Second Unit #141 (Donnie Darko)

In dieser Woche sagt uns ein Typ im Hasenkostüm den Weltuntergang voraus. Yipp, es geht um Donnie Darko (Amazon-Link*). Selten schwärmen wir beide so gerne und intensiv über einen Film. 

Zu Beginn weisen wir noch einmal auf unseren Aufruf zum Hörervorschlag hin. Im Artikel zur letzten Woche stehen die Details. Außerdem sagen wir Danke für eure Flattr-Spenden und DVD-Einsendungen. Keep ‘em coming!

Das Getränk in dieser Woche stammt mal wieder aus einem der Weltmeere. Oder so. Jedenfalls hat uns Timo einen grünen Tee von seiner Asien-Reise mitgebracht.

[YouTube Direktlink]

Donnie Darko steht und fällt mit Richard Kelly, der das Drehbuch schrieb und den Film inszenierte. Und mit dem perfekten Casting. An erster Stelle ist da Jake Gyllenhaal als Donnie Darko zu nennen. Der Rest seiner Familie ist aber auch perfekt getroffen: Holmes Osborne als Eddie Darko, Maggie Gyllenhaal als Elizabeth Darko, Daveigh Chase als Samantha Darko und Mary McDonnell als Rose Darko spielen perfekt. Patrick Swayze verleiht seiner Rolle als Jim Cunningham die nötige Creepyness. Fun Fact: Seth Rogen ist hier als Ricky Danforth in seiner ersten Kinorolle zu sehen.

Wir spoilern diesen Film ohne Rücksicht auf Verluste. Donnie Darko sollte aber entweder bereits bekannt sein oder schnellst möglichst nachgeholt werden!

Im Laufe der Diskussion schwärmen wir uns durch verschiedene Details und Momente der Geschichte. Zum Schluss sprechen wir auch über den Director’s Cut dieses Films und dem Phänomen generell. Danach versuchen wir der eher merkwürdigen Kariere von Richard Kelly irgendwie gerecht zu werden.

Nächste Woche widmen wir uns mit Possession (Amazon-Link*) einem Lieblingsfilm von Tamino. Und ich weiß bisher nichts von dem Film. Null. Nada.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

[Download | Länge: 2:17:40 | Größe: 66,4 MB | @2nd_Unit | Facebook.com/SecondUnit | iTunes]

[Teaser-Bild: by spencer hickman]

*Amazon-Partner-Links: Über diese Links gekaufte Artikel werfen einen kleinen Obolus für uns ab. Für euch ändert sich nichts, schon gar nicht der Kaufpreis. Wir bedanken uns im Namen unserer Kaffee-Kasse.

  • Heisenberg

    Kleiner Tipp zu Maggie Gyllenhaal … guckt euch die Miniserie “The Honourable Woman” an, nie war sie besser!

    • JohnHurtU

      verliebt hab ich mich in maggie, als ich STRANGER THAN FICTION sah.

  • tinkengil

    Der Tee kommt übrigens nicht aus Asien, sondern mitten vom Atlantik, genauer den Azoren. Dort wird auf zwei Plantagen Tee angebaut – die beiden einzigen Teeplantagen Europas. Und genau dort habe ich den Tee gekauft :)

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Haha, großartig! Da lagen wir mal wieder völlig daneben :D

  • Dindrich Danel Der Ruchlose

    Christians Liebedienerei wird nur noch von dem hörbaren Stock.. übertönt,
    mit geschlossenen Augen kann man ihn sogar riechen.
    Das gurgeln mit Büffelsperma macht es dann auch nicht mehr besser.
    Ich bleib beim Deutschlandradio,
    dort sind sie wenigstens offen homosexuell.

    Alles Gute nach Krefeld ihr Häschen..

    • Privatsprache

      Schreib dich nicht ab! Sowohl Homophobie, als auch verzerrte Wahrnehmung sind heilbar und das gilt sogar für schlechten Humor!

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian
  • http://cinecouch.net/ Niels | CineCouch

    Dass ihr aber auch immer genau die Filme besprechen müsst, die ebenfalls schon auf unserer to do-Liste stehen… ^^
    Ich konnte noch nicht reinhören, freu mich aber schon drauf und hoffe ganz eigennützig, dass noch ein bißchen Analyse-Stoff für uns übrig bleibt :D

    • http://cinecouch.net/ Niels | CineCouch

      Da ich nun endlich mal zum Hören gekommen bin, möchte ich auch noch mal meinen Senf abgeben.
      Ich habe DONNIE DARKO geschätzt mit 15 zum ersten Mal als DC gesehen. Zu der Zeit konnte ich rein gar nichts mit offenen und interpretationswürdigen Filmen á la 2001 oder ERASERHEAD anfangen, insofern hat mich das hier auch nicht gestört, zumal ich das Geschehen so oder so erst mithilfe des Internets durchdrungen habe. Der ganze Rest, den ihr besprochen habt (Musik, 80s-Feeling, Darsteller, Figuren usw.), hat den Film aber für mich funktionieren lassen, der heute noch immer zu meinen All-Time-Favourites gehört. Mit der Kinofassung hab ich daher bis heute exakt dieselben Probleme wie Tamino: Die andere Musik und die zusätzlichen, die Charaktere vertiefenden Szenen fehlen mir. Der Kritik am DC kann ich aber wenig entgegensetzen, da die Buchseiten eben zu viel erklären und unmotiviert eingebunden sind. Ideal wäre mMn der DC ohne die Buchseiten – das wäre mein persönlicher Ultimate Cut.
      Bezüglich Christians vehementer Kritik an Richard Kelly persönlich: Ich war der Meinung, Kelly hätte deutlich darauf hingewiesen, dass der DC seine eigene Vision deutlicher präsentiere, die er jedoch keineswegs bervorzuge sondern explizit gleichberechtigt neben andere Interpretationen stellen wolle. Ich finde jedoch keinen Beleg dafür, außer Aussagen bei Wikipedia und im DVD-Booklet, die natürlich mit Vorsicht zu genießen sind. Grundsätzlich finde ich es okay für einen Regisseur, den Director’s Cut wörtlich zu nehmen und die eigene Sichtweise deutlich zu machen. Für mich wertet das die anderen Interpretationsmöglichkeiten nicht ab, wobei das sicherlich eine subjektive Frage ist. Schön übrigens, dass ihr auf die gar nicht so sehr eingegangen seid und uns so tatsächlich noch ein bißchen Gesprächsstoff übrig gelassen habt ^^

      Und dann noch eine Info zu APOCALYPSE NOW: Im Bonusmaterial heißt es, dass der FIlm ursprünglich wie etwa LAWRENCE OF ARABIA oder WEST SIDE STORY eine Pause beinhalten sollte. Die zweite Hälfte hätte dann mit der Indochina-Episode angefangen. Als beschlossen wurde, auf die Pause zu verzichten, musste sie zugunsten des Pacings weichen. Mit ihrem langsamen Tempo hätte sie als Einstieg in die zweite Filmhälfte wohl besser funktioniert, denn als für mich ermüdender und das Tempo kompromittierender Teil der vierstündigen Redux-Fassung.

      • http://www.enoughtalk.de jacker

        Die Frage der Versionen ist bei DD auch echt kompliziert. Der DC ist ja streng genommen die Rekonstruktion des ursprünglichen Festival-Cuts, welcher Kellys erste und absolute Version des Films gewesen ist, dann aber von Studioseite erzwungen runtergekürzt und umgeschnitten wurde. Nach dem was du nun schreibst, will ich den DC nun engültig auch gerne mal sehen!

        • http://cinecouch.net/ Niels | CineCouch

          Stimmt, wobei der Festival-Cut sogar noch einige andere Musikstücke geboten haben soll, unter anderem ohne Mad World, das lediglich wegen Rechte-Problemen aufgenommen wurde und “MLK” von U2 ersetzte.
          Ich habe gerade noch mal in den Audiokommentar reingehört, in dem Kelly besonders darauf hinweist, dass der DC durch einige geänderten Sound- und Bildeffekte stärker in Richtung Sci-Fi deuten soll als der ursprüngliche Cut. Ist sicherlich Geschmackssache, aber man sollte beide Versionen mal gesehen haben, wenn einem DONNIE DARKO gefällt.

  • Dindrich Danel Der Ruchlose

    O.K.
    3:0 ; Christian.
    sorry.
    bin selber schwul- zu viel Wein gestern..
    Ich gebe auf…
    IHR seid die Guten.

  • Gormenghast

    Schande auf mein Haupt,
    ich glaube DONNIE DARKO ist der erste Film auf Second Unit bei dem ich nicht auf entweder Christians oder Taminos Seite stehen kann.

    Schande auf mein Haupt,
    weil der auf dem Papier alles hat was ich eigentlich mag: abgedrehte Story, Sci-Fi Elemente, nette Schauspieler, sehr tolle Musik, einen Typen im Hasenkostüm, apokalyptische Stimmung und so vieles mehr.

    Ganz ehrlich…ich weiß nicht warum ich mit DD nichts anfangen kann :(

    Schande auf mein Haupt,
    aber mir geht es bei der Sichtung wie Elaine, wenn sie THE ENGLISH PATIENT sehen muss:

    https://www.youtube.com/watch?v=T5qalNX5G94

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Auch beim Director’s Cut?
      (Das Video zeigt übrigens Tamino bei der Sichtung vom dritten Hobbit!)

      • Gormenghast

        Hahahahaha,

        hey Christian,
        ich glaube den Director’s Cut kenne ich nicht.
        Ich würde dem Film so gerne eine neue Chance geben…mal sehen obs die in meiner Videothek gibt.

      • Gormenghast

        Vielleicht bin ich auch zu anspruchsvoll geworden.
        Habe gerade nochmal DIE STAATSAFFÄRE gesehen…dagegen stinkt logischerweise jeder andere Film ab

      • SecondUnitTamino

        Mensch, an dem Tag hatte ich ja echt komsiche Haare…

    • http://www.privatsprache.de/ Privatsprache

      Puuh, zum Glück bin ich mit der Meinung nicht allein. Allerdings habe ich DD erst einmal 2002 oder so gesehen. Als er so gehypt wurde. Damals konnte ich das nicht nachvollziehen, aber vielleicht gebe ich ihm noch einmal eine Chance…

      • http://www.enoughtalk.de jacker

        Ich hab den wohl so um 2003-2004 das erste Mal gesehen und konnte ebnfalls nicht viel damit anfangen. Hab es dann etwas später noch mal versucht (in der Zwischenzeit war viel in Bezug auf Mystery-Affinität passiert) und war sehr beeindruckt. Jetzt hab ich nochmal aufgefrischt und er hat gehalten. Probier mal ;)

        • http://www.privatsprache.de/ Privatsprache

          Na, wenn der Jacker-approved ist, dann muss ich das wohl machen … ;-)

    • David Noack

      Ich stimme der Aussage zu, ich kann mit dem Film absolut nichts anfangen.

      • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

        Wow! Ihr zerstört hier wiederholt mein Weltbild! Ich dachte, dass es bei dem Film keine zwei Meinungen gibt. Aber gut. Ich glaube, dass mich der Film (vor allem damals) auch so umgehauen hat, weil ich den Coming-Of-Age-Aspket einfach wunderschön finde. Da kamen für mich damals Film und Lebenswelt perfekt zusammen :D

  • Weltraumhirsch

    Tamino, schau dir mal Enemy mit Gyllenhaal an. Ich habe den Film geliebt, also wirst du ihn ganz sicher hassen. Also, wenn du mal wieder zu gute Laune hast… ;-)

    Cheers
    Stefan

  • Weltraumhirsch

    DD zählt seltsamerweise auch zu meinen Lieblingsfilmen, was ja eigentlich nicht sein kann, wenn das beim Tamino auch so ist, aaaaber, zum Glück halte ich den Directors Cut für die stümperhafteste Verschandelung dieses Meisterwerkes. Da kann ich sogar mit CGI Gewitter in den alten Star Wars Filmen besser leben, als diesen Pfusch.

  • Weltraumhirsch

    Was ich bemerkenswert finde, ist, dass dich Tamino, das Zeitreiseparadoxon nicht stört. Es ist der exakt gleiche Zirkelschluss, wie etwas bei Star Trek Into Darkness. Wichtig finde ich aber dein Argument für Donnie Darko, dss ich exakt genauso für Into Darkness angeführt habe: es hat dich nicht gestört. Und hier kommen wir wieder genau zu dem Punkt: wie arbiträr, unwichtig und austauschbar Filmurteile sind. Es liegt letzendlich immer an der subjektiven Rezeption des Zuschauers. Und das gilt für ALLE Logikfehler. Störe ich mich nicht an ihnen, sind sie für mich nichts, dass ich in Bezug auf meine Wahrnehmung und mein Urteil über den Film berücksichte. Denn ob ich so einen Fehler wahrnehme, kommt nicht durch den Film zustande, sondern das trage ich als Rezipient in den Film hinein. Bin ich von anfang skeptisch, achte ich viel mehr auf mgl. Logikfehler. Lasse ich mich auf den Film ein, dann akzeptiere ich sie vielleicht viel eher und empfinde sie als völlig natürlich im Film. Es kommt dann eigentlich nur darauf an, wie eloquent ich meine subjektive Meinung zu einer Allgemeingültigkeit hochdeuten kann und dann von einer pseudoobjektiven Bewertung spreche, die es natürlich auch nicht gibt. Es gibt auch keine produktiven Diskussionen in dem Sinne, weil sie immer außerhalb des Filmerlebnisses stattfinden und nur im Nachgang, bei einer Wiederholung überhaupt eine Wirkung erzielen!

    Es ist eben eine völlig subjektive Sache, ob ich die Interpretion bis ins kleinste Detaill vom Regisseur vorgekaut bekommen möchte, oder lieber selbstständig nachdenke und mir meine eigenen Gedanken über eine mögliche Erklärung mache. Ich pflichte Chrstian da unbedingt bei, in Bezug auf Donnie Darko.

    Überhaupt liebe ich Filme, die eine scheinbar normale Welt entstehen lassen, in die unerklärliche Dinge einbrechen. Die offene Enden haben und damit auch viel stärker meine Sicht auf Ding verändern.

    • SecondUnitTamino

      Jo, bis zu einem gewissen Grad gebe ich dir Recht, aber nicht völlig. Ich seh da eben schon einen Unterschied, ob ein Writer mit einem Zeit-Paradoxon eine einzigartige Story erzählt und diese schwer oder nicht zu begreifende Mechanik andere Stärken des Films – wie z. B. tolle Story-Entwicklungen oder Charaktermomente – erst möglich macht (DONNIE DARKO, BACK TO THE FUTURE), oder ob sich ein Haufen überbezahlter Möchtegern-Wriiter irgendeinen Stuss aus den Fingern saugen, weil sich eh keiner der Zuschauer für den Plot interessiert und alles nur bunt blinken soll (INTO DARKNESS, TRANSFORMERS, Marvelfilme etc.).

      Generell habe ich auch nie bestritten, dass Filmrezeption unglaublich subjektiv ist. Ich bleibe aber dennoch dabei, dass es nicht zu 100% so ist, denn dann würde rein logisch betrachtet jedwede Filmdiskussion sofort hinfällig und man würde bei keinen zwei Filmen Ähnlichkeiten im Aufbau erkennen, weil ja alles vollkommen zufällig wäre, ob jemand einen Film mag oder nicht. “Magst du lieber Rot als Grün? – Ne, ich steh auf Lila.” So rede ich nicht über Filme und ich bin schon der Meinung, dass man es auch nicht muss. Ein Logikloch ist z. B. immer schlecht – warum auch nicht?. Mal stört es mehr, mal weniger, aber warum sollte es jemals positiv sein? Wenn man sich damit aber eine andere Qualität quais erkaufen kann, die sonst nicht so möglich gewesen wäre, dann ist es ein akzeptabler Deal. Ich find’s aber nach wie vor schwierig nachvollziehbar, dass du das bei INTO DARKNESS genau so siehst. Nur weil du nicht über den Plot nachdenkst, wird der Plot dadurch nicht besser. Bei DONNIE DARKO kannst du den Film halt nicht anders schreiben, weil die künstlerische Seele des Werks aus dem Paradoxon entsprint. Bei INTO DARKNESS könnte ich selber mir zig bessere Möglichkeiten ausdenken, wie man die Geschichte hätte erzählen können – und das ganze vielleicht dazu noch ohne Space-Striptease-Einlagen und Spok-Kahn-Prügeleien bei denen sich mein vorher bereits verstorbenes Hirn im Grabe umdreht.

      “Es gibt auch keine produktiven Diskussionen in dem Sinne, weil sie immer
      außerhalb des Filmerlebnisses stattfinden und nur im Nachgang, bei
      einer Wiederholung überhaupt eine Wirkung erzielen!”

      Da stimme ich überhaupt nicht zu. Dir geht es vielleicht nur um die Wirkung eines Films während du ihn schaust, mir aber nicht nur. Ich denke vor allem über gute Filme auch nach ihrer Sichtung nach, versuche ihre Themen und Aussagen zu verinnerlichen und will sie vor allem in meinem Leben noch zig Male schauen. Bei PACIFIC RIM und SPIDER-MAN 2 muss man das natürlich nicht, die würde ich auch nur ertragen, wenn ich mich nicht für Inhalte in irgendeiner Form interessieren würde. Es sind aber nicht alle Filme bloße kurzweilige Unterhaltung, die ausschließlich WÄHREND ihrer Sichtung einen Eindruck auf den Zuschauer hinterlassen. Filme wachsen oder schwinden mit mehrfachen Sichtungen und genau in Hinsicht auf diesen Prozess sind Diskussionen ultra produktiv. Selbst wenn ich mich über einen qualitativen Actioner wie HARD BOILED unterhalte, würde ich das so unetrschreiben.

      Letztendlich bleibe ich daher immer noch bei meiner Ansicht: Es gibt so etwas wie Qualität in Filmen. Damit lässt sich nicht “beweisen”, dass jemand ein Film gefallen müsse oder nicht, aber zu sagen, dass jeder Film gleich gut solange es irgendeinen Deppen gibt, der ihn toll findet, halte ich für ziemlich bescheuert. In keinem anderen Bereich des Lebens würde ich das so sehen und bei Filmen genau so wenig. Ich bin halt kein Relativist und werde es auch nicht mehr werden.

      Bei deinem letzten Satz gebe ich dir allerdings wieder absolut Recht. Mir würden allerdings wenige Beispiele einfallen, die das genauso schöbn machen wie DONNIE DARKO. Welche Filme hattest du da noch im Kopft?

      • Weltraumhirsch

        Dass Filme auch danach noch eine Wirkung haben, habe ich gar nicht bestritten. Gerade das, was nach einem Film mit einem passiert, unterstreicht ja das Beispiel Donnie Darko ganz vortrefflich. Denn die Originalfassung lässt das Ende offen, sodass man sich haufenweise Gedanken über den Film machen kann und verschiedene Deutungsmöglichkeiten zugelassen werden. Das ist auch das Problem vom DC. Der kaut einem alles vor und lässt die Rezeption des Filmes in eine passive Bedeutungslosigkeit gleiten. Man ist der Freiheit beraubt ihn zu deuten. Und dass das Einblenden von Buchseiten eine völlig dumme Art und Weise ist eine Narration voran zu treiben, daran besteht wohl nicht der leiseste Zweifel. In der Erstfassung auf DVD war das Buch auf der zweiten DVD, was Ok ist, als Zusatzinhalt…aber im Film ist es einfach schlecht.

        Dass es keine rein objektiven Kriterien für einen guten Film gibt, zeigt auch wieder, wie stark ins esoterisch/metaphysisch die Erläuterung, warum Dinge bei DD passen und Southland Tales nicht, abdriften…da bist du ausgesprochen häufig ins gefühlsmäßige und emotionale Fahrwasser geraten. Die Qualität ist eben immer bezogen auf ein rezipierendes Individuum gut oder schlecht. Ein weiteren Schritt kann man gehen und sagen, dass eine Menge von Individuen eine ähnlich Ansicht teilt, aber eine absolute Aussage ist eben nicht möglich.

        DD hat Logiklöcher, deshalb ist er kein schlechter Film. Und ein Star Trek Into Darkness hat auch hervoragende Charaktermomente und einiges mehr zu bieten. Dass dir die besonders übel aufstoßen, hat ja vor allem damit etwas zu tun, dass du eine völlig konträre Einstellung zum Film hast, die ganz individuell von dir und deinen Erfahrungen mit dem Star Trek Universum und seinen Vorgängern determiniert ist. Somit wieder eine Summe von völlig subjektiven Parametern ist.

        Dass du bei meinem letzten Absatz zustimmst, verwundert mich nicht zuletzt auch deshalb, weil du den DC von DD ja ganz klar dem offenen Ende von der Originalfassung vorziehst und allgemein mit Filmen, die Raum für Imagination und Deutungsmöglichkeiten lassen, eher wenig anfangen kannst (Z.B, Lynch).

        Ich glaube deshalb ist für mich auch das Buch immer noch eine wertvollere Form eine Geschichte zu transportieren, weil ich aus der Passivität des reinen Konsums angeregt werde, durch eigene Imagination aktiv mein Rezeptionserlebnis zu beeinflussen.
        Enemy ist beispielsweise so ein Film, der viel Freiraum zum Nachdenken lässt.
        The Grey hatte auch ein Ende und eine subtil im Hintergrund laufende Botschaft, die sich eben nicht mit dem Holzhammer sofort erschlossen hat. In gewisser Weise ist das sogar ein Film mit doppeltem Boden, weil er auf einer primitiven Actionebene funktioniert und zusätzlich eine tiefenpsychologische Weite liefert, die einen internen intellektuell fruchtbaren Diskurs über Isolation, Männlichkeit, die Natur, Instinkte und Gemeinschaft führt.

        • SecondUnitTamino

          Also bevor ich nochmal THE GREY gucke dann lieber doch nochmal INTO DARKNESS ;-) Aber wenn ich jetzt nochmal den Vergleich zwischen DONNIE DARKO und SOUTHLAND TALES bzw. THE BOX ziehe: Würdest du mir denn nicht zustimmen, dass es einen Unterschied gibt zwischen Genialität und Absurdität oder zwischen sinnvoll ineinader verwobenen Handlungssträngen einerseits und einem Haufen pretentiösen Quark auf der anderen Seite? Meinst du echt, es gehe hier AUSSCHLIEßLICH um ein Geschmacksurteil?

          Ich würde auch bei Filmen die ich persönlich ähnlich mies finde massive Qualitätsunterschiede feststellen. MELANCHOLIA und LOST IN TRANSLATION sind keine schlechten Filme in Hinsicht auf Qualität, ABER ich kann sie nicht ab. DISTRICT 9 und INTO DARKNESS sind extrem schlechte Filme UND ich kann sie nicht ab. Man merkt bei letzteren einfach total, dass man sich keinerlei Mühe gegeben hat, ein sinnvolles filmisches Szenario zu schaffen, eine kohärente Geschichte zu erzählen und bei der Ausarbeitung von möglicherweise inetressanten Ansätzen extrem schlampig war.

          Eine letzte Frage an dich: Person A schreibt eine philosophische Abhandlung, nachdem sie jahrelang an einem Thema gearbeitet und recherchiert hat. Person B schreibt einen Haufen vollkommen haltloser Behauptungen ohne Kontext und Sinn auf. Ist jetzt für dich die einzige Bewertungsmöglichkeit der Qualität beider Arbeiten die subjektive Bewertung? Wenn ich jetzt allen Ernstes behaupten würde, dass Person B die bessere Arbeit geschrieben hat, würdest du dann sagen dass meine Meinung absolut akzeptabel ist? Ich definiere Qualität anders als Geschmack und ich bin der Meinung, dass man eine solche zumindest näherungsweise in der Realität messen kann, egal ob es sich um Philosophie oder Filme handelt. Wenn das nicht so wäre, dann wäre der Begriff “Qualität” an sich schon total nutzlos. Bei Filmen wird’s natürlich schwieriger, da Geschmack hier eine größere Rolle in Hisnicht darauf spielt, was das Medium überhaupt leisten soll. Ich finde es aber dennoch absurd, Filmrezeption diametral anders zu betrachten als andere Lebensbereiche und jedweden filmischen dahingerotzen Dreck prinzipiell auf die gleiche Wertstufe wie Projekte jahrelanger Arbeit und Kreativität zu stellen.

          Und nach wie vor darf man gerne INTO DARKNESS mögen. Nur muss man dann eben auch festhalten, dass einen Qualität in einem Film hierbei nicht interessiert und man lieber stumpfsinnig berieselt werden möchte. Mach ich ja auch manchmal gerne mit meinen Schwarzeneggern, nur versuche ich halt nicht dem Rest der Welt zu erzählen, dass COMMANDO tolle Charaktermomente habe und es eine Leistung des Films sei, wenn ich mir beim Schauen keine Gedanken über seinen sinnlosen Plot mache.

          • JohnHurtU

            hihi. COMMANDO ist ein einziges charaktermoment.

  • cule0809

    Tamino guckt Basketball? Darf man fragen welches Team du bevorzugst?

    Ansonsten muss ich mich wieder einmal bedanken. Donnie Darko war schon lange auf meiner Liste aber irgendwie konnte ich mich für eine Sichtung nie dazu bewegen. Jetzt habt ihr mich “gezwungen” und bin für diese Filmerfahrung sehr dankbar! Glaube der wird sogar durch eine zweite Sichtung besser.

    Muss auch zugeben, dass ich Jack Gyllenhaal sonst eher nicht so mochte aber in letzter Zeit gucke ich wirklich viele gute Filme von ihm und sein Talent als Schauspieler ist schon sehr stark.

    • SecondUnitTamino

      Auf den hätte ich auch mal wieder Lust. Hab den nur einmal vor etlichen Jahren gesehen und bin mir ziemlich sicher, dass ich ihn inzwischen besser finden würde. In Sachen Basketball bin ich Rockets Fan wegen James Harden.

      • cule0809

        Fand den in der zweiten Sichtung auch besser. Aber ich habe den auch mit 13 zum ersten Mal gesehen. Nicht so das perfekte Alter hehe :)

        Cool. Bin geplagter Knicksfan hehe.

        • SecondUnitTamino

          Oh ha^^. Hab neulich das Spiel gegen gesehen, in dem sie Mitte drittes Viertel 33 Punkte hatten…

          • cule0809

            Tja. Unnötige Traidings. Mehr muss man dazu dann auch nicht sagen :D

          • SecondUnitTamino

            Aber jetzt ham se ja doch nochmal ein paar Wins eingefahren die Jungs!

          • cule0809

            Wird am Ende dennoch nicht reichen^^

  • DocBrown

    Eine “interessante” Variante des Director’s Cut ist der von Alien: Ridley Scott musste diesen zum 20. Jährigen Jubiläum anfertigen, obwohl der Kinocut für ihn die schon perfekte Version des Films war.

    • http://www.enoughtalk.de jacker

      Und der gibt dem Film auch GAR NICHTS, was er brauchen würde. Längere Shots auf das Alien schwächen die “unsichtbare” Bedrohung und die lange Szene mit den eingesponnen Opfern, greift unnötig auf Teil 2 vorraus.

  • http://www.enoughtalk.de jacker

    Mensch, dass ich das noch erleben darf, nicht nur einer von euch, sondern alle beide sind mit vollster Verzückung dabei! Stark!

    Ich hatte in 2003 oder ’04 meinen ersten Kontakt mit dem Film und war nicht so richtig gepackt. Warum, das kann ich heute nicht mehr nachvollziehen. Habe dann die ersten Berührungspunkte mit schwer greifbarer, düsterer Mystery über Lynch gemacht, der mich sofort gepackt hat und irgendwann DD nochmal versucht – da hat er mich umgehauen.

    Ich kenne nur die Kinoversion, und bin zwiegespalten ob ich den DC sehen will. Die Charaktermomente klingen toll, die Buchseiten und die zusätzlichen Erklärungen in meinen Augen unnötig – bin ja eher jemand, der sich komplett seine eigene Interpretation des Stoffes zusammen denken will :) Allerdings muss ich nach gestrigem Auffrischen des Films (weswegen ich auch erst nach zwei Wochen die Sendung gehört habe) auch sagen, dass der für mich eigentlich kaum offene Räume und lose Ende aufweist. Klar ist das mysteriös und nicht ins letzte ausformuliert, aber mir fällt es nicht schwer den Plot einzustufen, meine Schlüsse zu ziehen und eine sinnvolle, stringente Bedeutung darin zu finden. Atmosphärisch ist der Film sowieso über alles erhaben, besonders den Score muss man nochmal hervorheben! Diese Mischung aus Orchester und elektronischem Pulsieren, besonders in der Szene wo Donnie ans Mikro geht und Cunningham konfrontiert, ist auf den Punkt, erzeugt für sich schon Gänsehaut und geht Hand in Hand mit der starken Kamera-Arbeit, sowie intensivem Spiel.

    THE BOX fand ich auch außerordentlich mies! Zu Taminos Anmerkung über die Chemie der Darsteller muss ich aber noch hinzufügen. Cameron Diaz spielt nun mal mit und obwohl ich sie für manche Rollen ganz tauglich finde (jüngst in THE COUNSELOR), frage ich in die Runde: Kann diese Frau denn mit IRGENDWEM Chemie haben? Ich finde ihre ganze Wirkung so beherrscht, so distanziert und verkopft, dass sie niemals wirkliche Nähe mit einem anderen Schaupieler verkörpern kann.

    Spannend fand ich vor allem den Punkt in der Diskussion, wo es Tamino sehr schwer fällt in Worte zu fassen, warum Filme, die sich formell so sehr ähneln mal funktionieren und mal überhaupt nicht! Ich hätte zum Beispiel – so wie ich Tamino mittlerweile kenne – überhaupt nicht damit gerechent, dass er DONNIE DARKO mag, im Gegenteil, als er das in einem älteren Podcast mal erwähnte war ich ziemlich verblüfft. Jetzt weiß ich zwar dass der Film geradliniger ist, als meine Erinnerung es mir vor gaukelte, aber dennoch passt er nicht in sein Beuteschema. Ähnliches mit POSSESSION. Worauf ich hinaus will: Es gibt halt einfach Filme, bei denen so viele Aspekte, die über konstante Logik, oder eine ausformulierte Geschichte hinaus gehen, für einen selbst einfach “passen”, dass man umgehauen wird, aber gar nicht weiß warum. Ich stehe sonst auch fast nie auf unendliche CGI Orgien, aber Zach Snyder haut mich um. Man kann dann immer lange nach den Gründen suchen und versuchen es zu umschreiben, aber bei diesenw enigen ganz besonderen Filmen gibt es eben noch dieses “letzte Bißchen”, was über eine verbale Beschreibung hinaus geht!

    Bei Director’s Cuts, bin ich übrigens geteilter Meinung. Es gibt nämlich auch Filmemacher, die ein bisschen Regulierung von Studio Seite ganz gut vertragen können. Vielleicht sind viele auch in variablem Maß Kontrollfreaks, denen die kritische Distanz zu ihrem Werk ein paar Mal zu oft verloren geht – bestes Beispiel ist der Ridley Scott DC von GLADIATOR. ich halte von dem Film eh nicht übermäßig viel, aber der DC streckt einfach nur alles unnötig in die Länge. Ähnlich beim Cameron DC zu ALIENS. Kein Mehrwert, nur plumpe Entmystifizierung durch Vorabinformation (man sieht z.B. wie die Familie von Njut (wie auch immer man den Namen schreibt) von nem Facehugger verfolgt wird, somit ist der erste Kontakt mit Aliens super früh im Film und die Suspense entfaltet sich viel weniger).

    Top Sendung mal wieder!