so ein bisschen zu entschlüsseln. Weil hier sich schon zeigt, in etwas roher Fassung aber, was Nolan fasziniert, sowohl am Filmmedium, an Erzählung, aber eigentlich auch so ein bisschen an den Inhalten. Er gilt ja immer als sehr, sag ich mal, kühl und distanziert und vielleicht nicht so am Menschen interessiert in seinem Film. Aber ich würde sagen, das stimmt nur zum Teil in seinem Film. Und ich finde, hier sieht man auch schon, dass er durchaus auch Interesse an Menschen und menschlichen Interaktionen und wie wir Menschen miteinander umgehen und so hat. Und deswegen ist das auch ein sehr lehrreiches Stück Film, finde ich, um Nolan so ein bisschen zu entschlüsseln.

Patrick:
[11:45] Total. Und schon als kleiner Teaser für die Leute, die noch gar nichts gesehen haben. Es ist vor allem, und das finde ich auch interessant, nonlineares Erzählen dabei. Ich werde jetzt noch gar nicht ins Detail gehen, das machen wir gleich. Aber es ist schon spannend, dass man direkt in ein paar Minuten oder wie gesagt jede Viertelstunde eigentlich so eine Irritation hat, weil es in verschiedenen Zeitebenen erzählt wird.

Christian:
[12:11] Ja, es ist irgendwie ein klassischer, aber auch ein ungewohnlicher, ein ungewohnter Nolan-Film. Das macht es auch so spannend. Aber ja, lass uns mal rein, lass uns auch nochmal so Cast und Crew durchgehen und ab jetzt werden wir auch spoilern. Also ich würde ja eh sagen, dieser Film ist absolute Hausaufgabe für alle, die Nolan-Fans sind oder vielleicht auch Fans werden wollen und vielleicht auch ein bisschen Schwierigkeiten mit Nolan bisher hatten. Also guckt durchaus auch mal in diesen Film rein. Vielleicht hilft das auch ein bisschen, um Nolan nochmal anders zu verstehen und anders zu sehen. Aber ab jetzt werden wir da mal ordentlich, ich sag mal ordentlich reingehen, ordentlich zur Sache gehen.

Cast

Christian:
[12:49] Lass uns das am besten auch noch machen, indem wir so ein bisschen Cast und Crew durchgehen. Das ist ja auch sehr besonders hier bei diesem Film. Also vielleicht noch als Prämisse dazu. Der Film ist, ich glaube, 1998 dann tatsächlich rausgekommen. Und ja, die Produktion, da werden wir auch noch ein bisschen gleich drauf eingehen, aber die Produktion war ja durchaus wild, weil das ist ja eigentlich ein No-Budget-Film, wenn man so will. Ich habe was gehört von irgendwie 6.000 Dollar Produktionskosten. Ich glaube, Nolan hat irgendwie seine eigentliche Gage dafür irgendwie geopfert, auf analogen Filmen drehen zu können, 16 mm, glaube ich, schwarz-weiß. Und da war er, glaube ich, damals schon genauso filmverliebt und filmverrückt wie heute noch, nur halt eben mit anderen Mitteln. Aber ja, Christopher Nolan ist als Editor, als Produzent, als Writer, Director und auch als Kameramann hier am Werk. Die haben da ja irgendwie auch eher an den Wochenenden gedreht über drei Monate. Er hat sich da eben seinen Cast durch Bekanntschaften irgendwie zusammengesucht und zusammengeholt.

Christian:
[13:55] Sein, ich glaube, Ich weiß gar nicht, ob die da schon verheiratet waren, aber seine spätere Ehefrau Emma Thomas ist in den Credits auch aufgeführt, unter anderem auch als Produzentin. Sein Bruder Jonathan Nolan als Grip. Also er hat sich da auch so ein bisschen bei Freunden und Familie bedient, die ihm da auch geholfen haben. und wir haben einen sehr kompakten Cast, Jeremy Theobald als Young Man. Ich glaube, du hattest gerade auch bei der Inhaltsangabe ein bisschen die Namen durcheinander geworfen. Also er ist ja namenlos einfach nur als Young Man und wir haben Alex Haw als Cop. Cop ist derjenige, der diesen jungen Mann anspricht und sagt, hey, warum folgst du mir hier eigentlich und wenn du schon darauf stehst, dann lass uns mal hier mal so richtig bei anderen Leuten einbrechen. Wir haben Lucy Russell als The Blonde, wie es in den Credits heißt. Wir haben John Nolan als Polizei, als Polizisten. Das ist der Onkel von Christopher Nolan. Und wir haben Dick Bratzell als The Bald Guy, der da auch noch so ein bisschen im Hintergrund.

Film

Christian:
[15:03] Genau, dann lass uns mal reingehen. Lass uns mal ein bisschen in den Film reingehen. Vielleicht spiele ich dir da auch schon mal ein bisschen den Ball zu, weil mich da auch deine Sichtweise interessiert. Du hast es ja schon erwähnt, Film studiert. Wie schaust du denn auch, du hast es gesagt, Debütfilm wie schaust du denn so ein, No-Budget-Debütfilm auch mit dem Wissen, was aus der Karriere und was aus der Person und aus den Fähigkeiten Nolans wurde was fällt dir da so auf, wenn du auf diesen Film guckst?

Patrick:
[15:35] Also wie ich da generell drauf schaue, ist auf jeden Fall, dass ich gucke, was macht eigentlich so ein, Filmemacher oder Filmemacher mit dem Medium Also zum Beispiel finde ich neben der Kamera tatsächlich die auditive Seite sehr interessant, dass wir eigentlich etwas haben, was wir später auch tatsächlich in Inception haben, wo ich immer dachte, das wäre eine Hans-Zimmer-Idee, die finden wir aber schon hier. Und zwar einfach einen dampfenden Kessel, der Druck erzeugt und durch diesen Überdruck ein Geräusch entsteht. Und das ist am Anfang öfter mal einfach vorkommend, um eine gewisse Dynamik zu erzeugen, weil das noch im Filmschnitt noch gar nicht so krass auftaucht. Und ich finde natürlich sehr auffällig neben dem auditiven Element natürlich die Kamera, die erstens sehr unsauber ist. Mit unsauber meine ich tatsächlich erstmal den Filmstock, also den eigentlichen analogen Teil. Des Bildes, der beleuchtet wird. Und ich habe tatsächlich mit einer sehr ähnlichen Kamera auch einen Farbfilm allerdings, Kurzfilm gedreht. Das ist die Ariflex-Kamera, mit der hat er auch gedreht. Bei der ist nämlich der Vorteil, und da kann ich wirklich aus dem Nähkätzchen plaudern.

Patrick:
[16:59] Dass du als einer der wenigen analogen Kameras zu der damaligen Zeit, dass du tatsächlich sehr mobil damit bist. Das heißt, du kannst dich auf die Schulter nehmen und damit arbeiten, wenn du langsame Bewegungen machst. Weil viele haben vielleicht nicht so den Eindruck, aber wir sind ja heute in der Zeit gewohnt, wo entweder Festplatten, SD-Karten oder irgendwelche Speichermedien einfach uns fast endlose Ressourcen geben. Und eigentlich ist mittlerweile die Ressource dann eher die Zeit oder ob bei einem Set noch Licht da ist, wenn das außerhalb eines Studios.

Patrick:
[17:38] Spielt, das sind dann die Ressourcen und bei Film ist tatsächlich das Interessante, da kann ich auch meine eigene Filmerfahrung widerspiegeln, du weißt halt, dass Geld verbrannt wird, sozusagen, wenn das, wenn du hörst, dass die Filmrolle läuft und der Film belichtet wird, weißt du, dass jede Sekunde sehr teuer ist. Und ich kann sagen, ich habe das 2015 gemacht und da war schon sehr viel Respekt davor. Ich glaube, das ist heutzutage noch ein bisschen stärker, tatsächlich. Aber 2015 war das schon, Ich hab die Schauspielende und die ganze Crew so angespannt selten erlebt, weil wenn du halt mit einem digitalen Gerät einen Fehler machst, okay, wieder auf Position, machen wir nochmal, alles entspannt, Leute. Aber da kann es sein, dass wir irgendwann den Zeitpunkt haben, können wir nicht drehen, wir haben kein Filmmaterial mehr.

Christian:
[18:34] Die Filmrolle ist leer. Die Filmrolle ist einfach leer.

Patrick:
[18:37] Oder ist voll, also voll beleuchtet. Und genau, und kann man sich keine aus dem Ärmel ziehen. Vor allem, ich sag mal so, wenn eine Speicherkarte oder eine Festplatte kaputt geht, es gibt immer Verfügbarkeiten. Wenn es nicht gerade Sonntag oder Feiertag ist, fährst du dann zu irgendeinem Elektronikhändler oder lässt dir das schnell per Online-Versand irgendwie schicken. Es gibt ja auch so in größeren Städten One-Day-Delivery.

Patrick:
[19:05] Aber Filmstock, also Film bekommst du nicht einfach so. Das musst du meistens auch bestellen. Und das ist schon mal was ganz Besonderes. Und was ich total besonders finde bei dem Film, um vielleicht von meiner Erfahrung wegzukommen, ist, dass tatsächlich in Cafés gedreht wurde und ich eine Anekdote gehört habe, die hat Christopher Nolan selbst erzählt, tatsächlich, als er den Film vor ein paar Jahren in dieser neuen, also in dieser neu aufbearbeiteten Fassung gezeigt hat, inhaltlich wurde nichts geändert, aber eben die Qualität, hat er erzählt, dass sie da tatsächlich einfach, weil sie ein, zwei Absagen von Cafés bekommen haben, dass das ein Café, wo es eine ganz kurze Szene nur gibt, dass sie einfach reingegangen sind. Sie waren öfter Gäste, man kannte sie, man wusste, dass sie diese verrückten Filme machen. Und das dann einfach gedreht wurde. Und dann kam wohl im Hintergrund irgendein Kellner oder der Besitzer hat gesagt, nee, könnt ihr nicht machen. Und dann sind die schnell nach draußen gestürmt. Und das ist auch im Film gelandet, wie sie nach draußen stürzen. Tatsächlich. Es gibt da eine Szene.

Patrick:
[20:12] Und ich finde das total spricht vielleicht ein bisschen Filmromantiker aus. Ich finde es total toll, dass ein Christopher Nolan, der jetzt alles plant, neue IMAX-Kameras entwickelt, die technisch einfach so teuer, hochwertig und wahnsinnig, geplant sind, dass er dann halt einfach schnell aus dem Café stürmt mit seiner Crew, aber das weiter aufnimmt und aufnehmen lässt. Und das ist einfach spannend. Ich finde, das merkt man im Film an. Er hat zwar eine sehr genaue Vision, wir reden noch über das Non-Lie, Lineare erzählen, aber dennoch ist eine gewisse Dynamik da, die später, und vielleicht kann man das auch so aus kleiner Kritik äußern, vielleicht später auch in neuen Verloren geht. Und das finde ich schon sehr spannend.

Christian:
[20:58] Ja, das ist ein interessantes Bild, wie du sagst, wenn man jetzt so weit gehen will. Also er ist ja.

Christian:
[21:06] Einer der wenigen Könige des Kinos tatsächlich, wie du sagst, der ruft bei IMAX an und sagt, ich brauche hier für den Odyssee eine IMAX-Analogkamera, die irgendwie so still und so leise ist, dass ich Close-Up-Dialoge drehen kann. Ihr habt irgendwie, weiß ich nicht, 18 Monate Zeit, mir das Ding hinzustellen. Let's go. Also der kann Forderungen stellen, aber dass der auch in seinen Anfangstagen, wie du sagst, aus ihrem Lieblingscafé geschmissen wurde, weil er keine Drehgenehmigung hatte und er da so gerillamäßig irgendwie einfach dann gemacht hat, das ist natürlich auch sehr spannend. Und auch was du meinst mit dem Geldverbrennen und die Anspannung, die da dann ist, das habe ich halt auch so rausgelesen und rausgehört, dass die wahnsinnig viel Zeit in Proben gesteckt haben. Also dass die ganz oft nur so ein, zwei Takes zur Verfügung hatten bzw. Gedreht haben, wie du sagst, weil jede Sekunde des ratternden Filmapparates einfach Geld verbrannt hat, das einfach nicht zur Verfügung stand und man dann eben mit sehr vielen Proben versucht hat, so exakt wie möglich dann während der Aufnahme zu arbeiten. Ist mir auch aufgefallen, die Kamera dynamisch bewegt sich auch da, wie du sagst, also die Kameraführung auch manchmal unsauber, dass man merkt, okay, hat jetzt Schwierigkeiten auch, ich fand das mutig in diesen Szenen draußen, so in so.

Christian:
[22:29] Öffentlichen Orten, also durch die Straßen Londons, Einkaufsmeile oder so, der junge Mann ist ja dabei, anderen Leuten zu folgen und da haben wir dann eben auch so ein paar Shots, wo sie wahrscheinlich sich da irgendwo versteckt haben und dann einfach gefilmt haben. Und das siehst du auch, wie.

Christian:
[22:45] Wackelig und schwierig da auch die Kameraführung ist, weil da wahrscheinlich nicht viel geprobt werden konnte. In diesen öffentlichen Plätzen. Finde ich auch alles wahnsinnig spannend und auch als jemand, der selber keine Filme gemacht hat, aber eben ja viele Filme gesehen hat. Ich finde das auch total inspirierend einfach zu sehen, wie Nolan, also mit welchen Tricks und Kniffen er da gearbeitet hat. Also du und ihr als Filmschaffende, gerade in dem Studienbereich, also wenn halt eben nicht irgendwie die ARD anruft und sagt, hier sind irgendwie drei Millionen Fünftar dort. Wenn du nicht viele Mittel hast, dann brauchst du halt sehr viele gute Ideen. Und das hat Nolan ja auch gemacht. Wie du sagst, der hat zu Hause gedreht, der hat in den Wohnungen seiner Freunden, Familie, Bekannten irgendwie gedreht, schön auf Dächern gedreht, dieser entsprechenden Wohnhäuser, was ich dann auch wieder cool finde, weil das irgendwie auch ein schöner Blick über London ist. Also oft ist ja Not und Tugend sehr nah beieinander. Und ich glaube, dass er da, also einfach erstmal, was so die Produktion angeht, schon mit.

Christian:
[23:51] Mit cleveren Ideen einfach gearbeitet hat. Also auch da irgendwie Inhalt und Form auch gut miteinander zu kombinieren. Es ist eine Geschichte über diesen jungen Mann, der Leuten folgt und anfängt, in Wohnungen einzubrechen. Das Ganze halt in Wohnungen zu platzieren, die Geschichte in vielen fremden Wohnungen stattfinden zu lassen, ist ja auch auf Produktionsebene klug, weil diese Möglichkeiten hatte Nolan halt in den Wohnungen, seines Freundeskreises irgendwie zu drehen. Das passt.

Patrick:
[24:27] Ja und dass er halt eben das ich finde das wahnsinnig clever, was er heutzutage auch immer noch macht das nonlineare Erzählen dafür verwendet, weil ich bin der festen Überzeugung, dass der Film ohne disrespektvoll zu sein, respektierlich dass wenn der Film in einer, Reihenfolge erzählt worden wäre, dass nicht die gleiche Spannung und.

Patrick:
[24:54] Mitreistlevel nenne ich das seit neuestem, irgendwie, dass man wirklich sich fragt, okay, wir sehen zum Beispiel ziemlich am Anfang, das finde ich immer wieder toll an diesem Film, man sieht am Anfang ganz kurz einen Shot, denn wenn man bei der Partnerin oder Partnerin schaut, und man holt sich eben Chips oder so, verpasst man den, es gibt so einen kurzen Shot, wo man sieht, wie der Protagonist verletzt am Boden liegt und aufsteht und dann wieder Schnitt und ich dachte so okay, erzählt das jetzt, dass er verletzt war und.

Patrick:
[25:27] Jetzt der nächste Tag, aber er sieht ja nicht mehr verletzt aus, also muss das ja was anderes gewesen sein, oh ich bin gespannt und ich finde das aber auch irgendwie spannend genug, es ist nicht dieses in medias race gehen, wo man, eine Szene vom späteren Teil des Filmes sieht, sondern es ist wie so ein Impuls oh, es passiert irgendwas, Und er hat einen Anzug an. Und am Anfang des Filmes ist ja unser junger Mann zum Beispiel sehr, er sieht ein bisschen wilder, studentischer vielleicht sogar aus. Das ist ja auch irgendwie eine Geschichte über vielleicht Klassenaufstieg, dass man irgendwie, indem man was stiehlt, in wohlhabenden Haushalten, und die Leute manipuliert, weil es gibt ja auch immer dieses psychische Element, das nicht nur gestohlen wird, um einen Wert zu erzielen, sondern auch um eine Wirkung bei der Person zu erreichen, will uns, kleiner Input dazu, will uns vielleicht Christopher Nolan auch damit so ein bisschen kommunizieren, okay, ihr seht ihren Film und ihr werdet an der Nase herumgeführt, werdet ihr gleich noch sehen, so nach dem Motto. Und das finde ich total spannend, einfach, dass diese ganzen Ebenen da sind und die immer verschaffelter wie so eine Matroschka-Figur ist und es aufgeht, obwohl dieser Film sehr viele Fehler nach meiner Meinung auch hat, die aber ein Debüt mit keinem Budget haben kann.

Christian:
[26:50] Ja, da müssen wir auch noch mal ein bisschen drauf eingehen, wie du sagst, dieses Non-Lineare. Das ist ja mittlerweile ein absolutes Markenzeichen von Nolan und mit Memento, dem Hollywood-Debüt, was danach kam, hat das ja dann nochmal auf die Spitze auch irgendwie getrieben, aber es sind ja immer wieder Erzähltechniken, also davon hat er ja bis heute eigentlich nicht losgelassen. Oppenheimer ist ja auch ein Film, der hin und her springt ohne Ende. Und das ist ja eben, also Nolan als jemand, der auch sehr viele Gedanken sich über die Filmform macht, also der Inhalt und Form miteinander kombiniert, also sein non-lineares Erzählen. Hat ja auch immer einen Zweck, dient ja auch immer der Handlung, dient ja auch immer, so wie eben bei Memento das halt so genial war, zu sagen, hey, da ist dieser Typ, der hat kein Langzeitgedächtnis und genau so, wie der Protagonist durch den Film läuft, so will ich, dass sich mein Publikum fühlt. Ich erzähle ja sozusagen rückwärts, indem keine Erinnerungen, also niemand weiß, was davor kam. Genau dieses Gefühl möchte ich dem Publikum auch vermitteln. Das ist ja super klasse bei Memento.

Christian:
[28:04] Das ist ja nicht nur platt zu sagen, ich erzähle meine Filme jetzt alle rückwärts, sondern die Chance, die Nolan sieht, mit dem Spiel der Filmform auch ein Spiel in der Erzählung zu schaffen, das prägt ihn bis heute und deswegen finde ich das auch so spannend zu sehen, wie er das hier schon macht. Und genau wie du das beschrieben hast, dieser eine Moment, der Protagonist, der liegt da irgendwie am Boden und hat da irgendwie irgendwas im Mund. Ich glaube, so ein Handschuh, so ein Latexhandschuh, so ein Gummihandschuh nimmt er sich da raus. Und genauso wie du sagst, dann fällt einem auch eher beiläufig, weil der Film da gar nicht den Scheinwerfer drauf legt, aber auf einmal das Äußere ändert sich und die Haare werden kürzer und wir bekommen die Information, die Szene, die das erklärt, aber sehr viel später erst im Film und wir müssen schon mitgehen. Also dieses, ich sag mal eher...

Christian:
[29:02] Nolan will ein eher aktiveres Publikum ansprechen. Wie du sagst, wer da einmal zwischendurch aufs Klo geht oder Chips holt, hat schon verloren bei vielen Nolan-Filmen. Also da ist wirklich jeder Moment, jede Sekunde und auch jeder Schnitt und jede Szene und das Miteinander spielen, das ist halt super wichtig bei ihm. Und das sieht man hier einfach schon. Das sieht man hier schon, wie er, also das ist keine Sache, die er irgendwann erst im Laufe seiner Karriere entdeckt hat oder gefunden hat, sondern dieses Interesse an der Filmform ist von vornherein einfach da. Und das ist halt auch schon so stark da und so ...

Christian:
[29:39] So intensiv auch da, das ist auch wie so eine Zugkraft, das auch diesen Film hier zusammenhält und auch voranbringt. Das finde ich ganz bemerkenswert.

Patrick:
[29:50] Ich finde das spannend, weil ich der festen Überzeugung bin, dass es von seinem Literaturstudium kommt, weil er wahrscheinlich viele Geschichten gelesen hat und dann halt in diesen Geschichten für sich herausgefunden hat, dass er interessant findet, etwas zu entdecken. Und im Film mischen, halt diese Verschachtung zu entdecken. Man sagt ja auch öfter, dass Film eine Empathie-Maschine ist und bei Novel ist ja irgendwie das Interessante, dass wir vielleicht unseren kleinen Spielkasten damit haben. Also, dass wir irgendwie so einen Koffer bekommen und den müssen wir nach und nach irgendwie Ebene für Ebene lösen und wir können nicht einfach den Koffer irgendwie auf den Boden schmeißen oder mit einer Axt. Ich erinnere mich, gerne an euer Glass Onion Gespräch, sondern du musst jede Ebene sehen, um am Ende zu verstehen, wie das Rätsel war. Und das finde ich wirklich sehr spannend, weil es immer wieder Kleinigkeiten auch gibt, die angesprochenen Handschuhe, die du erwähnt hast.

Patrick:
[30:59] Die werden auch beiläufig erwähnt, dass unser Protagonist nie Handschuhe dabei hat und dass er am Ende natürlich von, Cobb Handschuhe bekommt, aber indem er geschlagen wird und in den Mund, ist ja auch fast schon kein Twist, aber es ist irgendwie so eine gewisse Ironie, die sich literarisch anfühlt. Hier hast du deine Handschuhe und.

Patrick:
[31:23] Aber auch so Sachen wie, und das mag ich auch, wo wir die Vermutung haben, ah, es ist die Wohnung von einem jungen Mann, weil Cobb direkt analysiert, dass jemand arbeitslos sein muss. Und dann der junge Mann auch noch nachfragt und sagt, ja, aber warum denn? Und dann beleidigt Cobb ihn ja indirekt, weil wir später, irgendwie wieder, diese 10, 15 Minuten später merken, na ja, der wusste, bevor er drin war, dass es die Wohnung von einem jungen Mann war, weil sogar eine neue Matte da lag, weil Cobb ihm das erwähnt hat. Und das fand ich auch so interessant, weil es nicht nur ich finde, manchmal geht es so ein bisschen unter, wenn Leute Nolan auf diese Twists irgendwie so runter reduzieren. Es geht ja auch um Psychogramma. Also wie wird eine Person erzählt? Weil ich hatte zu dem Zeitpunkt, bevor diese Szene war, hatte ich Cobb eigentlich ein bisschen als den schwächeren, dusseligeren abgestempelt, weil jetzt der junge Mann ist gerade aufsteigen. Aber dadurch, dass wir dann erfahren, dass er sehr viel mehr Informationen hatte, hat er mich ja als Zuschauer auch betrogen. Das fand ich irgendwie sehr interessant.

Patrick:
[32:48] Das ist wirklich ja, aufregend dann auch, weil ich zwischendurch, obwohl ich den Film ja jetzt zum zweiten Mal gesehen habe, ich wusste so grob wie der ausgeht, aber trotzdem war ich immer wieder mal so überrascht und ah, interessant und ähnliches. Ja, ich finde das auch schon so stark.

Christian:
[33:07] Dass der Film ja gleich zu Beginn also ähm, also die Mitte ist glaube ich so ein bisschen mein größter Schwachpunkt so mit dem Film, der ist relativ kurz, so 70 Minuten ungefähr, ein bisschen über eine Stunde. Ich finde in der Mitte zieht er sich an manchen Stellen oder fällt er ein bisschen ab. Ich finde den Anfang unfassbar stark, ich finde das Ende unfassbar stark, also weil der Anfang uns auch gleich ich habe den jetzt auch glaube ich erst das zweite Mal gesehen, da müsste ich jetzt auch gleich wieder nochmal reingucken und raufgucken. Ich glaube, dass Nolan das sehr sauber uns in den Film auch einführt. Das ist ja eh immer eine große Schwierigkeit. Da kann man hier auch schon sich ganz gut, glaube ich, auch eben als.

Christian:
[33:51] Film schaffender, als Film schaffende Person, glaube ich, auch einfach mal so ransetzen und mal so ein bisschen mit Zettel und Stift so ein bisschen versuchen, das auch mal wirklich zu analysieren, wie er das schafft, weil ich fand das ganz stark, dass wir gleich am Anfang dieses Interview haben oder diese Dialogszene aus dem Off, also der junge Mann erklärt sich ja erstmal selbst und wir sehen dann dazu die Bilder. Also er liefert ja seine eigene Prämisse sozusagen. Er liefert ja also uns auch damit die Prämisse des Filmes, seine Regeln, die er aufstellt. Also wer er ist und er folgt Leuten und da gibt es dann ja auch Fragen und er erklärt sich, nee, das hat nichts Sexuelles oder irgendwas Übergriffiges, Gewalttätiges irgendwie an sich. Es ist die Neugier. Er definiert sich irgendwie als Writer, als Schreibender, der auf der Suche nach interessanten Menschen ist und Inspiration und sich so rumtreiben kann und dabei aber an so Menschen so ein bisschen hängen bleibt. Und dann erzählt er uns ja auch von Regeln, die er aufstellt. Ich habe das jetzt nicht mehr so ganz im Kopf, aber ich weiß, eine der Regeln war wohl irgendwie auch, keine Frauen in dunklen Gassen verfolgen, also da nicht auffallen, aber eben auch nicht irgendwie übergriffig werden.

Christian:
[35:07] Aber das formuliert er eben sie so selbst ja auch so stark. Niemals, also irgendwie oberste Regel, und das war auch gleich die erste Regel, die ich gebrochen habe, niemals einer Person zweimal folgen. Was ja auch schon wieder sehr clever ist. Also er liefert die Prämisse, niemals einer Person zweimal folgen und kommentiert diese Prämisse ja gleich mit einem Versprechen. Übrigens, die wichtigste Regel habe ich dann auch als erstes gebrochen. Also wir wissen, da muss ja noch irgendwas passieren. Es muss ja eine Eskalation kommen. Der Film teasert sich da selbst ja schon so ein bisschen an und wir wissen ja noch gar nicht, wem erzählt er das und warum erzählt er das eigentlich und da liefert Nolan schon gleich am Anfang so einen Hinweis, der uns wachhalten sollte.

Christian:
[35:50] Aber von dem er dann auch sehr schnell wieder zurücktritt, weil dann die eigentliche Nacherzählung, die uns als Filmerzählung dann gezeigt wird, in den Vordergrund tritt. Und erst am Ende greift er das ja wieder auf. Und dann kommen wir ja wieder am Anfang an und wissen, warum er das erzählt, wem er das erzählt, mit welcher Absicht er das erzählt. Und das fand ich dann auch schon wieder so unfassbar elegant bei Nolan, diesen Rückgriff auf den Anfang uns zu liefern. Und da saß ich dann und dachte, ach ja, stimmt, wir haben ja eigentlich noch gar nicht geklärt, wie diese Prämisse, wie der Filmanfang eigentlich funktionierte. Ich bin ja so von dieser Handlung und von dieser Nacherzählung so gebannt, dass ich ganz vergessen habe, diese Fragen weiter zu verfolgen. Und dann kommen sie aber wieder und dann gibt es halt auch so diese Punchline, diese Pointe des ganzen Filmes. Das finde ich insgesamt unfassbar gut und sauber. Und auch da wieder das Denken in Filmstruktur und Aufbrechen und Twist und so, das ist dann wieder Nolan und das finde ich so beeindruckend, dass das hier schon so stark und so sauber durchkommt. Die Kamera wackelt und das ist alles mit vielleicht auch eher Leihendarstellenden oft und so, wie du sagst, aus dem Kaffee geworfen, alles geschenkt, das ist schon unfassbar sauber und unfassbar stark herausgearbeitet. Ja.

Patrick:
[37:14] Ja, das ist ja total interessant auch, weil ich habe mir so ein bisschen die Frage gestellt mit diesem Ende und auch mit dem Verlauf des Filmes, ob Nolan vielleicht auch nicht so eine These hat, dass in dem Film sozusagen klar gemacht wird, okay, das ist ja auch Film. Also, dass wir bauen etwas auf, um etwas uns erzählen zu lassen. Aber am Ende ist es doch anders. Also, dass wir so als Zuschauer da denken, ach ja, das und das habe ich erlebt. Ich war der junge Mann, der Cop gefolgt ist und habe alles im Blick gehabt, mich hochgearbeitet, habe die Blondine kennengelernt. Übrigens würde ich da so kleine Zeitnot machen. Ich finde tatsächlich, hier zeigt sich auch die Schwäche der weiblichen Rollen und generell ein bisschen die Schwäche, die Nollen nach meiner Meinung, generell hat das Nollen bis auf Schachfiguren für, für Handlungen und für Psychogramme glaube ich nicht sehr viel Interesse dafür hat. Das finde ich immer sehr.

Patrick:
[38:27] Rasierklingend scharf und spannend aber es gibt manchmal Situationen in Filmen, wo ich es ein bisschen schade finde. Am besten ist es ihm noch gelungen, finde ich tatsächlich in der Dark Knight Trilogie mit den Figuren und hier finde ich tatsächlich diese Mitte, die du erwähnt hast gerade, ist das natürlich ein bisschen das Problem, dass eigentlich bis auf diese Twists und alles, die Leute etwas austauschbar und langweilig sind, weil wir sehen, nehmen kurze Anmerkungen, in der Anmerkung das Batman-Zeichen an der Twin-Band-So, was schon irgendwie eine selbsterfüllende Prophezeihung und Zirkelschluss ist, sehr, sehr schön. Wir sehen auch eine Marilyn Monroe am Schreibtisch des jungen Mannes, was ja auch gleich gespiegelt wird mit der Blondinen, die halt eben auch das Film Fatal abbildet, aber gleichzeitig doch eine mitfühlende Seite hat.

Patrick:
[39:27] Und das finde ich irgendwie auch interessant, dass uns Nolan auch so ein bisschen zeigt, okay, ich glaube, das ist vielleicht auch der einzige Film, wo er das zeigt. Wir leben in einer Welt, wo es Filme und Superhelden-Geschichten gibt. Also, dass er das wirklich so ausstellt, Poster an der Wand. Also, obwohl die Produktion super günstig war, ich glaube, und das war zumindest bei meinen Produktionen so, dann gehe ich einfach bei neuen Auf und Aus, dass wenn was in einem Zimmer war, ich versucht habe, jedes einzelne Detail da zu kontrollieren, und er wird sich sehr viele Gedanken gemacht haben, wen er da als Poster hinstellt und natürlich dann diese Hollywood-Ikone Monroe, natürlich passend zu Schauspielern und das finde ich halt auch sehr interessant, dass wir da so einen Nolan sehen, der vielleicht, vielleicht in der Parallelwelt halt etwas in der Richtung Quentin Tarantino dann auch gegangen wäre aber nee, das ist so ein kleiner Glimpse den ich sehr interessant finde und, was ich auch tatsächlich interessant finde, obwohl der Film uns ja eigentlich immer wieder eigentlich schon beibringt, jede Viertelstunde. Wir können eigentlich nicht glauben, was uns erzählt wird. Erzählt uns der junge Mann etwas und am Ende erzählt ihm der Kopf aber eine ganz andere Perspektive und warum und wieso und dann verstehen wir es und er versteht der junge Mann, wer als Zuschauer.

Patrick:
[40:50] Auch überhaupt, das war ganz falsch lang, es ging gar nicht darum, ein paar Einbrüche zu machen. Das war gar nicht das Thema, weil Cop ihm schon direkt gefolgt ist, bevor der Film angefangen hat, sozusagen. Und das finde ich auch interessant, dass wir so ein Gefühl bekommen, oh, okay, es ist was passiert, bevor die Handlung startete. Also das... Ja, wie siehst du denn so das Ende? Du hast es natürlich schon sehr stark gelobt, aber was nimmst du da mit, dass plötzlich eigentlich ein ganz anderer Plan da war? Wie hast du dich gefühlt dabei?

Christian:
[41:27] Ich finde das ja stark. Ich finde das aber auch aus dieser ähm, Und aus diesem fast schon rebellierenden Moment so stark, also da ist halt ein sehr junger, wie du sagst, anarchischer Nolan, wenn wir es mal so nennen dürfen, der, ich sag mal, mit sehr viel Sturm und Drang ans Werk geht und der dann eben seinen Film in dieser sehr.

Christian:
[41:56] Wie soll man sagen, düsteren, kompromisslosen, hoffnungslosen Geschichte enden lässt. Der seinen Protagonisten, seinen namenlosen Protagonisten ja irgendwie auch total ans Messer liefert. Und das fand ich irgendwie immer noch frisch, dass das Ganze so fatal für den Protagonisten ausging. Das ist der Moment, der eigentliche Moment des Triumphes. Er ist ja, also vielleicht müssen wir noch ganz kurz so ein bisschen das nochmal mitgehen, also in der Filmhandlung ist es ja so, was du auch in dem Inhalt so zusammengefasst hast, unser namenlose Protagonist folgt Leuten, gelangt dann an diesen Cop, wie er heißt, der sich ihn annimmt und sagt, hey, pass mal auf, Leuten folgen schön und gut, ich lege nochmal eine Nummer drauf, wir brechen jetzt mal zusammen eine Wohnung ein und, hinterlassen da vielleicht mal ein paar Dinge, die unvorteilhaft für die Bewohnden sind und machen auch deutlich, dass wir eingebrochen haben. Also wir hinterlassen ein Zeichen der Störung dieser intimen Räumlichkeiten. Also wir verunsichern die Leute. Er hätte da auch so einen ganz tollen Satz You take it away and you show what they were missing oder irgendwie sowas. Also wie so ein Zauberer irgendwie auch. so ein Trick irgendwie, der da gemacht wird, um die Leute so ein bisschen aufzuhören.

Patrick:
[43:20] Die Freiheit von ihm, aber gut.

Christian:
[43:22] Sorry. Unser namenloser Protagonist geht da ganz viel mit und wie du sagst, passt sich dem auch an und wird auch immer besser da drin, aber dann passieren halt zum Ende hin so diese ganzen Twists und Turns. Er trifft diese Blondine, die Blondine sagt, hey, mein Ex-Partner ist so ein Gangster und der hat so Dinge und die musst du klauen, damit ich aus seinen Fängen da rauskomme. Ganz klassisch aus dem Film Noir, wie du sagst, Film Fatal. Das macht der Protagonist. Auch dabei wird er überrumpelt und er tötet jemanden.

Christian:
[43:57] Und gelangt dann aber an das Bildmaterial, das Kompromittierende, um dann aber festzustellen, hey, ich wurde hier reingelegt, denn die Blondine und Cobb, die machen hier gemeinsame Sache und dann kommt die nächste Steigerung der ganzen Sache. Cobb arbeitet gar nicht mit der Blondine zusammen, sondern liefert sie auch Hans Messer tötet sie ja da irgendwie auch, weil er eigentlich mit ihrem Ex-Partner da zusammenarbeitet. Und unser namenloser Protagonist versucht das Ganze ja aufzulösen, indem er selbst zur Polizei geht und seine Version der Geschichte erzählt und bei der Polizei durch die Gegenfragen, durch den Polizisten stellt er fest, shit, Kopp hat mich halt komplett ans Messer geliefert, denn es ist noch, also ich glaube den Mord an der Bluttenhine war das dann ja irgendwie, den hat der Cop so in die Schuhe geschoben, sodass am Ende eigentlich klar ist, Cop hat sich hier selbst ans Messer geliefert. Der kommt aus der Nummer nicht mehr raus. Er ist der Verdächtige, der namenlose Mann ist der Verdächtige. Cop ist einfach verschwunden. Das ist auch so die letzte Einstellung, wie der in so einer Menschenmasse einfach verschwindet.

Christian:
[45:05] Sag ich ja, sehr kompromisslos. Auch da spielen wir ein Genre. Wir sind im Film Noir, die ja wirklich auch gerne diese diese kompromisslosen Enden haben und Nolan bedient das halt total, aber es ist immer noch so frisch, weil es hier kein Happy End gibt und dieser Protagonist auch ja erst, im letzten Moment auch merkt, also sein Scheitern eigentlich im letzten Moment merkt und er, manövriert sich in diese ausweglose Situation und der Film endet damit, dass er das und wir das auch realisieren und dann war's das, dann ist die Filmhandlung vorbei. Das finde ich unfassbar stark und das meine ich immer noch mit sauber und auch mit stumm und drang, mit rebellisch, das ist also gefühlt ist Nolan selten wieder so wild geworden, so mir fehlen die Vokabeln dafür, aber so, direkt auch dem Publikum gegenüber. Also ich hatte selten bei einem Nolan-Film, wenn der zu Ende geht, so einen Schlag irgendwie in die Magengrube irgendwie verspürt. Das finde ich halt sehr, sehr stark. Wie gesagt, meine Probleme sind auch eher so der mittlere Teil und auch so klar ein paar handwerkliche Sachen wie.

Christian:
[46:21] Kampfchoreografien, die natürlich irgendwie in dem ich sag mal Lions-Setting oder in diesem unprofessionelleren Setting halt schwierig sind, die halt keine Standards erfüllen und so. Aber Anfang und Ende finde ich halt unglaublich stark.

Patrick:
[46:38] Also, ich muss da noch mal was zum Ende sagen. Das hast du ja sehr schön aufgedröselt. Aber ich finde, du hast einen Kernaspekt gar nicht entweder sorry falsch gesagt oder gar nicht erwähnt. Und ich finde das Geniale am Ende ist nicht, dass er da zum Polizisten geht, weil er denkt, dass die Blondine, mich stört sehr, dass sie gar keinen Namen hat.

Patrick:
[47:04] Dass die Blondine tot ist, sondern ich habe es so in Erinnerung, dass er erst durch den Polizisten die Information bekommt, dass sie getötet wurde, was für ihn ja nochmal diesen Aspekt und ich finde, dadurch wird auch noch die Erzählung ein bisschen runder, dass ihm, also dass dem jungen Mann ja immer von Kopf was gezeigt wurde, wer als Zuschauer immer wieder was gezeigt wurde, was aber sich als Lüge oder als Twist herausgestellt hat. Und diese Doppelwürdigkeit, dass am Ende noch eine zusätzliche Ebene kommt, dass ihn ein sozusagen jetzt im weitesten Sinne Staatsdiener oder Sicherheitsperson ihm auch nochmal eine Wahrheit sagen muss. Das finde ich halt wirklich von vorne bis hinten super gut durchdacht und das macht nochmal dieses Ende, für mich nicht nur, dass es diesen geilen Twist gibt, dass er sozusagen den Fehler begeht, sozusagen ans Messer geliefert zu werden und genau die richtige Rolle dafür spielt, sondern dass er auch die Frau verloren hat, wo er dachte, ihr helfen zu können und nicht helfen zu können, indem sie um Leben oder Tod agiert, sondern eher um die Tatsache, dass sie dort aus diesem Milieu entkommt und dass er dann sogar, ich finde das auch sehr gut gespielt von dem jungen Mann tatsächlich, weil ich würde sagen, das Acting von ihm finde ich gar nicht so interessant, ehrlich gesagt.

Patrick:
[48:34] Aber weder besonders gut noch besonders schlecht, aber in der Szene finde ich diese Erkenntnis, als er die bekommt, oh, sie ist ermordet worden, spielt er richtig gut. Das finde ich halt toll.

Christian:
[48:47] Ja, ich bin, also, vollkommen richtig. Das hatte ich auch ein bisschen durcheinander noch gebracht.

Patrick:
[48:52] Kann man ja bei dem Film ganz einfach.

Christian:
[48:54] Ich wollte gerade sagen, da sind auch einige Twists und Turns, die sich da so aufeinander stapeln. Aber ja, das Acting von ihm hat mir auch sehr, sehr gut gefallen. Ja, aber ich wollte auch noch mal so diese Kritik von dir auch so ein bisschen aufnehmen, die ja auch in Richtung Nolan geht und eigentlich auch immer noch gilt. Oder, ja, dann hat es so Schwierigkeiten auch mit Menschen manchmal, habe ich das Gefühl. Also ich finde, er ist viel wärmer und viel interessierter am Menschen, als ihm nachgesagt wird. Also das ist für mich auch eigentlich die große, also auch im Laufe der vielen Jahre, zum Beispiel an Inception. Also Inception ist ein wahnsinnig clever verpackter, was ist real und bla bla bla und Traum und so. Aber im Kern ist das halt eine Familiengeschichte. Im Kern ist das die Geschichte eines Vaters, der zurück zu seinen Kindern will. Und ich glaube, dass wir das gerne bei Nolan auch aus den Augen verlieren, aufgrund dieser ganzen technischen.

Christian:
[50:05] Dinge, die er da macht und auch an einem Spiel mit Form und so. Also es gibt auf dieser technischen und formellen Ebene einfach auch so viel, mit dem man sich beschäftigen kann. Aber ich glaube so, darunter ist immer noch auch, also es ist ja immer auch am Menschen interessiert. Ich glaube, dass ihm das vielleicht nicht ganz so leicht fällt, wie irgendwie audiovisuell, weißt du, Städte ineinander zu falten und Traumwelten zu kreieren und solche Dinge irgendwie zu erschaffen und schwarze Löcher, so wissenschaftsgetreu wie möglich darstellen zu lassen und hier die Atombomben, das ist alles fein und alles toll, aber ich glaube schon, dass es fehlt da glaube ich so ein bisschen so die, also irgendwas fehlt ihm da, wenn er über den Menschen erzählt und wenn er sich den Menschen so hinwendet, aber ich finde das hier eigentlich auch interessant, ich glaube schon, dass er auch so dieses, also er ist fasziniert von dieser.

Christian:
[51:01] Von diesem Protagonisten und eigentlich auch von dieser Welt, auch von dieser Art Mensch auch in diesem Filmgenre, in diesem Filmnoir-Filmgenre, in diesem, alle sind eigentlich dazu da, um sich gegenseitig irgendwie auszuhebeln, in die Pfanne zu hauen, wie du sagst, wer belügt eigentlich wen, wer hat Deutungshoheit, Wahrheitshoheit, wer will eigentlich was von wem, warum lügen die sich alle ständig an und wie sie eben auch in diesen Welten unterwegs sind, in fremde Wohnungen einbrechen und sich da so herumtricksen. Also ich glaube schon, dass Nolan da irgendwo auch, Ich weiß nicht, ob er so weit kommt, eine Aussage dabei zu treffen, aber er ist zumindest interessiert an diesen Sphären und er ist auch da interessiert an dem Menschen, der sich so bewegt und dass der Mensch auch so sein kann. Und das finde ich auch bemerkenswert hier in diesem Film.

Patrick:
[51:56] Ich glaube einfach dass sein genereller Approach das sozusagen Konzept sich allem unterordnen muss, ist einfach sozusagen der Bug ist der Feature kann man sagen weil wenn du dich entscheidest so einen radikalen Film zu machen wie zum Beispiel Memento wie zum Beispiel Following.

Patrick:
[52:22] Ist tatsächlich ja einfach, du musst irgendwelche Abstiche machen. Du kannst zum Beispiel keinen gefühlvollen Film da erzählen, weil du müsstest viel mehr Zeit in die gefühlvollen Sehen machen und du verdatest dann auch die zeitliche Örtlichkeit. Also wenn zum Beispiel es gibt einmal das Thema zwischen Cop und das ist auch glaube ich, ich glaube das ist der Moment, wo Cop auch dem jungen Mann halt auch eins wirklich sehr stark drüber haut. Weil er hätte vielleicht vor, ihm eine rüber zu hauen, aber nicht so stark, war, als er erfährt, dass die Blondine mit dem jungen Mann geschlafen hat. Und das wäre doch gar nicht nötig gewesen, weil der nächste Schnitt ist dann, dass die Blondine und der junge ähm, nein, sorry, die Blondine und Cobb, miteinander reden und tatsächlich sie sagt, ach, du hast gesagt, ich kann mit ihm schlafen, wenn es nötig ist. Und dann sagt er, ja, wenn es nötig ist, aber es schien nicht nötig zu sein. Und das finde ich zum Beispiel auch sehr interessant. Aber mir wirkt in dem Film noch, das ist in anderen Filmen besser gelöst, finde ich zum Beispiel Inception, da wird auch immer wieder übersehen, dass es ja eigentlich auch so eine gescheiterte Liebesbeziehung ist. Das wird immer wieder vergessen und ich muss auch sagen, umso älter ich werde, umso häufiger ich Inception sehe.

Patrick:
[53:48] Finde ich auch dieses Bild und diese Entscheidung für mich zum Beispiel, dass er zu seiner Familie zurückkehrt, einfach wunderschön und deswegen ist gar nicht so wichtig, ob am Ende der Kreisel fällt oder nicht, sondern ich habe mich als zuschauende Person entschieden, ich finde dieses Bild nach den über zwei Stunden in diesem Film hat sich die Rolle, von Leonardo DiCaprio verdient, bei seiner Familie zu sein. Und das ist vollkommen okay. Und das ist ja ein emotionaler Kern, den fast alle verstehen und nachfüllen können, selbst wenn sie keine Familie haben, keine eigenen Kinder. Das ist etwas, was einfach irgendwie natürlich ist. Und das ist zum Beispiel höchst emotional.

Christian:
[54:34] Aber ich glaube auch, man sieht es hier bei Following und man sieht es auch in seinen späteren Filmen, Ich glaube, Nolan ist da einfach holpriger.

Christian:
[54:45] Nolan empfiehlt, weiß ich nicht, empfehlen da so die Muskelübungen. Ihm empfiehlt da irgendwie die, ich weiß es nicht, aber empfiehlt da etwas. Also er versucht es und man kann das sehen und man kann das herausarbeiten. Aber dieses Herausarbeiten ist ein bisschen mühsamer. Und es ist irgendwie nicht so, ich weiß nicht.

Christian:
[55:05] Er rettet sich nicht so ganz über die Ziellinie, wenn er versucht, emotional zu erzählen oder wenn er irgendwie so am Menschen irgendwie sich, weißt du, also mir fällt es auch schwer, in Worte zu fassen, weil es ist so unfertig dabei, es ist nicht so rund, es ist nicht so glatt, es ist nicht so, ich sag mal, technisch einwandfrei, wie eben die Technik in seinen Filmen so einwandfrei ist. Das ist immer so, dass er holt sich immer die besten Leute aus allen Departments heran. Vom Kamera, ich glaube, der hat ja ein eigenes hohes Telefon bei der IMAX Corporation wahrscheinlich. Wenn das klingelt, dann ruft Nolan an. Und er holt sich die besten Leute in Sachen CGI. Seine Filme sind ja auch mit Computereffekten ausgestattet, aber eben retuschierender. Er holt sich in allen Bereichen, er dreht mit echten Statisten an den Stränden, um da irgendwie Dunkirk, große Armeen darzustellen. All das ist ja eigentlich immer das Beste von dem, was möglich ist. Aber es sind dann eben so in Sachen Poesie, in Sachen Menschlichkeit, da fehlt immer noch ein kleines Quäntchen, habe ich das Gefühl. Da ist er einfach noch nicht so ...

Christian:
[56:18] Da ist er noch nicht so rund, wie er in allen anderen Bereichen so rund ist. Und deswegen finde ich das so interessant, dass das auch schon hier bei Following der Fall ist. Also ich finde, dass er in vielen anderen technischen Bereichen halt viel runder ist, als so bei dieser, wie du sagst, Charakterstudie und bei diesen menschlichen Aspekten, denen er sich da nähert. Und das tut er auf jeden Fall. Aber er kommt irgendwie nicht so konsequent da an, wie er das eben mit seinem 16mm Filmstock sehr konsequent durchzieht, in Sachen Filmtechnik da anzukommen, wie er mit seinen Twist und Turns in Sachen Filmform ankommt. Aber da fehlen eben hier auch noch einige Schritte, die er, glaube ich, bis heute nicht so ganz aufgeholt hat. Und das ist super spannend, finde ich, das zu sehen.

Nolan Begins

Christian:
[57:04] Vielleicht springen wir da auch so zum letzten Kapitel nochmal über. So dieses, diese Stichung.

Patrick:
[57:10] Da würde ich aber zu noch was sagen, auf jeden Fall.

Christian:
[57:13] Und dann sag er es mal.

Patrick:
[57:16] Also, zum Beispiel diese Szene zwischen, das war die einzige Szene, glaube ich, wo die Blondine mit Cobb redet. Wo es eben diesen Twist gibt, oh, er wurde verprügelt und oh, wir haben miteinander geschlafen. Ist für mich so dieses klassische Beispiel, weil ich nicht nachvollziehe emotional, okay, Cobb ist sauer, dass die Blondine mit ihm geschlafen hat. Aber ich habe gar kein Gefühl dafür, dass Cobb und die Blondine überhaupt eine Beziehung haben, selbst wenn ich den ganzen Film gesehen habe. Weil auf mich wirkt es so, also wenn ich jetzt den Film einfach sehe, ein Mann findet eine Frau schön, schläft mit ihr, also Kopf, Schläft wahrscheinlich mit der Blondinen. Die haben irgendwie ein Verhältnis. Cobb ist aber voll der coole Typ, der nicht sehr viele Eigenschaften hat, außer cooler Typ und Manipulator zu sein.

Patrick:
[58:11] Plötzlich ist da jemand anders und er ist sauer, dass er einfach dieses sehr klassisch männliche Gehabe, dass eine Frau, ich sag da jetzt fette Anführungsstrichen, irgendwie zu besitzen oder Besitzanspruch zu haben. Und das finde ich halt so schade, weil dann bekommen plötzlich diese intelligente Erzählung für mich so riss.

Patrick:
[58:32] Ich bin der Überzeugung, deswegen wollte ich da unbedingt reinhaken, wo du das erzählt hast, bevor wir so ans Ende kommen, ist in der, Ich glaube, es ist sehr schwer für Zuschauende, das zu begreifen, aber du musst dich beim Filmen, und das hat nichts mit Budget zu tun, das hat nichts damit zu tun, ob du der größte Filmemacher bist, ob du endlos Budget bekommst, ob jeder für dich arbeitet. Du musst dich entscheiden, welche Vision du hast. Und ich glaube, Nolan hat bei Oppenheimer eben eine andere Vision gehabt, als ein Psychogramm über das Verhältnis von Frauen und Oppenheimer zu haben. Das ist völlig legitim. Stört aber dann, wenn wir plötzlich eine Schauspielerin sehen, die komplett nackt da ist und ich ein bisschen das Gefühl habe, okay, warum machst du das jetzt? Weil das verstehe ich wiederum nicht, weil wäre das ein Film, wo Emotionen eine Rolle spielen würden, würde ich es sogar schön finden, wenn Nacktheit und Intimität irgendwie ein Teil einer Person wäre, was ja was sehr natürlich und schönes ist. Aber dadurch, dass die Filme das Gegenteil von Natürlichkeit sind bei Nolan, sondern, wie gesagt, diese Puzzle-Werke. Du machst den Koffer auf und musst jedes einzelne Teil erst mal lösen, um am Ende wirklich deinen Gewinn zu bekommen.

Patrick:
[59:53] Den ganzen Film. Und das ist halt immer so eine Sache. Ich bin zum Beispiel sehr aufgeregt und gespannt, wie er Odyssey lösen wird, ob er das sehr klassisch und ehrfürchtig zur Geschichte erzählt oder ob der wirklich auch einen eigenen Spin reinbringt, wo ich denke, ach ja, du Nolan, du. Du hast mal wieder Nolan Dinge getan.

Christian:
[1:00:15] Also ich glaube auch, gutes Beispiel, dass du nochmal Oppenheimer bringst. Für mich ist Oppenheimer eigentlich auch eine, für mich versucht Nolan mit Oppenheimer eine Warnung, eigentlich seine größte Angst zu verhandeln. Oppenheimer ist, ist ein Plädoyer oder ist eine Auseinandersetzung mit dieser immensen Zerstörungskraft der Menschheit, aber auch dieses Konkreten einen Menschen, der diese Zerstörungskraft in die Menschheit bringt. Und ich glaube, dass Nolan da eigentlich uns allen eine Warnung aussprechen möchte, Dass Nolan da eigentlich auch höchst für seine Verhältnisse höchst emotional versucht, uns vielleicht auch irgendwie wach zu rütteln. Also ich glaube schon, dass das eine emotionale Kiste eigentlich für Nolan ist. Ich glaube aber, dass Nolan so als Typ einfach, also auch emotional sehr stark so durch den Kopf arbeitet, was dann eben diese Distanziertheit und Kühler so ein bisschen reinbringt und auch dieses, was du sagst, diese technische Verschachtelung und so.

Christian:
[1:01:34] Und das finde ich halt so wahnsinnig spannend. Ich bin auch gespannt, was vielleicht emotional auch in der Odyssee drinsteckt, was dann da rausholt. Aber da sind wir schon Da sind wir schon bei den nächsten Filmthemen. Wir wollten ja eigentlich noch ein bisschen versuchen, bei Following zu bleiben und vor allen Dingen würde ich gerne versuchen, Nolan nochmal so ein bisschen raus zu destillieren, so in ein paar Sätzen zum Ende hin. Also es gibt im Blu-ray, in der Blu-ray glaube ich irgendwie so ein Essay, ich glaube da ist irgendwie ein Booklet oder so dabei in der Criterion Collection. Es hat einfach diesen gransengiosen Titel, Nolan Begins. In Anspielung natürlich. Genau, auf seinen späteren Batman. Aber so als These finde ich das ganz interessant mal hier auch als Titel so reinzuwerfen. Also wir sehen ja definitiv, das ist ja gar keine Frage mehr, ob Nolan hier beginnt, also er tut es, aber vielleicht können wir das nochmal so ein bisschen zusammenzurren, was wir hier so beobachten, was wir sehen, was von Nolan hier schon drin steckt und was vielleicht noch fehlt oder was gerne herausbrechen würde, aber noch nicht kann. Was hast du denn da so entdeckt, was du so auch als typisch Nolan sehen würdest hier?

Patrick:
[1:02:51] Eine Sache, die wir noch nicht erwähnt haben, ist natürlich, die Erklärwut in Dialogen. Also, es wird ja ganz einfach was erklärt und es werden, ähnlich wie beim Heist-Film, ja auch immer wieder Pläne erklärt. Du machst das so und so, um das zu machen. Und das ist ja eigentlich etwas, was du eigentlich sehr selten im Film machst, bei einem guten Film zumindest, weil du ja eigentlich eine Geschichte erzählen möchtest, wo Sachen aufeinander folgen, die sich natürlich entwickeln und wenn wir uns treffen und zum Kino gehen, da können wir wenn wir einen Vlog aufnehmen, kannst du mir sagen, Patrick, wir gehen jetzt in den Filmpalast, wir sitzen in Reihe 7, und am Anfang gibt es 15 Minuten Werbung, aber ein anderer Filmemacher oder Filmemacherin würde einfach sagen, Bezeigen jetzt, dass diese Personen ins Kino gehen und einen guten Abend haben und in der Werbung gemeinsam über schlechte Werbung lachen. Und das ist halt etwas, was sich hier sehr besonders hervortut, weil die Mitte halt, wie du schon erwähnt hast, etwas langweiliger ist als der Rest des Filmes.

Patrick:
[1:04:09] Dann natürlich das non-lineare Erzählen haben wir jetzt schon sehr sehr häufig und lang erwähnt, ich finde tatsächlich auch diesen Fakt oder diesen Fun-Fakt der so ein bisschen gemauschelt wird dass irgendwie jede Hauptfigur wie Nolan ist, trifft ja vielleicht ja auch zu, weil wir, haben ja am Anfang diesen jungen Mann der.

Patrick:
[1:04:32] So noch studentische Kluft anhat, hat dann irgendwie seinen Anzug an und irgendwie, haben wir, glaube ich, auch ähnlich wie der Charakter des jungen Mannes, der verhaftet wird, haben wir vielleicht auch so ein bisschen das Wilde von Nolan nach dem Film verloren. Also, aber dafür ein bisschen mehr Eleganz und, dann finde ich tatsächlich das Audio-Design, ich möchte da gar nicht so viel drüber reden, aber einfach nur verschiedene Mechaniken, wie Spannung erzeugt wird, nicht unbedingt mit Musik, sondern eben mit, mit irgendwie so sehr simplen Folgen von Tönen finde ich immer wieder das war ja eine dieser großen Überraschungen, wo ich den, 2004 zu 2015 zum ersten Mal gesehen habe, Dass es keine Hans-Zimmer-Ideen von Inception waren, sondern tatsächlich von Nolan selbst.

Patrick:
[1:05:29] Dann aber auch, was wir auch schon erwähnt haben, aber ich möchte es nochmal erwähnen, weil das vielleicht zu natürlich wirkt oder zu gegeben bei Nolan. Natürlich die Liebe fürs Analoge. Zu dem Zeitpunkt hätte er in der Theorie, und das ist bei vielen ersten Arbeiten zu der Zeit so, einen Camcorder mit Mini-DV zum Beispiel nehmen könnten, dem Muget. Und dann hätte es eher ausgesehen wie etwas, was Lars von Trier in den 90ern gedreht hätte. Das hätte auch vom Look her sehr gut zu Following gepasst, so ein Schwarz-Weiß-Film. Und ähm... Ja, das sind so ein paar Sachen, die ich nennen würde. Dann auch noch diese klare Struktur. Da gibt es die Blondine, da gibt es den jungen Mann, da gibt es Cobb. Ich möchte einmal noch in den Raum werfen, dass er den Namen Cobb noch mal für einen anderen Film wie Tenet benutzt hat. Was mich sehr zum Stutzen bringt. Ich weiß gar nicht, was das soll. Das hat er auch leider nie irgendwie erwähnt. Aber ja, was siehst du denn da noch, als Nolan beginnt?

Christian:
[1:06:37] Ja, spannend. Das mit Kopf, das wird mich jetzt auch noch ein paar Tage, glaube ich, beschäftigen. Da muss ich auch nochmal drauf rumkauen.

Christian:
[1:06:46] All das, was du gesagt hast, ich glaube auch nochmal jetzt auch so in der Besprechung, dieses Spiel auch mit Genre oder dieses sich auskennen mit Genre, das merkt man schon, das ist hier schon ein klassischer Film noir und auch ein Film, der mit diesem Genre spielt, der, wie du sagst, die Erwartungen kennt oder die Mechanismen kennt, wie namloser Protagonist, der sich, der am Ende da irgendwie auch der Justiz zum Opfer fällt oder diesen Plot, also diese Twists und Turns und diese, das ist ja alles schon so eine Sache, die sich sehr sicher auch mit Filmgenre oder in dem Filmgenre bewegt und das würde ich sagen, hat Nolan auch in der späteren Karriere sehr stark bewiesen, Der das Superhelden-Genre nochmal ganz anders neu erfunden hat, der auch kein Problem hat, mit einem Inception-Agenten-Thriller irgendwie zu arbeiten und es gibt ja bis heute auch die Leute, die sagen, ey, er sollte mal ein James Bond machen. Aber dann auch mit Dunkirk auch irgendwie so dieses Kriegsfilm, Antikriegsfilm-Ding auch gut bedienen zu können. Also dieser Wechsel auch zwischen den Genres, in denen Nolan da so unterwegs ist. Interstellar, klassischer, wirklich schöner Science-Fiction-Film. Also er kennt sich aus mit Genre, er kann sich in verschiedenen Genres bewegen.

Christian:
[1:08:13] Klar, das ist jetzt der erste Film und da sieht man jetzt ein Genre, aber das finde ich halt auch schon irgendwie recht ausgeprägt, dass das schon auch so eine Genreverhandlung hier irgendwie ist und trotzdem auch irgendwie schon hier dem Genre zumindest etwas hinzufügen kann. Das ist ein Debütfilm, der jetzt nicht nur irgendwie ein Genre nachspielt oder nicht nur irgendwelche Klassiker irgendwie versucht nochmal nachzufilmen, sondern schon auch so eigene Gedanken da irgendwie reinbringen kann, was ich auch stark finde.

Christian:
[1:08:43] Auch was du gesagt hast, diese da muss ich auch nochmal drüber nachdenken, diese Expositionskiste Nolan, der seine Figuren, seine Filme erklären lässt, das sehen wir hier auf jeden Fall auch. Ich erinnere mich noch so ganz dunkel an The Prestige. Ich glaube, da habe ich auch so meine Schwierigkeiten mit, dass ich bis heute das Ende irgendwie nicht packen kann, weil ich das Gefühl habe, Nolan will mich da verarschen. Also dieser Trick der Film, der wie ein Zaubertrick funktioniert, bei dem ich aber bis heute sage, aber Nolan hat mir nie die Regeln seiner Zauberwelt. Der hat mich betrogen mit seinem Ende. Ich, weißt du, aber das ist nochmal eine ganz andere Diskussion.

Patrick:
[1:09:20] Da können wir eine echt spannende Diskussion aufmachen. Bin ich gar nicht deiner Meinung. Aber, ja.

Christian:
[1:09:26] Ja, aber einfach auch so, ne, also das ist ja auch ein Film, der seine Twist und Turns dann ja durch seine Figuren erklären und erzählen lässt. Also ja, auf jeden Fall, also hier sind ganz viele Dinge, die wir bei Nolan sehen und einfach ich glaube, das ist so für mich das Interessanteste bei der ganzen Sache. Ja.

Christian:
[1:09:48] Es ist, es ist, es ist ein, ein, schweren Worte zu fassen, aber es ist so ein, also da steckt Christopher Nolan drin in diesem Film und der will rausbrechen aus diesem Film und der schafft das schon so gut und so stark und auch so selbstsicher, trotz aller Schwierigkeiten und Schwächen und auch Dingen, die bis heute mit irgendwie, keine Ahnung, 3000 Milliarden, US-Dollar-Budget da irgendwie hinbekommt und so, die er einfach ist. Das finde ich halt höchst beeindruckend, dass ich habe jetzt nicht so viele Debütfilme oder auch so No-Budget-Filme irgendwie gesehen, dass ich das gut vergleichen kann. Da bist du vielleicht auch so aus deinem eigenen Schaffen und auch aus dem Beobachten anderer Leute so in dem Bereich, da hast du vielleicht mehr Seherfahrung, aber ich finde das, höchst bemerkenswert, dass sich dieser Film einfach auch so gut schon in die spätere Karriere so dazufügt. Also das ist jetzt nicht nur so ein Film, wo man sagt, ah ja, diese eine Szene, diese drei Minuten zeigen das, was später mal aus dem Filmemacher irgendwie werden geworden ist, weil da alles auf einmal aber nur ganz kurz zusammenkommt, sondern nee, hier ist Nolan 70 Minuten einfach drin. Und das finde ich irgendwie so interessant und so bemerkenswert und so ja, so.

Christian:
[1:11:17] Ja auch so wichtig an diesem Film, dass das irgendwie also das ist ein starker erster Auftritt durch die Bank und durch den ganzen Film hinweg. So und das also wundert mich nicht, dass aus dem später mal was geworden ist, um es mal so zu sagen.

Patrick:
[1:11:35] Ich würde am Ende auch noch so ein Hot Tech tatsächlich sagen und zwar ich fände, jetzt vor allem mit Quentin Tarantino habe ich mich auch so ein bisschen damit verfasst, so letzte Film, oder letzte Filme einer Karriere und ich fände zum Beispiel einen genialen Coop, der einfach irgendwie so, er hat noch sehr viele Filme vor sich und sehr viele noch eine sehr lange Karriere, weil er ja noch wesentlich jünger als Tarantino ist, aber, es ist so, dass ich es als ein perfektes Ende finden würde, wenn er diesen Film remaken würde mit seinen jetzigen Mitteln oder in 20 Jahren Mitteln, und aber uns am Ende wieder an der Nase rumführt. Dass viele schon, die den Original-Following gesehen haben, schon gesagt haben innerlich, ach ja, wir wissen ja, was kommt, wir wissen, was kommt. Aber es würde für seine ganze Karriere stehen, wenn dann irgendwas anderes noch erzählt worden wäre oder irgendeine Ebene aufgemacht wird. Und das fände ich den ultimativen Plot Twist seiner Karriere.

Christian:
[1:12:42] Nolan, der uns mit seinem Film über seine Filme an der Nase herumführt, quasi. Der Twist im Twist, ja. Wenn es jemand schafft, dann er.

Abmoderation

Christian:
[1:12:55] Ja, Patrick, ich könnte eigentlich, ich müsste eigentlich den Film auch gleich direkt nochmal wieder gucken und nochmal reingehen. Also da ist echt, da ist so viel mehr drin. Ich glaube, wir haben jetzt auch schon die Filmlaufzeit überschritten. Gutes Zeichen eigentlich, um auch zum Ende zu kommen. Ja, schöner Film, schönes Debüt. Gerade vielleicht auch mit den Ecken und Kanten, das ist ja auch nochmal ganz interessant. Manchmal verraten Ecken und Kanten ja auch mehr als die abgeschliffenen Rundungen in so einem Film und auch in so einer Karriere bei so Filmschaffenden. Lohnt sich auf jeden Fall, da immer mal wieder reinzugucken und zu sehen, wo Christopher Nolan herkommt und was er davon vielleicht eben auch mit in die Gegenwart nimmt. Wunderbar. Patrick, wo finden wir dich noch im Netz?

Patrick:
[1:13:46] Auf Instagram unter patricksuit und er findet natürlich auch meinen Podcast, die filmische Begegnung, auf allen, Podcast-Plattformen. Und ansonsten schaut einfach gute Filme, genießt den Kinosummer, geht mal in ein Open-Air-Kino, guckt einen alten Film, guckt mal weiter die Debütfilme von zum Beispiel auch Weiblich, den Regisseur waren, zum Beispiel von Salin Sciamma kann ich den Debütfilm empfehlen und von Sofia Coppola, den Debütfilm. Und das sind beides sehr, sehr tolle Einträge und tolle Filme an sich. Und da sieht man auch schon das tolle Talent.

Outro

Patrick:
[1:14:27] Genau, das habe ich zu sagen. Ciao.

Christian:
[1:14:30] Sehr schön, ja. Vielen Dank und genießt den Kinosummer. Bis dahin. Ciao.