Second Unit #368 – Der Soldat James Ryan

Artist: Second Unit Studios
Album: Second Unit
Year: 2025
URL: http://secondunit-podcast.de/

Chapters

0:00 Intro
0:21 Begrüßung
4:33 Danksagung
6:23 Vorverständnis
13:34 Plot
16:10 Cast
19:46 Film
1:41:30 Der 8. Mai als Gedenktag
1:58:47 Nächste Sendung: Tron: Legacy (#3DUnit)
2:00:05 Abmoderation
2:02:14 Outro

Transcript

Christian:
[0:22] Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe der Second Unit. Mein Name ist Christian Steiner und ich habe bei mir den wunderbaren David Noack. Hallo.

David:
[0:31] Hallo. Ja, schön wieder hier zu sein.

Christian:
[0:34] Ja, ich weiß nicht, ob der Anlass, doch der Anlass ist auch gut. Der Film ist auch gut. Wir haben viel zu besprechen. Ich bin gespannt, wie wir das machen und wo wir auch am Ende ankommen. Ich glaube, wir sind erstmal auch von der Filmsichtung beide noch ein bisschen überfordert. Und werden diese Diskussion, glaube ich, so spontan wie die Protagonisten des Filmes aufbauen oder so. Wir sprechen über der Soldat James Ryan, Saving Private Ryan, anlässlich, wenn alles gut geht und dieser Podcast pünktlich rauskommt, auch anlässlich des 80. Jahrestages der Befreiung vom Nationalsozialismus, Kriegsende in Europa, wie man das formulieren will. das werden wir am Ende vielleicht auch noch ein bisschen besprechen. Ein historischer Tag. Und ich dachte, da passt dieser Film ganz gut, der ja so als einer der besten Filme über den Krieg immer noch gilt. Und ja, du hast dich überreden lassen. Erstmal vielen Dank für die Bereitschaft. Und genau, wir werden das jetzt hier noch mal ein bisschen auseinanderdröseln.

David:
[1:47] Ja, da nicht für. Gerne, gerne.

Christian:
[1:50] Ja, man muss auch dazu sagen, du bist Historiker, Militärhistoriker. Das ist jetzt, glaube ich, nicht so ganz dein Steckenpferd, was in diesem Film passiert, aber?

David:
[2:00] Nee, also erstens habe ich neue Militärgeschichte studiert, also nicht nur sozusagen das Kanonenzählen und das Patronenzählen und dann wie viele Leute standen auf Schlachtfeld und Technik, Technik über alles sozusagen, sondern bei der neuen Militärgeschichte ging es darum, dass man mehr so Wechselwirkungen von Gesellschaft und Militär auch betrachtet und wie gesellschaftliche Entwicklungen sich im Militär auswirken oder andersrum und so. Also es war sozusagen eher auch eine Verschränkung mit Soziologie, Psychologie, Politikwissenschaft und so. Also einerseits das und andererseits mein Fokus, also von meiner Doktorarbeit oder auch meinen meisten Arbeiten liegen auf den 20ern und frühen 30er Jahren. Also sozusagen bis die Nazis an die Regierung kommen. Und ja, Zweiten Weltkrieg habe ich jetzt im Seminar auch schon mal behandelt und kenne mich auch grob aus, so ist nicht. Aber es ist jetzt nicht mein Spezialgebiet.

Christian:
[2:54] Ja, und vor allen Dingen, also das macht der Film ja auch nicht, den Kontext zu liefern, das, was du gerade gesagt hast. Also wenn es eine Wirkung von Gesellschaft und Zeit und größeren Auseinandersetzungen gibt es hier ja nicht, das will der Film auch nicht. Das ist ja wirklich, du hast es gerade so schön gesagt, also ich meine, er will jetzt ja auch nicht Patronenhülsen zählen, aber es geht schon sehr stark um das Erlebnis an diesem Tag, an der Landung dort in Omar Beach, an all diesen, ich sag mal, sinnlichen Erfahrungen, die dort gemacht wurden.

David:
[3:30] Ja, eine Sache nur noch, also wir werden später nochmal darauf zurückkommen, aber was ich auch erstaunlich fand, war, wie wenig Franzosen, Französinnen, Frankreich drin vorkommt. Also spielt in Frankreich, ja, und wir haben einmal die Szene mit der Familie, also wo dann der von Vin Diesel gespielte Charakter dann das Mädchen da retten will und dann wird er erschossen. Das sind aber die einzigen Französinnen und Franzosen, die drin vorkommen. Und sonst haben wir halt gar keine. Es geht um das Erlebte der US-Soldaten und nur der US-Soldaten. Und die Deutschen sind die Bösen und noch zwei Tschechen dazu. Aber das ist auch noch ein kleines Detail. Aber sonst alle anderen Alliierten, alle anderen Achsenmächte und die Zivilbevölkerung alle nichts damit zu tun. Das ist nur schon mal so als Vorbemerkung für spätere Sachen, die wir noch besprechen.

Christian:
[4:17] Ich freue mich schon darauf. Ich glaube, wir haben doch noch mehr zu diskutieren. und zu, Ich will nicht sagen streiten, aber ich bin gespannt. Lass uns mal reingehen. Ich will, wie immer, wir haben ja hier so ein paar Sachen, die wir vorher noch abhaken wollen und sollen.

Danksagung

Christian:
[4:34] Allen voran natürlich der Hinweis, dass ihr diesen Podcast unterstützen könnt und auch gerne sollt. Das Ganze geht am besten über Steady. Das könnt ihr in den Shownotes, da findet ihr Links zu Steady. Ihr könnt auch auf secondunit-podcast.de gehen. Dort findet ihr auch entsprechende Links zu der Steady-Kampagne, die dafür sorgt, dass ich mich auch immer mehr mit diesem Podcast beschäftigen kann. Podcasten ist Zeit, Zeit ist Geld. Ihr wisst, wie die Rechnung funktioniert. Und deswegen könnt ihr diesen Podcast über Steady mit einem Abo dauerhaft so unterstützen, dass die Podcasterei und auch die ganze Arbeit hinter den Kulissen, die halt auch nicht wenig ist, immer besser funktioniert. Also wenn ihr diesen Podcast hört, gerne hört, wiederholt gerne hört, lasst sehr, sehr gerne etwas da. Es gibt auch einiges an Goodies dafür. Also guckt euch da auch mal durch die Steady-Kampagne, auch durch die Beiträge. Ich bin immer noch dabei, einiges dort auf- und auszubauen und arbeite immer noch an einem Relaunch auch der ganzen Sache. Also klickt euch gerne schon mal jetzt rein.

Christian:
[5:37] Lohnt sich auf jeden Fall auch schon mal früh dort einzusteigen und dann kriegt ihr auch alles mit, was dort an Updates, an Neuerungen und eben auch an Bonusinhalten passiert. Ihr bekommt den Podcast früher, ihr bekommt Kapitelmarken, ihr bekommt Transkripte dazu, aber ihr bekommt eben auch exklusive Inhalte, Bonus-Podcasts. Das lohnt sich auf jeden Fall. Das machen auch einige Leute und das machen auch einige Leute so umfangreich, dass ich mich persönlich an dieser Stelle bei ihnen bedanke. Das ist Anne, Sebastian, Rüdiger und Thomas. Und wenn ihr euren Namen auch hier hören wollt, dann klickt euch da mal rein und durch und lasst ein Abo da, wie die Kids heutzutage so schön sagen. Genau. Vielen Dank für die Unterstützung und vor allen Dingen vielen Dank an alle, die das auch noch tun und vorhaben.

Vorverständnis

Christian:
[6:24] Ja, dann nähern wir uns dem Film über das Kapitel Vorverständnis, wie wir es nennen. Das interessiert mich ganz besonders. Saving Private Ryan, der Soldat James Ryan, ist ja auch irgendwie schon so ein Klassiker, 1998 rausgekommen, große Wellen geschlagen. Kannst du dich an die Erstsichtung erinnern? Wie oft hast du ihn gesehen? Was waren so deine Berührungspunkte mit dem Film und wie bist du vielleicht auch jetzt in diese Besprechung, in diese Wiederholungssichtung gegangen?

David:
[6:55] Also damals haben ja Filme drei Jahre gebraucht, ehe sie dann im Fernsehen liefen. Das muss ja dann 2001 gewesen sein und da war ich dann 13, also gerade Teenager und ja, Kriegsfilme gucke ich natürlich an und so. Also ich gehe ganz fest davon aus, dass ich das damals im Fernsehen, ich schätze mal ProSieben, geguckt habe. Ähm, Und seitdem immer wieder, ich habe auch eine DVD, jetzt auch eine Blu-ray. Und zuletzt ungefähr vor anderthalb Jahren, ich kann mich erinnern, vor einem Jahr war ich mit Becky. Becky war ja auch hier schon mal zu Besuch bei einem Filmquiz. Und dann kam eine Frage zu Soldat James Ryan und ich war der von uns in der Quizrunde, der das zuletzt gesehen hatte. Und die Frage war, wie viele Leute waren denn in dem Team, was Ryan retten sollte? Und dann bin ich nochmal so durchgegangen und habe gesagt, wie viele waren denn das? weil es werden ja auch immer weniger im Film, aber ja, die ursprüngliche Zahl war die Frage.

Christian:
[7:46] Ich wollte gerade sagen, Gegenfrage, wann?

David:
[7:48] Ja, ich glaube, als sie aufbrechen und ich hatte dann aber elf geschätzt, also weil ich irgendwie noch mehr gedacht habe, aber es sind ja eigentlich nur acht. Nee, aber es ist noch gar nicht so lange her, dass ich ihn zuletzt jetzt gesehen habe, also vor ungefähr anderthalb Jahren und dann jetzt nochmal vor ein paar Tagen. Und ja, es ist halt einfach so ein Staple. Also auch Band of Brothers war ja damals so ein ganz großes Ding und das war ja dann quasi die Serie zum Film, also natürlich mit anderen Charakteren, aber auch mit Spielberg und Hanks hinter den Kulissen und so.

Christian:
[8:15] Hast du das mal gesehen, Band of Brothers?

David:
[8:17] Jaja, das war damals, also da kann ich mich auch noch dran erinnern, das war ja auch damals im Fernsehen ein ganz großes Ding und das hatte ich damals verfolgt und dann, als man irgendwann die ersten DVDs und so hatte, dann das auch, dann auch The Pacific. The Pacific hatte ich auch noch mal vor zwei Jahren nachgeholt, weil ich dann nach Australien gereist bin und dann in Melbourne auch an einem der Drehorte von The Pacific war. Also, das ist nur eine ganz unbedeutende Szene, aber ich dachte mir, okay, ich kenne da was, was da gedreht wurde, also gucke ich mir das nochmal an. Und dann auch Masters of the Air, das war ja jetzt, das ist gar nicht so lange her, das war dann die dritte Serie und die habe ich auch verfolgt, dann extra nochmal das Apple TV Plus Abo nochmal scharf geschaltet und dann alles durchzuschauen und dann wieder abbestellt, bis dann For All Mankind oder so wieder kam.

Christian:
[9:04] Wie man das macht bei Apple TV Plus?

David:
[9:06] Ja, das ist ja nicht so ein großes Angebot. Also, es ist ein gutes Angebot, aber es ist halt nicht so groß. Und dann hat man immer die Banger-Sachen. Oder man holt sich gerade ein neues Apple-Gerät und dann hat man das ja eh... Meist dabei, aber ja, ne. Dafür habe ich es dann mal scharf geschalten, weil Masters of Air wollte ich auch angucken und habe ich auch angeschaut und fand ich auch gut. Also jetzt nicht außerordentlich. Also The Pacific fand ich jetzt von den drei Serien noch am schlechtesten, glaube ich. Und ja, Band of Brothers ist einfach legendär.

Christian:
[9:36] Ja, das ist lustig, weil, also deswegen bin ich nachgefragt, weil das ist für mich auch noch so ein, ich will nicht sagen, heiliger Gral, aber ich kann mich auch genau, also ich weiß, also Anfang der 2000er stand ich dutzendfach vor dieser DVD-Box, Aber ich habe nie zugeschlagen. Ich habe die Serie bis heute nicht gesehen. Ich habe der Soldat James Ryan, ich weiß nicht, wie oft jetzt gesehen, aber bestimmt auch nochmal irgendwie im Filmstudium oder zumindest ausschnittweise. Also hatte den Film auch jetzt schon ein paar Mal gesehen, aber auch lange nicht mehr. Lange nicht mehr gesehen und auch gar nicht mehr. Also die Szenen, die Versatzstücke waren mir noch bekannt. Also gerade die Eröffnung, Orma Beach, da die Stürmung, das war, also das geht auch nicht mehr weg. Das ist ja filmisch, also wirklich legendär auch.

Christian:
[10:30] Und tatsächlich musste ich öfter an ein Videospiel denken, und zwar die Medal-of-Honor-Reihe. Und in der Recherche bin ich darüber gestolpert, dass Spielberg da auch seine Finger mit im Spiel hat, dass die irgendwie auf ihn zurückgeht. Und ich kann mich nämlich an das PlayStation-2-Spiel namens, ich glaube, Frontline erinnern. Das müsste der dritte Teil oder so gewesen sein. Und, Und irgendwie war das so damals auch, ich weiß nicht, ob ich das zum Start auch gespielt habe, aber ich habe das gespielt und das war so die Zeit. Und ich kann mich erinnern, dass dieses Spiel halt so große Wellen geschlagen hat, weil es quasi diese Eröffnung aus dem Film nochmal so nachspielen lässt. Und ich meine, das ist irgendwie auch 20 Jahre alt, glaube ich, das Spiel oder älter als 20 Jahre, so der Film ja auch. Also der Film ist ja auch schon älter als 25 Jahre jetzt an dieser Stelle. Meine Güte. Und ich habe, also in meinem Kopf ist so diese Mixtur aus Film und Spiel, die, glaube ich, diese Szene so ich sag mal so eingebrannt hat und auch diese Stimmung, dieses.

Christian:
[11:42] Gefühl so, das ist irgendwie tief hinten im Kopf, im cineastischen, medialen Kopf eingebrannt, so, ich glaube, darum sollte es auch gehen bei beiden Sachen und, ähm, ja, daran musste ich irgendwie immer denken und war jetzt aber bei der Filmsichtung auch doch wieder überrascht. Ich wusste, dass ich Vin Diesel sehen werde und dass mich das nicht mehr überraschen wird, aber es waren dann ganz andere Cameos, die mich dann wieder überrascht haben und die gezeigt haben, dass ich den Film länger nicht geguckt habe.

David:
[12:10] Aber, ähm, Ted Danson, Ted Danson ist einfach mal dabei.

Christian:
[12:14] Brian Cranston.

David:
[12:16] Ja, ohne Arm. Oder nur mit einem Arm. Paul Giamatti.

Christian:
[12:22] Ich bin ähnlich wie die Wand umgefallen, als ich ihn gesehen habe.

David:
[12:29] Also zu Giamatti, da hatte ich nur überlegt, also einerseits, im Honest Trailer wird Tom Hanks als America's Dad bezeichnet und bei Paul Giamatti musste ich auch daran denken, das sind jetzt keine Action-Helten oder so, sondern die sehen halt aus wie normale Menschen und Tom Hanks erzählte da noch, er ist irgendwie Lehrer und ist jetzt da einfach nur eingezogen und dann dahin geschickt worden und Paul Giamatti sieht jetzt auch nicht so aus, als wenn er irgendwie der Boxer aus der Nationalen Liga wäre oder so, sondern vielleicht auch nur Lehrer in seinem Kaff war und dann eingezogen wurde und dann halt diesen, Offiziersrang hatte und dann da über Schlagfeld läuft. Also ich fand interessant, dass sozusagen die Soldaten natürlich, du hast auch für den Diesel irgendwie, als Tier, aber du hast dann auch den Übersetzer, der eher so der schmächtige Nerd ist, der kaum eine Waffe abgeschossen hat und dann halt irgendwie der Lehrer, der dann der Chef ist. Also es ist so auf der männlichen Seite schon so ein Querschnitt der Gesellschaft. Oder er soll das wahrscheinlich abbilden. Wobei natürlich alle weiß sind. Das muss man auch dazu sagen. Aber ja, anderes Thema wieder. Aber ja, fand ich schön, dass dann auch Paul Giamatti da auftauchte und auch Offizier war.

Plot

Christian:
[13:34] Lass mal reinspringen. Du hast ja die ehrenvolle Aufgabe, nochmal an den Inhalt zu erinnern. Oh.

David:
[13:43] Ein Satz oder drei Sätze oder wie viel habe ich?

Christian:
[13:46] Wie du willst. Du kannst es auch, also ich weiß auch nicht, ob du es auf drei Worte runterbrechen kannst. Du hast alle Freiheiten, die du haben willst.

David:
[13:53] Ja, ich musste ja mit den ganzen AI-Diskussionen und so und überlegen, ist dieser Typ, dieser alte Ryan, ist das Matt Damon nur mit dem besten Make-up, was ich je gesehen habe? Oder ist es einfach nur ein Schauspieler, den sie richtig gut gecastet haben? Aber nee, es war halt ein anderer Schauspieler. Aber es beginnt ja mit ihm und endet ja mit ihm und sozusagen ein alter Veteran des Zweiten Weltkriegs erinnert sich, wie er im Zweiten Weltkrieg nach der Landung in der Normandie durch die Westalliierten von einem Trupp von acht Soldaten gerettet wurde. Das ist das Ding, wobei er ja gar nicht in der Normandie dabei war, aber das ist natürlich die Szene, wofür der Film bekannt ist. Also es beginnt dann nach dem pathetischen oder nach dem sehr großen Pathos mit dem Friedhof und wir haben die US-Flagge und die französische Flagge gesehen, beginnt es ja dann mit dieser Landung an Omaha Beach, was ja dann einfach so ein cultural thing geworden ist. Also du hast von Medal of Honor geredet. Ich habe damals Battlefield gespielt und Call of Duty gab es ja auch. Und die waren ja damals alle Zweite-Welt-Krieg-Spiele. Also das war ja irgendwie das Ding, in jedem Spiel musstest du diese Schlacht nachspielen. Und das war ja dann so wichtig. Und ja, also ein alter Veteran des Zweiten Weltkriegs erinnert sich daran, wie er im Zweiten Weltkrieg gerettet wurde. Punkt.

Christian:
[15:12] Ja, und auch da schon sehr schön. Da werden wir vielleicht auch noch im weiteren Gespräch drauf kommen. Ich sage mal, diese... Falsche Finte, die da gesetzt wird. Also der Film, der ja eben mit dem Veteran unbenannterweise anfängt und dann springt der Film mit filmischen Mitteln, Kameraarbeit auf Tom Hanks rüber. Und natürlich, wir sind ja geschult. Wir gucken ja nicht den ersten Film so für uns. Wir wissen, aha, da scheint sich ja jemand zu erinnern, wie es war an diesen Boten in dieser Situation. Und da arbeitet der Film ja mit all seinen bekannten Mitteln und Wegen, um uns zu suggerieren, dass das die gleiche Person ist. Dann kommt ja am Ende der in Anführungszeichen große Twist, dass wir erfahren, nee, es ist eben nicht der Captain Miller, der sich da erinnert, sondern es ist der titelgebende Private Ryan.

Cast

Christian:
[16:09] Genau. Lass uns mal ein bisschen die Liste einfach durchgehen und mal gucken, über wen wir vielleicht ein bisschen mehr oder weniger zu sagen haben. Die Liste ist lang. Deswegen ich würde mal sagen, je weiter oben, desto mehr haben wir auch zu besprechen. Nämlich an allererster Stelle, würde ich sagen, Steven Spielberg, der die Regie übernommen hat.

David:
[16:31] Darf ich gleich dazu einsteigen oder willst du erst mal alle durchgehen?

Christian:
[16:35] Weißt du was? Ich gehe erst mal alle durch. Und dann können wir uns ein bisschen rauspicken, über wen wir vielleicht, das ist vielleicht die beste Variante. Also, Steven Spielberg, wir haben das Drehbuch von Robert Rodat. Wir haben die Kamera von Janusz Kaminski. Spielberg, wie sagt man?

David:
[16:50] Standard.

Christian:
[16:51] Genau, Standard. Musik John Williams, auch ein gern gesehener Spielberg-Kollag. Das Ganze ist inspiriert von einem Buch, das heißt D-Day, June 6, 1944, The Climatic Battle of World War II von Stephen E. Ambrose. Das Buch ist 94 erschienen. und dann haben wir den Gast. Tom Hanks als Captain Miller, Tom Sizemore als Sergeant Howarth, Edward Burns als Private Raben, Barry Pepper als Private Jackson, das ist der Scharfschütze, Adam Goldberg als Private Mellish, Vin Diesel als Private Capazzo, Giovanni Ribisi als Medic, Jeremy Davis als Corporal Upham, von dem hast du auch schon erzählt, der Nerd-Charakter. Ja, der halt auch eigentlich gar nicht zum Kämpfen da ist, sondern glaube ich, er als Kriegsberichterstatter irgendwie da fungiert oder Übersetzer.

David:
[17:46] Übersetzer, also weil er dann mit den Einheimischen auch und mit den Deutschen reden muss.

Christian:
[17:49] Genau, Matt Damon als Private Ryan, Harrison Young als Old Ryan, Ted Danson als Captain Hamill, Paul Giamatti als Sergeant Hill, Nathan Fillion als Minnesota Ryan, der ja kurz...

David:
[18:03] Sehr traurig war, ganz kurz sehr traurig war.

Christian:
[18:06] Ja, genau, der gefunden wurde, obwohl er der Falsche war. Ähm... Dann haben wir Bryan Cranston als War Department Colonel. Andrew Scott als Soldier on the Beach, wie er genannt wurde.

David:
[18:19] Habe ich nicht erkannt.

Christian:
[18:20] Habe ich auch nicht. Das ist mir gerade eben auch erst aufgefallen, dass der doch gelistet ist. Und ja, das ist eigentlich erst mal so der Cast, Crew und Cast. Vielleicht hast du da ja ... Jetzt kannst du rauspicken.

David:
[18:34] Also es ist ja Spielbergs dritter Zweite-Weltkriegs-Film. Es gab ja erst mal diesen 1941, was so eine Militärklamotte-Komödie war. Den habe ich auch noch nicht gesehen. Und der ist auch irgendwie legendär. Und der war ja auch ein großer Flop. Und deswegen hat er auch in der Jones gedreht, um dann zu zeigen, ich kann auch im Budget bleiben und trotzdem was Tolles abliefern und so. Das war ja irgendwie so sozusagen der Malus in seinem Lebenslauf. Und dann halt Anfang der 90er halt Schinders Liste. Das ist ja dann sozusagen das krasse Ding in den 90er Jahren und dann auch nochmal für diverse Debatten in den 90ern. Und dann als dritter Film nach einer Komödie und einem sehr ernsten Drama dann sozusagen, ich sag mal, einen klassischen Kriegsfilm dazu. Also das, was ja eigentlich beim Zweiten Weltkrieg, also ja, der Kriegsteil vom Zweiten Weltkrieg sozusagen. Aber fand ich an einem interessanten Punkt in seinem Schaffen so. Also Jurassic Park ist vorbei, Lost World.

Christian:
[19:34] Hat er auch gerade abgedreht, ja.

David:
[19:36] Ach, auch gerade durch. Und dann das, also quasi die 90er waren entweder Dinos oder Zweiter Weltkrieg.

Film

David:
[19:43] Das ist eine krasse Phase von Spielberg, ja.

Christian:
[19:48] Der Kameramann Kaminski hat ja irgendwie auch schon da mitgearbeitet. Und es gab für mich echt so, also wir springen, wir werden sehr viel springen. Und zwar gab es da auch echt so ein paar Szenen, die sich am Ende, wo die deutschen Panzer da in diese französische Ruinenstadt bei der Brücke, die sie halten müssen, da so reinplatzen, wo ich dachte, okay, das ist der T-Rex. Also die Inszenierung, diese überraschende Gewalt auch im Ton, da hast du durchaus handwerkliche Mittel und handwerkliche Erfahrungen, glaube ich, von einem Film in den nächsten mitgenommen. Also die Kriegsmittel ähnlich, ich sag mal bestialisch, wie diese Dinos zu inszenieren, das ist auch naheliegend so. Aber das war so ein Detail, wo ich einfach schmunzeln musste, wo ich dachte, okay, da merkst du schon die Erfahrung von Spielberg und auch von Kaminski an der Kamera so, wie man da vorzugehen hat. Ja, also das, genau.

David:
[20:59] Und diesen Robert Rodart Drehbuch, also ich muss jetzt nochmal gucken, weil sonst sagt der mir gar nichts.

Christian:
[21:06] Hat auch gar nicht so viel gemacht, das war irgendwie auch so, ich habe ein bisschen mich eingelesen, jetzt muss ich mal kurz überlegen, wie das noch war. Also der hatte, glaube ich, irgendwie dann auch dieses Buch gelesen und war, glaube ich, irgendwo auf einem Militärfriedhof. Also es gibt ja diese, also die Geschichte oder die Frage ist ja so, ist das wirklich so passiert? Basiert das auf einer wahren Begebenheit und so, was ich irgendwie verstanden habe? Nein, nicht direkt, aber die Umstände schon. Es gab irgendwie diese Nylon Brothers, die glaube ich auch im Zweiten Weltkrieg irgendwie gedient haben. Das waren glaube ich vier Brüder.

David:
[21:42] Nee, fünf waren es sogar. Das waren fünf auf dem Kriegsschiff in Guadalcanal, also im Pazifik, dann untergegangen. Also sie haben auch auf dem gleichen Schiff gedient und dann ist das untergegangen und dann war so, oh krass, jetzt hat irgendwie die Mutter und der Vater natürlich auch irgendwie alle ihre Kinder gleichzeitig verloren. Und deswegen wurde diese Soul-Survivor-Politik angefangen, dass dann bei so vielen Kindern, dass dann einer nach Hause geschickt wird. Aber es war halt eher sowas Administratives, dass dann halt einer einfach den Befehl bekommen hat und dann wieder nach Hause gegangen ist. Und es wurden nicht andere Leute losgeschickt, was ja auch ständig im Film von den beteiligten Soldaten kritisiert wird. Warum riskieren wir hier acht Leute von uns selbst, damit dann dieser eine Typ überlebt? Das hat es allerhöchstwahrscheinlich so nicht gegeben. Aber es gab diesen Ansatz, dass bei großen Familien, dass wenigstens einer überleben sollte. Und vor allem Zweiter Weltkrieg, also 20er, 30er Jahre, gab es ja nochmal große Weltwirtschaftskrise und dann auch eine Rückbesinnung sozusagen auf die Landwirtschaft im eigenen Land. Und wenn dann natürlich alle Nachfahren sterben, was passiert da mit dem Hof? Das ist dann immer so was, sozusagen aus so einer ernährungspolitischen Sicht. Also da wird es ja wahrscheinlich nicht um die Arbeiterfamilien aus Brooklyn gehen, sondern da geht es dann eher auf das... Um das Land, sehen wir auch bei der Mutter, die ist ja auch vor so einem Feld, das ist ja sozusagen Mittelamerika, das richtige Amerika, wie der aktuelle Präsident sagen würde. Um die Leute geht es da und da leben hauptsächlich Weiße. Ja, genau.

Christian:
[23:06] Und diese Soul Survivor Policy, das hatte ich auch gesehen, die ist dann 1948 erst, also auch durch die Erfahrung des Zweiten Weltkriegs sozusagen, wirklich in Policy umgewandelt worden und dann auch irgendwie nochmal hin und her gewechselt, irgendwie im Vietnamkrieg nochmal ein bisschen, ausgehebelt und so, weil es dann ja irgendwie auch verschiedene Abstufungen gab, auch irgendwie was das Drafting angeht, also das halt schon beim Einzug ins Militär irgendwie darauf geachtet wurde und ich kenne das zum Beispiel auch noch aus meiner Schulzeit, ich musste also ich musste ja auch noch verweigern und Zivildienst und da gab es dann auch die Regelung, dass der dritte Sohn einer Familie auch zum Beispiel gar nicht erst wenn ich das richtig verstanden habe, weder das eine noch das andere musste.

David:
[23:49] Aber ich glaube, der musste das aber anmelden, dass er der dritte Sohn ist. Das kann sein. Also es war nicht automatisch, sondern du hast halt angemeldet, ich bin übrigens hier Sohn-Nummer und ich möchte wenigstens überleben, selbst wenn der eine Pfleger und der andere, keine Ahnung, was soll Aber ich kann mich an diese Diskussion erinnern.

Christian:
[24:04] Sodass man da halt sozusagen im Jahrgang dann die, in Anführungszeichen, glücklichen, die es gab, die sozusagen schon direkt irgendwie an die Uni durften oder halt in die Arbeit oder wie auch immer der weitere Weg war. Aber das ist auch ein kleiner Wurf in die Vergangenheit, der mich auch irgendwie überrascht hat bei der Filmsichtung. So dieses Pling, was im Kopf aufging, so, ah ja, ja, stimmt, das gab es ja auch mal. Also Zivildienst, Wehrdienst und so. Wäre Pflicht. Aber wir wollen gar nicht so viel über die Gegenwart sprechen. Wir wollen das versuchen, am Ende dieser Diskussion so ein bisschen zu machen. Ich weiß nicht, wie wir einsteigen sollen. Vielleicht tatsächlich so über den, Einstieg auch des Filmes, über diese filmische Klammer, über diesen Übergang auf D-Day, auf die Stimmung von Omar Beach. Wie hat das alles so für dich funktioniert? Wie ist für dich der Film? Wie hat er angefangen? Wie hat er dich irgendwie reingeholt? Das hast du ja schon auch ein bisschen in der Zusammenfassung angedeutet. Die Flaggen, die wehen und durchaus der Pathos, der da aufgemacht wurde. Wie war das so für dich?

David:
[25:17] Ja, es ist halt schon ein mächtiger Anfang. Also wenn man den lange nicht gesehen hat, dann vergisst man immer, dass diese erste Friedhofszene davor war und der Film halt nicht mit Omaha Beach anfängt, sondern erst mal auf so einem ruhigen Friedhof. Ja, nee, aber dadurch, dass ich den ja erst vor anderthalb Jahren gesehen habe, hatte ich das noch auf dem Schirm und dann ist es erst mal so ein ruhiger Start, so ganz ruhige Williams-Musik und dann ist halt dieser Knall und diese Kriegsszene, es ist halt, Also ich würde sagen, es ist eher untypisch Spielberg, weil du ja dann auch teilweise gar keine Musik hast und dann passieren komische Sachen mit der Kamera, also Dutch Angle und so haben wir später auch, aber auch, dass sie dann irgendwie auf einzelne Leute fokussiert und du siehst ja auch die ganze Zeit in Omaha Beach kein Gesicht von den Deutschen. Also ich glaube, dass erstmals die zwei tschechischen Kriegsgefangenen erschossen werden, siehst du zum ersten Mal Gesichter von Deutschen. Und sonst hast du ja immer nur so Helme und die sehen auch sehr dunkel im Gesicht aus. Also man sieht überhaupt nicht, was für eine Mimikgestik die haben. Du siehst die ganze Zeit immer nur die US-Amerikaner.

Christian:
[26:17] Und vor allen Dingen auch keine Totale oder sowas. Das ist mir auch aufgefallen, das fand ich auch ganz stark. Du bist in diesem Chaos, also der ganze Aufbau ist ja schon fantastisch. Wir springen ja so auf die Augen von Tom Hanks, die Kamera fährt dann ja weiter nach hinten in diesem Schiff. Ja, er ist irgendwie da so relativ am Ende, aber mittig so eingerahmt und wir sehen immer mehr und mehr Soldaten. Der eine übergibt sich, der nächste betet so die, die und du merkst, okay, wir sind auf einem Schiff. Ja, wir fahren jetzt hier irgendwie drauf los. Dann fängt er an zu sprechen, so nach dem Motto, okay, der Plan ist irgendwie folgender und zuerst dies und dann haben wir das und dann kommen noch die und alles ist so durchgetaktet und dann geht die Klappe auf und wir haben halt eben nicht den Blick von oben, von außen. Wir sehen keine Distanzen, keine Relation. Wer ist wo? Wo ist das Ziel? Wie kommen wir von A nach B nach C nach D oder so? Das haben wir alles ja null. Das ist halt dann Klappe auf, alles explodiert, raus da, nass, wackelig. Oben ist unten, unten ist oben, links ist rechts. Wir wissen gar nichts und es knallt und auch diese...

Christian:
[27:22] Dieser Shell-Schock, dieser piepende Ton, also der Käpt'n Müller landet da ja irgendwie auch an Land und ist ja auch völlig orientierungslos erstmal, hört nicht richtig und das fand ich halt auch total krass gemacht und das meine ich, das ist so das erfahrene Handwerk aller Beteiligten und das war ja auch eine riesen Materialschlacht, das Ding irgendwie zu drehen, allein irgendwie, glaube ich, 12, 15 Millionen Dollar des Budgets sind halt nur darauf gegangen, die haben vier Wochen gedreht, die haben da mehrere Takes für gebraucht und wussten, Auch wenn hier irgendwas schief geht, dann müssen wir hier irgendwie tagelang die Arbeit sozusagen wieder zurücksetzen und das war schon echt alles auch ziemlich, ziemlich krass in der Produktion und auch noch eine filmische Zeit, die das halt eben wirklich im Sand, im Staub, im Dreck gemacht hat. Und da setzt der Film halt schon gleich tonal große Ansagen. Manche kritisieren es vielleicht auch und sagen, der Film wird nicht mehr besser als diese Eröffnung. Aber das ist halt wirklich ein Bang, mit dem der Film startet.

David:
[28:27] Ja, die Szene, da wurde auch mit ganz vielen Veteranen gedreht, also auch die dann schon Arme und Beine amputiert haben, damit man dann filmisch inszenieren kann, dass das halt nochmal abgesprengt wird. Also um es dann nochmal realistischer zu machen. Und die totale, die haben wir ja dann, als die Schlacht vorbei ist, als dann der Flammenwerfer in den Bunkern war und dann sich sozusagen das alles so ein bisschen auflöst und dann geht mal so die Kamera raus und dann sieht man diese ganzen Luftschiffe und Ballons da und diese ganzen Schiffe, die da anladen, so wirklich ganz am Ende, während ja traditionell man ja eher sozusagen den Überblick geben würde, okay, das hier sind die vier Uferabschnitte und da landen jetzt die Amis und wir zoomen jetzt da rein, aber dann hätte man ja erwähnen müssen, dass da Kanadier auch noch gelandet sind. aber das kommt ja in dem Film alles nicht vor. Ja, nee, aber ja, interessant, es beginnt sozusagen bei ihm auf diesem Landungsboot, da auch einer der wenigen historischen Fehler, diese Landungsboote wurden hauptsächlich von Briten gesteuert. Also der Armee, der die Ansage macht, gleich geht die Klappe runter hier in 30 Sekunden und so, das war wahrscheinlich im realen Leben ein Brite.

Christian:
[29:30] Also ich habe auch schon so einige YouTube-Videos nochmal nachgeschaut, da gibt es glaube ich auch so einen ganzen, Historiker reagierend zu Saving Private Ryan. Also die Liste ist lang an Fehlern, aber alle sagen so atmosphärisch auf den Punkt.

David:
[29:47] Ja, kommt das schon nah dran. Und Jimmy Doohan, der Darsteller von Scotty, der ja auch bei der Landung dabei war, der hat ja damals dann auch Steven Spielberg, dass er das besonders Realistische, besonders nah am Original inszeniert hat. Das ist natürlich krass, weil es ist jetzt schon 30 Jahre her, Mitte der 90er, aber damals war halt der Krieg erst 40 Jahre her. Also da haben halt noch Leute gelebt wie Jimmy Duhon, die dann auch noch auf dem Schlachtfeld da waren. Das ist natürlich heute was anderes so, aber ja, da gab es noch Überlebende. Ja, und was ich noch interessant fand, die Soldaten haben um ihre Gewehre so Plastiktüten drum, rum, damit die halt nicht nass werden, was natürlich bei so einer Landung am Wasser super sinnvoll ist. Und Tom Hanks, also Captain Miller, der hat noch ganz lange diese Plastiktüte rum. Also er läuft da die ganze Zeit mit seinem Gewehr rum, aber es ist ja klar, er schießt nicht, sondern er muss erst mal irgendwie sagen, ja, wir müssen jetzt hier raus und die Leute müssen da aus dem Wasser und da habt ihr irgendwie so ein bisschen Schutz und da können wir dann unterkommen so. Aber er trägt die ganze Zeit diese Plastiktüte mit sich rum und er schießt überhaupt nicht. Er gibt halt ein paar Befehle, aber ja.

Christian:
[30:53] Das ist mir gar nicht aufgefallen. mir, also was ich halt so stark fand, war dieser Gegensatz. Ja, also erst noch so im Boot, okay Jungs, folgendes passiert, erst dies und dann das und der Plan und dann kommen sie alle, Klappe auf, komplettes Chaos, alles durcheinander und so, scheiß auf den Plan, hier ist die Hölle auf Erden, also hier ist nichts mehr mit Plan und irgendwie, irgendwie durchkommen ist so die Devise und das fand ich halt auch einfach so total krass inszeniert im Gegensatz, also.

Christian:
[31:25] Und ich glaube, darum geht es dem Film ja auch. Diese Kriegserfahrung, also es ist ein Film über den Krieg. Es ist ein Film über diese Kriegserfahrung. Und ich finde, das macht der, ich war nicht in dem Krieg und ich hoffe es auch niemals sein zu müssen. Und ja, ich kann nur hypothetisch davon sprechen, aber also diese Stimmungsebene, dieses Gefühl ist eigentlich das, was der Film da transportieren will. Und dann eben, da sprechen wir auch noch drüber, Also die verschiedenen Ebenen, so wieso, weshalb, warum und was dann eben auch noch innerhalb dieses Kriegssettings für einzelne Episoden und Momente und Motive passieren, so das nochmal hinten angestellt. Aber es geht erstmal um dieses erste Erleben, um dieses Gefühl, um dieses Chaos, um diese Bedrohlichkeit, Gefahr, aber auch so die Hölle auf Erden trifft es eigentlich so. Das ist halt, wie du sagst, mir fällt es auch ganz schwer, darüber zu sprechen, weil das einfach diese ganzen Eindrücke so sind, wie du sagst. Also das Wasser ist rot, die toten Fische werden an Land geschwemmt, die Leichen fliegen durch die Luft, es knallt, es pengt, es ist, sag ich ja, also überhaupt zu wissen.

Christian:
[32:42] Also das transportiert der Film so gut, zu wissen, wo man überhaupt gerade ist, ist halt unmöglich an der Stelle. Und das unterstreicht auch, glaube ich, so diese Mission und dieses Unterfangen, Und ich glaube, darum geht es dem Film auch erstmal. Und da war ich auch überrascht, erneut überrascht, wie stark der Film da auch irgendwie ist und was er dann auch damit eigentlich erzählen will. Also ich hatte zum Beispiel in dem Moment noch nicht das Gefühl, dass jetzt hier der große Patriotismus aufgemacht wird, den ich in den ersten Momenten halt erwarte. In Form der amerikanischen Flagge und Salud vor dem Grab und so. Da ist er dick aufgetragen. Aber ich fand diese erste Szene, diese ersten 20 Minuten da am Strand halt recht universell erzählt. Jetzt darf man gern widersprechen.

David:
[33:30] Also erstmal noch zur Inszenierung. Also Krieg ist Chaos und Krieg ist einfach die Hölle. Und was mir diesmal besonders aufgefallen ist, war ein Soldat, der steht dann da und der hat nur einen Arm und er hebt vom Boden dann seinen anderen Arm auf, der halt irgendwie abgesprengt wurde. Und das war halt einfach so ein mächtiges Bild, weil in so einem Moment, wenn dir dann der Arm da weggefetzt wird, da denkst du nicht drüber nach, kann man den wieder annähen oder soll ich den jetzt mitnehmen oder so, sondern das ist einfach so unlogisch und einfach so schlimm.

Christian:
[33:57] Ist das Bild auch, der weiß gar nicht, wohin denn mit. Ich glaube, der legt den auch irgendwie nochmal ab und dann fällt ihm ein, jetzt habe ich ja nur noch eine. Also das ist so absurd, aber genau diese Bilder, das, ja.

David:
[34:07] Ja, das ist Krieg. So, und dann zur Inszenierung und universell oder patriotisch oder nicht. Also ich habe ja schon angemerkt, so die Briten fehlen am Anfang schon, die das Schiff hätten steuern sollen. Und das ist halt eine sehr, sehr US-amerikanische Erzählung. Also Omaha Beach war halt ein Abschnitt, wo US-Amerikaner gelandet sind. Es gab noch andere, wo auch Briten, Kanadier, Exil-Tschechoslowaken, Exil-Polen gelandet sind. Die werden alle nicht erwähnt, die kommen alle überhaupt nicht vor. Der Krieg besteht nur aus US-Amerikanern auf alliierter Seite.

Christian:
[34:39] Weißen US-Amerikanern, ja.

David:
[34:42] Ja, das kommt noch hinzu. Also das ist wahrscheinlich sogar eher realistisch, weil die schwarzen Einheiten dann eher so rückwärts der Front oder so eingesetzt wurden oder in separaten Einheiten. Ich weiß nicht, wie es genau mit den Einheiten da an Omaha Beach aussah. Aber das ist nochmal so in der US-amerikanischen Dynamik, aber es ist auch sehr, sehr US-amerikanisch. Also ich fand krass, und das ist mir auch diesmal zum ersten Mal aufgefallen, dass da auch Priester mit dabei sind, Also da sind Soldaten halt mit dem Roten Kreuz drauf. Die kümmern sich dann um die Verletzenden. Davon gibt es ja genug da. Und dann hast du aber auch Shots auf Soldaten mit so einem Kreuz drauf und die dann da beten, wo ich dachte so, okay, wie militärisch sinnlos ist das denn, dass du deinen Priester damit absetzt? Also ja, für die Moral kann das vielleicht helfen. Aber du hast ja gesehen, die Klappe geht auf, das Maschinengewehrfeuer kommt rein, die erste Welle fällt tot um und der Rest muss irgendwie aus dem Schiff springen, um irgendwie zu überleben. Wo hast du da Zeit für einen Priester? Aber das fand ich natürlich US-amerikanisch sehr christlich. Wir haben ja auch diesen einen christlichen Fundamentalisten aus dem Süden, der dann immer mit seinem Kreuz und immer seinen Spruch da bringt. Der ist dann auch einer von dieser Motley-Crew von Leuten in der Einheit.

David:
[35:57] Aber es ist sehr, sehr US-amerikanisch. Und ich habe nur überlegt, wo kommen denn Franzosen vor? Und das ist halt nur die Familie da. Da wird dann auch einmal Französisch gesprochen. Ich glaube, das ist doch das einzige Mal neben einer Sekretärin, dass vielleicht eine Frau spricht. Also ja, Genderrollen ist eh nochmal komisch. Also dass die Franzosen halt gar nicht vorkommen. Okay, in dem Moment an Omaha Beach, da hat es gepasst. Aber es ist halt sehr, sehr US-amerikanisch und sehr so eine Binnensicht.

Christian:
[36:28] Also auf jeden Fall. Das würde ich auch gar nicht widersprechen. Das ist, glaube ich, auch Absicht bei dem Film, das Ganze so auf US-amerikanische Perspektive so zuzuschneiden. Ich finde es nur so bemerkenswert, dass es dabei halt auch, also es geht, es ist im Krieg verankert, aber der Krieg selbst und Ideologien und, ich sag mal, weltpolitische Ebenen werden in dem Film eigentlich kaum besprochen oder verhandelt.

David:
[37:00] Ja.

Christian:
[37:00] Das fand ich halt so krass, dass es jetzt nicht, we are here to kick some Nazi ass and we are the good guys oder so, sondern alle, die da, also das ist so auf, ich sag mal so, so auf Augenhöhe, auf Ground Level alles runtergebrochen, was mich so überrascht hat, dass jetzt nicht irgendwie die großen, auch Sprünge aus dem Kriegssetting heraus, aus der Front heraus gemacht wurden, die jetzt nochmal, ne, Texttafeln, die jetzt alle Veteranen nochmal irgendwie hervorrufen. Vorheben und mit Zahlen spielen und alles einordnen, sondern es ist halt so auf diese Momenthaftigkeit runtergebrochen, auf dieses nackte Überleben erstmal auch in diesem Setting und dann kommt halt diese Mission von außen reingetragen, die dann auch, darüber müssen wir auch noch sprechen, ja und das hat mich auch überrascht, halt immer wieder die Mission nicht unbedingt in Frage stellt, aber verhandelt. Also die große Aussage in meinen Augen, also die Quintessenz dieses Filmes ist die Frage, wie viel ist ein Menschenleben im Krieg wert? Und die Antwort ist, kommt ganz drauf an.

Christian:
[38:12] Und das hat mich überrascht, dass das in einem Film drinsteckt. Ja, natürlich, es ist Spielberg und es ist Hollywood und es ist auch weiß ich nicht, America's Favorite Dad, Tom Hanks. Das ist schon alles, also amerikanischer geht's nicht, ja aber es ist dann eben doch in der Verhandlung und finde ich in den Motiven hat es mich nochmal überrascht, worum es da eigentlich geht.

David:
[38:42] Also erst mal zur Ideologie. Es ist schon erstaunlich, dass der Holocaust halt gar nicht vorkommt oder Antisemitismus oder so. Wir haben einmal die Szene, wo Adam Goldberg dann an den Nazis, die kapituliert haben, dann so daneben steht und sagt, Jude, Jude, um sich sozusagen über die lustig zu machen, ist jetzt vielleicht falsch gewähltes Wort, aber ja, um denen zu zeigen sozusagen, dass die jetzt gewinnt, also dass er jetzt gewinnt in dem Fall.

David:
[39:08] Das ist interessant, vor allem nach Schindlers Liste, wo es ja dann ausschließlich um die Shoah, den Holocaust ging, dass das so gar keine Rolle spielt. Man hätte ja auch Zwangsarbeiter auf deutscher Seite zeigen können, die dann versuchen zu fliehen oder so oder irgendwen, aber da ist ja gar nichts. Das kommt gar nicht vor. Das ist halt die Sicht auf die US-Amerikaner, die binnenamerikanische Sicht und da finde ich auch nochmal interessant, wie das Team zusammengesetzt ist. Also America's Dad als Captain Miller, dann halt Tom Sizemore sozusagen als sein Stellvertreter, der dann auch für die Moral in der Truppe sorgen soll. Tom Seismar war auch jemand, wenn man in der 90er, Anfang der Nullerjahre so Teenager war, aufgewachsen ist, der auch in ganz vielen Actionfilmen damals war. Also der auch so ein Gesicht war, was damals ganz groß war, auch wenn er jetzt nicht so ein A-Star war, aber in ganz vielen Filmen so vorkam. Und dann haben wir halt diese Zusammensetzung. Wir haben Edward Burns als Private Ryden, also sozusagen der Schönling, der weiße Schönling aus Brooklyn. Der hatte auch hinten auf seiner Jacke Brooklyn, New York drauf zu stehen. Dann Barry Pepper, also der christliche Fundamentalist aus den Südstaaten. Dann Adam Goldberg als der jüdische Charakter. Wo er herkommt, weiß ich gar nicht. Wird das auch gesagt? Keine Ahnung. Dann Vendizel als der Italiener. Ja, und dann Giovanni Ribisi, ja, okay, als Melk, der fällt dann schon wieder raus. Aber es ist irgendwie so, ja, wir wollten mal die größeren Teile der US-amerikanischen weißen Bevölkerung mal so abdecken.

David:
[40:36] Es gibt dann keinen Quoten-Schwarzen, keine Quoten-Frau, weil das dann da nicht reinpasst, aber es ist halt sehr US-amerikanisch. Wir wollten mal so alle Klischees, alle Minderheiten mal so, also alle ist jetzt auch übertrieben, aber einen Großteil davon abdecken, fand ich ja, fand ich schon so interessant, wenn man auf die Metaebene geht und dann da so raufguckt.

Christian:
[40:54] Ja. Ja, ich fand halt, dass der Film, also ich kann mich auch an manche Momente gar nicht mehr so sehr erinnern, weil viele andere so sich eingebrannt haben, aber es ist halt keine große Verhandlung von.

Christian:
[41:10] Freedom American Freedom und American Exceptionalism und wir sind ja so, wie du sagst, also wir sind die Auserwählten, die jetzt hier irgendwie den Frieden in die Welt bringen und dabei irgendwie da über den Strand metzeln müssen. So, das gibt's da alles nicht und das fand ich, ich fand das auch irgendwie recht erfrischend und auch womit sie sich auseinandergesetzt haben. Also da war auch eine ganze Menge, Schuld ist das falsche Wort, aber diese Verantwortung, Miller, der anfängt da mit seiner Hand zu zittern, denn diese eine Szene, und das meine ich halt immer wieder diese Frage, und also durch diese Mission halt angetrieben, aber ich glaube auch so, zwangsläufig in dieser Situation dann hervorgebracht, warum tun wir das hier gerade? Also was ist ein Menschenleben eigentlich noch wert? Und da gibt es ja glaube ich auch die Szene von Miller, also von Tom Hanks und Tom Seismore.

Christian:
[42:06] Wo Hanks als Miller doch irgendwie auch sagt, so ich halte das eigentlich nur noch aus, indem ich mir immer wieder hochrechne, dass ja eigentlich mit jedem Tod zehnmal so viele gerettet wurden. Also dieses, ich habe, glaube ich, fast 100 Mann verloren im Laufe des Krieges, aber also 100 konnte ich nicht retten, aber für jeden Gefallenen habe ich irgendwie zehn andere retten können oder irgendwie sowas oder 100 andere retten können oder so. Irgendwie gab es da diesen einen Moment, wo ich mir dachte so, krass, also während dir, gut in dem Moment nicht, aber während dir da eigentlich fast die ganze Zeit die Kugeln um die Ohren fliegen, ist halt immer noch diese.

Christian:
[42:43] Moral ist auch das falsche Wort, aber immer noch dieser Versuch, der ganzen Sache Sinn und Wert zu geben und eigentlich dieser verzweifelte Versuch, in dieser Hölle noch irgendwie dieses eine Moment, der Redemption irgendwie zu finden, der das Ganze auch dann auf das Individuum runtergebrochen irgendwie noch mit so etwas wie Sinn erfüllen kann. Das fand ich halt so krass. Das war ja auch dann der Moment, wo ich glaube Vin Diesel doch da das Kind, mitnehmen will, weil er sagt, erinnert mich irgendwie an meine Nichte oder irgendwie sowas. Und die auch sagen, Mensch, Geht hier nicht. Also wir können hier nicht irgendwie anfangen, die Kinder zu retten. Und ich weiß gar nicht, ob sie da auch schon den Auftrag zu der Rettung von Ryan haben. Aber ich fand es nur so, hatten sie schon. Weil das ist ja gerade der Widerspruch des Filmes. Also sie sind nicht, also sie könnten im Krieg keine Kinder retten, aber ihre Mission ist, ein Kind zu retten.

David:
[43:42] Ja, aber Vin Diesel cares about family. Also darum ging es natürlich. Ja, das war natürlich.

Christian:
[43:48] Da war es wie heute. Da war es wie heute.

David:
[43:50] Ja, das war drei Jahre vor dem ersten Pass.

Christian:
[43:53] Aber ich fand diesen Moment halt so stark, weil er ja auch irgendwie sagt, so, das könnte, also, wenn wir diesen Ryan hier finden, ist es vielleicht der einzige, ich weiß gar nicht mehr, was da der Wortlaut war, aber so diese einzige Decent, dieses einzige Moment of Decency, oder dieser einzige Moment, der diesem Krieg hier irgendwas noch abgewinnen kann, so, und das fand ich halt, interessant und auch krass.

David:
[44:18] Ja, das Das spielt aber auch alles mit rein, also so wie du das auch gerade beschrieben hast, in diesem Mythos, das ist jetzt hier der gute Krieg. Wir sind jetzt hier die Guten. Und wir kämpfen jetzt hier gegen die Bösen. Und das ist so eine ganz eindeutige Sache. Schwarz-Weiß, also heute im Jahr 2025, muss man noch dazu sagen, die Nazis waren wirklich die Bösen so, ja. Ich wollte gerade sagen.

Christian:
[44:38] Da muss man irgendwie wieder aussprechen, die lange Zeit so.

David:
[44:43] Die selbstverständlich waren für lange Zeit, ja. Ja, das hat aber auch mit diesem US-Selbstbild zu tun. Und da finde ich, dadurch, dass diese ganzen politischen Kontexte alle nicht thematisiert werden, werden halt auch gewisse Sachen nicht aufgemacht. Also die USA sind in den Europäischen Krieg eingetreten, weil Deutschland eben den Krieg erklärt hat. Die haben nicht irgendwie was rausgefunden und gesagt haben, die sind böse, jetzt müssen wir was machen, jetzt ziehen wir da in den Krieg. So, sondern 1940 gab es noch Präsidentschaftswahlen in den USA, wo der republikanische und der demokratische Kandidat beide gesagt haben, dass sie nicht in den Krieg eintreten wollen. Und dann ein Jahr später erklärt Deutschland ihnen den Krieg und dann müssen sie halt mobilisieren und ziehen halt in den Krieg. Aber es gibt halt auch in den USA und ich finde, da spielt auch dieser Film mit rein, diesen Mythos von wegen, das war der gute Krieg. Da waren die USA noch so The Shining oder so, Beacon of Light und so. Und es gibt auch diese eine Rede, der Marshall, also der Oberkommandeur, der dann die Nachricht mitbekommt von den Ryan-Brüdern, dass die dann tot sind, der dann auch einfach von sich aus festlegt, ja, ja, der andere lebt noch, den müssen wir jetzt retten, wo man sich auch denkt so, woher weißt du, dass das denn noch lebt? Also der könnte genauso gut abgeschossen sein, aber der fängt dann auch so eine Rede mit Pathos an und Liberty und Freedom und so, wo ich mir denke so, Also erstens, die USA waren damals noch Kolonialmacht, die hatten noch eigene Kolonien wie Puerto Rico und die Philippinen und Alaska, alles Kolonien, wo die Leute keine Bürgerrechte haben. Zweitens, die Schwarzen hatten alle keine Bürgerrechte.

David:
[46:08] Drittens, die UreinwohnerInnen haben gerade im Zweiten Weltkrieg, wurden sie erst als Staatsbürger anerkannt. Also das war halt auch so eine zutiefst rassistische Hierarchie, dann noch mit diesem christlichen Fundamentalismus immer aufgeladen.

David:
[46:22] Und so und das gehört dann aber zum Selbstwert, nee, wir sind die Guten, wir kämpfen hier für die Freiheit und die Nazis sind ja eindeutig böse, deswegen müssen wir sie jetzt bekämpfen, so ja, ja, aber ihr seid in den Krieg eingetreten, weil euch der Krieg erklärt wurde und nicht, weil ihr irgendwie die Guten seid und da irgendwas.

David:
[46:37] Dran ändern wolltet oder so. Also das, dadurch, dass das nicht thematisiert wird, fehlen dann auch so ein paar Sachen, wo ich heute meine, vor allem auch angesichts des aktuellen Westpräsidenten und der aktuellen Geschichtspolitik, Da müsste man viel mehr über den Hintergrund, über den Kontext sagen und dass die USA auch zu dem Zeitpunkt schon vier Jahrzehnte Kolonialkriege auf den Philippinen geführt haben und so. Da müsste man noch viel mehr mit reinbringen, was da aber alles nicht erwähnt wird, sondern es ist halt eine wunderschöne, weiße Geschichte in den 90er Jahren, als die Sowjetunion Untergang war und die USA Unipolarität und wir sind jetzt so die einzige Supermacht auf dem Planeten für immer und das wird auch ewig so bleiben. Und jetzt erzählen wir so eine schöne Geschichte, als wir in so einem Krieg waren, wo wir eindeutig die Guten und die anderen alle die Bösen waren und die Sowjets kommen gar nicht vor. Also die werden ja nicht mal erwähnt oder so. Achso, dazu muss ich auch noch als Historiker anmerken, 80 Prozent der Kampfhandlungen im Zweiten Weltkrieg waren an der Ostfront.

David:
[47:36] Also an der deutschen Ostfront, also haben Sowjets gegen Deutsche und 80 Prozent der Toten der Wehrmacht waren auch an der Ostfront. Also alles, was die Westmächte da gemacht haben, in Italien, auf dem Balkan, in Nordafrika und in Frankreich, das war alles nur ein Nebenkriegsschauplatz und die haben gewonnen. Den Sowjets ein bisschen geholfen, dass die Deutschen ein paar Truppen von der Ostfront an die Westfront verlegen, aber es ist alles vernachlässigbar, weil vier Fünftel des Krieges schmierten sich im Osten ab und auch die Geschichte, die in dem Film aufgemacht wird, als der Sniper sagt, der bringt mich nah genug an Hitler ran und dann erschieße ich ihn und dann ist der Krieg vorbei, so, nee, ganz bestimmt nicht, so monokausal läuft das ja alles nicht und die USA haben natürlich wirtschaftlich den Sowjets geholfen, auch ganz wichtig, aber der Krieg.

David:
[48:20] Wurde in der Ostfront geschlagen und auch dieser Film und dann auch, wir haben ja schon, Metal of Honor, Battlefield, Call of Duty, Band of Brothers und so, die haben halt auch zu so einem Bild beigetragen, dass die USA irgendwie den Zweiten Weltkrieg in Europa entschieden haben, was halt einfach so nicht, nachvollziehbar ist, wenn man sich die historischen Realitäten, soweit sie objektiv nachvollziehbar sind, anguckt. So, für die USA war das natürlich ein krasser Moment. Einerseits, weil der Mutterland war ja nie betroffen so und die sind dann nur einmal im Ersten und einmal im Zweiten Weltkrieg ausgezogen und haben dann in Europa den Krieg entschieden, am Zweiten sogar in Asien auch mit, aber beim zweiten haben sie es in Europa halt nicht entschieden, sondern als Juniorpartner hat der Sowjets geholfen, den Sowjets geholfen, dass die den entscheiden. Aber diese Selbsterzählung, 90er Jahre, Clinton, Unipolarität, alles weiß. Ja, also das spielt so viel rein, deswegen sehe ich das heute, vor allem mit dem aktuellen US-Präsidenten, auch viel kritischer, was damals alles nicht thematisiert wurde.

Christian:
[49:18] Gutes Statement. Ich habe auch in der Recherche gelesen, dass so, ich weiß gar nicht, ob das sogar Oliver Stone war, aber auf jeden Fall auch manche gesagt haben so, ähm, Und das war auch, also Saving Private Ryan war auch so eine Aufarbeitung, auch wie du sagst, wieder so eine Rückbesinnung auf den guten Krieg, nachdem irgendwie auch Korea-Krieg, Vietnam-Krieg, alles so Geschichten, wo das halt eben nicht so sauber, einfach, gut gegen böse und man hat irgendwie am Ende gewonnen. Wo das alles nicht passiert ist, dass dann so eine Rückbesinnung auf den Zweiten Weltkrieg passiert ist, wo eben noch diese, wie du sagst, dieses Bild, ich weiß auch nicht mehr, wie es heißt, dieses Shining Beacon on a Hill oder irgendwie sowas.

David:
[50:01] Ja, das muss ich auch denken.

Christian:
[50:03] Diese Selbstwahrnehmung, dass man eben damals ja noch auch die Welt gerettet und befreit und so. Und da gibt es auch echt kritische Stimmen, die gesagt haben so, ja, 98, Saving Private Ryan hat auch vielleicht, also jetzt nicht willentlich oder absichtlich oder so, aber hat etwas angestoßen, was 2003 dann auch im Irakkrieg resultiert ist. Also auch eine Stimmung, eine Rückbesinnung auf diese Form der Intervention in der Welt und man steht ja auf der Seite der Guten und man muss ausziehen, um das Böse halt, wie du sagst, ja auch immer woanders zu bekämpfen. Das ist ja nicht auf dem eigenen Territorium passiert, sondern die USA sind eine Kriegsmacht, die ausgezogen ist in der Regel. Also ja, es gab die Angriffe Paul Harbour und so, aber dieses dieses, wie gesagt, nicht auf dem eigenen Grund und Boden den Krieg zu führen, sondern eben in die Welt zu ziehen, um die gerechten Kriege zu führen und also ja, also das ist auch ein Punkt, würde ich auch überhaupt nicht leugnen. Das ist da drin.

David:
[51:10] Also die politische Seite erst mal. Also das Mutterland der USA war nicht direkt von Kriegshandlungen betroffen. Und Alaska und Pearl Harbor, wo es ja auch Kampfhandlungen gab, das waren damals Kolonien. Also die Leute, die dort gewohnt haben, die nicht weißen, die hatten alle keine Bürgerrechte. Das muss man auch noch mal dazu sagen. Und zu den politischen natürlich, 90er Jahre, Unipolarität und dann als Bush 2003 in den Irak gezogen ist, da wurde dann auch immer von den Alliierten gesprochen, womit dann halt die Briten und alle, die ihnen dann beim Irak mitgeholfen. Also da wurden auch diese Bilder wieder aufgetan, die dann in den 90ern so groß geworden sind. Das ist so die politische Seite. Aber auch wenn wir an Hollywood denken, es ist ja auch ganz interessant, 70er Jahre, Vietnamkrieg.

David:
[51:53] New Hollywood, das werden dann irgendwie sozialere Sachen, mehr aus dem Inland, oder mehr kritische Sachen auch zur eigenen Geschichte, zur eigenen Gesellschaft erzählt. Und der Kriegsfilm, ich will nicht sagen, der verschwindet, aber das wird ja eher so eine Nische. Wir haben dann so Rambo und wir haben dann so Vietnam-Filme in den 80er Jahren, wo es immer darum geht, naja, die Vietnamesen, die sind so hinterlistig, die haben noch welche von uns gefangen und die müssen wir jetzt befreien. Da gab es dann Filme mit Gene Hackman und sonst wie, da habe ich auch ein paar gesehen. Das war aber eher so ein Nischending und dann eigentlich der nächste größere Kriegsfilm aus den 80er Jahren, also vielleicht widersprichst du mir da, aber der mir dann einfällt, ist halt Top Gun, so die moderne Technik, wir sind im Flugzeug, man sieht den Gegner kaum, irgendwie die Sowjets sind die Gegner so, ja, ja, sind sie ja immer, so, aber das ist ja dann so, dass der Kriegsfilm dann auch wieder Mainstreamiger wird und dann in den 90er Jahren dann halt Zweiter Weltkrieg und dann 2001 Pearl Harbor noch sozusagen als der zweite Versuch nach ähm, Saving Private Wine nochmal so eine weiße Zweite Weltkriegsgeschichte zu erzählen, nur halt von Michael Bay und bei weitem nicht so gut.

David:
[52:56] Also ich würde es auch so als einen Punkt sehen, den Kriegsfilm wieder in den US-amerikanischen Mainstream zu rücken, den er bis auf Top Gun zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr war und dann natürlich den Zweiten Weltkrieg zu nehmen, weil das war eindeutig, da kann man dann andere Geschichten erzählen als in Korea, die MASH-Serie und der Film oder halt Vietnam, also wo man ja gar nichts in die Richtung erzählt hat.

Christian:
[53:18] Und trotzdem, das ist ja der Punkt, auf den ich hinaus will. Siri will auch mitsprechen.

David:
[53:24] Ja, ich habe zu viel mit meinen Händen artikuliert. Jetzt wollte mein iPad mit mir reden.

Christian:
[53:31] Vielleicht hat Apple auch irgendwie Redebedarf, was das Thema angeht.

David:
[53:37] Sehr gut. Das habe ich auch nie.

Christian:
[53:39] Ich wollte auf den Punkt hinaus, dass es ja trotzdem, also das stimmt alles und gleichzeitig ist aber auch wieder Saving Private Ryan, sag ich mal, eine, also der distanziert sich aber auch wieder von dem filmischen Bild des Zweiten Weltkriegs bis dahin. Also er macht auch vieles neu, er erfindet auch auf eine gewisse Art und Weise das Blockbuster-Kino neu, also viele, die sagen, also bis hin zu modernem Action-Blockbuster-Superheld in den Kino bedient sich zumindest der filmischen Mittel, die hier auch gesetzt wurden, diesem Realismus. Dieser Dreckigkeit, dieser, also Kaminski sagte das auch, dass er die Kamera benutzen wollte wie ein Kriegsberichterstatter. Da fliegt der Dreck auf die Kamera, das Blut spritzt auf die Linse. Das war alles in Ordnung. Die Farben, die halt so total gemutet sind.

Christian:
[54:28] Um da gewisse Ästhetiken zu erzeugen, die auf Realismus abzielen. Und das ist eben so der Punkt. Und trotzdem, also der Film schafft es ja gleichzeitig nicht, Ich finde, auf dieser Ebene der Front dem zu widersprechen, was dort im Heimatland in den administrativen Büros irgendwie für Reden geschwungen werden. Da wird Lincoln zitiert, da wird der Pathos vielleicht noch groß gemacht, aber gleichzeitig siehst du, wie auch die Amis ihre Kriegsverbrechen dort begehen und einfach, da gibt es ja diese eine Szene, die du auch schon angedeutet hast. Das ist mir gar nicht aufgefallen, das habe ich dann auch noch mal gelesen, dass da Soldaten des Dritten Reiches sich ergeben und offensichtlich nicht Deutsch, sondern Tschechisch sprechen, was irgendwie darauf resultiert, dass die Nazis eben auch in besetzten Gebieten einfach die Männer eingerückt haben und dann an die Front geschickt haben und die werden halt einfach niedergemäht.

Christian:
[55:26] Und das sind ja auch alles Dinge, also das hatte mich dann auch wieder so auf diesem Ground-Level, auf dieser Augenhöhe halt so überrascht, dass da eben auch alle, also dass da auch Dinge passieren und die Soldaten auch Dinge tun, die halt eben dieser großen Rede von Freiheit und Shining Light on the Beacon of Hill, bla bla bla, dem halt komplett widersprechen. Und das fand ich halt sehr, sehr interessant. Und dann auch da wieder so, Tom Hanks sorgt sich nicht darum, die Freiheit in die Welt zu bringen und ob er jetzt irgendwie Hitler persönlich ist, sondern er will nach Hause. Und er will seine Jungs nach Hause bringen. Und das ist seine Sorge. Und das fand ich halt alles sehr erfrischend.

Christian:
[56:08] Weißt du, auf der anderen Seite der Welt, wo der Krieg geführt wird, gibt es ganz andere Notwendigkeiten und ganz andere Schwierigkeiten. Und ich glaube auch, dass der Film da durchaus was sagen wollte, so in dem Bereich. Ich weiß nicht, wie weit ich da gehen würde bei dieser Aussage, aber ich habe auch Widersprüche in dem Film gespürt zu dem, was ich dort sehe und ich glaube, die waren durchaus beabsichtigt. Und das ist schon für mich... Eine Ebene, die ich nicht erwartet hatte.

David:
[56:41] Ja, erst mal zur Neudefinition des Kriegsfilms. Also wenn ich an Kriegsfilme zum Zweiten Weltkrieg aus den 70ern denke, so Force 10 from Never Own, hier mit Harrison Ford oder so, oder dann der Film hier mit der Alpenfestung mit Clint Eastwood, das sind ja eigentlich eher so Abenteuerfilme. Also da werden irgendwie so Armies irgendwo hingeschickt, müssen irgendeine Mission erledigen, am besten hinterfeiertlichen Linien. Und dann ist das einfach wie so ein Abenteuerfilm. Manchmal geht es sogar um Goldschatz, den sie finden müssen oder so. Aber dann ist es ja nicht so nitty-gritty und wie du gesagt hast, wie so ein Kriegsfotograf, der wirklich mittendrin und dabei ist und auch so die richtig ekligen Seiten des Krieges zeigt. Das haben wir da nicht. Das ist dann schon neu. Und das steht ja auch im absoluten Gegensatz zu den wenigen Szenen, die wir aus dem US-amerikanischen Mutterland in dem Film haben. Also da haben wir einerseits die Mutter in diesem Haus, alleine in diesem Haus, auch interessanterweise ohne Vater, sondern es ist halt die Mutter, die Mutter der Nation oder wie die Übermutter und dann kommen da die Wagen an, da steigt der Priester aus und der Soldat und es ist natürlich sofort klar, worum es geht und man sieht aber im Hintergrund diese blühenden Felder und strahlender Sonnenschein und das ist so America, at its best oder so the real America, wie man heutzutage wahrscheinlich sagen würde so und dann gehen wir da aber an.

David:
[57:59] An die Front in Omaha Beach und es regnet und den Leuten kommen die Gedärme aus dem Bauch und fallen die Arme ab und alles Mögliche. Oder wenn der Sniper durchschießt, dem anderen Sniper durch, das Visier dann in den Kopf rein und man sieht dann kurzzeitig, dass das Auge weg ist und so. Also, ja, das ist schon mal krass, dieser Gegensatz. So von wegen, ja, Mutterland gar nicht betroffen. Alles idyllisch, alles schön. Okay, ja, die Mutter hat jetzt ihre Kinder verloren, aber es sieht da wenigstens schön aus da. Und dann Frankreich. Und Frankreich sieht eigentlich sehr deprimierend aus in dem Film. Also, ich finde, es ist gut eingefangen und sehr gut gemacht. Und auch die Sets, die sie da haben und was sie da alles aufgebaut haben, das ist schon krass gemacht. Aber da ist natürlich nicht Sonnenschein, sondern da ist dann hauptsächlich Regen und schlechtes Wetter. Das ist natürlich ein interessanter Gegensatz. Und ja, da bricht der Film natürlich was auf, weil ja, es gibt diese Geschichte oder diese Erzählung, diese Mythenbildung. Wir waren die Guten und so, aber es war trotzdem ziemlich dreckig und ziemlich scheiße. Vor allem für die Leute, die da waren. Und ja, die einer, die da Ryan retten sollte, da ist ja auch dann nicht viel zurückkommen. Ja, weil Krieg ist halt die Hölle.

Christian:
[59:05] Vielleicht können wir da auch noch kurz über die Charaktere so ein bisschen sprechen. Ich habe mir da jetzt zwei, vielleicht auch drei rausgegriffen, über die wir ein bisschen mehr oder über die ich ein bisschen mehr sprechen möchte. Haben wir auch schon angedeutet, aber über den was ist er, er ist Käpt'n, Käpt'n Miller, Tom Hanks, so natürlich fantastisch besetzt, trägt den Film, trägt diese Rolle, das funktioniert ganz fantastisch, aber.

Christian:
[59:33] Ja, er ist ja auch lange Zeit so ein Mysterium, auch in der eigenen Truppe, da gibt es dann ja diese Wette oder dieser Wettpott, der da irgendwie aufgemacht wird, weil niemand weiß, wo er herkommt, niemand kennt seine Vorgeschichte, wir sehen ihn ja auch im Film, sozusagen in der Handlung, in Medias Res springt es rein, wir sind im Boot mit ihm und müssen uns den Rest ja eigentlich auch nur dazu denken, aber schon sehr schnell sehen wir trotz dieser Hölle auf Erden, dass er, sag ich mal, ein bisschen patenter, ein bisschen kompetenter in dieser ganzen Situation ist und ja auch am ersten Fortschritt beteiligt ist, so am Durchbrechen der Linie so und Und er bekommt dann ja auch diese Mission, den Private Ryan zurückzuholen, zu finden und zurückzuholen. Und das sehen wir ja auch immer wieder, dass er, also er führt die Gruppe an, aber auch bei ihm, da gab es ja diese tolle Metapher, ich kann mich da auch nicht mehr so ganz dran erinnern, aber wo er davon spricht, dass er mit jedem Tag mehr, glaube ich, sich auch immer weiter von zu Hause entfernt. Also dieses Bild ja nicht nur geografisch, sondern auch….

Christian:
[1:00:50] Menschlich, persönlich, also je mehr Scheiße er da sieht und aushalten muss, desto mehr verändert er sich, desto weniger ist noch von dem Ehemann, wie wir dann erfahren, Lehrer, eben nicht Captain Miller, sondern einfach nur, ich weiß gar nicht, haben wir den Vornamen von ihm? Nein, wir haben keinen Vornamen, auf jeden Fall.

David:
[1:01:12] Der Lehrer.

Christian:
[1:01:12] Genau, davon bleibt immer weniger übrig. Und das sehen wir an dieser zitternden Hand. Und das hören wir auch so in diesen Gesprächen. Und das fand ich halt auch krass. Da gab es ja dann eben auch diese Momente, wo ja auch herausgefordert wurde, wo doch dann, ich weiß gar nicht mehr, was das war. Ich glaube, als die Deutschen den Medic.

David:
[1:01:37] Glaube ich, erlebt haben.

Christian:
[1:01:39] Genau, und die dann ihren Frust und ihre Wut an den Deutschen auslassen, die sich ergeben haben.

David:
[1:01:48] Und der eine muss dann einen Grab schaufeln und den wollen sie erschießen, weil sie sagen halt, er hat unseren Medic erschossen. Und dann zieht ja sogar Tom Seismores Charakter die Pistole und will den auf den schönen Ding richten und sagt so, ja, ich kann dich nicht leiden und ich bring dich jetzt einfach um und so. Und dann sagt einfach Tom Hanks so, ja, er ist Lehrer.

Christian:
[1:02:08] Damit löst er die Situation und er bleibt aber auch erst mal still. Also er springt ja nicht sofort rein, sondern er wird ja herausgefordert von einem Abhemd, von einem Übersetzer, über den wir auch noch sprechen, aber der fordert ihn ja aktiv heraus und das fand ich halt so interessant, diesen Struggle, also selbst, Tom Hanks, also, wir benutzen immer wieder scherzhaft dieses Bild, aber er ist halt amerikanischer als Apple Pie und Root Beer und all das, also amerikanischer als die Freiheitsstatue wahrscheinlich. Ja gut, die kommen aus Frankreich, aber du weißt, was ich meine. Also dieses so und selbst er ist jemand, der in diesem Film auch seinen Struggle irgendwie da drin hat. So und das fand ich interessant.

David:
[1:02:57] Ja, weil aus militärischer Sicht, also ich will jetzt keine Kriegsverbrechen hier verherrlichen oder so, Aber sie sind ja in dieser Acht-Mann-Einheit oder dann nicht mehr Acht-Mann, aber sie sind ja da unterwegs und müssen dann dahinter feindlich oder man weiß ja gar nicht, wo die Front ist. Die laufen da einfach rum. Wir wissen nicht, wo die Deutschen sind. Und zwischendurch tauchen ja auch mal Deutsche wieder auf und dann tauchen auch mal US-Amerikaner auf. Aber für ihn ist es ja dann auch eine Frage, so, naja, nehmen wir den jetzt mit? Weil wenn sie dann einen Mann irgendwie mitnehmen müssen, dann werden sie ja auch viel langsamer und dann können sie vielleicht nicht mehr so viel machen und er schreit vielleicht dann im falschen Moment und dann sterben vielleicht alle in der Einheit, weil sie den halt aus Menschlichkeit mitnehmen wollten jetzt. Ja, und dann sagen halt sein Untergeben so, na, erschieß ihn, er hat unseren Mann erschossen so. Und ja, abhemmend, der Übersetzer sagt halt so, nee, das ist halt das Falsche, den jetzt zu erschießen. und dann kommt er halt auf die Idee, dass mit der Augenbinde und dann läuft er in den Wald, aber man weiß nicht, ja, trifft er auf eine deutsche Einheit, trifft er auf eine US-amerikanische Einheit. Die sagen ja dann, wenn du eine US-amerikanische Einheit findest, dann melde dich bei denen und sag, dass du Kriegsgefangener bist so. Ja, ob das dann so passiert oder ob er nicht vielleicht dann einfach erschossen wird, wissen wir nicht, weil er ist ja dann aus dem Film raus. Aber ja, da gibt es halt...

Christian:
[1:04:05] Aber er kommt ja wieder. Er kommt ja wieder. Ja, aber genau das ist es ja. Das ist ja wieder die Frage, wie viel ist ein Menschenleben wert? Wie viel ist das Menschenleben der anderen Seite wert in diesem, und auch genau das, was du sagst, wie strategisch, militärisch strategisch müssen wir jetzt hier rangehen an die ganze Sache, wie viel, auch in dem Fall Selbstjustiz, also das ist ja auch noch die andere Seite, wie viel Rache, Wut, persönlich, persönliche Motivation lassen wir auch zu, ne, also auch da, all das kommt in diese Waagschale mit rein, wie viel ist dieses Menschenleben in dem Kontext dann wert, so, und das ist auch die Kehrseite dieser James-Rhyne-Medaille. Da wird dieses eine Menschenleben so wertvoll gemacht, um halt so viele andere Menschenleben und Situationen dagegen aufwiegen zu müssen. Und das war ja auch dieses MG-Nest. Da entscheiden sie sich ja auch freiwillig dazu, sozusagen diesen Umweg zu gehen. Sie hätten ja auch einfach weitergehen können. Sie hätten ja auch sagen können, das ist ja auch die Diskussion, das ist nicht Teil der Mission. Wir müssen das jetzt hier nicht tun, um unserem Ziel näher zu kommen. Und trotzdem machen sie das. Und da habe ich auch gelesen, das ist auch so ein Moment von ….

Christian:
[1:05:29] Ich sag mal, also auch vom Struggle dieser Einheit mit dieser Mission, also auch ein Moment des Widerstandes, also des Trotzes gegenüber dieser eigenen Mission und ja auch gegenüber der eigenen Machtlosigkeit, das eigene Leben gegen das von Ryan aufwiegen zu müssen. Ja, also die ganze Mission, der ganze Befehl degradiert ja alle acht Leute in dieser Einheit schon, im Grunde genommen, so. Und das spüren die ja auch die ganze Zeit, deswegen diskutieren sie ja auch so viel an der ganzen Sache, deswegen entlädt sich da ja auch oft so viel in dieser Szene, die du besprochen hast, da mit dieser Pistole, die da gegen die eigenen Leute gerichtet wird. Und das ist ja das Zynische an diesem ganzen Ding, dass die selber wissen, also mehr noch als dieses, ich sag mal, gesichtslose, anonyme Kriegssetting. So, ja, du wirst auf diesen Strand geworfen, good luck. Das ist nochmal was anderes als zu wissen, da ist irgendwo dieser eine und der ist so wichtig, weil der eine Mama hat. Und das ist ja auch...

David:
[1:06:41] Jetzt ganz traurig ist es gerade.

Christian:
[1:06:42] Ja, aber das finde ich ja auch so spannend bei diesen Diskussionen. Und sie alle haben ihre Mamas. Sie alle haben ihre...

David:
[1:06:47] Selbst der Käpt'n hat eine Mama.

Christian:
[1:06:49] Ja, aber das Lächerliche an der ganzen Sache ist, finde ich, der Punkt an der ganzen Sache. Der eine Soldat, ich weiß schon gar nicht mehr, wie der hieß, der dann in der Kirche sich daran erinnert, dass er als Kind die Mutter, die irgendwie immer in der Spätschicht war und dann irgendwie nach Hause kam. Und solche Gedanken kommen da wieder hoch. der auf dem Sterbbett nach seiner Mutter ruft.

David:
[1:07:11] Das war doch der Giovanni Ribisi-Charakter, der Medic, der dann stirbt.

Christian:
[1:07:15] Oder? Genau, das war der.

David:
[1:07:17] Ja.

Christian:
[1:07:18] Weißt du, das finde ich halt so krass. Und so deute ich diese ganzen Szenen, dass halt immer wieder die Erinnerung, also immer wieder dieses Signal gesendet wird, du bist weniger wert als dieser anonyme, gesichtslose Name, den sie auch noch suchen müssen. Also sie wissen nicht, wer das ist. Sie wissen nicht, wie er aussieht. Wie du sagst, es kann ja auch sein, dass die Wochen und Monate lang nichts finden. Die Ungewissheit, ob der nicht schon längst tot ist, also hätte ja genauso gut aussehen können, dass am Ende der letzte Überlebende feststellt, dass die ganze Mission sinnlos war, weil Ryan schon seit drei Wochen oder wie auch immer tot irgendwo liegt.

David:
[1:08:05] Und das, finde ich.

Christian:
[1:08:05] Ist das Krasse an dem Film, dass die alle wissen, dass denen gesagt wird, ihr seid im Grunde genommen gegenüber dem viel weniger wert, Weniger als ein Achtel des Lebens quasi wert. Aber ihr müsst das jetzt irgendwie tun. Und da habe ich so das Gefühl, also da geht es dann auch so um diesen humanistischen Kern. Und in dieser Szene mit diesem M-Genest brechen sie aus dieser ganzen Sache aus. Und sagen eigentlich, also versuchen ihr Leben wieder aufzuwerten. In diesem Kriegskontext. Was ja auch wieder absurd ist. So, Rant Ende.

David:
[1:08:41] Ja, noch eine Sache zu sozusagen Bedeutung von das Leben eines Einzelnen. Wir haben auch diesen Leland Orser. Das ist ja auch noch ein Gast da, der da die Rolle spielt mit diesem Flugzeug oder diesem Gleiter, wo dieser, für den General dieses Auto drin war und das war besonders schwer und dann ist dieses Ding da abgestürzt und dann sind da Leute gestorben und wir sehen sogar die Piloten, wie sie dann da gestorben sind.

Christian:
[1:09:04] Ich glaube noch mehr, wie 22 oder so waren das?

David:
[1:09:06] Ja, auch nur damit der General dann irgendwie sein Auto hat. Also was ja auch irgendwie nochmal so einen interessanten Class-Divide aufmacht. So wir, die einfachen Soldaten. Und da oben gibt es dann aber die Elite, die Generäle, die sich irgendwie die Sachen da wünschen und dann irgendwie mit ihrem Auto da landen wollen. Was ja dann auch wieder interessant ist mit Captain Miller, dass er dann sagt, er ist Lehrer, also wahrscheinlich eher schon Mittelschichtsangehöriger, während alle eigentlich immer gleich und sozusagen die Arbeiter sind in dem Setting. Und deswegen auch diese Kollektion sozusagen der Minderheiten, die alle in der Arbeiterklasse vertreten sind. Ja, also da nochmal diese Bedeutung und da werden sie ja dann auch verzweifelt und haben dann diese Doc-Tags und zählen oder gucken dann durch und ich denke mir so, so wie die, die durchschauen ist das kein, überzeugender Überblick, den sie dann über die Doc-Tag-Namen haben am Ende und dann fängt irgendwann, Tom Hanks an einfach rumzubrüllen kennt ihr jemand einen Ryan und dann finden sie den Typen da, der irgendwie kein Gehör mehr hat, weil da irgendwie ein Geschoss an seinem Ohr explodiert ist und so und auch reiner Zufall, ja, aber wie du ja gesagt hast, die hätten da wochenlang suchen können, der hätte schon am ersten Tag durch eine Flugabwehrkarone zerfetzt sein können und sie hätten ihn nie finden können oder so, aber nein, es ist natürlich dann so eine Heldengeschichte und dann finden sie ihn und dann ja.

Christian:
[1:10:25] Aber auch da dieses mit den Dogtags war ja auch so eine perfide Szene, als sie doch irgendwie anfangen, sich über die Namen lustig zu machen, während da diese, ich glaube, gerettete Truppe irgendwie an denen vorbeizieht und auch so richtig, also die kommen gerade irgendwie von der Front und sind so richtig fettig und dann sehen sie da die Hiopies, die da irgendwie sitzen und irgendwelche Doctags analysieren sollen und sich dann auch über die Namen lustig machen von Leuten, die gestorben sind neben ihnen. Das ist halt so, aber das meine ich halt, das ist wieder dieses da werten sie sich ja auch selbst gegenüber den Gefallenen wieder auf. Also das ist das letzte bisschen, was die haben. Deren Leben ist wertlos, aber es ist immerhin noch ein bisschen mehr wert als die, die gefallen sind. Ist ja auch perfide. Auch da, Miller lässt das erstmal zu und schmunzelt auch noch mit, Und dann setzt er der ganzen Sache erst so einen Deckel drauf. Das finde ich halt auch interessant. Also der Miller hat da auch so seine, und ich sage mal für America's sweeter Tom Hanks, auch erstaunlich vielschichtig, um es mal so zu formulieren. Also in Relation zu der Besetzung.

David:
[1:11:35] Ja, also zu den Dogtags. Das Setting, wie sie da sitzen, ist eigentlich wie so ein Kartenspiel. Dass sie da so zu dritt um so einen Tisch sitzen und dann sieht es aus, als wenn sie Karten spielen. Aber sie spielen halt mit den Dogtags. Also mit den Überresten der Toten, das ist ja schon mal interessant. Und weil du das jetzt nochmal mit Tom Hanks betont hast, ich habe nochmal überlegt, was für Rollen hat er denn vorher gehabt? Also weil in den 80ern war das ja noch sehr viel Comedy und Joe vs. The Volcano und Big und so. Und dann 94 oder so war ja Forrest Gump, das war ja dann sozusagen.

Christian:
[1:12:07] Ich glaube 93 Philadelphia, 94 Forrest Gump, das war ja der Oscar-Doppel.

David:
[1:12:13] Ja, okay, Philadelphia ist natürlich auch wichtig.

Christian:
[1:12:16] Also er war auf der Höhe der Zeit. Das war auch einer der Gründe, warum der Film überhaupt entstanden ist. Also Spielberg und Hanks wollten zusammenarbeiten. Das hat sich schon so angebahnt. Die beiden wollten was zusammentun. Und dann waren sie, glaube ich, beide auch an diesem Thema so interessiert und an dem Drehbuch. Also das muss man ja auch dazu sagen. 98, da war die Filmwelt ja auch nochmal komplett anders. Also der Film hat irgendwie, ich glaube, oder um die 500 Millionen Dollar zu der Zeit eingespielt, war auch ein Überraschungserfolg. Spielberg, da dachte, das Ding ist vielleicht hier mit einem Rating von NC 17, was ja so über 18 noch ist, was ja mehr so ein, also noch ein härteres Rating, als das R-Rating ist. Also dachte er, dass der Film das bekommt, weil er so heftig ist. Hat auch, also um den Bogen größer zu machen, Also Spielberg hat nicht an den kommerziellen Erfolg dieses Filmes geglaubt.

Christian:
[1:13:15] Und der ja dann überraschenderweise umso größer war. Und das war noch eine Zeit, wo das Team von Spielberg und Hanks den Kinosommer, dominiert hat oder mit dominieren konnte. Das war alles noch vor den Superhelden, das war alles noch vor den Franchises, vor dem Greenscreen Schlachtfeldern. Das war ja alles noch handgemacht, aufwendig und ein anderes Hollywood, was da diesen Film, also diese beiden Hollywood-Giganten, die da sozusagen diesen Film auch tragen konnten. Die Leute sind wegen der beiden auch ins Kino gegangen.

David:
[1:13:52] Und auch interessant, es ist ein Dreamworks und ein Paramount-Film und Paramount, eher eins der kleineren von den großen Studios, hatte dann mit Mission Impossible 96 einen Überraschungserfolg. Dann Titanic war, glaube ich, Fox und Paramount zusammen.

Christian:
[1:14:09] Genau, die mussten das irgendwie aufteilen, die Filmrechte. Und hier auch.

David:
[1:14:14] War das 97 Titanic? Ja, 96 war Phantom und Mission Impossible. 97 war Titanic. Und dann 98 der Film. Und das war ja noch so eine interessante Zeit. Also da wurde dieses DreamWorks-Studio gegründet und sollte ja sozusagen als Mini-Major dann mit den großen Studios zusammenarbeiten, damit sie sich so dann ihre Nischen finden können und dann ja in der Hoffnung, dass sie vielleicht auch mal eins von den großen Studios werden könnten, was sie dann aber ja nicht geworden sind, sondern es ist ja nur so ein, also nicht eine Luzenzbude, es ist schon ein kleines Studio, aber es ist, also es war eigentlich noch dieser Aufstieg von DreamWorks und ja, auch interessant, dass er dann nicht an den kommerziellen Erfolg geglaubt hat, Aber damals dachte man ja noch R-Rating oder so, dann ist ein Film halt verbrannt, weil dann kriegst du es nicht in alle Säle und dann gehen die Leute da nicht rein.

Christian:
[1:15:01] Und irgendwie drei Stunden lang, das ist ja dann auch noch ein Film mit Überlänge und so. Kommt auch noch an zu. Aber nee, also ich wollte nur sagen, also gerade Tom Hengst, das ist ja auch, der war da auch so auf dem Höhepunkt seiner Zeit und auch seines, also der ist nicht ohne Grund in der Mitte des Posters zu sehen so. Und das war das Kalkül, aber so hast du damals auch die Filme noch gemacht und, so konnten auch Filme noch funktionieren an der Kinokasse. Das funktioniert heute gerade nach der Pandemie 2025 ja auch alles noch mal schwieriger. Genau, aber das Tom Hanks ist schon auch wichtig in dieser Rolle und ich finde eben so, er ist ja auch immer irgendwo so der Good Guy gewesen, so er hatte ja diesen einen Road to Perdition glaube ich später dann auch, wo er mal nicht ein Good Guy gespielt hat, aber das ist ja so, das Typecasting auch in gewisser Weise, das passt auch in die Rolle, aber trotzdem ist diese Rolle auch, nicht frei von Fehlern und auch frei von.

Christian:
[1:16:09] Höchst zweifelhaften Momenten und das meine ich unterstreicht halt so eher meine These, dieses Krieg ist halt so grundsätzlich scheiße, so und, Wie viel ist ein Menschenleben wert, ist die Kernfrage, aber dabei ist ja auch die Frage, welches Menschenleben, also wie verändert sich dann eben auch der Mensch in diesem Setting. Und manche kommen halt aus der Nummer nicht mehr raus und vielleicht ist das ein guter Bogen, um über Abhem nochmal zu sprechen, dem Übersetzer, der ja eigentlich da so der Schreibtischsoldat ist, der da an seiner Schreibmaschine sitzt und die Dokumente da irgendwie übersetzt und produziert. Und da ja dann irgendwie abgezogen wird mit der Mission in Richtung James Ryan. Und Spielberg hat das auch gesagt, Abhem ist so das Vehikel eigentlich für das Publikum. Er soll eigentlich uns darstellen.

Christian:
[1:17:07] Die halt nicht erfahren im Krieg sind und von außen irgendwie drauf gucken und vielleicht noch am ehesten unverbraucht sind und noch Kapazitäten für diese Moralität irgendwie haben und sich empören über richtig und falsch in diesem Setting. Alle anderen sind schon so aufgebraucht, zu Recht aufgebraucht, dass die gar nicht mehr die Kapazitäten dafür haben. Und er ist dann noch am ehesten, deswegen gibt es ja immer wieder diese Momente, wo er auch an Müller appelliert und sagt, das geht hier gerade nicht. Wir können jetzt hier nicht den gefangenen Soldaten hinrichten. Das sind wir nicht. Das ist nicht unsere Aufgabe und so weiter. Und dann, finde ich, ist das ja auch so schwer, mit ihm weiter im Laufe des Filmes zu gehen. Also diese Szene da im Treppenhaus, wo er einfach nicht schafft, einzugreifen und hört, wie sein Kamerad im Zweikampf, wirklich im Nahkampf mit dem Messer getötet wird. Das war wirklich so ein Moment, wo ich, also es gibt viele brutale Momente, aber den fand ich halt emotional brutal.

David:
[1:18:16] Ja, und er halt, also der Schreibtischtäter klingt jetzt falsch, aber der Typ an der Schreibmaschine, der auch so eingeführt wird, der ja dann auch die Schreibmaschine mitnehmen will, als Tom Hanks losgeht. Und Tom Hanks so meinte so, nee, nee, lass sie mal hier, die brauchst du nicht, wenn du mit uns unterwegs bist. Und der dann ja auch noch mal erzählt so, ich habe seit der Grundausbildung keine Waffe mehr in der Hand gehabt und Käpt'n Miller dann nur meint so, aber hast du die Waffe mal abgeschossen in der Grundausbildung? So, ja, okay, das reicht mir. Und dann aber sozusagen der moralische Ankerpunkt auch ist und dann zum Beispiel nach dem Überfall auf das MG-Nest auf den deutschen Kriegsgefangenen aufpassen darf, Dadurch, dass er Deutschkann sich auch mit ihm unterhalten kann.

Christian:
[1:18:59] Raucht, Zigaretten teilt.

David:
[1:19:02] Wobei er auch interessant ist, wenn man sich anguckt, okay, er hat noch nie eine Waffe in so einer Gefechtssituation abgefeuert. Also er ist auch die denkbar schlechteste Wache eigentlich. Also wenn der Deutsche jetzt einfach wegrennen würde, würde er es dann übers Herz bringen zu schießen. Das wäre dann die Frage. Aber es ist natürlich wegen Verbrüderung, dass er dann nochmal moralisch appelliert und dann nochmal zu Miller geht. Und da ist ja auch ein Moment mit so einem Dutch-Angle, weil dann der Edward Burns-Charakter ja so sagt, so nee, lass den erschießen und so. Und er hat unseren Mann umgebracht und jetzt muss er dafür büßen und so. Da wird ja die Kamera auch mal, also die Kamera ist eh grandios eingesetzt, aber ja, das fand ich da nur interessant.

David:
[1:19:42] Und du hattest gerade noch mal das Poster erwähnt. Ich habe noch mal das Poster aufgemacht, weil es echt interessant ist. Also Tom Hanks ist in der Mitte. Der Film heißt Desolat James Ryan, also im Deutschen. Oder Saving Private Ryan im Englischen. Aber er ist ja gar nicht Private Ryan, sondern links von ihm ist Tom Sizemore, also damals großer Actionheld oder in vielen Actionfilmen oder so, dabei gewesen, also den man vielleicht auch noch kennt. Und dann Matt Damon wurde ja auch gecastet von Spielberg, weil er gedacht hat, der hat so ein All-American-Darling, junges, unverbrauchtes Gesicht, kennt keiner, den nehme ich. Und dann ist er aber durch Good Will Hunting ein Jahr zuvor dann zum Megastar geworden. Und dann kannte man ihn doch, aber er ist ja dann sozusagen auch hinter Tom Hanks auf dem Cover. Und dann ist halt Edward Burns das vierte Gesicht auf dem Cover und auch der vierte Name, also Tom Hanks steht über dem Titel und dann darunter stehen Edward Burns, Matt Damon und Tom Sizemore und Edward Burns ist auch so einer, der kam mir so bekannt vor und ich dachte so, hat der irgendwie, ansatzweise eine große Hollywood-Karriere gehabt oder also weil, der hätte auch sein können, dass der irgendwie in Beverly Hills 90-210 mitgespielt hat und ich das alles nicht kenne und deswegen ihn überhaupt nicht zuordnen konnte, aber der hatte gar nicht so eine große Karriere, oder? Das war einfach nur so, hätte vielleicht ein großer Star werden können, aber ist es dann nicht, also für ihn leider. Ja, nee, aber Tom Hanks steht auch über dem Titel. Er ist halt der Grund, warum die Leute ins Kino gehen, weil damals, wenn halt Arnie draufstand, wenn halt Tom Hanks draufstand, dann sind die Leute ins Kino gegangen und es hat halt gereicht, dass der Name draufsteht. Ach ja.

Christian:
[1:21:11] Über einen möchte ich auch noch ganz kurz sprechen, bevor wir weiterspringen, weil wir den schon fast vergessen hätten, glaube ich. Der Titelgebende, James Ryan.

David:
[1:21:20] Ja.

Christian:
[1:21:21] Also, und ich glaube, das ist auch bezeichnend, weil, also es ist bezeichnend, dass wir den fast vergessen hätten, weil er ist auch denkbar unwichtig für den Film. Also er ist ja fast schon so eine Art Plot-Device. Er ist ja der McGuffin, der gefunden und gerettet werden muss. Er ist die Damsel in Distress auf eine gewisse Art und Weise. Was ich halt auch interessant finde, aber auch da habe ich gelesen, was ja dann irgendwie, glaube ich, auch lange Zeit so ein Standard war, aber man hat halt irgendwie den Hauptcast auch in so ein Bootcamp geschickt für eine Woche, dass die halt eben, naja, nicht die Grundausbildung nachholen, aber mal so ein bisschen durch den Schlamm rubben und da hatte ich irgendwie auch in einem Interview gehört, ich weiß gar nicht mehr, wer das irgendwie gesagt hatte, irgendjemand meinte auch so.

Christian:
[1:22:08] Dass diese Erfahrung, also es wurden alle ins Bootcamp geschickt aus dieser Acht-Männer- Geschichte, außer Matt Damon. Das hat man auch mit Absicht gemacht, damit diese Truppe auch schon so latent, Hals gegenüber ihnen haben, weil der muss halt nicht durch den Schlamm robben mit denen. Also da dieses Wir-gegen-ihnen-System da schon so ein bisschen aufzubauen, was ja eben auch ganz lange tragend in diesem Film ist. So lange, bis sie ihn ja auch finden und auch darüber hinaus so dieses, was ich ja meinte, warum ausgerechnet der? Und da gab es irgendwie, wo hatte ich das denn noch gelesen? Irgendjemand sagte so von den Beteiligten an dem Bootcamp, dass die das beeindruckend fanden des Tom Hanks, also da gab es dann auch so die Anfälle von Molderei, dass die wirklich gesagt haben so, ey, den Scheiß müssen wir uns hier eigentlich gar nicht geben und warum machen wir das hier eigentlich und wir drehen hier nur einen Film und dass Tom Hanks gesagt hat so, wir machen das jetzt und er ist derjenige, der es am wenigsten gemusst hätte, der da am ehesten hätte, rausgehen können als der Weltstar, Topstar, Megastar, aber der halt gesagt hat so, schon in der Rolle ja irgendwie drin war, zu sagen, I'm the bandleader hier. Und dass die das dann wohl durchgezogen haben, aber diese Anekdote, dass Matt Damon halt eben nicht dabei war, um den Groll der anderen noch zu verschärfen, das hatte ich noch gelesen und fand das ganz amüsant.

Christian:
[1:23:33] Ja, also da er fällt halt einfach auch raus. Allein denn, als sie ihn da, wie du sagst, sie fitten ihn total zufällig. Was ich auch spannend fand. Es hat mich auch überrascht, wie antiklimatisch das halt umgesetzt wurde. Kein großer Plan, kein... Also es war einfach Zufall. Ein Moment des Zufalls, was, finde ich, diese Banalität irgendwie auch noch unterstreicht. Und ihn ja dann auch wieder nochmal so im Vergleich zu den anderen wieder so abwertet. Aber dann haben sie halt ja diese Brücke, glaube ich, die sie da verteidigen. In diesem fiktiven französischen Ort. Wie hieß er noch? Rommel? Ravelle oder irgendwie sowas?

David:
[1:24:15] Irgendwas mit R, ja.

Christian:
[1:24:16] Genau. Und da kommen sie dann dazu, finden ihn auch, finden endlich den richtigen Ryan und der sagt ja auch was soll das? Ich will das eigentlich gar nicht, ich will ja nicht gerettet werden und dann, fasst man ja den Kompromiss sich zumindest an dieser Mission noch zu beteiligen. Der Auftrag von James Ryan ist es mit seiner Einheit, diese Brücke zu sichern. Dass die Nazis da halt irgendwie nicht rüberkommen und dass die irgendwie fürs weitere Vorrücken glaube ich irgendwie gesichert bleibt. oder irgendwie sowas. Und ich meine, dann entfaltet sich so das letzte große Finale und dann fallen sie halt nach und nach bis sogar auch Captain Miller. Ich glaube, der Übersetzer, den sehen wir, glaube ich, am Ende auch.

David:
[1:25:05] Ich glaube, der Übersetzer und der Schönling, die überleben. Oder? Stimmt der Schönling? Also weil Tom Seismos-Charakter stirbt. Miller, ja.

Christian:
[1:25:14] Der Private Raven, ich glaube, der stirbt aber auch. Ich bin mir jetzt auch gerade nicht so sicher. Also der Film suggeriert ja eigentlich, dass Ryan der Letzte ist, der überlebt. Und dann, gut, da haben wir dann auch ein bisschen den pathetischen Moment zwischen Miller und Ryan, wo Miller auf dem Sterbebett im Moment des Sterbens ja noch zu ihm sagt, irgendwie sowas, make it count, earn it, irgendwie sowas, genau.

Christian:
[1:25:39] Genau, und darüber wollte ich dann nämlich auch noch sprechen, um die Klammer zu schließen. Das ist ja eigentlich auch nochmal wieder eine sehr, sehr große Geschichte, die der Film eher beiläufig und im Kontext erzählt, wie dann der alte James Ryan da am Grab steht und ja wie wir dann sehen, seiner Frau und seinen Kindern und Enkelkinder dabei hat und, Und zumindest habe ich so die Reaktion an der Ehefrau gesehen, da gibt es ja einen Dialog, so die Kinder stehen ja nur so im Hintergrund. Ich glaube, die Ehefrau weiß gar nicht, was da gerade los ist, so richtig. Und das erzählt ja auch schon wieder eine ganze Menge, dass der da jahrzehntelang eigentlich diese krasse Geschichte, die wir da sehen, mit sich getragen hat, ohne darüber zu sprechen, ohne, ne, also, das ist eigentlich, das ist eigentlich auch nochmal wieder ein komplett eigener Film oder eine komplett eigene Geschichte. So was dieser Survivors Guild, die Schuld der Überlebenden oder die gefüllte Schuld der Überlebenden.

Christian:
[1:26:49] Das fand ich dann wieder krass, wie der Film da denn die Klammer setzt. Und ja, es wird auch dann sehr pathetisch, aber ich fand das irgendwie, für mich hatte der Film sich dann auch diese Sentimentalität und das ist natürlich auch Spielberg und so, aber das hat er sich in dem Moment dann auch noch verdient. Das war für mich eine gelungene Klammer. Ja.

David:
[1:27:10] Du meintest, dass Ryan ja eigentlich mehr so ein Plot-Device ist. Da ist mir nur gerade nochmal eingefallen, die deutsche Übersetzung ist ja nochmal besonders schlecht, weil die deutsche Übersetzung ist der Soldat James Ryan, als wenn es um ihn gehen würde, aber das Original ist ja Saving Private Ryan, wobei der Fokus ja auf Saving und nicht auf Private Ryan liegen sollte. Also eine bessere deutsche Übersetzung wäre ja Rettet Private Ryan oder Wir retten Private Ryan oder irgendwie so sein müssen. Aber nee, da haben sie es einfach nur, ja, also Ryan kommt vor im Titel, aber ja, um ihn geht es nicht, sondern es geht ja um das Saving. Und dann, als sie da ankommen und ihn dann treffen, ist ja die Einheit von Captain Miller ja auch besonders dreckig und hat schon so viel durchgemacht und wir wissen auch, wer alles schon gestorben ist und so, um wie viel jetzt nur noch ankommen und, Matt Damon sieht ja aus wie frisch geduscht oder so. Also da ist ja gar nichts. Das ist ja auch nochmal so ein absoluter Gegensatz. Ja, der ist irgendwie abgesetzt worden, sitzt er bei dieser Brücke, aber da ist anscheinend nichts passiert seit der Landung in Normandie.

Christian:
[1:28:16] Stimmt, gute Beobachtung, ja.

David:
[1:28:17] Das ist nochmal. Und dann fand ich auch interessant, dass er natürlich auch selber sagt, naja, warum sollte ich verdienen, nach Hause zu gehen? Ich bleibe jetzt bei den einzigen Brüdern, die ich noch habe. Also seiner Einheit. Weswegen sie ja dann zu diesem Kompromiss kommen, dass dann Captain Millers Einheit da mithilft. Ja, und ja, dann aber schrittweise alle dann sterben. Und ja, das ist dann nochmal eine schöne Klammer, dass dann nochmal der Alte kommt. Also da ist ja nochmal der Schnitt auf ihn. Und wie gesagt, so gut gecastet der Alte Ryan, dass ich gedacht habe, ist das so wie eine Maske? Ist er das?

Christian:
[1:28:54] Habe ich mich auch gefragt. Ist das eine Maske? Ist das geschminkt? Das ist schon gut getroffen, ja.

David:
[1:28:58] Ja, so bei Old-Age-Make-up in den 90ern, wenn man so Star Trek Next Generation oder so guckt, das sah noch richtig schlecht aus. Also im Film war es vielleicht schon ein bisschen besser, aber es war richtig gut gecastet. Und wobei ich natürlich auch wieder interessant finde, das einzige Zeichen, dass wir sehen, dass er ein tolles Leben geführt hat, war halt, dass er irgendwie Kinder und Enkel und sonst was hat. Nicht, dass er irgendwie, keine Ahnung, als Historiker 15 Bücher veröffentlicht hat und ganz viel herausgefunden hat oder so. Hört ja auch sein können, dass das ein erfülltes Leben ist, aber nein, da wird es darauf runtergebrochen, dass er dann viele Enkel hat und dann sozusagen das amerikanische Volk weiter hat leben lassen, aufleben lassen. Ja, nee, aber es ist nochmal eine schöne Klammer und dann endet es. Und dann am Ende sehen wir, glaube ich, nochmal nur die US-Fahne, aber nicht mehr die Französische Fahne. Am Anfang sehen wir nochmal die französische Fahne auch, was ich auch interessant fand, also dass man die US- und die französische Fahne sieht. Dann kommen die Franzosen bis auf die Familie, wo Vin Diesel die Tochter retten will, nicht mehr vor. Und am Ende kommt auch gar nicht mehr die französische Fahne vor.

David:
[1:30:05] Also ein Aspekt, das ist natürlich bei so einem Film, wenn man so eine Geschichte erzählen will, schwierig. Aber es kommen ja so gut wie gar keine Frauen vor. Wir haben die Mutter, die paar Sekretärin und dann diese Familie. Man hätte ja auch, wenn man sagt, wir zeigen jetzt nicht nur die US-amerikanische Erfahrung, man hätte ja auch eine Resistenzeinheit noch zeigen können, wo dann auch Frauen mit dabei sind oder so. Oder irgendwie eine Zivilbevölkerung, die unter irgendwas leidet, die vielleicht in diesem Ort ist, wo diese Brücke ist. Da hätten ja auch Leute, da hätten ja Menschen leben können oder noch sein können oder so. Aber nee, das ist halt wirklich nur die US-amerikanische Erfahrung in diesem Krieg. Und es sieht natürlich toll aus und ist dann auch grandios inszeniert, auch diese Schlacht oder so. Aber ja, die Gesellschaft sozusagen, in der das spielt, die kommt halt gar nicht vor.

Christian:
[1:30:50] Ja, ja. Es ist dann auf das Individuum runtergebrochen, auf diese persönliche Geschichte runtergebrochen. ein guter Hinweis zum Titel. Also im englischen Titel wird die Passivität ja quasi mitformuliert von James Ryan. Aber ja, also.

Christian:
[1:31:14] Ja, ich weiß gar nicht, was ich noch dazu sagen soll. Also stark gemacht, absolut nicht frei von Fehlern, so keine Frage, aber für mich ein starkes, Statement, für, ja, also ich sehe da irgendwie sowas, ich sehe da sowas Humanistisches drin. Ich sehe da diese Problematik, also der Film, wenn ich diese Klammer mal so ein bisschen weglasse, ja, was, also da, da, da, ich will nicht sagen, dass der Film da Antworten liefert, aber ich finde, der Film stellt sehr viele Fragen und wirft sehr viele Problematiken auf und in diesem Setting an der Front habe ich eben nicht das Gefühl, dass der mit so einer riesen Keule Fragen sehr einseitig oder sehr oberflächlich beantworten will, sondern es bleibt, es bleibt schwierig, also auch dieser Abhelm, der da dann sehen muss, dass allein dieser Moment, wo der Nazi auch dann im Treppenhaus an ihm vorbeigeht, so dieses, Schmach, diese Scham, aber dann auch irgendwie diese Sinnlosigkeit nochmal auch auf seiner Ebene, so wenn er da diesen, freigelassenen Soldaten, den er dann nochmal erschießt, so dann in einer wehrlosen Situation, also es ist so Ja.

David:
[1:32:39] Krieg ist die Hölle, ja.

Christian:
[1:32:40] Ja, die Beschissenheit dieser Kriegs, dieses Kriegssettings, diese zeitlose Beschissenheit des Kriegssettings, das ist es ja auch. So, diese, diese, diese Problematik, diese, diese, Moral ist auch das falsche Wort, diese, diese Verwirfnisse der Menschlichkeit, die da aufgemacht werden. Diese Schwierigkeit, Mensch zu sein, Mensch zu bleiben, für etwas zu kämpfen, gegen etwas zu kämpfen und dann eigentlich so in diesen Momenten zu merken, wie irgendwie sinnlos das auch alles ist. Wie sinnlos, also auch das Abknabbern an diesem Menschenleben und auch der Verlust zu dem großen Ganzen, das ist ja auch eine Mission, die für den Krieg halt null entscheidend ist. Aber gleichzeitig ist ja auch das wenigste eigentlich in dem Krieg entscheidend, was das Individuum dort leistet. Das ist es ja auch wieder. Ich finde den Film auf dieser motivischen Ebene sehr facettenreich und auch sehr, Da verhandelt er einfach oder da wirft er viele Fragen auf. Und das gefällt mir an dem Film. Das gefällt mir auch immer noch an dem Film.

David:
[1:33:55] Ja, nee, und der Film ist auch grandios. Und ja, wenn man mich nach guten Kriegsfilmen fragen würde, würde ich den auch definitiv nennen. Also ich wüsste nicht, wen ich noch nennen würde, aber der wäre definitiv mit dabei. Okay, dann Kirk fand ich noch ganz gut. Aber ja, nee, ist schon ein erstaunlich guter Kriegsfilm und unter anderem wegen dieser Landung in Omaha Beach. Aber wie ich halt meinte, es ist halt auch sehr US-amerikanische nationale Mythenbildung. Und der Tom Hanks, der ja dann, soweit ich weiß, ich kenne mich mit seiner frühen Filmografie nicht so aus, aber das war ja, glaube ich, sein erstes Mal dann ein Zweite-Weltkriegsthema als Film- oder Serienthema. Aber das ist ja was, was er bis heute durchzieht.

Christian:
[1:34:37] Stimmt.

David:
[1:34:38] Erst kam Band of Brothers, dann The Pacific, dann Masters of the Air.

Christian:
[1:34:42] Die er, glaube ich, alle nur produziert hat.

David:
[1:34:44] Das hat er, glaube ich.

Christian:
[1:34:45] Nicht mitgespielt, aber ja klar.

David:
[1:34:46] Aber hinter der Kamera, vor der Kamera kam noch Greyhound vor fünf Jahren. Da hat er auch einen Kommandeur eines US-Schiffes, was dann die Transatlantik-Passage macht, gespielt. Da kommt auch ein Frauencharakter vor, weil er hat dann halt eine Frau, die am Anfang erst irgendwie so ein Weihnachtsgeschenk gibt und so. Und dann unterhalten die sich noch und dann kommt sie sozusagen vor. Und es gibt auch Schwarze auf dem Schiff, die sind dann nur der Koch. Aber trotzdem sieht man dann halt so eine Hierarchie und das ist ein bisschen diverser. Also auch da hat er sich weiterentwickelt. Das bleibt nicht alles in den 90ern stecken, aber er hat sich immer weiter mit diesem Thema beschäftigt und ich war noch nicht da, aber in New Orleans gibt es das National World War II Museum in den USA, was auch irgendwie riesig ist und dafür hat er auch irgendwie so einen Kurzfilm produziert und mit eingesprochen und spielt da auch irgendwie eine zentrale Rolle bei diesem Museum und auch bei dieser nationalen Mythenbildung dann für die Öffentlichkeit jenseits des Films. in der US-Bevölkerung. Also dieses Museum hat irgendwie über 700.000 Besucher im Jahr, also, Okay, die USA haben ja irgendwie 300 Millionen Einwohner, grob so, aber trotzdem, wenn die dann alle mal vorbeikommen, ja, dann hat es ja schon eine gewisse Breitenwirkung.

David:
[1:35:59] Und das ist dann nicht Zweiter Weltkrieg, sondern das ist dann Kalter Krieg, aber er hat ja noch mit Spielberg Bridge of Spies gemacht. Dann auch wieder wir, die Guten und er als irgendwie so einfacher Anwalt, der dann in die große Politik geworfen wird und dann gegen die bösen Sowjets dann den Armee da rausholen muss und dann befreien muss. Aber dann nicht als Kampfhandlung, sondern als juristische und politische Auseinandersetzung oder so. Aber das ist ja nochmal ja auch wieder so ein klares Freund-Feind-Schema und so gut, böse, nur halt nicht ganz so weit zurück wie Zweiter Weltkrieg, sondern dann 50er oder 60er Jahre oder wann das spielt oder so. Aber das finde ich interessant, dass da dann auch wieder dieses Gespann Spielberg hängt zusammen. Da war dann, ich glaube, das allererste Mal nicht John Williams bei einem Spielberg-Film seit Jahrzehnten dabei. Ich weiß gar nicht, was Williams da zu dem Zeitpunkt gemacht hatte.

Christian:
[1:36:50] Ich glaube, einfach mal weniger.

David:
[1:36:53] Ja, oder vielleicht war er auch mit den Star Wars-Sequels oder so beschäftigt, ich weiß es gar nicht. Aber da war Thomas Newman und fand ja auch einen tollen Score. Also keine Frage, kein Verlust. War auch mal eine schöne Alternative, aber trotzdem dieses Selbstverständnis und dieses Bild und auch wenn man sich anguckt, wie Ostdeutschland oder wie die Sowjets in Bridge of Spies dargestellt werden, dann ist das auch, ganz plump und dann in Greyhound dann sind natürlich die, da sieht man die Deutschen gar nicht, weil das ist ja ein U-Boot man hört die immer nur oder sieht dann immer nur so ein Schiff oder so ein U-Boot auftauchen oder so, Aber finde ich trotzdem krass, dass halt dieser Hengst da in dieses Thema eingestiegen ist und dann in sein Privatleben durch dieses Museum.

Christian:
[1:37:33] Ja, der hat auch eine Ehrung bekommen, so eine militärische Ehrung, Sonderehrung, die habe ich noch gelesen und so.

David:
[1:37:38] Ja, aber das ist so ein Thema, was ihn jetzt drei Jahrzehnte begleitet. Und keine Ahnung, wenn er dann noch älter ist, aber dann noch mehr Filme dazu produziert oder so. Aber das habe ich so als Thema, fällt mir kein anderer ein, der so ein Thema so behandelt. Also ich meine, Arnie und der Terminator, das ist dann irgendwie so ein Franchise, mit dem man immer verbandelt ist und immer wieder zurückkehrt. Aber so ein inhaltliches Thema, was so ein Schauspieler, Produzent dann über Jahrzehnte so beackert, fällt mir gerade spontan keiner ein.

Christian:
[1:38:10] Und weil du das so schön formuliert hast, du hast von Mythenbildung gesprochen, Also den Zweiten Weltkrieg als Mythos, als amerikanischen Mythos in Popkultur und Geschichte und Gesellschaft und Hengs als Vehikel. Also das ist ja glaube ich das, worauf ich so hinaus wollte und jetzt kann ich das vielleicht besser auf den Punkt bringen. So, Hengst ist Mythen, also Hengst selbst ist ja schon amerikanischer Mythos, aber er ist halt das ideale Vehikel für amerikanische Mythenbildung oder Mythenerzählung. Und wie du sagst, am Zweiten Weltkrieg oder an dem Thema, die USA als Weltmacht, da ist er eben ganz eng zugange. Und ich glaube, da kommt auch was zusammen fürs Publikum. Das hat ja auch eine Strahlkraft, eine Wirkungskraft, wenn ausgerechnet Tom Hanks derjenige ist, der das Gesicht, das amerikanische Gesicht, dann die amerikanische Geschichte oder den amerikanischen Mythos vermittelt.

David:
[1:39:17] Ja, du hattest vorhin noch erwähnt, als es um die Charaktere ging, dass er ja einen erfahreneren Charakter spielt, also er ist ja auch ein bisschen älter und so und hat ja anscheinend auch viel mitgemacht und man sieht einmal Tom Seismore, der ja irgendwie, also sein Charakter, die beiden haben ja irgendwie den Krieg zusammen bisher durchgemacht. Der macht so ein bisschen Erde in so eine kleine Dose rein. Da steht dann nur drauf, welche Kriegstheater sie schon durchgemacht haben und da steht halt Italy und Afrika drauf. Also das war ja nicht die erste Landung der US-Amerikaner. Die erste war ja 1942 dann in Nordafrika, also Marokko, Algerien. Und da war es dann noch so, dass ganz viel, also noch viel mehr US-Amerikaner gestorben sind. Nordafrika war eh absolutes Chaos, weil Vichy Frankreich offiziell neutral war. Und dann haben sie manchmal gegen die Amis gekämpft und manchmal nicht. Manchmal gab es dann Verhandlungen und ja, das ging alles irgendwie ganz komisch aus. Aber als dann die Nazis in Tunesien eingerückt sind und dann die ersten Schlachten um Tunesien stattfanden, Da war es halt so, dass die Amis gerade mal ein Jahr im Krieg waren und halt sehr hohe Verlustzahlen hatten. Während die Briten, die zu dem Zeitpunkt, also 1942, dann schon drei Jahre im Krieg waren, bei denen sahen die Verlustzahlen ganz anders aus. Und dann kam noch die Landung in Italien.

David:
[1:40:38] Und dann halt die Normandie erst. Also Italien dann 1943 und Normandie dann 1944. Und die Frage ist natürlich auch, wo hat er die Erfahrung her? Also er anscheinend war ja schon auf diesen anderen Schauplätzen dann ums Mittelmeer rum. Aber wenn er dann noch davor irgendwo gedient hat, wäre auch die Frage, ja wo? Wahrscheinlich in einem US-Kolonialkrieg auf den Philippinen oder so oder in der Karibik oder so. Ja, aber das führt dann wieder weiter. Aber das sind dann so die Sachen immer, die nicht in der Mythenbildung erzählt werden. Aber das nur zum Kontext des Krieges. Das war die größte amphibische Landung in der Geschichte der Menschheit. Also seitdem haben wir sowas nie wieder gesehen. Und ja, bis dahin gab es sowas auch nicht. Aber es kam auch in einem interessanten Moment im Krieg sozusagen. Also erst Nordafrika, dann Italien und dann halt die Landung in der Normandie.

Der 8. Mai als Gedenktag

Christian:
[1:41:29] Ja, dann kommen wir eigentlich auch schon zum Ende und irgendwie zu dieser Frage, was bleibt? Also ich wollte nochmal versuchen, über diesen Anlass auch zu sprechen. Wir nehmen das Ganze jetzt ja natürlich vor dem 8. Mai auf. Am 8. Mai soll dieser Podcast erscheinen. Ich frage mich auch, wieso dieser Tag besprochen wird, diskutiert wird. Weltpolitisch, geopolitisch, gegenwärtig, ja, hat das alles irgendwie eine ganz andere Bedeutung, ganz anderen Spin irgendwie für mich bekommen. Ich weiß nicht, wie es dir geht. Ich bin schon gespannt, wie gewisse gesichert rechtsextremistische Parteien auf diesen Tag reagieren werden und ihn verhandeln werden. Aber auch mit diesem Film im Rücken, wie ist das für dich im Jahr 2025, dich popkulturell mit dem Zweiten Weltkrieg zu beschäftigen? Hat das, also wirkt das alles jetzt irgendwie anders? Macht das was mit dir? Du hast ja auch schon gesagt, du hast den Film schon öfter gesehen. Wie fühlt sich das an für dich?

David:
[1:42:42] Ja, also als Historiker beschäftige ich mich schon länger mit der Geschichte. Was für eine Überraschung, aber ich habe, Fand das krass, wie eigentlich schon im vergangenen Jahrzehnt oder eigentlich schon länger das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa, also der Tag der Befreiung, nicht mehr so als Tag der Befreiung begangen wird. Sondern die Bundesregierung spricht schon seit einem Jahrzehnt einfach nur von Kriegsende und dann war es halt vorbei. Und das fand ich halt krass, weil Tag der Befreiung, das war halt in der Bundesrepublik ein Moment, wo Weizsäcker, also der CDU-Bundespräsident, das gesagt hat, nee, das war ein Tag der Befreiung. Weil es halt bis in die 80er Jahre, also 85 hat er das gesagt.

David:
[1:43:33] Bis in die 80er Jahre halt immer noch Leute von der Niederlage gesprochen haben, Revisionisten. Dann gab es ja noch die Bitburg-Affäre, also da war Reagan in Bitburg mit Kohl, also dem damaligen Bundeskanzler, auf einem Soldatenfriedhof, auf dem auch Soldaten der Waffen-SS lagen. Weil es damals, also weil einerseits gab es den Mythos von der sauberen Wehrmacht noch, also die haben gar nichts mit dem, sozusagen mit dem politischen Teil oder dem Holocaust oder so zu tun gehabt. Und dann gab es aber noch die Waffen-SS und dann, ja, das war irgendwie so die Elite-Truppe. Aber da wurde dann immer gern Holocaust, Massenmord an den Roma und alles Mögliche ausgeblendet, um diesen Mythos aufrechterhalten zu können. Und dann war Reagan auf diesem Friedhof in Bitburg und damals, ich glaube, sein Außenminister hatte damals gesagt, jetzt lacht Hitler in der Hölle, weil sozusagen der US-Präsident dann nach Westdeutschland Mitte 80er Jahre kommt und dann auf einen Friedhof geht, wo auch Waffen-SS-Soldaten liegen und dann irgendwie es da irgendwie so ein ehrendes Gedenken gibt. Und dann kam halt Weizsäcker, der ja auch aus einer Familie kam. Also sein Vater war ja auch im Außenamtsapparat der Nazis. Also der hatte ja sozusagen auch die direkte Verbindung da.

David:
[1:44:47] Und der hat aber gesagt, nee, das war halt eine Befreiung, weil danach waren wir die Nazis halt los. So, ja, aber dann waren die erst mal weg und dann konnten die nicht mehr mitregieren. Und es gab erst mal auch keine Wahlen oder die durften nicht antreten. Und in den 50ern wurde noch Sozialistische Reichspartei verboten. Und ja, also auch Versuche, von denen politisch wieder aufzuerstehen, wurden ja im Keim erstickt, zum Glück, bis in die 80er Jahre rein.

David:
[1:45:16] Ja, und jetzt dieses Kriegsende, also ich finde dieses Kriegsende jetzt nicht besonders emotional, schon vor fünf Jahren. Oder auch vor zehn Jahren wurde es auch schon mal diskutiert. Da hieß es nur in Moskau bei der Parade, da ist ja dann am 9. Mai, Tag des Sieges, immer die große Parade. Da sind sozusagen auch die letzten Veteranen dabei. Es gibt jetzt noch ein paar Veteranen, die müssen aber wirklich sehr jung dann zum Krieg gewesen sein. Aber wir sind ja mittlerweile in einer Phase, wo die ZeitzeugInnen aussterben. Das macht ganz viel mit dem Gedenken. Also ich weiß noch, in der Schule, wir hatten einen Shoah-Überlebenden, der auch schon sehr, sehr alt war, aber der dann in die Schule gekommen ist und uns Sachen erzählt hat. Und natürlich, es gibt noch einzelne, beziehungsweise teilweise sind es dann so die Kinder, die das dann nicht mehr selber erlebt haben, sondern nur ihre Eltern. Also das schon schlimm genug ist so. Aber bei mir in der Schule war das noch so groß, dass man dann auch jemanden erlebt hat, der diese Scheiße mitgemacht hat, um es mal so zu sagen. Und das macht halt jetzt auch ganz viel mit Gedenkpolitik, Erinnerungspolitik. Wie erinnern wir uns an den Krieg oder an den Zweiten Weltkrieg insgesamt, aber natürlich auch den Holocaust, Zwangsarbeit, alles, was dazugehört. Ich habe ja mal die Debatten ums Panzermuseum mitbekommen in Munster. Also ich wohne ja hier in Bremen und Munster ist ja gar nicht so weit weg. Und dann in Munster, da gibt es dann immer die Kommentare so, konzentriert euch doch auf die Technik. Macht doch gar nicht diesen politischen Teil. Ja, ja, die haben da Panzer gebaut.

Christian:
[1:46:43] Völlig unpolitisch. Panzer bauen, Panzer einsetzen ist ein absolut unpolitischer Akt.

David:
[1:46:48] Zählt lieber die Patronen und wie lange die Rohre waren und so, aber geht nicht darauf ein, was für Zwangsarbeiter, wer war Zwangsarbeiter, wie wurden Sachen erobert, Kommissarbefehl, wer wurde da an der Ostfront sofort erschossen, wer ist ins KC gekommen, ist später gestorben oder wo haben die da in welchen Betrieben gearbeitet, was haben die hergestellt und so. Das kann man natürlich alles ausblenden und dann sagen, das ist nur technisch und jetzt, wenn auch die Zeitzeugen, Zeitzeuginnen dann, So kann man, ja, ist vielleicht bei manchen der Drang dann größer, eine, wie hat Höcke gesagt, änderungspolitische Wende um 180 Grad zu machen. Da ist dann sozusagen der historische Moment da. Aber ich bin halt gegen diese änderungspolitische Wende, sondern meine halt, das ist ein Tag der Befreiung. Und wir müssen an den Holocaust, an den Völkermord, an den Roma und Sinti und natürlich auch an alle politischen Sachen erinnern. Also auch das, okay, jetzt wird es sehr politisch, aber trotzdem. Aber dass eine Weidel dann zu Mass geht und dann bei Twitter sagt, Hitler war ja Kommunist. Und wenn man sich aber die Geschichte anguckt, die Kommunisten waren die Ersten, die im KZ gelandet waren. Also die Juden, die waren auch sofort schlecht dran und so. Und die Sozialdemokraten auch, aber die Kommunisten waren die Ersten. Und dann einfach so was geschichtspolitisch Vergessenes, so einen Unsinn zu erzählen. Und dann der reichste Mann der Welt sitzt daneben und nickt dann so. Und dann denkt man sich so, nein, das hat einfach nichts mit der Geschichte zu tun.

Christian:
[1:48:08] Aber genau das ist so der Punkt. Also ich habe mich jetzt gesellschaftlich, politisch, historisch gar nicht so sehr vorher mit diesem Tag, mit dem Jubiläum irgendwie auseinandergesetzt. Ich kann mich nicht daran erinnern, zum Beispiel so ein Erlebnis in der Schule gehabt zu haben. Aber ich, also der Begriff Befreiung ist in der Gegenwart irgendwie wieder mit so einem, aus anderen Gründen Beigeschmack irgendwie besetzt, zumindest für mich, weil ich das Gefühl habe, der suggeriert, also ja, eine politische, eine, eine.

Christian:
[1:48:49] Ja, also der politische Apparat des Nationalsozialismus. Der war besiegt, der war erledigt, der war vorbei. Und das ist auch sehr gut so, aber ich habe so das Gefühl, genau in der Situation, die du gerade beschrieben hast, wenn Weidel mit Musk in irgendwelchen Twitter-Geschichten da irgendwie sich verbandelt, dass halt eben die Befreiung noch nicht abgeschlossen ist, sondern dass da wieder etwas zurückkommt, von dem wir dachten, es sei schon lange, lange, lange aus guten Gründen weg. Und das ist irgendwie schräg. Also du hast es auch immer wieder angedeutet, ich hoffe, dass dieser Podcast eine ganz geringe Halbwertszeit hat, aber in der Gegenwart fühlt es sich so an, als ob sich auch die Welt sehr stark verändert. So, wir haben eine USA, die diesen Mythos, den wir in diesem Film aufgebaut sehen, auch schon radikal jetzt in den letzten Wochen und Monaten hinter sich gelassen hat. Ja, also das ist eine turboschnelle Veränderung, die da, oder vielleicht nicht Veränderung, also für viele war das ja schon länger absehbar, aber es ist einfach eine...

Christian:
[1:50:01] Also ich finde, der Film, der Soldat James Ryan hat so eine doppelte, wie sagt man, Historizität.

Christian:
[1:50:09] Er behandelt die Ereignisse von 1944, er bezieht sich auf den Zweiten Weltkrieg und jetzt haben wir so das Gedenken zum 80. Der Befreiung. und es ist ein Film von 98, der dann ja eine filmische Gesellschaft Gegenwart irgendwie auch noch hat, wie du sagst, was wir schon festgestellt haben. Eine Rehabilitierung der USA, 98, die da vielleicht in Gang gesetzt wurde, ein Mythos, der da wieder aufgebaut wurde, an den angeknüpft werden wollte. Also der ist fast 30 Jahre alt, der Film, und hat damit ja auch nochmal eine ganz andere historische Ebene. Also zum Zeitpunkt, als der Film rauskam, 1998, wie du sagst, waren die Verhältnisse auch nochmal ganz anders gesetzt. Es gab Veteranen, die auch diesen Film gesehen haben und das Kino verlassen mussten. Es gab, glaube ich, auch eine ganz andere gesellschaftliche und politische Diskussion rund um diesen Film auf einem ganz anderen Boden zu einer ganz anderen Zeit. Und du hast vollkommen recht, auch da mit Schieflagen natürlich drin, ja, also aber es fühlt sich irgendwie ganz merkwürdig an, 2025 den Film zu schauen, über den Film zu sprechen und dann auch in diesen in dieses Jubiläum, in diesen Gedenktag, irgendwie zu gehen, wenn.

Christian:
[1:51:31] Also ich habe gut, 98 war ich auch irgendwie 9, nee, 11 ich kann nicht rechnen, 98 war ich 11 da habe ich auch vieles nicht mitbekommen, aber, wenn du diese Zeitreisemöglichkeit den Menschen 98, die völlig perplex aus dem Kinosaal entlassen wurden und diesen Film haben wirken lassen können, wenn du die ins Jahr 2025 schickst und denen zeigst, wo wir angekommen sind, die rotieren so, das, ja, es ist einfach merkwürdig. Und ich muss auch ganz ehrlich sagen, du bist der Militärhistoriker, du beschäftigst dich ständig mit Krieg. Aber ich musste auch ganz ehrlich, also für mich hat sich diese Filmsichtung auch irgendwie anders angefühlt in einer Zeit, in der wir anders oder ich auch anders auf Krieg schaue, Krieg anders wahrnehme. Der Krieg in der Ukraine, der jetzt schon seit Jahren läuft und stattfindet. Die USA, die irgendwie die der Meinung sind, dass die Ukraine doch einfach nur, ja, aufgeben ist auch das falsche Wort, also es ist.

Christian:
[1:52:46] Ich glaube, dadurch hat der Film auch nochmal ganz anders auf mich gewirkt, dass ich das Gefühl hatte, dass der Film eine, universelle Wahrheit erzählt hat, die jetzt im Jahr 2025 vielleicht auch nochmal ganz, also nochmal klarer irgendwie in diesem Film steckt, dadurch, dass das Thema irgendwie näher wieder gerückt ist und weniger hypothetisch, weniger intellektuell, weniger als abgeschlossener Blick auf abgeschlossene Geschichte funktioniert, sondern mit so einer Brisanz irgendwie wieder gegenwärtig geworden ist und die Zeitlosigkeit des Filmes das nochmal unterstreicht. Also auch die Meisterhaftigkeit dieser vier Momente des Filmes unterstreicht und sagt, hey, was wir meinten, die Beschissenheit der Dinge im Krieg. Du kannst, also egal in welchem Krieg, es bleibt stets beschissen. Und das ist vielleicht eine Plattitüde, kann sein, aber ich fand es nochmal sehr beeindruckend, das in diesem Film irgendwie in dieser Zeit nochmal wahrzunehmen.

David:
[1:53:42] Ja, also 1998 ist ja auch ein interessantes Jahr für die Geschichte der Bundesrepublik, weil Kohl abtritt und dann Gerhard Schröder Kanzler wurde und Kohl hatte noch den Zweiten Weltkrieg bewusst miterlebt. Der ist 1930 geboren, also war 15 zum Ende des Krieges. Also hat seine Kindheit, seine frühe Jugend im Krieg erlebt und war auch bis 1998, bis er abgetreten ist, halt immer gegen... Und wollte ja auch in Kosovo oder Jugoslawien oder in Lungswo, wo wir die Rutsch werden und alle sterben. Und Krieg ist einfach scheiße. Und das sollte eigentlich eine Grundregel sein, dass Krieg scheiße ist. Also da habe ich sozusagen gar nichts zu kritisieren an dem Film. Da hat er eine beeindruckende audiovisuelle Wirkung. Und wie du auch gesagt hast, wie viel ist ein Leben wert? Wie viel sind acht Leben wert? Oder was wird dann gegeneinander aufgerechnet und so? Das wird ja immer verhandelt. Und bei diesem Thema, Kriegsfilm, Antikriegsfilm sozusagen, da ist er immer gut. Ich kritisiere dann als jemand, der auch Kolonialismus und so, kritisiert dann da andere Sachen. Habe ich ja schon alle erwähnt so. Ist natürlich auch ein Produkt seiner Zeit. Aber es ist schon ein beeindruckender Film. Und einfach mal, um Leuten zu zeigen, wie schlimm Krieg ist, Das ist, glaube ich, ein gutes Beispiel. Aber eine Frage, die ich dich noch fragen wollte, war das bei dir in der Schule auch so, dass dann Überlebende aus der Shoah in der Schule waren und euch irgendwie eine halbe Stunde irgendwie was erzählt haben oder so?

Christian:
[1:55:08] Nee, kann ich mich nicht daran erinnern.

David:
[1:55:10] Ach krass, okay. Ich dachte, das wäre irgendwie was universelles. Also okay, du brauchst ja auch die Überlebenden oder musst ja auch geografisch verteilt haben. Aber ich dachte, das wäre irgendwie so normal gewesen für lange Zeit. Aber okay.

Christian:
[1:55:21] Also ich komme ja aus Husum. Das ist ja ein sehr kleines Städtchen, Nordseeküste.

Christian:
[1:55:30] Ich kann mich jetzt nicht unbedingt daran erinnern, dass, also ich habe im Laufe der Zeit und je älter ich geworden bin und auch geschichtsinteressierter wurde, auch Sachen dazugelernt, auch über meine Region, auch Zwangsarbeit, also Zwangslager in der Nähe, die ich auch, glaube ich, erst hatte. Später zu Gedenkstätten wurden, also glaube ich auch noch gar nicht, wo ich noch zur Schule gegangen bin. Also ich habe schon den Eindruck, dass zu meiner Schulzeit auch gewisse Dinge versäumt und verpasst wurden, uns näher im Sinne auch von geografisch nahe zu bringen.

Christian:
[1:56:09] Also da gab es ja dann auch diese Geschichte mit diesem Atlantikwall oder so, glaube ich, den Hitler irgendwie geplant hat. Da gab es doch mal irgendwie diese Pläne, die irgendwie, glaube ich, nie über den Planungsstatus hinausgingen. Da habe ich dann auch erst später von gelesen und dachte mir, ja krass, das hätte eigentlich quasi durch, nicht durch den Vorgarten, aber so, das hätte uns halt irgendwie auch betreffen müssen. Warum habe ich davon nie vorher in der Schule mal gehört? Oder also, weißt du, also ich stand des Öfteren an der Küste, die eigentlich geschützt hätte werden müssen. Warum ist das keine Sache, die man uns Jugendlichen auch irgendwie plastisch und nahe bringt. Warum wusste ich nichts von einem Zwangslager, was halt glaube ich da für diesen Fall auch irgendwie eingesetzt wurde. Also das waren alles so Dinge, wo ich eher das Gefühl hatte, dass das ja, ich will nicht sagen verschwiegen wurde.

David:
[1:57:09] Aber versäumt. Wir wissen ja nicht, ob es Absicht war oder nicht, aber es kam halt nicht vor.

Christian:
[1:57:14] Ja, und vielleicht kommt daher auch so ein bisschen dieser Punkt, dass ich so sensibel bin, was immer diese, Abgeschlossenheit dieses Kapitels oder sagen wir mal des Nationalsozialismus, dieser Denkweisen auch irgendwie betrifft. Ja, dass halt so dieses, was mich halt immer so ein bisschen anstachelt, ist immer dieses, Gefühl vermittelt zu bekommen, das sei ja alles gewesen und jetzt merken wir, wie es wiederkommt und wie es sich anfühlt, wenn es kommt und wie unfähig ich mich auch vorbereitet fühle, darauf zu reagieren. Das ist nochmal eine ganz andere Diskussion, ein ganz anderes Kapitel, aber ja, ja, aber irgendwie, um noch den Bogen auch zu dem Film zu machen, eine, ich würde mal sagen, interessante und auch relevante Seherfahrung in der Gegenwart.

David:
[1:58:16] Ja, definitiv.

Christian:
[1:58:18] Trotz aller Fehler, vielleicht auch mit aller Fehler. Ja.

David:
[1:58:26] Tief lupen, ja. Ja.

Christian:
[1:58:31] Genau, fällt dir noch was ein oder wollen wir einfach das Kapitel zumachen, die Klammer setzen. Wir haben ja schon Überstunden auf dem Tacho. Lass mich vielleicht noch ganz schnell weitermachen in den Sendungshaken, die wir setzen.

Nächste Sendung: Tron: Legacy (#3DUnit)

Christian:
[1:58:47] Weil, bevor wir hier rausgehen, gibt es ja noch den Verweis auf den nächsten Podcast, auf die nächste Sendung hier in der Second Unit. Wir, auch da wieder ein kompletter Gangwechsel, komplett anderes Thema. Wir sprechen dann mal wieder über das Thema 3D-Heimkino. Ich schnappe mir mal wieder den lieben TJ. Und wir sprechen über Tron Legacy, ein ohnehin erstmal großartiger Film mit einem fantastischen Soundtrack und ich glaube irgendwie auch ein bisschen so unterm Radar. Aber ich habe das auch schon selber erfahren in einem Heimkino von TJ, eine sehr gute, eine sehr spannende 3D-Filmerfahrung. Und ja, ich hijacke da mal meine VR-Brille und lade mir den Virtual Cyberspace mal direkt auf die Augen. Das wird auch spannend, aber wir sprechen halt in der 3D-Unit, wie wir sie ja mittlerweile nennen, in einem kleinen Mini-Format, sprechen wir über Tron Legacy. Natürlich dann eben auch in der 3D-Fassung, aber nicht nur, also da ist auch für alle was dabei.

Christian:
[1:59:55] Ja, dann, David, erstmal vielen Dank für die Teilnahme für dieses Mammut-Projekt hier.

Abmoderation

Christian:
[2:00:05] Genau. Und du bist ja auch noch im Internet, ich glaube jetzt auf Blue Sky unterwegs, aus wahrscheinlich besagten Twitter-Gründen.

David:
[2:00:14] Ich bin auch noch auf Twitter, weil ich da so viele Lesezeichen und so angelegt habe. Das muss man erst mal wieder aufarbeiten. Aber ich bin auch auf Blue Sky. Also Marte Schrank, einfach bei Blue Sky suchen. Eigentlich ist es ja ein Blog da habe ich aber schon länger nichts mehr geblockt und auch irgendwelche Podcast-Ideen haben sich alle noch nicht materialisiert, also, wenn man meine Meinung zu Filmserien allgemein Popkultur haben will dann am besten ja bei Blue Sky oder die letzten Verbliebenen noch bei X, einfach Materschrank suchen und dann finden und dann findet man da so ein paar, Snippets von mir, sagen wir es mal so.

Christian:
[2:00:54] Sehr gut. Ja, ihr könnt uns natürlich auch folgen, auch natürlich bei Blue Sky, bei Mastodon, da hänge ich sehr gerne mittlerweile rum und auch mit dem Podcast, aber ja, ihr findet uns natürlich auch da, wo ihr uns gerade hört, auch als Abo-Version, also wenn ihr die nächste Sendung mitkriegen wollt, ihr könnt auch sehr gerne mal durch das sehr große Archiv euch weiterarbeiten, aber abonniert sehr, sehr gerne. Das geht bei Apple Podcasts, Spotify, YouTube, Podcast-Apps eurer Wahl. You name it, wir sind da vertreten. Wir sind natürlich auch im freien Web, secondunit-podcast.de. Da findet ihr einen Beitrag zu diesem Podcast. Da findet ihr auch alle Links drin. Aber da könnt ihr vor allem auch kommentieren, so wie das früher auch mal in diesem guten alten Internet funktioniert hat. Also falls ihr Feedback habt, weitere Meinungen oder Referenzen oder eben auch Hinweise oder Links oder Deutung oder Perspektiven, Motive, die ihr gefunden habt, die wir gar nicht angesprochen haben, kommt gerne zu uns ins Blog, schreibt es in die Kommentare und natürlich auch hier nochmal der Hinweis, unterstützt den Podcast sehr gerne bei Steady. Es gibt auch noch weitere Möglichkeiten, findet ihr auch bei uns auf der Website. Steady ist so das Erste und Beste, um diesen Podcast auch nachhaltig zu unterstützen. Aber es gibt auch andere Methoden. Also schaut rein, klickt euch durch, lasst was da.

Outro

Christian:
[2:02:12] Vielen, vielen Dank und ich sage damit auf Wiederhören und ja, vielen Dank und bis zum nächsten Mal. Ciao.

David:
[2:02:21] Tschüss.