Second Unit #252 – Indiana Jones und der Tempel des Todes (Gast: Cedric Schmidt)

Neues Jahr, neuer Gast, für Christian neuer Film! Wir begrüßen Cedric in der Second Unit und diskutieren uns durch Indiana Jones und der Tempel des Todes (Amazon-Link*). Und führen damit eine Reihe fort, die wir vor mehr als vier Jahren ankündigten!

[YouTube Direkttrailer]

Auch dieser Teil stammt aus der Zusammenarbeit von George Lucas (Story) und Steven Spielberg (Regie). Produziert wurde der Streifen von der heutigen Star-Wars-Chefin Kathleen Kennedy. Die Hauptrolle übernimmt erneut Harrison Ford als Indiana Jones. An seiner Seite spielen außerdem Kate Capshaw als Willie Scott, Jonathan Ke Quan als Short Round, Amrish Puri als Mola Ram, Roshan Seth als Premierminister Chattar Lal
und Raj Singh als Maharadscha Zalim Singh.

Christian hat Fragen, Cedric einige Antworten. Was macht das Indiana-Jones-Franchise aus? Woher die Faszination für diese Abenteuer-Filme? Kann Harrison Ford in dieser ikonischen Rolle ersetzt werden?

In der nächsten Ausgabe versuchen wir mit Tamino aus New York auszubrechen. Dann gibt es John Carpenters Die Klapperschlange (Amazon-Link*).

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[Teaser-Bild: cc by 2.0 Rob Young]

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  • http://mateschrank.wordpress.com/ Dave vom Mateschrank

    Schön, dass es nun weitergeht mit den Indy-Filmen ;)

    Ihr habt zwar gesagt, dass die “Story” von Lucas gewesen sein, aber die Umstände unter denen das Skript geschrieben wurde, fand ich schon sehr interessant. Im Mai 1982 trafen sich Lucas, Spielberg und Gloria Katz sowie Willard Huyck für vier Tage in der Skywalker-Ranch und besprachen Lucas’ und Spielbergs Ideen für den Film. Lucas hatte die Idee, dass es in China beginnen sollte und nach Indien führen würde. Spielberg wiederum machte sich vor allem Gedanken über die visuellen Inszenierungen. Die Idee einer Verfolgungsjagd mit einem Tiger wurde verworfen, da Spielberg meinte, dass er nicht lange genug in Indien bleiben könne, um das drehen zu können – ihr habt ja gesagt, dass es nicht viele Drehtage in Südasien gab. Die Unterhaltungen der vier wurden aufgezeichnet und Gloria Katz und Willard Huyck erhielten wenige Tage später ein 500-Seiten-Skript der Gespräche – binnen sechs Wochen schrieben sie dann darauf basierend ein Skript. Katz und Huyck hatten sehr wenig Zeit, um das Drehbuch zu schreiben und zu drehen, da Spielberg in der damaligen Hochphase seiner Karriere einen sehr engen Zeitplan hatte – ihr habt ja erwähnt, was da alles für Filme in der Zeit rauskamen und wie Spielbergs Stand in Hollywood war.

    Nachlesen kann man die Story hier: people.com/archive/gloria-katz-and-willard-huycks-best-defense-against-critics-is-their-screenwriting-track-record-vol-22-no-8/

    Ich kenne sonst keine Geschichte eines Skripts, welches so geschrieben wurde.

    Eine eindeutige Parallele, die es zwischen den Bond-Filmen und vor allem diesem Film der Indy-Reihe gibt, sind die rassistischen Stereotype. Bei den Schurken fallen viele Charaktere bei ‚Indiana Jones and the Temple of Doom’ in das Feld der rassistischen Stereotype. Die Medienhistoriker James Chapman und Nicholas J. Cull haben das überzeugend in diesem Buch hier behandelt:

    James Chapman/Nicholas J. Cull: Projecting Empire – Imperialism and Popular Cinema, London/New York (NY) 2009.

    Das dachten sich auch die Mitarbeiter des indischen Kulturministeriums: Lucasfilm-Vertreter legten das Drehbuch diesem vor, um eine Drehgenehmigung in diesem südasiatischen Land zu bekommen. Doch die offizielle indische Seite lehnte das Skript ab, da es rassistisch sei. Sie drehten dann in Sri Lanka.

    Ihr habt so schön das Paramount-Logo erwähnt, aber ein besonderes Detail leider ausgelassen: Was für ein Paramount-Logo ist es denn? Es ist nicht das Logo der Firma aus den 1980er Jahren, sondern das aus den 30er Jahren. Das hatten sich Lucas und Spielberg als Teil ihres Nostalgie-Trips überlegt. Zum Vergleich beide Logos hier: https://uploads.disquscdn.com/images/199ad902c667d4f8ce9713a14a570a479fefd2d35abb3f80edd0bd8ba14f4db5.jpg https://uploads.disquscdn.com/images/d74c0dff951861309fc7da6da462c46953966ed3aac34a9ac3097b27afe0e917.jpg

    Ich sehe Jones weniger als US-amerikanischen Bond, auch wenn er klar aus dieser Richtung kommt. Bond operiert ja meist in britischen Kolonien, Halbkolonien oder Ex-Kolonien (in den vergangenen vier Filmen u.a. die Bahamas und Uganda). Wäre Jones so jemand, dann müsste er ja vor allem in Liberia, Puerto Rico, Nicaragua und den Philippinen unterwegs sein. Ich glaube, noch nie hat eine Indy-Story dort gespielt – weder in einem Film oder einem Videospiel (bei den Büchern kenne ich nicht alle). Selbstverständlich hat Indy so einen Weltpolizeicharakter, aber nicht in so einem Empire-Sinn wie bei James Bond. In diesem Film hier gibt es ja auch die koloniale “Ordnung”, die am Ende kommt und die Situation klärt: Dabei ist es aber die britisch-indische Armee. Also sind seine Geschichten schon irgendwie neokolonial (was mit den rassistischen Stereotypen verschränkt arbeitet), aber eher allgemein für “den Westen” vielleicht.

    Eine weitere Parallele zu Bond ist die Inszenierung der Männlichkeit in Indy. Hatte da auch mal einen interessanten wissenschaftlichen Artikel gelesen und drüber gebloggt:

    https://mateschrank.wordpress.com/2016/02/11/indy-feeling-schoene-videospielmusik-und-die-regression-zum-infantilismus/

    Falls jemand keine Zeit hat, den vierten Indy-Teil ‘Indiana Jones and the Fate of Atlantis’ durchzuspielen, dem empfehle ich aber trotz alledem diese Podcast-Folge:

    http://retrozirkel.de/rez059/

    Es war damals sogar ein fünfter Indy-Teil geplant (‘Indiana Jones and the Iron Phoenix’), doch der wurde eingestampft:

    https://en.wikipedia.org/wiki/Indiana_Jones_and_the_Iron_Phoenix

    Er erschien dann als Comic, doch den finde ich nicht so gut gezeichnet und die Story auch nicht so toll wie beim vierten Teil.

  • Horst E Motor

    OMG, Jungs, ihr seid wirklich zu jung, um über die seligen Video-Zeiten zu reden. :-)

    Wenn man wie Cedric sogar von einer 480er-Kassette spricht, dann haben da nicht nur zwei sondern bei einer Spielfilmlänge von 90-100 Minuten sogar FÜNF Filme auf eine einzige Kassette gepasst (da die Zahl eben für die Minuten stand, die auf ein Tape passten).
    Im Normalfall griff “man” aber auf 240er-Tapes zurück, sowohl aus Qualitäts- wie Kostengründen.
    Christian, der ganz erstaunt ist von mehr als einem Film auf einer Video-Kassette, kennt wohl vor allem Kaufkassetten (bzw. die, die von Videotheken verliehen wurden) und da war natürlich immer nur ein Film enthalten.

    Aber, kleines Geheimnis: Damals kauften sich ungefähr so viele Leute Filme auf VHS wie gleichzeitig C64- oder Amiga-Spiele auf Originaldisketten: Gar keine. Im Normalfall schnitt man entweder Filme aus dem Fernsehen mit (was dazu führte, dass entweder Anfang oder Ende fehlte und man dann Jahre später zu einem großen “Ach so!”-Erlebnis kam, wenn man dann mal den kompletten Film nachholte) oder lieh sich die Filme aus der VIdeothek aus und überspielte die sich unter Zuhilfenahme eines zweiten Videorekorders eines Freundes, verbunden mit Antennenkabel oder – Premiumlösung – einem Scartkabel.
    Die Qualität der Kopie war in beiden Kabelfällen natürlich in dieser prä-digitalen Zeiten immer schlechter als der Original, litt durch das wiederholte Abspielen und minderwertige Bänder und oft wurde die Kopie dann noch mal kopiert, etc. Besonders bei den Kleinodien aus dieser Zeit (Tanz der Teufel, Gesichter des Todes), die man auf normalem Wege nicht bekam (als Jugendlicher schon dreimal nicht), war man dann ganz begeistert, wenn sich irgendwo mal die siebte Kopie einer Kopie auftreiben ließ und man dann in dem Geflimmer versuchen konnte, etwas zu erkennen.

    Zur Episode selbst: Schöne Folge zu einem der schlechteren Indiana-Jones-Filme (Hier gilt die umgekehrte Star Trek-Film-Nummerierungs-Faustregel: Sind dort alle geraden Teile, also 2, 4, 6…, die Besseren, sind es bei Indiana Jones die Ungeraden: 1, 3 und mit großer Hoffnung dann 5). Christian kann sich wirklich glücklich schätzen, das Meisterwerk der Reihe, also den letzten Kreuzzug, noch nicht gesehen zu haben, das ist wirklich ein Hochgenuss.
    Beim Tempel des Todes hat mir nicht nur dieser christilch-mythische Hintergrund der McGuffins der Teile 1 und 3 gefehlt, es sind auch die Ekelszenen beim Essen und dem Ritual, die irgendwie zu Indiana Jones nicht passen (OK, wir haben geschmolzene Gesichter in Teil 1…), zu wenige Nazis und zwei recht nervige Nebenfiguren in Short Round und Willie. Natürlich alles besser als Teil 4, aber welcher Film ist schon schlimmer als Teil 4?

    Das Lob zum Podcast spare ich mir einfach. Ach Quatsch: Super wie immer, auch mit der nötigen Zeit, die ihr euch für die Besprechung genommen habt, bitte immer weiter so.

    • SecondUnitTamino

      Ich kann die Kritik am zweiten Film zwar durchaus verstehen und teile sie auch bis zu einem gewissen Punkt, wundere mich aber doch immer wieder, wieso bei so unglaublich vielen Menschen der dritte als deutlich besser wahrgenommen wird oder sogar ganz oben steht. Ich fand den aus der Trilogie (gibt’s noch mehr Indie-Filme? Nein!) schon immer (knapp) am schwächsten. Was ich z. B. nie sonderlich mochte war das Finale mit dem Kreuzritter, da mir das selbst für Low-Fantasy-Verhältnisse einfach zu abgefahren ist. Auch sind mir viele Elemente zu ähnlich zum ersten Teil oder inzwischen etwas ausgelutscht, z. B. ist es wieder eine Nazi-Geschichte in der Wüste. Der zweite spielt immerhin ganz woanders was ich erfrischend finde. Aber vermutlich scheiden sich die Geister eher bei der Vater-Sohn-Thematik, denn die fand ich nie so genial wie wohl die meisten anderen und manchmal eher etwas anstrengend. Ich mochte Indie schon immer so wie im ersten am liebsten und nicht mit etwas nervigen Kletten an der Backe wie seinem Vater oder der Dame im zweiten. Der zweite hat außerdem die mit Abstand geilste Sequenz der Reihe: die Loren-Chase. Auch liefert er tonal Abwechslung. Der dritte kehrt dann in der Hinsicht wieder stark zum Feeling des ersten zurück, was ihn für mich etwas überflüssig wirken lässt. Außerdem ist der dritte Teil eine Trilogie halt wirklich IMMER der schwächste! (ne, aber es stimmt echt erstaunlich häufig) Ich habe den dritten allerdings auch schon echt lange nicht mehr gesehen (und auch deutlich am seltensten), also ist es nicht ausgeschlossen, dass sich mein Gefühl zu ihm über die Jahre ein wenig verändert hat.

      • http://mateschrank.wordpress.com/ Dave vom Mateschrank

        Zu deiner Frage: Ja, es gibt nur drei wirkliche Indy-Teile. Zu dem Rest dann mehr in der nächsten Indy-Folge ;)

  • Familienpapa

    Angenehmer Gast, gerne wieder! Temple of Doom ist auch aus ein paar simplen Gründen mein Liebster der Reihe: Das Setting ist mit dem exotischen Indien definitiv am eindrucksvollsten und auch die Abwesenheit von Nazi Schergen finde ich erfrischend. Vom Plot her ist das ja sowieso immer dasselbe: Indy muss irgendwas holen und vor Leuten wegrennen.