Second Unit #376 – Perfect Days (#Japanuary)

Artist: Second Unit Studios
Album: Second Unit
Year: 2026
URL: http://secondunit-podcast.de/

Chapters

0:00 Intro
0:20 Begrüßung
3:46 Danksagung
7:21 Vorverständnis
12:58 Plot
14:26 Cast
19:17 Film
1:11:10 Wim Wenders
1:28:06 Nächste Sendung: Oscar-Nominierung Best Picture 2026
1:35:30 Abmoderation
1:37:52 Outro

Transcript

Christian:
[0:21] Herzlich Willkommen zu einer neuen Ausgabe der Second Unit. Mein Name ist Christian Steiner und ich habe bei mir die wunderbare Daniela Sors. Hallo.

Daniela:
[0:32] Hallo Christian.

Christian:
[0:34] Ja, wir starten ins Jahr 2026. Wir zelebrieren den Japanuary, den Themenmonat. Und wir machen das mit einem außergewöhnlichen, aber auch sehr entspannten Film.

Daniela:
[0:48] Willst du schon sagen, mit welchem?

Christian:
[0:50] Ja, das steht ja auch schon im Titel dieser Sendung. Das ist ja keine große Überraschung. Die Leute haben eingeschaltet, wenn sie eingeschaltet haben, zu Perfect Face.

Daniela:
[0:57] Das habe ich natürlich vergessen.

Christian:
[0:59] Ich versuche, weißt du, ich habe ja schon im Vorfeld gesagt, ich will heute, dass sich der Podcast anfühlt wie der Film. Also ich mag das ja gerne, wenn die Diskussionen ähnlich sich am Film orientieren. Also wenn das jetzt irgendwie so ein 3D, hätten wir jetzt über Avatar gesprochen, dann müssten wir natürlich räumlich podcasten in 3D. Tun wir jetzt aber nicht. Wir sprechen über Perfect Days, das heißt, wir machen das alles sehr, ich würde mal sagen, routiniert, sehr minimalistisch. Und auch so ein bisschen, wie soll man sagen, entspannt ist das falsche Wort, aber bewusst.

Daniela:
[1:38] Mir fällt immer so cosy, cosy, so cosy, hügelig.

Christian:
[1:43] Ja, oh, da bist du jetzt aber schon wieder ganz woanders, da bist du im skandinavischen.

Daniela:
[1:47] Ich fühle mich gerade hügelig hier mit meiner Wolldecke und mit meinem komischen Puschel.

Christian:
[1:52] Puschelstift.

Daniela:
[1:53] Puschelstift, ja.

Christian:
[1:54] Das muss man vielleicht noch erklären. Ja, aber genau, wir sprechen über Perfect Days, wir sprechen im Rahmen des Japanulary. Das ist ja ein, ich weiß gar nicht mehr wann das und wie das entstanden ist, aber es hat sich mal so entwickelt als Themenmonat im Januar über Filme aus Japan zu sprechen. Das haben wir hier in der Second Unit auch immer mal wieder gemacht. Das machen wir nicht jeden Januar, wir nehmen nicht jeden Themenmonat immer mit, aber diesmal schon. Ich hatte vor allem Bock, über einen Wim Wenders-Film zu sprechen. Wir beide haben jetzt auch für uns schon mal ein bisschen Der Himmel über Berlin geguckt, vor ein paar Monaten schon in ganz anderen Kontexten. Und ich will vor allen Dingen auch hier in der Second Unit, in der 3D-Unit, auch noch im Laufe dieses Jahres über den Pina Bausch-Film. Pina Bausch-Film. Ich wollte gerade sagen, wie hieß der noch?

Daniela:
[2:43] Pina.

Christian:
[2:43] Pina, genau. Den Wim Wenders gemacht hat. Das ist ja, glaube ich, eher so ein dokumentarischer oder eher ein zeigender Tanzfilm, auf jeden Fall in 3D. Und dann dachte ich mir, Mensch, ja, du schüttelst mit dem Kopf.

Daniela:
[2:56] Ja, weil da gerade mein Kopf crasht. Ich habe den Film schon zweimal geguckt und finde den, also ja, finde den sehr schön, aber ich verstehe jetzt gerade nicht, wie man den in 3D gucken kann. Aber das macht ja nicht. Ich muss den ja auch nicht in 3D gucken. Außerdem habe ich mich gerade gefragt, warum es nicht den Koreanuary gibt und ab nächstem Jahr im Januar alle über koreanische Filme sprechen.

Christian:
[3:17] Siehst du, ich habe mich gerade gefragt, weil du von Hügelich gesprochen hast und ich glaube, kommt es aus Dänemark, kommt es aus Schweden?

Daniela:
[3:22] Ich glaube, aus Schweden.

Christian:
[3:23] Ich habe jetzt an Dänemark gedacht und dachte, ja, wie können wir jetzt noch Skandinavien als Themenmonat ins Jahr reinbringen?

Daniela:
[3:28] Wir könnten über einen Mats Mikkelsen-Film sprechen. Wir schweifen die ganze Zeit nur ab.

Christian:
[3:34] Das ist ja auch das komplette Gegenteil von dem, was unser Protagonist in diesem Film tut. Der ist ja immer so on point und auch so gewissenhaft bei der Arbeit. Wir müssen uns wieder mehr an unserem Vorbild hier orientieren.

Danksagung

Christian:
[3:46] Gut, jetzt mache ich noch eine Sache, die halt so komplett mit dem Film bricht, weil ich muss jetzt nochmal Werbung machen, auch in Richtung kapitalistische Bedürfnisbefriedigung auf Seiten meiner, aber auch auf Seiten der Leute, die hier vielleicht zuhören. Denn ihr könnt diesen Podcast unterstützen. Das geht am aller, allerbesten, indem ihr einfach ein kostenpflichtiges Abo abschließt, nicht nur den Podcast kostenfrei abonniert, sondern ihr könnt auch auf secondunitstudios.plus gehen. Da findet ihr eine Übersicht aller...

Christian:
[4:15] Exklusiver und verbesserter Inhalte rund um diesen Podcast. Und da könnt ihr auch euch weiter durchklicken und ein Abo dalassen. Ihr könnt das Ganze im Basispaket abonnieren, dann bekommt ihr die Podcasts früher, ihr bekommt die Podcasts auch besser, weil Kapitelmarken dabei sind und Transkripte zu den Sendungen, falls ihr mal irgendwie was nachsuchen wollt, was wir besprochen haben. Das geht sehr gut darüber.

Christian:
[4:36] Und ihr bekommt aber auch zusätzliche Sachen. Ihr bekommt extra Podcasts. Ihr bekommt auch zum Beispiel das extra Format der Gaming Unit. Da habe ich schon vor vielen, vielen Jahren über einige Videospiele gesprochen oder ihr bekommt auch nochmal extra Sendungen. Wir haben zum Beispiel über jetzt gerade an Weihnachten hatte ich nochmal aus dem Archiv eine Bonusfolge mit Tamino damals noch über Werner Beinhardt haben wir mal gesprochen. Das ist ja norddeutsches Kulturgut und das haben wir auch sehr launisch verpodcastet. Das gibt es dann zum Beispiel nur in diesem Plus-Abo. Also ihr bekommt auch gewisse Formate, gewisse Filmbesprechungen, aber auch Serienbesprechungen mittlerweile. Also da gibt es einiges auch an Bonus. Das lohnt sich alles. Da könnt ihr mal ein Abo dalassen und vielleicht sogar auch upgraden. Vielleicht wollt ihr auch den Podcast ganz besonders unterstützen und auch eine besondere Danksagung zurückbekommen. Zum Beispiel gibt es im Dezember extra Postkarten von mir, die ich dann nochmal in der Weihnachtssaison mit einer persönlichen Danksagung durch die Welt geschickt habe und ihr bekommt auch eben Danksagungen in jeder dieser Sendungen.

Christian:
[5:41] Zum Beispiel auch in dieser. Das geht daraus an Anne, Sebastian, Christian, Rüdiger, Thomas und Markus, die eben auch so ein Abo dalassen, dass ich mich persönlich bei denen bedanke. Vielen, vielen Dank für die Unterstützung. Das tut sehr, sehr gut und auch vielen, vielen Dank an alle, die jetzt als Neujahres Vorsatz für 2026 sich vornehmen und nicht nur vornehmen, sondern auch tun, diesen Podcast mit einem Plus-Abo zu unterstützen. Vielen, vielen Dank an alle, die es tun, die es tun wollen und die es tun werden. Das war jetzt nicht ganz so im Sinne des Filmes.

Daniela:
[6:14] Ja, du willst ja nicht deinen zweiten Porsche davon bezahlen.

Christian:
[6:17] Nee, den ersten abbezahlen, ja.

Daniela:
[6:20] Wir haben keinen Porsche. Noch nicht mal zum Auto.

Christian:
[6:24] Das stimmt. Noch nicht mal. Ich fand das Auto ja so großartig, was er da gefahren ist. Ich habe ja immer geschwärmt, als wir den Film geguckt haben.

Daniela:
[6:30] Sieben Mal hat Christian beim Gucken gesagt, ach, so ein tolles Auto.

Christian:
[6:32] Ja, weil das einfach, das muss man ja auch noch mal dazu sagen. Wir sprechen hier schon wieder irgendwie das Konzept. Irgendwie schaffen wir es nicht so fokussiert zu sein wie, egal. Aber ich fand das Auto so großartig, weil was mich an Autos so stört, ist, wenn diese massiven Blechbüchsen einfach immer größer und mächtiger und massiver werden, weil es gibt keinen Grund. Und der ist so kompakt, der ist von außen wie ein Smart und von innen wie so ein VW-Bus. Da ist jeder Zentimeter, hat seinen Platz und hat seinen Nutzen und das finde ich einfach fantastisch. Das Ding passt in jede Parklücke und trotzdem ist irgendwie sein halber oder sein ganzer Arbeitsmittelpunkt in diesem Wagen drin und das ist einfach so klug und so clever und durchdacht und auch eigentlich super minimalistisch, weil das halt alles sein Zweck und sein Nutzen, da wird nichts verschwendet, da ist nichts großartig.

Vorverständnis

Christian:
[7:20] Aber eigentlich wollte ich auch gar nicht über das Auto sprechen, sondern wir wollten über das Vorverständnis noch sprechen zu diesem Film. Du hast den Film, hast du den sogar vorgeschlagen? Nee, ich glaube, ich habe ihn vorgeschlagen und du hast ihn sehr dankend aufgenommen hier in der Sendung.

Daniela:
[7:37] Ja, weil ich ihn im letzten Jahr schon geguckt habe. Der stand elendig auf meiner Watchliste schon lange. Also eigentlich, seitdem er rausgekommen ist, wollte ich den unbedingt gucken. Aber ich hatte immer das Gefühl, ich muss den richtigen Moment abwarten. Und mein Gefühl sollte mich nicht täuschen.

Christian:
[7:51] Ja.

Daniela:
[7:52] Ich habe den Film im richtigen Moment das erste Mal geguckt. Und ich habe ihn auch deshalb so dankend aufgenommen, weil so zwei Herzen in meiner Brust im Kinojahr 2025 geschlagen haben. Ich nehme ja regelmäßig für die Kulturpessimistinnen Audio-Kommentare auf und ich hatte einen langen Pfeil zwischen K-Pop Demon Hunters und Perfect Days und dachte immer, oh, ich fand den so gut, ich will den so gerne besprechen, ich will so gerne was dazu sagen, also zu Perfect Days. Aber es ging einfach nicht über meinen K-Pop Demon Hunters Fan sein, dass ich mit dem Audiokommentar über Perfect Days in diesem Podcast gehe.

Christian:
[8:30] Bei dem Audiokommentar geht es um den Film des Jahres.

Daniela:
[8:32] Genau, also den eigenen besten Film des Jahres. Und dann habe ich wochenlang überlegt, welchen ich nehme. Und nachdem ich dann K-Pop Demon Hunters auch noch im Kino gesehen habe und alles, habe ich gesagt, das geht, ich kann nicht Perfect Days nehmen. Und dann habe ich die ganze Zeit, es tat mir aber so weh, weil ich den Film halt auch so, so gut fand. Und dann hast du das halt vorgeschlagen oder du hast gesagt, du willst im Japan Uri über diesen Film sprechen. Und dann habe ich gedacht, ja, aber dann bitte mit mir, weil, ja, also ich mag den Film sehr, das merkt man ja schon, genau. Und deswegen war ich dann ganz froh, dass wir da jetzt drüber sprechen, obwohl ich ehrlich gesagt ein bisschen Bammel habe, weil ich noch nicht so genau weiß, worüber wir sprechen, aber es zeigt sich ja dann meistens in der Aufnahme, ja.

Christian:
[9:15] Gutes Stichwort, wir werden den Film auch spoilern.

Daniela:
[9:18] Komplett von vorne bis hinten.

Christian:
[9:21] Und was vielleicht gar nicht so schlimm ist, aber eigentlich würde ich auch sagen, so unvoreingenommen wie möglich in diesen Film zu gehen. Also am besten an dieser Stelle schon irgendwie ausmachen, auf Pause drücken, den Film gucken und dann danach nochmal mit uns eigentlich nochmal, also ich glaube, wir werden diesen Film nochmal nachträglich genießen. Jetzt bei einer Besprechung meinst du? Ja, ich glaube nicht, dass wir da jetzt die steilen Thesen aufstellen und die großen Recherchen präsentieren. Das ist kein Film, der...

Christian:
[9:51] Also der viel hergibt auf jeden Fall, aber der so, und deswegen wollte ich den auch irgendwie im Januar besprechen, der so stimmungsvoll irgendwie ist und für mich auch so wunderbar in diese Jahresanfangsstimmung passt, in der wir ja auch noch so sind. Das Jahr startet langsam und man kann sich da nochmal vielleicht einen Schritt mehr zurücknehmen und vielleicht nochmal auch irgendwie das alte Jahr noch reflektieren. Und ich mag diese ersten ein, zwei Wochen eines Jahres immer am liebsten, um halt auch so ein bisschen geschmeidiger ins Jahr irgendwie zu starten. Und also eigentlich müssten wir jetzt hier auch noch irgendwie Tee trinken und so analog wie möglich fast noch podcasten. Also ich mag diese Stimmung einfach, die dieser Film transportiert. Und es ist halt immer schwer, über Stimmung zu sprechen und Stimmung zu diskutieren, als jetzt irgendwie Handlung, Plot-Twists, Schauspiel, Überraschung. Und deswegen ist das vielleicht auch ein Podcast, der ein bisschen zurückgelehnter ist.

Daniela:
[10:52] Also analoger geht es kaum. Ich habe hier einen Zettel und einen Stift in meiner Hand. Das ist schon sehr analog.

Christian:
[10:57] Ja, wir müssen eigentlich aber auf Tape oder so aufnehmen. Das wird ja auch passen zu Hirayama und seiner Tape.

Daniela:
[11:03] Ja, das machen wir natürlich nicht.

Christian:
[11:05] Genau, also noch einmal. Empfehlung für diesen Film, wenn ihr Interesse habt an stimmungsvollen Alltagsstudien, Charakterstudien. Das ist eigentlich auch schon zu viel, weil so viel studiert der Film seinen Charakter, glaube ich, gar nicht, sondern er zeigt mehr. Aber es ist ein sehr, sehr ruhiger und beobachtender Film, der so ein interessantes Alltagsleben uns präsentiert und dabei eben auch sehr stimmungsvoll arbeitet, würde ich sagen.

Daniela:
[11:33] Ja, aber ich glaube, man muss den Film auch aushalten können.

Christian:
[11:36] Diese Ruhe, ja. Und diese Langsamkeit und deswegen passt der vielleicht eher jetzt auch ganz gut als irgendwie in einen belebten Blockbuster-Sommer und naja, aber das führt zu weit. Ich wollte nur noch sagen zu dem Thema Vorverständnis, ich hatte den nur im Augenwinkel mitbekommen durch die Oscar-Nominierung, der Film ist 23 rausgekommen, das war so das Babenheimer Jahr, falls wir uns zurückerinnern, und ist dann eben, also 23 rausgekommen und Anfang 24 bei der Oscar-Verleihung dann als bester internationaler Film für Japan ins Rennen gegangen. Ach so, ich dachte.

Daniela:
[12:12] Der wäre als bester Film nominiert worden, nee.

Christian:
[12:14] Nee, nee, der war bester, also es heißt ja bester, glaube ich, nicht englischsprachiger Film ist ja, glaube ich, die offizielle Bezeichnung dieser Kategorie und das war auch sehr bedeutend, weil das ja so eine deutsch-japanische Koproduktion ist und Wim Wenders, der erste nicht japanische Regisseur für Japan in dieser Kategorie mit nominiert war.

Daniela:
[12:36] Aber gewonnen haben sie dann nicht?

Christian:
[12:38] Gewonnen haben sie nicht, denn Zone of Interest hat in diesem Jahr den Oscar gewonnen.

Daniela:
[12:43] Ah, ja gut, der war halt auch sehr gut.

Christian:
[12:44] Der war auch sehr gut, ja.

Daniela:
[12:45] Ja Mist, kann man nichts machen.

Christian:
[12:47] Aber es war auf jeden Fall sehr bedeutend und ich meine, werden wir nachher auch noch ein bisschen auseinandernehmen, was da auch so an Preisen und so für Perfect Days passiert ist.

Plot

Christian:
[12:58] Aber wie wir das immer gerne machen, darfst du am Anfang nochmal den Plot, die Handlung, worum geht es eigentlich in dem Film? Was passiert da?

Daniela:
[13:07] Jetzt muss ich erst mal gucken, wie unser Hauptprotagonist heißt. Das ist ja Ich und Namen. Also ich mache das jetzt hier völlig transparent, dass ich auf meinen Zettel gucke. Also wir beobachten den Japaner Hirayama. Ich glaube zwei Wochen in seinem Leben, bei seinem Alltag und erleben, wie ihm das Leben passiert.

Christian:
[13:28] Wow. Das ist, also jetzt können wir doch schon diskutieren, weil ich finde, passiert ihm das Leben oder lebt er das Leben?

Daniela:
[13:35] Er lebt sein Leben, aber ihm passiert das Leben der anderen.

Christian:
[13:40] Meine Güte, jetzt muss ich mir doch die Ärmel hier hochkrempeln. Ich dachte, wir machen hier ganz relaxed, aber ja, ja, interessant. Sehr, sehr interessant.

Daniela:
[13:47] Also ich habe, ich weiß, dass ich damals, als ich den Film geguckt habe, dachte, boah, jetzt wird es aber zum Ende richtig stressig. Also ich hätte dem auch, jetzt sind wir ja schon sehr weit, aber ich hätte ihm auch gut noch die zweite Woche zugucken können, wie er einfach nur seiner Arbeit nachgeht, abends seine Bücher liest, sein Glas Wasser mit vier Eiswürfeln jeden Abend trinkt und dann, ich fand das gut. Also, sag ich ja.

Christian:
[14:08] Das passt auch sehr gut in diese Jahresanfangsstimmung. Alles ruhig angehen, bloß nicht zu viel Hektik, nicht zu viele Überraschungen. Aber ja, das ist vielleicht auch schon so der Gegensatz zu des Filmes. Er lebt sein Leben und das Leben der anderen funkt da irgendwie auch so ein bisschen mit rein.

Cast

Christian:
[14:24] Finde ich schon mal gut. Lass uns aber, bevor wir so richtig reingehen, noch Cast und Crew ein bisschen durchgehen. Wir haben auch schon ein paar Namen gedroppt, die sollten wir vielleicht noch ein bisschen ausführen. Wir haben als Regisseur und Co-Drehbuchautor Wim Wenders. Wir haben dann als weiteren Co-Drehbuchautoren Takuma Takasaki. Ich finde es im Englischen einfach immer eine bessere Bezeichnung als Director of Photography. Das ist mehr als Kameramann. Ist Franz Lustig dabei. Und dann, das war mir auch wichtig, weil es im Abspann auch nochmal besonders erwähnt wurde, Donata Wenders hat gewisse Sequenzen im Filmregie geführt, nämlich Traumsequenzen, also unser Protagonist, der Hirayama. Er lebt sein Leben und wir leben mit ihm so den Alltag. Und wenn er nachts schläft, sehen wir so in schwarz-weiß gehaltene, sehr expressionistische Träume. Manchmal nur so Bilder, manchmal so Dinge, die aus dem Tag irgendwie noch so durchscheinen. Ganz toll gemacht und die hat eben die Ehefrau von Wim Wenders inszeniert.

Daniela:
[15:35] Den Namen hast du schon gesagt von der Ehefrau.

Christian:
[15:37] Genau, Donata Wenders. Dann haben wir bei der Besetzung, ich versuche mich dann mal durchzuarbeiten, Koji Yakusho als Hirayama. Ich habe ein bisschen recherchiert, ich habe ein bisschen nochmal so drumherum gelesen und gehört und geguckt. Und Wim Wender sagt, das ist wohl auch ein ganz bekannter, beliebter Schauspieler in Japan. Gesehen irgendwie Mitte der 90er irgendwie einen Tanzfilm, also einen Film, wo es ums Thema Tanzen ging, hat auf einmal kulturell in Japan so eine Tanzlernwelle ausgelöst. Also ich glaube, der ist in Japan eine Ikone, ein Star, der eben hier den Hirayama spielt. Diesen, hast du noch gar nicht, glaube ich, erwähnt, den Toilettenputzer.

Daniela:
[16:21] Ja, das habe ich noch nicht erwähnt.

Christian:
[16:23] Dann haben wir Tokio Emoto als Takashi. Das ist der Kollege. Jünger, ich sag mal ein bisschen dynamischer, ein bisschen weniger Schweizer, chaotischer, der auch ein bisschen mehr vom Leben will. Da können wir nachher auch noch mal ein bisschen drüber sprechen. Das ist aber der Arbeitskollege. Gerne auch mal zu spät, gerne auch mal wieder früher wieder gehen von der Arbeit. Wir haben Ayo Yamada als Aya. Das ist so, naja, Freundin kann man glaube ich noch nicht so ganz sagen. Ja, so ein bisschen.

Daniela:
[16:53] Also von Takashi.

Christian:
[16:54] Genau. Wir haben Ariza Nakano als Niko. Das ist die Nichte von unserem Hirayama, die einfach irgendwann bei ihm vor der Tür sitzt. Und da bei ihm aufschlägt, wir haben Yumi Aso als Keiko.

Daniela:
[17:11] Keiko?

Christian:
[17:12] Keiko, das ist die Mutter von Niko und damit die Schwester von Hirayama. Wir haben Sayuri Ishikawa als Mama, so wird sie nur in den Credits erwähnt. Das ist eine Restaurantbesitzerin, wo, glaube ich, Hirayama am Wochenende, ich glaube so am Sonntag, ich habe das nicht so ganz verstanden, du hast jetzt von zwei Wochen gesprochen, ich habe was von vier Tagen gelesen. Ich glaube, wir erleben mehrere Tage mit unserem Hirayama und wir sehen eben den Arbeitsalltag und wir haben dann auch einen Tag, der deutlich ausbricht, weil er eben nicht arbeiten muss. Er geht Wäsche waschen, er kümmert sich um so ein paar andere Sachen und ich glaube an diesem, und ich vermute mal, es ist der Sonntag, an diesem Tag geht er dann auch in das Restaurant von der Mama und da gibt es ein bisschen Gossip, da gibt es ein bisschen was zu erzählen und ein paar andere Gäste und das ist ein bisschen belebter, das ist ein belebteres Setting. So was sie da auch irgendwie als Restaurant führt, würde ich mal so sagen. Und wir haben Tomokazu, Miura als Tomoyama. Das ist der Ex-Mann von Mama, der eben dann da einmal im Restaurant auftaucht und die beiden umarmen sich. Es ist ein persönlicher Moment, in den Hirayama so ein bisschen rein stolpert.

Christian:
[18:26] Den ich stören will, sich schnell irgendwie davon schleicht und ja, die beiden Männer haben dann aber auch noch so einen Moment gegen Ende des Filmes. Dann haben wir noch Min Tanaka, in den Credits wird er nur als Homeless bezeichnet, als Obdachloser, der da glaube ich in einem Park, in einem Schrein einfach nur lebt, existiert und von Hirayama gesehen wird.

Christian:
[18:52] Und die sich, glaube ich, auch an einer Stelle so ein bisschen zunicken. Also man erkennt sich so gegenseitig an. Und was ich gelesen habe, Wim Wenders hat auch einen kurzen Cameo als Kunde in einem platten Kassettenladen in Tokio, wo das Ganze auch spielt.

Daniela:
[19:10] Genau, weil in dem tollen Auto, was er fährt, gibt es einen Kassettenrekorder. Der hört Kassetten.

Film

Christian:
[19:15] Ja, und damit würde ich sagen, starten wir auch mal mit diesem Alltag von Hirayama. Damit beginnt der Film. Das ist eigentlich auch so der Kern dieser Alltag. Die Perfect Days, so wie der Film ja heißt, sind halt sehr routiniert oder sehr, wie sagt man denn, erfolgt einer gewissen Routine. Und der Film wirft uns da ja auch so ziemlich rein. Ich glaube, es beginnt auch damit, dass er aufwacht, die Nachbarin in der Nachbarschaft.

Daniela:
[19:49] Es beginnt mit dem Fegen.

Christian:
[19:51] Ich glaube, das Erste.

Daniela:
[19:52] Was wir hören, ist das Fegen der Nachbarin, die über die Straße jeden Morgen den Gehsteig fegt.

Christian:
[19:58] Genau, und damit wacht er auf.

Daniela:
[20:00] Ja.

Christian:
[20:00] Habe ich auch schon gesagt. Die war eine schöne.

Daniela:
[20:02] Angenehme Art, geweckt zu werden.

Christian:
[20:05] Das stimmt, aber naja, wenn die mal krank im Bett liegt, dann aber okay. Okay, genau. Und dann sehen wir ganz klassisch, er steht irgendwie auf, er rollt sein Futon an die Seite, er geht Zähneputzen, er rasiert sich.

Daniela:
[20:18] In der Küche.

Christian:
[20:18] Ja, alles sehr klein. Also es ist ja auch fantastisch, weil der ganze Film, wie du sagst, also Minimalismus ist ein großes Stichwort. Der Film inszeniert minimalistisch. Hirayama lebt ein sehr minimalistisches Leben. Das ist alles sehr kompakt. Das ist alles sehr wohl überlegt. Da ist nicht zu viel, da ist auch nicht zu wenig. Und ich würde sagen, es ist alles auch sehr bewusst. Und das sehen wir eben in jedem Handgriff, der gemacht wird. Der Film erzählt damit ja auch schon ganz, ganz viel, indem er kein einziges Wort benutzt, weil wir sehen die Einrichtung, wie du sagst. Wir sehen, wie er in der Küche am Waschbecken sich rasiert, Zähne putzt. Aha, wir lernen natürlich gleich ganz viel dabei. Kein Reichtum, keine Opulenz. Wir sehen, glaube ich, eine Treppe. Ich weiß nicht, ob er in zwei Stockwerken wohnt oder oben wohnt.

Daniela:
[21:08] Also oben ist ja das Schlaf-Wohnraum und der Raum, was er dann nachdem er in der Küche sich fertig gemacht hat, geht er ja jeden Morgen seine kleinen Bäumchen absprühen, die sind in einem anderen Raum. Und die Treppe runter ist die Küche und so eine kleine Abstellkammer. Und was ich interessant fand, man sieht überhaupt nicht, wo die Toilette ist, obwohl er Toilettenputzer hat.

Christian:
[21:28] Stimmt, ja.

Daniela:
[21:29] Man sieht jeden Raum irgendwie, aber irgendwo muss ja auch ein Klo sein, würde ich behaupten. Genau. Aber es ist alles jeden Morgen das Gleiche. Vom Fegen geweckt werden, das Futon wegräumen, in den untersten Stock gehen, Zähneputzen rasieren, mit der Sprühflasche rauf, Bäumchen absprühen.

Christian:
[21:46] Ganz wichtig dabei, das ist mir schon gleich aufgefallen. Ein kurzer Moment des Innehaltens beim Bäuntchen einspringen, weil er freut sich auch sichtbar über seine kleinen Setzlinge und Ableger, die er da pflegt und hegt.

Daniela:
[21:59] Dann seine Toilettenkluft anziehen, also seinen blauen Overall und dann geht er ans Board im Flur, nimmt seinen Schlüssel, seinen Portemonnaie.

Christian:
[22:08] Sein Kleingeld.

Daniela:
[22:09] Eine Münze bleibt immer in der Schale und wenn er arbeiten muss, bleibt auch immer die Armbanduhr auf dem Brett.

Christian:
[22:15] Ist mir gar nicht aufgefallen.

Daniela:
[22:16] Mir schon.

Christian:
[22:18] Hervorragend, ja.

Daniela:
[22:18] Und dann geht er raus und guckt nach oben und freut sich und atmet einmal tief durch und dann geht er zum Kaffeeautomaten, der im Hoch steht oder so ein Dosenautomaten, holt sich einen gekühlten Kaffee, schließt sein Auto auf, setzt sich in sein Auto, macht den Kaffee auf, trinkt den ersten Schluck.

Christian:
[22:35] Säuft es, glaube ich, einmal tief.

Daniela:
[22:37] Ich wollte auch gerade machen. Zumindest in meiner Erinnerung. Und ja, ich glaube, er sucht sich dann die Musik raus und bei Musikkassetten spielen eine große Rolle in dem Film. Eigentlich spielt jedes, finde ich, jedes Detail in diesem Film eine große Rolle, und ja, fährt dann los zur Arbeit und seine Arbeit besteht halt daran, die Tokyo-Hotel, Toiletten zu reinigen.

Christian:
[23:00] Genau, das steht auch auf seiner Uniform, er hat so einen Overall, den er anzieht, da steht hinten drauf, The Tokyo Toilet Project oder so, glaube ich.

Daniela:
[23:08] Nee, ohne Project meine ich. Ohne Project, weiß ich jetzt auch nicht.

Christian:
[23:11] Ich habe das halt nochmal ein bisschen nachgeguckt, das wirst du wahrscheinlich irgendwie auch schon gesehen haben, weil das ein echtes Projekt ist, so eine Art Designprojekt, Design im öffentlichen Raum, dass tatsächlich so ich glaube 17 Toiletten von 16 ArchitektInnen sehr, ja wie soll man das denn sagen, also, Opulent ist auch das falsche Wort, aber sehr beeindruckend designt hat, auch mit Designüberlegungen, die da stattgefunden haben. Das sind nicht einfach banale öffentliche Toiletten, sondern das sind schon auch sehr, ja, wie soll man sagen, sehr...

Christian:
[23:54] Also ich glaube, die Idee bei diesem Projekt, wie gesagt, das gibt es in Wirklichkeit. Das war auch der Auslöser für diesen Film. Da wurde Wim Wenders dann irgendwie gefragt, ob er darüber irgendwie was machen möchte. Und die Initiatoren von diesem Tokyo Toilet Project dachten halt irgendwie einen Kurzfilm oder irgendwas, um halt dieses Ding zu präsentieren. Aber daraus ist dann dieser Spielfilm geworden und die Idee ist halt eben auch so diese, das japanische Selbstverständnis für Design, aber eben auch für Minimalismus, Perfektionismus im öffentlichen Raum eben auch zu präsentieren. Und ich weiß, also ich bin nicht so firm in Sachen Japan und Kultur und Gesellschaft, aber ich glaube, dass das auch eher in besseren Wohngegenden steht. Ich glaube, da gibt es auch so einen gewissen Gegensatz, dass er ja sehr einfach lebt. Als du gerade gesagt hast, wo ist die Toilette, dachte ich, wer weiß, ob die nicht vielleicht auch irgendwo außerhalb ist und sich da irgendwie fünf Mietparteien eine Toilette teilen, wie wir das von früher ja auch noch irgendwie kennen.

Christian:
[24:56] Aber so ein bisschen auch dieser Gegensatz, dass er da in diesen sehr, ich sag mal, teuren und opulenteren Toiletten dann halt putzt. Da habe ich mich am Anfang auch gefragt, geht es irgendwie darum? Passiert hier irgendwas zwischen wenig und viel oder zwischen arm und reich? Gibt es da irgendeinen Kommentar, irgendeine Erzählung, die ich vielleicht noch nicht sehe oder die sich noch entfalten wird, aber da macht der Film gar nicht viel drum? Also da erzählt er jetzt nicht irgendwie die, weißt du, die große Geschichte von Armut und Reichtum oder von, Arm kann man vielleicht auch nicht sagen, aber so von Schichten oder sowas, die da irgendwie erzählt werden.

Daniela:
[25:34] Meines Klassen.

Christian:
[25:35] Das passiert einfach, genau. Aber das ist halt sehr wichtig. Also ich finde das schon wichtig, das sind nicht irgendwelche Toiletten, sondern das sind sehr, ähm.

Daniela:
[25:46] Durchdesignte Toiletten einfach. Also das ist jetzt nicht so ein rundes Häuschen, was mitten in der Parkanlage rumsteht, sondern die sehen alle unterschiedlich aus.

Christian:
[25:56] Diese eine Toilette hatte halt auch diesen Mechanismus, wo dann irgendwie auch eine Nicht-Japanerin dann irgendwie gefragt hat auf Englisch, wie funktioniert das hier? Weil man geht halt rein und die ganzen Glasscheiben sind halt durchsichtig.

Daniela:
[26:08] Ja, aber nicht so ganz durchsichtig, so ein bisschen milchig. Und sobald man die abschließt, wird das Milch halt zu. so, das Milch.

Christian:
[26:17] Die Glasscheiben sind dann auf einmal… Ja.

Daniela:
[26:19] Aber die Glasscheiben, da gehen ja nicht zu.

Christian:
[26:21] Ja.

Daniela:
[26:21] Im Sinne von, da kommt jetzt eine Rolle oder so runter, sondern dass diese Schicht, die eh schon so ein bisschen milchig ist, wird dann halt so dicht, dass man nicht mehr durchgucken kann. Also quasi sieht es so aus, als würde das Lila, was vorher noch gerade glänzend war, plötzlich matt. Ohne, dass man noch durchgucken kann. Die fand ich übrigens auch sehr schön. Ich fand die alle sehr schön. Ich wünschte, wir hätten auch so Toiletten.

Christian:
[26:45] Ja, und vor allen Dingen auch, ich meine, da weiß ich halt nicht, wie sehr, also ob das jetzt nur ein Ausschnitt ist, aber auch der Umgang damit, ne? Also man sagt ja eben Japan nach, dass die im öffentlichen Raum einfach besser sind.

Daniela:
[26:59] Ja, aber wenn du jetzt sagst, das sind, also das ist jetzt so, ich habe es nicht irgendwo gelesen, aber wenn du sagst, das sind Toiletten, die in besseren Vierteln stehen, könnte ich mir jetzt vorstellen, dass eine Toilette im Grunewald, eine öffentliche Toilette, anders aussieht als eine Toilette in Berlin-Mitte. Vielen Dank. Also von damit, wie die Leute damit umgehen. Und das sagt jetzt gar nichts über die Leute aus, das würde ich damit nicht sagen. Das verzerrt aber so ein bisschen vielleicht den Blick, den wir jetzt als Filmguckende auf JapanerInnen haben. Ich habe jetzt gedacht, ach krass, die sind ja alle total ordentlich, da sind ja gar keine Graffitis und dann liegt da mal ein bisschen Toilettenpapier rum. Ja.

Christian:
[27:36] Gut möglich. Kann ich auch nicht beurteilen, aber ich habe halt zum Beispiel auch immer nur gehört, dass im öffentlichen Raum, also während hier überall die Kippen irgendwie rumliegen, das machst du in Japan einfach nicht. So, egal wer du bist, du schmeißt deine Kippen und dein Kaugummi klebst du auch nicht irgendwie an irgendwelche Geländer, weil, sondern du gehst halt auch anders mit Müll im öffentlichen Raum als hier. Genau. Aber guter Punkt, können wir jetzt auch nicht beurteilen, wie sehr der Film auch da vielleicht eine Ebene erzählt weil wir so ein bisschen den Background nicht haben.

Daniela:
[28:07] Aber es passt ja auch so ein bisschen zu den Leuten, wie die gekleidet sind. Ich erinnere mich jetzt zum Beispiel an die Toilette auf dem Spielplatz, wo der Hirayama, oh Gott, wieso kann ich mir diesen Namen nicht merken, das Kind auf der Toilette findet. Und da sahen ja schon alle sehr ziemlich durchgestylt auf. Und was mir auch aufgefallen ist im Hintergrund, da waren auch viele augenscheinlich Nicht-JapanerInnen auf diesem Spielplatz unterwegs. Also ja. Ja, und er fährt ja auch immer sehr weit, um zur Arbeit zu kommen, also er muss ja erstmal über die ganze Autobahn und oder Schnellstraße und ist da ja schon ein Stück unterwegs.

Christian:
[28:40] Stimmt, stimmt.

Daniela:
[28:43] Und ich habe mich schon gefragt, auch beim zweiten Mal gucken jetzt, ob das Thema Klasse nicht doch auch ein bisschen, also für mich schwingt das auf jeden Fall mit, auch durch diesen Obdachlosen, den wir mehrfach beobachten und Hirayama ja ihn grüßt und alle anderen ihn ja eigentlich gar nicht zu sehen scheinen, wie heißt es, scheinbar nicht sehen, also die übersehen einfach ihn bewusst oder unbewusst. Und Hirayama sieht ihn ja und wird aber selber auch oft übersehen von anderen Leuten.

Christian:
[29:14] Stimmt, macht sich unsichtbar.

Daniela:
[29:16] Wenn jemand auf die Toilette geht. Ja, oder wird unsichtbar gemacht. Also ja, er zieht sich sehr zurück, wenn jemand kommt, wenn er gerade die Toilette putzt, aber er wird halt häufig auch, also dass die Leute nicht durch ihn durchlaufen an manchen Stellen, es geht halt nicht, aber so ähnlich sieht es fast aus.

Christian:
[29:29] Guter Punkt, der mir jetzt wieder einfällt, weil der so, der Moment war so wichtig im Film, als er dieses Kind nämlich findet, Da ist ein Kind allein auf einer Toilette, das weint, zwei, drei Jahre alt, vier vielleicht maximal. Das ist eine Toilette neben dem Spielplatz und er hört das, geht hin und nimmt das Kind dann mit und sagt, so jetzt komm, wir suchen jetzt mal deine Mama und ist sehr positiv, versucht die Situation schon mal ein bisschen zu entspannen und dann kommt die Mutter dazu und nimmt das Kind, aber guckt ihn nicht an, bedankt sich nicht. Also wie du sagst, sie übersieht ihn in diesem Moment komplett.

Daniela:
[30:04] Gleichzeitig überhaupt nicht, weil sie dann dem Kind die Hände desinfiziert.

Christian:
[30:07] Stimmt. Und das Kind dreht sich aber nochmal um und winkt ihm zu. Also ja, auch ein wichtiger Moment. Vielleicht auch ein guter Moment jetzt, um über das Thema zu sprechen, was ich eigentlich dachte, dass wir das vielleicht gegen Ende nochmal machen. Ich weiß nicht, ob ich so weit gehen würde, zu sagen, das ist ein Kritikpunkt für mich an einem Film, aber es ist auf jeden Fall eine Sache, über die ich noch weiter nachdenke. Es ist, also wir werden jetzt auch noch sehr viel schwärmen über diesen Film, über den Blick des Filmes auf seinen Protagonisten, auf die Welt, auf den Menschen, da ist ganz, ganz viel drin. Allerdings habe ich mich jetzt so im Nachgang und auch eher in der Recherche noch ein bisschen gefragt. Was ich daraus machen soll, dass das, ja, dass das vielleicht auch so eine gewisse Verklärung auch sein kann gegenüber Menschen dieser Klasse. Also da kommt ein Wim Wenders, der wird nach Japan eingeladen von den Initiatoren dieses Tokyo Toilet Projects, was ich auch noch nicht erwähnt habe und in der Recherche denn erst gelesen habe. Dieses Projekt ist vom Sohn des reichsten Mannes Japans initiiert worden, der gleichzeitig der, wie sagt man?

Daniela:
[31:25] Der Uniqlo-Besitzer?

Christian:
[31:26] Der Uniqlo-Besitzer. Also die Holding Company drüber, die nicht nur Uniqlo, diese Klamottenmarke, sondern auch noch ganz viele andere, wie wir das halt kennen. Da hast du ja nicht, ne? Und die Holding Company besitzt die Company, die die Company besitzt. Und dann hast du 50 Companies, die alle die gleiche Company sind.

Daniela:
[31:41] Jetzt erinnere ich mich, wie ich zu dir gesagt habe, guck mal, das sieht aus, als wäre das ein Uniqlo. Weißt du noch? Wir werden übrigens nicht gesponsert von Uniqlo.

Christian:
[31:48] Und ich finde das bei dem Namen immer so schwer, wenn wir jetzt auch über Toiletten sprechen. Also Uniqlo ist dieses Klamotten-Ding und hat nichts mit Klos zu tun. Ja, nee, und also als ich das gelesen habe, war das so ein kleiner Dämpfer von, na gut, da kommt der Sohn des reichsten Japaners und der kriegt jetzt hier so ein Prestigeprojekt und darf mal im öffentlichen Raum Toiletten so designen, dass die super hübsch und international beeindruckend aussehen, in wahrscheinlich eher reicheren Gegenden. Dann kommt ein Wim Wenders, dem wird der rote Teppich in Japan ausgefahren. Der kommt aus Deutschland eingeflogen, sagt selber, er hat ein Faible für Japan und so, alles kein Thema. Aber der sagt dann, ich mache da einen Spielfilm draus und ich hole mir hier einen japanischen Drehbuchautoren mit dazu. Und ja, das ist vielleicht auch alles ein bisschen mehr...

Christian:
[32:32] Mit Japan, in Japan gemacht, als man das jetzt vielleicht vor 30 Jahren gemacht hätte. Also alles fein. Aber ist das nicht so ein Blick von außen, der sich imaginiert, wie es irgendwie wäre, als sehr einfacher Mensch in einfachen Verhältnissen und damit auch gerne mal wieder so dieses Ding verklärt, weil, oh, wie viel Glück steckt eigentlich da drin. Ach, könnten wir alle nicht so wunderbare Toilettenreiniger in so einfachen Lebensverhältnissen sein? Wären vielleicht das reale Leben vieler Menschen ganz anders aussieht, weil die vielleicht nicht sagen, oh, wie schön ist das Leben und jeder Tag ist perfekt, ich muss nur in die Bäume gucken und das Licht ist schön, sondern die sagen, ey, ich hab hier richtig zu strugglen und, ne, der reichste Japaner hat irgendwie so viele Milliarden, wie wir alle anderen niemals haben, also diese Themen. Ich bin da jetzt nicht unbedingt drin vor.

Daniela:
[33:21] Also ich hab zwei Punkte dazu, der eine kommt mir jetzt gerade, während du darüber sprichst, weil so sind ja immer alle Filme. Also jeder Film, mir fällt jetzt gerade gar keiner ein, aber sagen wir mal, Filme über Armut zeigen ja auch immer das, was eine andere Klasse denkt, wie Armut ist. Und dann habe ich schon beim ersten Mal gucken gedacht, es gibt ja diesen Moment, wo Hirayama, also wo Nico von ihrer Mutter abgeholt wird, seine Nichte.

Christian:
[33:48] Gegen Ende.

Daniela:
[33:49] Und dann kommt ja die Mutter von Nico mit einem Auto, steigt hinten aus. Also, sie hat einen Fahrer, der sie dahin gebracht hat. Dann geht Nico ins Haus Und Nikos Mutter sagt zu Hirayama, Papa ist im Pflegeheim und er ist nicht mehr so wie früher.

Daniela:
[34:08] Dann drückt sie ihm ein Geschenk in die Hand, sie an die Lieblingsschokolade. Und dann fahren die beiden und Hirayama fängt an zu weinen. Dann war so mein erster Gedanke, oh Gott, der hat bestimmt einen ganz tyrannischen Vater gehabt, weil sonst würde er ja mit seinem Vater sprechen. Das ist natürlich schlimm, wenn man gewalttätige Eltern hat. Gleichzeitig denke ich aber, ja klar kann der so leben, weil wenn der nächste Woche zu seinem Papa geht und sagt, ach Papa, ich habe dich doch lieb, dann hat er ja bald auch wieder ein Auto unterm Hintern und einen Fahrer. Also ist er ja gar nicht arm. Er muss ja gar nicht diese Toiletten putzen. Er kann ja auch tausend andere Sachen machen, weil er hat ja anscheinend einen ganz anderen Background. Er muss auch nicht nur Bücher für einen Dollar kaufen oder seine Wäsche in einem Wäschestore, wie heißt das hier, Waschsalon waschen oder ins Badehaus gehen. Er könnte das alles haben, aber er hat sich bewusst dafür entschieden, es nicht zu haben. Und das ist ein großer Unterschied. Das ist nicht das Gleiche wie jemand, der Toiletten putzt, damit er seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Und das erklärt vielleicht auch den Unterschied zwischen Hirayama und Takashi, weil Takashi ja sagt, ich will nicht nur Toiletten putzen, ich will was anderes in meinem Leben. Hirayama kann das ja egal sein. Also so gut, wie ich den Film finde und so schön, wie ich das auch finde und so schön, wie ich das auch dargestellt finde, ja, dieses, ich hätte auch gern so ein Leben.

Daniela:
[35:22] Also nicht so, ich möchte nicht so arm sein, aber ich möchte gerne so reich sein, dass ich mir überlegen kann, was will ich denn eigentlich machen? Und wenn meine Überlegung ist, ich will jetzt Toiletten putzen, dann gehe ich halt Toiletten putzen. Aber es ist ja eine ganz andere Entscheidung, als zu sagen, ich muss irgendwas machen, um zu überleben. Das hat er ja nicht. Und das ist auch so mein einziger Kritikpunkt an dem Film.

Christian:
[35:42] Das ist spannend, dass du das auch so schilderst, was du dir da alles schon rausgezogen hast aus diesen wenigen Details. Auch da, der Film ist so minimalistisch, wie sein Protagonist lebt. Ja. Und das hatte Wim Wenders wohl auch irgendwie in Interviews gesagt, dass so seine Vorgeschichte, so wie er sich das halt gedacht hat, aber im Film kein einziges Mal laut ausspricht, ist halt dieser Hirayama ein ehemaliger Geschäftsmann, reicher Geschäftsmann, Alkoholiker, der dann irgendwie in einem Hotelzimmer aufwacht, ohne zu wissen, wie er da hingekommen ist, über Suizid nachdenkt und dann aber von der Schönheit des Momentes so ein bisschen wieder ins Leben geholt wird und das erklärt der Film ja auch, das zeigt der Film und erklärt es uns auch nochmal irgendwie im Abspann oder nach dem Abspann. Ich muss jetzt mal gucken, ich weiß gerade nicht, wo ich die Notiz habe. Komorebi heißt dieses Konzept, glaube ich. Das ist ein Begriff im Japanischen, der, glaube ich, den Moment beschreibt, wo sich das Licht durch Blätter bricht. Und diesen Moment versucht er ja auch in seiner Mittagspause immer wieder einzufangen. Das sehen wir dann ja auch. Er sitzt da in einem Park und er fotografiert. Einfach in die Bäume. Er genießt erstmal diesen Moment und er fotografiert irgendwie in die Bäume.

Daniela:
[37:06] Also von unten nach oben, ohne durch die Länse zu gucken.

Christian:
[37:09] Genau. Und immer wieder macht er das. Und dann sehen wir halt, dass er sonntags diese Filme entwickeln lässt. Das ist auch anscheinend noch eine analoge Kamera oder sowas. Auf jeden Fall kommt er dann mit Fotos wieder nach Hause und sortiert die durch.

Daniela:
[37:24] Aber es ist eine Olympia-Kamera. Ich habe auch nachgeguckt, welche es ist heute noch. ob ich das einmal wissen wollte, eine Olympia MG1 und er fotografiert ja nicht mit Farbe, sondern mit Schwarz-Weiß. Ich glaube, das ist ganz wichtig. Also für mich ist das zumindest sehr wichtig, weil Schwarz-Weiß Bilder immer was anderes sind als Farbe und weil seine Traumsequenzen ja auch Schwarz-Weiß sind. Und er lässt ja jedes Mal einen Film entwickeln und schmeißt die Bilder, die in ihm nichts drauf sind, auch so weg. Also finde ich auch gut, er sortiert die aus, hat einen ganzen Schrank voll mit Metallboxen und da habe ich ja schon zu dir wie gesagt, ziemlich teures Hobby für einen Toilettenputzer. Weil Filme entwickeln, also wir haben ja auch hier analoge Kamera. Filme entwickeln und Filme kaufen ist richtig, richtig teuer. Also für so einen Farbfilm, und das ist noch kein besonderer Schwarz-Weiß-Film, bezahlt man schon irgendwie 10, 12 Euro. 9, 10, 12, je nach Marke und so. Ein krasses Hobby eigentlich.

Christian:
[38:21] Und also Wim Wenders hat gesagt, dass wahrscheinlich so dieser Moment, als er das da im Hotelzimmer oder irgendwie so gesehen hat, dass ihm das so ein bisschen wieder zurückgeholt hat und dass er dann eben, und das ist genau das, was du gerade gesagt hast, sich dafür entscheidet, sein Leben zu verändern und eben dann, die Karriere an den Nagel hängt und eben dieses Leben lebt, was wir jetzt sehen. Also so eine Mischung aus irgendwie so Hobbygärtner, also er kümmert sich um die Pflanzen und eben Toilettenputzer. Und das ist genau der Punkt, was du gerade auch meintest. Er entscheidet sich für Armut, also er leistet sich die Armut, wobei Armut vielleicht auch noch das falsche Wort ist.

Daniela:
[38:56] Weil… Er leistet sich diesen Lifestyle.

Christian:
[38:58] Ja, genau.

Daniela:
[38:59] Also er entscheidet sich ja nicht für Armut, weil er ist ja jetzt nicht arm.

Christian:
[39:02] Und auf eine gewisse Art und Weise leistet er sich auch den gesellschaftlichen Abstieg. Wenn man so will. Während alle anderen, die in dieser Klasse-Schicht leben, ja nach dem Aufstieg sich sehnen, also die andere Richtung wollen, wie eben auch der Arbeitskolleg.

Daniela:
[39:15] Aber er ist ja nicht reell abgestiegen. Also er hat ja deswegen jetzt wahrscheinlich keinen ärmeren Vater. Also er fällt ja immer weich. Und mir ist jetzt beim zweiten Mal gucken auch aufgefallen, er schläft doch als Kaiko kommt dann nicht mehr in seinen Wohn-Schlafraum, sondern in diese Abstellkammer. Die Abstellkammer ist voll bis oben hin mit Kram. Und dann habe ich mich gefragt, ah, vielleicht steckt da sein ganzes altes Leben drin. Man kann nur nicht gut, schnell genug erkennen, was da drin steht. Man sieht nur, da steht ganz viel drin. Und wir sehen diese Kammer nur zweimal ganz kurz. Und da dachte ich, ach guck mal, da schläft der jetzt zwischen seinem alten Leben, weil sein altes Leben ihn jetzt auch wieder einholt. Seine Nichte kommt wieder, seine Schwester kommt wieder. Und wir merken ja auch, wie schwer ihm das alles fällt. Und er will ja mit Kaiko auch gar nicht über seine Schwester sprechen, weil sie ein paar Mal so Anlauf nimmt und sagt, meine Mama hat gesagt, ihr habt euch gestritten. Und er spricht ja eh nicht viel, Hirayama, aber in dem Moment ist er noch irgendwie wortkarger.

Christian:
[40:08] Aber ich wollte nur darauf hinaus, dass er sich eben dafür bewusst entscheidet, was du ja auch meintest, wogegen sich andere nicht entscheiden können. Die haben diese Entscheidungsfreiheit erstmal nicht, sondern die sind halt, die haben halt diesen Job, die haben halt dieses Leben. Und das fand ich halt eben auch so interessant bei dem Arbeitskollegen, bei dem, jetzt muss ich auch nochmal nachgucken, Takashi, weil also, wenn wir jetzt eben diese, diese, dieses Thema, dieses Klassenthema mit reinnehmen, dann wird es halt eben noch mal interessanter und brisanter, weil ich habe, also Takashi ist der Gegensatz zu Hirayama. Der ist jünger, der ist.

Christian:
[40:51] Interessierter am Glück außerhalb seiner selbst. Das ist die Freundin oder die, wie sagt man, die Flamme, die er erobern möchte. Das sind materielle Güter. Das ist ja auch ein, Der Ausstieg von einem Job in gewisser Weise, während Hirayama absolut fokussiert, pflichtbewusst, aber auch offensichtlich, ohne es jemals sagen zu müssen, einen Wert in seiner Arbeit sieht. Er schöpft den Wert seiner Arbeit aus der Arbeit erstmal, aus dem, was er tut und das, was er tut, tut er so gut, wie es kann. Da wird der Deckel hochgehoben und mit der Zahnbürste noch an Ding stellen, wo man es gar nicht sieht. Der Arbeitskollege, der Takashi kommt und guckt eigentlich hin, wie er wischt und liest auf dem Smartphone und kommt spät und geht früh und will eigentlich mit seiner Freundin unter das Motorrad springen. Also der ist ja nur dabei zu jagen, was er nicht hat und er sehnsüchtet sich nach dem, was er nicht hat. Und Hirayama ist das genaue Gegenteil.

Daniela:
[41:54] Ja, aber so ist ja, denke ich mal, unser ganzes System aufgebaut. Alle, die nichts haben, jagen nach dem, was sie nicht haben können, weil eine Gesellschaft, die alles hat, ihnen erzählt, dass sie sich nur anstrengen müssen, damit sie genau das Gleiche haben wie sie. Also wenn wir jetzt, ich glaube, wir müssen für mich so ein bisschen von diesem Punkt nennen. Sonst finde ich diesen Film irgendwann richtig ätzend und da will ich eigentlich nicht hin.

Christian:
[42:16] Ich will nur einen Punkt noch zu Ende machen, weil, also um das abzuschließen, weil Hirayama hatte, was Takashi möchte.

Daniela:
[42:26] Aber Hirayama hat es auch immer noch. Es ist ja nicht weg. Er hat sich nur dafür entschieden, jetzt anders zu leben. Ich kenne das Erbrecht in Japan nicht. Ja, ich weiß nicht, wie das ist, wenn man mit seiner Familie bricht. Aber wie viele Aussteiger gibt es denn, die irgendwann zu ihrer Familie zurückkehren? Also die fallen doch alle weich.

Christian:
[42:47] Vielleicht auch nicht.

Daniela:
[42:49] Ja, aber also, ja.

Christian:
[42:51] Naja, wie du sagst, wer weiß, was da passiert ist, wenn die nicht miteinander sprechen.

Daniela:
[42:55] Aus dem Erbe rausgeschrieben. Ja, aber es ist jetzt kein Mensch, der in Armut lebt oder der sich bewusst dafür entschieden hat, in Armut zu leben. Der ist nicht arm. Also wenn wir es aus diesem Aspekt sehen, wenn wir es so gucken und sagen, ja, er fällt immer noch weich oder er kann sich auch jederzeit entscheiden, wieder zurückzugehen zu seiner Familie, muss er ja nicht machen. Aber es kann ja immer noch passieren. Und deswegen wehre ich mich dagegen, wenn solche Leute sagen. Ja, er hat die Möglichkeit. Genau, das meine ich. Er hat immer wieder die Möglichkeit zu sagen, ich hasse meinen Vater, aber ich tue jetzt so als ob, damit ich wenigstens noch, doch noch wieder mal. Okay, jetzt verstehe ich das. Das meine ich so. Man kann es einfach niemals miteinander vergleichen.

Christian:
[43:35] Ja, auf jeden Fall. Auf jeden Fall. Jetzt macht es für mich auch Klick, jetzt verstehe ich das auch. Ich habe mich ja wirklich auch gefragt, wie Hirayama sich das alles leisten kann. Das war wirklich so eine Frage, die im Laufe des Films passiert ist.

Daniela:
[43:49] Ja, der geht ja jeden Abend essen und so, ne?

Christian:
[43:51] Der hat seine Tapes, wie du sagst, der hat sein minimalistisches Zuhause irgendwie und anscheinend, also er hat ja keinen offensichtlichen Wohlstand, der sagt, mehr als er braucht. Also alles, was er braucht, hat er und alles, was er hat, braucht er. Da ist kein Fernseher, da ist kein, sag ich mal, Luxus, der darüber hinausgeht, ihn durch den Alltag zu bringen. Und das zeigt uns der Film ja auch und das erzählt der Film ja auch. Es reicht auch. Für einen Perfect Day reicht das, was er hat und was er macht. Dann geht er aber trotzdem jeden Morgen an diesen Automaten und zieht sich seinen Kaffee raus. Dann hat er da immer seine vorgepackten Sandwiches oder Mittagsmahlzeiten.

Daniela:
[44:35] Stimmt, die sind auch gekauft.

Christian:
[44:36] Die sind auch gekauft. Dann geht er jeden Abend in das gleiche Restaurant, schnell Restaurant, eine U-Bahn. Dann geht er irgendwie, glaube ich, täglich sogar ins Badehaus.

Daniela:
[44:46] Ja.

Christian:
[44:47] Also da sind ja schon auch Dinge, wo er Geld ausgibt. Klar, ihm geht dann irgendwie der Sprit aus und dann muss er sein Tape verkaufen, damit er nach Hause kommt, weil er dem Arbeitskollegen irgendwie Geld gegeben hat. Es ist, also der Film sagt jetzt, es ist nicht so, dass er unter dem Kopfkissen da irgendwie die Milliarden hier hinten liegen hat, die dafür sorgen, dass er schon ausgesorgt hat. Als ich dann diese Infos noch dazu hatte, dachte ich, hm, Also hat er vielleicht noch was aus dem alten Leben irgendwo und er arbeitet, weil er gerne arbeitet und weil er den Job so gut findet oder trägt sich, das war so mein Eindruck während des Filmes, trägt der Job dieses Leben und auch nur das, also alles, was er verdient, gibt er aus, um es im Alltag und deswegen kauft er dann am Sonntag ein Buch für einen Dollar und gönnt sich dann nochmal ein größeres Essen oder so. Aber scheinbar präsentiert der Film ein Alltag, ein Leben, das auch sagt, bau nichts auf. Also fang jetzt nicht an, für einen Moment zu sparen, für einen Urlaub, der in 30 Jahren passiert oder eine Rente, sondern der perfekte Tag besteht aus diesem aus der Hand in den Mund Leben.

Daniela:
[45:59] Aber es ist interessant, wenn wir den Film jetzt so sezieren, weil er ja auch mit seiner Nichte in das Badehaus geht. Er bezahlt dann auch ihren Badehausaufenthalt und sie nimmt sich noch was zu trinken aus dem Kühlschrank. Das ist auch kein Problem. Und dann fragt er sie, glaube ich, ob sie noch essen gehen wollen. Ja, ich glaube, wir müssen so ein bisschen von dem Punkt weg. Ich sonst anfange das ganze Schöne, das übertüncht jetzt so diese Frage.

Christian:
[46:29] Oh weh, dann haben wir doch die steilen Themen und Thesen noch aufgemacht. Ich wusste nicht, dass wir da noch hinkommen. Dann lass uns zurück in den Perfect Day.

Daniela:
[46:38] Ja, lass uns zurück zum Minimalismus, den wir alle brauchen in unserem Leben, den digitalen und den materiellen Minimalismus.

Christian:
[46:45] Digital minimalistisch ist auch unterwegs.

Daniela:
[46:47] Kein Handy. Ja, das fand ich auch gut. Ich sage ja, eigentlich führte das Leben, was ich gerne hätte. Ich hätte es auch gerne so. Morgens aufstehen, schön entspannt, nur ein Hemd im Schrank, eine Hose, ein T-Shirt, weißt du, was du jeden Tag anziehen musst, alles ist da, wo es hingehört.

Christian:
[47:04] Aber, und das finde ich auch toll, also was auch so hängen geblieben ist bei mir, ist natürlich diese Stimmung und auch dieses, also, Da steckt ganz viel drin, ganz viele Überlegungen oder eben auch das Zeigen von ganz vielen Konzepten, wie gesagt, die ich nur so lose mal so aufgeschnappt habe. Aber das ist ja zum Beispiel auch einer der Gründe, warum diese Tee-Zeremonien so rigide durchgetaktet sind. Also wenn du da irgendwie in Japan diese Tee-Zeremonie, diesen Tee zubereitest, also da habe ich das irgendwie mal gelesen und gehört, also da geht es ja wirklich darum, jeden Handgriff zu perfektionieren und das dauert Jahrzehnte, bis du wirklich in der Lage bist, genau so in jedem Winkel und mit jedem Handgriff. Aber die Idee dahinter ist, und das, finde ich, zeigt der Film auch so ein bisschen, dass halt das vermeintlich Rigide und das vermeintlich Strenge dahinter eigentlich dazu da ist, um dich auch mental zu befreien. Und eigentlich geht es darum, was er, glaube ich, auch da zu seiner Nichte irgendwie sagt, so jetzt ist jetzt und später ist später, also diesen Fokus, diesen radikalen Fokus auch auf den Moment zu setzen. Und das merke ich auch nach der Sichtung des Filmes und nach diesem jetzt langsamen Start ins Jahr, wie.

Christian:
[48:28] Wie sinnvoll das auch ist, sich wieder die Momente, die man hat, bewusster zu machen. Und das besteht auch darin in diesen Handgriffen, diesen täglichen Handgriffen, die eigentlich im Alltag und im Stress auch schnell in so Wegwerfroutinen irgendwie. Und da, weißt du, dann fängst du an irgendwie das Messer zu schnell irgendwie und dann fängst du an, dich zu schneiden, weil du ja eigentlich nicht im Moment bist und nicht darauf achtest, was du gerade tust, sondern ich muss als übernächsten Handgriff noch den machen und danach noch die Wäsche und ich bin aber zu spät und ich komme und die Arbeit und all diese Sachen, die einem im Kopf im Alltag ja gerne mal so rumgeistern, weil man nicht im Moment ist, sondern weil man fünf Momente später schon versucht vorwegzunehmen. Aber wie befreiend und auch wie beruhigend und auch wie wohltuend das eigentlich ist, zu sagen, nein.

Christian:
[49:19] Ich mache das jetzt auch noch mal gefühlt zehnmal so langsam, wie ich es eigentlich machen würde, aber ich benutze jetzt ganz bewusst diesen Handgriff, den ich gerade tue und fokussiere mich auch mal wieder auf den Handgriff, den ich schon hundertmal gemacht habe und den ich bis zum Lebensende tausendmal machen werde, aber wie wertvoll es ist, diesen Moment, diesen alltäglichen und vermeintlich irrelevanten Moment auch ganz bewusst zu erleben. Und das, finde ich, ist so das Plädoyer auch dieses Filmes. Und deswegen zeigt er uns auch diesen sich wiederholenden Alltag. Und deswegen sind das auch diese schönen, das ist ja auch eine Form von Minimalismus, eben zu sagen, ich konzentriere mich auf das, was ich gerade tue und damit lebe ich es noch bewusster. Und es sind auch diese kleinen Momente bei ihm, wenn er eben jeden Morgen die Augen schließt, wenn er rausgeht und einmal einatmet oder wenn er eben einmal ausatmet, wenn er da, glaube ich, sich irgendwie den Kaffee aufgemacht hat und so. Und das ist halt eine Sache, die, glaube ich, in Japan und in dieser japanischen Kultur einen ganz anderen Stellenwert hat als bei uns. Und eben auch das Gegenteil eigentlich von dieser hastigen, wertschöpferischen Welt irgendwie ist. Weil wenn du den Moment zelebrierst, den du gerade hast, dann brauchst du auch nicht den nächsten Moment, der dir das eigentliche Glück versprechen soll.

Daniela:
[50:33] Aber im krassen Widerspruch dazu steht ja eigentlich die Szene an der Kreuzung, wo alle über die Kreuzung jagen. und der Einzige, der im Moment ist, ist der Obdachlose und wird von niemandem gesehen. Also da sehen wir ja auch eine Gesellschaft, die überhaupt nicht im Moment ist. Die rennen ja alle noch über die Ampel. So, das ist dann ein Widerspruch. Ich habe mich auch gefragt, ob es so ein Film auch über Generationen ist. Also ob das auch so eine analoge Digital so ein Thema ist, weil das natürlich ein ganz harter Cut auch ist, dass Hirayama kein Smartphone hat. Also er hat ein Handy, aber er hat kein Smartphone, kein Fernseher, also ganz minimalistisch. Ich finde, das ist so ein ätzendes Wort, weil das einfach von so ... Diese Minimalismusbewegung den Begriff eigentlich so totgekaut hat.

Christian:
[51:24] Damit hast du dich auch schon mal so ein bisschen beschäftigt, auch für dich so, was Minimalismus bedeutet und so die Ideen dahinter.

Daniela:
[51:30] Ja, was es für mich bedeuten kann und ich glaube eben, dass, oder ich habe den Eindruck, dass es halt eben von vielen, wie eben auch von Hirayama, ein gewählter Lebensstil ist, der beweisen soll, dass man ja eigentlich gar nicht viel braucht, obwohl alle ihre Sparbücher voll haben und trotzdem irgendwie in den schwedischen Wäldern in irgendeiner Holzhütte wohnen und uns dann erklären, wie toll doch dieses Leben ist und niemand anderes kann es sich leisten. Aber für mich ist ein Minimalismus eben eher auch zu sagen, wie du sagst, ich bin so in diesem Moment, ich versuche mich zu erden, finde ich, ist ein gutes Ding und eben zu hinterfragen, brauche ich Dinge? Also muss ich mir das jetzt wirklich neu kaufen, ohne darum so ein Borei zu machen?

Christian:
[52:09] Und was auch noch so ein Thema dazu ist, weil du auch so schön gesagt hast, da ist irgendwie immer das gleiche Hemd im Schrank und der trinkt den gleichen Kaffee.

Daniela:
[52:19] Geht das gleiche Essen. Und er muss nie darüber nachdenken, was er anzieht. Wie toll ist das denn?

Christian:
[52:24] Und ich bin auch jemand, der gerne in solchen Routinen, ich wurde auch öfter in meinem Leben schon ausgelacht, weil ich halt irgendwie dann immer das gleiche Essen im Büro dabei hatte. Aber dann habe ich auch irgendwann, ohne mich jetzt mit dieser ganzen Theorie dahinter zu beschäftigen, aber das hatte ich dann auch irgendwann mal erkannt, dass ich gesagt habe, weißt du eigentlich, wie befreiend das ist, wenn du weißt, was du morgen, also ich muss mir keine Gedanken dazu machen, was ich ins Büro nehme, was ich einkaufen muss, wie ich das zubereite. Das Problem habe ich einfach nicht. Und dann habe ich ganz oft Gesichter gesehen, die mich angucken und sagen, ja, das stimmt doch eigentlich. Das ist also eine Kehrseite der Medaille, die ich so noch nie gesehen habe. Deswegen fand ich das auch so sympathisch bei ihm. Und das zeigt für mich der Film eben auch, wie er, Also das ist ja eben auch die Theorie hinter Arbeitsuniformen, was in Japan auch sehr stark zelebriert wird, so in der Arbeitswelt. Er trägt immer den gleichen Overall. Er weiß, er hängt ihn abends hin und er weiß morgens, wo er hängt, was er anzieht. Das ist ein ganz simpler Prozess, sich morgens irgendwie ready zu machen, anstatt den Schrank aufzumachen und zu sagen, was ziehe ich heute noch an? Und wo ist eigentlich der Pullover, den ich jetzt zu der Hose passend tragen könnte? Ah, der ist noch in der Wäsche. Okay, das heißt, die Hose kann ich auch nicht anziehen, dann passen die Socken wieder nicht dazu. Also das Befreiende dahinter, hinter den vermeintlich restriktiven Routinen, die da irgendwie passieren, finde ich, zeigt der Film auch einfach sehr schön.

Daniela:
[53:51] Und gleichzeitig hat er ja überhaupt keinen Einfluss auf sein Leben, weil ständig passiert irgendwas. Also dann funken halt die anderen Menschen dazwischen. Seine Nichte, seine Schwester, die Frau im Restaurant, beziehungsweise ihr Ex-Mann, der plötzlich auftaucht, sein Arbeitskollege, der irgendwie völlig konfurt ist.

Christian:
[54:08] Der sehr chaotische Vergleich zu ihm.

Daniela:
[54:11] Also irgendwie, du kannst ja noch so minimalistisch sein. Du hast ja auch sehr wenig Einfluss darauf. Oder noch so sehr im Moment sein, weil es gibt ja ganz viele Momente, die dann plötzlich gefühlt auf ihn so einprasseln. Ich glaube, das nimmt er noch nicht mal so wahr, sondern ich habe das beim Zuschauen so wahrgenommen. Oh Gott, jetzt kommt noch die Nichte. Oh Gott, jetzt kommt noch die Schwester. Und was ist denn jetzt hier?

Christian:
[54:32] Was macht das denn mit deinem Alltag?

Daniela:
[54:34] Ja, vor allem, was macht das mit meinen Sehgewohnheiten? Nachdem ich ihm jetzt schon vier Tage dabei zugeguckt habe, wie er morgens aufsteht, sich die Zähne putzt und dann seine Bäume bespult. So, bitte, ein bisschen langsamer, ein bisschen mehr Routine wieder hier rein.

Christian:
[54:47] Ach, es ist der Film so stressig geworden.

Daniela:
[54:49] Ja, am Ende fand ich wirklich, der Film war zu Ende und ich dachte, oh, so und dann habe ich gemerkt, so die erste Stunde war irgendwie so viel entspannter gefühlt. Obwohl ich heute gar nicht mehr weiß, beim zweiten Mal gucken kam mir der so, wieso ist das ultra kurz vor? Dachte ich auf einmal, wieso ist der Film denn jetzt schon fast vorbei? Was ist denn jetzt los? Wir haben doch gerade erst angefangen, also….

Christian:
[55:09] Aber ich finde es auch gut, dass der Film halt eben jetzt auch, also Hirayama ist jetzt auch nicht überfordert von solchen Momenten, also der Film ist jetzt nicht, er präsentiert uns damit jetzt nicht irgendeine erzwungene Dramaturgie, sondern er geht ja auch damit um, was für mich halt auch so an Meditation erinnert. Also ich habe mich auch mal ein bisschen mit Meditation beschäftigt und das Klischee von außen ist ja oft, meditieren bedeutet gar nicht nachzudenken. Meditieren bedeutet nichts. Meditieren bedeutet an nichts denken und sich von allem freimachen. Aber das stimmt halt gar nicht. Die Idee bei der Meditation ist, die Gedanken laufen zu lassen. Und eben immer wieder, wie so eine Muskelübung im Fitnessstudio, wo du halt immer wieder die gleiche Bewegung machst, ist die Bewegung der Meditation, wieder zurückzukommen in den Moment. Wieder zurück, also der Gedanke, der geht, den gehen zu lassen, es zu merken und dann wieder zurückzukommen. So, um halt eben auch da all diese Dinge, die wir schon hatten, dieses fokussiert sein im Moment, den Moment erleben, den Moment wahrnehmen, dieses Erden, was du so schön gesagt hast. Diese Erdung findet damit statt, eben nicht, dass man sagt, ich denke nichts, sondern zu sehen, wie man denkt und dann wieder zurückzukommen. Und.

Christian:
[56:36] Jetzt habe ich glaube ich den Faden verloren, was ich eigentlich damit sagen kann. Achso genau, dass halt eben unser Hirayama auch mit diesen ungewöhnlichen Momenten, also das hat mich so an Meditation erinnert, weil es darum geht, wie er damit umgeht und wieder zurück in seinen Alltag kommt. Also, dass halt eben jetzt nicht die Dramaturgie darin besteht, dass etwas wahnsinnig Dramatisches passiert oder so, sondern dass wir eben auch beobachten können.

Christian:
[57:05] Trotz Routine, trotz Fokus und Minimalismus und irgendwie auch ein meditatives Leben, wenn man das vielleicht so nennen mag, passieren Dinge von außen, die kannst du nicht beeinflussen, aber dann geht es darum, wie gehst du damit um, was macht das mit dir und wie kommst du auch wieder bei dir an. Und das, finde ich, macht der Film auch irgendwie sehr schön, Dass der eben auch zeigt, oh, das ist kein stoischer Mönch, dieser Hirayama, der sich von allem lossagt und nichts und niemanden, sondern der ist mitten im Leben, der hat seine Routine, dabei passieren Dinge und wir sehen, wie er auch irgendwie damit umgeht. Und es gibt ja so vielleicht zwei Momente, einen müssen wir auf jeden Fall noch besprechen, nämlich das Ende-Ende, die letzten ein, zwei Einstellungen. Aber ich glaube, er weint auch, als seine Schwester, glaube ich, wieder fährt. Sie erzählt ihm ja von einem Vater und gibt ihm da ja irgendwie, was sagst du, die Schokolade?

Daniela:
[58:01] Seine Lieblingsschokolade.

Christian:
[58:02] Genau. Und danach weint er ja. Was ist das für ein Moment? Warum weint er? Was passiert da mit ihm? Was mag da in ihm vorgehen? Weint er seinem alten Leben hinterher? Weint er, weil er überfordert ist?

Daniela:
[58:23] Also, wir können ja nur spekulieren. Das tun wir jetzt mal. Vielleicht weint er, weil er mit seinem alten Leben konfrontiert worden ist.

Christian:
[58:31] Der Schmerz?

Daniela:
[58:33] Ja, den Bruch mit der Familie, die Erinnerung an das, was auch immer mit den Eltern passiert ist oder durch die Eltern.

Daniela:
[58:44] Seine Nichte sagt ja auch, die liest ja ein Buch. Jetzt weiß ich nicht, ob du die Schriftstellerin aufgeschrieben hast. Aber es ist ein Buch mit elf Geschichten und eine Geschichte, die sie gerade liest, ist die Schildkröte. Und ich habe nachgeguckt, in der Geschichte geht es halt um Viktor, also ein Kind, das in einem Haushalt aufwächst, wo der Vater, glaube ich, abwesend ist und die Mutter so sehr kaltherzig. Und er findet dann eine Schildkröte und die Mutter will, dass die Schildkröte dann wie einen Hummer in den Topf werfen, also lebendig. Und die Situation eskaliert. Das ist so die Beschreibung, die ich jetzt gefunden habe zu der Geschichte. Und Nico sagt ja zu Hirayama, ich fühle mich wie Viktor. Und dann übergeht er das ja so ein bisschen. Und es ist halt so nach dem Motto, das kannst du so nicht sagen. Und dann hat er ja aber auch zu ihr gesagt, wenn was ist, meine Tür steht dir immer offen. Also ob er sich dann auch in seiner Nichte wieder sieht und ihr dann jetzt nicht hilft, sondern sie wieder in dieses Zuhause zurücklässt. Das ist natürlich alles eine Spekulation, aber es könnte ja auch sein, dass er um sich selbst, also ich glaube, er weint um sich selbst. Nicht um sein altes Leben im Sinne von seinem alten Reichtum, sondern um das, was ihm passiert ist und um den Bruch, den er auch erlebt hat und den ja seine Schwester anscheinend nicht für nötig gehalten hat. Warum auch immer. Es können ja auch zwei Kinder im gleichen Haushalt völlig unterschiedlich aufwachsen. Er scheint der erstgeborene Sohn zu sein, Maybe it's a lot of pressure, I don't know, aber ja.

Christian:
[1:00:13] Ja, ja, ja, das glaube ich auch, ganz viel Druck, ganz viel Druck, dem er vielleicht entkommen ist, auch mit diesem Bruch entkommen musste, also nur so entkommen konnte und die Schwester nicht.

Daniela:
[1:00:26] Ja vielleicht auch gar nicht musste. Also als erstgeborener Sohn in vielen Familien, gerade in erfolgreichen Familien, da ist halt dein Weg schon vorbestimmt. Aber wie gesagt, das ist alles nur Rumraterei, das löst der Film ja nicht auf.

Christian:
[1:00:39] Und dann haben wir noch diesen, ja, wechselbaren Gefühlsausdruck am Ende des Filmes. Also, er sitzt am Steuer seines Autos und fährt.

Daniela:
[1:00:52] Fährt morgens zur Arbeit.

Christian:
[1:00:54] Und du siehst, also Wahnsinns-Einstellung und ich glaube, da irgendwie, ich glaube, Auszeichnung bester Schauspieler in Cannes, das ist der Moment. Nee, ich, wo.

Daniela:
[1:01:05] Dann lass uns bitte vorher noch über einen anderen Moment sprechen, wo es nämlich für mich, also erstmal der Hauptdarsteller, Kohi Jakusho. Also, es gibt eine Szene, ich finde den von Anfang an super. Also der ist einfach, das Gesicht, jede Falte, jede Regung, es ist einfach ein Traum. Ich liebe das, also wirklich. Ich habe ihn noch nie vorher gesehen und seitdem auch nie wieder, ich kenne ihn nur in diesem Film, aber ich liebe ihn in diesem Film. Und es ist von Anfang an einfach ein richtiges, also man taucht so ein, es gibt so Menschen und in diesem Spiel kann man so eintauchen. Und es gibt diese Szene, wo Takashi vorne sitzt und fährt und seine Freundin oder die, die er gerne als Freundin hätte, Aya, schiebt eine Patty Smith Kassette in den, Kassettenrekorder und Hirayama sitzt hinten zwischen den beiden, also es ist eh nur ein Zweisitzer, er sitzt dann so da hinten zwischen den ganzen Putzutensilien, die er hat und hängt mit beiden Armen so an den Kopf hin und guckt so wie so ein dreijähriges Kind eigentlich. Und dann legt sie so die Kassette ein und dann sagt sie, ich mag das und dann dieses Das Gesicht, was er dabei macht. Also ...

Daniela:
[1:02:14] Er lacht nicht, aber er lacht mit dem, gelächelt mit dem ganzen Gesicht. Und das ist für mich eine der besten Szenen in dem ganzen Film. Also eigentlich, also ja, ich liebe diese Szene. Als ich die jetzt beim zweiten Mal gesehen habe, habe ich gedacht, oh Gott, es ist so ein Traum, ihm dabei zuzugucken. Und du fühlst alles. Und ich finde, die letzte Szene ist natürlich jetzt nochmal so das I-Tüpfelchen oder die Kirsche auf der Torte, weil wir da natürlich sein Gesicht so riesengroß sehen und nichts anderes sehen. Ich glaube, zwischendurch sehen wir mal den Himmel oder so, während die Musik spielt.

Christian:
[1:02:45] Ich glaube, danach nochmal. Ich glaube, das ist wirklich ganz lange nur sein Gesicht ohne Schnitt. Und du siehst halt wechselbar zwischen Lachen und Weinen und damit auch irgendwie so diese Überforderung dieser Gefühle. Und ich weiß gerade gar nicht, also lacht er, während er traurig ist oder schwellt eine Traurigkeit in diesem Glücksgefühl.

Daniela:
[1:03:06] Ja, oder ist er einfach nur glücklich über die Musik, die er gerade hört. Es ist alles möglich. Ja, unglaublich.

Christian:
[1:03:14] Wunderbar gespielt und du hast recht. Also ich wollte nur sagen, das ist so der technisch beeindruckendste Moment, weil Close-Up, Kamera, ich weiß nicht, wie lange dieser Moment geht, gefühlt 20 Minuten, aber vielleicht irgendwie ein oder zwei Minuten oder vielleicht auch nur fünf Sekunden. Ich weiß es nicht mehr, aber es war halt intensiv. Und du hast recht, ich mochte total gerne auch vorher, wie er diese Bäumchen besprüht und dabei wirklich, also dieses Lächeln danach. Und das meine ich halt, dieses Plädoyer des Filmes, diese Momente auch zu erleben. Also nicht nur mechanisch zu funktionieren, weil das könnte ja auch der eine, oder das, also ... Wenn man nicht innehält, um es zu erleben, was er da tut, dieser Alltag, diese Routine, dann wird das nachher nur ein mechanisches Abarbeiten von Dingen. Und er tut es halt eben nicht. Er erhält inne und er erlebt diese scheinbar banalen Handgriffe und Momente. Sind die Blumen, wie du sagst, wenn er vor die Tür geht und das erste Mal den Kopf nach oben streckt, die Augen schließt, einatmet und so das erste Mal die Natur einatmet. Das sind auch die Momente, wenn er da im Park sitzt und isst oder in diesem Schrein oder an dem Tempel glaube ich irgendwie.

Christian:
[1:04:42] Das ist, also und das Spiel auch dabei, das ist so ein unfassbar warmes Gesicht und das ist so, wie du sagst, also das fällt einem sehr leicht, sich da zu verlieben in, In den Protagonisten.

Daniela:
[1:04:57] In Hirayama.

Christian:
[1:04:58] Und natürlich auch in den Schauspieler. Ja.

Daniela:
[1:05:02] Und er hat ja auch so wenig Text. Also mit irgendwas muss er ja spielen. Und ich finde, da hat Wim Wenders einfach die, sorry, perfekte Besetzung gefunden. Also, ich kenne wenig japanische Schauspieler, wahrscheinlich gar keine. Müsste ich mir überlegen. Aber mir würde auch niemand einfallen, der das sonst hätte machen können. Es gibt bestimmt welche, aber ich finde, es ist einfach die perfekte Besetzung.

Christian:
[1:05:24] Ja, auf jeden Fall. auf jeden Fall. Ich habe auch in der Recherche gesehen, dass, der Schauspieler, der Koji Yakusho, ich glaube, vor ein oder zwei Jahren ist so eine Netflix-Serie, also eine japanische Netflix-Produktion, müsste damit ja auch weltweit irgendwie verfügbar sein, das ist so eine Miniserie, glaube ich, über Fukushima. Da hat er irgendwie auch eine sehr wichtige Rolle, ich glaube, irgendwie als so ein Direktor oder so. Das wäre jetzt auch nochmal spannend, nochmal ein ganz anderes Setting, ganz andere Sache, aber ja, ich glaube, die Filmografie, ich habe da noch so ein bisschen durchgelesen, die ist halt also sehr, sehr japanisch, der ist in Japan und spielt in Japan und dreht in Japan, hätte ja auch sein können, dass der schon, weißt du, seit 30 Jahren international irgendwie und ich jetzt zum ersten Mal ihn hier sehe.

Daniela:
[1:06:14] Ich habe heute nur beim Überfliegen gelesen, dass er auch bei Babel mitgespielt hat und den Film habe ich tatsächlich schon mal gesehen, aber ich kann mich null erinnern. Also, ich kann mich nur an den Titel erinnern. Ich kann mich an sonst gar nichts mehr erinnern. Eventuell hat noch Brad Pitt mitgespielt, aber ich weiß es nicht mehr. Vielleicht war es auch jemand völlig anderes. Aber ja, also ich scheine ihn schon mal gesehen zu haben. Aber ich kann mich halt an den ganzen Film nicht mehr erinnern. Also kann ich mich auch an Koji H. Ja, Kusho nicht erinnern.

Christian:
[1:06:41] Aber ich glaube, da gibt es noch ein paar Perlen, die man sich auch noch in der Nähe anschauen kann.

Daniela:
[1:06:44] Ja, dieser Tanzfilm würde mich jetzt mal interessieren.

Christian:
[1:06:46] Ja, würde mich auch mal interessieren. Also ich habe nur das Poster gesehen. Ich glaube irgendwie von 96. und ich habe nur gelesen, dass danach halt, also wie heißt das denn? Also so Dancing Lessons, also Tanzunterricht. Dass danach so Tanzunterricht so kulturell mega eingeschlagen ist. Während vorher, also dass wohl Menschen und Schichten, die gesagt haben, mach ich nicht, durch diesen Film auf einmal Tanzunterricht genommen haben und dieses formale Ballroom Dancing und so, dass auf einmal so eine Revival bekommen hat, kulturell.

Daniela:
[1:07:18] Also sowas wie Standard-Tanz oder sowas.

Christian:
[1:07:20] Genau. Ja, also auch spannend. Also der hat da, glaube ich, eine ganze Menge.

Daniela:
[1:07:25] Ja, einen guten Wiener Walzer kann man nicht unterschätzen.

Christian:
[1:07:29] Genau. Und eine Sache, die ich auch noch kurz erwähnen wollte, wenn wir so auch bei diesem Drumherum so ein bisschen sind, ist Yasujiro Ozu, ein wichtiger japanischer Filmemacher. Namen habe ich auch schon ein paar Mal gehört. Ich weiß nicht, ob ich was gesehen habe. Also ja, Tokyo Story ist so das Meisterwerk von ihm von 53 glaube ich, Der hat Stummfilmzeit, Tonfilm, Schwarz-Weiß. Tokyo Story ist mit Ton aber noch in Schwarz-Weiß. Und ich glaube, ganz wenige Farbfilme irgendwie noch in die 60er gemacht. Legendärer japanischer Filmemacher hat eben das Kino, das Weltkino nachhaltig auch beeinflusst und geprägt. Tokyo Story ist jetzt irgendwie auch immer mal wieder im Gespräch irgendwie einer der besten Filme wirklich aller Zeiten ever überhaupt.

Daniela:
[1:08:18] Ach, ich glaube, da habe ich letztens schon mal was von gehört.

Christian:
[1:08:22] Also wird sich auch nochmal lohnen und Wim Wenders hat selber auch gesagt, ich sehe mich hier als Schüler Osus und meine Filme und meinen Film schaffen und Osu hat eben auch ganz stark so diese einfacheren Schichten, Familienleben, Alltagsleben, ich habe nochmal ein bisschen so quer gelesen und vor allen Dingen auch, also Perfect Days ist ganz klar so im Stile Osus, im Sinne Osus. Deswegen auch das 4-zu-3-Format. Vielleicht deswegen auch die Traumsequenzen in Schwarz-Weiß, weil eben Ozu ganz viel Schwarz-Weiß ja gemacht hat. Aber eben auch die Art und Weise, wie der Film erzählt. Also Ozu hat wohl auch ganz viel ... Könnte man vielleicht plakativ sagen, minimalistisch erzählt. Also auch Dinge, wichtige Dinge einfach nicht gezeigt, sondern im Dialog angedeutet, ohne sie jetzt explizit zu machen in einem Film wie hier, diese Vorgeschichte. Wir wissen, da ist irgendwas, der Bruch mit der Familie. Das sind in kleinen Details, in kleinen Momenten super wichtig für alles, was wir sehen, aber wir bekommen keine Szene dafür. Also diese Vorgeschichte auch, die wird uns ja nicht einmal gezeigt, aber ganz viel angedeutet. Und wenn man nicht, also man kann sie auch übersehen und sich auf was ganz anderes konzentrieren. Fand ich nur sehr, sehr interessant, dass Wim Wenders selber sagt, dass er sich und sein Filmschaffen halt auch so im, wie sagt man, im Sinne Osus irgendwie sieht. Und dann wird das auch wieder alles nochmal ein bisschen runder.

Daniela:
[1:09:51] Jetzt fällt mir auch ein, wo ich über den Film Tokio Story gehört habe. In dem Podcast Alles gesagt mit Wim Wenders. Und ich glaube auch in dem Podcast Hotel Matze mit Wim Wenders. Also ja, ich denke gerade, hä, wo habe ich denn schon mal von dem Film gehört? Ja, von Wim Wenders.

Christian:
[1:10:07] Genau.

Daniela:
[1:10:08] Also kennen wir jetzt einen Wim-Fan von Tokio Story, das ist Wim Wenders. Ich dachte jetzt gerade, wenn so viele Leute von dem Film erzählen, dann müsste ich den mal gucken, aber es ist ja immer die gleiche Person.

Christian:
[1:10:19] Ich glaube, wir müssen den trotzdem mal gucken.

Daniela:
[1:10:20] Ja, ich glaube, ich habe, ja, das glaube ich auch. Ich habe danach mal geguckt, worum geht es in dem Film, dachte ich, ja, das klingt nach einem Film für mich.

Christian:
[1:10:27] Ja, ich glaube, mir war das noch, Ehepaar reist nach Tokio, die leben auf dem Land und die besuchen die Kinder. Die besuchen sozusagen den Alltag, das Leben ihrer Kinder und auch da irgendwie, was ich so quer gelesen habe, so den einen Besuch, den siehst du gar nicht, obwohl der halt super wichtig ist. Und ich glaube, den... Ich glaube, das wäre nochmal eine gute Hausaufgabe, gerade auch japanischen Film, japanisches Kino irgendwie zu machen.

Daniela:
[1:10:54] Zu besprechen. Ja, der nächste Japan Uri kommt bestimmt.

Christian:
[1:10:58] Ja, sehr gut. Haben wir schon mal das Programm für 2027 uns überlegt?

Daniela:
[1:11:05] Ja, man muss sich das Programm schon erarbeiten.

Wim Wenders

Christian:
[1:11:10] Ist das auch schon der Übergang Richtung Wim Wenders und vielleicht auch diese Art von Filmen? Ja, unbedingt.

Daniela:
[1:11:15] Lass uns über Wim Wenders reden.

Christian:
[1:11:17] Ich kenne zu wenig von Wim Wenders.

Daniela:
[1:11:20] Ich auch, obwohl ich schon vier Filme von Wim Wenders gesehen habe.

Christian:
[1:11:23] Wir haben Der Himmel über Berlin gesehen. Ein ganz wichtiger Film auch.

Daniela:
[1:11:27] Auch ein ganz toller Film. Ich habe so, ich weiß nicht, ich glaube, es ist so ein bisschen wie mit Perfect Days. Ich liebe diesen Film und gleichzeitig finde ich ihn total sperrig, finde ich Perfect Days nicht. Aber ich finde, vielleicht tinkt es auch. Also ich fange nochmal an. Also Der Himmel über Berlin ist ein sehr schöner Film, aber ich finde den auch sehr, sehr sperrig. Ich finde den irgendwie, wenn ich darüber nachdenke, was könnte man zu dem Film sagen, fallen mir so viele tausende von Dingen ein, dass ich überhaupt nicht weiß, was ich sagen soll. So fühlt sich das an. Und das gleiche Gefühl hatte ich auch, bevor wir über Perfect Days gesprochen haben. Ich habe zu dir gesagt, boah ey, ich kann überhaupt nichts über diesen Film sagen.

Christian:
[1:12:06] Ich glaube, wir haben jetzt auf Band, dass das Gegenteil der Fall ist.

Daniela:
[1:12:11] Ja, aber so fühlt sich der Himmel über Berlin für mich auch an. Ich habe sonst noch gesehen Pina und Anselm, von dem ich dachte, der wäre schon lange tot und ich dann erfahren habe, nee, ist noch ein lebender Künstler.

Christian:
[1:12:26] Weil der, glaube ich, auch selber da erzählt oder spielt oder zeigt.

Daniela:
[1:12:30] Das ist mehr eine Doku. Das ist wirklich mehr eine Doku, weil eben auch über noch einen lebenden Künstler und mit dem Künstler, das ist ja bei Pina schon anders. Ähm... Ja. Irgendwie sind die Filme sehr, sehr unterschiedlich, finde ich. Ich habe die älteren Spielfilme von Wim Wenders nicht gesehen, obwohl da, glaube ich, schon noch ein paar bei sind, die ich mal gerne gucken wollen würde, aber es dauert immer lange, bis ich alte Filme gucke, weil es ist dann doch immer ein alter Film. Und was bei Der Himmel über Berlin gar nicht ist, weil das, finde ich, das könnte auch heute spielen, nur ohne Smartphones irgendwie.

Christian:
[1:13:06] Und mit so einer Mauerponung.

Daniela:
[1:13:07] Zwischen und ganz ist jetzt tot, aber ach Gott, ich liebe diesen Film. Der Himmel über Berlin ist einfach so ein toller Film.

Christian:
[1:13:13] Aber auch da, wenn wir jetzt sagen, oder wenn Wim Wenders sagt, er sieht sich als Schüler Osus, kann man da auch eine Menge drin sehen. Also auch die Art zu erzählen.

Daniela:
[1:13:23] Es geht auch gerade bei, ich weiß nicht, heißt der Anselm oder Amseln, ich glaube Amseln-Kiefer, geht es ja auch so sehr viel um Licht. Also in seiner Kunst geht es viel um Licht und in diesem Film geht es auch viel um Licht. Und ich finde bei Perfect Days und auch bei der Himmel über Berlin geht es ja auch viel um Licht. Und Wim Wenders ist ja auch Fotograf, da wird es ohnehin immer viel um Licht gehen. Und gut, wer Filme macht, der muss auch aufs Licht achten. Also ja, ich weiß nicht, was ich jetzt damit sagen wollte. Aber es geht halt viel um Licht.

Christian:
[1:13:54] Der Film heißt Anselm.

Daniela:
[1:13:56] Anselm, okay. Also heißt der Anselm-Kiefer, ja.

Christian:
[1:13:59] Genau. Ich bin ja tatsächlich, das ist sehr speziell und kurios, aber wir machen ja hier, dieses kleine Minispin auf der 3D-Unit, wo ich ja mit TJ zusammen über 3D-Filme im Heimkino versuche zu sprechen. Du lachst.

Daniela:
[1:14:17] Nein, ich sage jetzt, weil ich gerade aus TJ gemacht habe, PJ Masks.

Christian:
[1:14:21] Das ist ein ganz anderes Thema.

Daniela:
[1:14:22] Ich weiß, ich bin kurz abge... Meine Gedanken waren kurz weg. Ich kann mir nur nicht vorstellen, wie man 3D-Filme gut finden kann. Ich weiß, ihr macht das, ihr macht das auch toll und ich finde das auch gut, aber so, okay.

Christian:
[1:14:34] Ja, so habe ich ja vorher auch immer gesagt und gedacht und ganz ehrlich... Aus dieser Flanke komme ich auch zu Wim Wenders, weil TJ hat den Namen als einen der ersten gedroppt, wo ich dachte, 3D, das ist doch James Cameron, Avatar, Punkt erstmal. Und dann kommt da lange Zeit gar nichts. Und dann haben wir so ein paar Jahre, wo halt einfach jedes Blockbuster-Ding irgendwie durch 3D durchgewurschtelt wurde. So wird es vielleicht immer noch, aber auch weniger, aber das ist doch eigentlich nur so eine kommerzielle Geschichte. Und wie sich zeigt, ist Wim Wenders ein überzeugter Verfechter dieses Formates.

Daniela:
[1:15:11] Ja, wenn das das gut findet, dann führe ich das natürlich auch.

Christian:
[1:15:15] Und das ist der Punkt. Und da bin ich dann schon mal so ein bisschen hellhöriger geworden, wo ich mir dachte, Pina Bausch, Tanzdokumentation in 3D? Also ich scherze immer bei der 3D-Unit, dass wir halt ein Publikum von einem Dutzend haben da draußen und zwei machen schon die Sendung. Also sprechen wir zu zehn so ungefähr, was ich völlig fein finde. Aber der Gag ist halt, es ist sehr eingeschränkt, das Interesse an diesem Thema.

Daniela:
[1:15:41] So, alle, die jetzt zuhören, wer von euch hört die 3D Finger hoch? Jetzt melden oder Filmer schweigen.

Christian:
[1:15:49] Aber ich habe schon Feedback bekommen, es gibt tatsächlich voll draus. Aber egal, auf jeden Fall fand ich das einfach erstmal interessant und faszinierend, weil ich eben, wenn das, also am wenigsten ein kommerzielles Kalkül unterstellen wollen würde für dieses Thema. Weil eine Pina Bausch-Tanzdokumentation, die in Wuppertal gedreht wurde, die hat, sage ich mal, sowieso jetzt nicht die größten kommerziellen Aussichten.

Daniela:
[1:16:12] Obwohl der Film, glaube ich, ziemlich erfolgreich war.

Christian:
[1:16:14] War er auch, aber es ist halt was anderes, als zu sagen, lass mal Batman durch den Computer jagen und jetzt ist er auch in 3D. Was die meisten ja mit 3D assoziieren. Und ich habe auch so das eine oder andere Interview, weil du ja auch gesagt hast, Licht und sowas alles. Wim Wenders ist, Ehrlich interessiert an den Möglichkeiten von 3D als, ich sag mal, eigenes Medium. Und ich glaube auch dieser Anselm, ich glaube, der war auch noch irgendwie in 3D und der ist vor zwei Jahren rausgekommen, der Film.

Daniela:
[1:16:41] Guck mal, dann könnt ihr den ja auch noch besprechen.

Christian:
[1:16:44] Ja, also ich hatte Wim Wenders nicht auf dem Schirm als auch, ich glaube, ein sehr wichtiger, wie sagt man, Filmschaffender in diesem 3D-Format. Und eben ja auch dokumentarisch irgendwie in einem Format zu arbeiten. Ich bin super interessiert an allem, was Wim Wenders da irgendwie noch hat und was wir vielleicht dann eben auch mit der 3D-Unit besprechen. Den Pina Bauschfilm will ich unbedingt besprechen, eben auch aus der Seite, dass wir eben mittlerweile in Wuppertal leben und ich das auch spannend finde.

Daniela:
[1:17:15] Ich finde das so spannend, dass du über Pina sprechen willst, weil es ist für mich, als wäre das der letzte Film, den ich gucken würde.

Christian:
[1:17:22] Exakt. Ich weiß auch noch nicht genau, worauf ich mich da einlasse, aber das Interesse ist eben geweckt und da eben der Bogen. Wim Wenders als 3D-Regisseur in verschiedenen Kontexten finde ich halt super interessant. Und gleichzeitig hat er jetzt auch nicht irgendwie den James Cameron Hut auf und sagt, alles muss 3D sein. Denn Perfect Days ist kein 3D-Film. Ich weiß nicht, ob er davon profitieren würde. Ich weiß nicht ... Wie Wim Wenders jetzt dazu denkt, zu dem Format, keine Ahnung, vielleicht müsste ich den einfach mal fragen und irgendwie zu einem Interview einladen.

Daniela:
[1:17:57] Ja, mach das mal.

Christian:
[1:17:59] Ich bin auf jeden Fall sehr, sehr interessiert jetzt an ihm durch dieses 3D-Thema und da kommen zwei Dinge zusammen, Wim Wenders und 3D. Hättest du mir das vor einem Jahr gesagt, dann hätte ich auch gesagt, wovon redest du? Aber ja, ich glaube, dass er da auch nochmal ganz spannend ist. Und dann hast du natürlich auch noch recht, so die ganzen Filme aus den 80ern, die eben auch ihn international auch bekannt gemacht haben. So, da habe ich auch Riesenlücken. Also Himmel über Berlin war ja auch nochmal so ein Türöffner, glaube ich, für ihn. Und dann haben wir 2023, 2024 einen Perfect Days, den Wim Wenders in Japan macht, als erster nicht-japanischer Regisseur zu den Oscars. Und ich gucke von außen und denke mir nur, Hä? Aber wenn man ein bisschen genauer hinguckt, ist das alles so komplett, ist das so komplett rund. So. Ja. Gilt es nur noch weiter zu ergründen, wer dieser Wim Wenders ist.

Daniela:
[1:18:54] Ja, dazu kann ich ja unbedingt den Allesgesagt-Podcast mit ihm empfehlen. Überhaupt, also ich mag das Format, aber es hängt immer sehr stark von den GästInnen ab. Und die Folge mit Wim Wenders ist sehr gut, wenn man sich für die Filme von Wim Wenders oder für ihn als Person interessiert.

Christian:
[1:19:08] Kannst du das Format kurz erklären?

Daniela:
[1:19:10] Das ist der unendliche Podcast, alles gesagt, in dem immer eine Person zu Gast ist und die muss dann ein Wort sich überlegen. Mit diesem Wort endet dann der Podcast und der geht dann schon mal gerne fünf, sechs, sieben, acht, neun Stunden. Es gibt eine Aufnahme mit IYY, die dauert seit gefühlt Monaten, weil er das Schlusswort nie gesagt hat und glaube ich einfach gegangen ist.

Christian:
[1:19:33] Die ist offiziell nicht zu Ende.

Daniela:
[1:19:35] Die ist offiziell nicht zu Ende, ja. Die läuft noch. Vielen Dank. Und ich mag das Format sehr, einmal, weil er vom Poolartist gemacht wird und ich finde, das kann man immer gut supporten, ist von Zeit Online. Und ich mag einfach das Konzept, dass die Gäste bestimmen, wie der Podcast ausgeht, also wann er ausgeht.

Christian:
[1:19:52] Also gibt es denn konkrete Fragen? Ist das ein Interview? Ist das eher eine, also was bringen denn die Gäste mit und was bringt das Format sozusagen mit?

Daniela:
[1:20:00] Also ich weiß jetzt die beiden Namen von den Moderatoren nicht, aber der eine ist irgendwie von Zeit Online und ist ja auch egal, der eine hat Ahnung in Kunst und der andere von Journalismus und wie du siehst, es geht für mich immer eher um die Gäste, aber die sind halt super gut vorbereitet, weil die natürlich auch ein Team haben, was Recherche macht und die picken auch wirklich in die kleinste Ecke rein und wenn die Gäste gut drauf sind, kommt da halt so viel Persönliches einfach auch. Und das macht einfach Spaß, dabei zuzuhören. Und da gibt es ganz, ganz tolle Folgen. Und ich finde, die Form von Wim Wenders ist auch eine gute. Aber ich glaube, es hängt auch immer davon ab, was sind die eigenen Interessen. Wenn man sich jetzt für Wim Wenders Filme überhaupt nicht interessiert, würde ich sagen, dann höre halt nicht fünf Stunden diesen Podcast oder sechs oder sieben, weil es macht keinen Sinn. Ich höre halt auch wirklich nur die Folgen bei den GästInnen, die mich interessieren. Aber wenn die GästInnen so sind, wie ich sie einschätze, also ich bin jetzt noch nie enttäuscht worden, dass ich irgendwie dachte, okay, Die Person fand ich jetzt irgendwie total uncool in dem Podcast. Ganz im Gegenteil. Julia Stoschek war mal zu Gast. Die sammelt Videokunst. Und das war auch ein ganz toller Podcast. Und die haben halt öfters KünstlerInnen. Das finde ich einfach, hat man selten, dass KünstlerInnen so viel Raum bekommen, um über sich und ihre Kunst zu sprechen.

Christian:
[1:21:10] Und wahrscheinlich dann auch so viel und so wenig, wie sie möchten.

Daniela:
[1:21:12] Genau, ja. Da geht es jetzt nicht darum.

Christian:
[1:21:14] Jedes Werk zu sizieren und zu sagen, okay, sie sind geboren am 3., 4..

Daniela:
[1:21:18] 1978. Ja, so fängt es dann immer an. Und dann fangen die so ein bisschen an, am Lebenslauflamm zu gehen. aber dann sind sie auch ganz schnell in einer anderen Ecke, weil der Gast in einer anderen Ecke rennt, kommen aber immer wieder zurück auf ihren Punkt. Und dadurch entstehen halt diese ganz, ganz langen Folgen. Und ja. Das ist ein tolles Format. Für mich eines der besten Podcast-Formate. Weil der Gast eben bestimmt, wie lang es wird. Und wenn der Gast keinen Bock mehr hat, dann sagt er halt sein Wort und dann ist die Aufnahme auch sofort beendet. Und ich glaube, das gibt den Gästen auch eine bestimmte Freiheit, sich selbst zu überlegen, wie viel Zeit bringe ich jetzt mit. Und ich meine, die wissen ja vorher schon, dass es lang werden kann, aber du hast selten Leute, die nach einer Stunde ihr Wort sagen. Ich glaube, die fühlen sich einfach auch wohl in dem Setting, die Leute. Und das, finde ich, macht den Podcast eigentlich einfach aus. Und Wim Wenders war ja auch bei, jetzt sprechen wir über Podcast, aber war halt auch bei Hotel Matze zu Gast und ich finde, Matze ist manchmal so küchenpsychologisch und dann fällt es mir manchmal schwer zuzuhören. Und wenn ich dann gerade diese beiden Podcasts habe ich halt auch relativ dicht beieinander gehört und dann merke ich einfach, wie für mich der Unterschied zwischen so einem und so einem Podcast ist. Und wenn man einen davon hören wollen würde, würde ich auf jeden Fall den Allesgesagt-Podcast empfehlen.

Christian:
[1:22:25] Sehr gut. Haben wir auch noch eine Podcast-Empfehlung drin. haben wir auch Filmempfehlungen noch. Jetzt nicht nur Wim Wenders, sondern auch dieses, ich weiß nicht, wie man es bezeichnen soll, oder Genre oder diese Art von Film, diese, ich habe mal irgendwie diesen Begriff Slice of Life gelesen, also diesen Lebensausschnitt, vielleicht auch ein bisschen plätschernder Natur, vielleicht auch so ein bisschen gemütlicher in der Erzählweise.

Daniela:
[1:22:53] Es klingt jetzt alles so ein bisschen, ich weiß, du meinst es nicht so überplätschernd und gemütlicher klingt ja auch so ein bisschen abfällig. Für mich. Ich würde es ja eher so als ein, ich fühle den Film mehr, als dass ich ihn sehe. Und da würde ich haben für mich so zwei, drei, also da gibt es immer so ein paar, die dann immer so rausstechen. Wir hatten uns ja vor der Aufnahme auch schon mal kurz unterhalten. Das wäre für mich auf jeden Fall einmal Roter Himmel von Christian Petzold. Der ist von 22, 23, ich weiß nicht genau, aber da habe ich ein ähnliches Gefühl, wenn ich an den Film denke. Und dann wäre es auf jeden Fall auch noch ... Ach Mann, jetzt komme ich nicht auf den Namen. Hier, wo der Koreaner wieder in die Staaten einreist und seine Past Lives, den würde ich da auch mit ein. Also das sind so die Filme aus den letzten Jahren, die bei mir so ein ähnliches Gefühl erzeugen. Es passiert nicht viel, obwohl ganz viel passiert. Und ich bin aus allen drei Filmen mit einem ähnlichen traurig, guten Gefühl raus. Ich kann es so schlecht beschreiben.

Christian:
[1:23:57] Stimmung? Mit einer ähnlichen Stimmung?

Daniela:
[1:23:59] Mit einer ähnlichen Stimmung, ja, aber es ist nicht glücklich und nicht traurig, es ist melancholisch. Ja, aber positiver. Es gibt kein Wort für dieses Gefühl, ich habe zumindest kein.

Christian:
[1:24:09] Ich wollte gerade sagen, es gibt eigentlich nur zwei Sprachen, entweder gibt es einen deutschen Begriff oder einen japanischen Begriff für dieses Ding.

Daniela:
[1:24:14] Wahrscheinlich gibt es eher einen japanischen, aber mir fällt kein Wort dafür ein. Aber ja, das sind so Filme, die für mich ähnlich sind, obwohl sie natürlich komplett unterschiedlich sind.

Christian:
[1:24:25] Ich muss an den Film, ich glaube, er heißt Patterson von Jim Jarmusch mit Adam Driver in der Hauptrolle. Der spielt einen Busfahrer, der so ein bisschen schreibt, Gedichte, glaube ich, so ein bisschen poetischer Natur ist. Ja, ich stehe ja schon bei allem raus.

Daniela:
[1:24:41] Um Gott, es tut mir leid.

Christian:
[1:24:43] Du magst Adam Driver einfach nicht, ne?

Daniela:
[1:24:45] Ja, ich weiß auch nicht.

Christian:
[1:24:46] Egal. Auf jeden Fall ist das ein Film, der mir eingefallen ist. Ich weiß gar nicht, ob das stimmt, weil es ist lange her, dass ich ihn gesehen habe, aber auch eher ein Film, der, den ich so in Erinnerung habe, dass da, Alltagsstimmung und Alltagsbegleitung auch wichtiger ist. Der ist mir noch eingefallen.

Daniela:
[1:25:05] Der Regisseur hat aber nicht hier diesen Emma-Stone-Film gemacht, oder?

Christian:
[1:25:10] Das ist schon wieder so ein Satz, den man jetzt Wort für Wort zitieren muss. Also ja, es ist ein Regisseur. Ich glaube, Jim Jarmusch hat nicht mit Emma Stone zusammengearbeitet. Und dann ist der Punkt, dieser Emma-Stone-Film ist halt, du musst auf die Uhr gucken.

Daniela:
[1:25:24] Diesen schrecklichen, wo der Hulk mitspielt.

Christian:
[1:25:29] Mark Ruffalo? Mark Ruffalo. Nein, Edward Norton, welcher Hulk denn?

Daniela:
[1:25:33] Ja, Mark Ruffalo. Wie heißt denn dieser schreckliche Film? Wie heißt denn dieser Regisseur, der so Favourite gemacht hat? Ich blamier mich hier wieder. Ah ja, okay, klingt ja gleich.

Christian:
[1:25:41] Sag ich ja. Also je nach Tageszeit haben die schon wieder neun rausgebracht zusammen.

Daniela:
[1:25:46] Ja, haben sie ja auch, aber den habe ich mir nicht angeguckt.

Christian:
[1:25:49] Aber nein.

Daniela:
[1:25:51] Ich kann meinen Namen und ich, ne?

Christian:
[1:25:54] Naja, aber auch da, guter Punkt, Kommentare, ne? Also vielleicht gibt es noch Feedback. Vielleicht habt ihr da draußen noch schöne Filme.

Daniela:
[1:26:01] Über meine Filmkenntnisse und Kenntnisse.

Christian:
[1:26:04] Nein, die gibt es nicht zu diskutieren und kommentieren, aber vielleicht eben noch Filmempfehlungen, die in eine ähnliche Richtung gehen, ob es jetzt nun aus Japan ist, ob es vielleicht auch überhaupt Empfehlungen für japanisches Kino für den Japanuary sind oder eben auch für diese... Ja, mir fehlt so der knackige Begriff, aber für diese Slice-of-Life-Geschichten, für diese eher alltäglichen Lebensbeobachtungen ihrer Hauptfiguren irgendwie sind, also auch das sehr, sehr gerne einfach da lassen.

Daniela:
[1:26:36] Es gibt bestimmt ganz, ganz viele Filme, die wir alle nicht kennen, weil es sind genau die Filme, die so selten aufploppen. Also dass so ein Film wie Perfect Days oder Past Lives oder wie sie für mich alle heißen, auftauchen, ist ja häufig nur großes Glück. Also dann schafft es mal einer im Jahr, der dann groß besprochen wird. Aber ich glaube, da gibt es ganz viele Filme von, die wir gar nicht kennen. Also selbst US-amerikanische Produktion, wo man ja schon viel von mitbekommt, da gibt es bestimmt so viele Filme, die einfach komplett an einem vorbeigehen, in diesen ganzen Blockbuster-Superhelden, der nächste Top-Schauspieler, Schauspielerin hat diesen Film gemacht. Ich glaube, da geht einfach so viel unter. also, ja.

Christian:
[1:27:16] Weil das auch nicht diese lauten Filme sind, ne? Die knallen nicht, die haben jetzt nicht irgendwie den fetten Trailer, das große Plakat, die Starbesetzung und das ist nämlich auch der Punkt, ich glaube auch nicht so sehr aus Hollywood, ne? Also ein, also das ist halt kein klassisches Hollywood-Kino, so. Diese Art von Film.

Daniela:
[1:27:35] Vielleicht muss man dann einfach auch nochmal auf andere Filmfestivals schielen, ne? Ich könnte mir vorstellen, wenn man so das Sundance-Festival ist ja, glaube ich, ein kanadisches.

Christian:
[1:27:43] Ist das nicht auch ein mechanisches?

Daniela:
[1:27:46] Ich meine nur, wenn man jetzt so hier Richtung Oscars und so guckt, da wird ja immer eine bestimmte Art von Film ausgezeichnet. Und ich glaube, wenn man, also das ist jetzt eine Preisverleihung, aber ich meine, wenn man jetzt so auf Filmfestivals guckt oder Preisverleihung, müsste ich vielleicht auch nochmal woanders hinschauen, als nach da. Weil da gibt es für mich nicht so viel.

Nächste Sendung: Oscar-Nominierung Best Picture 2026

Christian:
[1:28:06] Auch da die perfekte Überleitung. Denn das nächste Mal hier in dieser Sendung wird es um Preisverleihung gehen. Es wird, also ich weiß noch nicht, welchen Film wir besprechen werden, denn wir werden einen Film besprechen in der Kategorie Best Picture.

Daniela:
[1:28:20] Also ich weiß ja, welcher Film der Best Picture 2025.

Christian:
[1:28:24] Nein, nein, nein, nein, nein, nein. Es geht nicht um den besten Film des Jahres. Es geht darum, was die Academy of Motion Pictures Arts and Science, glaube ich, meint, der beste Film zu sein. Die Auswahl der zehn besten Filme. Und da werden wir uns dann einen rauspicken. Ich habe auch schon Maria vorgewarnt. Oh ja, sehr cool.

Daniela:
[1:28:47] Da freue ich mich drauf. Die Folgen gefallen mir immer gut.

Christian:
[1:28:49] Das ist ja auch hier Tradition bei uns, dann im Februar über die Oscars.

Daniela:
[1:28:54] Maria, wenn du das hörst, vielen Dank für eure Planet der Affenreihe. Ich habe es wirklich, das habe ich zu Christian schon hundertmal gesagt, wie gut ich das fand, dass ihr diese Filme besprochen habt. Das hat mich sehr glücklich gemacht.

Christian:
[1:29:04] Sehr schön. Ja, da kommen die Kommentare in der Sendung schon. Das ist hervorragend.

Daniela:
[1:29:08] Ich bin ja mal gespannt, weil ich habe vom letzten Kino ja so ultra wenig mitbekommen, weil ich im Kino so gut wie gar nicht, also wenn ich im Kino war, lief irgendwas Koreanisches. Entweder was mit BTS oder K-Pop also ich war wirklich wenig im Kino ich habe auch viele Filme, ich wollte zum Beispiel unbedingt in die Sonne schauen gucken der glaube ich auch als bester internationale Film für Deutschland ins Rennen geht gefährliches Halbwissen könnte auch ein österreichischer Film sein ich rede mich um Kopf und Kragen. Was ich eigentlich sagen wollte ist, dass ich halt viele Filme im letzten Jahr gar nicht geguckt habe, weil mir irgendwie die Zeit und die Nerven dafür fehlten und deswegen habe ich so überhaupt gar keine Ahnung, was als bester Film nominiert werden könnte, weil ich irgendwie gefühlt nichts mitbekommen habe.

Christian:
[1:29:51] Ich habe, glaube ich, ein bisschen mehr mitbekommen, gar nicht so viel jetzt in der Kategorie gesehen.

Daniela:
[1:29:55] Du hast Superman geguckt 500 Mal. Der wird bestimmt nominiert.

Christian:
[1:29:59] Ich wollte gerade sagen, den darf man auch 10 Mal nominieren und 5 Mal auszeichnen, aber ich weiß ja, wie es funktioniert. Und, Und das ist ja auch wieder jetzt so die Jahreszeit, wenn der Podcast hier rauskommt, also Mitte Januar bis Anfang März, da sind ja glaube ich dann irgendwie Oscars oder Ende Februar, ist ja eigentlich auch die Zeit, wo die Oscar-Nominierungen dann hier laufen. Das Kalkül ist ja meistens USA, die kriegen ihren Start im November, Dezember, weil du willst nah genug, also die Nominierung, also das Prozedere, die Nominierung wird Mitte Januar bekannt gegeben, Anfang Januar jetzt ist irgendwie Nominierungsschluss, dann willst du keinen Film ins Rennen schicken als Filmverleih, der aber schon im März des Vorjahres lief, kann sich ja niemand mehr dran erinnern. Du willst einen Film, deswegen bringst du den Film November, Dezember so raus, dass die Leute gerade den Film gesehen haben und sagen, oh der ist toll, den nominiere ich, bla bla bla bla. Das hat ja alles so ein bisschen diese Prozedere und es gibt auch in Deutschland immer dann diese zwei Filme, die erst nach den Oscars rauskommen, damit man aufs Plakat schon schreiben kann, so und so viele Oscars bekommen.

Christian:
[1:31:09] Gerade so, dass das Black Cinema hat es hier nochmal schwerer, weil egal welcher Spike Lee Film irgendwie rauskommt und nominiert ist, der kommt immer erst nach den Oscars einfach raus. So, da macht man, da wartet man gar nicht erst irgendwie. Das macht man nicht vorher. Und mein Anspruch war ja immer, ich weiß gar nicht, ob ich das überhaupt dieses Jahr wieder vorhabe, aber ich habe ja immer dann versucht, diese 10 Filme bis zur Oscar-Verleiher zu gucken.

Daniela:
[1:31:35] 10 Stück sind das immer.

Christian:
[1:31:36] Ja, bis zu zehn. Ich weiß nicht, ob es auch immer exakt zehn sind oder ob es auch weniger sein können, aber die Kategorie Best Picture kann, glaube ich, zehn Filme beinhalten. Gerne sind da denn so ein, zwei, ich sag mal, auch etwas populärere Sachen drin. Ich glaube, früher war es auch gern mal so ein Avatar, der da irgendwie auftaucht, weil James Cameron halt viel Geld macht mit den Filmen. Kann man auch nochmal irgendwie mit reinholen. Lange Rede, kurzer Sinn. Ich habe mich auch gar nicht so sehr damit beschäftigt, dass ich jetzt irgendwelche Favoriten hätte oder weiß, welche als Favoriten gehandelt werden. Deswegen bin ich jetzt erstmal gespannt, was die Nominierungen überhaupt beinhalten werden. Welcher Film überhaupt irgendwie in Frage kommt und welcher nicht. Ich glaube, wenn der Podcast rauskommt, gibt es auch die Nominierung, dann könnte ich halt schon mal mich mit Maria zusammenschalten, welchen wir denn irgendwie da rausgreifen und vielleicht besprechen wollen.

Daniela:
[1:32:32] Ich drücke Superman auf jeden Fall alle Daumen.

Christian:
[1:32:35] Ich fände es ja lustig, wenn zum Beispiel der dritte Knives Out, Wake Up Deadman, wenn der nominiert wird in der Kategorie, dann haben wir nämlich einen Grund, den zu gucken und zu besprechen. Weil wir haben ja schon über den ersten gesprochen. Ja, wir haben den ersten besprochen. Manchmal gibt es so Glücksfälle, wo man sagt, alles klar, dann macht man das.

Daniela:
[1:32:51] Ich bin so lost. Ich weiß gar nicht. Ich habe überhaupt keine Ahnung, was da kommen könnte. Ich bin mal gespannt.

Christian:
[1:32:56] Also Emma Stone und Lantimos sind wieder im Rennen. Ich glaube zwei, drei Biopics. hier, ähm, Timothy Chalamet als Tischtennissspieler.

Daniela:
[1:33:05] Der spielt auch in jedem Film.

Christian:
[1:33:06] Jeremy Allen White hatte ja diese Bruce Springsteen Geschichte, die aber, glaube ich, eher gefloppt ist. Also auch kritisch, ja, fanden die Leute irgendwie nicht so Knülle. Also filmisch jetzt nicht so super, deswegen, aber, ne, es ist auch so.

Daniela:
[1:33:20] Aber Bruce Springsteen ist halt auch Born in the USA, also da kann man ja schon mal, aber gut.

Christian:
[1:33:25] Aber haben sie halt nicht gemacht, das ist irgendwie eine Geschichte über ein Album, ich bin auch nicht so firm bei Springsteen, aber das ist wohl irgendwie so ein ikonisches Album, was aber so sperrig ist und der Klassiker irgendwie so, kreativ total schwer und dann hatte er das Ding und dann war das Album, aber das ist so eine Debrie-Geschichte und alles irgendwie schwer.

Daniela:
[1:33:44] Jan ist ja so großer Springsteen-Fan und ich hab immer, wenn ich das in seinen Storys oder so sehe, denke ich mir, ah, ich müsste mich mal mit Bruce Springsteen beschäftigen, aber irgendwie ist die Hürde so hoch, ich weiß gar nicht, warum.

Christian:
[1:33:53] Same, und der Film ist es aber auch nicht. Der Film ist nicht der Film, der Springsteen abfeiert, Ist nicht so blöd wie er war, so ein Bohemian Rhapsody, so ein leichtgängiger, massentauglicher, oh wie tolles Springsteen-Film, sondern wohl irgendwie sehr nischig und selbst für Fans sperrig und damit grenzte alle Nicht-Fans noch mehr aus und ich habe einfach so gehört, dass die Leute sagten so, ja, da hat man sich vielleicht auch ein bisschen ... Zu sehr verrannt irgendwie in irgendwas und dann auch wohl irgendwie alles drumherum auch nicht so herausragend, dass es den Film nach oben zieht, dass man sagt, krasse Performance oder weißt du so, sondern alles irgendwie so ein bisschen, während halt das Jahr davor, dieser Bob Dylan Film, auch Timothy Chalamet in der Hauptrolle, halt eher die Leute erreicht hat und ich glaube auch damals die Nominierung bekommen hat.

Daniela:
[1:34:41] Musst der nicht mal Schauspielpause machen oder so, hat er jetzt wirklich genug gedreht?

Christian:
[1:34:45] Er will ja mit Ansage One of the Greatest jetzt werden. soll.

Daniela:
[1:34:49] Er mal machen.

Christian:
[1:34:50] Siehst du aber schon sind wir beim Thema Oscars und verrennen uns auch da irgendwie schon ja das stimmt.

Daniela:
[1:34:54] Ich will noch ganz schnell eine Filmentfehlung weil du gerade Jeremy Allen White gesagt hast wir hatten letztens einen sehr schönen Moment es gibt in unserem Leben ja mittlerweile selten den Moment, dass wir einen Film gucken zusammen, den wir beide noch nicht gesehen haben und wir haben The Ironclaw geguckt und ich möchte ich weiß nicht warum, aber dieser Film hat glaube ich einen ganz kleinen Spot in meinem Herzen, der immer aufglüht, wenn ich an ihn denke konnte. Ich möchte hiermit wirklich mal empfehlen. Ich glaube, der war jetzt nicht so erfolgreich. Aber ich fand den so gut. Also der hat mir so gut gefallen. Und dann dachte ich, ich droppe das jetzt hier nochmal kurz. Kann man auch gucken, wenn man sich für Wrestling überhaupt nicht interessiert.

Abmoderation

Christian:
[1:35:30] Das passt aber ganz hervorragend, weil dann brauche ich dich ja gar nicht fragen. Also dann machst du keine Werbung für dich?

Daniela:
[1:35:35] Nee, ich mache jetzt Werbung für The Iron Claw.

Christian:
[1:35:37] Finde ich gut.

Daniela:
[1:35:38] Und für Wrestling. Leute, lasst uns mal alle wieder anfangen, wie in den 90er Jahren Wrestling zu gucken.

Christian:
[1:35:44] So, jetzt muss ich das Ding ja wirklich zu machen. Wir kommen vom japanischen Toilettenputzer mit minimalistischem Lebensstil zu Wrestling der 90er. Und ich weiß nicht, wie wir den Bogen dahin geschafft haben, aber ihr könnt es ja nochmal nachhören. Genau. Also, mir bleiben noch zweieinhalb Dinge hausmeisterisch hier zu droppen. Nämlich ein paar Erinnerungen, wenn ihr das alles hier gehört habt, wenn es euch gefallen hat. Ihr kennt das Prozedere, aber Serviceleistung macht es auch einfach mal. Also, ihr könnt den Podcast abonnieren. Wenn ihr hier reingestolpert seid, herzlich willkommen. Es gibt noch sehr, sehr viele weitere Sendungen und auch sehr viele, die noch kommen werden. Abonniert den Podcast. Das geht auf jeder Podcast-Plattform, egal mit welcher App ihr das hier hört. Da gibt es die Möglichkeit, dran zu bleiben. Ihr könnt natürlich darüber hinausgehend oder auch gleich dazu den Podcast unterstützen mit einem Plus-Abo. Dann bezahlt ihr ein bisschen Geld und das unterstützt eben auch alle meine Podcast-Tätigkeiten hier. Das geht auf secondunitstudios.plus. Ihr dürft sehr gerne einen Kommentar, ganz oldschool, ganz klassisch, wie Internet 2005. Ihr macht einen Kommentar bei uns auf der Webseite. Die ist secondunit-podcast.de. Ich werde nicht müde, es zu betonen. Das ist viel, viel besser als einfach nur irgendwo in diesem Social Media irgendwas Vergängliches und irgendeine Rückmeldung, die niemand sieht, weil man muss euch folgen und ihr folgt.

Christian:
[1:37:03] Wir haben die Website, da ist ein Kommentarbereich und da könnt ihr Filmempfehlungen, da könnt ihr auch Meinungen zu dem Podcast, da könnt ihr alles so dalassen, dass alle anderen, die auch dahin gehen, auch sehen, was ihr dagelassen habt. Das finde ich eigentlich immer am besten. Das sind, wie ich mal sehr wohlwollend, liebevoll gesagt habe, das sind die Fußnoten zu diesem Podcast und die sind auch sehr, sehr wichtig. Also macht das mal. Und ansonsten, ja, alle weiteren Links, alle weiteren Dinge, die relevant sein könnten, findet ihr auch, wenn ihr jetzt auf eurem Gerät auf dem Display in den Notizen nachschaut zu diesem Podcast. Da sind alle Links zu allen Abonnier-Möglichkeiten, allen Social-Media-Folgemöglichkeiten, Newsletter, den wir einmal im Monat anbieten, kostenfrei, den könnt ihr auch abonnieren. Also mein Tipp ist ja mach das einfach mal, aber es ist zweifelhaft,

Outro

Christian:
[1:37:48] ich bin vielleicht auch etwas befangen bei der ganzen Sache also gut, in diesem Sinne vielen, vielen Dank fürs Zuhören und ja allen einen fantastischen und.

Christian:
[1:38:01] Fokussiert meditativen minimalistischen Start in das neue Jahr an dieser Stelle, Tschüss, bis zum nächsten Mal Tschüss.