Second Unit #198 – District 9

Endlich! Nach Jahren der unterdrückten Diskussionen kommen Tamino und ich in dieser Ausgabe endlich zu einer Besprechung von District 9 (Amazon-Link*). Tamino hegt seit Jahren eine Mischung aus Groll und Unverständnis für den Film. Findet heraus warum. 

Bevor wir in die Kontroverse einsteigen, klären Tamino und ich unser Vorverständnis bzw. unsere frühen Eindrücke unserer Erstsichtungen.

[YouTube Direktlink]

Der Film ist Debüt und Herzensangelegenheit für Neill Blomkamp, der das Ding nicht nur inszenierte, sondern auch mit seiner Frau Terri Tatchell zusammen schrieb. Der Film kommt komplett ohne Stars aus. Sharlto Copley spielt als Wikus Van De Merwe und wurde erst mit diesem Film weltweit bekannt. Jason Cope übernimmt als Grey Bradnam & Christopher Johnson die wichtigsten Nebenrollen.

Wir rollen die Diskussion Stück für Stück auf. Angefangen bei der Inszenierung als Fake-Doku, über die verschiedenen frischen Konzepte bis hin zum langweiligen dritten Akt. Dabei stören uns kleine wie große Probleme, obwohl er mir schlussendlich besser gefällt als Tamino. Zum Abschluss versuchen wir die holprige Karriere und den Output von Blomkamp zu besprechen.

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[Teaser-Bild: cc by 2.0 Felix Montino]

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  • Deekin

    Das Urteil ist gefallen. Das Gericht hat zugunsten des ewigen Film-Klägers (Tamino) entschieden. Zur Strafe muss Herr Steiner einen Tag mit dem Film FIFTY SHADES OF “The Grey” verbringen und Tamino eine limitierte Steelbook-Ausgabe der Filme THEODORE REX und FOOD FIGHT zu bezahlen.

    Nein, im Ernst. Für mich ist DISTRICT 9 ein ähnlich irritierendes Erlebnis wie für Tamino. Als zentrale Kritikpunkte für mich persönlich würde ich einerseits das komplette Fehlen von Nuancen bei der Behandlung des Themas anmerken (jede menschliche Figur, die in der Alienpolitik involviert ist, scheint überzeichnet und böse zu sein), als auch die Tatsache, dass der Film nach den ersten 30 Minuten in komplette Dauerhysterie versinkt. Während ich den Dokufilm-artigen Beginn doch recht mochte, herrscht danach ein dauerhektischer Pace aus Copleys hysterischen Schauspiel, wilden Verfolgungsjagden und wilder Action. Es gibt keine ruhigen Momente mehr, die sich wirklich wie ruhige Szenen anfühlen. Richtig dumm fand ich eine Szene, in welcher Wickus in eine Bar kommt und im Fernsehen sieht, wie seine Person denunziert wird, in dem man ein Bild zeigt, auf dem er Sex mit einem Alien hat; diese Szene kommt völlig unvermittelt und ohne jeden Kontext und spielt eine Minute später überhaupt keine Rolle mehr. Der gesellschaftskritische Aspekt des Films ist hier leider komplett mit dem Holzhammer serviert. Sehr schnell verlor DISTRICT 9 für mich die komplette Bodenhaftung, was bei mir generell für ein maximal verhaltenes Filmerlebnis sorgt.

    Warum Leute DISTRICT 9 mögen, ist eine Frage, die mich ebenfalls interessiert. Ich vermute, das liegt daran, dass der Film sehr viele massenkompatible Elemente hat. Die Gesellschaftskritik ist einfach zu verstehen und wird sehr direkt vermittelt, was dem Film den Anschein gibt, niveauvoll zu sein. Gleichzeitig wird das Ganze in einen Actionblockbuster verpackt, der ordentliche Effekte bietet und das Geschehen mit jeder Menge Pathos auflädt (insbesondere einer sehr emotionalen Musik, der Vater-Sohn-Geschichte mit den beiden Aliens und den Aufopferungswillen der Hauptfigur). Und in unserem derzeitigen ADHS-Kino passt der Film gut rein, weil ja ständig etwas aufregendes passiert. Ich denke, dies spricht vor allem ein damals jugendliches Publikum an und gerade jene Leute haben heute noch gute Erinnerungen an ihr damaliges Seherlebnis. (Wobei ich mich bei letzterer Aussage wohl ein bisschen weit aus dem Fenster lehne)

    Dennoch, eine schöne Podcast-Episode, die ich gerne gehört habe.

  • http://mateschrank.wordpress.com/ Dave vom Mateschrank

    Tamino ist wieder da – und er ist so gut wie schon lange nicht mehr! (Ich hab die Folge zu ‘Akira’ noch nicht gehört.)

    Ich hab den Film jetzt nicht nochmal gesehen, da ich mich gerade dauerhaft in einem Zweitweltland aufhalte und hier nicht auf meine amazon-Prime-Videothek zugreifen kann. Ich sah ihn damals im Heimkino und fand ihn so meh. Hatte auch gehört, dass er ganz gut sein soll, hab ihn gesehen und seitdem nie wieder die Lust verspürt, ihn nochmal zu sehen. Allzu schlimm fand ich ihn nicht, aber toll auch nicht gerade.

    Ich habe gerade mal geschaut und spontan einen wissenschaftlichen Aufsatz gefunden, der vielleicht ein paar der aufgeworfenen Fragen beantworten könnte:

    Andrea Hairston: Different and Equal Together: SF Satire in “District 9″, in: Journal of the Fantastic in the Arts, Jg. 22 (2011), Nr. 3 (83), S. 326-346.

    Ich lese mal rein und melde mich wieder!

    Und Tamino, du fandest ‘Legend’ damals nicht gut?

    https://media.giphy.com/media/Digxhi05YlghG/giphy.gif

  • Misch81

    Meine erste und einzige Sichtung des Films ist bereits ne Weile her. Ich habe gerade mal auf MP geschaut, ob sie schon so lang her ist, dass ich ihn dort vielleicht nicht einmal bewertet habe, aber das ist nicht der Fall. Ich habe ihm sogar acht Punkte gegeben, allerdings keinen Kommentar geschrieben.
    Ich finde sehr erstaunlich, dass ich mich an nahezu nichts mehr aus diesem Film erinnere. Es war gerade so für mich, als habt ihr über einen Film geredet, den ich nie zuvor gesehen habe. Das ist eigentlich recht ungewöhnlich für einen Film, dem ich immerhin acht Punkte gegeben habe.
    Mit Elysium geht es mir ähnlich. Ich weiß zwar noch, dass ich den ebenfalls ganz ordentlich fand, kann mich aber an fast nichts mehr erinnern. Das spricht dafür, dass für mich wahrscheinlich nicht sonderlich viel Substanz in Blomkamps Filmen zu finden ist. Weiter kommt hinzu, dass ich absolut keine Lust darauf habe, mir District 9 oder Elysium ein weiteres Mal anzusehen. Ich weiß gar nicht warum, denn scheinbar haben sie mir ja bei ihren jeweiligen Erstsichtungen ganz gut gefallen, aber irgendwas stößt mich gleichermaßen von Blomkamps Filmen ab. Das geht sogar so weit, dass ich mir Chappie gar nicht erst angesehen habe, obwohl mir einige Leute gesagt haben, dass ich mich von den negativen Kritiken nicht abschrecken lassen soll, da sie mich durchaus so einschätzen, dass er mir ganz gut gefallen könnte.

    Seltsame Sache mit diesen Blomkamp-Filmen… Mit Christopher Nolan geht es mir da ganz ähnlich. Ich fand die “Batman.Trilogie” echt gut (auch den dritten), würde aber niemals auf die Idee kommen, mir die Filme noch einmal anzusehen.

    • SecondUnitTamino

      Also wenn ich einem Film mehr als 6 Punkte gebe, dann erinnere ich mich normalerweise ziemlich gut an ihn. Aber ich habe eh oft das Gefühl, dass andere Leute mit ihrer 8 eher das meinen, was ich mit ner 4-5 bewerte. Ne 8 ist für mich ein Film, der mir schon echt am Herzen liegt. Ich würde außerdem einen Film wohl nie als “echt gut” bezeichnen (also für mein persönliches Empfinden), wenn ich nicht mal Lust hätte, ihn irgendwann nochmal zu schauen. Dann würde für meinen Geschmack mit dem Werk schon mal etwas nicht stimmen (außer vielleicht es ist ein starker “Twist-Film”). Kann dir daher hier nicht so ganz folgen.

      • Misch81

        Für mich:

        0-2 Punkte: Angriffe auf die Filmkunst, Propagandakäse, etc.
        Ab 3 Punkten sind wir im Bereich der “Filmkunst” angekommen und es greift zunächst ein Schulnotensystem.
        3: ungenügend – 4: mangelhaft – 5: ausreichend – 6: befriedigend – 7: gut – 8: sehr gut

        9 und 10 Punkte sind dann Championsleague, wobei ich bei Erstsichtungen keine 10 vergebe.

        Ich sehe mir aber die meisten Filme nur 1x an, da ich bei 500-600 Erstsichtungen im Jahr gar keine Zeit habe, um mir jeden guten Film mehrfach anzusehen.
        Das meiste sehe ich mir im Horrorgenre an und da sind meine Ansprüche auch recht gering, sodass man mit einem solide gemachten Genrebeitrag auch schon ne “7″ von mir bekommt. It’s all about Entertainment.

        Sollte ich jetzt aber die letzten 100 Horrorfilme nennen, die ich gut fand, würden mir vielleicht noch 60 grob einfallen, bei 30 weiß ich noch ungefähr, worum es geht und von 15-20 kann ich dir vielleicht noch den Titel nennen.
        Ich sehe halt Filme, wie andere Leute TV glotzen. Nicht selten, dass ich mir 3-4 Filme am Tag ansehe, manchmal auch sechs. :)

        • SecondUnitTamino

          Ich gucke vermutlich eher so 1-2 Filme pro Woche, weil mich inzwischen quasi nichts mehr interessiert^^. Außer mein Kumpel kommt vorbei, dann gucken wir auch mal 3-4 (Trash-)filme am Nachmittag. Ich gucke an sich halt noch ganz gerne Sport, was ich meist lieber tue als einen neuen Film “zu riskieren”. Ist bei mir eher so in Phasen inzwischen. Jetzt gerade habe ich z. B. lieber Olympia geguckt, aber nächste Woche kommen dann wohl wieder 1-2 Filme am Tag, die ich mir gerade ausgeliehen habe, wenn ich meine Mutter besuche und da abends dann nix zu tun habe ;-)

          Und man darf bei mir halt nicht vergessen, dass Hörspiele schon immer mehr mein Haupt-Medium gewesen sind als Filme. Da höre ich mir auch echt jeden Scheiß an, den ich in die Finger bekomme, weil es einfach nicht so endlos viel gibt. Ist für meinen Geschmack immer wieder schade, dass keine Sau sich für Hörspiele interessiert, weil es da echt Sachen gibt, die mich mehr abgeholt haben als es so ziemlich jeder Film bei mir geschafft hat.

          • Misch81

            Hörspiele habe ich als Kind viel gehört. Jan Tenner, TKKG, MotU, etc.
            Da bin ich aber mittlerweile vollkommen von weg. Weiß gar nicht, was in der “Hörspielszene” heutzutage so abgeht. :D
            Mein “Hauptmedium” ist schon ganz eindeutig der Film. Ich sehe überhaupt nicht fern, höre kein Radio, lese keine Zeitung und bin maximal 30 Minuten am Tag auf unanständigen Internetseiten (bspw. spiegel.de) unterwegs.
            Manche Filme sehe ich mir einfach an, wie andere Leute Radio hören. Ich sehe das auch nicht als “einen neuen Film riskieren”, wie du es sagst, sondern verschiebe meine Aufmerksamkeit einfach in die Beiläufigkeit, wenn der Film mich zu sehr enerviert. Manchmal lasse ich sogar einfach nur noch die Audiospur laufen und zocke nebenbei ne Runde LOL oder mache Sonstiges. ^^

            Mir fällt bei Dir und insbesondere bei Christian auf, dass ihr dem Werk selbst oftmals mit m.M.n. viel zu großer Ehrfurcht entgegentretet, von dem auch noch der letzte Fitzel Randomness Beachtung verdient. Ich finde das interessant. Deswegen höre ich hier auch immer gern zu, da ihr an Filme vollkommen anders herangeht, als ich es mache.
            Ich betrachte Filme als ein Angebot an meine Person. Ich verschränke meine Arme hinter dem Kopf, lehne mich zurück und denke mir: “So, dann zeigt mal und liefert ab, Bitches!” Im Idealfall sehe ich dann etwas, woraus ich etwas über das Menschsein selbst ziehen kann, nehme den ein oder anderen schönen Gedanken mit oder lerne auch ganz selten mal etwas vollends Neues. Das sind dann halt die 9er und 10er. Die meisten Filme sind für mich aber reine Consumables. Kurzweiliges Entertainment im Rahmen eines möglichst guten Handwerks. Egal, ob du nun Schauspieler, Kameramann oder Cutter bist; im Endeffekt ist Filmemachen eine handwerkliche Tätigkeit. Deswegen spreche ich von “Filmkunst” auch immer nur in Anführungszeichen.
            Denn nach jeder mir bekannten und sinnvollen Kunstdefinition können Filme gar keine Kunstgegenstände sein, ebensowie es Literatur nicht sein kann. Und was sind denn Filme, wenn nicht bebilderte Prosatexte? :)

          • SecondUnitTamino

            In Sachen Hörspielen hat sich seit der Jahrtausendwende einiges getan. Vorher waren Hörspiele eigentlich hauptsächlich an Kinder gerichtet. Die großen Sachen wie Bibi Blocksbeg, Benjamin Blümchen, Die drei Fragezeichen, TKKG kennt ja jeder, aber es gab auch noch unzählbare kleinere Serien ala den von dir erwähnten Jan Tenner und He-Man-Hörspiele (die ich erst viel später kennen gelernt habe), Batman (müsste ich Christian mal in den IPod hacken), Carrera usw. Außerdem gab es extrem viele “Adaptionen” von Fernsehserien wie Graf Duckula, Alf oder Die Dinos als quasi-Hörspiele. Also Audiospur aufs Band, vielleicht noch einen Erzähler dazu und fertig. Es gab zwar auch einige etwas reifere Sachen wie die allesamt sehr geilen Serien Macabros, Larry Brent und natürlich die alte John Sinclair-Reihe von Tnonstudio Braun (vielleicht kennst du die auch noch aus Kindertagen), die nach DdF mein richtiger Einstieg ins aktive Hörspielhören war. Aber das war in den 80ern in Sachen Produktion und Dialogen alles jetzt nicht gerade meisterhaft. (Ich glaube John Sinclair war auch mein erster Kontakt mit etwas, dass man zumindest teilweise “Trash” nenne könnte.^^). Hörspiele waren daher wohl eher ein relativ günstig produziertes Nischenprodukt.

            Um die Jahrtausendwende kam dann aber die neue John Sinclair 2000 Serie raus, die in Sachen Sprechern und Produktion neue Maßstäbe setzte und sich daher auch an Erwachsene richten konnte. Es gab damals einen richtigen Boom, da auch durch das aufkommende Internet sich alle über ihre Lieblingshörspielserien aus den 80ern ausgetauscht hatten und die Hörspielfreude aus Nostalgie wohl bei vielen wieder entflammt wurde, also gleichsam auch ein größerer Markt da war. In der nächsten Dekade wurden dann viele der besten Hörspiele aller Zeiten produziert. Serien wie Gabriel Burns, Dorian Hunter, Mark Brandis oder mein persönlicher Favorit Caine bildeten da die Highlights. Um Gabriel Burns hat sich ein richtiger Kult entwickelt, da die gesamte Hörspielwelt von den ersten Folgen regelrecht umgehauen wurde. Vom Aufbau der Geschichte und den inhaltlichen Enthüllungen steckt das jeden Film locker in die Tasche (wobei der Vergleich wohl auch unangebracht ist).

            Tja, das war eine schöne Zeit der Hörspiele. Jetzt zum weniger schönen Teil: heute. Leider geht es so etwa seit 2010 immer steiler bergab mit dem Medium. Die Verkäufe wurden immer schlechter, vielleicht durch Raubkopieren oder einfach abnehmendem Interesse. Fast alle tollen Serien wurden irgendwann eingestellt – stellenweise an Punkten, wo das fehlende Ende ein richtiger Tritt in die Weichteile war – oder die Macher wechselten plötzlich und man erkannte die Serie nicht mehr wieder. Heutzutage weiß man nie, ob die neueste Folge einer Serie nicht die letzte sein wird. Inzwischen habe ich als Hörspielfan gelernt, mit Fragmenten umzugehen. Zwei der geilsten Serien aller Zeiten waren Die Schwarze Sonne und Abseits der Wege, die schon nach 10 bzw. 6 Folgen eingestellt wurden. Das könnte mich nach Jahren immer noch zum Heulen bringen. Und auch Gabriel Burns wurde jetzt nach ca. 50 Folgen quasi mittendrin eingestampft. Vor ein paar Jahren schien es schon mal soweit zu sein, dann ging es aber wieder weiter, alle freuten sich, und dann war es plötzlich vor einem Jahr dann doch ganz aus.

            Das traurige ist leider, ganz ähnlich wie bei Filmen, dass die altbekannten Serien ala TKKG oder DdF immer noch weiterlaufen, weil der Name einfach eine Marke ist. Dass die Qualität dieser Serien inzwischen größtenteils der letzte Dreck ist, ist natürlich egal, es verkauft sich trotzdem hundertmal besser als eine großartige neue Serie, die keiner kennt.

            Noch zum Film. Ich schaue natürlich auch nicht jeden Film in völliger Ehrfurcht :-) Bei den Filmen die wir hier im Cast besprechen gehen wir aber natürlich mehr in die Tiefe, denn das ist ja der Witz an dem Podcast. Wenn ich mit nem Kumpel TOP DOG mit Chuck Norris gucke, dann muss der jetzt nicht unbedingt in der Sendung besprochen werden. Für mich gibt es solche und solche Filme. Ich würde z. B. niemals einen Coen-Film nur nebenbei gucken, denn dann könnte man es auch gleich lassen. Wenn ich aber aus mäßigem Interesse z. B. mal einen Marvel-Film gucke, dann mache ich das meist nebenbei, weil mir meine Zeit da sonst irgendwie zu schade für ist. Dann spiele ich Dart dabei oder analysiere meine Pokerhände. Aber “richtige” Filme, also welche, die mich wirklich interessieren oder von denen ich hoffe, dass sie mir wirklich gefallen und etwas bedeuten könnten, die schaue ich mir am liebsten abends in aller Ruhe an.

          • Misch81

            @SecondUnitTamino:disqus

            Hmmm… diese Hörspielgeschichte hört sich für mich stark nach einem weiteren Auswuchs der Infantilisierung der jungen gebildeten Männer an. No Offense – ich bin davon auch betroffen, wobei ich sogar schon in das Milieu der infantilisierten Mittelalten abdrifte. Ich zocke immerhin Videospiele mit random 12-Jährigen und lasse mich von ihnen als “Kackboon” beschimpfen. :D

            @SecondUnit:disqus

            Nee, sorry, aber ne Diskussion über den Kunstbegriff würde den Rahmen hier echt sprengen. Allein über die Definition selbst kann man Abhandlungen schreiben und hinreichend Menschen haben das auch schon getan. Dann aber auch noch auszuklamüsern, worauf man sich einigen kann und worauf nicht, würde mir hier vollkommen das Hirn wegblasen.

            “Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.” (Karl Valentin)

          • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

            Warum ein Handwerk keine Kunst sein kann musst du mir aber auch noch mal genauer erklären :D

      • http://www.enoughtalk.de jacker

        Tatsächlich ist bei mir eine 8 auch so zu übersetzen: Hat mich in seiner Gänze ziemlich umgehauen (was bedeuten kann: emotional berührt, fiebrig mitgerissen, mich 90 Minuten Lachen lassen, etc. – optimaler weise von allem etwas) und ich würde ihn SOFORT noch mal von vorne anschauen. Was du (Tamino) daran wahrscheinlich nur so schwer nachvollziehen kannst, ist dass das eben im Vergleich auf weitaus mehr Filme zutrifft.

  • Harold

    Was in Gottes Namen hat Tamino eigentlich dazu gebracht sich Batman vs. Superman anzusehen? :D

    • SecondUnitTamino

      Ein guter (Film-)freund von mir wollte gerne wissen, ob ich den Film schlechter oder besser als MAN OF STEEL finden würde und daraufhin entwickelte ich ein perverser Interesse an dem Quatsch. Ich könnte im Nachhinein allerdings nur schwer sagen, welcher Film bescheuerter ist. MoS wirkt noch eher wie ein “Film”, also mit so etwas wie einer Struktur, BvS scheint mir dagegen eher eine willkürliche Ansammlung von Szenen zu sein. Die ersten 2/3 sind unglaublich öde, das letzte Drittel endlos dämlich. Schwer zu sagen, welcher Teil des Films mir besser gefiehl. Die “Martha”-Szene konkurriert bei mir mit der Tornado-Szene aus MoS jedenfalls um die Auszeichnung des dümmlichsten Moments der Filmgeschichte.

  • cule0809

    Wieder ein sehr interessanter Podcast. Habe sehr lange auf eine Besprechung über den Film gewartet.

    Ich bin ja einer, der District 9 sehr mochte, müsste ihn aber gerade nach eurer Besprechung noch einmal ansehen. Gegen die Kritikpunkte von Tamino kann man nicht wirklich was sagen. Ich glaube die Prämisse und die Machart des Films sind die Sachen, die “uns” so begeistern. Allerdings stimme ich euch beiden zu, dass Neill Blomkamp sehr overrated ist. Chappie und Elysium konnten mich ebenfalls nicht begeistern und sind sehr platt. Gut, District 9 ist gegen Ende raus auch sehr platt aber macht es in meinen Erinnerungen doch noch clever. Bin daher auf eine weitere Sichtung gespannt :)

  • Spacedude

    Ich finde Euer Urteil über diesen Film viel zu hart. Bitte bedenkt die Einheit von Zeit und Raum in dem Film. Wir erleben 2 bis 3 Tage im Leben von Wickus an nur wenigen Orten. Durch den Trick des Dokumentarfilms (Mockumentary) sind wir von der ersten Sekunde an, mitten im geschehen, bekommen schnell alle Infos geliefert die wir brauchen. Außerdem wirkt der Film von der ersten Sekunde an durch dieses Stilmittel unheimlich authentisch (und natürlich werden in 9/11 Dokumentationen Terroristen gezeigt, die in Flugzeuge steigen. Ihr solltet mal öfter N24 einschalten, oder nein: besser nicht!).

    Wickus ist ein Sesselpupser, der einerseits nach oben will, dabei aber auch nichts riskieren will, sondern sehr glücklich in seiner kleinen Welt mit der bezaubernden Frau lebt. Er ist ein Antiheld. Ihm wächst ein Alienarm und alles was er will, ist, dass das Ding wieder weg geht. In einem andern Film hätte sich der Protagonist über die neue Superkraft gefreut. Wickus ist aber kein Held aus dem schwachsinnigen Superheldengenre. Er ist ein Mensch wie Du und ich. Er ist ein durchschnittlicher Arsch. Er soll gar nicht sympathisch sein Tamino, Du sollst ihn nicht leiden können.

    Wickus ist vor allem ein Opfer der Umstände (er erinnert mich an den Autoverkäufer aus Fargo). Die Aliens sind bei der Bevölkerung nicht beliebt, man will nichts mit ihnen zu tun haben. Den Ordnungskräften (MNU) gehen die Aliens auf die Nerven. Aber die Aliens haben auch Fürsprecher: Gutmenschen, die weit weg wohnen und die UNO. Man darf den Aliens offiziell nichts böses tun. Das ist politisch nicht opportun. Die Realität vor Ort sieht aber anders aus. Hey, das ist ja wie in der echten Welt!

    Die Aliens sind empfindsame intelligente Wesen, aber auch irgendwie eklig, aber irgendwie dürfen wir sie nicht verstörend finden, denn sie können doch nichts für ihre Fremdartigkeit, aber hey, sie fressen Katzenfutter… es ist ein Dilemma, ein Zwiespalt der Gefühle. Eigentlich faszinierende Wesen werden unter den Bedingungen eines Flüchtligscamps, eines Ghettos völlig “entmenschlicht” und zu Tieren. Ich fürchte, da steckt viel Wahrheit drin. Es gibt Gegenden auf dieser Welt, da durchstreifen Menschen(!) den ganzen Tag Mülhalden – auch auf der Suche nach Katzenfutter. Sind das Menschen oder schon Aliens? Die Frage ist zynisch, so wie dieser Film.

    Wickus findet sich mitten in dieses ganze Dilemma hineingeworfen. In der Mockumentary macht er ständig gute Miene zum bösen Spiel. Er ist ein pflichtbewusster Beamter, der die Rechte der Aliens kennt und über ihr ekliges Andersein hinwegsieht. Er ist aber auch ein Opfer, weil er für seine Behörde Unterschriften von Wesen einsammeln muss, die vielleicht nicht einmal einen Kugelschreiber halten können. Ich finde das Stilmittel der Mockumentary bringt diese ganze konfuse Situation wunderbar zum Ausdruck. Wickus will für die Dokumentation immer die Contenace wahren, wenn ihm das aber nicht mehr gelingt, brüllt er den Kameramann an, das Filmen einzustellen.

    Der Film ist durch und durch zynisch, bis zur Unerträglichkeit. Niemand versucht die Aliens zu verstehen. Es geht nur um Kontrolle und den Kampf gegen den möglichen Kontrollverlust. Den zynischen Umgang mit den Aliens erfährt auch sofort Wickus, als ihm etwas alienhaftes anhaftet (im wahrsten Sinne des Wortes). Als er das Alien erschießen muss, erreicht dieser Zynismus seinen Höhepunkt (ich finde es übrigens in dieser Szene gar nicht unlogisch, die Waffe an einem lebenden Alien zu testen. Das passt in das Bild, dass die Excel-Tabellen von den Aliens haben. Es ist eher unlogisch, dass sie vorher ein Schwein nehmen).

    Plot holes? Wo denn? Natürlich kann Wickus mit seiner Alienhand die Fessel abreißen und alle platt machen und entkommen und natürlich können Christoper und Wickus mit ihren Alienwaffen in das Forschungslabor ein- und ausbrechen. Sie haben auch das Überraschungsmoment auf ihrer Seite. Deswegen muss auch das Forschungslabor nicht Fort Knox sein. Es ist eher eine halboffizielle Einrichtung, von der die Regierung besser nicht zu viel weiß. Ich glaube eine Verhör- und Folterkammer der CIA irgendwo in Europa sieht von außen auch erschreckend harmlos aus, oder?

    Auch die Sache mit dem Alienschleim ist so doof nicht. Christopher entwickelt es in aufwendigen Experimenten. Vielleicht stellt es mittels DNA-Technik eine Verbindung zwischen dem Schiffscomputer und den Aliens her. Die Wirkung, die es auf Menschen hat, ist sicherlich nicht beabsichtigt. Der Schleim und seine Funktionsweise ist nicht unglaubwürdiger, als andere magische SF-Techniken in anderen SF-Filmen. Wer Inception gut findet, darf sich nicht über den Alienschleim aus D9 lustig machen.

    Ich finde insgesamt die Kritik problematisch, dass der Film uns vieles nicht erklärt. Ist das Alienraumschiff vielleicht nur ein Sklaventransporter? Die Aliens sind jedenfalls eingeschlossen unter furchtbaren Umständen und werden erst von den Menschen aus dem Schiff befreit, so jedenfalls die Mockumentary. Sie sind sicherlich nicht die hellsten Kerzen auf der Torte. Nicht die Krönung der Galaxie. Warum aber kann Christopher das Schiff fliegen? War er ein Agent der Sklavenhalter? Hat er sich das Wissen im D9 über die Jahre angeeignet? Wir wissen es nicht, wir müssen es nicht wissen. Der Film erzählt die Geschichte von der Verwandlung von Wickus und der Flucht von Christoper. Nur darum geht es! Über alles andere darf man spekulieren. Der Film gibt Hinweise, lässt aber auch Raum.

    Die Action: Hach ja, natürlich hat der Film zu viel Action. Fast alles was in den letzten Jahren aus Hollywood kommt hat zu viel Action. Es ist einfach zum Kotzen. Ich liebe meine DVD-Sammlung mit klassischen SF-Filmen :-)

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Danke für den ausführlichen Kommentar, ich will da nur einen einzigen Punkt rausziehen: Die Mockumentary. Wie im Podcast erwähnt funktioniert das Stilmittel für mich nur schlecht bis gar nicht. Für wen ist diese Fake-Dokumentation denn gedacht? An wen ist sie adressiert? Sie scheint ja ganz eindeutig bis zu den Ereignissen nach dem Film zu gehen. Also ist es eher an Ofizielle der Behörden gerichtet? Warum wird denen dann aber am Anfang noch mal der komplette Konflikt erzählt (das wird er natürlich uns als Zuschauer, aber wir sind ja nicht innerhalb der Filmwelt)? Da bricht doch einiges auseinander.

      Ebenso in späteren Abschnitten, wo ganz klar aus dieser Perspektive ausgebrochen wird und wir quasi einen Erzähler in dritter Person erhalten. Wie kommt der denn aber auf einmal in die Doku? Woher stammen seine Bilder?

      Das ergibt alles hinten und vorne leider keinen Sinn, wenn man das etwas genauer betrachtet. Wie in meinen Augen der gesamte Film: An der Oberfläche sehr gut, sehr stark und mit einer klaren Aussage. Unter der Oberfläche bröckelt das Meiste leider weg.

      • SecondUnitTamino

        Ich find’s ja echt bemerkenswert, dass du gerade diesen Punkt anscheinend so problematisch findest, der für mich jetzt ja sogar noch eher zu den wenigen Pros des Werks gehört. Immerhin umfasst diese imaginäre Doku ja 28 Jahre von Ereignissen. Wenn du irgendein Bürger in Eurpoa bist, weißt du dann genau, wie und wo dieses Raumschiff vor 28 Jahren aufgetaucht ist? Irgendjemand muss es dir ja erstmal sagen. Für mich klingt das ein wenig so, als würde man in einer Doku über den Zweiten Weltkrieg niemals erwähnen, dass Hitler ihn begonnen hat, weil es ja eh jeder weiß. In einer Doku über das gesamte historische Ereignis würde man das am Anfang immer zumindest einmal kurz rekapitulieren, daher finde ich das hier überhaupt nicht unglaubwürdig. Es werden ja nicht permanent nur völlig offensichtliche Sachen in den Interviews gesagt, sondern einfach zu Beginn ein paar allgemeine Fakten rekapituliert, quasi als Einstieg für den imgainären Zuschauer der imgaginären Doku.

        Mich nervt bei diesem Aspekt eigentlich hauptsächlich die Kameraarbeit, die immer hand-held bleibt, auch wenn wir ja nicht permanent im Fake-Doku-Modus sind. Hatte man das besser gelöst, würde ich die Semi-Mockumentary als coole Idee empfinden, die ich vor allem so noch nicht in einem Film gesehen habe und durchaus zu den im Film angerissenen (aber leider nicht verhandelten) Themen passt.

        • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

          Das Problem ist einfach, dass es für die Mockumentary keinen Adressaten in der Filmwelt gibt. Das ist doch aber die wichtigste Frage bei jeder Dokumentation: Für wen ist die eigentlich gedacht?

          • Spacedude

            Übrigens: Es gibt ja nicht nur die Mockumentary. Gegen Ende haben wir auch CNN-mäßige Nachrichten, inklusive einer Ansicht vom “Schlachtfeld” aus einem Hubschrauber. Der Adressat ist der gemeine Fernsehzuschauer.

          • SecondUnitTamino

            Das habe ich doch gerade versucht zu erklären. Wieso sollte sich diese Dokumentation nicht an irgendjemanden aus der Filmwelt richten können? Nur weil am Anfang ein paar allgemein bekannte Details kurz rekapituliert werden?

          • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

            Ganz genau. Das Ding ist stilistisch inkonsequent (Erste Person Dokuperspektive, dritte Person Erzählperspektive) und dann noch widersprüchlich (wieso erfährt der Fernsehzuschauer bitte von geheimen Militärexperimenten an und mit Wickus, inklusive Aufnahmen aus dem Labor? Wieso werden offensichtliche Dinge zu Beginn so grundlegend erklärt?)

    • SecondUnitTamino

      Erstmal danke für deine Ausführungen. Viele deiner Punkte kann ich einigermaßen nachvollziehen, manche aber auch nicht. Dass du z. B. die von mir angesprochenen Plot-Holes nicht als solche empfindest, verstehe ich echt gar nicht. Für mich ist das so offensichtliches lazy Actioner-Writing, dass ich da wirklich nur genervt aufstöne. Wickus entkommt zunächst alleine ohne die geringsten Probleme und bricht später zusammen mit EINEM Helfer wieder ein und aus. Wenn du es als glaubwürdig empfindest, dass man in einem geheimen Waffenlabor als Zivilperson mit einer (wenn auch mächtigen) Handfeuerwaffe einfach ein- und ausspazieren kann, na gut. Für mich ist das ungefähr so glaubwürdig als wenn der Pförtner ihnen auf eine höfliche Nachfrage hin die Tür zum Labor geöffnet hätte.

      Was mich an dem magischen Alien-Schleim und den hyper-brutalen Alienexperimenten stört, ist vor allem, dass beides so enorm manipulativ auf mich wirkt und dadurch keine emotionale Wirkung mehr erzeugt. Wickus beginnt nicht einfach, die Aliens und ihre Lebensweise mehr und mehr zu verstehen und wertzuschätzen (das passiert übrigens leider ÜBERHAUPT nicht), nein, er verwandelt sich in eins. Das ist eben der typische Bloomkamp-Overdrive, der mich einfach nicht anspricht. Und genauso bei dem menschlichen Umgang mit den Aliens. Da werden nicht im Laufe der Handlung abstoßende Geheimnisse enthüllt, nein, da wird gleich gekotzt, gesplattert und Aliens mit einem riesigen roten X versehen, um gleich fünfzehnfach zu betonen, wie unendlich endlos egal den überbitterbösen Anzugträgern diese doch sind. “I can’t belive I’m getting paid to do this. I love watching you fools die”. Ich finde das nicht zynsich sondern einfach maßlos übertrieben, oberflächlich und platt.

      Du hast wohl recht, das man dem Film nicht unbedingt vorwerfen muss, dass er vieles nicht wirklich erklärt. Ich habe ja auch in der Sendung gesagt, das MICH sowas aber einfach interessiert. ich will wissen, was da auf dem Schiff passiert ist und warum irgendein random Alien nach 28 Jahren einen Treibstoff entwickelt. Was mit Wickus’ Beziehung zu seiner Frau passiert (die man übrigens genau einmal im Film sieht), interessiert mich im Vergleich einen absoluten Schei… Statt sein Szenario besser auszuleuchten setzt der Film seinen Fokus auf eine Charaktergeschichte einer übertriebenen Karikatur von Figur. Das finde ich – gelinde gesagt – ziemlich unglücklich. Wenn du gute Figuren, gespielt von guten Darstellern hast, konzentriere dich auf sie (wie z. B. in WARRIOR). Wenn du ein gutes Setting hast, dann auf das usw. (und wenn du alles hast, dann heißt dein Film HEAT). Bloomkapm begeht hier wie auch in CHAPPIE den RIESIGEN Fehler, das er meint, als Zuschauer könnte man sich für diesen bekloppten Idioten bzw. asoziale, brutale Gangster interessieren oder sich für ihr Schicksal erwärmen, der sich als Protagonisten ausgesucht hat. Das scheint bei mir wohl noch stärker ausgeprägt zu sein als bei anderen, aber – ich kann es einfach nicht anders sagen – mir geht Wickus als Figur so dermaßen am Arsch vorbei, das mir sein Schicksal egaler nicht sein könnte. Na gut, die Gangster in Chappie wollte ich noch mehr verrecken sehen.^^ EYLSIUM ist da der einzige seiner Filme, wo Matt Damaon’s Figur noch halbwegs als Protagonist funktioniert.

      DISTRICT 9 ist insgesamt so ein Beispiel für einen Film, bei dem ich mich als Zuschauer nicht für voll genommen fühle. Ich bekomme hier wie bei bisher jedem Bloomkamp-Film das Gefühl, dass der Herr meint, er müsse mir jede dramatische Dimension endlos überzeichnen, damit ich sie auch verinnerliche. Bei mir erreicht er damit aber genau das Gegenteil. Er wirft mich mit seinen eindimensionalen Figuren und ihren stumpfen Sprüchen/Dialogen, dem für meinen Geschmack nicht ausreichend gezeichneten Setting und letztlich dann dem öden Action-Overload in dem alles mündet mehr und mehr aus dem Film. Am Ende ist wirklich nichts mehr übrig, dass mich irgendwie interessieren würde. Der Film ist vorbei und ich denke nur: nie wieder.

      Noch kurz zu deinem letzten Punkt. Also EX MACHINA hatte nicht zu viel Action ;-) Aber ansonsten ist das im Sci-Fi Bereich wirklich ein absolutes Problem geworden. Ich liebe zwar Sci-Fi-Actioner an sich genau so wie ruhige Werke mit dem Fokus auf philosophische und/oder gesellschaftliche Aspekte, aber es soll bitte nicht quasi alles in die erste Richtung gehen. Inzwischen muss Sci-Fi anscheinend in erster Linie mit Action punkten, sonst ist es wohl zu langweilig. Ich hingegen fand bei INTERSTELLAR z. B. gerade die lange Actionsequenz mit Matt Damon in der Mitte recht öde und hatte damals im Kino nur darauf gewartet, dass “der Film endlich weitergeht”. Aber ob sich das in nächster Zeit ändern wird, wage ich zu bezweifeln. Erstmal muss der ganze Comic-Schrott den Leuten zum Hals raushängen. Solange aber anscheinend alle sowas sehen wollen, werden alle potenziell interessanten Sci-Fi Projekte im Keim erstickt oder – wie bei den neuen Star Treks – sie in diese Richtung drängen. Daher war ich von THE MARTIAN umso mehr enttäuscht, weil das endlich mal ein schöner, ruhiger Film hätte werden können. Aber leider musste auch dieser Film am Ende zu IRON MAN werden und außerdem mit seinem Humor zum Fremdschämen mir alle paar Minuten eine Gänsehaut in den Nacken treiben.

      • Spacedude

        Stimmt natürlich, der Film ist kein bisschen subtil, sondern völlig überzeichnet. Man muss schon seine Schutzschilde hochfahren, damit einem die Wucht der Manipulation nicht voll erwischt. Kann ich gut verstehen, wenn man darauf keine Lust hat. Vielleicht hattest Du einfach das falsche Getränk bei Deinen Sichtungen :-)
        Ich gebe Dir auch recht, dass bei Wickus letztlich kein Verstehen stattfindet. Sein Charakter macht keine Wandlung durch. Selbst als er am Schluss Christopher und dessen Sohn die Flucht ermöglicht, macht er das auch nur, weil es die beste Strategie ist. Christopher wird in drei Jahren wiederkommen und ihn wieder zurückverwandeln. Seine Frau wird dank der Blumenbotschaft auf ihn warten. Alles ist dann wieder so wie früher sein. Er will nichts verstehen, er will nur heil aus der Sache rauskommen. Das erinnert an Matt Damon in Elysium. Er will ja auch keine Revolution der Gesellschaft. Er will nur eine medizinische Behandlung.
        Statt die Nigerianer einzuführen und unnötiges Aktionspektakel zu machen, hätte Bloomkamp auch einfach mal Wickus und Christopher bei einer Dose Katzenfutter miteinander reden lassen können Wuuupwubwubwubwub.

        Tja, was das ein- und ausbrechen aus Geheimlaboren mit Hilfe von Alientechnologie anbelangt, bleiben unsere Einschätzungen verschieden. Leider mangelt es an Erfahrungswerten :-)

        Ja, Der Marsianer reiht sich in eine traurige Folge toller Filme ein, die mit schwachsinnigem Actionspektakel am Ende alles ins Gegenteil verkehren, was sie vorher aufgebaut haben. Spontan fällt mir noch ein: 10 Cloverfield Lane, Sunshine.

        • SecondUnitTamino

          10 CLOVERFIELD LANE habe ich nicht gesehen, kenne aber die Auflösung. Vielleicht schaue ich ihn irgendwann mal wegen Goodman. SUNSHINE ist echt so ein Film, den ich auf seiner audiovisuellen Ebene stellenweise wirklich jenseits von wunderschön finde, aber dann inhaltlich teilweise so blöde Sachen gemacht werden, dass ich richtig traurig werde. Können wir uns hier darauf einigen, dass der Film Plot-Holes hat? Das schönste ist als der eine Typ merkt, dass jemand Fremdes an Bord ist und er lieber alleine nachgucken geht als sofort allen Bescheid zu geben^^. Und vorher nicht mal die Leichen zu zählen, wenn man auf einem fremden Raumschiff ist, wo anscheinend was schlimmes passiert ist, zeugt auch von enormer Professionalität. Könnte ja noch jemand am Leben sein, aaaach whatever… Aber was will man erwarten, wenn die Elite der menschlichen Wissenschaft und Raumfahrt anscheinend aus Mittzwanzigern besteht. Ich mag den Film trotzdem irgendwie. Ich versuche ihn immer als Märchen zu sehen und das macht ihn dann etwas besser.

          • http://www.enoughtalk.de jacker

            10 CLOVERFIELD LANE hab ich gestern gesehen und davon abgesehen, dass ich das Kammerspiel der ersten 70 min. auch “nur okay” fand (in Spitzen krass, aber in Summe eben nicht), hat es sich ein Film wohl selten durch die letzten 15 Minuten so extrem mit mir verscherzt. Ein solide geschriebener, extrem geerdeter Film mit tollen Darstellern kippt in eine grotesk-schlechte Farce. Ganz übel! Goodman (und auch Winstead) ist aber dennoch unbedingt sehenswert. Tipp: Nach dem Brand einfach auf Stop drücken ^^

  • Familienpapa

    Ich kannte den Film nur so grob und habe ihn mir jetzt (leider) für den Podcast mal mit einem Auge angeschaut. Man, der war echt scheiße! Was aus technischer und narrativer Hinsicht nicht vollkommen unlogisch ist (habt ihr schon wunderbar zerpflückt), ist dann wenigstens billig und plump. Am Schlimmsten: Dass wir die Aliens nicht verstehen, ist klar, aber anstatt es mit Untertiteln oder einem Übersetzer zu regeln, plappert der Protagonist in bester Pokemon-Manier einfach alles nach, was das Alien so von sich gibt, damit der Zuschauer auch ja zu keiner Zeit nachdenken oder aufpassen muss.
    Pika, pika! – Was, Pikachu? Team Rocket hat Blabla-mon entführt? Und sie sind in der Höhle unten am Fluss, rechts neben dem kleinen Schrein und essen gerade Tortellini aus einer Dose mit einem grünen Aufkleber darauf?
    … also so in etwa.
    Und auf emotionaler Ebene auch ungefähr auf Pokemon Niveau. Mit den zitternden und armen Slum-Aliens (inklusive süßen kleinen Alien Kindern), die – und das ist bestimmt keine Vietnam-Referenz! – an helllichtem Tage auf offener Straße erschossen werden vom pöhsen pöhsen weißen Militärmann mit Narbe und grimmiger Miene. Diese platten und manipulativen Drehbuchfaulheiten sind mir schon in Avatar ordentlich auf den Keks gegangen und ich überlege gerade, an wen ich die Medaille für die banalste, filmische Eindimensionalität verleihen soll. Bisher war ja L.A. Crash unangefochten an der Spitze mit Avatar, aber da kannte ich ja D9 noch nicht. Mal sehen.

    Dennoch verstehe ich Tamino bei seinem Hauptkritikpunkt nicht so ganz:

    1. Worin genau besteht nochmal das Problem, wenn ein Alien kotzt, Waffen sammelt oder Katzenfutter frisst? Was sollen sie denn in diesen defätistischen Slums sonst tun?

    2. Recht habt ihr, dass die Schwarzen in diesem Film wirklich klischeehafte Rollen besetzen. Dennoch scheint es mir so, dass sie eigentlich nicht die richtigen Bösen sind, sondern eben (ja, gähn) die weißen Konzernbosse (MNU), die die Aliens dort hingebracht und so erst einen Nährboden für diese Tauschgeschäfte von Drogen/Prostitution/etc. geschaffen haben. Die Schwarzen sind, und hier schließt sich der Kreis mit den Aliens, perspektivlose und verzweifelte Figuren, die so mehr oder weniger vom großen und korrupten System produziert wurden. Oder gibst du tatsächlich den Aliens die Schuld dafür, dass sie kriminell geworden sind? Vielleicht habe ich eure Diskussion einfach nur falsch verstanden, aber ich dachte dabei, dass Bloomkamp (meisterhaft chiffriert!!) aufzeigen wollte, wie ein solcher Umgang mit dem Fremden, der ja immer und überall praktiziert wird, diese Fremden mehr oder weniger dazu verdammt, das zu werden, was wir die ganze Zeit kritisieren. Das ist dann auch der Kern dieses Films, wenn man mich fragt. Genauso, wie man zurzeit einerseits darüber schimpft, wie viele analphabetische Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, nur um im selben Atemzug zu kritisieren, dass man eben diesen Flüchtlingen Bildung von Steuergeldern subventioniert.
    Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich den Regisseur abgesehen von District 9 nicht kenne, ihn nicht einschätzen kann und mich auch nicht im Mindesten für ihn und seine anderen Werke interessiere.

    • SecondUnitTamino

      Haben dich deine Kinder (ich schließe aus deinem Namen mal darauf, das du wohl welche hast) immer zum Pokemon gucken gezwungen oder was war da los?^^

      Ah, verschwommene Erinnerungen an L.A CRASH werden wach. Die Sichtung ist zwar schon Jahre her und ich weiß nicht mehr wirklich was Konkretes vom Plot, aber an eines erinnere ich mich noch lebhaft: das Ding war echt mal beyond pretentious.

      1. Bei der Geschichte mit dem Kotzen, rosa BHs tragen und Katzenfutterfressen geht es mir um die bescheuerte Darstellung davon im Film. Mir zumindest kommt es so vor, als solle das irgendwie lustig oder befremdlich wirken, aber nicht verstörend oder Mitleid erregend. Ich zumindest muss dabei schmunzeln und finde daher, dass diese Momente der vermeintlichen Botschaft des Films – wie schrecklich der District 9 doch für die Bewohner ist – “etwas” entgegenwirken. Ich würde gerne echtes Elend dieser Kreaturen miterleben (hach, wie nett das klingt) und keinen übertriebenen Firlefanz. Wie gesagt, ich habe keine Ahnung, was die da den ganzen Tag im District machen. Anscheinend wühlen die in Mülltonnen und zeigen dabei Zoidberg-esques Gebaren. Also bei der Vorstellung läuft mir jetzt keine Träne die Wange runter.

      https://www.youtube.com/watch?v=qpr3tXZF0mA

      2. Ganz genau verstehe ich deine Farge hier nicht. Ich denke jedenfalls nicht, dass ich in der Diskussion den Aliens die Schuld für irgendwas geben habe. Die sind ja einfach nur da gestrandet. Abgesehen davon wirken die auf mich eher wie willenlose Raubtiere. Hat ein Löwe “Schuld”, wenn er eine Antilope tötet? Den Begriff Schuld würde man hier nicht verwenden, da wir dem Tier keine Moral zugestehen bzw. an ihm erkennen können. Daher nervt es mich auch so enorm, das Christopher und sein Sohn sich von ihrem Verhalten und Gebaren radikal von jedem anderen Alien auf der Straße unterscheiden. Ich sehe da wirklich KEINE Verbindung außer dem Äußeren. Das könnten auch zwei unterschiedliche Spezies sein. Ich habe insgesamt ehrlich gesagt wirklich keine Ahnung, was Bloomkamp eigentlich mit diesem Film genau aussagen wollen könnte. Es soll wohl um Unterdrückung gehen (oder doch um zersplatternde Schweinehälften?). Aber wer da genau wen wie unterdrückt, geht bei mir bei dem ganzen Geballer, Gesplatter und Overacten unter.

      Was genau die Rolle der Schwarzen im Film ist, ist mir ebenfalls schleierhaft. Man könnte hier vielleicht auch sagen, dass viele wohl indirekt in die Rollen von Kriminellen gedrängt wurden, wie es ja oft auch in der Realität der Fall ist, aber wo genau wird das im Film überhaupt mal angerissen? Eben. Das einzige was man sieht ist, dass quasi alle Schwarzen Gangster sind. Und ich wollte in der Sendung nur zum Ausdruck bringen, dass ich diese überaus simplistische Darstellung einer demographischen Gruppe in einem Film, der ja anscheinend gerade ein Statement gegen Unterdrückung oder vereinfachte Menschenbilder sein soll, für ziemlich befremdlich halte. Aber wie gesagt, ich kann das alles nur vermuten, da ich den Film inhaltlich einfach nicht verstehe. Bei Bloomkamp sehe ich eigentlich immer nur hübsche Bilder und kratz mich am Ende am Kopf.