Second Unit #78 Extended Cut (Cloud Atlas)

Diese Woche wiederholen wir das Wiederholungsexperiment. Cloud Atlas (Amazon-Link*) war für uns die große Überraschung im Kinojahr 2012. Deshalb widmen wir uns in dieser Woche erneut diesem Lieblingsfilm von Tamino.

Wir sind immer noch im Urlaubsmodus und probieren noch einmal eine wiederholte Sichtung. Wie neulich bei Apocalypse Now probieren wir dieses Mal ein etwas anderes Format: Wir melden uns kurz vor dem Intro und erklären das Konzept. Dann gibt es die Wiederholung unserer Diskussion zu Cloud Atlas aus dem letzten November. Nach dem Outro melden wir uns dann noch einmal mit unseren Beobachtungen aus der zweiten Sichtung.

Zu der späten Diskussion trinken wir eine sprudelige Version von Lipton Ice Tea. Dabei gehen wir erneut auf die wunderbare Musik, das Make-Up, die Schnitttechnik und die Kritiker-Reaktionen auf Cloud Atlas ein.

Für Tamino war der Film nach der ersten Sichtung sofort ein Lieblingsfilm. Sein Bauchgefühl hat sich in der Zwischenzeit etwas verändert, sodass wir diese Einordnung noch einmal überprüfen. Spoiler: Er mag ihn immer noch sehr, sehr gerne. Dabei diskutieren wir auch unsere beiden unterschiedlichen Interpretationen zu diesem Film. Für Tamino steht das Thema Reinkarnation im Vordergrund. Ich bin viel mehr von der Kausalität und den Verbindungen fasziniert. Das Ende greifen wir deshalb erneut auf.

Nächste Woche nähern wir uns schon unseren beiden Geburtstagen. Deshalb darf sich jedes Geburtstagskind wieder einen Film aussuchen. Ich fange mit Eternal Sunshine of the Spottles Mind (Amazon-Link*) an. Für mich schon seit vielen Jahren ein absoluter Lieblingsfilm. Ich freue mich deshalb schon sehr auf die gemeinsame Diskussion mit Tamino. Ab der nächsten Woche hört unsere Urlaubszeit vorbei, sodass wir nicht mehr vorproduzierte Episoden veröffentlichen müssen.

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[Download | Länge: 2:04:17 | Größe: 57,2 MB| @2nd_Unit | Facebook.com/SecondUnit | iTunes]

[Teaser-Bild: cc by Zepfanman.com]

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  • Heisenberg

    Hat mal wieder sehr viel Lust in mir erzeugt den Film auch nochmal zu gucken. Dementsprechend gibt’s als Hausaufgabe für mich den Rewatch von Cloud Atlas ;-)

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      So machen Hausaufgaben Spaß!

  • cule0809

    Habe Cloud Atlas letzte Woche geguckt und heute euren Podcast gehört. Kann die Begeisterung absolut nicht teilen. Vorweg, ich kenne das Buch gar nicht.

    Das ist definitiv kein schlechter Film doch für mich noch lange kein Meisterwerk. Dies liegt nicht daran, dass ich die Idee nicht gut fand oder mich nicht drauf einlassen wollte. Es lag auch nicht daran das mehrere Thematiken abgehandelt werden oder die Sprünge zu schnell waren. Das sind alles Punkte, die mir gerade gut gefallen haben.
    Was mir nicht gefällt ist der Qualitätsunterschied zwischen den einzelnen Strängen. Ich finde die Geschichte in der Gegenwart absolut belanglos für den ganzen Film und empfinde diese Szenerie eher als Störfaktor. Wäre es vielleicht nicht besser gewesen, wenn man die Geschichte mit seinem Bruder etwas aufgerollt hätte? Oder die Liebesgeschichte? Denn bis zu dem Punkt, als er noch einmal vor dem Haus war um zu gucken, ob seine Jugendliebe noch da ist, fand ich diesen Teil von Cloud Atlas tatsächlich am interessantesten.
    Doch dies wurde zerstört durch eine absolut unlustige und sinnlose Geschichte über ein paar rebellierende Opis im Altersheim. Dieser Teil hat mich dann gar nicht mehr begeistern können, da auch nicht gut umgesetzt. Dass der Film natürlich versucht, einen Kontrast in manchen Punkten zu erzeugen ist ja eher lobenswert. Mich stört ja auch nicht, dass es eine lustige Geschichte ist. Nur warum kratzt man hier zwei interessante Geschichten an, nur um sie später für eine langweilige und unlustige Komödie zu opfern? Auch die Geschichte mit dem Anwalt oder mit der Reporterin empfand ich eher als mittelmäßig. Wobei ich kaum noch Erinnerungen hatte mit dem Strang aus den 70ern Jahren, muss ich wohl hier noch einmal gucken. Das Ende mit der Geschichte um den Anwalt rettete das ganze dann doch noch ein wenig. Dafür fand ich die Geschichte mit dem Komponisten und mit den zwei Strängen in der Zukunft sehr gelungen. Nur bei dem letzten Strang hat mich dieses Wesen, was wohl den Teufel symbolisieren soll, ein wenig raus geworfen.

    Der Schauwert ist natürlich groß und, bis auf die Masken, wurde hier ins Detail genau gearbeitet. Der Soundtrack ist sehr gelungen und schauspielerisch, bis auf Halle Berry in manchen Szenen, empfand ich das ganze auch sehr gut. Ich finde man merkt einfach, dass am Ende zwei (bzw. eher gesagt 3), Regisseure am Werk waren, die mit ihren unterschiedlichen Stilen arbeiten. Dadurch leidet manchmal auch ein wenig die Qualität der einzelnen Geschichten und das ist wirklich schade. Das fängt halt bei den Masken an und hört bei der Qualität der einzelnen Geschichten auf. Denn ich sehe in dem Film wirklich viel Potenzial. Dass der Film vielleicht auch nicht alle Geschichten komplett zeigen kann, möchte ich nicht einmal ankreiden. Denn ich finde, man hat es diesbezüglich ganz gut gelöst. Eine bessere Lösung wäre wohl gewesen, einzelne Filme zu drehen für jeden Strang. Dies wäre dann zwar gut gewesen für die einzelnen Geschichten, nur wäre dann das Besondere von Cloud Atlas völlig verloren gegangen. Denn meine Kritik und meine Bewertung lassen es nicht zu, dies zu glauben. Dennoch sollte man den Film tatsächlich einmal gesehen haben. So etwas gab es wirklich noch nicht im Kino gesehen und die großen Probleme, die man vorher vermuten konnte, sind zum großen Teil perfekt gelöst. Ihr habt zum Beispiel den Schnitt angesprochen. Den finde ich ebenfalls gut. Ich habe glaube ich noch nie einen Film gesehen, der so stark mit einem Schnitt arbeitet und wo der Schnitt selber, ein Teil der Geschichte wird.

    Fazit:
    Das Konzept, die Idee und auch die Umsetzung an sich haben mich echt begeistern können. Nur der Qualitätsabstand zwischen den einzelnen Geschichten ist mir zu hoch. Vielleicht ändert sich meine Bewertung bei einer zweiten Sichtung. Doch ich habe eher das Gefühl, dass mir der Film danach noch weniger gefallen wird. Was man den Film definitiv zugute halten muss, dass er versucht einen anderen Weg zu gehen. Man hätte das Ganze auch wie gesagt in mehreren Filmen drehen können, dies hat man aber gelassen und stattdessen was Neues versucht.

    7/10

    • SecondUnitTamino

      Überhaupt die Überlegung zu haben, dass man aus dem Film mehrere Filme hätte machen können, zeigt mir, dass bei dir beim Anschauen irgendetwas nicht funktioniert hat. Du scheinst mir bei der Bewertung des Films zu stark auf die einzelnen Geschichten an sich zu schauen. Es geht bei CLOUD ATLAS nicht in erster Linie um diese einzelnen Geschichten, sondern um deren Verbindung und um die Ideen, die sich in allen Handlungen wiederfinden. Ich fand im Grunde keine der Geschichten an sich besonders toll oder besonders schlecht, aber das ist für mich auch völlig irrelevant, da die gesamte Leistung des Films darin besteht, die Ideen, die in deren Verbindungen liegen, zu bearbeiten. Man hätte das mit auch mit sechs völlig anderen Geschichten machen können. Natürlich ist es schade, wenn dich gewisse Handlungsstränge an sich schon völlig kalt lassen, aber das war bei mir im Gegensatz einfach überhaupt nicht so. Auch wenn sie alle sehr unterschiedlich sind, finde ich sie alle in etwa gleichwertig in ihrer jeweiligen Qualität. Ich fand die Seniorenausbruchsgeschichte durchaus unterhaltsam und schätze sie auch, weil sie als einzige etwas Humor in den sonst doch ziemlich ernsten Film bringt. Gerade dieses Hin- und Herspringen zwischen so verschiedenen Settings und Tones zeichnet den Film ja aus.

      Und dass du Hugo Weaving als Teufel nicht mochtest finde ich auch sehr schade. Wenn ich einen Lieblingscharakter nennen müsste, dann wäre es wohl er. Allein wie er diese mystischen, gewisperten Sprüche aufsagt, da bekomme ich eine Gänsehaut.

      • cule0809

        Ich fang mal von hinten an.

        Hugo Weaving als Teufel ist schon ok. Die Rolle selber hat mir ja gefallen. Ich finde nur, es passt überhaupt nicht in den Film rein. Der ganze Film ist ja eher bodenständig in Sachen Mystik ect.. Man hätte ja das Ganze auch sehr spirituell aufziehen können, was man ja nicht tat. Doch dann kommt dieser Teufe,l der auf Tom Hanks einspricht. Was soll das? Warum ist der komplette restliche Film völlig fern von diesem, wenn man es doch einbaut? Klar geht es im letzten Strang klar um das Thema Religion. Nur muss man da auch gleich ein Fantasiewesen einbauen? Klar kann man es auch so deuten, diese Sichtweise fände ich sehr angenehm und deswegen komme ich mit dem letzten Strang auch gut klar, dass das alles nur Einbildung ist und dabei würde ich es für mich auch gern belassen. Denn als reelles existierendes Wesen wirkt es dann doch wie ein Fremdkörper.

        Zum restlichen. Ich habe nur gesagt, so einfach könne man es sich ja auch machen. Was die Filmemacher ja glücklicherweise nicht getan haben.

        Klar geht es im Kern um die einzelnen Verbindungen ect..Dennoch darf dann der eine oder andere Strang dabei zurückbleiben in der Qualität. Mich wirft halt diese Geschichte mit dem Altersheim halt völlig raus. Die Leistung des Films ist es die Ideen zu bearbeiten, die in den jeweiligen Verbindungen liegen, klar. Dennoch muss mich die Geschichte die hinter den einzelnen Ideen stehen auch packen. Das ist natürlich aber Ansichtssache.

  • Viator

    Nun will/muss ich hier auch mal einen Kommentar abgeben, da
    ich es mir schon so lange vornehme, mich hier mal zu beteiligen und ich Euren
    Podcast/Blog sehr, sehr schätze! Ich höre Euch nun schon seit mehreren Monaten
    regelmäßig und es macht mir ebenso viel Spaß wie es mich schon oft auf
    interessante Filme gestoßen hat, die ich vorher nicht kannte. ( z.B. Donnie
    Darko – Hammer!) Also Danke!

    Aber zum Thema:

    Du, Christian, meintest, glaube ich, gegen Ende des Extended
    Cuts (btw. Ich mag das Konzept sehr!), du seiest noch nicht ganz fertig mit dem
    Film in Bezug auf die Interpretation und du würdest gerne noch weiter darüber
    nachdenken bzw. andere Interpretationen hören. Da ich Euer beider Sicht auf den
    Film sehr spannend fand und mich auch gerade Taminos stark auf die Wiedergeburt
    fixierte Deutung nochmal ausführlich hat nachdenken lassen (auch wenn es nicht
    meine Deutung ist), dachte ich mir, ich revanchiere mich und lege noch eine
    weitere Perspektive nach – nämlich meine. Vielleicht findet es ja der ein oder
    andere interessant.

    Zwei Dinge standen für mich bei Cloud Atlas im Vordergrund,
    die ich im Folgenden versuche darzustellen:

    (wobei ich dazu sagen muss, dass ich nach Sichtung des Films
    das Buch bereits zwei Mal gelesen habe – meine Perspektive also eine leicht
    andere ist)

    1. Deutung: Die Überlieferung von Ideen/Gedanken

    Was mir sehr stark auffiel ist, wie schön der Film (und
    insbesondere das Buch) zeigen, auf welche Arten wir Wissen/Ideen/Werte von
    Generation zu Generation weiterreichen können. Grob kann man das was der Film
    zeigt in drei Gruppen bringen: 1.) Auf dem Wege DIREKTER SCHRIFTLICHE
    ÜBERLIEFERUNG: Adam Ewings Pazifiktagebuch, das die Verbindung zu Frobisher
    herstellt, sowie dessen Briefe an seinen Geliebten, die dieser bis ins hohe
    Alter behält und die dann seine Enkelin von Luisa Ray erhält. 2.) Auf dem Wege
    der KUNST: Das „Wolkenatlas-Sextett“, dass Frobisher komponiert und das Luisa
    im Plattenladen kauft. Der Kriminalroman „Halbwertszeiten, Luisa Reys erster
    Fall“, den der kleine Junge schreibt, der Luisa immer wieder besucht (was man
    im Film nur in einem ganz kurzen Moment sehen kann, wenn man sich an den Namen
    des Jungen erinnert, denn Cavendish scheint der Verleger des Buches zu sein und
    hat das Manuskript, auf dem der Name steht) und der Film „Das grausige
    Martyrium des Timothy Cavendish“, den Cavendish dreht und den in ferner Zukunft
    Sonmi sieht, wodurch sie auf ihre Ideen der Freiheit überhaupt erst zu kommen
    scheint! 3.) Auf dem Wege der PHILOSOPHIE/RELIGION: Der Glaube in der
    Nach-Apokalyptischen Zukunft an Sonmi und ihre Lehre. 4.) Auf dem Wege der
    MÜNDLICHEN ÜBERLIEFERUNG, wie es unser Zukunfts-Steinzeitmensch Tom Hanks tut,
    indem er seine Geschichte seinen Enkeln erzählt.

    Alle diese Überlieferungsformen verbinden jeweils eine
    Geschichte mit der anderen. Was man auch an meiner Aufzählung sehen kann: Sie
    führt chronologisch von einer Geschichte in die andere. Noch schöner sieht man
    das im Buch, wo die KAPITEL nach den entsprechenden Werken benannt sind:
    Wikipedia zeigt das schön: http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Wolkenatlas#Briefe_aus_Zedelghem

    Das wäre für mich also der erste zentrale Punkt. Die Frage,
    WIE etwas überliefert wird bzw. wie wir „mit der Vergangenheit verbunden sind“.
    Denn dass alles mit allem verbunden ist, ist ja die zentrale Aussage des
    Films/Buchs.

    2. Deutung; Freiheit vs. Machtausübung

    Der zweite zentrale Punkt ist für mich WAS denn überliefert
    wird und da sehe ich in jeder Geschichte den Gegensatz zwischen Freiheit vs.
    Unterdrückung bzw. Freiheit vs. Machtausübung. Am offensichtlichsten ist das
    noch in der Sklaverei der Vergangenheit und der „Verwurstung“ der Klone in der
    Zukunft. Ich glaube aber, dass in jeder der Geschichten dies (Freiheit) das
    zentrale Moment ist, wenn auch manchmal der Freiheitsbegriff nicht nur als „nicht
    gefangen sein“ gemeint ist, sondern auch andere „Freiheiten“ umfasst. Ich
    benutze im Folgenden die Buchkapitel, um die Storys zu bezeichnen.

    Das Pazifiktagebuch des Adam Ewing: Hier kommt das
    Freiheitsmotiv sogar zweimal vor: Offensichtlich in der thematisierten Sklaverei
    , aber auch im Arzt, der seinen Patienten zu heilen vorgibt, ihn aber in
    Wirklichkeit vergiftet – ihn also ans Bett und in seine Kabine fesselt. Was der
    Arzt auch einmal sagt, erscheint mir ebenfalls wichtig: „Es wandern die
    Schwachen den Starken in den Rachen“. Nach diesem Zitat könnte man auch das
    Gegensatzpaar Freiheiten für alle vs. Recht der Stärkeren aufmachen, um die
    zentrale Thematik zu benennen.

    Briefe aus Zedelghem: Hier ist in der Rolle des
    Unterdrückers keine Person, sondern die Gesellschaft an sich. In der Rolle des
    Unterdrückten ist Robert Frobisher, der „Schwule“. Immer wieder blitzt hier
    durch, dass er wegen seiner Orientierung unterdrückt wird. Er erwähnt seinen
    Vater, der nie etwas von ihm gehalten hat, und am deutlichsten wird es, als
    Vyvyan Ayrs ihn mit seiner Sexualität erpressen will, indem er sagt, er würde
    seinen Ruf überall vernichten, wenn er sich ihm denn nicht unterordnet.

    Halbwertszeiten, Luisa Reys erster Fall: In der Rolle des
    Unterdrücker: Der Konzern, der das Atomkraftwerk bauen will, obwohl er weiß,
    dass es gefählich ist – bzw. WEIL es gefährlich ist. In der Rolle als
    Streiterin für die Freiheit – in diesem Fall Freiheit der Information – die Journalistin
    Luisa Rey.

    Das grausige Martyrium des Timothy Cavendish: Unterdrücker
    ist hier mal wieder die Gesellschaft. Freiheitsberaubt sind die alten Menschen,
    die unter unwürdigen Bedingungen eingesperrt werden, um anderen „nicht zur Last
    zu fallen“. Für mich – trotz des offensichtlich komödiantischen Aspekts – eine der
    stärksten Geschichten, weil sie zeigt, dass wir AUCH HEUTE Menschen ihrer
    Freiheit berauben.

    Somnis Oratio: Klarer Fall. Ein Konzern züchtet sich
    Menschen, um sie umsonst arbeiten zu lassen und tötet sie anschließend auf effizienteste
    Art und Weise. Zusätzlich wird zur Unterdrückung der Klone auch noch ein
    religiöser Mechanismus verwendet.

    Slooshas Crossin und wie es weiterging: Der spannendste
    Fall! Aber das ist jetzt ganz stark interpretiert: Unterdrückter: Ziegenhirte
    Zachry. Unterdrückender: Ziegenhirte Zachry! Wie das geht? Für mich ist der (brillant
    dargestellte „Teufel“ nichts anderes als eine Personifizierung von Zachrys
    Ängsten, von seinen Voruteilen und seinem Aberglauben, die ihn davon abhalten
    oder dazu bringen gewisse Dinge zu tun – sei es das Betreten eines Berges oder
    die Beinahe Ermordung einer Frau, die nicht seiner Kultur entstammt. Ja auch
    wir selbst können uns unserer Freiheit berauben!

    Zusammenfassend:

    Für mich kreist dieses Werk (Sei es nun Film oder Buch) um
    den Themenkomplex Freiheit-Unterdrückung-Machtausübung und zeigt uns auf wie
    viele Arten, wir unserer Freiheit verlustig gehen können. Durch uns böse
    gesonnene Einzelpersonen, durch die Gesellschaft, durch Konzerne, durch uns.
    Und es ist immer an uns gewesen und wird wohl auch immer an uns sein uns dieser
    Unterdrückung zu erwehren – von wo sie auch kommen mag. Das ist FÜR MICH die
    Aussage dieses Werkes.

    Dinge wie die verschiedenen Überlieferungsformen, die
    Verweise, dass alles zusammen hängt und immer wieder geschieht und AUCH die
    Wiedergeburtsthematik. Sind für mich Symbole und Hinweise auf die ständige
    Aktualität dieses Themas in jeder Gesellschaft und zu jeder Zeit.

    Es gäbe noch viel mehr zu sagen zur Wiedergeburts-Thematik,
    zum Nietzsche-Bezug zu der Frage der Unterschiede zwischen Buch und Film, usw.
    usf. Aber ich glaube, ich hab schon genug gelabert? ^^

    Es würde mich aber interessieren, ob andere dem folgen können
    oder ob ihr eher findet, dass die Interpretation zu weit geht? :)

    • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

      Was ein wundervoller Kommentar! Vielen Dank für das Lob und vielen Dank für die Beobachtungen!

      Der Punkt der Überlieferung ist sehr spannend. Ich habe bei der zweiten Sichtung versucht die verbindenden Elemente zu finden, fand sie aber relativ schwach im Film ausgearbeitet. Dass es aber die Überlieferung der vorherigen Geschichte sein würde, kam mir so gar nicht in den Sinn. Vielen Dank dafür :-)

      Zum zweiten Punkt: Ja, der Freiheitsgedanke (und damit natürlich die Frage von Unfreiheit und Macht) sind eindeutig wiederkehrende Elemente. Ebenfalls ein schöner Aspekt, den wir so deutlich wohl gar nicht gesehen haben :-)

      • Viator

        Freut mich, dass der Kommentar beim Durchdenken helfen konnte, dann war die Zeit ja gut investiert. :)

        Was die verbindenden Elemente betrifft, hast du Recht – sie sind etwas schwach. Das krasseste Beispielt ist wohl das Buch “Halbwertszeiten. Luisa Reys erster Fall”, das man in Manuskriptform nur einmal – kurz – im Zug liegen sieht, während Cavendish aufsteht. Nun ist das sicher Geschmacksache, aber es stört mich eigentlich nicht. Ich mag es, wenn ich bei neuen Sichtungen eines Films nochmal bewusst nach etwas suchen kann und dann auch mit neuen Infos belohnt werde. Und wenn man in diesem Fall erst mal gemerkt hat, dass die Geschichten miteinander verbunden sind und man etwas darauf achtet, dann findet man die Verknüpfungen auch.

        Wenn ich dann vielleicht noch eine off-topic Frage stellen dürfte (Ich bin noch Anfänger im Blogging/Podcast-Bereich^^’): Ist dieses Disqus, mit dem man sich bei euch anmelden kann, sowas wie Gravatar? Bzw. mit Gravatar kompatibel? Ich hab mir die Website mal angesehen, aber 100%ig schlau werd ich daraus nicht. ^^’

        • http://www.secondunit-podcast.de/ Christian

          Disqus ist ein externer Dienst für Kommentare in Blogs. Ich glaube, dass das mit Gravatar vergleichbar ist. Gravatar ist glaube ich enger mit unserem Blogsystem WordPress verbündet, aber ich mag Disqus einfach lieber :D

          Das Schöne ist ja auch, dass man sich hier zu gar nix anmelden muss, um zu kommentieren ;-)

  • tinkengil

    Ich werfe an dieser Stelle einfach mal eine Podcast-Episodenempfehlung in die Runde:

    In der aktuellen Folge der Freakshow ist Falk Gärtner, VFX-Spezialist zu Gast. Er hat u.a. auch bei Cloud Atlas mitgearbeitet und bietet einen höchst interessanten Blick hinter die Kulissen. Und das zudem auch sehr kritisch, das hat mir zumindest etwas die Augen geöffnet. Unbedingt mal reinhören und nicht von der Länge der Sendung abschrecken lassen.

    Freakshow #121 You will never leave the American sector
    http://freakshow.fm/fs121-you-will-never-leave-the-american-sector